1897

Ludwig Thomas Erstlingswerk „Agriccola“ erscheint

München * Ludwig Thomas Erstlingswerk „Agriccola. Bauerngeschichten“ erscheint. 


1897

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Agriccola, Bauerngeschichten,

Personen

Thoma Ludwig Schriftsteller

Weitere Ereignisse im Jahr 1897

1897

Hackenviertel * „Miss Alwanda“ beeindruckt die Besucher des „Internationalen Handels-Panoptikums“ mit ihren Tätowierungen von verschiedenen europäischen Staatsoberhäuptern auf ihrem Körper.

1897

Hackenviertel * Carl Gabriel scheidet aus der „Direktion“ des „Internationalen Handels-Panoptikums“ in der Neuhauser Straße aus.

Eduard Hammer führt das Unternehmen alleine weiter.

Ab 1897

Deutschland * Die Zahl der Beschäftigten im „Telephondienst“ nimmt zwischen 1897 und 1907 um fast das Vierfache zu. 

Da ist die Kostenersparnis durch das um 25 Prozent in den Lohnkosten billigere „Fräulein vom Amt“ schon von erheblicher Bedeutung. 

1897

Graggenau * Die Planungen für den westlichen Erweiterungstrakt des „Neuen Rathaues“ werden in Angriff genommen.

Ab 1897

München * In verschiedenen Etablissements werden die Filme vorgeführt.

Feste „Filmtheater“ gibt es noch nicht. Neben „Konzertsälen“, verschiedenen „Theatern“, dem „Panoptikum“ und dem „Volksgarten“ dienen auch Gaststätten und Bierkeller als Filmvorführstätten.

1897

München - Puchheim * Die Stadtverwaltung schließt mit der „Gesellschaft Hausmüllverwertung München“ einen Vertrag, worin sich die Stadt verpflichtet, dieser Gesellschaft den „gesamten Hausunrat ohne Ausnahme“ zur Trennung in verwertbare und nicht verwertbare Teile zu überlassen.

Die Gesellschaft baut dafür in Puchheim eigens eine entsprechende Anlage.
Die Stadt sorgt dafür, dass der „Müll“ mit der Eisenbahn nach Puchheim transportiert wird.

Aufgabe der Gesellschaft ist es, aus dem „Hausmüll“ landwirtchaftlich verwertbaren Dünger herzustellen und die hierfür nicht geeigneten Bestandteile des Mülls „hygienisch einwandfrei zu verwerten“.
Ausgesondert werden Glas, Papier, Knochen, Lumpen und Metalle, außerdem Gummi, Kork und Holz.
Was übrig bleibt, wird auf unfruchtbarem Moorgrund aufgeschüttet.

Nach Darstellung der „Süddeutschen Sonntagspost“ ist danach der Moorboden so fruchtbar, dass darauf sogar Futterrüben angebaut werden können.

1897

Berg am Laim * Die beiden Gründer der Firma „Franz Kathreiner‘s Nachfolger“ scheiden aus dem Unternehmen aus.

Die Zahl der Beschäftigten liegt bei 217.

1897

Graggenau * Die Halle aus Glas und Eisen, die den „Königlichen Wintergarten auf dem Festsaalbau der Münchner Residenz“ bedeckt hatte, wird abgebaut und auf dem Gelände der „Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg - MAN“ in Nürnberg wieder aufgerichtet.  

Sie wird im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs zerstört. 

1897

Graggenau * Ein erster „Führer durch die Residenz zu München“ erscheint.  

Täglich außer an Sonn- und Feiertagen kann die „Residenz“ besichtigt werden.  
Ausgenommen sind natürlich die von der Herrscherfamilie noch bewohnten Zimmerfolgen. 

1897

München * Der „Verein der Brauereibesitzer in München“ hat 15 Mitglieder.

1897

Haidhausen * Dem „Muffatwerk“ stehen 1.370 PS zur Stromerzeugung zur Verfügung.

1897

Haidhausen * Der 34-jährige „Akademieprofessor“ Franz Stuck erwirbt das Grundstück an der „Äußeren Prinzregentenstraße“ und beginnt umgehend mit den Planungsarbeiten für seine „Künstler-Residenz“.

1897

Au * Als in diesem Jahr das Niveau der Zeppelinstraße um einen Meter angehoben wird, bietet sich für Johann Bucher ein Neubau seines Hauses für seinen Laden und seine „Drahtfabrik“ förmlich an.

1897

Deutsch-Südwestafrika * Die „Herero“ erwirtschafteten ihren Lebensunterhalt traditionell mit der „Rinderzucht“.

Als es im Jahr 1897 zu einer „Rinderpest“ ausbricht, werden die Herden der „Herero“ stark dezimiert.
Durch die zunehmende „Aneignung des Landes“, insbesondere wertvoller „Weidegründe“, durch die sich die „deutschen Siedler“ in den Besitz der Rinder bringen wollen, kommt es in der Folge zu empfindlichen Einbußen der „Herero“.

Das betrifft nicht nur wirtschaftliche, sondern auch kulturelle Werte.
Hinzu kommen noch „Betrügereien“ der Siedler.

Durch die daraus resultierende Verarmung waren viele „Herero“ gezwungen, Lohnarbeit auf deutschen Farmen anzunehmen.  Andere, noch Vieh besitzende „Herero“, geraten immer öfter in Konflikte mit den „Siedlern“, wenn sie ihre Herden auf dem nunmehr von den Deutschen beanspruchtem Land weiden ließen.
Zornige „Siedler“ vertreiben die „Hirten“ oftmals gewaltsam.

Neben dem existenzbedrohenden Verlust immer größerer „Weidegebiete“ war es die „rassistische Diskriminierung der Herero“, die als Auslöser für den „Aufstand“ wirkt.

Weitere schwere Vergehen waren „Vergewaltigung“ und „Mord“, deren sich „Siedler“ gegenüber den „Herero“ schuldig gemacht hatten.
Dass diese Fälle vielfach nicht oder nur milde bestraft werden, verstärkt die Spannungen weiter. 

1897

Au * Der „Architekt und Städteplaner“ Theodor Fischer schreibt zur „Lilienstraße“ folgende Zeilen:

„[...] in ihrer im Laufe der Jahre gewachsenen natürlichen Form versprach die Straße, daß sie, wenn sie erst einmal ausgebaut sein würde, zu den schönsten der Stadt gehören werde“.

1897

Untergiesing * In unmittelbarer Nähe des „Schyrenbades“ findet nun auch der vom „Städtischen Schlachthof“ an der Kapuzinerstraße dorthin verlegte „Heumarkt“ statt.

Der „Heumarkt“ ist für die zahlreich vorhandenen Pferde der Fuhrunternehmer, Brauereien usw. unverzichtbar.

1897

München * Die „Israelitische Kultusgemeinde München“ wehrt sich massiv gegen die „Zionistische Bewegung“ von Theodor Herzl, der in der bayerischen Haupt- und Residenzstadt den ersten „Zionisten-Kongress“ abhalten will.

Herzl hat sich für München als Veranstaltungsort entschieden, weil „diese Stadt als gastfreundlich gilt und ein geeigneter Verkehrsmittelpunkt“ ist.

Der zionistische Gedanke, der auf die Verwirklichung einer jüdischen Nation mit einem eigenen Staat „Palästina“ hinzielt, wird von den bayerischen Juden abgelehnt.
Sie fühlen sich als deutsche Staatsbürger und sehen durch das zionistische Gedankengut ihre Bemühungen um Integration gefährdet.

Sie wollen alles unterlassen, was den antisemitischen Parolen von der „fremden jüdischen Rasse“ und „dass die Juden Liebe und Anhänglichkeit zu ihrem Vaterlande nicht besitzen“ neue Argumente liefern könnte.

Der Widerstand der Münchner Juden bewirkt, dass der erste „Zionisten-Kongress“ in Basel stattfinden muss.

Seit dem Jahr 1897

München * Der 15jährige Valentin Ludwig Fey tritt bereits als „Vereinshumorist“ auf.

Dabei begleitete er sich selbst mit der Zither und der Ziehharmonika, um anschließend mit dem Teller bei den Gästen ein wenig Geld einzusammeln. Diese Tätigkeit nannte man „schuberln“.

Sein „Auftrittsverzeichnis“ umfasst bis zum Jahr 1908 eine Vielzahl von Engagements.

1897

München * Der Malzverbrauch aller Münchner Brauereien liegt bei 1.434.283 Hektoliter.

1897

München * Die Biereinfuhr nach München beträgt 9.295 Hektoliter.

Sie hat sich seit 1830 nur um 636 Hektoliter erhöht.

1897

München * Der Export Münchner Bieres liegt bei 1,5 Millionen Hektoliter.

Der Bierverbrauch in München beträgt 1,7 Millionen Hektoliter.

1897

München * Der „Bayerische Bauernbund - BBB“ fordert unter anderem die „Aufhebung der kirchlichen Schulaufsicht“ und die „Abschaffung der aristokratischen Ersten Kammer“.  

Georg von Vollmar, der Führer der „SPD“ fordert die „Trennung von Staat und Kirche“ und kritisiert die „Vormundschaft der Kirche über die Lehrer“.  

Das Zentrum sieht darin ein Streben nach „Entchristlichung der Schule“, wie sie auch den „Liberalen“ vorschwebe, und fordert im Umkehrschluss „die volle Emanzipation der Kirche von den Fesseln staatlicher Bevormundung“.

1897

Untergiesing - Nymphenburg * Der „Rennbahn“ auf dem „Schyrenplatz“ folgt die „Eisenbeton-Bahn“ im „Nymphenburger Volksgarten“ mit Tribünen für 10.000 Zuschauer.

1897

Obergiesing * Bis auf wenigen Ausnahmen ist der Bau der „Heilig-Kreuz-Kirche“ vollendet.

Den Innenraum der Kirche bestimmen lediglich drei Materialien: Stein, Holz und Gold. Bis auf die Glasmalereien der Fenster und die Seitenaltäre ist er völlig unfarbig.

Der „Hochaltar“ der „Heilig-Kreuz-Kirche“, mit einer Gesamthöhe von 16 Metern, ist - wie die meisten Einrichtungsgegenstände - Geschenke oder Stiftungen reicher Münchner Privatiers. Seine Plastiken werden mit einer grauen, steinfarbenen Fassung versehen, die Gewänder haben Goldsäume. Ebenfalls vergoldet ist der Hintergrund des Mittelbildes.

Das Kreuz gegenüber der Kanzel stammt noch aus der „alten“ Kirche.

9. Januar 1897

Ludwigsvorstadt * Im „Deutschen Theater“ findet der erste „Maskenball“ statt.  

„Das mit Glühlichtern festlich beleuchtete Haus strahlte nur so von herrlichen Masken und Dominos“, heißt es in der Chronik. 

Es gibt eine strenge „Kleiderordnung“.
Die Herren müssen im Frack erscheinen, die Damen im „Domino“, einem schwarz-weißen Abendkleid. 

4. Februar 1897

Fürth * Ludwig Erhard, der spätere Wirtschaftsminister und Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland sowie CDU-Vorsitzende, wird in Fürth geboren. 

5. Februar 1897

Sankt Martin * Anton Graf von Arco auf Valley wird in Sankt Martin im Innkreis, Oberösterreich, geboren. 

Sein Vater stammt aus dem bayerischen Adel, seine Mutter ist eine geborene Oppenheim aus der gleichnamigen jüdischen Bankiersfamilie. 

4. März 1897

Haidhausen * Valentin Ludwig Fey beginnt auf Wunsch seines Vaters eine Lehre beim Schreinermeister Johann Hall­huber in der Weißenburger Straße 28, Rückgebäude. 

Der Vater muss für seinen Buben insgesamt 500.- Mark „Lehrgeld“ bezahlen.

Um den 8. März 1897

München * Franz Stuck erhält das „Münchner Bürger- und Heimatrecht“ übertragen.

15. März 1897

München * Franz Stuck heiratet Mary Lindpaintner, geborene Hoose, die Witwe des Münchner Arztes Julius Lindpaintner. 

16. März 1897

Haidhausen * 56 sportbegeisterte „Turngenossen“ gründen in einem Gaststättensaal an der Pariser Straße 30 den „Arbeiter-Turn-Verein-München Ost“.

Der „Arbeiter-Turn-Verein München-Ost“ hat die benötigte finanzielle Hilfestellung von der SPD und den Gewerkschaften erhalten.  
Damit können die Turner wieder ihre organisierten Übungsstunden abhalten.
Als monatlichen Beitrag müssen die Mitglieder 50 Pfennige aufbringen.

Im ersten Monat liegt das Beitragsaufkommen - inclusive Spenden - bei 28 Reichsmark.
Nach Abzug von 40 Mark für die Anschaffung des notwendigen Turngeräts und der fälligen Turnhallenmiete muss ein Minderbetrag von zwölf Reichsmark von der SPD und der Gewerkschaft übernommen werden.

Da es in Haidhausen keine anmietbare Turnhalle gibt, findet der Turnbetrieb des „Arbeiter-Turn-Vereins München-Ost“ in den Nebenzimmern von Gaststätten statt.
Dazu müssen die eigenen Geräte mitgebracht werden. 

April 1897

Hackenviertel * Im „Internationalen Handels-Panoptikum“ wird eine „Witwenverbrennung in Indien“ und der „Tod eines lebenslänglich Verurteilten in den sibirischen Bergen“ gezeigt.

Mit solchen Darstellungen soll den Besuchern die Überlegenheit der westlichen Zivilisation insbesondere gegenüber der außereuropäischen Welt vor Augen geführt werden.

1. Mai 1897

Amsterdam - Java * Das Ehepaar Margaretha Geertruida und John MacLeod reist nach Batavia, dem heutigen Jakarta, auf Java, in die damalige „Kolonie Niederländisch-Indien“, wo der Ehemann im Rang eines „Majors“ dient. 

Um den Juni 1897

Haidhausen * Auf Betreiben seiner Frau erwirbt Franz Stuck ein Grundstück an der „Äußeren Prinzregentenstraße“ und beginnt umgehend mit den Planungsarbeiten für seine Villa. 

27. Juli 1897

Haidhausen * Franz Stuck reicht die Pläne für sein „Künstler-Palais“ bei der „Lokalbaukommission“ in München zur Genehmigung ein.

Die Überprüfung der Planungen führen zur umgehenden Ablehnung und der Aufforderung zur Überarbeitung.

24. August 1897

Haidhausen * Franz Stuck legt der „Lokalbaukommission“ die überarbeiteten Pläne für seine „Künstler-Villa“ vor. 

Jetzt erhält er - nach Zustimmung der „Königlichen Regierung von Oberbayern“ - die Genehmigung zum Bauen. 

September 1897

Theresienwiese * Johann Rössler erhält ein Schreiben vom Münchner Magistrat, in dem dieser ihn bittet, den Wunsch vieler Münchner zu erfüllen und die zur Attraktion gewordene „Ochsenbraterei“ wieder auf der „Wiesn“ zu präsentieren.

September 1897

Theresienwiese * Die 24 Plätze für die Wirtsbuden werden jährlich neu an die meistbietenden „in München gewerbsberechtigten Inhaber von Schankwirtschaften“ versteigert.

26. September 1897

Concesio * Giovanni Battista Enrico Antonio Maria Montini, der spätere Papst Paul VI., wird in Concesio, nahe Brescia, geboren. 

9. Oktober 1897

Haidhausen * Die Erdaushubarbeiten für die „Villa Stuck“ an der Prinzregentenstraße beginnen. 

November 1897

Hackenviertel * Im „Internationalen Handels-Panoptikum“ werden „lebende Gemälde“ vorgeführt.

Junge, leicht bekleidete Modelle stellen im Goldrahmen vor dem entsprechenden Hintergrund bei passender Beleuchtung bestimmte Themen wie „Morgen, Nacht, Amor, Salome“ dar.

14. November 1897

Kiautschou-Bucht - China * Nachdem am am 1. November 1897 zwei deutsche „Missionare“ ermordet worden waren, lässt Kaiser Wilhelm II. die „Kiautschou-Bucht“ besetzen.

Die Aktion ist jedoch keinesfalls eine spontane Reaktion auf die Ermordung der Deutschen, sondern nur der offizielle Vorwand eines über Jahre sorgfältig vorbereiteten Unternehmens. 

6. Dezember 1897

Berlin * Der spätere deutsche „Reichskanzler“ Bernhard von Bülow fordert „einen Platz an der Sonne“ für die angeblich „zu spät gekommene Nation“, wobei neben dem Besitz von „Kolonien“ ein Mitspracherecht in allen „kolonialen Angelegenheiten“ gemeint ist. 


Verwendet in Führung:

28. Kreuzviertel



Agriccola, Bauerngeschichten
Thoma Ludwig Schriftsteller