19. Mai 1987

Bayern beschließt einen Anti-Aids-Maßnahmenkatalog

München * Auf Betreiben von Peter Gauweiler, CSU-Staatssekretär im bayerischen Innenministerium, beschließt Bayerns Regierung unter der Führung von Franz Josef Strauß einen umstrittenen, bundesweit einmaligen Anti-Aids-Maßnahmenkatalog.

Damit soll Bayern zum Vorbild eine „europäischen Hygienekreises“ werden (Franz Josef Strauß). 


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Suchbegriffe

Aids, CSU, Innenministerium, Regierung, Anti-Aids-Maßnahmenkatalog, Homosexualität, Hygienekreis,

Personen

Gauweiler Peter CSU-Abgeordneter Strauß Franz Josef Ministerpräsident

Weitere Ereignisse im Jahr 1987

1987

München-Au * Weinbergers Familienbesitz in der Zeppelinstraße 41 geht an die Landeshauptstadt München über.

1987

Deutsche Demokratische Republik - DDR * In der „Deutschen Demokratischen Republik - DDR“ wird die Todesstrafe abgeschafft.

Bis dahin wurden etwa 200 Todesurteile ausgesprochen und davon circa 130 vollstreckt.

1987

München-Maxvorstadt * Die „Kaulbach-Villa“ wird vom „Freisstaat Bayern“ renoviert.

1987

München-Berg am Laim * Die „Milchhof München GmbH“ wird liquidiert.

An dem Grundstück zeigen sich die Firmen Siemens und Bosch interessiert, ziehen sich aber aufgrund des Preises wieder zurück.

1987

München * Kultusminister Hans Zehetmair greift zum Vokabular des Herrenmenschen:  

  • Aids ist das „Symptom einer maroden Gesellschaft“.
  • Homosexualität gehört in den „Randbereich der Entartung“.
  • „Das Umfeld der ethischen Werte muss wiederentdeckt werden, um diese Entartung auszudünnen“.
  • „Es geht darum, dass dies contra naturam ist - naturwidrig“.
  • „Dieser Rand muss dünner gemacht werden, er muss ausgedünnt werden!“ 
25. Januar 1987

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Bei der Wahl zum „11. Bundestag“ erhält

  • die CDU/CSU mit ihrem amtierenden Bundeskanzler Helmut Kohl 44,3 Prozent [- 4,5] und 234 Sitze.
  • Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Johannes Rau erringt 37,0 Prozent der Stimmen [- 1,2] und 193 Sitze.
  • Die FDP bekommt 9,1 Prozent [+ 2,1] und 48 Sitze.
  • Die „Grünen“ kommen mit 8,3 Prozent der abgegebenen Stimmen [+ 2,7] und 44 Sitzen in den „Deutschen Bundestag“.

Helmut Kohl wird Bundeskanzler einer Koalition bestehend aus CDU/CSU und FDP. 

26. Februar 1987

München * Peter Gauweiler, CSU-Staatssekretär im bayerischen Innenministerium, setzt sich für scharfe Anti-Aids-Regelungen in Bayern ein - mit Zwangstests für Prostituierte, Drogenabhängige und angehende Beamte.

Er bezeichnet an Aids erkrankte Personen als Aussätzige

26. Februar 1987

Bonn * Horst Seehofer, aufstrebender CSU-Bundestagsabgeordneter, wird im Stern zitiert, dass er Aidskranke „in speziellen Heimen“ sammeln, sogar „konzentrieren“ will.

Später lässt Seehofer übrigens ausrichten, dass man damals in der Aids-Politik noch auf der „Suche nach dem richtigen Weg“ gewesen sei. Der damalige Weg wäre inzwischen „längst überholt“

12. März 1987

Luxemburg * Der „Europäische Gerichtshof“ in Luxemburg entscheidet für die „Importfreiheit“.

Bier aus anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft darf auch in die BRD gebracht und vertrieben werden.
Auch dann, wenn es dem „Bayerischen Reinheitsgebot“ nicht entspricht.

6. April 1987

München-Haidhausen * Die denkmalgeschützte „Mälzerei“ des „Hofbräukellers“ brennt ab. 

Der Sachschaden wird mit 14 Millionen DMark beziffert.

1. Mai 1987

Köln * Papst Johannes Paul II. spricht Edith Stein in Köln „selig“.

3. Mai 1987

München - Oberwiesenfeld * Papst Johannes Paul II. spricht Pater Rupert Mayer im Münchner Olympiastadion „selig“

Er besucht zuvor die „Bürgersaalkirche“

8. September 1987

München-Berg am Laim * Der „Behrpark“ an der Baumkirchner Straße wird den Bürgern zugänglich gemacht.

Der alte Park mit der Villa, dem Gartenhäuschen, dem Rest des schmiedeeisernen Eingangstores und dem alten Baumbestand soll als eine der letzten grünen Inseln in Berg am Laim erhalten bleiben. 

19. September 1987

München-Theresienwiese * Nachdem sich in den 1980er Jahren mit der „Prinz Luitpolds Weisse Bräu GmbH“ aus Kaltenberg eine weitere Brauerei auf der „Wiesn“ etablieren wollte, ergänzt der „Verein Münchner Brauereien e.V.“ seine Betriebsvorschriften für das Oktoberfest:

„Das Oktoberfest ist das traditionelle Münchner Volksfest mit Münchner Gastlichkeit und Münchner Bier. Diese Tradition gilt es weiter zu wahren. 

An Wies‘n-Besucher darf deshalb nur Münchner Bier der leistungsfähigen und bewährten Münchner Traditionsunternehmen ausgeschenkt werden“.

19. September 1987

München-Theresienwiese * Stephanie Spendler, die Tochter von Christa und Ludwig Wiggerl Hagn, beginnt auf der Wiesn zu arbeiten.

1. Oktober 1987

München-Au * Die Landeshauptstadt München [Kulturreferat] kauft das „Karl-Valentin-Geburtshaus“ in der Zeppelinstraße 41 um 1,6 Millionen DMark und lässt es sofort unter „Denkmalschutz“ stellen. 

Ab November 1987

München-Untergiesing * Günter Tremmel baut bis zum Frühjahr 1988 ein damals einzigartiges, wasserbetriebenes Kleinkraftwerk, das mit seinen zwei Turbinen jährlich circa 1,3 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt, die in das Netz der „Stadtwerke“ eingespeist werden.

Mit dieser privaten Initiative erreicht der Mechanikermeister, dass etwa 620 Münchner Haushalte mit elektrischer Energie versorgt werden können. Die 850.000 DMark teuere Investition benötige rund fünfzehn Jahre, bis sie schwarze Zahlen schreibt.

Doch Günter Tremmel sieht in dem Kraftwerk mehr die Verwirklichung eines privaten Traumes und eine energiepolitische Zeichensetzung, als eine wirtschaftliche Investition.

An der Südseite des Kleinkraftwerkes finden sich deshalb folgende Zeilen:
„Untätig war des Wassers Lauf -
und niemand achtete darauf
Hier war die Wasserkraft vergessen,
weil von Atomkraft man besessen
Was doch des Menschen stolzer Wahn
in der Natur zerstören kann
Das möge man bedenken;
in Zukunft sollte die Vernunft uns lenken
Vergeßt nicht unsere Wasserkraft

und laßt sie uns erhalten -
Das mahnten schon die Alten.“

2. November 1987

Großbritannien * Mit „Cloud nine“ kommt eine neue George-Harrison-Platte auf den Markt. 

16. Dezember 1987

Bonn * Erich Riedl spricht in der Münchner Abendzeitung im Zusammenhang mit Aids-Erkrankten von „absondern“


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