10. April 1919

Die Milchlieferungen aus dem Allgäu sind vollständig ausgeblieben

Allgäu - München * Nachdem die Milchlieferungen aus dem Allgäu vollständig ausgeblieben sind, kann in den Münchner „Kaffeehäusern“ keine Milch verabreicht werden. 


1919

Suchbegriffe

Milchlieferung, Kaffeehäusern, Café, Allgäu,

Weitere Ereignisse im Jahr 1919

1919

Bernried * Der Arzt Dr. Alfred Haas kauft von Carl Riedl ein „Sommerhaus“ an der Bahnhofstraße 14 in Bernried am Starnberger See.

1919

Molsheim * Die Planungen und Entwürfe für den „Bugatti Royale Typ 41“ beginnen.

Ettore Bugatti will ein Luxusfahrzeug konstruieren, das, angetrieben von dem stärksten und laufruhigsten Motor seiner Zeit, der Konkurrenz von Rolls-Royce, Mercedes-Benz, Maybach und Cadillac überlegen ist.
Als Kundschaft hat Ettore Bugatti die europäischen Königshäuser und die Reichen der Zeit im Blick.

Es werden allerdings nur sechs Fahrzeuge gebaut werden. 

1919

München-Schwabing - Hirschau * Ein „Revolutionsweg“ von der Martiusbrücke zur „Maffei-Fabrik“ quer durch die „Seewiese“ („Werneck-Wiese“) wird angelegt.

1919

München-Bogenhausen * Das „Reichsvermögensamt“ kauft das „Fleischer-Anwesen“ in Bogenhausen und stellt die nur provisorisch eingedeckte Bauruine bis zum Jahr 1923 fertig. 

Der Bau wird auf 78 Meter verkürzt.

1919

München-Maxvorstadt * Eigentümer des Anwesens Richard-Wagner-Straße 9 ist der „Ingenieur“ Artur Klenner.

1919

München-Maxvorstadt * Carl Krone eröffnet feierlich seinen 4.000 Menschen fassenden festen Zirkusbau an der Marsstraße. 

1919

München-Ludwigsvorstadt * Josef Durner gibt den „Frankfurter Hof“ auf. 

Damit verliert es seine Bedeutung als „Volkssänger-Lokal“

1919

München-Berg am Laim * Der „Konsumverein von 1864“ verkauft sein Grundstück mit dem Holzhof an der „Bergamlaimstraße 2 ½“ mit Verlust. 

Um 1919

München * Aus zahlreichen Aufsätzen in den „Süddeutschen Monatsheften“, der „Liberalen Korrespondenz“ sowie den „Historisch-politischen Blättern“ entsteht Dr. Fritz Gerlichs Buch „Der Kommunismus als Lehre vom Tausendjährigen Reich“.

Außerdem kämpft er im „Münchner Bürgerrat“ und im „Bayerischen Heimatdienst“ sowie mit der Wochenzeitschrift „Feurjo“ gegen den gesamten marxistischen Sozialismus.

Daneben beschafft er Geldmittel für die Gründung der „Bayerischen Einwohnerwehr“ und für die Überwachung der „Kommunistischen Partei“.
Dieses Engagement trägt zu seinem Ruf als „Marxistentöter“ bei.

1919

München * Nach dem Krieg wird das „Lotteriespiel“ und die Beschränkung der Mitgliedszahl des „Loos-Vereins Wild West“ auf 15 abgeschafft.

Der Verein wird gleichzeitig in „Cowboy Club München Süd“ umbenannt.

Jetzt erst wird das Erlernen der englischen Sprache und das Aneignen von Bräuchen und Sitten der Cowboys und Indianer sowie die Beschaffung eines eigenen Kostüms zur Pflicht. 

1. Januar 1919

München * Die „Verordnung, betreffend Beaufsichtigung der Volksschule“ tritt in Kraft.

Darin wird die „geistliche Schulaufsicht“ abgeschafft. 

1. Januar 1919

München-Hackenviertel * Im „Katholischen Gesellenhaus“ in der Brunnstraße kommt es in den frühen Morgenstunden zu einer Auseinandersetzung zwischen der aus Soldaten, Matrosen und Zivilpersonen bestehenden Tanzgesellschaft und dem „Sicherheitsdienst“.  

Im Verlauf fallen Schüsse, die die „Militärpolizei“ und die „Republikanische Schutztruppe“ mit Handgranaten beantworten.  
Zahlreiche Personen werden verletzt, davon sieben schwer. 

1. Januar 1919

München-Graggenau * Karl Mandel, der „Vorsitzende des Bundes der Deutsch-Österreicher in München“ besetzt - unterstützt durch bayerische Polizei und „Republikanische Schutztruppen“ - die „Österreichische Gesandtschaft“ im „Prinz-Carl-Palais“ und das „Österreichische Generalkonsulat“ in der Schackstraße.  

Die Aktion des „Redakteurs“ richtet sich gegen die angeblich „schlechte und säumige Behandlung österreichischer Staatsangehöriger“.  

„Ministerpräsident“ Kurt Eisner lässt noch in der Nacht die besetzten Gebäude räumen. 

2. Januar 1919

München * In mehreren Münchner Zeitungen wird das „zügellose Treiben“ und die „unsinnige Schießerei mit scharfer Munition“ in der Silvesternacht kritisiert.  

Viele Waffen befänden sich in unverantwortlichen und unkontrollierten Händen. 

4. Januar 1919

München-Kreuzviertel * Der gesetzgebende „Provisorische Nationalrat“ tagt zum letzten Mal.

4. Januar 1919

München * Die „Bayerische Volkspartei - BVP“ hält an diesem Tag elf, die „USPD“ fünf und die „Internationalen Interventionisten“ eine „Wahlkampf-Versammlung“ ab. 

4. Januar 1919

München-Kreuzviertel * Das „Staatsgrundgesetz der Republik Bayern“ wird beschlossen.  

Es bildet die Grundlage der Wahlen am 12. Januar 1919.  

In der Präambel zur Republik heißt es:  
„In der Stunde höchster Not aber, raffte sich dieses ohnmächtige Volk auf, zertrat in gewaltiger revolutionärer Erhebung das schuldige System der Vergangenheit und riß die Macht an sich.  
Das politisch ohnmächtige Volk wurde durch die Revolution das freieste“
.  

Im „Staatsgrundgesetz“ wird auch festgelegt, dass das Unterrichtswesen in Bayern ab sofort eine staatliche Angelegenheit ist.
Der „Religionsunterricht“ ist damit nicht mehr eine allein den Glaubensgemeinschaften obliegende Angelegenheit. 

5. Januar 1919

München-Hackenviertel * Eine Woche vor der bayerischen Landtagswahl wird im „Fürstenfelder Hof“, in der Fürstenfelder Straße 14, die „Deutsche Arbeiterpartei - DAP“ durch den Werkzeugschlosser Anton Drexler und den Sportjournalisten Karl Harrer sowie 22 weiteren Anwesenden gegründet. 

Die „Deutschen Arbeiterpartei - DAP“ geht aus dem „Münchner Freien Arbeiterausschuss für einen guten Frieden“ hervor, der am 7. März 1918 ebenfalls von Drexler gegründet worden war. 

Als Vorsitzender der neuen Partei wird Anton Drexler gewählt. 

Zu den ersten Mitgliedern der DAP zählten fast ausschließlich Arbeitskollegen Drexlers aus den Münchner Eisenbahnwerken. 
Die ersten Parteiversammlungen finden in Hinterzimmern kleiner Bierlokale statt. 
Der wenig begeisternde Redner Drexler hält zumeist kaum motivierende Reden, die oft in der Geräuschkulisse des Lokals untergehen.

Während der „Politische Arbeiterzirkel“ eindeutig eine Schöpfung der „Thule-Gesellschaft“ ist, soll die „Deutsche Arbeiterpartei“ - aus taktischen Erwägungen - als Gründung Anton Drexlers erscheinen.

Vorbereitet wird die „konstituierende Parteiversammlung“ von einem „Dreier-Ausschuss“, der sich aus Harrer, Drexler und Michael Lotter zusammengesetzt.
An der eigentlichen Versammlung nimmt Harrer allerdings nicht teil. 

Umgekehrt werden Drexler und Lotter keine Mitglieder der „Thule-Gesellschaft“, verkehren aber als „ständige Gäste“ in den „Logenräumen im Hotel Vier Jahreszeiten“, wo sie bald auch Personen wie Dietrich Eckart und Gottfried Feder kennenlernen.

In den von der „Gründungsversammlung“ angenommenen „Richtlinien der Deutschen Arbeiterpartei“ heißt es, dass die „DAP“ eine aus „allen geistig und körperlich schaffenden Volksgenossen zusammengesetzte sozialistische Organisation“ ist. 

Die „Deutsche Arbeiterpartei“ will „die Adelung des deutschen Arbeiters.
Die gelernten und ansässigen Arbeiter haben ein Recht, zum Mittelstand gerechnet zu werden.
Zwischen Arbeiter und Proletarier soll ein scharfer Trennungsstrich gezogen werden. [...]

Das Großkapital ist als Brot- und Arbeitgeber zu schützen, sofern nicht rücksichtsloseste Ausbeutung des Arbeiters diesem ein menschenwürdiges Dasein unmöglich macht. 

Die DAP sieht in der Sozialisierung des deutschen Wirtschaftslebens einen Zusammenbruch der deutschen Volkswirtschaft. [...] Darum darf es nicht Sozialisierung, sondern Gewinnbeteiligung für den deutschen Arbeiter heißen. [...]“

Hier zeichnete sich deutlich eine eigentlich mittelständische Orientierung dieser pseudosozialistischen und antisemitischen Organisation ab.

Die anfallende Parteiarbeit der zunächst auf München beschränkten winzigen Vereinigung wird im Wesentlichen von dem mit dem „Politischen Arbeiterzirkel“ nicht identischen „Arbeitsausschuss der DAP“ bewältigt, der in den Anfängen auch die Führung der „Gesamtpartei“ inne hat und dem im Sommer 1919 neben Anton Drexler und Karl Harrer weitere vier Personen angehören.  

Anton Drexler, der Vorsitzende der „Deutschen Arbeiter Partei - DAP“, bleibt es bis zum Juni 1921.

5. Januar 1919

München-Kreuzviertel * Das „Vorläufige Staatsgrundgesetz“ für den Freistaat Bayern wird erlassen. 

5. Januar 1919

München-Kreuzviertel * Vom nördlichen Turm der „Frauenkirche“ flattern angeblich Flugblätter der „Bayerischen Volkspartei - BVP“, die einen Aufruf gegen den „Bolschewismus“ enthalten.  

Daraufhin stürmen etwa fünfzig Personen in die „Frauenkirche“, beschimpfen die Kirchgänger, stören den sonntäglichen Gottesdienst und randalieren in der Sakristei.  
Eine Durchsuchung der Türme bringt jedoch kein Ergebnis. 

7. Januar 1919

München-Theresienwiese - München-Kreuzviertel * In der ersten Januarwoche ist die Zahl der Arbeitslosen dramatisch - auf 40.000 - angestiegen.  

Auf der „Theresienwiese“ beginnt um 15 Uhr eine „Arbeitslosen-Demonstration“ mit rund 4.000 Teilnehmern.  

Eine halbe Stunde später bewegt sich der Demonstrationszug zum „Ministerium für Soziale Fürsorge“ am Promenadeplatz, wo eine Delegation Minister Hans Unterleitner ihre Forderung nach Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung vorträgt.

Als gegen 17 Uhr noch immer keine Zusagen vorliegen, überrennt die Menge die Wache und stürmt das Gebäude.
Nun kann aber - trotz verschiedener Zusagen - die tobende Menge nicht mehr beruhigt werden.

Um 18 Uhr rückt die „Militärische Sicherheitswache“ und die  „Republikanische Schutztruppe“ mit scharfer Munition gegen die Demonstranten vor.
Drei Tote und acht Schwerverletzte bleiben zurück.  

Am Abend kommt es in der Innenstadt immer wieder zu Menschenansammlungen.  

Um 22 Uhr will die Menge in die „Residenz“ eindringen, wo sie Eisner versteckt glaubt.  
Die „Republikanische Schutztruppe“ kann die Demonstration zerstreuen.  

Gegen 23:30 Uhr verlangt eine rund 200 Mann starke Gruppe vor dem „Polizeipräsidium“ die Freilassung verhafteter Soldaten und Matrosen.  
Die Menschenansammlung kann zum Abzug bewegt werden. 

9. Januar 1919

München * Nach dem Abklingen der „Grippe-Epidemie“ wird in den städtischen sowie staatlichen Volks- und Mittelschulen der Schulbetrieb wieder aufgenommen. 

10. Januar 1919

Berlin * Der „Antibolschewistenfonds der deutschen Wirtschaft“ wird in Berlin gegründet und einem „50-Millionen-Mark-Sofort-Bankkredit“ ausgestattet.

Neben der Finanzierung der militärischen „Zerschlagung der deutschen Räterepubliken“ fließen auch viele Gelder in die „antibolschewistische-nationalistische Propaganda“ sowie in die „Einwohnerwehren“

Um den 10. Januar 1919

München * Dr. Fritz Gerlich gründet den bayerischen Zweig der „Liga zur Bekämpfung des Bolschewismus“. 

10. Januar 1919

München-Ludwigsvorstadt - Theresienwiese - München-Kreuzviertel * Rund 200 „Linksradikale“ treffen in der Bayerstraße auf eine „Militärstreife“, die diese zum Auseinandergehen auffordert.  
Erst nach einem Schusswechsel, bei dem niemand verletzt wird, zerstreut sich die Gruppe.  

Gegen 13 Uhr versammeln sich über tausend Demonstranten auf der „Theresienwiese“, die durch die Redner von den Verhaftungen nahezu aller Anführer der „Kommunisten“ und „Spartakisten“, darunter: Erich Mühsam, Josef Sontheimer, Eugen Leviné, Max Levien, Hildegard Elisabeth Cramer und weitere.  

Gegen 15 Uhr beginnen die entsetzten Versammelten einen Demonstrationszug zum „Montgelas-Palais“, in dem „Ministerpräsident“ Kurt Eisner residiert, und fordert die „Freilassung der Verhafteten“.  
Eisner erklärt sich zum Empfang einer Abordnung am nächsten Tag bereit, wenn sie ruhig und ohne Massendemonstration käme.  

Die Demonstranten werden immer erregter. 

Oskar Maria Graf berichtet: „Hin und her drängte sich alles. Hinter dem verschlossenen Tor, hieß es, stünden schussbereite Maschinengewehrschützen. Man ratschlagte einige Minuten.  
Auf einmal kletterte ein Matrose auf dem Kandelaber zum Balkon empor, schwang sich drüber und verschwand unter lautem Jubel in der Tür.  
Kurz darauf erschien er mit Eisner, der fürchterregt auf uns herunter schrie: ‚So holt sie euch, in Gottes Namen! Sie sind enthaftet!‘“
 

Daraufhin ziehen sich die Demonstranten zurück. 

10. Januar 1919

München-Ludwigsvorstadt * Die aus der Haft in Stadelheim entlassenen Erich Mühsam und Eugen Leviné sprechen im Festsaal des „Mathäserbräu“.   

Es kommt zu einer Schießerei, bei der ein Chauffeur getötet und ein 14-jähriger Lehrling verwundet wird.  

Gegen 22:30 Uhr kommt es auf dem Bahnhofsplatz zu einer Schießerei zwischen den Demonstranten und der „Bahnhofswache“.  

Als die Demonstranten in den Südbau des Bahnhofs einzudringen versuchen, eröffnet die „Bahnhofswache“ ein Maschinengewehrfeuer, in dem drei Frauen und zwei Männer getötet sowie 15 Personen schwer verwundet werden. 

10. Januar 1919

Bremen * Die Hansestadt Bremen wird zur „Selbstständigen Sozialistischen Republik“ erklärt. 

11. Januar 1919

München * Aufgrund der am Tag zuvor erfolgten Vorgänge werden vom „Polizeipräsidenten“ Josef Staimer und vom „Stadtkommandanten“ Oskar Dürr der Einsatz von Waffen gegen Demonstranten und Ansammlungen angedroht.  
„Waffengebrauch wird, soweit möglich, durch Trommelwirbel angekündigt“.  

In einer „Matrosenversammlung“ sprechen sich „Ministerpräsident“ Kurt Eisner und „Stadtkommandant“ Oskar Dürr „gegen den Terror der Straße“ aus.  
Die Mehrzahl der für die Tumulte Verantwortlichen bezeichnen sie als „Verbrecher“.  

Die geplanten Versammlungen auf der „Theresienwiese“ werden abgesagt. 

11. Januar 1919

Tuften-Tegernsee - Berlin * Ludwig Thoma, der eigentlich stark konservative und königstreue bayerische Schriftsteller, schreibt seinem Freund Conrad Haussmann seine Einschätzung der revolutionären Tage und zur Abdankung König Ludwigs III.:

„Er [König Ludwig III.] verschwand, begleitet von verächtlichem Hohn, dem sich rein nichts an Mitleid, Achtung, Dank entgegenstellte. ‚Milliwucherer, Ochsensepp, Millibauer‘ aber von waren die offiziellen Titel; der Mann ist heute, mitten in seiner getreuen Provinz Oberbayern, nicht die Spur von Autorität und Mittelpunkt.

Ich glaubte zuerst, dass der Kronprinz Anhänger habe, bin aber von dem Glauben abgekommen.
Auch bei unsern Bauern ist keine Spur von ‚angestammter Treue‘ zu merken.

Ich gestehe Dir offen, dass der Vorgang im ganzen, wie in jeder Einzelheit mich völlig unvorbereitet traf, und doch glaubte ich, das Volk zu erkennen“.

12. Januar 1919

Augsburg * Am Abend erfährt die „Bahnhofskommandantur“ aus Augsburg, dass „Spartakisten“ aus Stuttgart auf dem Weg sind, die den Münchner Hauptbahnhof erobern wollen.  

Umgehend werden umfangreiche Maßnahmen eingeleitet, doch es bleibt ruhig in dieser Nacht. 

12. Januar 1919

Freistaat Bayern * Bei den ersten freien, gleichen, unmittelbaren und geheimen Wahlen in Bayern sind erstmals auch Frauen wahlberechtigt.  

Frauen machen 54 Prozent der Wahlberechtigten aus.  
Anita Augspurg kandidiert auf der Liste der „USPD“, ohne der Partei anzugehören.  

Bei den demokratischen Landtagswahlen in Bayern erhält die „Bayerische Volkspartei - BVP“ 66, die SPD 61, die „Deutsche Demokratische Partei  - DDP“ 25, der „Bayerische Bauernbund - BBB“ 16, die rechtsliberale „Mittelpartei“ 9 Mandate.

Die USPD erreicht in den 12 Münchner Landtagswahlkreisen immerhin noch 5 Prozent der abgegebenen Stimmen.
Landesweit sind es lediglich 2,5 Prozent.
Damit sind sie mit 3 Mandaten im ersten „Landtag des Freistaats Bayern“ vertreten. 

13. Januar 1919

München-Angerviertel * Beim „Soller“ und im „Metzgerbräu“ im Tal werden durch ein umfangreiches Polizeiaufgebot Razzien durchgeführt.  

220 Personen werden verhaftet und ein Lastwagen mit aus Miltärbeständen stammendem „Hehlergut“ beschlagnahmt. 

14. Januar 1919

München * Aufgrund der „Amnestie“ vom 12. November 1918 stellt das „Reichsgericht“ die „Strafverfahren“ gegen die am „Januar-Streik“ Beteiligten ein.  

Amnestiert werden: der „Schriftsteller“ Kurt Eisner [derzeit „Bayerischer Ministerpräsident“], der „Schlosser“ Hans Unterleitner [derzeit bayerischer „Sozialminister“], der „Schreinermeister“ Albert Winter, die „Buchhalterinnen“ Emilie Landauer und Betty Landauer, der „Mechaniker“ Lorenz Winkler, der „Eisendreher“ Franz Xaver Mettler, der „Student“ Ernst Toller, der „Handlungsgehilfe“ Richard Kämpfer, der „Schriftsetzer“ Theobald Michler, der „Werkzeugmacher“ Georg Lang, der „Geschäftsführer“ Fritz Schröder und der „Soldat“ Carl Kröpelin.  

Die ebenfalls am 31. Januar 1918 als „Rednerin“ verhaftete und in die „Strafvollzugsanstalt Stadelheim“ gebrachte „Privatdozentsgattin“ Sara Sonja Lerch hat sich dort am 30. März 1918 erhängt.  

14. Januar 1919

München * Für alle „Nicht-Bayern“ wird der „Passzwang“ eingeführt. 

15. Januar 1919

Berlin * Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht werden auf dem Weg ins Berliner „Untersuchungsgefängnis Moabit“ ermordet.  

Ihre Leichen findet man später im „Landwehrkanal“

15. Januar 1919

München * Bei einer weiteren „Razzia“ werden

  • im „Bavaria-Automat“ in der Bayerstraße,
  • in den Gastwirtschaften „Stadt Kempten“ und „Zum Fischmarkt“ am Viktualienmarkt,
  • einer „Kaffeeschenke“ in der Westenriederstraße und
  • im „Gasthaus zum Schwane“ am Rosenheimer Berg

rund einhundert Personen verhaftet und umfangreiches „Heeresgut“, darunter Pferde, beschlagnahmt. 

16. Januar 1919

München-Kreuzviertel * Die Regierung des „Volksstaates Bayern“ plant die Gründung einer „Hochschule für Arbeiter, Soldaten und Bauern“.  

Die Idee geht vermutlich auf Kurt Eisner zurück. 

17. Januar 1919

Berlin * Das „Freikorps Lützow“ wird in Berlin gegründet.

Die Finanzierung der „Freikorps“ findet aus den Mitteln des „Antibolschewistenfonds der deutschen Wirtschaft“ statt, der am 10. Januar 1919 in Berlin mit 500 Millionen Reichsmark gegründet und einem „50-Millionen-Mark-Sofort-Bankkredit“ ausgestattet wurde.
Neben der Finanzierung der militärischen „Zerschlagung der deutschen Räterepubliken“ fließen auch viele Gelder in die „antibolschewistische-nationalistische Propaganda“ sowie in die „Einwohnerwehren“

17. Januar 1919

München-Kreuzviertel * „Kultusminister“ Johannes Hoffmann hebt das im Jahr 1914 erlassene Verbot der Erteilung eines öffentlich organisierten „religionslosen Moralunterrichts“ auf. 

19. Januar 1919

Deutsches Reich * Die Wahlen zur „Verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung“ [= „Reichstag“] findet statt.  

Das deutschlandweite Ergebnis lautet:  

  • „Sozialdemokratische Partei Deutschlands - SPD“: 37,9 Prozent = 163 Abgeordnete
  • „Christliche Volkspartei - Zentrum“: 18,8 Prozent = 91 Abgeordnete
  • „Deutsche Demokratische Partei - DDP“: 18,1 Prozent = 75 Abgeordnete
  • „Deutschnationale Volkspartei - DNVP“: 8,6 Prozent = 44 Abgeordnete
  • „Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands - USPD“: 7,6 Prozent = 22 Abgeordnete
  • „Deutsche Volkspartei - DVP“: 4,4 Prozent = 19 Abgeordnete
  • Übrige Parteien: 1,6 Prozent = 7 Abgeordnete

Der „Wahlkreis Oberbayern und Schwaben“ erhält 15 Abgeordnetensitze.
Davon fallen 6 Sitze auf die BVP, 6 Sitze auf die SPD, 2 Sitze auf den BBB und ein Sitz auf die „Deutsche Volkspartei in Bayern - DVP“.  

Von den 15 Abgeordneten, die der „Wahlkreis Oberbayern-Schwaben“ stellt, gehört keiner der USPD an.  

Die Frauen sind erstmals wahlberechtigt.  
82,3 Prozent der Frauen beteiligen sich an der Wahl, 37 Frauen ziehen in die „Nationalversammlung“ ein.  

Rechnet man die Nachrückerinnen dazu, erreicht die Frauenquote 9,6 Prozent.
Ein Wert, der erst 1983 wieder erreicht werden sollte. 

20. Januar 1919

Weimar * Hugo Preuß stellt seinen Entwurf der „Weimarer Verfassung“ der Öffentlichkeit vor.

  • Darin sollen die Rechte der Einzelstaaten stark beschnitten werden.
  • Bayern würde die Militärhoheit,
  • sein eigenes Post- und Telegraphenwesen sowie
  • das Recht, direkte Steuern zu erlassen, verlieren. 
  • Das würde auch das Ende der bayerischen Außenpolitik bedeuten.  

Aus einem souveränen Einzelstaat soll ein „Teilstaat des Deutschen Reichs“ werden. 

24. Januar 1919

Berlin * Der bayerische „Ministerpräsident“ Kurt Eisner reist in Begleitung seines „Finanzministers“ Dr. Edgar Jaffé nach Berlin, um dort über den Entwurf einer „Reichsverfassung“ zu diskutieren und beraten. 

24. Januar 1919

München - Frankfurt am Main * Der Verkehr der „Frankfurt-Münchner-Nachtschnellzüge“ wird wegen Kohlemangel und der Abgabe der Lokomotiven an die Siegermächte eingestellt. 

24. Januar 1919

München-Ludwigsvorstadt * Im „Deutschen Theater“ treffen sich Angehörige und Anhänger aller Parteien zu einer „machtvollen Kundgebung“.  

Es geht um „den Völkerbund und einen gerechten Frieden“.  

Es sprechen der „Minister für militärische Angelegenheiten“, Albert Roßhaupter [SPD], Joseph Graf von Pestalozza [BVP], Professor Dr. Moritz Julius Bonn, die „Frauenrechtlerin“ Lida Gustava Heymann und Professor Dr. Lujo Brentano. 

25. Januar 1919

München-Kreuzviertel * Die „Revolutions-Regierung“ beseitigt den obligatorischen „Religionsunterricht“.   

  • Kinder dürfen demnach nicht mehr gegen den Willen der Erziehungsberechtigten zur Teilnahme am „Religionsunterricht“ und am „Gottesdienst“ angehalten werden. 
  • Zur „Freistellung vom Religionsunterricht“ genügt eine einfache Willenserklärung der Eltern. 
26. Januar 1919

München * Eine englische Kommission prüft die Lebensmittelverhältnisse in München. 

27. Januar 1919

München * Die „Kasernenräte“ planen eine Massendemonstration gegen die Offiziere der Münchner Garnison.  

In Verhandlungen kommt der „Minister für militärische Angelegenheiten“, Albert Roßhaupter, den Organisatoren so weit in ihren Forderungen entgegen, dass sie von weiteren Aktionen absehen. 

28. Januar 1919

Freistaat Bayern * Die bayerischen Bischöfe veröffentlichen eine gemeinsame Erklärung, in der die Erklärung des „Religionsunterrichts“ zum „Wahlfach“ als „neue kulturkämpferische Gewalttat“ bezeichnet wird. 

  • Die Maßnahme werde „Familienstreitigkeiten, endlose Beunruhigung unseres Volkes und zunehmende sittliche Verwilderung der Jugend“ zur Folge haben.
  • Eltern, die ihre Kinder vom „Religionsunterricht“ abmelden, droht die „Exkommunikation“ und der Ausschluss vom „kirchlichen Begräbnis“
1. Februar 1919

München * Die Zahl der Arbeitslosen ist im Verlauf der vergangenen Woche von 33.767 auf 38.022 gestiegen. 

Um den 2. Februar 1919

Freising * Für „Bischof“ Michael von Faulhaber ist Johannes Hoffmann ein „ausgesprochener Kulturkämpfer und Kirchenhasser“

In ihrer „Freisinger Erklärung“ fassen die Bischöfe ihren „flammenden Protest“ zusammen und prangern in einem „Hirtenbrief“ die Maßnahme als „Fehdehandschuh gegen den Herrn selbst“ an. 

Der „Hirtenbrief“ beginnt so:
„Herodes der Kindermörder ließ die unschuldigen Kinder von Bethlehem hinschlachten. 
Unbekümmert um das Weinen und Wehklagen der Mütter, unbekümmert um das Todeswimmern der sterbenden Kinder, ließ er an wehrlosen Kindern seine Wut aus, um mit ihnen den neugebornen König der Juden, den vermeintlichen Anwärter seines Thrones aus dem Weg zu schaffen“

In einer extrem polemischen und ehrverletzenden Art geht es weiter:
„Geliebte Erzdiözesanen!
Am letzten Montag ist im Volksstaate Bayern eine Verordnung ergangen, die vor dem Richterstuhl Gottes schwerer wiegt als der Blutbefehl des Herodes.
Durch eine Verordnung des Unterrichtsministers wurde der Religionsunterricht in allen bayerischen Schulen als Pflichtfach abgesetzt und als Wahlfach der Willkür der Eltern und Vormünder ausgeliefert“
.

3. Februar 1919

München * Die wöchentliche Fleischration wird bayernweit auf 300 Gramm erhöht.  

Eine Anweisung des „Innenministeriums“ ermöglicht dem „Stadtmagistrat“ gegen „eigenmächtige Bierpreiserhöhungen mit aller Entschiedenheit“ vorzugehen. 

3. Februar 1919

München * Die „Bayerische Volkspartei - BVP“ hält in allen Stadtteilen Protestversammlungen gegen den „Religionsunterrichts-Erlass“ ab, der den „Besuchszwang der Religionsstunden“ abgeschafft hat. 

3. Februar 1919

Schloss Wildenwart * Marie Therese, Erzherzogin von Österreich-Este, Prinzessin von Modena sowie Ehefrau von König Ludwig III. und damit die abgesetzte letzte bayerische Königin, stirbt auf „Schloss Wildenwart“ im Chiemgau.  

Das Direktorium des „Magistrats“ und der Vorstand der „Gemeindebevollmächtigten“ sprechen dem Ex-König ihr Beileid zum Tod der Königin aus und übersenden eine „Blumenspende“

4. Februar 1919

Bern * „Ministerpräsident“ Kurt Eisner reist zum „Internationalen Sozialistenkongress“ nach Bern. 

4. Februar 1919

Bremen * Regierungstruppen marschieren in Bremen ein und „befreien“ die „Hansestadt“, die sich am 10. Januar 1919 zur „Selbstständigen Sozialistischen Republik“ ernannt hatte.

6. Februar 1919

München-Maxvorstadt * Die USPD veranstaltet im großen „Odeonssaal“ eine „Trauerfeier“ für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.  

Gustav Landauer hält die „Gedächtnisrede“. 

6. Februar 1919

München * Die „Bayerische Staatszeitung“ bezieht gegen die „überhandnehmende Tanzwut“ Stellung.  

Vom 1. Dezember 1918 bis zum 18. Januar 1919 waren insgesamt 934 Tanzvergnügungen zur „Lustbarkeitssteuer“ angemeldet worden. 

6. Februar 1919

München * Die „Mittelschüler“ machen mobil.  

In einem Anschlag heißt es:
„Mittelschüler, werdet wach!
Auch unsere Stunde ist gekommen!
Befreiung von dem anmaßenden Stumpfsinn der Schule!
Macht Euch bereit zum Schulstreik!“
 

6. Februar 1919

München * Die „Vereinigung Sozialdemokratischer Beamter in München“ wird gegründet. 

6. Februar 1919

Weimar * Die „Nationalversammlung“ tritt in Weimar zusammen. 

7. Februar 1919

München * Der „Kommunistenführer“ Max Levien wird wegen „umstürzlerischer Umtriebe“ verhaftet.  

Sein Geisteszustand wird untersucht. 

7. Februar 1919

München * In der ersten Februarwoche sind 67 Personen in München an der „Spanischen Grippe“ gestorben.  

Die Epidemie ist weiter im Abklingen begriffen. 

8. Februar 1919

München * Eine Abordnung des „Revolutionären Arbeiterrats“ verlangt bei „Justizminister“ Dr. Edgar Jaffé die Freilassung des „Kommunistenführers“ Max Levien. 

8. Februar 1919

München * Die Zahl der Arbeitslosen ist in München um über 2.200 von 38.022 auf die Rekordmarke von 40.228 gestiegen.  

Gleichzeitig hat die ausbezahlte Unterstützung von 1.475.000 auf 1.310.000 Mark abgenommen. 

9. Februar 1919

München * Die „Militärpolizei“ sorgt für die Einhaltung der „Polizeistunde“, die durch die „Tanzwut“ ständig übertreten wurde. 

11. Februar 1919

Weimar * Die „Nationalversammlung“ in Weimar wählt Friedrich Ebert (SPD) mit 227 von 328 Stimmen zum „provisorischen Reichspräsidenten“

11. Februar 1919

München * Der „Kommunistenführer“ Max Levien wird zwar aus der Haft entlassen, doch das Verfahren gegen ihn wird weiterverfolgt. 

12. Februar 1919

München * Albert Roßhaupter, der „Minister für militärische Angelegenheiten“ ruft die wehrfähigen Männer zum Eintritt in den „Volksheimatschutz“ auf.  

Dieser soll „die Gefahr des drohenden Krieges im Lande, den der Bolschewismus entfesseln kann“, eindämmen. 

13. Februar 1919

München-Ludwigsvorstadt * Vom 13. bis zum 20. Februar findet im München „Deutschen Theater“ ein „Kongress der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte“ statt.  

„Ministerpräsident“ Kurt Eisner berichtet über den in Bern stattgefundenen „Internationalen Sozialistenkongress“.  
Er beschimpft dabei die Pressevertreter als „Pressegesindel“, die Berichte gefälscht hätte.  

Daraufhin verlassen die Anwesenden Pressevertreter den „Kongress“ und stellen die Berichterstattung ein.  
Sämtliche Münchner Blätter protestieren in einer Erklärung gegen diese Behandlung der Presse.  

Unabhängig davon wird der „Kongress“ - allerdings ohne Erfolg - versuchen, die Existenz der „Räte“ im künftigen parlamentarischen Bayern sicherzustellen. 

13. Februar 1919

München-Ludwigsvorstadt * Ein Teil der Teilnehmer des „Kongresses der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte“ sehen in dem Aufruf des „Ministers für militärische Angelegenheiten“, Albert Roßhaupter, die wehrfähigen Männer zum Eintritt in den „Volksheimatschutz“ zu bewegen, die Absicht, eine „Weiße Garde“ zu gründen.  

Sie fordern den Rücktritt des „SPD-Staatsministers“

13. Februar 1919

München * Martin Segitz [SPD] erlässt in seiner Funktion als „Staatskommissar für Demobilmachung“ eine „Verordnung über Einschränkung der Tanzlustbarkeiten“

13. Februar 1919

Weimar * In Weimar wird Philipp Scheidemann [SPD] mit der Bildung der „Weimarer Koalition“ beauftragt.

Das erste „Reichskabinett“ besteht aus Vertretern der SPD, der „Deutschen Demokratischen Partei - DDP“ und dem „Zentrum“

15. Februar 1919

München-Ludwigsvorstadt * Die „Ministerkrise“, die Albert Roßhaupter durch seinen Aufruf an die wehrfähigen Männer zum Eintritt in den „Volksheimatschutz“ ausgelöst hat, ist beendet.  

„Ministerpräsident“ Kurt Eisner wird gegenüber dem „Kongress der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte“ eine entsprechende Erklärung abgeben. 

15. Februar 1919

München * In den Tageszeitungen erscheinen Aufrufe zur Bildung einer „Freiwilligen Volkswehr“

  • gegen das „Gespenst der Anarchie“ und
  • das „Elend des Bolschewismus“.  

Unterzeichnet sind diese Aufrufe von „Kasernenräten“ und Kommandeuren einzelner Truppenteile. 

15. Februar 1919

München * Die Zahl der Arbeitslosen ist in der abgelaufenen Woche von 40.228 auf 38.633 gesunken.  

Das sind 6,5 beziehungsweise 6,2 Prozent der Münchner Gesamtbevölkerung. 

15. Februar 1919

München * Aufgrund der Reparationsleistungen an die Siegermächte kommt es zu weiteren Einschränkungen des Zugverkehrs.  

  • Für den Streckenabschnitt München - Holzkirchen und deren Anschlussstrecken wird ein „Nachweis der Dringlichkeit der Reise“ verlangt.  
  • Bei der „Isartalbahn“ wird die Beförderung von „Schneeschuhen und Rodelschlitten“ ausgeschlossen. 
Um den 15. Februar 1919

München * Dr. Fritz Gerlich hält als erster Vorsitzender des bayerischen Zweigs der „Liga zur Bekämpfung des Bolschewismus“ die erste öffentlichen Versammlung in München ab. 

Um den 15. Februar 1919

Ohrdruf * Seit Mitte Februar stellt Franz Ritter von Epp im thüringischen Ohrdruf im Auftrag des „Reichswehrministers“ Gustav Noske ein „Freikorps“ zusammen. 

Offiziell soll es dem „Grenzschutz Ost“ dienen.

In Bayern befürchtet man von Anfang an, dass die Truppe für den Einsatz im Inneren bestimmt ist, weshalb Ernst Schneppenhorst, der „Minister für militärische Angelegenheiten“, später die Zusammenarbeit mit dem „Freikorps Epp“ ablehnen wird.  

16. Februar 1919

München-Theresienwiese * Die von Teilnehmern des „Kongresses der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte“ organisierte und veranstaltete Kundgebung auf der „Theresienwiese“ fordert die Sicherstellung der Existenz der „Räte“ im künftigen parlamentarischen Bayern.  

Ein Demonstrationszug - unter Beteiligung von „Ministerpräsident“ Kurt Eisner und Felix Fechenbach - zieht ohne Zwischenfälle von der „Theresienwiese“ über die Innenstadt zur Ludwigstraße und wieder zurück. 

16. Februar 1919

München * In Hinblick auf den anstehenden „Fasching“ [2. bis 4. März] verbietet die Polizeidirektion sowohl das „Faschingstreiben“ als auch den öffentlichen Verkauf von „Faschingsartikeln“

18. Februar 1919

München * Die SPD-nahe „Münchner Post“ fordert im Zusammenhang mit der „Landeskonferenz der Mehrheitssozialisten - SPD“ den Rücktritt Kurt Eisners.  

Begründung: „Seine sich auf das Rätesystem stützende Politik muss zu den schwersten Konflikten mit dem bayerischen Volke führen“

18. Februar 1919

München * In einer Erklärung des „1., 2. und 3. Fußartillerie-Regiments“ stellen sich diese gegen den „Vollzugsausschuss“ und den „Landessoldatenrat“ sowie gegen Kurt Eisner.

Dafür unterstützen sie Albert Roßhaupter. 

18. Februar 1919

München * Die „Münchner Augsburger Abendzeitung“ ruft zu einer „Riesenkundgebung“ auf:  

  • „Für Ordnung, Freiheit und Demokratie.
  • Gegen die bolschewistische Gefahr und den drohenden Bürgerkrieg“
19. Februar 1919

München * Gegen 16 Uhr beginnt in München der sogenannte „Lotter-Putsch“, an dem sich rund 600 bewaffnete, überwiegend bayerische Soldaten beteiligen, die am 15. Februar aus Wilhelmshaven kommend hier eingetroffen sind.

Die „Putschisten“ unter Führung des „Obermatrosen“ Conrad Lotter schlagen gleichzeitig an drei Stellen zu:

  • Sie besetzen das „Telegraphenamt“ am Hauptbahnhof,
  • verhaften zur gleichen Zeit den „Stadtkommandanten“ Oskar Dürr und den „Polizeipräsidenten“ Josef Staimer in ihren Dienststellen und
  • wollen in das vom „Rätekongress“ besetzte Landtagsgebäude in der Prannerstraße eindringen.
  • Außerdem wollen sie Kurt Eisner festnehmen und in die Tschechoslowakei abschieben.

Während die putschenden Matrosen die beiden ersten Aktionen erfolgreich durchführen können, werden sie im Landtag von der „Landtagswache“ mit Maschinengewehrfeuer vertrieben.
Die Festnahme von Kurt Eisner verhindert der „Landessoldatenrat“ Richard Scheid.

Die Münchner Bevölkerung hält die „Putschisten“ fälschlich für preußische „Spartakisten“.

Es kommt am Bahnhofsplatz zu einer kurzen Schießerei, bei dem der Straßenbahnfahrer Franz Stangl durch einen Kopfschuss ums Leben kommt.

Gegen 17:30 Uhr ziehen sich die putschenden Matrosen zurück.
Conrad Lotter wird verhaftet. 

20. Februar 1919

München * Einen Tag bevor Anton Graf von Arco auf Valley zur Waffe greift, legt seine Motive schriftlich nieder:  

  • „Eisner strebt nach der Anarchie, er ist Bolschewist, er ist Jude, er fühlt nicht deutsch, er untergräbt jedes deutsche Gefühl, er ist ein Landesverräter. [...]
  • Ich hasse den Bolschewismus, ich liebe mein Bayernvolk, ich bin ein treuer Monarchist und guter Katholik. Über alles achte ich die Ehre Bayerns“.

Arcos Zimmermädchen Walburga Kästele, die Arcos Wohnung in der Prinzregenten Straße 18 betreut, bestätigt die Entschlossenheit des jungen Grafen: 
„Gegen Abend des 20. Februar nach 6 Uhr sagte Arco ohne besondere Einleitung, als ich zu seiner Bedienung in seinem Zimmer war: Morgen erschieße ich den Eisner. 

Er sagte das ganz lustig und hat dazu gelacht.
Ich glaubte ihm nicht und sagte, das getraue er sich doch nicht, worauf er erwiderte: Doch, doch, ich mache es, der muss weg er ist ein Bolschewik und Jude“
.

20. Februar 1919

München-Graggenau * Kurt Eisner gilt seit drei Jahren als Stammgast im „Café Perzl“ am Marienplatz [heute: „Kaufhaus Ludwig Beck am Rathauseck“].  

An diesem Tag sitzt der „Ministerpräsident“ alleine an einem der runden Marmortischchen, schaut „einen Stoß handgeschriebener loser Blätter“ durch und nimmt Streichungen und Ergänzungen vor. 

Er bereitet offensichtlich seine für den nächsten Tag geplante „Rücktrittsrede“ vor. 

21. Februar 1919

München * Die Geistlichen werden gezwungen, in den Mittagsstunden der folgenden Tage ein „Trauergeläut für den ermordeten Ministerpräsidenten“ abzuhalten. 

21. Februar 1919

München * Infolge verschiedener Aufrufe zum „Generalstreik“ legen viele Beschäftigte die Arbeit nieder und nehmen überall in der Stadt an Versammlungen teil, bei denen Vergeltung für den Mord an Kurt Eisner gefordert wird.

21. Februar 1919

München * Weil der Presse ein bedeutender Anteil an der Hetze gegen Kurt Eisner und damit an seiner Ermordung zugesprochen wird, verhindert man das Erscheinen sämtlicher Münchner Zeitungen mit Ausnahme der „Parteiorgane“ der „USPD“ und des „Bayerischen Bauernbundes - BBB“. 

21. Februar 1919

München * Anton Graf von Arco auf Valley schreitet zur Mordtat. 

Dazu noch einmal Arcos Zimmermädchen Walburga Kästele:
„Am [...] Morgen weckte ich ihn um 7 Uhr, und er stand - entgegen seiner sonstigen Gewohnheit - sofort auf. [...]
Er blieb über eine Stunde im Wasser. Als ich ihm etwa um 8 1⁄4 Uhr klopfte, sagte er: Sakrament, jetzt bin ich zu spät dran. [...]   

Er frug mich noch, ob ich meine, dass es im Gefängnis kalt sei, und befahl mir, ihm einen dicken Anzug herzurichten.
Dann frühstückte er“
.  

21. Februar 1919

München-Kreuzviertel * Gleich nach seiner Ernennung nimmt der „Zentralrat“ seine Arbeit auf. 

  • Der von der „USPD“ spontan ausgerufene „Generalstreik“ wird bestätigt,
  • alle Geschäfte und Vergnügungsstätten werden für drei Tage geschlossen,
  • der Zug- und Straßenbahnverkehr wird eingestellt,
  • eine nächtliche Ausgangssperre wird erlassen und  der „Belagerungszustand“ über München verhängt,
  • und damit Raub, Plünderung und Diebstahl unter Todesstrafe gestellt. 
21. Februar 1919

München * In der Bevölkerung tritt ein jäher Stimmungsumschwung gegenüber der Person Kurt Eisners ein. 

Eisner, der noch wenige Tage vor seiner Ermordung bespöttelt und als politisch gescheitert betrachtet wurde, ist nun auf einmal der „Märtyrer der Revolution“.  

Die erstaunliche Sympathie und Popularität, die der tote „Ministerpräsident“ trotz aller vorausgegangenen Auseinandersetzungen um seine Person und seine Politik genießt, gründet vor allem darauf, dass man seine Ermordung als reaktionäres Komplott aufgefasst. 

Dem Toten wird in diesen Tagen als „Integrationsfigur des Proletariats“ eine fast kultische Verehrung entgegengebracht.

Tausende von Münchnern besuchen den Schauplatz des Mordes.
Noch an seinem Todestag wird an der Stelle, an der Kurt Eisner tödlich zusammengebrochen ist, ein Totenmal errichtet, in dessen Zentrum ein überlebensgroßes, von einem Trauerkranz gerahmtes und auf einer Gewehrpyramide befestigtes Fotoporträt Kurt Eisners imaginäre Gegenwart symbolisiert. 

Dieser provisorische „Epitaph“ entwickelt sich zu einem von Soldaten bewachten sakralen Bezirk.
Die darin niedergelegten Blumengebinde und Kränze verstärken den Eindruck eines grabähnlichen Erinnerungsmales.
Es besteht in dieser Form bis zum April.

In seinem Roman „Wir sind Gefangene“ beschreibt Oskar Maria Graf auch die Ereignisse in der Nähe des Attentatortes: 

„Alle Menschen liefen mit verstörten Gesichtern stadteinwärts. Je weiter ich kam, desto aufgeregter wurde die dumpfe Hast. 
Vor dem Landtag ballte sich ein schwarzer Menschenknäuel, Soldaten und bewaffnete Zivilisten waren darunter.
Ich stürmte weiter [...] an den Mordplatz.
Da hatten sich Hunderte schweigend um die mit Sägspänen bedeckten Blutspuren Eisners zu einem Kreis gestaut.

Fast niemand sagte ein lautes Wort, Frauen weinten leise und auch Männer.
Etliche Soldaten traten in die Mitte und errichteten eine Gewehrpyramide.
Viele legten Blumen auf den Platz, immer mehr und mehr“

21. Februar 1919

München * Die Öffentlichkeit, die das feige Attentat auf Kurt Eisner verabscheut, reagiert politisch desorientiert.

Das wirkt sich in einem Zweifel an der Richtigkeit der Wiedereinführung des Parlamentarismus aus und führt zu einer raschen Wiederbelebung der Tätigkeit der „Räte“.

Oskar Maria Graf beschreibt in „Wir sind Gefangene“ die Situation: 

„Ich sah Zitternde, ich sah Wutblasse und Blutgierige.
Überall wiederholte sich das gleiche Schreien nach Rache.
Die Massen kamen ins Treiben, der Strom floss durch die Stadt.  
Das war anders, ganz anders als am 7. November.
Wenn jetzt einer aufgestanden wäre und hätte gerufen: ‚Schlachtet die Bürger! Zündet die Stadt an! Vernichtet alles!‘ es würde geschehen sein.   

Die tausend kleinen Stürme hatten sich vereinigt, und ein einziger dumpfer, dunkler, ungewisser Losbruch begann.
Ich spürte es an mir am genauesten: Noch nie war ich so völlig Massentrieb gewesen wie jetzt, noch nie war ich so eins mit den Tausenden.   

Auf die Theresienwiese jagten die Züge.
Unter der Bavaria redeten viele; Toller trug ein Gedicht vor.
Die Frauen wurden ergriffen davon, die Männer schrieen nach Waffen.

Dann wurde verkündet, im Zeughaus seien sie.
Ein dichter Haufen zog dahin ab, ich lief mit dem Zug wieder in die Stadt.
Voran marschierten Matrosen und Soldaten wie zum Sturm.
Die roten Fahnen wehten. 

Die verschlossenen Türen des Deutschen Theaters wurden eingeschlagen, die Scheiben klirrten, es krachte, und alles peitschte in den Saal.
‚Der Arbeiter- und Soldatenrat tagt von heut‘ ab in Permanenz!‘ brüllte ein Matrose“

21. Februar 1919

München-Kreuzviertel * Als sich der „Landtag“ gegen 11 Uhr wieder versammelt, ergreift Erhard Auer das Wort zu einer Gedenkrede: 

„Damen und Herren!
Der provisorische Ministerpräsident Kurt Eisner hat soeben durch Mörderhand den Tod gefunden. [...] Die Tat wurde von ruchloser Hand in feiger Weise verübt [...].
Diese Handlung muss bei jedem anständigen Menschen tiefsten Abscheu hervorrufen. [...]  

Wir beklagen in dem Ermordeten den Führer der Revolution in Bayern und zugleich den vom reinsten Idealismus und von treuer Sorge für das Proletariat erfüllten Menschen.
Auf diesem Weg kann und darf nicht fortgefahren werden, wenn nicht vollkommene Anarchie eintreten soll. 

Angesichts dieser wahnsinnigen Mordtat, gegen deren Urheber mit rücksichtsloser Strenge vorgegangen wird, gilt es nunmehr, die Besonnenheit zu wahren und alle Kräfte zusammenzufassen, um die ungeheuere Aufgabe der nächsten Zeit so zu lösen, wie es das Interesse des gesamten bayerischen Volkes erfordert“.

Auer hatte seine Rede gerade beendet, da stürzt ein schnauzbärtiger junger Mann, bekleidet mit einem grauen Mantel und Hut, durch einen Seiteneingang in den Sitzungssaal, läuft direkt auf Auer zu, tituliert ihn mit „Du Lump!“, zieht eine Pistole aus seinem Mantel und drückt zweimal ab. 

Erhard Auer sinkt - in die Brust getroffen - zu Boden. 

Der konservative Abgeordnete Major Paul Ritter von Jahreiß stellt sich dem fliehenden Attentäter in den Weg und wird durch einen Schuss in den Hals tödlich getroffen.

Der Täter ist der im Jahr 1887 in Kelheim geborene Metzger Alois Lindner.
Er ist Mitglied in der „USPD“ und im „Revolutionären Arbeiterrat“.
Lindner ist von Auers Schuld an Eisners Ermordung überzeugt.

Inzwischen betreten weitere Mitglieder des „Revolutionären Arbeiterrats“ den Saal.
Auch sie glauben an Auers Schuld und fordern „Rache für Eisner!“.   

Es kommt zu einer wilden Schießerei, bei der einer der Mitbegründer der „Bayerischen Volkspartei - BVP“, Heinrich Osel, ums Leben kommt. In der allgemeinen Panik fliehen die übrigen Anwesenden.

Auch Lindner gelingt die Flucht.
Unterstützt durch Freunde geht er nach Ungarn.  

21. Februar 1919

München-Kreuzviertel * Pünktlich um 10 Uhr beginnt die „Konstituierende Sitzung des Bayerischen Landtags“

Nachdem die Nachricht von der Ermordung Kurt Eisners eintrifft, unterbricht der soeben zusammengetretene „Landtag“ seine Sitzung umgehend. 

21. Februar 1919

München * Die Nachricht von Eisners Ermordung verbreitet sich in Windeseile. 

Von überall her strömen die Massen an den Tatort. 

Aus dem stark angefeindeten „USPD-Politiker“ ist ein „Märtyrer der Revolution“ geworden, dem alle noch einmal huldigen wollen.
Die Schriftstellerin Richarda Huch erinnert sich an die Schüsse:
„Jedermann verdammte und beklagte nun die verhängnisvolle Kugel des jungen Arco.
Es war gerade, als ob sie nur gefallen, um der stockenden Revolution einen neuen Auftrieb zu geben“
.  

  • Dabei wäre mit dem Rücktritt Kurt Eisners und der „Konstituierenden Sitzung des Bayerischen Landtags“ vermutlich die Revolution in Bayern beendet gewesen. 
  • Eine gesetzmäßig gewählte Regierung - angeführt von den „Mehrheitssozialisten“ und Demokraten - hätte ihr Amt übernommen.
  • Da sich die neue Regierung rechtlich und politisch in einer starken Position befand, wäre sie nur unter ganz außergewöhnlich schwierigen Umständen zu stürzen gewesen.
  • Doch mit der verbrecherischen Tat und der politischen Dummheit des Grafen Anton von Arco auf Valley wird die „Zweite Revolution“ eingeleitet. 
21. Februar 1919

München-Kreuzviertel * Nicht nur Eisner, auch Anton von Arco wird unmittelbar nach seiner Tat von einem Leibwächter Eisners niedergeschossen und dabei lebensgefährlich verletzt. 

Man bringt ihn umgehend in Sicherheit, da die herbeigeeilte Menge damit droht, ihn zu lynchen. 

Der damalige „Direktor der Universitätsklinik“ Ferdinand Sauerbruch kann ihn erfolgreich operieren. 

Die Schüsse von hinten auf Kurt Eisner hat Graf Arco übrigens sein Leben lang geleugnet.

Soldaten tragen den toten „Ministerpräsidenten“ ins Portierszimmer des „Ministeriums des Äußeren“

21. Februar 1919

München-Kreuzviertel * „Ministerpräsident“ Kurt Eisner verlässt an diesem föhnigen Vorfrühlingstag, kurz vor zehn Uhr, seinen Amtssitz im „Montgelas-Palais“ und begibt sich von dort zum „Landtagsgebäude“ an der Prannerstraße.

In seiner Aktentasche befindet sich sein bereits unterschriebenes Rücktrittsschreiben.  
Begleitet wird er von seinem „Sekretär“ Felix Fechenbach und dem „Leiter des Ministerpräsidentenbüros“, Bruno Merkle.
Zwei bewaffnete 
„Ordonnanzen“ gehen voraus. 

Angesichts der drohenden Gefahr schlagen Eisners Begleiter einen Schleichweg zum „Landtag“ vor, was Eisner entschieden ablehnt, denn:
„Man kann einen Mordanschlag auf die Dauer nicht ausweichen, und man kann mich ja nur einmal totschießen“.

Kurz nachdem die Gruppe um Eisner in die damalige Promenadenstraße eingebogen ist, pirscht sich Anton Graf von Arco auf Valley an den „Ministerpräsidenten“ heran und schießt ihm aus kürzester Entfernung zweimal in den Hinterkopf. 

Im Nacken und unter dem rechten Ohr getroffen bricht Kurt Eisner sofort tot zusammen. 

21. Februar 1919

München-Kreuzviertel * „Kultusminister“ Johannes Hoffmann tritt von seinem Amt zurück.  

Albert Roßhaupter, der „Minister für militärische Angelegenheiten“, wird in „Schutzhaft“ genommen.  

21. Februar 1919

München * Die Redaktionsräume der Münchner Zeitungen werden besetzt und bereits gedruckte Exemplare in Paketen auf die Straße geworfen.  

Trotz der „Ausgehsperre“ ab 19 Uhr kommt es in der Nacht zu Plünderungen von Adelspalais in Bogenhausen und Schwabing. 

21. Februar 1919

München-Kreuzviertel * Ein elfköpfiger „Aktionsausschuss“ übernimmt als „Zentralrat der Bayerischen Republik“ an Stelle des „Kabinetts Eisner“

  • die vollziehende Gewalt,
  • ruft einen dreitägigen „Generalstreik“ aus,
  • verhängt den „Belagerungszustand“ über München,
  • besetzt die Zeitungsredaktionen und
  • verfügt eine drei Wochen dauernde „Zensur der bürgerlichen Presse“.
21. Februar 1919

München * Es ist ein ähnliches Machtvakuum entstanden wie am 7. November 1918. 

Allein die „Räte“ verfügen noch über ein gewisses Maß an Handlungsfähigkeit.
Niemand ist mehr an der Übernahme der Regierung durch die „Sozialdemokraten“ interessiert.

Die „Kommunisten“ um Max Levien verlangen die sofortige Ausrufung der „Räterepublik“.
Verhandlungen mit den „Mehrheitssozialisten“ lehnen sie als „Verrat“ ab. 

Die „Kommunisten“ sind aber prinzipiell zur Zusammenarbeit mit der „USPD“ bereit.

Auch gegen Kurt Eisner haben sie plötzlich nichts mehr einzuwenden und loben - jetzt, wo es freilich zu spät ist - in einem „Aufruf an das bayerische Proletariat“ sein ehrliches und edles Streben, das „Ideal des Sozialismus“ zu verwirklichen. 

Ausgerechnet die radikale Linke, die zu seinen Lebzeiten scharf gegen Eisner Stimmung gemacht hat, nimmt jetzt für sich in Anspruch, sein Vermächtnis verwirklichen zu wollen. 

21. Februar 1919

München * Aus Vertretern der „Mehrheitssozialisten“, „Unabhängigen Sozialdemokraten“, „Kommunisten“ sowie den „Vollzugsorganen der Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte“ und dem „Revolutionären Arbeiterrat“ bildet sich ein „Zentralrat der Bayerischen Republik“.   

Dieser sogenannte „Elfmännerausschuss“ fungiert als „Regierungsgremium“, das die Geschäfte so lange kommissarisch führen soll, bis eine endgültige Regelung gefunden wird. 

Zum „Vorsitzenden des Zentralrats“ wird Ernst Niekisch, ein junger „Volksschullehrer“, „Vorsitzender der Augsburger Arbeiter- und Soldatenräte“ und Mitglied des „Landesarbeitsrates“ gewählt.

Ernst Niekisch ist zwar „Mehrheitssozialdemokrat“, gilt aber aufgrund seiner Befürwortung der „Räte“ als Mann des Ausgleichs zwischen den ideologischen Gegensätzen und wird auch von den rechten „Sozialdemokraten“ akzeptiert.
Er gilt als die Integrationsfigur, die der „Republik“ über die schwere Zeit hinweghelfen kann.

Neben Ernst Niekisch, Carl Kröplin und Hermann Eisenhut vom „Vollzugsrat der Arbeiterräte“ gehören dem „Zentralrat“ außerdem an:  
Karl Gandorfer, Wolfgang Hofmann und Johann Wutzlhofer vom „Vollzugsrat der Bauernräte“,
Fritz Sauber, Engelbert Kohlschmidt und Johann Panzer vom „Vollzugsrat der Soldatenräte“
sowie Max Levien und August Hagemeister vom „Revolutionären Arbeiterrat“.

Dem „Zentralrat“ wird ein erweiterter „Aktionsausschuss“ zur Seite gestellt, um die Fülle der anstehenden Arbeiten zu bewältigen.   

Dieser wiederum konstituiert verschiedene „Kommissionen“, die das tägliche Leben regeln sollen.
So entstehen „Kommissionen“

  • zur „Bewaffnung des Proletariats“,
  • zur „Ernährung“,
  • zur „Lebensmittelversorgung“,
  • für das „Wohnungswesen“,
  • für das „Gerichtswesen“,
  • für „Aufklärungs- und Nachrichtendienste“,
  • für „Heereswesen“ und
  • zur „Produktionsregelung“
21. Februar 1919

München-Kreuzviertel * Als „Ministerpräsident“ Kurt Eisner ganz in der Nähe des „Erzbischöflichen Palais“ von Anton Graf von Arco-Valley ermordet wird, glauben viele, dass Erzbischof Faulhaber hinter dieser „Bluttat“ steht. 

Das umso mehr, als er sich weigert, ein „Trauergeläut“ anzuordnen. 

Daraufhin stürmen die „Revolutionäre“ die „Sakristei der Frauenkirche“ und lassen die Glocken ertönen.

22. Februar 1919

München-Hackenviertel * In den vom Militär besetzten Räumen der „Münchner Neuesten Nachrichten“ wird die erste (und zugleich letzte) Nummer des „Nachrichtenblatts des Zentral-Rats“ gefertigt. 

22. Februar 1919

München-Isarvorstadt * Bewaffnete „Kommunisten“ besetzen am Vormittag die Hauptstelle der „Katholisch-sozialen Vereine“ und die dazugehörige Druckerei im „Leo-Haus“ an der Pestalozzistraße. 

Nach dem 22. Februar 1919

München-Kreuzviertel * Die bisherigen Minister Dr. Edgar Jaffé, Hans Unterleitner und Heinrich Ritter von Frauendorfer richten an den „Zentralrat des Volksstaates Bayern“ das nachstehende Schreiben:  

„Die Unterzeichneten haben im Interesse des Landes seit dem 21. Februar 1919 die laufenden Geschäfte ihres Ressorts weitergeführt und sind auch bereit, dies fürderhin zu tun, bis eine neue Regierung gebildet ist.  
Sie erklären ausdrücklich, dass sie lediglich verantwortlich sind für die von Ihnen innerhalb ihres Verwaltungsbereiches getroffenen Maßnahmen.  
Sie stellen fest, dass sie die allgemeine Führung der Regierungsgeschäfte und für die Maßnahmen des Zentralrats keinerlei Mitverantwortlichkeit tragen, insbesondere auch nicht die Festnahme und Einbehaltung von Geiseln, sowie für die gegenüber der Presse getroffenen Maßnahmen“

22. Februar 1919

München-Kreuzviertel * Um weiteren konterrevolutionären Attentaten vorzubeugen beschließt der „Zentralrat“ Geiseln in „Schutzhaft“ zu nehmen. 

Diese werden weitgehend zufällig aus Kreisen des Bürgertums und der Offiziere auswählt und in das „Hotel Bayerischer Hof“ gebracht. 

22. Februar 1919

München-Kreuzviertel * Der „Zentralrat“ wird durch die Aufnahme des „Mehrheitssozialisten“ Karl Schmidt und des „Gewerkschaftssekretärs“ Albert Schmid erweitert.

23. Februar 1919

München-Theresienwiese * Auf der „Theresienwiese“ versammeln sich gegen 13 Uhr mehrere Tausend Personen.  

Hier können freigewerkschaftlich organisierte oder einer sozialistischen Partei zugehörige Arbeiter eine Waffe erhalten, wenn sie mindestens 20 Jahre alt und an der Waffe ausgebildet sind.  

Ob und in welcher Anzahl Waffen ausgegeben wurden, ist unklar.  

Gegen 16 Uhr formiert sich ein Demonstrationszug zur Innenstadt, der sich am „Schiller-Denkmal“ auflöst. 

23. Februar 1919

München * Der „Zentralrat“ gibt bekannt, dass der „Generalstreik“ sein Ziel erreicht hat.  

Die Arbeiter werden aufgefordert, am nächsten Tag [Montag] wieder an ihren Arbeitsstellen zu erscheinen. 

24. Februar 1919

München * Der „Studentenausschuss“ spricht „seine Entrüstung und den tiefsten Abscheu über die politischen Morde“ aus. 

24. Februar 1919

München-Schwabing - Pasing * Paul Ritter von Jahreiß und Heinrich Osel, die beim Attentat im Landtag erschossen worden waren, werden im „Nordfriedhof“ beziehungsweise im „Neuen Pasinger Friedhof“ beerdigt. 

25. Februar 1919

München * Bereits am ersten Tag fordert Max Levien als Delegierter des „Revolutionären Arbeiterrats“

  • die „sofortige Ausrufung der Räterepublik“,  
  • die „Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur UdSSR“,  
  • die „Versendung wahrheitsgetreuer Flugblätter in fremden Sprachen“,  
  • die „Entfernung der Republikanischen Schutztruppe“,  
  • die „Bildung einer Roten Armee“ sowie  
  • die „Annullierung der Staatsschulden und Kriegsanleihen“.  

Unterstützt wird Levien von dem „Matrosen“ Rudolf Egelhofer, der von der „permanenten Proletarierversammlung“ im „Wagnersaal“ abgesandt wurde, an der mehr als 5.000 Menschen teilnehmen.  

Auch der „Anarchist“ Erich Mühsam schließt sich dieser Forderung an.  
Er ist der Überzeugung, dass der Ausgang des „Kongresses der bayerischen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte“ von entscheidender Bedeutung für den künftigen Verlauf der „Weltrevolution“ ist.  

In den weiteren Beratungen kristallisieren sich die unterschiedlichen Standpunkte der Parteien heraus.  

Die „SPD-Delegierten“ sprechen sich gegen eine „Räterepublik“ aus, setzen sich aber - anders als die Genossen um Erhard Auer - für die Verankerung der „Räte“ in der Verfassung ein.  

Die „KPD“ fordert dagegen die „Regierung der Volksbeauftragten“ und eine „Räterepublik“

25. Februar 1919

München * Alle bürgerlichen Zeitungen können wieder erscheinen, allerdings bis zum 15. März unter einer - mäßig strengen - Vorzensur.  

In den „Münchner Neuesten Nachrichten“, der „Münchener Zeitung“ und der „München-Augsburger Abendzeitung“ wird an prominenter Stelle ein vom „Zentralrat“ vorformulierter Artikel veröffentlicht, der sich „gegen jede Reichseinmischung in bayerische Verhältnisse“ verwahrt. 

25. Februar 1919

München-Kreuzviertel * Vor dem schwarz und rot umflorten Bildnis Kurt Eisners und unter teils chaotischen Verhältnissen tagen die „Delegierten der bayerischen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte“ bis zum 8. März 1919 im Münchner „Landtagsgebäude“.  

Radikale linke Gruppierungen, die im Plenum klar in der Minderheit sind, versuchen durch Versammlungen und Demonstrationen sowie durch massive Störungen von den Tribünenplätzen aus die Entscheidungen der Delegierten zu beeinflussen.  

Am „Rätekongress“ nimmt Johannes Hoffmann nicht teil, weil er sich gegen eine mögliche „Räteregierung“ stellt.  
Im Gegenzug lehnt der „Rätekongress“ Hoffmann als neuen „Kultusminister“ ab. 

25. Februar 1919

München-Maxvorstadt * Der Rektor und der Senat der Münchner „Universität“ sprechen ihre „rückhaltlose Verurteilung der Freveltat“ vom 21. Februar aus. 

26. Februar 1919

München-Obergiesing - München-Kreuzviertel * Während der Beisetzungsfeierlichkeiten für Kurt Eisner am „Ostfriedhof“ stürmen sechs mit Gewehren bewaffnete Aktivisten das „Erzbischöfliche Palais“ und hängen zwei Trauerfahnen zu den Fenstern hinaus. 

26. Februar 1919

München-Kreuzviertel * „Kardinal“ Michael von Faulhaber schreibt zu Kurt Eisners Beerdigung in sein Tagebuch: 

„Wenn die Monarchie abgeschafft, warum wird Eisner doch wieder wie ein König begraben, während Osel und die anderen einfach zugeschaufelt werden, ist das Demokratie?“

26. Februar 1919

München-Obergiesing * Zeugten schon die Geschehnisse am Ort des Attentats von breiter Betroffenheit über Kurt Eisners Tod, so wird sein Begräbnis zu einer außergewöhnlichen Trauerbekundung der Bevölkerung.

Der „Zentralrat“ ordnet für ganz Bayern „Landestrauer“ an.
Die öffentlichen Gebäude sind auf Halbmast schwarz und rot beflaggt.
Die Arbeit ruht.  

Annähernd 100.000 Menschen nehmen an den Bestattungsfeierlichkeiten teil.

Ab 9 Uhr bewegt sich der Trauerzug - begleitet von 20 Musikkapellen - von der „Theresienwiese“ zum „Ostfriedhof“.
Matrosen tragen den mit schwarzen Tüchern verhüllten Sarg.

Um 10 Uhr beginnt ein halbstündiges Glockengeläut.

Die „Trauerfeier“ mit der „Einäscherung“ in der Halle des „Krematoriums“ beginnt um 10:30 Uhr.
Sie dauert bis 11:40 Uhr.
Gustav Landauer hält die „Gedächtnisrede“.

Selbst die bürgerliche Presse ist beeindruckt und schreibt:
„In ihrer reichen Geschichte hat die bayerische Hauptstadt wohl viele prunkvolle Leichenzüge zu verzeichnen, aber keinen, der, was Massenentfaltung anlangt, denjenigen übertrifft, der am Vorfrühlingstage des 26. Februar halb München in Bewegung setzte“.

27. Februar 1919

München * „Zum Schutze der Räterepublik“ wird verfügt, dass Versammlungen und Ansammlungen jeder Art verboten sind.  

Ab 19 Uhr müssen alle „Nichtdiensttuenden und Zivilisten“ die Straßen verlassen haben. 
Die vom „Stadtkommandanten“ Oskar Dürr und vom „Polizeipräsidenten“ Josef Staimer unterzeichnete Anordnung wird in der „Bayerischen Staatszeitung“ veröffentlicht. 

27. Februar 1919

Weimar * Die in Weimar tagende „Nationalversammlung“ beschließt das „Gesetz über die Bildung einer vorläufigen Reichswehr“

Die „Reichswehr“ soll aus bestehenden „Freiwilligenverbänden“ und durch die Anwerbung weiterer Freiwilliger gebildet werden. 

28. Februar 1919

München * Im „Wagnersaal“ und im „Mathäserbräu“ tagen die „Unabhängigen Sozialdemokraten“ beziehungsweise die „Kommunisten“, als die Nachrichten über die Verhaftungen im „Landtagsgebäude“ eintreffen.  

Spontan bilden sich Demonstrationszüge zur Befreiung der Inhaftierten.  
Von der „Türkenkaserne“ schließt sich ihnen eine Abordnung des „Leibregiments“ an.  

Der inzwischen vereinigte Demonstrationszug bewegt sich zum „Landtagsgebäude“ in der Prannerstraße, wo die inzwischen befreiten Gefangenen zur Menge sprechen und sich die Demonstration daraufhin unter Hochrufen auf die „Räte“ auflöst. 

28. Februar 1919

München-Kreuzviertel * Noch vor der Abstimmung werden die Delegierten Max Levien, Erich Mühsam, Gustav Landauer, Franz Michael Cronauer und Wilhelm Reichart von der SPD-nahen und von „Innenminister“ Erhard Auer errichteten „Republikanischen Schutztruppe“ aus dem Sitzungssaal heraus verhaftet.

Ernst Niekisch versucht verzweifelt Herr der Lage zu bleiben und erreicht, dass die Verhafteten wenige Minuten später wieder freigelassen werden.
Die Verantwortung für die unübersichtliche Situation übernimmt schließlich der „Stadtkommandant“ Oskar Dürr und der „Polizeipräsident“ Josef Staimer.

Nun kann abgestimmt werden.

Erich Mühsams Antrag auf „Ausrufung einer Räterepublik“ wird mit 234 zu 70 Stimmen abgelehnt.
Dafür einigen sich die „Rätevertreter“ auf den vorgelegten Kompromissantrag. 

28. Februar 1919

München-Kreuzviertel * Am Nachmittag beraten die „Delegierten der bayerischen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte“ im Münchner „Landtagsgebäude“ an der Prannerstraße einen Kompromissantrag.  

Darin wird festgelegt, dass der „Kongress der Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte“ den „Provisorischen Nationalrat“ darstellt.  

  • In den nächsten Tagen sollen 250 Delegierte gewählt werden, die diesem „Provisorischen Nationalrat“ künftig angehören.  
     
  • Im Anschluss daran soll ein „Aktionsausschuss“ gewählt werden, der sich aus je sieben Mitgliedern der „Vollzugsausschüsse der Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte“, je drei Vertretern von „SPD“, „USPD“, „Revolutionärem Arbeiterrat“ und „Bayerischem Bauernbund - BBB“ zusammensetzt.  
  • Die Mitglieder des „Aktionsausschusses“ können jederzeit vom „Provisorischen Nationalrat“ abgesetzt werden.  
  • Der „Aktionsausschuss“ wählt aus seiner Mitte einen „Zentralrat“, dessen Mitglieder dem „Aktionsausschuss“ verantwortlich sind.  
     
  • Außerdem soll in absehbarer Zeit das „Staatsgrundgesetz“ vom 4. Januar 1919 zur „Volksabstimmung“ vorgelegt werden.
  • Das „Staatsgrundgesetz“ soll zuvor aber noch in einigen Punkten abgeändert werden, in dem die „Räte“ das „Recht zur Gesetzesinitiative“ und ein „Vetorecht gegen Parlamentsbeschlüsse“ festgeschrieben erhalten.  
  • Bei Streitigkeiten hat das Volk das letzte Wort und entscheidet per „Volksentscheid“.  

Hans Unterleitner wirbt mit großem Engagement für den Kompromiss:  
„Die zweite Revolution ist eine Tatsache. Nun handelt es sich darum, sich klar zu sein, was die zweite Revolution will. [...]
Wir haben die politische Macht erobert und lassen sie uns nicht mehr nehmen“
.  

  • In seinen Ausführungen stellt er fest, dass die Beratungen mit den „Bauernvertretern“ gezeigt haben, dass die Bauern einer „Räterepublik“ jegliche Unterstützung verweigern.  
  • Ohne die Bauern kann jedoch so ein Experiment unmöglich funktionieren:  
    „Wir dürfen die Augen vor der Tatsache nicht verschließen, in Deutschland und in Bayern liegen eben die Verhältnisse anders wie in Russland“
28. Februar 1919

München * In Theatern, Kinos und Konzertsälen dürfen wieder Veranstaltungen durchgeführt werden.  

Die „Sperrstunde“ wird auf 22 Uhr festgesetzt.  
Ab 23 Uhr werden die Straßen vom Militär geräumt. 

28. Februar 1919

München * Laut einer Anordnung der „Polizeidirektion“ müssen alle Schusswaffen bis zum 3. März abgegeben werden.

1. März 1919

München-Kreuzviertel * Nachdem am Tag zuvor beschlossen worden ist, dass die „Einberufung des Landtags“ auf unbestimmte Zeit verschoben wird, bestimmt der „Rätekongress“ am Nachmittag des 1. März die neuen „Minister“.  

  • Der gemäßigte [!] „Mehrheitssozialdemokrat“ Martin Segitz wird „Ministerpräsident“ und leitet zudem noch das „Außen- und Innenministerium“,  
  • Ernst Niekisch [SPD] ist zuständig für „Unterricht und Kultus“,  
  • Fritz Endres [SPD] für „Justiz“,  
  • Richard Scheid [SPD] für „militärische Angelegenheiten“,
  • Joseph Simon [USPD] für „Handel, Gewerbe und Industrie“,
  • Edgar Jaffé [USPD] für „Finanzen“,  
  • Hans Unterleitner [USPD] für „soziale Angelegenheiten“ und
  • Theodor Dirr [BBB] für „Land- und Forstwirtschaft“.  
  • Der parteilose Heinrich von Frauendorfer übernimmt das „Verkehrsministerium“.  

Nun müssen nur noch die betroffenen politischen Parteien ihren Mitgliedern die Annahme des „Ministeramtes“ gestatten.  

Die Regierung amtiert bis zum 18. März. 

1. März 1919

München-Kreuzviertel - München-Theresienwiese * Der „Rätekongress“ wählt einen „Aktionsausschuss“.  

Noch während der Sitzung kommt es auf der „Theresienwiese“ zu einer Demonstration gegen die „Verhaftungen vom Vortag“ und für die „Proklamation der Räterepublik“.
Die daraufhin aufmarschierende „Republikanische Schutztruppe“ schießt wahllos in die Menge, tötet drei Menschen und verletzt neun schwer.

Die Nachricht wird im „Rätekongress“ mit einer Mischung aus Erleichterung und Abscheu aufgenommen.

Die „Radikalen“ sehen darin den völligen „Bankrott der Sozialdemokratie“.
Für sie erklärte der „Anarchist“ Gustav Landauer: „In der ganzen Naturgeschichte kenne ich kein ekelhafteres Lebewesen als die Sozialdemokratische Partei“.  

1. März 1919

München * Sämtliche Münchner Truppenteile sprechen in einer Entschließung dem „Stadtkommandanten“ Oskar Dürr, dem die  Abteilung der „Republikanischen Schutztruppe“ untersteht, die auf der „Theresienwiese“ das Blutbad mit drei Toten hinterlassen hat, das Vertrauen aus.  

Sie fordern

  • die „sofortige Einsetzung eines rein sozialistischen Ministeriums unter Ausschaltung der Kommunisten und Spartakisten“,  
  • die „Bewaffnung der Arbeiterschaft“ und  
  • eine „Vernünftige Pressezensur, die jede Partei zu Wort kommen lässt“
1. März 1919

München * Flugzeuge werfen über München Flugblätter ab.  

Der Inhalt spricht sich gegen eine „Diktatur der Kommunisten“ aus. 

1. März 1919

München * In den Postämtern kommen Briefmarken des „Freistaats Bayern“ zur Ausgabe.  

Es sind Marken der letzten Ausgabe mit dem Königsbild, das schwarz mit „Volksstaat Bayern“ überdruckt sind. 

2. März 1919

München * In einer Erklärung geben die Münchner „Kasernenräte“ bekannt, dass sie sich hinter die neugewählte Regierung stellen wollen. 

2. März 1919

München * Das „Münchener Tagblatt“ veröffentlicht das vom 20. Februar datierte und von Kurt Eisner unterschriebene „Vorläufige bayerische Staatsgrundgesetz“. 

3. März 1919

Berlin * Das preußische Staatsministerium verhängt über Berlin den „Ausnahmezustand“.

In der Folge kommt es zu den „Berliner Märzkämpfen“, bei denen durch alle „Freikorpsverbände“ in den „Straßenkämpfen“ mindestens 1.200 Menschen getötet werden, darunter auch sehr viele Unbeteiligte.
Auch das kürzlich gegründete Berliner „Freikorps Lützow“ ist an den Kämpfen beteiligt.

3. März 1919

München * Die „Kasernenräte“ kritisieren in einem öffentlichen Aufruf die Ausgabe der Waffen an freigewerkschaftlich organisierte und sozialistischen Parteien angehörenden Arbeitern, weil dabei „Spartakisten“ bevorzugt worden sind. 

3. März 1919

München * Die polizeilich vorgegebene Frist zur Abgabe aller Schusswaffen endet an diesem Tag. 

4. März 1919

München * In München halten sich immer mehr Personen vorübergehend auf, bei denen es sich hauptsächlich um existenzlose Menschen handelt.  

Der Magistrat will diesen sich vorübergehend in der Stadt aufhaltenden Personen höchstens 14 Tage eine Unterstützung zukommen lassen.  

Die selbstständige Stadt Pasing hat den „Fremdenzuzug“ wegen „Wohnungsmangel“ bereits unterbunden. 

5. März 1919

München-Untergiesing * Auf dem städtischen „Heumarkt“ an der Schyrenstraße findet der traditionelle „Aschermittwoch-Pferdemarkt“ statt. 

Mit 930 Pferden ist das Angebot sehr umfangreich, die Geschäfte gehen aber schlecht. 

5. März 1919

München * Eugen Leviné kommt im Auftrag der Berliner KPD-Zentrale nach München, um hier die Ortsgruppe zu reorganisieren und die Redaktion der „Münchner Roten Fahne“ zu übernehmen. 

Ihm folgen in den nächsten Wochen weitere Parteimitglieder.

Eugen Leviné verweigert sich der Zusammenarbeit mit der SPD, die bislang als die schärfste Gegnerin der Kommunisten aufgetreten ist. 

6. März 1919

München * Die Landtagsfraktion der „Bayerischen Volkspartei - BVP“ bekennt sich zur republikanischen Staatsform. 

6. März 1919

München * Die Fleischversorgung Münchens lässt stark zu wünschen übrig. 

Die ständigen Unruhen in der Stadt haben die Bauern verunsichert und verbittert. 

7. März 1919

München * Ein Mitglied einer amerikanischen „Lebensmittelkommission“ besichtigt gemeinsam mit Ernst Toller Proletarierwohnungen. 

Toller berichtet dem „Arbeiter-Soldaten-Bauern-Rat“, dass Amerika alles unternehmen werde, um die Münchner Bevölkerung mit Fleisch, Milch, Mehl, Reis, Butter, Gummi usw. zu versorgen. 

7. März 1919

München-Bogenhausen * Eine Bande plündert Villen im Osten der Stadt. 

Mit Gewehren, Pistolen und Handgranaten stürmen sie die Häuser und rauben Bargeld, Schmuck, Waffen und sonstige Wertgegenstände. 

8. März 1919

München * SPD, USPD und der Bauernbund legen dem „Rätekongress“ einen gemeinsamen Antrag auf „sofortige Einberufung des Landtags“ vor. 

Der „Rätekongress“ nimmt den Antrag gegen die Stimmen der extremen Linken an. 

9. März 1919

Berlin * „Reichswehrminister“ Gustav Noske [SPD] erlässt den nachstehenden Schießbefehl:  
„Die zunehmende Grausamkeit der gegen uns kämpfenden Spartakisten zwingt uns, folgenden Schießbefehl zu erlassen: Jede Person, die im Kampf mit der Waffe betroffen wird, ist sofort zu erschießen“.

Was zunächst nur für die „Niederschlagung der Aufständischen der Berliner Märzkämpfe“ galt, wird am 25. April schließlich auch im „Freistaat Bayern“ umgesetzt.

Seit diesem Tag ist das „Standrecht“ eingeführt worden und es soll bis zum 1. August 1919 gelten. 

??? Um den 10. März 1919

München * Ernst Toller wird zum Vorsitzenden der USPD gewählt. 

11. März 1919

München-Obergiesing * In Stadelheim verhandelt das „Volksgericht“ über 21 zumeist jugendliche Angeklagte, die am 21. Februar zum Teil gewaltsam in Häuser eingedrungen sind und plünderten. 

11. März 1919

München-Angerviertel * Rund 8.000 Heringe werden an der „Nordseefischhalle“ auf dem Viktualienmarkt verkauft. 

Jeder Käufer kann maximal zwei Heringe erhalten.

In einer Doppelreihe stehen die Menschen von der „Fischhalle“ über die „Freibank“ um die „Heiliggeist-Kirche“

12. März 1919

München * Die Münchner USPD spaltet sich von der Gesamtpartei ab.

In einer Entschließung bekennt sie sich eindeutig  

  • zum „Rätesystem“,  
  • zur „Diktatur des Proletariats“ und  
  • zur gemeinsamen Arbeit mit der KPD. 
13. März 1919

München * Es gibt nur noch alle zwei Tage ein Achtel Liter Milch auf Lebensmittelkarten. 

13. März 1919

Weimar * Die „Weimarer Nationalversammlung“ beschließt die „Sozialisierung“ geeigneter Betriebe. 

15. März 1919

München * Die seit drei Wochen andauernde Zensur der bürgerlichen Presse durch den „Zentralrat“ wird aufgehoben.

Bereits seit dem 25. Februar konnten wieder alle bürgerlichen Blätter erscheinen, allerdings bis zum 15. März nur unter einer - mäßig strengen - Vorzensur.

16. März 1919

München-Maxvorstadt * Im „Odeon“ findet eine Trauerfeier für Kurt Eisner statt. 

Heinrich Mann und Minister Hans Unterleitner halten die „Festrede“.

16. März 1919

München-Kreuzviertel * Der „Rätekongress“ räumt auf Verlangen des Innenministers das Landtagsgebäude in der Prannerstraße, um Platz zu machen für den am nächsten Tag zusammentretenden „Bayerischen Landtag“.  

Auch die rote Fahne am Dach wird entfernt. 

17. März 1919

München-Kreuzviertel * Der „Bayerische Landtag“ tritt unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen zu seiner ersten Sitzung seit dem 21. Februar zusammen.  

Eine neue Regierung unter dem Vorsitz des Mehrheitssozialdemokraten Johannes Hoffmann wird eingesetzt und mit einem „Ermächtigungsgesetz“ mit umfangreichen Vollmachten ausgestattet. 

18. März 1919

München-Kreuzviertel * Die neue bayerische Regierung wird bekannt gegeben:

  • Ministerpräsident Johannes Hoffmann [SPD] übernimmt das „Ministerium des Äußeren“ sowie das „Ministerium für Unterricht und Kultus“,
  • Fritz Endres [SPD] wird „Justizminister“,
  • Martin Segitz [SPD] übernimmt das „Ministerium des Inneren“,
  • Staatsrat von Merkel übernimmt in Vertretung das „Finanzministerium“,
  • Heinrich Ritter von Frauendorfer [Parteilos] leitet das „Verkehrsministerium“,
  • Hans Unterleitner [USPD] steht an der Spitze des „Ministeriums für Soziale Fürsorge“,
  • Josef Simon [USPD] übernimmt das „Ministerium für Handel und Gewerbe“,

Martin Steiner [Bayerischer Bauernbund] führt das „Landwirtschaftsministerium“ und
Ernst Schneppenhorst wird „Minister für militärische Angelegenheiten“.

Mit großer Mehrheit wird das „Gesetz über die Aufhebung des bayerischen Adels“ angenommen.

Danach vertagt sich der Landtag wieder. 

Die Koalitionsregierung wird von Anfang an von der revolutionären Arbeiterschaft abgelehnt und kann auch im weiteren Verlauf kein Vertrauen gewinnen, weil sie sich gegen Zugeständnisse in der „Rätefrage“ sperrt und von ihr „keine ernsthafte Sozialsierungspolitik“ zu erwarten ist. 

19. März 1919

München-Untergiesing * Auf dem „Heumarkt“ an der Schyrenstraße wird mit rund 800 Pferden der „Fasten-Pferdemarkt“ abgehalten. 

Die Kauflust hat sich gegenüber dem „Aschermittwoch-Pferdemarkt“ erhöht.

19. März 1919

München-Kreuzviertel * Die neu ernannten Minister kommen zu ihrer ersten Sitzung zusammen. 

21. März 1919

München-Au * Im „Gerichtsgebäude am Mariahilfplatz“ stürmen während der Verhandlung gegen Plünderer Zuhörer den Sitzungssaal.  

Sie wollen die Verurteilten befreien. Doch das Vorhaben misslingt. 

21. März 1919

Ungarn * In Ungarn wird eine „Räterepublik“ ausgerufen.

Sie bestärkt die hiesigen „Räteanhänger“ in ihren Forderungen. 

22. März 1919

München * Die „München-Augsburger Abendzeitung“ wendet sich in einem Artikel gegen das vom „Bayerischen Landtag“ vier Tage zuvor beschlossene „Gesetz über die Aufhebung des bayerischen Adels“.

25. März 1919

München-Kreuzviertel * Dr. Karl Neumaier übernimmt das „Ministerium der Finanzen“ im „1. Kabinett Hoffmann“

Um den 25. März 1919

München * Unter der großstädtischen Arbeiterschaft wird die Idee der „Sozialistischen Räterepublik“ wieder enorm populär. 

Man sieht in ihr das Allheilmittel gegen die unerträglich scheinenden wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten.

29. März 1919

München * Dipl.-Ing. Otto Ballerstedt vom „Bayerischen Bauernbund“ legt in einer von ihm einberufenen Versammlung Protest gegen die im Entwurf der „Weimarer Verfassung“ beabsichtigte Beseitigung der bayerischen „Reservatsrechte“ ein.

Er sagt: „Für Großpreußen haben wir in Süddeutschland kein Verständnis.
Wir wollen ein großes deutsches Reich mit wahrhaft gleichberechtigten Bundesstaaten“

1. April 1919

München * Die wöchentliche Fleischration wird von 300 Gramm auf 250 Gramm herabgesetzt.
„Schwerstarbeiter“ erhalten auch weiterhin eine Zulage von 120 Gramm Wurst.

Der neuernannte „Staatskommissar für Ernährungswesen“, Johann Wutzelhofer vom „Bayerischen Bauernbund“, stellt sein Programm vor. 

1. April 1919

München-Graggenau * Hermine Körner übernimmt die Leitung des „Münchner Schauspielhauses“

2. April 1919

München-Au * In einer Versammlung im „Münchner-Kindl-Keller“ wird von den Teilnehmern die Forderung erhoben, sämtliche Mietshäuser des Stadtgebiets, mit Ausnahme der Einfamilienhäuser, zu enteignen. 

Zur Bekräftigung des Beschlusses will man ab 15. April keine Miete mehr bezahlen. 

3. April 1919

Augsburg * Seit Ende März werden die Forderungen nach einem „Rätesystem“ wieder lauter.

Eine Versammlung in Augsburg fordert erneut die Errichtung einer „Räterepublik“ und ein „Bündnis mit den Sowjetrepubliken Ungarns und Russlands“

3. April 1919

München * Am Abend gibt Ministerpräsident Johannes Hoffmann bekannt, dass er den Landtag - entgegen bestehender Absprachen - für den 8. April einberufen wird. 

Anschließend reist das bayerische Regierungsoberhaupt nach Berlin. 

4. April 1919

München * In einer Vertreterversammlung der „Arbeiter-, Angestellten- und Beamten-Ausschüsse“ fordert Gustav Klingelhöfer die „Proklamation der Räterepublik“.

Eugen Leviné und Max Levien sprechen sich als Führer der kommunistischen Partei gegen die „Räterepublik“ aus, obwohl sie diese bisher lautstark propagiert haben. 

4. April 1919

München-Maxvorstadt * Auf einer vom „Zentralrat“ einberufenen und gut besuchten Veranstaltung im „Löwenbräukeller“ teilt Dr. Arnold Wadler mit, dass der Landtag am 8. April nicht zusammentreten wird.

4. April 1919

München * Nachdem die „Münchner Garnison“ erklärt, dass sie nicht zum Schutz des Landtags zur Verfügung stehen wird, entscheidet sich der „Ministerrat“ mehrheitlich gegen eine „Einberufung des Landtags“

4. April 1919

München-Kreuzviertel * Stellenlose Kaufleute demonstrieren vor dem „Ministerium des Äußeren“ am Promenadeplatz, dem „Montgelas-Palais“

4. April 1919

München-Kreuzviertel * Eine Delegation der Augsburger „Räte“ erscheint im Ministerrat und trägt ihre Forderung nach Ausrufung einer „Räterepublik“ vor.  

Die SPD-Minister wollen in Abwesenheit des Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann aber keine Entscheidung treffen. 

5. April 1919

München * In Massenversammlungen im „Hofbräuhaus“, im „Löwenbräukeller“, im „Münchner-Kindl-Keller“ und im „Wagner-Saal“ wird die vom „Zentralrat“ geplante „Räterepublik“ ebenfalls abgelehnt. 

Die Versammlungen fordern dagegen die Ausrufung einer „Räterepublik auf kommunistischer Grundlage nach russischem Vorbild“

5. April 1919

München-Kreuzviertel * Bezugnehmend auf das „Gesetz über die Aufhebung des bayerischen Adels“ wird in einer Bekanntmachung der Staatsregierung das Führen bayerischer Adelstitel ausdrücklich verboten.

Das Gesetz wird durch die „Weimarer Verfassung“ vom 11. August wieder aufgehoben. 

5. April 1919

München-Maxvorstadt * Die Soldaten des „1. Infanterie-Regiments“ beschließen die Umbenennung der „Marsfeld-Kaserne“ in „Kurt-Eisner-Kaserne“. 

Sie fordern vom „Zentralrat“

  • die sofortige „Proklamierung der Räterepublik“,
  • wollen als erstes Regiment der zu bildenden „Roten Armee“ geführt werden,
  • fordern die „Aufhebung der Offiziersvorrechte“,
  • die sofortige Einstellung der Gehaltszahlungen an Offiziere,
  • eine „Neuregelung des Mannschaftsversorgungsgesetzes unter Gleichstellung mit den Offizieren“ und
  • keine Entlassung der Soldaten, bevor nicht ausreichend Arbeitsstellen geschaffen sind.

Das „2. Infanterie-Regiment“ benennt seine Kaserne an der Lothstraße in „Karl-Liebknecht-Kaserne“ um.

5. April 1919

München * Die „Kommunistische Partei“ spricht sich gegen die vom „Zentralrat“ geplante Ausrufung einer „Räterepublik“ aus. 

Denn, so seine Begründung:

  • Die Proklamation ist entweder eine bewusste Provokation, um die Idee der „Räterepublik“ zu diskreditieren, oder
  • der Versuch, bankrotter SPD-Führer, den Anschluss an die Massen zu gewinnen;
  • die Massen sind nicht aufgeklärt,
  • es gibt keinen eigenständigen bayerischen Weg der Revolution und die Kommunisten beanspruchen die Führung.
  • Es wäre nur eine „Diktatur des Zentralrates“ und eben nicht die von den Kommunisten angestrebte „Diktatur des Proletariats“
5. April 1919

München * Am 5. und 6. April findet der „Gautag der Sozialdemokraten Südbayerns“ statt.

Die Versammelten erklären sich mit der Errichtung einer „Räterepublik“ einverstanden, wenn sich die drei sozialistischen Parteien [SPD, USPD und Kommunisten] an der Durchführung beteiligen.
Es geht ihnen um den Erhalt der „Errungenschaften der Revolution gegen alle Anschläge der Reaktion“

5. April 1919

München * Ministerpräsident Johannes Hoffmann wird in der Sitzung des „Ministerrats“ mit den Forderungen nach einer „Räterepublik“ konfrontiert. 

Hoffmann verweigert sich dem Ansinnen entschieden. 

6. April 1919

München * Bereits vor der „Ausrufung der Räterepublik Baiern“ informiert der „Zentralrat“ alle bayerischen Behörden über die bevorstehenden Maßnahmen telegraphisch und fordert die Beamten zur Mitarbeit auf. 

6. April 1919

Denn am Abend entscheidet sich der „Zentralrat“ für die „Ausrufung der Räterepublik Baiern“, obwohl die KPD dieses Vorhaben ablehnt. 

Man glaubt dennoch, dass die Bevölkerung und die Armee geschlossen hinter diesem Systemwechsel steht. 

6. April 1919

München * Ernst Schneppenhorst, der „Minister für Militärangelegenheiten“, soll den „Zentralrat“ über die strikte Ablehnung einer „Räterepublik“ informieren.

Doch Schneppenhorsts Zug verspätet sich.
Und bis er in München eintrifft ist Bayern bereits eine „Räterepublik“

6. April 1919

Nürnberg - München * Ministerpräsident Johannes Hoffmann reist zum „Landesparteitag der SPD“ nach Nürnberg und kann dort die Genossen gegen die „Räterepublik“ mobilisieren. 

7. April 1919

München - Freistaat Bayern * Die „Räterepublik Baiern“ wird es lediglich ganze sechs Tage - bis zum 13. April - geben. 

Bayernweit folgen zahlreiche Städte dem Beispiel Münchens, doch nur an wenigen Orten haben die „Räterepubliken“ bestehen über den 10. April hinaus. 

7. April 1919
  • München * Die „Ausrufung der Räterepublik Baiern“ funktioniert in den Behörden reibungslos, 
  • die Besetzung und Übernahme der Zeitungsverlage geht überwiegend friedlich und widerstandslos vonstatten, 
  • Polizei und Militär verhalten sich ruhig und bekennen sich zur „Räterepublik“
  • KPD und MSPD bleiben bei ihrer abwartenden Haltung und stellen sich den Ereignissen nicht entgegen. ​
7. April 1919

München * Die „Münchner Rote Fahne“ bezeichnet die „Räterepublik“ als Kompromiss. 

Die Zeitung protestiert, dass durch die „Proklamierung einer Scheinräterepublik“ der „Gedanke des Rätesystems“ verwässert oder erwürgt wird. 

Sie fordert die „Errichtung einer kommunistischen Räterepublik“, da nur sie „die Arbeiterschaft aus aller Not und allem Elend befreien kann“.

7. April 1919

München * Der im „1. Kabinett Hoffmann“ für „Handel und Gewerbe“ zuständige Minister Josef Simon von der USPD tritt von dieser Funktion zurück. 

„Nachdem in München die Räterepublik ausgerufen ist, das Ministerium Hoffmann den Kampf gegen das Rätesystem proklamierte, ist mein Verbleiben in diesem Ministerium unmöglich“.

7. April 1919

München - Nürnberg * Die „Regierung Hoffmann“ verlegt ihren Sitz nach Nürnberg.

7. April 1919

München * Der 7. April wird zum „Nationalfeiertag“ erklärt.

7. April 1919

München * Die „Baierische Räterepublik“ lehnt die Zusammenarbeit mit der „Reichsregierung“ ab und bezeichnet diese als „verächtliche Regierung Ebert, Scheidemann, Noske, Erzberger, weil diese unter der Flagge einer sozialistischen Republik das imperialistisch-kapitalistisch-militärische Geschäft des in Schwachheit zusammengebrochenen deutschen Kaisertums unterstützt“.

7. April 1919

München * In der „Räteregierung“, also dem „Rat der Volksbeauftragten“, sitzen keine Mehrheitssozialdemokraten, wohl aber im „Revolutionären Zentralrat“.

Führende Funktionen haben die Schriftsteller Ernst Toller, Gustav Landauer und Erich Mühsam.
Ihre geringe politische Erfahrung betrachten sie nicht als Mangel, da sie den herrschenden Konventionen der Politik ja sowieso ablehnend gegenüberstehen.
Deshalb wird die „Erste Räterepublik“ häufig auch abschätzend als „Literatenrepublik“ bezeichnet.

  • Oberster Repräsentant der „Baierischen Räterepublik“ ist Ernst Toller, der zum linken Flügel der USPD zählt und deren Vorsitzender er ist.
  • Das Amt des „Volksbeauftragten für Finanzen“ übernimmt Silvio Gesell,
  • „Volksbeauftragter für Volkswohlfahrt“ wird August Hagemeister und
  • „Volksbeauftragter für Volksaufklärung“ wird der „Anarchist“ Gustav Landauer.

Der Bayerische Landtag wird als „unfruchtbares Gebilde des überwundenen bürgerlich-kapitalistischen Zeitalters“ für aufgelöst erklärt und  die sofortige Gründung einer „Roten Armee“ angekündigt. 

7. April 1919

Bamberg - München * Die „Regierung Hoffmann“ lässt am Abend ein Flugblatt mit folgendem Inhalt über München abwerfen: 

„Die Regierung des Freistaates Bayern ist nicht zurückgetreten.
Sie hat ihren Sitz von München verlegt.
Die Regierung ist und bleibt die einzige Inhaberin der Gewalt in Bayern und ist allein berechtigt, rechtswirksame Anordnungen zu erlassen und Befehle zu erteilen“

7. April 1919

München * In der Nacht vom 6. auf den 7. April erfolgt im „Wittelsbacher Palais“ - mit Zustimmung von Vertretern der SPD, der USPD, der Gewerkschaften und des „Revolutionären Arbeiterrates“ - die Proklamation der „Baierischen Räterepublik“.

Dieser Vorgang wird als „3. Revolution“, als „Räterepublik des Zentralrats“ oder - von den Kommunisten - auch als „Scheinräterepublik“ bezeichnet.

Die „Regierung Hoffmann“ hat sich - wahrscheinlich unter dem Einfluss der Parteileitung in Berlin - im letzten Moment gegen die „Ausrufung“ entschieden.

Durch den Boykott der Kommunisten und den Rückzug der SPD fallen den Mitgliedern des „Revolutionären Arbeiterrats“ und der USPD eine Schlüsselrolle zu. 

7. April 1919

München - Nürnberg - Bamberg * Ministerpräsident Johannes Hoffmann begibt sich zunächst nach Nürnberg und später nach Bamberg, wo er mit dem Landtag und den noch verbliebenen SPD-Ministern Unterschlupf finden wird.

Bis zum 16. August 1919 ist Bamberg der bayerische Regierungssitz.
Untergebracht ist die Regierung in der ehemaligen „Fürstbischöflichen Neuen Residenz“ am Domplatz. 

7. April 1919

München * Angehörige der „Gruppe sozialistischer Akademiker“ gründen einen „Revolutionären Hochschulrat“
Er beseitigt den am 5. April gegründeten und aus drei Sudenten bestehenden „Provisorischen Studentenrat der Universität München“.

Der „Revolutionäre Hochschulrat“

  • will die Universität sofort schließen,
  • die bisherige Universitätsverfassung aufheben und
  • einen „Revolutionären Senat“ bilden. 
  • Sämtliche Lehrkräfte der Universität sollen entlassen und
  • eine völlig neue „Hochschule“ durch Neuberufungen geschaffen werden.

Für den nächsten Tag wird eine „allgemeine Studentenversammlung“ ins „Auditorium Maximum“ der Universität München einberufen. 

8. April 1919

Moskau - Belgrad * Die „Räterepubliken“ in Russland und Ungarn begrüßen in Telegrammen die Errichtung der „Baierischen Räterepublik“

8. April 1919

München * Dr. Arnold Wadler, der „Volkskommissar für das Wohnungswesen“ ordnet die „Beschlagnahme und Rationierung“ der Wohnräume in ganz Bayern an.

8. April 1919

München * Die Arbeiter des „Maffei-Werkes“ werden bewaffnet. 

Damit beginnt die vom „Provisorischen Revolutionären Zentralrat“ angeordnete „Bewaffnung des Proletariats“.  

8. April 1919

München-Maxvorstadt * Im „Auditorium Maximum“ der Münchner Universität stellt der „Revolutionäre Hochschulrat“ seine am Tag zuvor gefassten Forderungen vor. 

Die „allgemeine Studentenversammlung“ verweigert allerdings ihre Zustimmung zu den Maßnahmen. 

8. April 1919

München * Über Flugblätter lässt der „Vollzugsausschuss des Soldatenrats München“ erklären, dass die „Kasernenräte“ sämtlicher Münchner Truppenteile hinter der „Räterepublik“ stehen. 

8. April 1919

München * Es fehlt der „Räterepublik Baiern“ ein klares Regierungsprogramm.
Entscheidungen werden individuell getroffen. Diese widersprechen sich teilweise oder heben sich sogar gegenseitig auf.

Ernst Niekisch, der Vorsitzende des „Zentralrats“, gibt schon am zweiten Tag völlig entnervt auf.
Der 25-jährige „Anarchist“ und Schriftsteller Ernst Toller wird sein Nachfolger. 

9. April 1919

München * Führende Männer der gemäßigten politischen Linken planen, die kommunistischen Führer der Räterepublik und die „Ausländer und Juden“ zu verhaften. 

Zusammen mit Carl Gandorfer, dem „Polizeipräsidenten“ Josef Staimer und „Stadtkommandant“ Oskar Dürr will der „Volksbeauftragte der Justiz“, Konrad Kübler, gegen die Kommunisten gewaltsam vorgehen. 

9. April 1919

München - Bayern - Berlin - Leipzig - Frankfurt - Hamburg * Den telefonischen Verkehr mit München haben inzwischen Augsburg, Ingolstadt, Nürnberg, Würzburg, Berlin, Hof, Leipzig, Frankfurt und Hamburg eingestellt. 

9. April 1919

München * Um 23 Uhr beschließt der „Rat der Revolutionären Betriebsobleute“ und der „Rat der Revolutionären Soldatenvertreter“ die sofortige Abdankung des „Zentralrats“ und seine eigene Einsetzung als Träger der gesamten Gewalt.

9. April 1919

Bamberg - München * Flugzeuge werfen am Nachmittag Flugblätter der inzwischen nach Bamberg übersiedelten „Regierung Hoffmann“ über München ab. 

In diesem wird mitgeteilt, dass die Bauernschaft Frankens, der Oberpfalz und des Rieses vom 8. April an eine Lebensmittelsperre über München und Augsburg verhängt haben. 

9. April 1919

München * Ein Anschlag des „Zentralrats“ gibt bekannt, dass „Der revolutionäre Bankrat für Baiern“ in München „Vertrauensleute“ bestimmt hat, die „die Auszahlung von Geldern bei den Banken zu überwachen haben, um zu verhindern, dass landesverräterische Kapitalisten ihr Geld ins Ausland verbringen“

Damit soll die „Kapitalflucht“ unterbunden werden. 

9. April 1919

München * Der „Kellner“ und  Mitglied des „Vollzugsausschusses des Landessoldatenrats“, Wilhelm Reichart, wird einvernehmlich zwischen dem „Provisorischen Revolutionären Zentralrat“ und den „Kasernenräten“ zum „Volksbeauftragten für das Militärwesen“ ernannt.   

Er wird das Amt bis zum 13. April ausüben.

9. April 1919

München * Zugverbindungen werden unterbrochen und damit der Nachschub von Lebensmitteln und Kohle unterbunden. 

9. April 1919

Braunschweig * In Braunschweig wird die „Räterepublik“ ausgerufen. 

10. April 1919

München * Am Abend wird in der „Chirurgischen Klinik“ ein Anschlag auf Erhard Auer verhindert. 

Die bewaffneten Eindringlinge können überwältigt und verhaftet werden. 

10. April 1919

München * Der „Verein der Staatsbürger jüdischen Glaubens“ wehrt sich in Erklärungen gegen die in Flugblättern erhobenen Vorwürfe, dass die Juden die eigentlichen Triebkräfte der Revolution sind.

10. April 1919

München * Der „Verband sozialistischer Lehrer und Lehrerinnen Baierns“ gibt folgende Erklärung ab:  

  • „Die Räterepublik ist ausgerufen. Das Volk hat die Macht übernommen. Der Kapitalsmus wird vernichtet. 
  • Frei soll die Schule sein. Das Zerrbild des Armen, abhängigen Schulmeisters ist für immer vernichtet. 
  • Jetzt sind auch wir frei von Kirche und Juristerei. 
  • Helft mit am Siege der Räterepublik!“ 
10. April 1919

Berlin - Freistaat Bayern * Der Versuch, die Stadt und die „Räteregierung“ über „Sanktionsmaßnahmen“ auszuhungern, nimmt immer konkretere Formen an:  

  • Die „Reichsbank“ hat die Zahlungsüberweisungen nach Bayern eingestellt. 
    Damit wird auch die Belieferung der Banken mit Banknoten wird unterbunden. 
  • Die „Sparkasse“ ist für den Publikumsverkehr geschlossen.
  • Die „Bayerische Hypotheken- und Wechselbank“ hat auf Anweisung der Preußischen Regierung die bei ihr liegenden Depots von 80 Millionen Mark nach Berlin geschickt. 
10. April 1919

München * Der „Revolutionäre Zentralrat“ gibt die Einsetzung von „Revolutionstribunalen“ und deren Zusammensetzung bekannt. 

10. April 1919

München-Schwabing * Um 10 Uhr beginnt im „Städtischen Wehramt“ an der Winzererstraße die Werbung für die „Rote Armee“ der „Räterepublik Baiern“.  

  • Jeder Angehörige der „Roten Armee“ erhält bei freier Verpflegung, Unterkunft und Kleidung eine Tageslöhnung von 7.- Mark.  
  • Verheiratete (Selbstverpfleger) erhalten zusätzlich 7,50 Mark.
  • Eintretende Erwerbslose haben nach dem Austritt aus der „Roten Armee“ Anspruch auf „Arbeitslosenfürsorge“
Um den 10. April 1919

Bamberg * Dr. Fritz Gerlich flieht mit gefälschten Papieren nach Bamberg, wo sich auch die „Bayerische Regierung“ aufhält.

Er stellt die Verbindung zu „Reichswehrminister“ Gustav Noske her und agiert als Redner vor den Freikorps für die „Befreiung Münchens von der Räteregierung“.

10. April 1919

Ingolstadt * Der „Minister für militärische Angelegenheiten“, Ernst Schneppenhorst, und das „Freikorps Epp“, mit Franz Xaver Ritter von Epp an der Spitze gegenrevolutionärer Truppenverbände, ziehen in Ingolstadt ein. 

10. April 1919

München * Ernst Toller redet im „Hofbräuhaus“ vor den „Betriebsräten“.

Er erklärt zu der am Vorabend vom „Rat der Revolutionären Betriebsobleute“ und vom „Rat der Revolutionären Soldatenvertreter“ beschlossenen sofortigen Abdankung des „Zentralrats“ und seiner eigenen Einsetzung als Träger der gesamten Gewalt, dass

  • die Kommunisten aus wirtschaftlichen, politischen und militärischen Gründen nicht in der Lage sind, die Herrschaft anzutreten und auf Dauer zu behaupten und
  • der „Bauernrat“ einer „kommunistischen Räterepublik“ jede Unterstützung verweigern würde. 
Um den 11. April 1919

München * Gustav Landauer, der „Volksbeauftragte für Volksaufklärung“, führt in der kurzen Zeit der (sozialistischen) „Räterepublik Baiern“ einige Sozialreformen im Bildungsbereich dazu.
Dazu gehört

  • die „Abschaffung der Prügelstrafe“,
  • die „Abschaffung des Zölibats für Lehrerinnen“ und
  • eine „Neugliederung des Schulsystems“
11. April 1919

Bamberg * Ministerpräsident Johannes Hoffmann, die Minister und die „Landessekretariate“ der einzelnen Parteien sind inzwischen vollständig nach Bamberg übergesiedelt. 

In den nächsten Tagen soll sich hier auch der „Ältesten-Ausschuss“ zusammenfinden und über die „Einberufung des Landtags“ einen Beschluss fassen.  

11. April 1919

München-Ludwigsvorstadt * Im Gasthaus „Zum Steyrer“ in der Schützenstraße kommt es gegen 15 Uhr zueiner Rauferei, bei der ein Angehöriger der „Bahnhofswache“ Prügel bezieht. 

Die herbeigeeilte „Republikanische Schutztruppe“ greift ein, muss aber vor der aufgebrachten Volksmenge den Rückzug antreten.  
Daraufhin versucht die Menge den Hauptbahnhof zu stürmen.

Gegen 16:45 Uhr kann das herbeigerufene „Leibregiment“ mit Schreckschüssen den Bahnhofsplatz räumen und später den Hauptbahnhof besetzen.   

Mindestens neun Personen, darunter eine Frau und ein Kind, werden verletzt.

11. April 1919

München-Maxvorstadt * Das „Revolutionstribunal“ befindet sich im „Justizpalast“ und nimmt seine Tätigkeit auf.

11. April 1919

München * Der „Sozialdemokratische Verein München“ hat eine Urabstimmung zur „Räterepublik“ durchgeführt. 
Knapp ein Drittel der Mitglieder beteiligt sich daran. 

Das Ergebnis ist gespalten.
Eine Hälfte spricht sich für, die andere gegen die „Räterepublik“ aus. 

11. April 1919

München * Um 19 Uhr ordnet der „Provisorische Revolutionäre Zentralrat“ die „Entwaffnung der Bourgeoisie“ an. 

Die bürgerliche Bevölkerung muss innerhalb von 24 Stunden die in ihrem Besitz befindlichen Waffen abliefern.

11. April 1919

München * Das „Gemeindekollegium“ lehnt in einer geheimen Sitzung die „Räterepublik“ ab.

11. April 1919

Regensburg - Straubing * Auch Regensburg und Straubing stellen den Fernsprechverkehr mit München ein.

11. April 1919

München * Bereits am frühen Morgen finden sich viele Kunden vor den Banken ein und wollen ihr Geld abholen.

11. April 1919

Bamberg - München * Der Kommandant der „Republikanischen Schutztruppe“, Alfred Seyffertitz, arbeitet gemeinsam mit Ministerpräsident Johannes Hoffmann und dem „Minister für militärische Angelegenheiten“, Ernst Schneppenhorst, Pläne für einen Putsch gegen die „Räteregierung“ aus. 

Dieser soll - so die Absprache - in der Nacht vom 15. zum 16. April erfolgen. 

12. April 1919

Berlin - Bamberg * In einem Telegramm fordert der „Reichspräsident“ Friedrich Ebert vom bayerischen Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann, dass die „Wiederherstellung des früheren Zustandes in Bayern baldigst erfolgt, zumal da nach neueren mir zugegangenen Nachrichten aus München man dort anfängt, sich an die Räteregierung zu gewöhnen. 
Wenn die wirtschaftlichen Maßnahmen, welche Sie in Aussicht genommen haben, nicht in kürzester Zeit zum Ziel führen, erscheint mir als einzige Lösung militärisches Vorgehen“.  

Damit ist das Schicksal der bayerischen Revolution besiegelt.

Eine Niederschlagung nach dem Beispiel des „Spartakus-Aufstandes“ in Berlin ist naheliegend. 

12. April 1919

München-Graggenau * Die Vertreter der sozialistischen Parteien beschließen im „Hofbräuhaus“ - nach zahlreichen Kompromissen gegenüber der KPD - die Zusammenarbeit. 

Dabei ist immer unklar, ob und inwieweit sich die Kommunisten an die Zusagen gebunden fühlen und ob sie überhaupt ein ernsthaftes Interesse an der Zusammenarbeit haben oder einfach nur auf Zeit spielen. 

12. April 1919

München * In der gleichen Nacht beginnt parallel daneben eine „Verhaftungskommission des Zentralrats“ Geiseln aus der Münchner Bürgerschaft festzunehmen. 

12. April 1919

In der Nacht zum 13. April wird von Alfred von Seiffertitz, Franz Guttmann, Emil Aschenbrenner und Walter Löwenfeld eine umfangreiche Liste von festzunehmenden Personen aufgestellt. Die Regierung in Bamberg lässt ihnen dabei größtmögliche Freiheit. 

Es sollten aber hauptsächlich Leute verhaftet werden, „die entweder als Haupträdelsführer mitgewirkt hätten, oder von denen bekannt und anzunehmen war, dass sie zu den Haupthetzern gehörten“.  

12. April 1919

München * Der „Zentralrat“ veranstaltet in sechs Sälen Münchner Brauereien Massenversammlungen zum Thema „Das Gebot der Stunde“.  

12. April 1919

München * Der „Hochschulrat“ verfügt die „Schließung der Universität“ für den nächsten Tag. 

12. April 1919

Bamberg * Die „Regierung Hoffmann“ kappt sämtliche Fernsprechleitungen nach Südbayern. 

Um ihre Informationen weiterzugeben, lässt die Regierung Flugblätter über München abwerfen. 

12. April 1919

München * Die „Räterepublik Baiern“ ist nicht nur bei den bürgerlich-konservativen Kräften umstritten, sondern insbesondere bei den Kommunisten. 

Sie bestreiten den Führungsanspruch des „Zentralrats“

13. April 1919

München * Fünf mit Handgranaten und Pistolen bewaffnete Soldaten, die sich als „Beauftragte der Militärpolizei“ ausgeben, dringen an diesem „Palmsonntag“, um 1:30 Uhr, in das „Erzbischöfliche Palais“ ein, um Michael von Faulhaber zu verhaften.  

Die Soldaten durchsuchen das ganze Gebäude, können den Kardinal aber nicht finden, weil sich dieser bereits seit dem 11. April in Freising aufhält. 

13. April 1919

München * Angehörige der „Republikanischen Schutztruppe“ unter der Führung von Alfred von Seyffertitz dringen - entgegen der ursprünglichen Abmachung - gewaltsam in das „Wittelsbacher Palais“ ein und nehmen 13 Personen fest. 

Darunter befinden sich acht Mitglieder des „Zentralrats“, wie die „Volksbeauftragten“ Dr. Franz Lipp und Fritz Soldmann, sowie der „Wohnungskommissar“ Dr. Arnold Wadler und der Münchner „Arbeiterrat“ Erich Mühsam.

Die Gefangenen werden sofort mit der Bahn nach Eichstätt gebracht und dort in der „Willibaldsburg“ inhaftiert. 

13. April 1919

München * Zwischen 2 und 3 Uhr nimmt die „Verhaftungskommission des Zentralrats“ Geiseln aus der Münchner Bürgerschaft und dem Adel fest. 

Die Festgenommenen werden in die Polizeidirektion gebracht. 

Unter den Verhafteten befindet sich auch der „Bahnhofskommandant“  Emil Aschenbrenner, der aber später von seinem Stellvertreter wieder befreit wird und sich danach umgehend zum Hauptbahnhof begibt. 

13. April 1919

München * Noch in der Nacht besetzt der „Aktionsausschuss“ alle öffentlichen Gebäude und die Standquartiere der „Republikanischen Schutztruppe“ (Luitpold-Gymnasium, Kirchenschule und Stielerschule).

Damit ist am Abend des „Palmsonntag“ nicht die Wiedereinsetzung der „Regierung Hoffmann“, sondern die Übernahme der Regierung durch die Kommunisten erreicht. 

13. April 1919

München * Der „Generalstreik“ wird für den nächsten Tag ausgerufen und bürgerliche Zeitungen mit einem Erscheinungsverbot belegt. 

Flugblätter verkünden: 
„Es lebe das revolutionäre Internationale Proletariat! 
Es lebe die Weltrevolution!“

13. April 1919

München-Graggenau * Noch während am Hauptbahnhof gekämpft wird, kommen im „Hofbräuhaus“ die „Betriebs- und Soldatenräte“ zusammen. 

  • Sie rufen die „Zweite Räterepublik“ oder „Kommunistische Räterepublik“ aus,
  • erklären den „Provisorischen revolutionären Zentralrat“ für abgesetzt und
  • übertragen die gesamte gesetzgebende und vollziehende Gewalt einem 15-köpfigen „Aktionsausschuss“
    Dieser besteht aus Mitgliedern der KPD, der USPD und der SPD.

Der „Aktionsausschuss“ wählt einen vierköpfigen „Vollzugsrat“:

  • Eugen Leviné, Max Levien, xxx Dietrich und xxx Werner.
  • „Stadtkommandant“ wird der 23-jährige Rudolf Egelhofer.
  • Johann Dosch, ein steckbrieflich gesuchter Krimineller, wird neuer „Polizeipräsident“
13. April 1919

München * Gegen 16 Uhr bewegt sich ein gewaltiger Demonstrationszug durch die Bayerstraße in Richtung Hauptbahnhof.

Die Belagerer stürmen ab etwa 18 Uhr den Hauptbahnhof. 

Nach einer mehrstündigen Schießerei, bei der die Angreifer sogar Minenwerfer einsetzen, geben die „Putschisten“ von der „Republikanischen Schutztruppe“ gegen 21 Uhr auf.
Ihre Anführer fliehen mit einer Lokomotive nach Ulm.
Der Rest der Bahnhofsbesatzung kann durch unterirdische Gänge entkommen.

Zurück bleiben 21 Tote und über achtzig Verletzte. 

Und die Erkenntnis, dass der erste militärische Schlag gegen die „Räterepublik“ gescheitert ist und die gewählte „Regierung Hoffmann“ eine bittere Niederlage einstecken musste.

13. April 1919

München-Theresienhöhe * Kommunistische Arbeiter und Soldaten besetzen das „Waffendepot“ in der Ausstellungshalle auf der „Theresienhöhe“.

13. April 1919

München-Maxvorstadt * Die „Republikanische Schutztruppe“ verschanzt sich im Hauptbahnhof und wartet auf „Militärminister“ Ernst Schneppenhorst, der mit 600 Soldaten in Ingolstadt auf seinen Einsatzbefehl wartet. 

Da aber sein Verbindungsmann von der „Roten Armee“ abgefangen wird, wartet Schneppenhorst vergebens auf den Befehl zum Eingreifen.

Sechzig Mann vom „2. Pionier-Batallion“ in Fürstenfeldbruck werden noch vor ihrem Einsatz in München entwaffnet.
Einzelne treten zur „Roten Armee“ über, die anderen gehen wieder nach Fürstenfeldbruck zurück.

Die von der „Thule-Gesellschaft“ angebotenen „mehrere hundert Mann“ Unterstützung reduzieren sich auf insgesamt zehn Personen.

So aber hat die „Republikanische Schutztruppe“ keine Chance gegen die anstürmenden „Räterepublikaner“, besonders als die KPD am Nachmittag ihre Anhänger zum Widerstand aufruft. 

13. April 1919

München-Theresienwiese * Auf Massenversammlungen am Vormittag auf der „Theresienwiese“ haben sich bereits Teile des „1. und 2. Infanterie-Leibregiments“ mit der demonstrierenden Arbeiterschaft solidarisch erklärt.

13. April 1919

München * Anschläge - mit der Unterschrift „Die Garnison München“ - verkünden die „Verhängung des Kriegszustandes über München“.

Die Entscheidung fällt, nachdem das „Leibregiment“ erklärt, dass es sich in der ganzen Auseinandersetzung „neutral“ verhalten will und eine Unterstützung der „Republikanischen Schutztruppe“ ablehnen.

13. April 1919

München * Um 9 Uhr treffen sich Vertreter der gemäßigten Parteien beim „Kommandanten der Republikanischen Schutztruppe“, Alfred von Seyffertitz, zu einer Lagebesprechung.
Sie wenden sich gegen dessen Forderung nach „Standrecht und Militärdiktatur“.

Am Vormittag des „Palmsonntags“ scheint der Handstreich geglückt. 

Doch während in der ganzen Stadt die Absetzung des „Zentralrats“ und die „Rückkehr der Regierung“ plakatiert wird, rufen die Anhänger der „Räterepublik“ zum Widerstand auf. 

Erste Schüsse fallen.

13. April 1919

Ohrdruf * Die „Werbezentrale des Freikorps Epp“ veröffentlicht ein Flugblatt mit folgendem Inhalt:

„Vertraulich! Nicht auf bayr. Boden mitnehmen! 

Ministerpräsident Hoffmann hat das Versprechen gegeben, dass die Werbung für das Freikorps zwar nicht offiziell erlaubt würde, dass aber weitere Schwierigkeiten den Werbern nicht gemacht werden sollten. [...] 

Es ist anzunehmen, dass dagegen der bayr. Mil. Minister alles versuchen wird, um die Werbung zu hemmen“

14. April 1919

Bamberg * Die „Regierung Hoffmann“ setzt auf das neu eingerichtete „Propagandaministerium“ und die Zusammenarbeit mit bekennenden „Rechtsextremisten“.

Im Regierungsorgan „Freistaat“ werden die „Räteanhänger“ aufs übelste diffamiert und als „ausländische Juden“, „land- und rassenfremde Elemente“ sowie als „Terroristen“ diffamiert“.

Ernst Toller gibt daraufhin im Auftrag des „Zentralrats“ ein Flugblatt an die „Bürger der Räterepublik“ heraus.
In diesem macht er auf die antisemitischen Hintergründe aufmerksam und fordert die Bevölkerung zum Widerstand dagegen auf. 

14. April 1919

Straubing * Karl Gandorfer wird von Angehörigen der in Bayern eindringenden Regierungstruppen verhaftet und ins „Zuchthaus Straubing“ gebracht. 

14. April 1919

München * Die Münchner Bürger müssen innerhalb von 12 Stunden jede Art von Waffen bei der „Stadtkommandantur“ abgeben. Im Weigerungsfall wird mit Erschießung gedroht. 

Andererseits werden die Arbeiter von den neuen Machthabern bewaffnet.
Die Bewaffnung erfolgt in den Betrieben.
Die Arbeiter müssen die Waffen immer bei sich tragen.

14. April 1919

München * Johann Dosch, der neue „Polizeipräsident“, nimmt mit acht Mitgliedern der „Roten Armee“ auf eigene Faust Hausdurchsuchungen vor.

Er beschlagnahmt dabei Gegenstände im Wert von rund 100.000 Mark.

14. April 1919

München-Haidhausen * Am Ostbahnhof werden elf aus Rosenheim stammende Bürger als Geiseln genommen.

Sie sollen im Austausch für mehrere kommunistische Geiseln, die in Rosenheim inhaftiert sind, übergeben werden. 

14. April 1919

München * Das Erscheinen der Münchner Zeitungen wird verboten.

Ersatzweise werden ab dem nächsten Tag „Mitteilungen des Vollzugsrats der Betriebs- und Soldatenräte“ gedruckt und kostenlos an die Bevölkerung verteilt. 

14. April 1919

Bamberg * Die in Bamberg sitzende bayerische „Regierung Hoffmann“ organisiert mit Flugblättern den Einsatz von Freiwilligen.

Um 17:30 Uhr wird das nachstehende Flugblatt über München abgeworfen:
„In München rast der russische Terror, entfesselt von landfremden Elementen.
Diese Schmach darf keinen Tag, keine Stunde weiter bestehen. [...].
Ihr Männer der bayerischen Berge, des bayerischen Hochlandes, des bayerischen Waldes, erhebt Euch wie ein Mann. [...].  
Ein grüner Buschen am Hute und die weißblaue Binde am Arm ist Euer Erkennungszeichen.
Die Bahn befördert Euch zu den Sammelpunkten. [...].

Die Münchner Schmach muss verschwinden.
Das ist bayerische Ehrenpflicht“

14. April 1919

Berlin - Bamberg - München * Die Vergeltungsmaßnahmen gegen die bayerische „Räterepublik“ können beginnen.

  • „Reichswehrminister“ Gustav Noske übernimmt den Oberbefehl über die Aktion.
  • „Generalleutnant“ Ernst Friedrich Otto von Oven erhält den Oberbefehl über die „Invasionstruppen“.
  • „General“ Arnold Ritter von Möhl erhält den Titel „Bayerischer Oberbefehlshaber“, bleibt aber Statist ohne Befehlsgewalt. 
14. April 1919

München * Erster Tag des „Generalstreiks“, den der „Vollzugsrat“ ausgerufen hat.

Er wird bis zum 22. April andauern. 

15. April 1919

München-Giesing * Eine Gruppe Giesinger Mieter verweigert - bis zum Einmarsch der Regierungstruppen - die Bezahlung ihrer Miete. 

15. April 1919

München-Maxvorstadt - Eichstätt - Ebrach * Die von der „Republikanischen Schutztruppe“ im „Wittelsbacher Palais“ festgenommenen Personen, darunter der Münchner „Arbeiterrat“ Erich Mühsam, werden von der Eichstätter „Willibaldsburg“ ins „Zuchthaus Ebrach“ gebracht und dort in „Isolierhaft“ verwahrt. 

15. April 1919

Dachau * Als die Truppen der bayerischen „Exil-Regierung“ in Dachau einrücken, wird der amtierende „Arbeiter- und Bauernrat“ beim zuständigen „Major“ vorstellig und fordert diesen zum Abzug vom „Schlossberg“ auf, da sonst Dachau sonst beschossen werden könnte.

Der „Major“ kommt der Aufforderung umgehend nach. 

15. April 1919

München * Plakatanschläge der „Räteregierung“ waren vor dem „Geldhamstern“ und vor „Lebensmittelwucher“

15. April 1919

München * Emil K. Maenner wird zum Nachfolger von Silvio Gesell als „Volksbeauftragten für Finanzwesen“ ernannt. 

15. April 1919

München * Ein „Revolutionärer Zentralschülerrat“, bestehend aus Schülern der Münchner „Mittelschulen“, wird gegründet. 

15. April 1919

München - Dachau * In München trifft die Meldung über das Anrücken einer 800 Mann starken „Regierungstruppe“ aus Richtung Dachau kommend ein. 

15. April 1919

München * Der mit 21 Vorstrafen behaftete Hans Köberl, bisher „stellvertretender Polizeipräsident“, übernimmt von Johann Dosch das Amt des „Polizeipräsidenten“

Dosch wird nun sein Stellvertreter. 

15. April 1919

München - Dachau * Die alarmierte „Rote Armee“ lässt daraufhin

  • den Zugverkehr unterbrechen,
  • den Hauptbahnhof und den Bahnhofsplatz räumen und in einen Verteidigungszustand versetzen,
  • den Telefon- und Telegraphenverkehr einstellen und
  • alle Zubringerstraßen nach München durch Soldaten absperren.

Mit Lastwagen werden Angehörige der „Roten Armee“ nach Allach gebracht.
Ihnen gelingt es, die von der Gegenwehr völlig überraschten Regierungstruppen nach Karlsfeld zurückzudrängen.

Damit hat die „Rote Armee“ ihren ersten Sieg errungen. 

16. April 1919

Straubing * Karl Gandorfer wird nach zwei Tagen aus der Haft im „Zuchthaus Straubing“ entlassen. 

16. April 1919

München * Rudolf Egelhofer wird „Oberkommandierender der Roten Armee“

16. April 1919

München * Die „Räteregierung“ teilt mit, dass München militärisch keine Gefahr droht.

Die „Weiße Garde“ wird bei Dachau in Schach gehalten. 

16. April 1919

München * Die Stadt ist noch immer von der Außenwelt abgeschlossen.

Es gibt keinen Post-, Eisenbahn-, Nachrichten- und Geldverkehr.
Weder Lebensmittel noch Kohlen werden nachgeliefert. 

16. April 1919

Bamberg - München * Die „Regierung Hoffmann“ lässt Flugblätter über der Stadt abwerfen.

Unter der Überschrift „In München rast der russische Terror“ fordert sie die Bevölkerung des „Freistaats Bayern“ zur Befreiung Münchens mit Waffengewalt auf. 

16. April 1919

München * In einem Anschlag der „Wirtschaftskommission des Vollzugsrats“ heißt es:

„Wer sein Geschäft böswillig schließt, wird sofort dem Revolutionstribunal übergeben und sein Geschäft wird nationalisiert“.
Diese Anordnung gilt für Lebensmittelgeschäfte, Speditionen, Apotheken, Drogerien, Konditoreien und Cafés. 

16. April 1919

München * Die Unternehmer werden angewiesen, Lohn für den „Streik“ zu zahlen.

Es ist inzwischen der dritte Tag des „Generalstreiks“

16. April 1919

München * Der Schriftsteller Willy Weinberger wird „stellvertretender Stadtkommandant“ von München. 

16. April 1919

München * Die seit über einhundert Jahren am bayerischen „Königshof“ durchgeführte, zeremonielle „Fußwaschung“ an zwölf „armen alten Männern aus ganz Bayern“ findet erstmals nicht statt. 

16. April 1919

München-Maxvorstadt * Die Mitglieder des „Revolutionstribunals“ werden im „Justizpalast“ von Soldaten verhaftet und festgenommen. 

16. April 1919

München * Auf Anordnung des „Revolutionären Bankrats“ werden die Safes der Münchner Banken geöffnet.

Der Gold- und Papiergeldvorrat der „Reichsbank“ wird beschlagnahmt. 

16. April 1919

München-Kreuzviertel * 110 Millionen Mark wurden in der „Firma Parcus“ am Promenadeplatz vom „Betriebsrat“ mit den Originalplatten gedruckt.

Sie werden jetzt ausgegeben. 

16. April 1919

Berlin * Im „Preußischen Kriegsministerium“ findet eine Besprechung - ohne bayerische Vertreter - statt.

Es wird beschlossen, dass sich beim „Marsch auf München“ - neben bayerischen und württembergischen Verbänden - auch preußische Truppen beteiligen werden. 

16. April 1919

Dachau * Bei der „Roten Armee“ ist jeder systematische Dienst als „Militarismus“ und „Ludendorfferei“ verpönt.
Es gibt keine Befehle, nur Anweisungen. Militärische Titel werden bewusst nicht geführt.

Dennoch geht es auch in dieser Truppe recht diszipliniert zu. 

16. April 1919

Dachau * Ernst Toller, der zwischenzeitlich zum „Abschnitts-Kommandanten“ der bei Dachau stationierten „Roten Armee“ ernannt worden ist, verweigert Rudolf Egelhofers Befehl, die Stadt mit Artillerie zu beschießen. 
Toller will mit den Angreifern verhandeln.

Nachdem die Verhandlungen gescheitert sind, gelingt der „Roten Armee“ ein weiterer Sieg über die Regierungstruppen.  

Egelhofers Befehl, die gefangen gesetzten Offiziere standrechtlich zu erschießen, wird von Ernst Toller erneut verweigert.
Er setzt auch weiterhin auf Verhandlungen und die Vernunft beider Seiten.

Damit erreicht er zwar einen „Waffenstillstand“, der jedoch den Regierungstruppen die dringend notwendige Atempause verschafft, um sich zu sammeln und um den Gegenschlag vorzubereiten.
Außerdem ersuchen die „Weißen“ in Berlin um Verstärkung nach. 

Die „Weißen Truppen“ haben Dachau bedingungslos übergeben. 
Der „Roten Armee“ fallen mehrere Millionen Schuss Infanterie-Munition, 4 Geschütze, 3 Maschinen-Gewehre, Sanitätsfahrzeuge und anderes Material in die Hände. 
„Wir machten mehrere Hundert Gefangene, darunter 4 Offiziere. 
Wir beklagen 8 Tote und eine Zahl Verwundete. 
Unsere Arbeiter undTruppen schlugen sich hervorragend. 

Unsere Truppen sind über Dachau hinaus vorgestoßen“
heißt es in einem Flugblatt des „Vollzugsrats der Betriebs- und Soldatenräte Münchens“ vom 17. April. 

17. April 1919

München * Der „Vollzugsrat“ wirft Ernst Toller vor, dass er die Verteidigungslinie bei Dachau allzu leichtfertig preisgegeben habe. 

17. April 1919

München * Gründonnerstag: Der „Volksbeauftragte für Finanzen“, Emil K. Maenner, lässt eine Woche lang über 10.000 Safes auf Bargeld kontrollieren. 

Das Ergebnis ist niederschmetternd.
Nur etwas über 50.000 Mark können sichergestellt werden. 

17. April 1919

München * Gründonnerstag: Gegen die am 13. April im „Wittelsbacher Palais“ festgenommenen Personen, darunter Erich Mühsam, wird erst jetzt ein offizieller „Haftbefehl“ erlassen. 

Eine schriftliche „Haftanordnung“ des Staatsanwalts lag bis zu diesem Zeitpunkt nicht vor. 

17. April 1919

München * Gründonnerstag: Willy Weinberger wird „Stellvertretender Stadtkommandant“.

17. April 1919

Berlin * Gründonnerstag: „Reichswehrminister“ Gustav Noske beschließt den Einsatz von „Reichswehrverbänden“ gegen München.

18. April 1919

München * Karfreitag: An diesem fünften Tag des „Generalstreiks“ dürfen die „Friseurgeschäfte“ auf Anordnung der „Streikkommission“ wieder öffnen. 

18. April 1919

München * Karfreitag: Willy Weinberger wird „Stadtkommandant“

Er übernimmt diese Funktion von Rudolf Egelhofer. 

18. April 1919

Erbrach * Karfreitag: Am Nachmittag erfährt das Mitglied des „Vollzugsrats“ Wilhelm Karl Duske, dass im „Zuchthaus Ebrach“ die gewaltsam entführten 13 „Linksradikalen“, darunter die acht Mitglieder des „Zentralrats“, wie die „Volksbeauftragten“ Dr. Franz Lipp und Fritz Soldmann, sowie der „Wohnungskommissar“ Dr. Arnold Wadler und der Münchner „Arbeiterrat“ Erich Mühsam, einsitzen. 

Rudolf Egelhofer erklärt: „Wir können nichts weiter tun, als Hoffmann-Genossen festnehmen“.

18. April 1919

München * Karfreitag: Die „Kasernenräte“ werfen aus fahrenden Autos gegen die „Regierung Hoffmann“ gerichtete Flugblätter ab. 

19. April 1919

München * Die Belieferung mit Lebensmitteln ist extrem mangelhaft. 

Das Angebot reicht nur teilweise für die ausgegebenen „Lebensmittelkarten“.
Selbst der „Viktualienmarkt“ wird nur sehr schlecht beliefert. 

19. April 1919

München * Karsamstag: Flugzeuge werfen Flugblätter der „Regierung Hoffmann“ ab. 

Diese stellen baldige Hilfe in Aussicht.

19. April 1919

München * Karsamstag: Die Stadtverwaltung darf nach über fünftägiger zwangsweiser Stilllegung den Straßenbahnbetrieb wieder aufnehmen. 

Damit sollen Einnahmen sichergestellt werden.

19. April 1919

München * Karsamstag: Blumengeschäfte und Theater, nicht jedoch Kinos, dürfen - trotz des „Generalstreiks“ - wieder öffnen.

19. April 1919

München * Karsamstag und Sechster Tag des „Generalstreiks“: Die „Zivile Sicherheitswache“, bestehend aus organisierten Arbeitern, übernehmen den „Sicherheitsdienst“ anstelle der suspendierten und entwaffneten Polizeiwachleute. 

Um den 19. April 1919

Bamberg * Karsamstag: Ministerpräsident Johannes Hoffmann lässt in seinem Auftrag auf Staatskosten vom „Bischöflichen Generalvikariat Bamberg“ folgendes Telegramm an alle Pfarrämter Bayerns übermitteln:

„Ein Haufen von Ausländern hat sich der Hauptstadt München bemächtigt, übt daselbst eine Schreckensherrschaft aus und bedroht von dorther die Provinzen, namentlich die Landbevölkerung, mit Raub und Brandstiftung.
Die rechtmäßig bestehende Regierung hat einen Aufruf zur Bildung von Freikorps ergehen lassen.
Von seinem Erfolg hängt Wohl und Wehe des Vaterlandes ab. 

Wir ersuchen die Geistlichkeit, durch Hausbesuche und auch von der Kanzel aus kräftigst dafür einzutreten, dass möglichst viele tüchtige Gemeindeangehörige dem Rufe folgen. [...]“.

20. April 1919

München-Kreuzviertel * Ostersonntag: Ein weiterer Versuch Kardinal Michael von Faulhaber zu verhaften misslingt. 

20. April 1919

München - Budapest - Moskau - Wasserburg * Ostersonntag: Am Nachmittag fliegen Eugen Leviné, Wilhelm Reichart, der „Volksbeauftragte für das Militärwesen“ und der Student Karl Petermeier, der „Adjudant“ Rudolf Egelhofers, mit Ziel Budapest und Moskau ab. 

Sie wollen dort Finanzmittel für die „Räterepublik“ beschaffen. 

Der Flug endet jedoch bereits in Wasserburg am Inn, wo der Pilot unter Vortäuschung eines Motordefekts notlandet.

20. April 1919

München * Ostersonntag: Die „Regierung Hoffmann“ lässt über München Flugblätter abwerfen. 

In der Überschrift heißt es: „Münchner! Habt noch wenige Tage Geduld!“ 

20. April 1919

Augsburg * Ostersonntag: Augsburg kapituliert, nachdem sich die Arbeiter drei Tage erbittert gewehrt haben.

Dadurch können die „Weißen Truppen“ den strategisch wichtigen Eisenbahnknotenpunkt einnehmen.
Eine für die Eroberung Münchens wichtige Voraussetzung. 

21. April 1919

München * Ostermontag: Die „Versammlung der Betriebsräte“ im „Festsaal des Hofbräuhauses“ beschließt, den „Generalstreik“ auf Dienstag auszuweiten und diesen Tag zur „Demonstration der Macht des Proletariats“ zu nutzen.

Abgelehnt wird der Vorschlag von Eugen Leviné, die „Massendemonstration“ mit einer Schlusskundgebung in der rot ausgekleideten „Frauenkirche“ zu beenden.

21. April 1919

München * Ostermontag: Emil K. Maenner, der „Volksbeauftragte für Finanzen“ und Towia Axelrod, der als „Politischer Kommissar“ dem „Vollzugsrat“ angehört und zugleich „Stellvertretender Volksbeauftragter für Finanzen“ ist, ordnen an, dass bei den Geldinstituten wöchentlich nicht mehr als 600 Mark abgehoben werden dürfen. 

22. April 1919

München * Mit dem „Roten Tag von München“ endet der neuntägige „Generalstreik“

22. April 1919

München-Maxvorstadt * Am frühen Morgen wird Pfarrer Hans Meiser, der spätere „Landesbischof der evangelischen Kirche“, mit zwölf weiteren Personen als Geisel verhaftet und zunächst in die „Guldeinschule“, später auf die Polizeiwache in der Astallerstraße gebracht. 

Durch Bestechung eines Postens können die Geiseln Kontakt mit einem Mitglied des „Vollzugsrats“ aufnehmen, der die Verhaftung als Eigenmächtigkeit der Soldaten erklärt und die Geiseln ab 18 Uhr wieder in die Freiheit entlässt. 

Bei Hans Meiser dauert die Entlassung am längsten, weil er als Geistlicher dem „System Kirche“ angehört, das gegen die „Räterepublik“ eingestellt ist. 

22. April 1919

München * „Polizeipräsident“ Hans Köberl und sein Stellvertreter Johann Dosch werden abgesetzt und verhaftet. 

Neuer Chef im „Polizeipräsidium“ wird der ebenfalls vorbestrafte „Dentist“ Johann Clemens Waldschmidt.

22. April 1919

München * Um 11 Uhr beginnt an diesem neunten Tag des „Generalstreiks“ die „Demonstration des Proletariats“ mit einer großen „Truppenschau“, die zugleich der Massenmobilisierung in München dient.
Rund 12 bis 15.000 bewaffnete Angehörige der „Roten Armee“ marschieren mit.  

Um 15 Uhr finden in den größten Münchner Sälen elf „Massenversammlungen“ statt, auf denen Mitglieder des „Vollzugsrats“ Reden halten.

Um 17 Uhr setzt sich ein großer „Demonstrationszug“ in Bewegung, der von der „Theresienwiese“ durch die Innenstadt bis zum „Siegestor“ zieht und sich schließlich vor dem „Wittelsbacher Palais“ auflöst.

Ernst Toller warnt - trotz der erzielten Siege gegen die „Weißen Truppen“ bei Dachau - vor einer Fortsetzung der kriegerischen Auseinandersetzungen.
Er will lieber mit Vertretern der in Bamberg tagenden „Regierung Hoffmann“ verhandeln. 

23. April 1919

München * Der „Revolutionäre Hochschulrat“ ordnet an, dass die Vorlesungen des „Sommersemesters“ nicht vor dem 1. Juli beginnen. 

23. April 1919

Berlin * „Reichswehrminister“ Gustav Noske [SPD] ordnet den Angriff Münchens durch zwei große militärische Einheiten an und übernimmt für die Aktion selbst die Oberleitung.

  • Die an der bayerischen Nordgrenze stehenden  „Preußischen Hilfstruppen“ unter Generalleutnant Ernst von Oven und
  • die „Württembergischen Einheiten“ sowie die noch zu sammelnden „bayerischen Verbände“ und das „Bayerische Schützenkorps“ bei Augsburg-Ulm.

Im Verlauf des Angriffs auf München will Noske sämtliche beteiligten Streitkräfte Generalleutnant Ernst von Oven unterstellen.  

Arnold Ritter von Möhl soll spätestens nach der „Eroberung und Sicherung Münchens“ die Befehlsgewalt - zumindest über die bayerischen Truppen - übernehmen.  

23. April 1919

München * „Polizeipräsident“ Johann Clemens Waldschmidt wird nach nur knapp einem Tag durch den „Installateur“ Ferdinand Mairgünther, dem Schriftleiter der „Münchner Roten Fahne“, abgelöst. 

23. April 1919

München * Regierungstreue Flugzeugbesatzungen werfen wieder Flugblätter über München ab, die zum Durchhalten auffordern. 

Um den 24. April 1919

München * Der Kommunist Dr. Rudolf Schollenbruch wird „Armeearzt“ und gleichzeitig zum „Volksbeauftragten für das Gesundheitswesen“ ernannt.

24. April 1919

München * Um den Missstand der Zahlungsmittelnot zu beheben, wird mit den noch vorhandenen Druckplatten für Zwanzigmarkscheine neues Papiergeld gedruckt. 

Das Notenpapier reicht allerdings gerade Mal für 10 Millionen Mark.

24. April 1919

München * Willy Weinberger wird wieder „Stellvertretender Stadtkommandant“

Neuer „Stadtkommandant“ ist nun Max Mehrer.

24. April 1919

Bamberg * „Der Freistaat“, das amtliche Organ der in Bamberg residierenden „Regierung Hoffmann“, gibt bekannt: 

„Wegen Kohlenmangel muss ab heute der Personenverkehr auf den bayerischen Staatseisenbahnen eingestellt werden“
25. April 1919

München - Bamberg - Freistaat Bayern * In Flugblättern der „Regierung Hoffmann“ wird zum Eintritt in die „Freikorps“ und in die „Volkswehr“ aufgerufen. 

25. April 1919

Bamberg * Die „Regierung Hoffmann“ beschließt von Bamberg aus für das rechtsrheinische Bayern das „Standrecht“.

25. April 1919

München * Die „Betriebsräte“ beschließen, dass „Kleinkunstbühnen“, „Cafés“ und „Weinlokale“ wieder bis zur „Polizeistunde“ geöffnet haben dürfen. 

„Bars“ und „Animierkneipen“ müssen dagegen geschlossen bleiben.
Auch das „Kuchenverbot“ besteht weiterhin.

25. April 1919

München * Auch die „Rote Armee“ verstärkt ihre Anwerbeaufrufe und begründet das mit dem Heranrücken der Regierungstruppen.

25. April 1919

Freistaat Bayern * 35.000 bayerische, württembergische und norddeutsche Soldaten marschieren in Richtung München.

Das ist die größte militärische Operation der Nachkriegszeit. 

26. April 1919

München * Die neu gedruckten Zwanzigmarkscheine haben eine Seriennummer (Serie B, Nummern über 800.000). 

Die „Regierung Hoffmann“ lässt über München Flugblätter abwerfen, in denen sie diese Scheine für „wertlos“ erklärt. 

26. April 1919

München * Die Versorgung Münchens mit Milch ist nahezu eingestellt. 

Selbst an Kranke kann nur noch bei unmittelbarer Lebensgefahr Milch abgegeben werden.

26. April 1919

München * Auf einer „Versammlung der Betriebsräte“ brechen bei Fragen des weiteren Vorgehens der Verteidigung die seit längerer Zeit bestehenden politischen Differenzen zwischen

den „Kommunisten“,

  • dem „Vorsitzenden des Vollzugsrats“ Eugen Leviné, dem „Mitglied des Vollzugsrats“ Max Levien und dem „Politischen Kommissar“ Towia Axelrod einerseits und

den „Unabhängigen Sozialdemokraten“,

  • Emil K. Maenner, Ernst Toller und Gustav Klingelhöfer, offen zutage.

Es kommt zu heftigen Auseinandersetzungen, in deren Folge die drei Letztgenannten von ihren Ämtern zurücktreten.

  • Der „Volksbeauftragte für Finanzen“, Emil K. Maenner, erklärt, dass er nicht mehr für Handlungen bereitsteht, die „politischem Diebstahl“ gleichkommen
    und keine Lust mehr hat, in einem „Marionettentheater“ zu sitzen.
  • Der „Kommandeur des Truppenabschnitts I (Dachau)“, Ernst Toller, betrachtet die jetzige „Räteregierung“ als ein „Unheil für das werktätige Volk“, weil die führenden Männer nur zerstören, ohne das geringste aufzubauen.
    Deshalb kann er eine weitere Zusammenarbeit mit dem „Vollzugsausschuss“ und dem „Generalstab“ nicht mehr verantworten.
  • Aus den gleichen Gründen will auch der „Abschnittskommandant der Roten Armee in Dachau“, Gustav Klingelhöfer, seine Ämter niederlegen.

Der „Bankrat“ stellt sich geschlossen hinter Emil K. Maenner und bezeichnet die Mitglieder des „Vollzugsausschusses“ als „Hampelmänner“.

Mit ähnlich harten Worten wird die „katastrophale Versorgungslage“ von den Anwesenden kritisiert, an der die „Regierung Hoffmann“ nur zum Teil schuld ist.

Nach einem weiteren Beschluss der „Betriebsräte“ sollen die Münchner Tageszeitungen - unter Auflage einer „Vorzensur“ - wieder erscheinen können.

Während der Sitzung trifft die Nachricht ein, dass im „Passamt“ 50 Pässe gestohlen worden sind.
Zur Untersuchung des Vorgangs wird daraufhin eine „Zehnerkommission“ gebildet.

26. April 1919

München * Die Aktivitäten der „Thule-Gesellschaft“ werden aufgedeckt.

Mit Hilfe von gefälschten Stempeln und Ausweisen hat sie sich Zugang zur „Roten Armee“ und zur KPD verschafft und alle gesammelten Informationen an die Regierung in Bamberg weitergegeben.

Die Durchsuchung der Logen-Räume der „Thule-Gesellschaft“ im „Hotel Vier Jahreszeiten“ bestätigt den Verdacht, aber die Verantwortlichen sind inzwischen geflohen. Allerdings haben sie die Mitgliederkartei vergessen.

Dadurch kann die „Rote Armee“ sechs Mitglieder der „Thule-Gesellschaft“ verhaften.
Sie stehen unter dem Verdacht, für die Regierungstruppen und „Freikorps“ geworben zu haben. 

Anschließend werden sie ins „Luitpold-Gymnasium“ gebracht. 

26. April 1919

München * Die „Deutsche Demokratische Partei - DDP“ mahnt in Flugblättern den Schutz der Frauen und Kinder für die zu erwartenden Kämpfe an. 

Die Betroffenen sollen ihre Häuser und Wohnungen schließen und weder an die Fenster treten noch auf die Straße gehen. 

26. April 1919

Freistaat Bayern * Generalleutnant Ernst von Oven bereitet den Einmarsch in München organisatorisch vor. 

Dazu lässt er unter anderem Stadtpläne an die Truppen verteilen.

27. April 1919

München * Die Bewohner Münchens sind weiterhin willkürlichen Verhaftungen, Beschlagnahmungen, Plünderungen und Bedrohungen ausgesetzt.

27. April 1919

München * Über das Auftauchen der „Zehnerkommission“ - mit Unterstützung von zehn Angehörigen der „Roten Armee“ - im Beratungszimmer des „Vollzugsausschuss“ beschwert sich Eugen Leviné in der Versammlung.

27. April 1919

München * Die am Vortag gebildete „Zehnerkommission“ berichtet den „Betriebs- und Soldatenräten“ über das Ergebnis ihrer Untersuchungen zur  sogenannten „Passangelegenheit“  berichtet. 

Die Pässe wurden im Auftrag von Max Levien geholt, „um sie der Bourgeoisie zu entziehen und ihr die Flucht in das Ausland unmöglich zu machen“.
Über den Verbleib der Pässe können allerdings keine Aussagen gemacht werden. 

27. April 1919

München * Anschließend bilden sie eine „Geschäftskommission der Betriebs- und Soldatenräte“, der keine Kommunisten, sondern ausschließlich Mitglieder der USPD, darunter Ernst Toller und Gustav Klingelhöfer angehören.
Sie soll bis zur Wahl eines neuen „Aktionsausschusses“ am nächsten Tag regieren.

Damit beginnt die nur einen Tag andauernde „Diktatur der Betriebsräte“

27. April 1919

München * Ernst Toller bekräftigt erneut seine Meinung, dass die jetzige „Räteregierung“ eine „Gefahr für das Proletariat und die Räterepublik“ darstellt.

Die „Betriebs- und Soldatenräte“ zwingen den „Aktionsausschuss“ zum Rücktritt und entziehen damit auch dem „Vollzugsrat“ das Vertrauen. 

Damit beenden sie die kommunistische Diktatur von Eugen Leviné und Max Levien. 

27. April 1919

München-Graggenau * Im „Hofbräuhaus“ eskaliert der Konflikt zwischen den Befürwortern und den Gegnern der Verhandlungen mit der „Regierung Hoffmann“.

Verhandlungen mit der in Bamberg residierenden „Regierung Hoffmann“ sind jedoch nicht mehr möglich.
Sowohl die Regierung des „Freistaats Bayern“ als auch die Reichsregierung fordern die „Bedingungslose Kapitulation“

„Die Verhältnisse in Südbayern haben sich nunmehr durch Verschulden des Münchener Terrors zum direkten Kriegszustand entwickelt. [...] Gewalt kann nur mit Gewalt bekämpft und unterdrückt werden. Verhandlungen, Besprechungen und Abmachungen mit den Volksfeinden, die unser Südbayern ins Unglück gestürzt haben, sind vergeblich“.

Durch diese nachgiebige Haltung sehen die Kommunisten keine andere Wahl, als bis zum bitteren Ende zu kämpfen.
Sieg oder Niederlage - dazwischen gibt es für sie keine Alternative.

27. April 1919

Freistaat Bayern * Auf Befehl des „Reichswehrtruppenkommandos“ sind Generalleutnant Ernst von Oven alle bayerischen und württembergischen Truppen einschließlich des „Freiwilligen Bayerischen Schützenkorps“ unter Oberst Franz Xaver Ritter von Epp unterstellt. 

27. April 1919

München * München ist inzwischen von der Außenwelt vollständig abgeschnitten.

27. April 1919

München * Die am Tag zuvor verhafteten Mitglieder und Anwärter der „Thule-Gesellschaft“ werden auf einem Plakat als „gemeingefährliche Bande von Verbrechern“ bezeichnet, die neben der Fälschung militärischer Stempel auch Diebstähle, Plünderungen und sogar Viehraub im großen Stil begangen hat. 

28. April 1919

München-Graggenau * Von den „Betriebs- und Soldatenräten“ wird ein neuer zwanzigköpfiger „Aktionsausschuss“ gewählt. 

Ernst Toller, Gustav Klingelhöfer und Rudolf Egelhofer kandidieren nicht für dieses Gremium. 

Der gewählte „Aktionsausschuss“ besteht aus 15 „Betriebsräten“ und fünf „Soldatenräten“.
Unter ihnen ist kein Kommunist.

28. April 1919

München * Mit dem Herannahen der Regierungstruppen wird die Zahl derer, die bereit sind zu kämpfen, immer kleiner. 

Doch die „Regierung Hoffmann“ hat sich bei der „Befreiung Münchens“ praktisch der „Reichswehr“ ausgeliefert. 

Nachdem sie einmal die Zustimmung zur „Reichsexekution“ gegeben hat, kann sie keinerlei Einfluss mehr auf den ganzen Vorgang ausüben. 

28. April 1919

München * Die „Späherberichte“ zeigen ganz deutlich die Stimmung in der „Betriebs- und Soldatenräte-Versammlung“

„Die Reden in der siebenstündigen Versammlung zeigten, dass man bestrebt ist, so gut es geht den Weg zum Ausgangspunkt zurückzufinden. 
Das ist die Stellung der vernünftigen und größeren Mehrheit der Münchner Arbeiter“

28. April 1919

Freistaat Bayern * Generalleutnant Ernst von Oven befiehlt den Vollzug der „Einschließung Münchens“ bis zum 30. April. 

Er ordnet an, dass die bayerischen Streitkräfte nicht vorzeitig und vereinzelt losschlagen. 

Die Befehle für den Zeitpunkt des Einmarsches in München sind eindeutig. 
Am Freitag, 2. Mai, um 12:00 Uhr, soll gleichzeitig und überraschend in die Landeshauptstadt eingerückt werden und damit dem Gegner möglichst wenig Möglichkeit zur Entfaltung der eigenen Kampfstärke gegeben werden. 

28. April 1919

München-Isarvorstadt * Das „Luitpold-Gymnasium“ wird Sitz des „Aktionsausschusses“ und des „Vollzugsausschusses“, nachdem es zuvor schon Sitz der „IV. Abteilung der Roten Armee“ war. 

28. April 1919

München * Gerüchte tauchen auf, dass Max Levien mit der „Kasse der Kriegsgeschädigten“ durchgebrannt wäre. 

28. April 1919

München * Am Abend stürmen rund einhundert Giesinger Kommunisten das „Polizeipräsidium“, entwenden und vernichten Material des „Erkennungsdienstes“ und der „Fahndungsabteilung“ und verwüsten das Gebäude.
Wertgegenstände und Waffen werden gestohlen.

Die „Steckbriefsammlung“, die Akten der „Zigeuner-Nachrichtenstelle“ und die „Einwohnerlisten“ türmen sich meterhoch in den Höfen des Präsidiums.
Sie werden teilweise mit Benzin übergossen und angezündet. 

28. April 1919

München * Am Nachmittag besetzen Kommunisten das „Wittelsbacher Palais“, den Sitz des „Aktionsausschusses“.

28. April 1919

München-Au * Gleichzeitig findet im „Münchner-Kindl-Keller“ eine Versammlung der Kommunisten statt. 

Darin versuchen Eugen Leviné und Max Levien das Scheitern ihrer Politik zu rechtfertigen. 

Dabei erklärt Levien: Es kommt nicht darauf an, „ein paar Tausend Bürgerlichen die Gurgel abzuschneiden“.

28. April 1919

München-Graggenau* Unmittelbar vor der Wahl wird das „Hofbräuhaus“ von Einheiten der „Roten Armee“ umstellt.

  • Diese fordern  die sofortige Beseitigung der Polizei und
  • die Ausstattung des „Oberkommandos der Roten Armee“ mit allen Vollmachten, „um den erfolgreichen Kampf gegen die Weiße Garde und besonders gegen die innere Reaktion führen zu können“.

Durch die nun beginnende „Diktatur der Roten Armee“ unter ihrem „Oberkommandierenden“ Rudolf Egelhofer ist die Wahl des neuen „Aktionsausschusses“ mehr oder weniger gegenstandslos geworden. 

28. April 1919

München-Kreuzviertel * Kardinal Michael von Faulhaber verlässt München, um außerhalb Münchens „Firmungen“ vorzunehmen. 

Er kommt erst am 6. Mai wieder zurück. 

29. April 1919

Moskau - München * Wladimir Iljitisch Lenin beglückwünscht in einem Telegramm die Mitglieder der Münchner „Räteregierung“

Das Schreiben erreicht jedoch keinen der beglückwünschten Empfänger. 

29. April 1919

München-Kreuzviertel * Im „Polizeipräsidium“ gehen die Plünderungen und Verwüstungen weiter. 

29. April 1919

München-Maxvorstadt * „Nuntius“ Eugenio Pacelli flieht umgehend in die Schweiz. 

Er wird erst am 8. August 1919 wieder nach München zurückkehren.

29. April 1919

München-Maxvorstadt * Gegen 15 Uhr tauchen schwerbewaffnete Soldaten der „Roten Armee“ in der „Nuntiatur“ in der Brienner Straße auf und fordern - unter persönlicher Bedrohung des „Nuntius“ Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII., - die Herausgabe seines Dienstautos.

Eine Beschwerde beim „Kriegsministerium“ verstärkt nur die Forderung:  
„Wenn das Auto nicht sofort abgeliefert wird, dann wird die Nuntiatur zusammengeschossen und die ganze Bande verhaftet!“ 

Die Eindringlinge ziehen erst ab, nachdem die „Stadtkommandantur“ eingreift.

29. April 1919

München - Schleißheim - Starnberg * Rudolf Egelhofer, der „Oberkommandierende der Roten Armee“, ruft den sofortigen „Generalstreik“ aus.

Denn:

  • in Schleißheim stehen schon die „Söldner des Kapitalismus“,  
  • in Starnberg haben die „weißgardistischen Hunde die Sanitätsmannschaften niedergemetzelt“, deshalb
  • „Alle Mann zu den Waffen! Zeigt der weißen Garde, wie die Rote Armee zu siegen versteht!“
29. April 1919

München * Der „Vollzugsrat der Betriebs- und Soldatenräte“ fordert die Arbeiter auf, am nächsten Tag bewaffnet in ihren Betrieben zu erscheinen.

29. April 1919

München * In Plakatanschlägen wird das in der Stadt umlaufende Gerücht dementiert, Max Levien wäre mit der „Kasse der Kriegsgeschädigten“ durchgebrannt. 

29. April 1919

Garmisch * In Garmisch und Umgebung werden Aufrufe zum Eintritt in das „Freikorps Werdenfels“ öffentlich angeschlagen und in den Zeitungen veröffentlicht.

29. April 1919

München * Der „Oberkommandierende der Roten Armee“, Rudolf Egelhofer, stellt in der Sitzung der „Stadtkommandur“ den Antrag, die „Angehörigen der Bourgeoisie“ auf der „Theresienwiese“ zusammenzutreiben und beim Einmarsch der „Weißen Truppen“ zu erschießen. 

Der Antrag wird mit 7 zu 6 Stimmen abgelehnt. 

30. April 1919

München * Inzwischen haben die „Regierungstruppen“ den Ring um München - nach zum Teil erbitterten Kämpfen - geschlossen. 

In München werden keine Verteidigungsanlagen installiert. 
Dieser Tag bringt vielmehr der Zerfall der „Räteregierung“ und der „Roten Armee“

Bei etwas gutem Willen der leitenden Offiziere der heranrückenden Truppen wäre eine geordnete Übergabe oder Rückgabe der Macht möglich gewesen. 
Doch sie haben kein Interesse an einer friedlichen Verständigung. 

Durch ihre kompromisslose Haltung fördern sie nur den Widerstandswillen der Fanatiker. 

30. April 1919

München-Untergiesing * Am Rechen der „Bäckerkunstmühle“ wird eine uniformierte Leiche aus dem Auer Mühlbach gezogen. 

Es handelt sich um den früheren „Stadtkommandanten“ Willy Weinberger. 

30. April 1919

München-Graggenau * Um 23 Uhr wird eine Versammlung der „Betriebs- und Soldatenräte“ ins „Hofbräuhaus“ eingeladen.
Die Versammlung distanziert sich von den „Geiselmorden“.

Aus ihrem Kreis wählen die Versammelten gegen Mitternacht jeweils drei „Betriebs- und Soldatenräte“, die in Dachau wegen der Übergabemodalitäten für München verhandeln sollen.

Ernst Toller beantragt die sofortige Einberufung eines „Bayerischen Rätekongresses“.
Der Antrag wird angenommen. Danach vertagt sich die Versammlung. 

„Stadtkommandant“ Max Mehrer verweigert die geplante Verhaftung von weiteren 500 Geiseln.

30. April 1919

München-Isarvorstadt * Um 10 Uhr werden im Hof des „Luitpold-Gymnasiums“ zwei Angehörige des Berliner „8. Husarenregiments“ - ohne gerichtliches Urteil - erschossen.
Sie haben - nach Misshandlungen - zugegeben, an der Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts am 15. Januar beteiligt gewesen zu sein.

Zwischen 16 und 17 Uhr werden im Hof des „Luitpold-Gymnasiums“ weitere acht Geiseln - erneut ohne gerichtliches Verfahren und Urteil - erschossen.
Mit Ausnahme des „Kunstmalers“ Professor Ernst Berger sind alle Erschossenen Mitglieder oder Anwärter auf eine Mitgliedschaft in der „Thule-Gesellschaft“

Wer den Befehl für die Hinrichtung gegeben hat, kann nicht mehr herausgefunden werden, weil sich der verantwortliche Kommandant bei seiner Festnahme erschießt. 

Ernst Toller befürchtet Vergeltungsmaßnahmen der „Weißen Truppen“ und bittet deshalb Professor Ferdinand Sauerbruch, die Getöteten abzuholen.
Doch der Professor verweigert diese Bitte. 

30. April 1919

München *Auf schriftlichen Befehl Rudolf Egelhofers hin, wird das Dienstauto des inzwischen geflohenen päpstlichen „Nuntius“ Eugenio Pacelli beschlagnahmt. 

Der Wagen ist jedoch nicht fahrbereit.

30. April 1919

München * Plakate der „Roten Armee“ fordern die Arbeiter und Soldaten auf, die „preußische Herrschaft“ abzuschütteln und sich bewaffnet dem Feind entgegenzustellen.

Die KPD wirbt in einem Flugblatt zum Eintritt in die „Rote Armee“, während sich Eugen Leviné, Max Levien und Towia Axelrod in Sicherheit bringen. 

30. April 1919

München * Über München kreisende Flugzeuge werfen Flugblätter mit Durchhalteparolen ab:
„[...] Kopf hoch und Mut! Hilfe naht, die Euch vom russischen Terror und Schrecken des Bolschewismus befreien wird“.

Ein anderes Flugblatt informiert darüber, dass München von bayerischen Truppen umstellt ist und fordert die Bevölkerung auf:  
„Hört die Stimme der Vernunft! Lasst ab vom bewaffneten Widerstand.
Meidet die Straßen und Plätze, damit das Blut Unschuldiger nicht vergossen wird.
Die Truppen der Regierung brechen schonungslos jeden bewaffneten Widerstand, um der Not Aller ein Ende zu machen.  
Lebensmittel, Kohlen, Rohstoffe stehen zur Einfuhr nach München bereit.
gez. Hoffmann, Ministerpräsident“ 

Handzettel mit folgendem Inhalt werden verteilt:
„Die Weiße Garde steht vor den Toren Münchens!
Nieder mit den Hunden der Weißen Garde!“ 

30. April 1919

München - Bamberg * Der neue „Aktionsausschuss“ wendet sich an Ministerpräsident Johannes Hoffmann und erklärt sich bereit, die Waffen niederzulegen.
Voraussetzung ist, dass die „Weißen Truppen“ die Stadt nicht betreten werden.
Ministerpräsident Hoffmann lehnt das Ansinnen mit den Worten ab:

„Bedingung ist unannehmbar.
Legt die Waffen nieder, jeder Widerstand ist nutzlos“

30. April 1919

Perlach * Im Kampf um München liefern sich in Perlach „Rotarmisten“ und das „Freikorps Regensburger Volkswehr“ ein kurzes Feuergefecht. 

Nach dem Mai 1919

München-Obergiesing * Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges ist die Vereinsarbeit des „TSV München-Ost“ auf dem Tiefpunkt angelangt.  
„Als die Kriegs- und Revolutionswirren vorüber waren, zählte man zweihundert Mitglieder und betrauerte 49 gefallene Sportkameraden“, heißt es in einer Vereinschronik.

Außerdem kann der Turnsaal im „Schleibinger-Bräu“ nicht mehr benutzt werden, da dort seit dem Jahr 1917 ein Malzwerk für die „Cenovis-Werke“ eingerichtet worden ist.

Damit beginnt erneut eine Wanderschaft durch die Schulturnsäle und die Nebenzimmer großer Münchner Wirtshäuser. 

Mai 1919

München * Dr. Fritz Gerlich kämpft im „Münchner Bürgerrat“, im „Bayerischen Heimatdienst“ sowie mit der Wochenzeitschrift „Feurjo“ gegen den „marxistischen Sozialismus“.

Daneben beschafft er Geldmittel zur Gründung der „Bayerischen Einwohnerwehr“ und für die Überwachung der „Kommunistischen Partei“.
Dieses Engagement trägt zu seinem Ruf als „Marxistentöter“ bei. 

1. Mai 1919

Perlach * Als das Berliner „Freikorps Lützow“ einzieht, gewährt der er ehemalige „Feldgeistliche“, Pfarrer Robert Hell, Lützow und seinen Offizieren Quartier im protestantischen Pfarrhaus.

„Pfarrer“ Hell schreibt: „In Perlach selbst wurden nach dem Wegzug der Regierungstruppen von Anhängern der Roten Armee gegen die Leute, welche ‚die Preußen‘ im Quartier gehabt, Drohungen ausgestoßen […]“

1. Mai 1919

München * Die aus zahlreichen „Freikorps“, „Reichswehr“ und einem württembergischen Gruppenkommando bestehenden „Weißen Truppen“ belagern München. 

Insgesamt stehen rund 35.000 Regierungssoldaten den etwa 10.000 bis 12.000 „Rotarmisten“ gegenüber.

1. Mai 1919

München * In aller Frühe kann die „Republikanische Schutztruppe“ das „Luitpold-Gymnasium“ erobern und große Mengen Waffen erbeuten.  

Bis 9 Uhr erobern und übernehmen rund 200 Mann des „Leibregiments“ den Ostflügel der „Türkenkaserne“.

Bürgerliche Kampfverbände, bestehend aus bewaffneten Bürgern, Studenten, ehemaligen Soldaten und Polizisten sowie zahlreichen Freiwilligen, sammeln sich vor der „Feldherrnhalle“ und besetzen schließlich die „Residenz“.

Kurz vor Mittag wird auf dem „Rathaus“ die weiß-blaue Fahne gehisst.

Eine bürgerliche Kampftruppe erobert vorübergehend den von den „Roten“ besetzten „Hauptbahnhof“

Ab dem 1. Mai 1919

München-Untergiesing * Während der Niederschlagung der Münchner „Räterepublik“ ist das „Marianum“ ein Hauptquartier der Giesing stürmenden „Weißen“ Freikorps-Soldaten.

1. Mai 1919

Bernried * Das aus circa 250 Männern bestehende „Freikorps Werdenfels“ fährt mit dem Zug nach München. 

Bei Bernried wird der Zug von einer Schublokomotive angefahren.
Drei Verletzte und ein Toter müssen vermeldet werden.
Der Unfall führt zum verspäteten Eingreifen des „Freikorps Werdenfels“ in die Kampfhandlungen.

1. Mai 1919

München * Auf Regierungsplakaten wird bekannt gegeben, dass die bayerische Regierung „den Kriegszustand und das Standrecht verhängt“ hat.

„Wer den Regierungstruppen mit der Waffe entgegentritt, wird mit dem Tode bestraft“

1. Mai 1919

München * In einem anderen Pakataufruf der „Betriebs- und Soldatenräte Münchens“ wird aufgefordert „waffenlos“ auf einer „Maikundgebung“ auf der „Theresienwiese“ zu demonstrieren.

Die Räte „protestieren mit Entrüstung gegen die fluchwürdigen Verbrechen jener Elemente, welche durch ihr Handeln die heilige Sache des Proletariats im Kampf für die Menschlichkeit verraten haben“.

Sie fordern auf:
„Soldaten! Laßt Eure Waffen in den Kasernen! 
Arbeiter! Laßt Eure Waffen in den Betrieben! 
Kommt mit den Frauen und Kindern heraus auf alle großen Plätze und Wiesen! 
Ungebeugt wird das Proletariat an diesem Tage seine Räte und den Geist seiner Räterepublik hochhalten. 
Es lebe der Rätegedanke!“ 

1. Mai 1919

München * In einer in Flugblättern veröffentlichten „Erklärung“ distanzieren sich die „Betriebs- und Soldatenräte Münchens“ von den „bestialischen Handlungen (Erschießung von Geiseln im Gymnasium)“ und erläutern, dass sie 
„in keiner Weise verantwortlich sind. 
Die Betriebs- und Soldatenräte sprechen einstimmig ihren tiefsten Abscheu über solche unmenschliche Taten aus. 
Sie versprechen, die in der Versammlung am 30. April 1919 anwesenden Führer Toller, Maenner und Klingelhöfer, die nur im Auftrag des Proletariats gehandelt haben, in jeder Weise zu decken“.

1. Mai 1919

München * „Stadtkommandant“ Max Mehrer verlässt wegen der Geisel-Erschießungen seinen Posten. 

1. Mai 1919

München * Auf Plakaten wird behauptet, dass die ermordeten Mitglieder der „Thule-Gesellschaft“ im „Luitpold-Gymasium“ verstümmelt worden sind. 

Angeblich hat man ihnen die Geschlechtsteile abgeschnitten und in Abfalleimern entsorgt.
Es stellt sich zwar heraus, dass es sich bei den Fleischabfällen um Schweinefleisch handelt, doch das interessiert niemanden mehr.
Der „Geiselmord“ wird als Beweis für die unmenschliche Grausamkeit der „Roten“ gewertet.

Obwohl die Schüsse im „Luitpold-Gymnasium“ die einzige „linke“ Gewalttat während der Revolutionszeit ist, bleibt der „Geiselmord von München“ in der Geschichte tief verwurzelt.

1. Mai 1919

München * Nach Bekanntwerden der voreiligen und unabgestimmten Maßnahmen ergeht vom leitenden Offizierskorps ein sofortiger „Rückzugsbefehl“.  
Einige Befehlshaber ignorieren diesen Befehl jedoch.  

Dass es einigen relativ kleinen Einheiten gelingt, ohne größere Verluste bis in den Stadtkern vorzudringen, ist nur der Beweis für das Nichtvorhandensein einer schlagkräftigen Gegenwehr.  

Bis zum Abend müssen sich die regierungstreuen „Weißen Truppen“ dennoch wieder aus der Innenstadt zurückziehen oder sie verschanzen sich in der „Residenz“.
Auch den Hauptbahnhof müssen sie wieder an die „Rote Armee“ und der „Arbeiterwehr“ übergeben. 

Bei den Angehörigen der „Roten Armee“ und der „Arbeiterwehr“ entsteht andererseits der Eindruck, dass die „Weißen“ durchaus besiegbar sind.  
Freilich wissen sie nicht, dass sie nur gegen einige befehlswidrig vorgerückte Einzelgruppen gekämpft haben und nicht der eigentlichen Streitmacht gegenüberstehen. 

1. Mai 1919

München * Obwohl der Einmarsch der „Weißen Truppen“ in München erst für den nächsten Tag, pünktlich zur Mittagsstunde vorgesehen ist, kommt es bereits am 1. Mai in der Innenstadt zu Schießereien, Kämpfen und Verwüstungen. 

Wie, wann und wo sich die kriegsähnlichen Auseinandersetzungen entzünden, lässt sich heute nicht mehr eindeutig feststellen.  
Die „Regierungstruppen“ werden auf ihrem Weg in den Stadtkern jedenfalls nicht von den „Roten“ angegriffen oder aufgehalten.  

Hinterher wurde gerne behauptet, die „Freikorpstruppen“ hätten sich aufgrund der durchsickernden Informationen über den „Geiselmord“ nicht mehr zurückhalten lassen und wären auf eigene Faust losgestürmt.
Doch das ist nur eine nachträgliche Entschuldigung für eine nicht zu entschuldigende „Disziplinlosigkeit“ auf Seiten der „Weißen Truppen“.  

So stürmen um 9:30 Uhr Angehörige des „Freikorps Lützow“ - von Berg am Laim aus kommend - die von der „Roten Armee“ besetzte „Kirchenschule“ in Haidhausen, verteilen die erbeuteten Waffen an unbewaffnete Bürger und dringen später bis zur Neuhauser Straße vor.  
Sie müssen sich kurz darauf allerdings wieder zurückziehen.

Die „Marine-Brigade Ehrhardt“ erreicht - von Schleißheim kommend- gegen Mittag Schwabing und beteiligt sich später an den Kämpfen am „Stachus“.
Auch aus Regensburg stammende Soldaten sowie Angehörige des „Freikorps Grafing“ und die „Batterie Zenetti“ sind an diesen Kämpfen beteiligt.

Dort entfacht sich ein mehrstündiges Gefecht.  
Die „Roten“ leisten erbitterten Widerstand, in deren Folge der „Stachus-Kiosk“ in Brand geschossen wird.  

Doch es gibt auch Gegenwehr von anderer Seite, die die „Weißen Truppen“ letztlich zum Abziehen zwingen.  
Dazu zählen auch Teilnehmer der „Maikundgebung“ auf der „Theresienwiese“, die dort „waffenlos demonstriert“ haben und sich nun auf dem Nachhauseweg befinden.  

Um 15 Uhr wird Pasing kampflos von den „Weißen“ eingenommen. 

1. Mai 1919

München * Eines der „Freikorps“ ist das „Freikorps Oberland“, das vom „Thule-Führer“ Rudolf von Sebettendorf gegründet wurde und jetzt auch angeführt wird.

Der aus diesem „Freikorps“ hervorgehende „Bund Oberland“ wird ab 1921 den Kern der „SA“ in Bayern bilden und wird Teil des „Deutschen Kampfbundes“ sein, der sich im November 1923 am „Hitler-Putsch“ beteiligt. 

2. Mai 1919

München * Eigentlich war der Einmarsches in München eindeutig für Freitag, 2. Mai, um 12:00 Uhr, festgesetzt worden.

Um 11:40 Uhr werden aus Flugzeugen Flugblätter abgeworfen, die die Bevölkerung auf die kommenden Ereignisse vorbereiten sollen.

Die Kämpfe zwischen „Weißen“ und „Roten“ dauern bis zum Nachmittag an. 

2. Mai 1919

München * München wird nach harten Kämpfen gegen die sich erbittert verteidigenden „Roten“ von den „Regierungstruppen“ genommen.

Die letzten Einheiten der „Roten Armee“ werden am 4. Mai in der Umgebung von München zerschlagen.

Vereinzelte Feuergefechte in der Stadt noch bis zum 22. Mai.

2. Mai 1919

München-Obergiesing * Gustav Landauer wird im „Gefängnis Stadelheim“ grausam ermordet. 

2. Mai 1919

München-Giesing * Das „Freikorps Werdenfels“ wird um 10 Uhr in Großhesselohe ausgeladen und beteiligt sich bis zum 6. Mai an den „Säuberungsmaßnahmen“ in Harlaching und Giesing, die als „Hochburg kommunistischer Verseuchung und Verhetzung“ angesehen werden. 

Nach der Ankunft in München wird das „Freikorps Werdenfels“ dem „Bayerischen Schützenkorps“ unter Führung von Oberst Franz-Xaver Ritter von Epp als „Reserve“ zugeteilt.

Um den 2. Mai 1919

München-Obergiesing * Die Angst und der Hass auf die Giesinger war bei den Nazis tief eingebrannt und reicht in die Zeit der „Zerschlagung der Räterepublik“ zurück.

Als die „Weißen Truppen“ auf der Tegernseer-Landstraße gegen die „Rote Hochburg Giesing“ vorrücken, postiert die „Rote Armee“ auf dem strategisch günstig gelegenen Kirchturm ihre Maschinengewehre.
Am Giesinger Berg werden die „Weißen“ mit MG-Feuer und Handgranaten empfangen.

Es folgen erbitterte Straßenschlachten rund um die Martin-Luther-Straße.

Eine spezielle Kampfart der „Roten Armee“ - die sich durch das Kanalisationssystem hinter die Linien der Feinde schlagen und von dort aus den Kanaldeckeln herausschießen, um anschließend sofort wieder zu verschwinden - führt dazu, dass es - trotz der Überlegenheit der „Weißen“ und des Einsatzes eines Panzerzuges bei der Pilgersheimer Eisenbahnbrücke - drei Tage dauert, bis der Widerstand der „Roten“ gebrochen ist:
in den Augen der Konterrevolutionäre ist das die „Schmach von Giesing“.

2. Mai 1919

Gräfelfing * Die 52 ehemaligen russischen Kriegsgefangenen aus dem „Lager Puchheim“, die in der „Roten Armee“ gekämpft haben, werden von „Weißen“ in einer Kiesgrube bei Gräfelfing erschossen. 

2. Mai 1919

München * Der Oberbefehlshaber der „Roten Armee“, Rudolf Egelhofer, wird in der Wohnung der Ärztin Dr. Hildegard Menzi, wo er zur Untermiete wohnt, aufgegriffen und verhaftet.

Er wird im Keller der Residenz eingesperrt. 

2. Mai 1919

München-Ludwigsvorstadt * Der „Mathäserbräu“ wird in Brand geschossen. 

2. Mai 1919

München * München wird nach harten Kämpfen gegen die sich erbittert verteidigenden „Roten“ von den „Regierungstruppen“ genommen.

Die letzten Einheiten der „Roten Armee“ werden am 4. Mai in der Umgebung von München zerschlagen.
Vereinzelte Feuergefechte in der Stadt noch bis zum 22. Mai. 

2. Mai 1919

München-Obergiesing * 92 „Spartakisten“ und „Rotarmisten“ werden alleine an diesem Tag im „Gefängnis Stadelheim“ standrechtlich erschossen. 

3. Mai 1919

München * In der Innenstadt kommt es noch zu vereinzelten Schießereien.

3. Mai 1919

München-Graggenau * Der im Keller der Residenz inhaftierte Rudolf Egelhofer wird in aller Frühe zum Verhör geholt.

Wenig später ist er tot - erschossen. 

3. Mai 1919

München * Jetzt beginnt „die Reinigung von dem roten Gesindel“, wie es eine Zeitung formuliert.

Nicht Befreiung, sondern Terror einer grausamen Soldateska müssen die Münchner in den nächsten Tagen erleben.
Willkürliche Erschießungen, furchtbare Folterungen und Morde werden begangen.

Oskar Maria Graf schreibt:
„Überall zogen lange Reihen verhafteter, zerschundener, blutig geschlagener Arbeiter mit hochgehaltenen Armen.
Seitlich, hinten und vorne marschierten Soldaten, brüllten, wenn ein erlahmter Arm niedersinken wollte, stießen mit Gewehrkolben in die Rippen, schlugen mit Fäusten auf die Zitternden ein.  
[...] Das sind alle meine Brüder, dachte ich zerknirscht.  
[...] Sie sind alle Hunde gewesen wie ich, haben ihr Leben lang kuschen und sich ducken müssen, und jetzt, weil sie beißen wollten, schlägt man sie tot.  
[...] Tage hindurch hörte man nichts mehr als Verhaftungen und Erschießungen.  
[...] Die Räterepublik war zu Ende. Die Revolution war besiegt. Das Standgericht arbeitete emsig“

3. Mai 1919

Bamberg * Die „Regierung“ teilt mit, dass die Lebensmittelversorgung Münchens sichergestellt ist. 

3. Mai 1919

Bamberg * Das „Ministerium für militärische Angelegenheiten“ lässt die Bildung der „Volkswehr“ und von „Freiwilligenkorps“ zu. 

3. Mai 1919

München-Obergiesing * In „Stadelheim“ werden 50 „Spartakisten“ standrechtlich erschossen.

Am gleichen Tag werden die meisten der 42 zum Tod verurteilten „Rotarmisten“ hingerichtet. 

3. Mai 1919

München * Die Hochschulen und bleiben bis auf weiteres geschlossen.

3. Mai 1919

München * Nach fast dreiwöchiger Abstinenz erscheinen die Münchner Tageszeitungen wieder.

4. Mai 1919

München-Au * Josef Sontheimer wird im „Franziskaner-Keller“ hinterrücks ermordet, nachdem man ihm zuvor - scheinheilig - die Möglichkeit zur Flucht gegeben hat. 

Sontheimer war ein führendes Mitglied der Münchner „Arbeiter- und Soldatenräte“

4. Mai 1919

München * Am Sonntag, dem 4. Mai 1919 herrschte warmes und schönes Frühlingswetter.
Immer mehr „Weiße“ rücken in München ein, darunter „Volkswehren“ aus dem Oberland.

Und wieder werden 27 „Spartakisten“ standrechtlich hingerichtet. 

4. Mai 1919

München * Die Herstellung und Verbreitung aller „kommunistischen, spartakistischen und bolschewistischen Zeitungen und Zeitschriften“ wird verboten.

Gleiches gilt für „Skandal- und Revolverblätter“

4. Mai 1919

München * „Oberstleutnant“ Adolf Herrgott wird „Stadtkommandant“

4. Mai 1919

München-Umland * Die letzten Einheiten der „Roten Armee“ werden vor München zerschlagen. 

4. Mai 1919

Perlach * Am Abend erklärt „Korpskommandeur“ Hans von Lützow „Major“ Walter Schulz, dass er einen telefonischen Hilferuf von Frau Hell, der Ehefrau des evangelischen Pfarrers von Perlach, erhalten habe. Die „Pastoren-Ehefrau“ fühlte sich von „Perlacher Kommunisten“ bedroht.

Die Bedrohung beruhte darauf, dass die genannten „Rotgardisten“ Kartoffeln beschlagnahmten, die ursprünglich für die Herstellung von „Schnaps“ in der „Schnapsfabrik Wolfram“ vorgesehen waren.

Bei den sogenannten „Rotgardisten“ handelte es sich zum Teil um Mitglieder  des Perlacher „Arbeiterrates“, der sich auch um Versorgnungs- und Wohnungsfragen kümmerte oder zur Überwachung des Personen- und Warenverkehrs, auch zur Eindämmung des „Schwarzmarktes“, Reisende am Bahnhof kontrollierte.
Das „Verbrechen“ bestand demzufolge darin, dass sie die Kartoffeln zur Ernährung und nicht zur Herstellung von Spirituosen verwenden wollten.

Schulz beauftragt den als „energischen Mann“ bekannten „Leutnant“ Georg Pölzing mit der Durchführung der „Hilfeleistung“. Dieser rückte sofort mit zwei Lastwägen und etwa vierzig Mann aus.
„Leutnant“ Pölzing ist im Besitz einer Liste, auf der die „gefährlichen Kommunisten“ aufgeführt sind. 

4. Mai 1919

Perlach * Noch in der Nacht zum 5. Mai holen Angehörige des „Freikorps Lützow“ dreizehn Perlacher Arbeiter aus ihren Wohnungen, misshandeln diese auf dem Weg zum „Hofbräukeller“ auf bestialische Art und Weise.

Die Gefangenen werden nach Zeugenaussagen schon in Perlach an die Wand gestellt, worauf ein „Feldwebel“ das Kommando zum Entsichern gibt. In der Perlacher Wirtschaft „Zur Post“, wohin man die Verhafteten dann führt, werden sie wieder an die Wand gestellt.
Als ihnen der Gastwirt Kaffee geben will, erwidern die Soldaten: „Die brauchen keinen Kaffee mehr“.

Die Ermordung der Verhafteten ist von Anfang an geplant, die „Vernehmung“ eine reine Farce. 

5. Mai 1919

München-Haidhausen * Der 19-jährige Konrad Zeller sagte als Zeuge folgendes aus:
„Gleich nach unserer Ankunft im Hofbräukeller mussten wir in Reihe antreten. Jemand, wer weiß ich nicht, gab den Befehl: ‚Ludwig raus‘. Ludwig wurde von 2 Soldaten hinter das Auto geführt. Gleich darauf krachte es 2 oder 3 mal. Ich glaube, dass Ludwig sofort erschossen worden ist“.

Gegen Mittag werden die übrigen elf Perlacher von „Erschießungskommandos“ hingerichtet.

Bei den Ermordeten handelte es sich um den bereits erwähnten „Hafnermeister“ Josef Ludwig sowie die „Hilfsarbeiter“ Artur Koch, Johann Keil, Sebastian Hufnagel, Albert Dengler, sowie den „Arbeiter“ Albert Krebs, der Schweizer Staatsbürger war, weiters um den „Schreiner“ Georg Jakob, den „Maurer“ Josef Jakob, den „Eisenbahnarbeiter“ Georg Eichner, den „Arbeiter“ Konrad Zeller, den „Korbmacher“ August Stöber und den „Former“ Johann Fichtl.

Josef Ludwig war Vorsitzender des Perlacher „Arbeitersrats“, dem aus dem Kreis der Ermordeten noch Josef Jakob und August Stöber angehörten. Außerdem war Ludwig Mitglied im „Gemeindeausschuss“ und stand dem wichtigen „Lebensmittelausschuss“ vor.

Von den zwölf Ermordeten waren zehn Mitglieder der „Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands - USPD“. Zwei der Getöteten waren Junggesellen; insgesamt wurden zehn Frauen zu Witwen, die sich um 46, davon 35 minderjährige Kinder [!], sorgen mussten. 

5. Mai 1919

München * Die Angehörigen der „Garnison München“ haben sich umgehend wieder in ihren Kasernen einzufinden. 

5. Mai 1919

München * „Soldatenräte“, die die „Kommandogewalt“ übernommen hatten, sind abgesetzt.

Ab sofort übernehmen wieder „Kommandeure“ den Befehl über die Truppe. 

5. Mai 1919

München * Der „Schienen-Nahverkehr“ wird von „Hauptbahnhof“ aus wieder aufgenommen.
Der Fernverkehr sowie jeder vom „Ostbahnhof“ ausgehende Verkehr bleibt gesperrt. 

5. Mai 1919

München * Der Fernsprech- und Telegrafenverkehr in andere Ortsnetze ist vorläufig nur den Behörden und der Presse erlaubt.
Berlin ist nicht erreichbar. 

5. Mai 1919

München * Das „Justizministerium“ erklärt, dass Urteile der „Revolutionstribunale“ null und nichtig sind und Strafen nicht vollstreckt werden. 

5. Mai 1919

München * Das von der „Räteregierung“ ausgegebene Papiergeld wird vom „Finanzministerium“ als „ungültig“ erklärt. 

5. Mai 1919

München * Wegen der vielen Leichen finden die Beerdigungen jetzt auf den Münchner Friedhöfen vor- und nachmittags statt. 

6. Mai 1919

München-Maxvorstadt * In ihrem Vereinslokal (Augustenstraße 41) werden am Abend 26 Mitglieder des „Katholischen Gesellenvereins St. Joseph“ aufgrund der falschen Angaben eines Denunzianten, es handle sich um „Spartakisten“, verhaftet.

21 „Kolpinggesellen“ werden im Keller des „Prinz-Georg-Palais“ am Karolinenplatz 5 durch Soldaten der „Regierungstruppen“ misshandelt und auf grauenvolle Weise - ohne Verhör und ohne Urteil - unschuldig ermordet.

6. Mai 1919

München-Giesing * Auf Seiten der „Freikorps“ gibt es nach einem Bericht des „Bayerischen Schützenkorps“ seit Ausbruch der Kämpfe in Giesing 6 Tote und 33 Verwundete. 

Auf der Gegenseite aber rund 200 Tote und eine nicht festzustellende Zahl von Verletzten.

6. Mai 1919

München-Kreuzviertel * Kardinal Michael von Faulhaber kommt von seiner „Firmungsreise“ wieder nach München zurück. 

7. Mai 1919

München * Der Straßenbahnbetrieb, der Eisenbahn-Personenverkehr und der Fernsprechverkehr haben vollumfänglich ihren Betrieb wieder aufgenommen.
Auch die „Münchner Börse“ ist wieder eröffnet.

„Stadtkommandant“ Adolf Herrgott (der hieß tatsächlich so) fordert in einem mit „Letzte Warnung“ überschriebenen Aufruf zur endgültigen Ablieferung aller Waffen bis spätestens 8. Mai 1919, 18 Uhr, auf. Anderenfalls droht die Bestrafung „nach dem Kriegszustandsgesetz“

8. Mai 1919

München * Das „Freikorps Werdenfels“ präsentiert sich der Bevölkerung bei einem Marsch durch die Münchner Innenstadt.

8. Mai 1919

München * Erst jetzt enden die Kämpfe in München.

  • Die Zahl der Opfer wird offiziell mit 557 Menschen angegeben.
  • 145 sind in militärischen Auseinandersetzungen gefallen,
  • 186 hat man „standrechtlich“ erschossen und
  • 226 werden noch nach der Einnahme der Landeshauptstadt ermordet.

Neueste Schätzungen gehen allerdings von bis zu 1.200 Opfern aus. 

9. Mai 1919

München * Im Regierungsorgan „Freistaat“ wird ein Dankschreiben des Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann an General Ernst Friedrich Otto von Oven veröffentlicht.

„Für die umsichtige Leitung und Durchführung der zur Befreiung Münchens aus der Hand der Bolschewisten notwendigen militärischen Operationen spreche ich [...] den herzlichsten Dank aus.
Größte Anerkennung gebührt den aus allen Gauen Deutschlands herbeigeeilten Truppen, die in selbstloser Opferbereitschaft unserm bedrängten Bayernlande und dem ganzen Reiche den größten Dienst erwiesen. [...].
Der Gefallenen gedenken wir in tiefer Trauer und ehrender Anerkennung“

10. Mai 1919

München * Pater Rupert Mayer hält die Predigt beim Begräbnis der 21 „Kolpinggesellen“, die von den „Weißen Truppen“ bestialisch ermordet worden sind.

10. Mai 1919

München - Weilheim - Garmisch * Das „Freikorps Werdenfels“ verlässt München. 

In Weilheim und Garmisch-Partenkirchen werden die „Befreier Münchens“ begeistert empfangen.

10. Mai 1919

München-Lehel * In der Nacht um 1 Uhr fallen an der „Maximiliansbrücke“ 15 bis 20 Gewehrschüsse. 

10. Mai 1919

München-Obergiesing * Die in der „Martin-Schule“ stationierten Posten der „Regierungstruppen“ werden in der Nacht dreimal angegriffen. 

10. Mai 1919

München * Gründung der „Deutschen Bürgervereinigung“ in München. 

10. Mai 1919

München * Eine „Volksaufklärungsstelle für Bayern“ wird in München gegründet. 

10. Mai 1919

München * Die „Polizeistunde“ wird auf 22 Uhr festgesetzt.

Zwischen 22 Uhr und 5 Uhr ist der Aufenthalt auf öffentlichen Straßen und Plätzen verboten. 

10. Mai 1919

München * Seit dem Einmarsch der „Weißen Truppen“ wurden folgende Waffen abgeliefert:

  • 169 leichte Geschütze,
  • 11 schwere Geschütze,
  • 760 Maschinengewehre,
  • 21.351 Gewehre, Karabiner und Pistolen,
  • 70.000 Stichwaffen,
  • 300.000 Handgranaten und
  • 8 Millionen Patronen. 
Um den 10. Mai 1919

München * Nach der blutigen Niederschlagung der „Räterepubliken“ kehrt Dr. Fritz Gerlich wieder nach München zurück.

Er überarbeitet dort das „antikommunistische Material für die Aufklärung und Erziehung der Reichswehr“ und tritt als Redner vor den Soldaten auf.

12. Mai 1919

München * Einstellungsbeginn für die „Münchner Einwohnerwehr“.

13. Mai 1919

München * Eugen Leviné wird verhaftet und des „Hochverrats“ angeklagt. 

14. Mai 1919

München * Die bürgerlichen Parteien in München fordern von der Regierung:

  • Die „sofortige Wiederherstellung der gesetzmäßigen Zustände“
  • die „Wiederaufnahme eines geregelten Polizeibetriebes“;  
  • die „Entwaffnung der Roten Armee“;  
  • die „Aufstellung einer Volkswehr“;  
  • „durchgreifende Maßnahmen zur Sicherung der demokratischen Verfassung“;
  • die „Festnahme und Bestrafung der für die ungesetzlichen Zustände verantwortlichen Führer“ und
  • die „Ausweisung aller politisch nicht einwandfreien landfremden Elemente“.

Da die Abgabe der Waffen und Munition nur zögerlich vonstatten geht, werden Belohnungen ausgesetzt.

17. Mai 1919

München-Au * Erstes Zusammentreten des „Standgerichts München“.

21. Mai 1919

München * Die ehemaligen „Volksbeauftragten für Finanzen“ Silvio Gesell [1. Räterepublik] und Emil K. Maenner [2. Räterepublik] werden verhaftet.

München * Die „Polizeistunde“ wird auf 23 Uhr festgelegt.
Danach dürfen nur Personen mit besonderer Berechtigung die öffentlichen Straßen und Plätze betreten.

München-Kreuzviertel * Die 17-jährige Auguste Pielmaier, Tochter eines Haidhauser Steinmetzmeisters, stürzt sich vom nördlichen Turm der „Frauenkirche“

31. Mai 1919

Bamberg * Umbildung der „Regierung Hoffmann“ in Bamberg.

2. Juni 1919

München-Au * Der Prozess gegen den Kommunistenführer Eugen Leviné durch das „Standgericht“ in der Au beginnt. 

3. Juni 1919

München-Au * Eugen Leviné wird zum Tode verurteilt. 

4. Juni 1919

München-Schwabing * Ernst Toller wird im „Suresnes-Schlösschen“ in Schwabing verhaftet. 

5. Juni 1919

München-Obergiesing * Der Kommunistenführer Eugen Leviné wird an der Gefängnismauer im „Gefängnis Stadelheim“ erschossen. 

Zuvor erhebt er noch die Faust und ruft: „Es lebe die Weltrevolution!“

26. Juni 1919

München * Wahl von Eduard Schmid (SPD) zum „Ersten Bürgermeister“ von München. 

16. Juli 1919

München-Au * Ernst Toller wird zu fünf Jahren „Festungshaft“ verurteilt. 

1. August 1919

München * Aufhebung des „Standrechts“.  

Einsetzung von „Volksgerichten“.

1. August 1919

München * Mit dem „Schulaufsichtsgesetz“ wird die „geistliche Schulaufsicht“ bei der „Volksschule“ beseitigt und durch die „Fachaufsicht“ ersetzt.

Im gesamten Schulwesen sollen „Elternvertretungen“ eingerichtet werden. 

8. August 1919

Ungarn * Nach dem Zusammenbruch der „Räterepublik“ in Ungarn wird Alois Lindner an der österreichisch-ungarischen Grenze aufgegriffen und von Österreich an Bayern ausgeliefert. 

8. August 1919

Schweiz - München * Der päpstliche „Nuntius“ Eugenio Pacelli kehrt aus seinem Exil in der Schweiz wieder nach München zurück. 

11. August 1919

Weimar * Erst in der demokratischen „Weimarer Republik“ darf die Lehrerin vom Hochzeitsmahl wieder an die Schultafel zurückkehren. 

Das „Zölibat für Beamtinnen“ wird durch die „Weimarer Verfassung“ aufgehoben. 

11. August 1919

Weimar * Die Verfassung der „Weimarer Republik“ tritt in Kraft.

Diese enthält stärkere zentralistische Elemente und schränkt die „Eigenständigkeit der alten Staaten“ ein.

Die „Preußische Gesandtschaft“ in der Prinzregentenstraße besteht weiter. Sie hat nun die Aufgabe den Kontakt zwischen den beiden „Länderregierungen“ zu vermitteln und Probleme, die im „Reichsrat“ zu verhandeln sind, vorher zu koordinieren und abzustimmen.

11. August 1919

Weimar * Das „Gesetz über die Aufhebung des bayerischen Adels“ wird durch die „Weimarer Verfassung“ vom 11. August wieder zurückgenommen. 

Bis dahin ist das Führen bayerischer Adelstitel ausdrücklich verboten. 

12. August 1919

Bamberg * Mit 165 Ja-Stimmen, 3 Nein-Stimmen von der USPD und einer Enthaltung beschließen die Mitglieder des Landtags in Bamberg die „Bayerische Verfassung“.  

In ihr wird Bayern als „Freistaat und Mitglied des Deutschen Reiches“ bezeichnet.  

Sie enthält einen „Grundrechtekatalog“ und sieht für alle Personen, die ihren Wohnsitz mindestens ein halbes Jahr in Bayern haben, die „bayerische Staatsbürgerschaft“ vor. 

14. August 1919

München * Die „Bayerische Verfassung“ tritt in Kraft. 

 In Artikel 15 heißt es:
„(1) Alle Bayern sind gleich.
(2) Der bayerische Adel ist aufgehoben“

Um den 15. August 1919

München * Eintritt des Kreises um den völkischen Dichter Dietrich Eckart in die ein „Deutsche Arbeiterpartei - DAP“.

25. August 1919

Berlin - München * Übernahme des bayerischen Militärkontingents von der „Reichswehr“.

1. September 1919

München * Der erste „Geiselmordprozess“ vor dem „Volksgericht München“ beginnt.  
Er wird bis zum 18. September andauern.

Es geht um den Mord an zehn Geiseln am 30. April im Hof des „Luitpold-Gymnasiums“.

Von den 16 Angeklagten werden sechs zum Tode verurteilt.  
Sieben Angeklagte werden zu 15 Jahre „Zuchthaus“ verurteilt. 

Um den 5. September 1919

München * Alle acht bayerischen Bischöfe lehnen die demokratische „Weimarer Verfassung“ ab.

„Halte sich wenigsten der Priesterstand das Gewissen rein und frei gegenüber einer Republik und ihrer Verfassung, die aus der Sünde der Revolution und damit aus dem Fluche geboren sind und diesen Fluch bis in das dritte und vierte Geschlecht vererben werden“

15. September 1919

Bamberg * Die demokratische „Bayerische Verfassung“ tritt in Kraft. 

17. September 1919

München-Au * Am 17. und 18. September entstehen die ersten Schallplattenaufnahmen - im Trichterverfahren - mit Liesl Karlstadt und der Schallplattenfirma „Polyphon“ im Festsaal der Paulanerbräu-Gaststätte München.

19. September 1919

München-Obergiesing * Die sechs zum Tode Verurteilten aus dem ersten „Geiselmordprozess“ werden im „Gefängnis Stadelheim“ durch Erschießen hingerichtet. 

28. September 1919

München-Theresienwiese * Als Ersatz für das „Oktoberfest“ wird ein „Herbstfest“ durchgeführt.

1. Oktober 1919

München * Der seit 1. August 1914 bestehende „Kriegszustand“ wird aufgehoben.

1. Oktober 1919

München-Bogenhausen * Der erste „Hortleiterinnenkurs“ innerhalb der „Städtischen Frauenschule“ wird abgehalten.

6. Oktober 1919

München-Englischer Garten - Hirschau * Die Forstärarialische „Hirschau“ wird parkartig bewirtschaftet.

7. Oktober 1919

Wien * Max Levien wird in Wien verhaftet, aber nicht an Bayern ausgeliefert. 

13. Oktober 1919

München * Der zweite „Geiselmordprozess“ vor dem „Volksgericht München“ beginnt.  
Er dauert zwei Tage.  

Ein Angeklagter wird zum Tode verurteilt.  
Vier Angeklagte erhalten „Zuchthausstrafen“ von jeweils 15 Jahren. 

15. Oktober 1919

München-Obergiesing * Der zum Tode Verurteilte aus dem zweiten „Geiselmordprozess“ wird im „Gefängnis Stadelheim“ durch Erschießen hingerichtet. 

16. Oktober 1919

München-Haidhausen * Adolf Hitler hält im „Hofbräukeller“ am Wiener Platz die erste parteipolitische Rede seines Lebens.

25. Oktober 1919

München * Die beiden Haupttäter der Morde an den 21 „Kolpinggesellen“ werden durch das „Volksgericht München“ zu je 14 Jahren Zuchthaus verurteilt.

30. Oktober 1919

München ? * Die spätere „Wiesnwirt-Legende“ Willy Heide kommt zur Welt.

8. November 1919

München * Aus Anlass des „Jahrestages der Revolution“ beschließen die sozialistischen „Betriebsräte“ eine „völlige Arbeitsruhe“ und „Einstellung des Straßenbahnbetriebs“.  

SPD und USPD veranstalten mehrere „Festversammlungen“.

Am Nachmittag dieses ohne jeden Zwischenfall verlaufenden Tages findet am „Ostfriedhof“ eine „Totenfeier“ statt.

1. Dezember 1919

München * Das „Kriegsrecht“ in Bayern wird aufgehoben. 

9. Dezember 1919

Berlin - München * Die „Reichswehr“ übernimmt das Kommando über das „Bayerische Kriegsministerium“

Bayern bildet fortan den „Wehrkreis VII der Reichswehr“.

10. Dezember 1919

München * In München wird der „Verein kommunistischer Sozialisten“ gegründet. 

15. Dezember 1919

München * Das „Volksgericht München“ verurteilt Alois Lindner zu einer Zuchthausstrafe von 14 Jahren.  

Er hat am 21. Februar 1919 bei einem Attentat im „Bayerischen Landtag“

  • den „Innenminister“ Erhard Auer durch Pistolenschüsse schwer verletzt und
  • den „Abgeordneten“ Heinrich Osel und Major Paul Ritter von Jahreiß getötet.  

Für die Dauer von fünf Jahren erkennt man ihm wegen „niederer Gesinnung“ die „bürgerlichen Ehrenrechte“ ab. 

21. Dezember 1919

München * Karl Valentins „Gesuch um Ausstellung eines Waffenscheins“ wird von der Polizeidirektion genehmigt. 


Verwendet in Führung:

35. Revolution, Räterepublik & Weißer Terror



Milchlieferung, Kaffeehäusern, Café, Allgäu