10. März 1590

Die Einstellung gegenüber den „Hexenverfolgungen“ ändert sich

München * Dr. Johann Georg Herwarth von Hohenburg wird zum „Geheimen Rat“ und „Obristkanzler“ ernannt.

Mit seiner Berufung ändert sich die Einstellung gegenüber den „Hexenverfolgungen“.
Denn der Jurist versucht diese mit den Mitteln des geltenden „Strafprozessrechts“ einzudämmen und bestreitet jedes „Ausnahmerecht“.

Der Grund dafür ist, dass hier Ermittlungen, Verfolgungen und Verurteilungen wegen „Hexerei und Zauberei“ ohne entsprechende landesherrliche Gesetze und Vorgaben eingeleitet und vollstreckt werden.
Zu zahlreich sind die Übergriffe und Unregelmäßigkeiten geworden.

Um den gesetzlosen Zustand zu beenden, leitet Dr. Johann Georg Herwarth von Hohenburg - noch während im baierischen Herzogtum die „Hexenprozesse“ in Schongau, Ingolstadt und München laufen - eine „Gesetzgebung gegen das Hexenverbrechen“ und damit die „Eindämmung der Hexenverfolgung“ im Herzogtum Baiern ein. 


1590

Suchbegriffe

Hexenverfolgung, Hexen, Strafprozessrecht, Ausnahmerecht, Zauberer, Hexenprozesse, Schongau, Ingolstadt,

Personen


Weitere Ereignisse im Jahr 1590

1590

Kreuzviertel * Herzog Wilhelm V. lässt im Hofgarten der späteren „Herzog-Max-Burg“ Wein anpflanzen.

Der daraus gekelterte Wein soll in manchen Jahren „bey 50 Eimer gehabt haben“ (= ca. 3.200 Liter).

Ab 1590

Oberstdorf * In dem zum „Hochstift Augsburg“ gehörenden Oberstdorf werden zwischen 1590 und 1592 noch einmal 68 Frauen als „Hexen“ verbrannt. 

Um 1590

Rettenberg * In dem zum „Hochstift Augsburg“ gehörenden „Pfleggericht Rettenberg“ werden 25 „Hexen“ ermordet. 

1590

Au * Die Au ist nach Auffassung des „herzoglichen Hofkastenamtes“ so stark besiedelt, dass man sich zu ersten Gegenmaßnahmen entschließt. 

Um 1590

München * Während der Hexenverfolgungen werden einige Ehefrauen Münchner Bierbrauer der Hexerei verdächtigt.

Darunter die Frauen des „Gilgenrainerbräus“ Viereck, des „Unterspatenbräus“ Jörg Spät und des „Kalteneckerbräus“ Galle Stoltz, der seine Brauerei „von Gericht wegen“ schließen musste. Betroffen war auch die Anna Freykamerin.

In einer Zeitung heißt es zu den Hexenverbrennungen: „Volgends um den anfang des Monats Julii sind irer bey fünffen in München verbranndt worden. Under welchen eine wolbekannte Prewin gewesen, die ausgesagt sol haben, wie sie und etlich hundert mit ir in dem Mertzenbier, eh sie dies ausgeschenkt, gebadet habe“.

2. April 1590

München * Herzog Wilhelm V. fordert zur Unterstützung des Verfahrens zur „Gesetzgebung gegen das Hexenverbrechen“ vom „Hofrat“ und von der „juristischen und theologischen Fakultät“ der „Universität Ingolstadt“ ein „Gutachten über die zu ergreifenden Maßnahmen gegen die überhand nehmende Hexerei“ an.

Darin führt der Herzog aus, Gott selbst habe wegen der schrecklichen Sünden der Menschen diese mit der „neuen Pest der Hexerei“ gestraft.
Und weil die „Hexerei“ die größte aller Sünden wäre, würde Gott wiederum beleidigt werden.

Er, Wilhelm V., sei als Fürst Gott verantwortlich und müsse durch „Bestrafung und Ausrottung der Hexen“ die „Ehre Gottes“ retten und wiederherstellen.
Die Argumentation, dass sich nach dieser Logik Gott eigentlich selbst beleidige, wird ignoriert.

Es ging auch nicht so sehr um die „Ehre Gottes“, sondern um die Angst vor weiteren „göttlichen Strafen“

6. April 1590

München - Ingolstadt * In dem „Gutachten des Hofrates“ werden zunächst ausdrücklich die Meinungen derjenigen protestantischen „Hexenverfolger“ zurückgewiesen, die gemäßigt auftreten.

Dazu gehören Johannes Brenz aus Stuttgart und seine Anhänger, die jede Möglichkeit eines tatsächlichen „Wetterzaubers“ abstreiten.
Wetter sind eine Angelegenheit der Natur oder Gottes, nicht aber Sache „alter Weiber“ oder gar des „Teufels“.

Nach dem „Hofratsgutachten“ ist den „Katholiken“ künftig jeder Zweifel an der „Existenz der Hexen“, des „Teufelspakts“, des „Hexenflugs“ und des „Schadenszaubers“ ebenso verboten wie jede inhaltliche Kritik.

Auch das von vier „Theologieprofessoren“ ausgearbeitete „Ingolstädter Gutachten“ kommt zum Ergebnis, dass „die Obrigkeit mit Eifer und Strenge gegen die Hexen“ vorgehen und es den Untertanen zur Pflicht machen soll, „Verdächtige zu denunzieren“.  

Die „Gutachten“ folgen alleine den „katholischen Autoren“ und unter diesen wiederum nur denjenigen, die die härtesten Ansichten zur „Hexenverfolgung“ vertreten, die jemals in der „europäischen dämonologischen und juristischen Literatur“ zum „Hexenprozess“ geäußert worden sind. 

Mai 1590

München * Der „Hofrat“ erlässt die „Gemeine General Instruction. Wie sich alle und jede Pfleger, Richter und Beamte [...] mit den Unholden und Hexenwerckhs verleumbden Personen in Erkennung, Einziehung und Besprachung [...] zu verhalten haben“.  

Damit ist die „Strafbarkeit des Hexereidelikts“ im baierischen Herzogtum landesherrlich gebilligt.
Die „Verrechtlichung des Hexerei-Tatbestands“ führt zunächst aber zum Rückgang der Verfolgungen.

Den zuständigen „Unterbeamten“ erscheint die Einleitung eines Verfahrens juristisch offensichtlich zu kompliziert und risikoreich.  
Und nicht jeder „Landrichter“ ist „Jesuitenschüler“ und versteht die dahinter stehende theologische Logik.
Hinzu kommen die Widersprüchlichkeiten der „Hexenprozess-Ordnung“ und die ständig eintreffenden einschränkenden Vorgaben. 

10. Mai 1590

Kreuzviertel * Bei einem Gewitter stürzt der Turm der neuen „Michaels­kirche“ ein.

Für die „Jesuiten“ ist es eindeutig und naheliegend, dass das Unglück von den „Hexen“ beeinflusst ist.
„Ist vergangene Tage so ein grewlich wetter abgegangen, dem Thurm und gebew nitt wenig befürderung mechte geben haben; dann vill die meinung, daß sollich ungewonliche gewütter von den maledeutten bösen Weibern gemacht werden“

14. Mai 1590

Ingolstadt - München * In mehreren Briefen, unter anderem in dem vom 14. Mai 1590, berichtet der Student Maximilian I. - völlig unberührt - an seinen Vater von den entsetzlichsten Folterungen, die er in den Ingolstädter „Hexenprozessen“ erlebt hat.

Auch nach seinem Regierungsantritt huldigt der Herzog und Kurfürst Maximilian I. dem „Hexenwahn“

Um Juni 1590

München * In München findet ein „Hexenprozess“ statt, in dessen Zusammenhang vier Frauen verbrannt werden.

Der Münchner „Falkenturm“ fungiert als „Hexenturm“.

Leider haben sich die Akten nur lückenhaft überliefert, sodass weder ein Zusammenhang des „Hexenprozesses“ mit dem Einsturz des Turms der „Michaelskirche“, noch mit der Nennung von vier „Brauerinnen“ hergestellt und bewiesen werden kann.

Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass es auch wesentlich mehr als die vier bekannten Opfer gewesen sein können. 

2. Juli 1590

München * Der von Herzog Wilhelm V. ausgehende „Hexenprozess“ ist zu Ende.

Die Anklage gegen vier „Weibspersonen“ unterschiedlichen Alters lautet auf

  • „Buhlschaft mit dem Teufel“,
  • „Leichenraub“ und „Leichenschändung“,
  • „Hostienentweihung“ sowie
  • „Hexerei“.

Die vier Frauen, Anna Anbacherin, Brigitte Anbacherin, Regina Bollingerin und Regina Lutzin, machen die üblichen Geständnisse: „Ausfahrt mit dem Teufel über Felder und in verschiedene Weinkeller“.
Eine andere gestand, „sie habe ein totes Kindlein auf dem Gottesacker vor dem Sendlinger Thor ausgegraben und daraus eine wässrige, zähe und wasserfarbige Salbe bereitet“.

Aufgrund des erdrückenden „Beweismaterials“ werden alle vier Frauen als „Hexen“ zum Tode verurteilt.
Wegen ihres hohen Alters werden sie - auf Fürbitte hoher fürstlicher Personen - vorher erdrosselt und danach ihre geschundenen Körper verbrannt. 

Um den 14. August 1590

Landshut * Der weithin bekannte „venezianische Goldmacher“ Marco Antonio Bragadino reitet auf einem Berberhengst durch das Landshuter Stadttor ein.  

Er ist mit den erlesensten und teuersten Stoffen gekleidet und wird von Dienern und zwei großen schwarzen Doggen begleitet.  

Der anwesende baierische Herzog Wilhelm V. begrüßt den vornehmen Ankömmling mit überschwänglicher Freude.  
Der Baiernregent erhofft sich von dem Fremden die Lösung seiner gesundheitlichen und - vor allem - seiner finanziellen Probleme, da dieser mit dem „Lapis philosophorum” den „Stein der Weisen“ besitzt. 

3. September 1590

Landshut * Marco Bragadino berichtet in einem Brief nach Padua über seine Erfahrungen mit Herzog Wilhelm V.:  

„Ich befinde mich bei diesem Fürsten von Baiern, einem Herrn voll der frömmsten Gedanken und Sitten und jeder einzigartigen Tugend, der mich liebt und so sehr meine völlige Zufriedenheit wünscht, dass ich wirklich sagen kann, ich sei der eigentliche Herr und Gebieter, ja noch mehr sagen könnte, wenn ich es wagte“

4. September 1590

Landshut - Augsburg * Der „Goldmacher“ Marco Bragadino reist nach Augsburg, um dort Chemikalien einzukaufen. 

10. September 1590

Padua - Landshut * Marco Bragadino lässt seine „Familia“ aus Padua nachkommen.  

Der Zug mit insgesamt elf Personen macht sich auf den Weg nach Landshut.  
Die Reisegruppe kommt aber nur langsam voran, da Bragadinos Lebensgefährtin Laura Canova, eine verwitwete Vilmerca, hochschwanger ist, nicht reiten darf und deshalb in einer Sänfte reisen muss, was die Reisekosten enorm in die Höhe treibt. 

19. September 1590

Landshut * Marco Bragadinos „Familia“ erreicht die Tore von Landshut.  

Marco Bragadino ist nicht in der Stadt, da er am 4. September 1590 nach Augsburg aufgebrochen ist, um dort Chemikalien einzukaufen.  
Seine Rückreise geht über München. 

24. September 1590

München * Herzog Wilhelm V. erlässt für seine Richter eine „Instruktion über die Behandlung von Unholden und des Hexenwerks verdächtige Personen“.

Um den 28. September 1590

Landshut * Marco Bragadino trifft wieder in der niederbaierischen Residenzstadt ein. 

Oktober 1590

Ingolstadt * In einem Gutachten der „Universität Ingolstadt“ gegenüber der „Hochstiftlichen Regierung in Freising“ wird festgestellt, dass den von den „Scharfrichtern“ ermittelten „Hexenmalen“ keine Beweiskraft mehr zukommt, weil sich ein „so gewöhnlicher und verworfener Mensch“ wie ein „Nachrichter“ bei der „Erkennung der Hexenzeichen“ durchaus täuschen könne.

Damit ist die sogenannte „Nadelprobe“, die zum hoch geschätzten Gutachterwissen der „Scharfrichter“ gehört, für das Verfahren wertlos geworden. 

16. Oktober 1590

Landshut * Durch den unerwarteten Tod der Herzogin Anna, der Mutter Herzog Wilhelms V., wird der Aufenthalt auf der „Burg Trausnitz“ in Landshut für die Herzogsfamilie und der Gefolgschaft des „Goldmachers“ Marco Bragadino jäh beendet. 

18. Oktober 1590

Kreuzviertel * Der „Alchemist“ Marco Bragadino trifft in München ein.  

Vermutlich wohnt der „Goldmacher“ mit seinem Gefolge wie sein Auftraggeber in der „Wilhelminischen Veste“, der heutigen „Herzog-Max-Burg“.  

Dadurch kann der Herzog viele Stunden mit seinem neuen „Günstling“ verbringen, ohne dass dies großes Aufsehen erregt. 


Verwendet in Führung:

11. Münchner Zeitensprünge
21. Berg am Laim - Ost
23. Maximilianstraße
29. Graggenau



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