24. Juli 1589

Alle „bösen Leute und Unholden“ sollen umgehend verhaftet werden

München - Schongau * Herzog Ferdinand befiehlt seinem „Landrichter“, alle „bösen Leute und Unholden“, denen er habhaft werden kann, umgehend zu verhaften.

Ihre Wohnungen sollen nach „Salben, Amuletten, wächsernen und durchstochenen Bildern, menschliche Knochen und ähnlichen Zaubermitteln“ durchsucht werden.
Benennen die Angeklagten freiwillig „Mitschuldige“, soll man ihnen einen „Straferlass“ versprechen.

Den Grund dafür, weshalb der „böse Feind“ an Macht gewonnen hat, sieht der Herzog im Zusammenhang mit dem „sündhaften Leben“ der Untertanen.
Nur deshalb lässt Gott dem Teufel und seinen Werkzeugen freie Hand.

Die Pfarrer und Prediger im „Landgericht Schongau“ sollen deshalb das Volk zur „Buße und Besserung des Lebens“ ermahnen.  

Herzog Ferdinand fordert zur Unterstützung der unerfahrenen baierischen „Hexenjäger“ den darin geschulten „Nachrichter“ von Biberach an.
Er soll die Verdächtigten auf „Hexenmale“ untersuchen.

„Dann wir gesinet, auf alle in Schwung geende und wachsende hochsträfliche Laster, sonderlich das ungeheur Unholdwerckh ernstliche Inquisition und Straf furnemmen“


1589

Suchbegriffe

Hexenverfolgung, Hexe, Schongau, Salben, Amulette, Zaubermittel, Denunziation, Sünde, Hexenjäger, Hexenmale, Unholden,

Weitere Ereignisse im Jahr 1589

1589

München * Eine Münchner Brauersgattin namens „Kalteneckerin“ wird der „Hexerei“ bezichtigt und die Brauerei „von Gerichts wegen“ geschlossen.

1589

Trier * Peter Binsfeld, der „Weihbischof“ und „Generalvikar“ von Trier, veröffentlicht sein Buch „Von Bekanntnuss der Zauberer und Hexen“.

Er trägt damit entscheidend zur Förderung des „Hexenwahns“ bei und ist für die größten deutschen „Hexenverfolgungen“ des 16. Jahrhunderts, die von 1585 bis 1591 dauern, verantwortlich.

Binsfelds Buch ist hier weitaus einflussreicher als der „Hexenhammer“

1589

Schwabmünchen * In dem zum „Hochstift Augsburg“ gehörenden Schwabmünchen beginnen die „Hexenverfolgungen“, wo der als „Hexenbischof“ bekannte Marquard II. vom Berg bald das Gefängnis erweitern lassen muss, um die Angeklagten unterzubringen.

Hierher kommt der Biberacher „Hexenspezialist“ Christoph Hiert.

Das Ergebnis des bischöflichen „Hexenwahns“ sind 27 Hinrichtungen. 

1589

Ingolstadt * Im Zuge der großen „Hexenverfolgungen“ im Herzogtum Baiern wird auch Ingolstadt vom „Hexenwahn“ ergriffen.

Mehrere unschuldige Frauen werden verhaftet, verhört und gefoltert.
Bis zum Jahr 1592 werden in Ingolstadt 13 unschuldige Frauen als „Hexen“ zum Tode verurteilt. 

21. Januar 1589

München * In einem von Herzog Wilhelm V. herausgegebenen „Mandat“ wird erstmal die „Bäckerschelle“ erwähnt. 

Sie ist zunächst als Strafe für „Gotteslästerer und Flucher“ gedacht, wird aber ab 1596 auch für betrügerische Bäcker angewendet, die zu kleine Brote backen. 

Um März 1589

Ingolstadt * Maximilian I., Sohn Wilhelms V. und späterer baierischer Herzog und Kurfürst, studiert an der „Hohen Schule“ in Ingolstadt „Rechtswissenschaften“.

Sein Lehrer ist der „Doktor beider Rechte“ Johann Baptist Fickler, der „Hexerei“ als eine Realität betrachtet und sie als einen „Fluch des Teufels“ bezeichnet, dem mit „allen Strafmitteln“ begegnet werden muss.

Dem „Hexenwahn“ steht der studierte „Jurist“ ebenso mit Arglosigkeit und Kritiklosigkeit gegenüber, wie sein Zögling Herzog Maximilian I..

Man lässt den damals gerade 17-jährigen Prinzen der „Folterung von Hexen“ beiwohnen.
Nach solcher Vorbereitung auf den Regentenberuf kann es nicht überraschen, dass Maximilian I. der ärgste „Hexenverfolger“ unter den baierischen Fürsten wird. 

Juli 1589

Schongau - München * Das Zentrum des „ersten altbaierischen Hexenprozesses“ ist Schongau bei Weilheim, das vom Bruder Wilhelms V., Herzog Ferdinand, verwaltet wird. 

Herzog Ferdinand reagiert empfindlich, als ihm sein „Landrichter von Schongau“ von „Hagelschäden, Ernteausfällen“ und den damit verbundenen „Einnahmeverlusten“ berichtet.

Zum Glück kann „Richter“ Hans Friedrich Herwarth von Hohenburg gleich die für die Katastrophe Verantwortlichen benennen: die „Hexen“

Ab August 1589

Schongau * In dem ohne gesetzliche Grundlage durchgeführten und „Hexenprozess“ werden unter rücksichtslosester Anwendung der „Folter“ die unsinnigsten Geständnisse erpresst.

Die Frauen gestehen unter anderem

  • das „Wettermachen“,
  • das „Töten von Tieren“ durch Beschmieren mit der „Hexensalbe“,
  • das „Ausgraben und Sieden von Kindern“ zur Salbenherstellung,
  • „sexuellen Umgang mit dem Teufel“ und
  • „nächtliche Ausfahrten auf der Heugabel“ zu teuflischen Festen.

Die Aussagen der so gepeinigten Angeklagten werden mit einer entsprechenden Empfehlung des „Schongauer Landrichters“ Hans Friedrich Herwarth von Hohenberg an Herzog Ferdinand gesandt, der dann den „Hinrichtungsbefehl“ gibt. 

1. September 1589

München * Der „Weinsiegler“ Hanns Reiter und seine Ehefrau sollen sich bis „Michaeli“ [29. September] „katholisch erklären“ oder das Land verlassen.

27. September 1589

Graggenau * Die „Hofkammer“ will die Geldverschwendung für den Durst der „Hofschranzen“ eingeschränkt sehen, weshalb sie einen Antrag für den Bau eines „aigen Preuhaus“ formulierte.
Das Datum gilt seither als offizieller Gründungstermin des „Hofbräuhauses“.

Einen Brand beim alten „Hennen- und Badhaus“ im „Alten Hof“ erkennt man als Zeichen des Himmels und umgehend beginnen die Arbeiter in der Nähe des „Zerwirkgewölbes“ die Wände einzureißen, die Keller einzuschachten und Sudanlagen zu installieren. Der Keller diente zuvor dem Herzogshof als Vorratsraum. 

Der Standort am „Alten Hof“ kam den Verantwortlichen aufgrund der „besseren Überwachung bezüglich der möglichen Veruntreuungen“ gerade recht. 
Darin wird zunächst nur „braunes Bier“ gebraut. 

28. September 1589

Werdenfelser Land * In der zum „Fürstbischof“ von Freising gehörenden „Grafschaft Werdenfels“ beginnt mit der Verhaftung der 55-jährigen Ursula Klöck sowie Elsbeth Schlamp und ihre Tochter Appolonia eine große „Hexenverfolgung“, in deren Verlauf fünfzig Frauen und ein Mann der „Hexerei“ beschuldigt werden.

Als Landesherr des „Freisinger Kirchenstaates“ steht ebenfalls ein Bruder des baierischen Herzogs Wilhelm V. an der Spitze:  
„Fürstbischof“ Ernst von Freising ist zugleich „Kurfürst des Fürstbistums Köln“ am Rhein. 

14. Oktober 1589

Graggenau * Ein Kostenvoranschlag für den Bau des „Hofbräuhauses“ wird vorgelegt. 

30. Oktober 1589

Freising - Werdenfelser Land * Aus Freising geht der Befehl in die „Grafschaft Werdenfels“, gegen die der „Hexerei“ Angeklagten Ursula Klöck sowie Elsbeth Schlamp und ihre Tochter Appolonia die „Folter“ anzuwenden.

Damit ist der Ausweitung des „Hexenprozesses“ Tür und Tor geöffnet.
Durch die über die „Folter“ herausgepressten Geständnisse werden etwa 180 Personen in den Prozess einbezogen.

Am Ende werden 50 Frauen und ein Mann der „Hexerei“ schuldig befunden und zum „Tod auf dem Scheiterhaufen“ verurteilt. 

15. November 1589

Tübingen * Der Mathematiker, Arzt, Kartograph und Heraldiker Philipp Apian stirbt in Tübingen. 


Verwendet in Führung:

23. Maximilianstraße
29. Graggenau



Hexenverfolgung, Hexe, Schongau, Salben, Amulette, Zaubermittel, Denunziation, Sünde, Hexenjäger, Hexenmale, Unholden