14. Juli 1917

Antimonarchische Stimmung durch Kaiser Wilhelm II.

Lille * Kronprinz Rupprecht bedauert in seinem Tagebuch die sich in weiten Teilen des Deutschen Reiches um sich greifende antimonarchische Stimmung. Die Schuld daran gibt er Kaiser Wilhelm II..

„Durch seine fortgesetzten Missgriffe und seine Untätigkeit ist der Kaiser um alles Ansehen gekommen und die Verstimmung geht so weit, dass manche monarchisch gesinnte und ernsthaft denkende Leute bezweifeln, ob die Dynastie der Hohenzollern den Krieg überdauern wird“


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Suchbegriffe

Lille, Antimonarchische Stimmung, Hohenzollern,

Personen

Rupprecht Kronprinz Wilhelm II. Kaiser

Weitere Ereignisse im Jahr 1917

1917

München * Michael von Faulhabers Buch „Das Schwert des Geistes“ erscheint. 

Darin finden sich so abenteuerliche Sätze wie: „Die Königstreue - sie steht unter Gottes Geboten“.

1917

München-Graggenau * Constantin Pfrang, genannt „Stanzl“, feiert zusammen mit Hans Blädel im „Café Perzl“ am Marienplatz [heute: „Kaufhaus Ludwig Beck am Rathauseck“] große Erfolge.

Das „Café Perzl“ bringt immer Neuigkeiten auf den Markt.
Von der ersten in München spielenden „Damenkapelle“ bis zu „Schleier- und Charaktertänzerinnen“ - jedoch immer unter Überwachung der Polizei. 

1917

München-Haidhausen * Die „Lagerräume“ im ersten Stock der „Straßenbahn-Direktion“ werden in „Büroräume“ umgebaut.  

Das „Lager“ kommt in das Erdgeschoss und verkleinert dadurch die „Beiwagenhalle“ erneut. 

1917

München * Kurt Eisner lässt sich von seiner Frau Lisbeth scheiden und heiratet Else Belli.

2. Januar 1917

Pleß - Bad Kreuznach - Bad Münster - Bad Homburg * Das Große Hauptquartier der Obersten Heeresleitung - OHL zieht vom Schloss Pleß in Oberschlesien in das Parkhotel Kurhaus in Bad Kreuznach und Bad Münster am Stein-Ebernburg. 

Kaiser Wilhelm II. residierte im Schloss Bad Homburg

3. Januar 1917

Paris * Mata Hari darf mit dem Wissen der Behörden nach Paris einreisen.

Der französische Geheimdienst lässt sie nun dauerhaft observieren. 

5. Januar 1917

Berlin * In seiner Neujahrsbotschaft ruft Kaiser Wilhelm II. die Truppen „zu unvermindertem Kampf gegen die Entente“ auf. 

7. Januar 1917

Berlin * Der Vorstand der „Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft - SAG“ lädt zur ersten „Reichskonferenz der sozialdemokratischen Opposition“ nach Berlin ein. 138 Delegierte und 19 Reichstagsabgeordnete nehmen daran teil. 

Vor allem der Kreis um Karl Kautsky hatte der SAG-Führung zu diesem Schritt geraten und dabei die Absicht verfolgt, dem Einflussgewinn der „radikalen Linken“ um Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg durch die Organisation einer „verantwortlichen Opposition“ zu begegnen. 

7. Januar 1917

München * Der Bayerische Bauernbund - BBB trifft sich zu einer Kriegstagung.

Die Landwirte sollen ermuntert werden, „die entbehrlichen Lebensmittel abzuliefern, um der großstädtischen Bevölkerung das Durchhalten zu erleichtern“

10. Januar 1917

Paris - London - Moskau * Die Entente-Mächte geben ihre Kriegsziele bekannt:

  • Frankreich will die Zerschlagung des Deutschen Reichs und die Rückgabe von Elsaß-Lothringen.
  • Großbritannien fordert
    • die Einschränkung der weltpolitischen Stellung des Deutschen Reichs,
    • die Aufteilung der deutschen Kolonien,
    • die Zerstörung der Flotte und
    • die Begrenzung des Außenhandels.
    • Zudem drängt Großbritannien auf die Wiederherstellung der Eigenständigkeit Belgiens, Serbiens und Montenegros. 
  • Russland fordert - neben der Räumung der besetzten Gebiete - die Wiedereingliederung Polens. 
16. Januar 1917

München-Lehel * Karl Valentin eine Einladung an seinen ehemaligen Mäzen Dr. Ludwig Ganghofer und lädt ihn in den Annenhof ein:

 „Eine große Ehre würden Sie mir erweisen, wenn ich Herrn Doktor samt Familie zu einer meiner täglichen Vorstellungen im Annenhof Liebigstraße 22 einladen dürfte, und würde ich nach telefonischer Benachrichtigung die schönsten Plätze reservieren“

18. Januar 1917

Berlin * Der SPD-Vorstand hält an seinem Konfrontationskurs fest und schließt die SAG-Abgeordneten und die führenden Köpfe der Spartakusgruppe aus der SPD aus und fordert die lokalen Parteigliederungen auf, mit deren Anhängern vor Ort ebenso zu verfahren. 

Obwohl die Führung der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft - SAG es bisher vermied, die Bildung einer neuen Partei zu propagieren, treten – zur Überraschung der SAG wie der SPD-Führung - ganze Ortsvereine aus der SPD aus. 

18. Januar 1917

Berlin * Die in der Festung Wronke in Schutzhaft sitzende Rosa Luxemburg wird aus der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands - SPD ausgeschlossen.

22. Januar 1917

Washington * In einer Rede vor dem amerikanischen Senat fordert Präsident Woodrow Wilson einen Frieden ohne Sieger

23. Januar 1917

Ostfront * Pater Rupert Mayers linkes Bein muss zum zweiten Mal amputiert werden.

28. Januar 1917

Berlin * Die deutsche Regierung lehnt Woodrow Wilsons Friedensbotschaft „Frieden ohne Sieger“ ab.

31. Januar 1917

Berlin * Das Deutsche Reich verkündet den „uneingeschränkten U-Boot-Krieg“.

1. Februar 1917

Deutsches Reich * Die deutsche Kriegsmarine nimmt den uneingeschränkten U-Boot-Krieg wieder auf. 

3. Februar 1917

Washington * Die USA brechen die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland ab. 

3. Februar 1917

München * Wegen Kohlenmangel müssen drei städtische Badeanstalten vorübergehend ganz, vier weitere, darunter das Brause- und Wannenbad an der Schloss-/Kirchenstraße und das Volksbad zeitweilig geschlossen werden.

Die Anordnung wird erst rund sechs Wochen später wieder aufgehoben. 

7. Februar 1917

München * In München werden vier neue Volksküchen eröffnet.

Damit erhöht sich ihre Zahl auf 30. 

8. Februar 1917

München * Weil der Bedarf an Zinn für kriegswichtige Rüstungsprodukte sehr hoch ist, erlassen die Generalkommandos eine Bekanntmachung, die „die Bestandserhebung, Beschlagnahme und Enteignung von Bierglasdeckeln und Bierkrugdeckeln aus Zinn und die freiwillige Ablieferung von anderen Zinn-Gegenständen“ beinhaltet. 

9. Februar 1917

Berlin * Die Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft - SAG ruft zur organisatorischen Sammlung der Opposition auf. 

13. Februar 1917

Paris * Die Tänzerin „Mata Hari“ wird im „Élysée Palace Hotel“ festgenommen und ins berüchtigte „Frauengefängnis Saint-Lazare“ gebracht.

14. Februar 1917

Berlin * Der „Reichstag“ hat seit 1914 insgesamt 64 Milliarden Mark für „Kriegskredite“ bewilligt. 

17. Februar 1917

Berlin * Wegen der anhaltenden Hungersnot im „Deutschen Reich“ wird in Berlin ein „Ministerium für Lebensmittelversorgung“ gebildet. 

20. Februar 1917

Berlin - Deutsches Reich * Die „Fünf-Pfennig-Münzen“ aus Kupfer werden für Kriegszwecke eingezogen und durch solche aus Aluminium ersetzt. 

23. Februar 1917

Berlin * Die „Mehrheitsfraktion der SPD“ stimmt im „Reichstag“ der neuen Vorlage für „Kriegskredite“ zu, „solange die Eroberungsziele der Feinde bestehen“

25. Februar 1917

Irland * Ein deutsches U-Boot versenkt das britische Passagierschiff Laconia vor der irischen Küste.

Unter den zwölf Todesopfern befinden sich zwei US-amerikanische Staatsbürger. 

25. Februar 1917

Berlin - Deutsches Reich * Deutsche Großindustrielle werfen „Reichskanzler“ Theobald von Bethmann Hollweg „Schwäche in der Kriegführung“ vor und fordern seinen Rücktritt. 

26. Februar 1917

Irland * Ein deutsches U-Boot versenkt vor der irischen Küste den schnellsten britischen Passagierdampfer, die „Laconia“.

Da sich unter den zwölf Todesopfern zwei US-amerikanische Staatsbürger befinden, wird dies ein wichtiges Argument der USA zum Eintritt in den Ersten Weltkrieg. 

Ab 1. März 1917

München-Maxvorstadt * Karl Valentin und Liesl Karlstadt treten vom 1. März 1917 bis zum 1. Oktober 1919 im „Serenissimus“ in der Akademiestraße auf. 

2. März 1917

Deutsches Reich * Um die deutschen Soldaten nicht zu demoralisieren, werden in der Presse Aufrufe veröffentlicht, keine „Jammerbriefe“ an die Front zu senden. 

3. März 1917

Petersburg * Bei den „Putilow-Werken“, einem Petrograder „Rüstungsbetrieb“, bricht ein Streik aus. Die Gründe sind in der wirtschaftlichen Zerrüttung und dem erfolglosen Kriegsverlauf zu suchen.

Die Direktion des Werkes reagiert darauf mit der „Aussperrung“ von 30.000 Beschäftigten, was umgehend zu einer „Protestdemonstration gegen die katastrophale Versorgungslage“ führt. 

3. März 1917

München * Die erste Ausgabe der Zeitschrift „Die Wirklichkeit - Deutsche Zeitung für Ordnung und Recht“ erscheint.

Das Druckwerk, dessen Hauptschreiber Dr. Fritz Gerlich ist, sollte das Sprachrohr der „alldeutschen Kräfte“ werden. Die Zeitschrift wird jedoch schon im September wieder eingestellt.

8. März 1917

Petersburg * In Petrograd beginnt die eigentliche Revolution. 

In den „Putilow-Werken“ wird erneut gestreikt, die Streikenden demonstrieren für eine bessere Versorgung, vor allem mit Brot.  
Gegen 14 Uhr treten die Arbeiterinnen in der „Fabrik Ayvas“ ebenfalls in den Ausstand. Sie demonstrieren gegen die Brotknappheit und für die Rückholung ihrer Männer von der Front. Den protestierenden Frauen schließen sich im Laufe des Tages rund 130.000 Arbeiter an.

Dabei schlagen die Kundgebungen ins Politische um: „Weg mit der Monarchie! Schluss mit dem Krieg!“ steht auf den Transparenten.
Die Lage in Petrograd gerät immer mehr außer Kontrolle. Es kommt zu den ersten schweren Zusammenstößen zwischen streikenden Arbeitern und dem Militär. 

Sehr schnell gibt es in den Betrieben Wahlen zu „Arbeiterräten“. Eine Form der Selbstorganisation, die die Arbeiter schon im Jahr 1905 entwickelt hatten.
Daraus entstehen in der Folge „Arbeiter- und Soldatenräte“ im ganzen Land.

9. März 1917

Petersburg * In den folgenden Tagen münden die Proteste in einen „Generalstreik“, aber auch in Plünderungen und Ausschreitungen. Die Polizei ist nicht mehr Herr der Lage, da sich die herbeigerufenen Soldaten mit den Demonstranten verbrüdern.

„Zar“ Nikolaus II. reagiert auf die Streiks, indem er dem Militär befiehlt, mit Waffengewalt gegen die aufbegehrende Menschenmenge vorzugehen. Am Nachmittag schießen Angehörige eines „Garderegiments“ auf die „Aufrührer“. Sechzig Demonstranten sterben.

Das bewirkt jedoch genau das Gegenteil, da nun auch an anderen Orten die Proteste beginnen.
Ganze Regimenter wechseln die Seiten. An anderen Orten dagegen gingen Soldaten gegen die Polizei vor. 

10. März 1917

Petersburg * Die Streiks in Petrograd weiten sich zum „Generalstreik“ aus. 

Zar Nikolaus II. befiehlt zum Kampf gegen die Demonstranten mit allen Mitteln. 

11. März 1917

Petersburg * Die Abgeordneten der russischen Duma [= russisches Parlament] weigern sich, die von Zar Nikolaus II. verfügte Auflösung der Duma durchzuführen. 

Soldaten der Petrograder Garnison solidarisieren sich mit den streikenden Arbeitern.

Damit beginnt die sogenannte Februarrevolution

12. März 1917

Berlin * In Berlin sind nach offiziellen Berichten 135 Personen an „Pocken“ erkrankt.
Zudem gibt es zahlreiche Fälle von „Hungertyphus“

12. März 1917

Petersburg * Der „Ältestenrat der Duma“ konstituiert ein „Provisorisches Komitee zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung“ und eröffnet das „Parlament“ wieder.

Dieses übernimmt die Regierungsgeschäfte und die „Staatsmacht“.
Das ist - staatsrechtlich betrachtet - der entscheidende revolutionäre Akt. 

13. März 1917

Moskau * In Moskau bricht der Aufstand los. Er nimmt einen ähnlichen Verlauf wie in Petrograd.

Eine Niederschlagung der Erhebung scheint aussichtslos.
Die Generäle zwingen „Zar“ Nikolaus II. dazu, einer neuen „Regierung des gesellschaftlichen Vertrauens“ zuzustimmen.
Dies genügte aber den neuen Machthabern in Petrograd aber lange nicht, sie fordern den Thronverzicht des „Zaren“, einige sogar seinen Tod.

14. März 1917

Russland * Zwischen dem 14. und dem 16. März 1917 bilden sich in den wichtigsten russischen Städten „Arbeiter- und Soldatenräte“

15. März 1917

Petersburg * „Zar“ Nikolaus II. muss als Folge der „Februarrevolution“ abdanken. Er tut dies zugunsten seines jüngeren Bruders „Großfürst“ Michail Alexandrowitsch Romanow.

Da Nikolaus II. vergisst, seinem Bruder die formelle Thronfolge in einem Telegramm mitzuteilen, ist Michail einer Letzten, der davon erfährt.

Die russische „Duma“ proklamiert die Bildung einer bürgerlichen Regierung unter Georgi J. Fürst Lwow. Diese beschließt, dass der „Großfürst“ zum „Thronverzicht“ überredet werden soll. Sollte er sich weigern, will die „provisorische Regierung“ ihren Rücktritt erklären. 

16. März 1917

Petersburg * Wladimir Iljitsch Lenin trifft in Russland ein, nachdem er mit Hilfe der deutschen Führung aus dem Schweizer Exil per Zug durch Deutschland und Schweden geschleust worden ist. 

16. März 1917

Petersburg * „Zar“ Michail II. erklärt in einem Schreiben an das russische Volk, dass die Machtbefugnisse zunächst an die „provisorische Regierung“ übergehen.

Er selbst erklärt sich bereit, die Thronfolge dann anzutreten, wenn ihn das Volk zu einem späteren Zeitpunkt in „geheimen Wahlen“ wählen würde. Michail hofft mit diesem Schritt die Monarchie in Russland erhalten zu können.
Mit dem Thronverzicht Michails endet die über 300jährige Herrschaft der Romanow-Dynastie. 

Georgij Jewgenjewitsch Fürst Lwow übernimmt nach der „Februarrevolution“ in der bürgerlichen provisorischen Regierung, in der Zeit vom 16. März bis 21. Juli 1917, das Amt des russischen „Ministerpräsidenten“ und „Innenministers“

21. März 1917

Petersburg * Die provisorische russische Regierung lässt den „Ex-Zaren“ Nikolaus II. und seine Familie verhaften. Sie werden im „Alexander-Palast“ unter „Hausarrest“ gestellt.

Die Romanows müssen zunächst kaum Einschränkungen hinnehmen und können sich ihrem Familienleben widmen. 

22. März 1917

Petersburg * Nachdem die neue russische Regierung die Fortführung des Kriegs versprochen hat, wird sie von den „Entente-Mächten“ offiziell anerkannt.

23. März 1917

München-Graggenau * Die orthodoxe „Ohel-Jakob-Synagoge“ an der Herzog-Rudolf-Straße begeht sein 25. Jubiläum. 

24. März 1917

Berlin * Die „Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands - USPD“ spaltet sich von der SPD ab.

Sie ist keine straffe, einige revolutionäre Linkspartei.
Die USPD zeigt sich nur einig in der Gegnerschaft zum Krieg, in dem sie längst keinen „Verteidigungskrieg“, sondern einen „imperialistischen Eroberungskrieg“ sieht. 

Für die SPD sind die USPD-ler „Vaterlandsverräter“, für die USPD sind die SPD-ler „Verräter am Sozialismus und an der Arbeiterschaft“.

27. März 1917

München * In München tauchen gefälschte „Brotmarken“ auf.

Die Polizei ermittelt, dass der 25-jährige Buchdrucker Hermann Wolleben die „Brotmarken“ in einem Rückgebäude in der Schellingstraße die Zinkplatten hergestellt hatte. Gedruckt wurden die Marken in der Buchdruckerei Dammerhuber.

Die gefälschten „Lebensmittelmarken“ wurden im „Mathäserbräu“ stückweise um 30 Pfennig verkauft.

31. März 1917

Nürnberg * Auf ihrer Landeskonferenz in Nürnberg votiert die bayerische SPD gegen die Gründung von Sonderorganisationen, um den drohenden Bruch der Partei zu verhindern.

„Wird der Kampf in der bisherigen Weise weitergeführt, so werden sich die Kräfte der Arbeiterschaft aufreiben, die Feinde der Arbeiterklassen werden freie Bahn bekommen und Steuern und Industrieorganisationen, Arbeitergesetzgebungen und politische Einrichtungen ihren Wünschen vollkommen anpassen“

1. April 1917

Deutsches Reich * Die Brotrationen werden auf 170 g pro Tag und die Kartoffelrationen auf 2.500 g pro Woche gekürzt. 

2. April 1917

USA * Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson ruft vor dem US-Kongress zum Kreuzzug der „wirklich freien und selbstbestimmten Völker der Welt“ auf.

6. April 1917

Aisne * Beginn der französischen Offensive an der Aisne.

Bis zur Einstellung der Offensive Ende Mai kann kein entscheidender Durchbruch erzielt werden. 

6. April 1917

USA * Amerika erklärt dem „Deutschen Reich“ den Krieg und tritt in die Kriegshandlungen ein.

6. April 1917

Gotha * Die in Gotha bis zum 8. April stattfindende zweite „Reichskonferenz der sozialdemokratischen Opposition“ wird zum „Gründungsparteitag“ der „Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands - USPD“

In der neuen Partei finden sich Sozialdemokraten verschiedenster Couleur wieder:

  • Revolutionäre Marxisten wie die „Gruppe Internationale“, die im Krieg die prognostizierte Krise des Kapitalismus sieht und auf revolutionäre Aktionen drängt;
  • pazifistisch gesinnte Sozialdemokraten, die im Weltkrieg einen Angriffskrieg Deutschlands sehen und sich diesem aus ethischen und moralischen Gründen verweigern;
  • daneben Revisionisten,
  • aber auch führende Vertreter des marxistischen Zentrums. 

Sie alle eint ein gemeinsames Ziel: „Die Beendigung des Krieges ohne Annexionen“.

Die USPD ist also in erster Linie der Block der sozialdemokratischen Gegner des „Burgfriedens“, die gegen die „Kriegskredite“ sind. Sonst herrschen innerhalb der „USPD“ in der Beurteilung der Arbeiterbewegung und ihrer Taktik große Meinungsverschiedenheiten.

Zu Vorsitzenden der neuen Partei werden Wilhelm Dittmann und Hugo Haase gewählt.

Auch Kurt Eisner ist in Gotha anwesend, obwohl er immer gegen die Spaltung der Partei war.
Die Unzufriedenheit mit der „SPD“ hat auch in Bayern zugenommen.

7. April 1917

Berlin * Kaiser Wilhelm II. verspricht in seiner „Osterbotschaft“ die Aufhebung des preußischen „Dreiklassenwahlrechts“ nach dem Krieg. 

9. April 1917

Schweiz - Deutsches Reich - Russland * Mit Einverständnis und Unterstützung der deutschen Regierung durchquert Wladimir I. Lenin zusammen mit 30 „Revolutionären“ aus der Schweiz kommend im Zug das „Deutsche Reich“.  

Deutschland verspricht sich von Lenins Rückkehr eine Verschärfung der innenpolitischen Unruhen in Russland. 

10. April 1917

Berlin - Petersburg * Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt „Lenin“, kehrt auf deutscher Veranlassung hin aus seinem Schweizer Asyl nach „Petrograd“ zurück.

13. April 1917

Nürnberg * Kurt Eisner wird von seiner Ehefrau Lisbeth Eisner, geb. Hendrich, geschieden. 

16. April 1917

Nordfrankreich * Beginn der Rückverlagerung deutscher Truppen in das ab 1916 ausgebaute Verteidigungssystem der Siegfriedstellung

16. April 1917

Berlin * In Berlin treten 319 Betriebe der deutschen Rüstungsindustrie mit 300.000 Arbeitern in den Streik.

Es geht um die mangelhafte Lebensmittelversorgung.
Der Streik wird von den revolutionären Obleuten, oppositionellen Gewerkschaftsfunktionären, deren Kern die Metallarbeiter bilden, gegen den Willen der Gewerkschaften organisiert. 

17. April 1917

Berlin * Am zweiten Tag der Streiks beschließt die Vertreterkonferenz der Gewerkschaften, die Arbeit wieder aufzunehmen, nachdem die Regierungs- und Militärbehörden zusätzliche Lebensmittelrationen versprochen und die Zusage gegeben haben, dass niemand wegen der Teilnahme am Streik zum Militärdienst eingezogen werde.

Es wird vereinbart, dass Vertreter der Arbeiter künftig bei der Verteilung der Nahrungsmittel mitwirken sollen.

Ein Teil der Betriebe streikt weiter und wird daraufhin unter militärische Leitung gestellt. 

17. April 1917

Petersburg * In seinen „Aprilthesen“ fordert Wladimir I. Lenin in Petrograd eine „sozialistische Revolution“ zur Ablösung der bürgerlichen Regierung. 

17. April 1917

Speyer - München * Michael von Faulhaber, der „Bischof von Speyer“, wird einen Tag nach den Beisetzungsfeierlichkeiten des verstorbenen „Erzbischofs von München und Freising“, Franziskus von Bettinger, in das „Kultusministerium“ gebeten. 

Dort eröffnet ihm „Kultusminister“ Eugen von Knilling, dass er ihn dem König als Nachfolger vorschlagen wird. 

Ab 18. April 1917

Berlin - Leipzig * Eine Verhaftungswelle beendet den Streik.

Zahlreiche Streikende werden zum Militärdienst eingezogen. 

19. April 1917

Deutschland * Die „Jesuitengesetze“ werden in Deutschland endgültig aufgehoben.

20. April 1917

Berlin * In einem Aufruf wendet sich der Vorstand der christlichen Gewerkschaften gegen jede Arbeitsniederlegung

20. April 1917

Vatikan - München * Papst Benedikt XV. ernennt Eugenio Pacelli zum „Nuntius“ in München. 

23. April 1917

Kreuznach * Bei der Konferenz in Kreuznach zur erneuten Festlegung der Kriegsziele spricht sich „Reichskanzler“ Theobald von Bethmann Hollweg gegen die Pläne der „Obersten Heeresleitung - OHL“ aus, die eine weitgehende „Annexionen“ in Russland, Belgien und Frankreich vorsehen. 

28. April 1917

Berlin * Die Generalkommission und der SPD-Parteivorstand sprechen sich gegen jede Arbeitsruhe am 1. Mai aus, nachdem die Gruppe Internationale zu einem Kampftag für Frieden, Freiheit und Brot aufgerufen hat. 

30. April 1917

München-Schwabing * Lion und Marta Feuchtwanger beziehen ihre Eigentumswohnung in der Georgenstraße 24. 

1. Mai 1917

München * Kurt Eisners Mitgliedsausweis bei der Münchner USPD - mit der Nummer sieben - wird am 1. Mai 1917 ausgestellt.

11. Mai 1917

München * Die ersten 1.000 von rund 6.000 Kinder werden mit Sonderzügen aufs Land gebracht, wo die Versorgungs- und Ernährungslage wesentlich besser ist als in der Stadt. 

15. Mai 1917

Berlin * Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg hält eine programmatische Rede zur gegenwärtigen Kriegspolitik, ohne jedoch auf die Frage der Kriegsziele einzugehen. 

15. Mai 1917

München * Das Kriegsministerium erlässt „Sonderstrafbestimmungen gegen die Verbreitung unwahrer Kriegsnachrichten“

16. Mai 1917

München * Der Verein Unabhängige Sozialdemokratie Stadt und Land wird bei der Polizeidirektion vereinsrechtlich angemeldet.

Der Zweck der Neugründung wird beschrieben als „die Bestrebungen der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands zu unterstützen, die nach ihren Organisationsgrundlinien in grundsätzlicher Opposition zum herrschenden Regierungssystem und zur Kriegspolitik der Reichsregierung steht“.

Der Vorsitzende der Münchner USPD hieß Albert Winter sen..
Die neue Partei wird sofort von der Polizei überwacht.

Die Münchner USPD hat am Anfang etwa 35 Mitglieder.
Im Vergleich: Die MSPD zählt in München zum gleichen Zeitpunkt rund 15.000 Mitglieder. 

18. Mai 1917

USA * In den USA beginnt die Wehrerfassung aller Männer zwischen 21 und 30 Jahren.

Drei Millionen Männer werden einberufen. 

18. Mai 1917

Petersburg * In Absprache mit den „Arbeiter- und Soldatenräten“ wird eine neue russische Regierung mit Beteiligung von Sozialdemokraten gebildet.

Der „Sozialrevolutionär“ Alexander F. Kerenski wird „Kriegsminister“

25. Mai 1917

München * Der päpstliche „Nuntius“ Eugenio Pacelli nimmt seine Tätigkeit in München auf. 

26. Mai 1917

München * Die Ernennung Michael von Faulhabers zum Kandidaten für das Amt des „Erzbischofs von München und Freising“ wird amtlich verkündet. 

27. Mai 1917

Aisne * Die am 6. April 1917 begonnene französische Offensive an der Aisne und in der Champagne wird nach großen Verlusten wieder eingestellt. 

30. Mai 1917

München * Franz von Stucks Tochter Mary heiratet den Konsul Albert Heilmann. 

Er ist der Sohn des Bauunternehmers Jakob Heilmann. 

2. Juni 1917

Stockholm * In Stockholm tagt vom 2. bis 19. Juni 1917 der Internationale Sozialistenkongress. Er sucht nach Möglichkeiten für einen Friedensschluss der verfeindeten und kriegsführenden Länder.

Der französische Ministerpräsident Alexandre Ribot verweigert den Sozialisten seines Landes die Ausreise nach Stockholm. 

2. Juni 1917

München - Königreich Bayern * König Ludwig III. macht erneut seine Annexions-Absichten deutlich: „Bayern hat um so mehr Anspruch auf eine Vergrößerung, als es bei den letzten Friedensschlüssen immer schlecht abgeschnitten hat“

3. Juni 1917

Stockholm * Die deutsche Delegation trifft unter Führung von Philipp Scheidemann in Stockholm ein. 

5. Juni 1917

München * Das „Lebensmittelamt“ deckt einen umfangreichen Betrug auf:

„Die 17 Jahre alte Bäckermeistertochter Margarethe Krug hatte längere Zeit durch geschickte Fälschung von Zwischenscheinen für eingelieferte Brotmarken sich eine Mehrzuweisung von fast 700 Zentnern Mehl verschafft. Dasselbe wurde im väterlichen Geschäft verarbeitet und z.T. um Wucherpreise ohne Marken weiterverkauft“

Die Schwindlerin kann festgenommen werden. 

6. Juni 1917

Berlin * Die „Reichsfrauenkonferenz der Sozialdemokraten“ fordert in Berlin das „Wahlrecht für Frauen“

13. Juni 1917

München * In der SPD-Zeitung Münchener Post findet sich die Anzeige:

„Deutsche Frauen tilgt Eure Ehrenschuld an unsere Helden und bringt Euren Goldschmuck der Goldankaufsstelle!“ 

15. Juni 1917

USA * Der amerikanische Kongress beschließt ein „Anti-Spionage-Gesetz“, das schwerste Strafen für „Kriegsbehinderung“ vorsieht und gegen die kriegsfeindlichen „Sozialisten“ gerichtet ist. 

16. Juni 1917

Petersburg * Der erste gesamtrussische „Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte“ findet in Petrograd statt.

Wladimir I. Lenin unterstreicht den Führungsanspruch seiner Partei. 

17. Juni 1917

Ansbach - München * Der Regierungspräsident von Mittelfranken berichtet in einem persönlichen Brief an Innenminister Dr. Friedrich Ritter von Brettreich über seine Erfahrungen mit den Lebensmittel-Hamstern:

„Die Züge der Hamster zählten oft hunderte von Personen“. Sie traten noch in den entlegensten Weilern „mit äußerster Rücksichtslosigkeit“ auf. Er selbst war „wiederholt mitten in solchen schreienden, schwitzenden und schleppenden Haufen gewesen“, der Versuch des Eingreifens hätte „sichere Lebensgefahr“ bedeutet. 

19. Juni 1917

Großbritannien * In Großbritannien wird das „Wahlrecht für Frauen“ ab 30 Jahren eingeführt. 

20. Juni 1917

Köln * Die „Kaiser-Glocke“ des Kölner Doms wird zur Metallverwertung eingeschmolzen.
Sie ist mit 543 Zentnern eine der schwersten Glocken der Welt. 

26. Juni 1917

Saint Nazaire * Die erste „US-Division“ landet bei St.-Nazaire in der Nähe von Nantes (Bretagne). 

27. Juni 1917

Athen * Griechenland tritt auf Seiten der Alliierten in den Krieg ein.

6. Juli 1917

Berlin * Der Interfraktionelle Ausschuss wird gegründet. Es ist ein inoffizielles Gremium, das die Arbeit der Reichstagsfraktionen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands - SPD, der Zentrumspartei und der Fortschrittlichen Volkspartei - FVP koordiniert. Bis Januar 1918 beteiligen sich auch Abgeordnete der Nationalliberalen Partei - NLP an den Beratungen im Interfraktionellen Ausschuss.

Diese Parteien stellen seit der Reichstagswahl vom 12. Januar 1912 die Mehrheit im Reichstag, weshalb auch von der Reichstagsmehrheit gesprochen wird.

Der Interfraktionelle Ausschuss bildet den Auftakt zur Parlamentarisierung des Deutschen Kaiserreiches

6. Juli 1917

Berlin * Der Zentrumsabgeordnete Matthias Erzberger fordert in er Aufsehen erregenden Rede vor dem Hauptausschuss des Reichstags einen annexionslosen Frieden, da keine Aussicht auf einen Sieg mehr besteht.

  • Er will eine Friedensinitiative des Parlaments und fordert zugleich
  • den Rücktritt des Reichskanzlers Theobald von Bethmann Hollweg. 
7. Juli 1917

London * Die deutsche Luftwaffe greift London an.

Der bis dahin größte Luftangriff fordert 54 Tote und 190 Verwundete.

11. Juli 1917

Berlin * Die „Oberste Heeresleitung - OHL“, bestehend aus „Generalfeldmarschall“ Paul von Hindenburg und „Generalquartiermeister“ Erich Ludendorff fordern die Entlassung von „Reichskanzler“ Theobald von Bethmann Hollweg wegen dessen „Kriegszielpolitik“

11. Juli 1917

Berlin * Das „Preußische Staatsministerium“ erhält den Auftrag, eine Vorlage zur Änderung des preußischen „Dreiklassenwahlrechts“ für die Zeit nach dem Krieg vorzubereiten. 

Um 12. Juli 1917

München - Königreich Bayern * Die ersten Zwei-Mark-Scheine tauchen auf, auf denen mit Tintenstift - und damit unentfernbar - Nachrichten geschrieben sind:

Keinen Frieden ohne Revolution, Hoch die Revolution! Nieder mit dem Krieg! oder Macht es wie in Russland, dann haben wir Frieden!

Da eine Anzeige bei der Polizei zum Einzug des Zahlungsmittels führt, wird er möglichst schnell weitergegeben. 

13. Juli 1917

Berlin * Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg reicht seinen Rücktritt ein.

Sein Nachfolger wird Georg Michaelis. 

13. Juli 1917

Berlin * Die Oberste Heeresleitung - OHL und die Reichsstagsmehrheit, bestehend aus SPD, Fortschrittspartei und Zentrum, stürzen den Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg. 

13. Juli 1917

Lille - München * Kronprinz Rupprecht berichtet seinem Vater, König Ludwig III., es sei „wahrhaft unglaublich, wie es in Berlin zugeht - der Kanzler ist wohl unhaltbar. Ludendorff muss aber unbedingt auf sein militärisches Fach beschränkt werden und darf sich nicht in alle Fragen der inneren und äußeren Politik mengen“.

Er bittet seinen Vater zum Kaiser nach Berlin zu fahren, denn es steht „viel auf dem Spiel, um nicht zu sagen Alles!“.

Kronprinz Rupprecht fürchtet die Einführung des Parlamentarismus auf Reichsebene am meisten, da das das Ende der Einzelstaaten bedeuten würde. 

14. Juli 1917

Berlin * Die Reichstagsmehrheit bestehend aus SPD, Zentrum und Fortschrittliche Volkspartei - FVP verabschiedet im Reichstag die vom Zentrumsabgeordneten Matthias Erzberger am 6. Juli 1917 geforderte Friedensresolution.

  • In dieser treten sie für „einen Frieden der Verständigung und der dauernden Versöhnung der Völker“ ein,
  • mit dem „erzwungene Gebietserwerbungen und politische, wirtschaftliche und finanzielle Vergewaltigungen unvereinbar“ sind. 
16. Juli 1917

Petersburg * Ein vom 16. bis 18. Juli 1917 andauernder bewaffneter Massenaufstand in Petrograd gegen die „Provisorische Regierung“ wird niedergeschlagen.

Die bolschewistischen Zeitungen werden verboten. 

17. Juli 1917

London * Der britische König Georg V. ändert den Namen seines Hauses von Sachsen-Coburg-Gotha in Windsor

19. Juli 1917

Berlin * Der neu ernannte Reichskanzler Georg Michaelis kündigt in seiner Antrittsrede eine bessere Zusammenarbeit zwischen Regierung und Reichstag an.

Die am 14. Juli von der Reichstagsmehrheit verabschiedete Friedensresolution nimmt er nur so zur Kenntnis, „wie ich sie auffasse“.

Das heißt, dass Macht- und Kriegszielpolitisch alles beim Alten bleibt. 

20. Juli 1917

Petersburg * Georgij Fürst Lwow tritt zurück. 

Sein Nachfolger wird Alexander F. Kerenski, der seit Mai 1917 im Kabinett Lwow „Kriegsminister“ war.

21. Juli 1917

Petersburg * Georgi J. Fürst Lwow tritt als „Ministerpräsident der russischen Provisorischen Regierung“ zurück.

Sein Nachfolger wird der „Kriegs- und Marineminister“ Alexander F. Kerenski. 

22. Juli 1917

Wronke - Breslau * Rosa Luxemburg wird von der Festung Wronke in das Breslauer Gefängnis überführt. 

24. Juli 1917

Paris * Im „Pariser Justizpalast“ beginnt der Prozess vor dem „Militärgericht“ gegen „Mata Hari“.

In der Presse kursiert das Gerücht, „Mata Hari“ habe den Deutschen geheime  Informationen über den Bau der neuartigen Panzer zugespielt, mit denen die „Alliierten“ dem Krieg eine entscheidende Wende geben wollten.
Eine absurde Behauptung, die sogar die seriöse „New York Times“ aufgreift.

„Mata Hari“, wird deshalb beschuldigt, als „Doppelagentin“ wichtige Informationen an die Deutschen verraten und damit das Leben von 50.000 französischen Soldaten im Ersten Weltkrieg aufs Spiel gesetzt zu haben. 

24. Juli 1917

Petersburg * Nach der Niederschlagung des „Putschversuchs“ in Petrograd gegen die „Provisorische Regierung“ flieht Wladimir I. Lenin nach Finnland. 

24. Juli 1917

Vatikan * Michael von Faulhaber wird durch Papst Benedikt XV. zum „8. Erzbischof von München und Freising“ ernannt.

Zuvor hat „Nuntius“ Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., die „Eignung und Würdigkeit“ des Kandidaten festgestellt. 

25. Juli 1917

Paris * Das Militärgericht in Paris fällt nach nur zwei Verhandlungstagen das Urteil gegen Margaretha Geertruida MacLeod, alias Mata Hari.

Sie wird wegen Doppelspionage und Hochverrats zum Tode verurteilt. 

28. Juli 1917

München - Berlin * Der „Feldprobst der bayerischen Armee“, der Münchner „Erzbischof“ Michael von Faulhaber, schreibt an Kaiser Wilhelm II., dass „auch die Seelsorge mit dem Schwert des Geistes, das ist mit dem Wort Gottes, das heilige Recht unseres treuen Vaterlandes zu verteidigen und die Seelen zum höchsten Kraftaufgebot zu wecken bemüht war“.

Der deutsche Klerus hat sich damit in die Kriegsrhetorik eingefügt und betreibt offen Propaganda gegen die Glaubensbrüder der verfeindeten Nationen.

Faulhaber predigt den bayerischen Truppen. Und diese Rhetorik geht so:
„Ein Mann nach dem Herzen Gottes handelt nach dem Willen Gottes. Hat man einmal klar erkannt: ‚Das ist Gottes Wille, das ist meine Pflicht, bei dieser Fahne ist mein Platz‘, dann bleibt‘s dabei, heute und morgen und übermorgen“.

29. Juli 1917

Großhadern * Kurt Eisner heiratet Else Belli in Großhadern. 

31. Juli 1917

London * Winston Churchill wird britischer Rüstungsminister

31. Juli 1917

Ypern * Die dritte Flandernschlacht, auch dritte Ypernschlacht genannt, beginnt. 

Sie endet am 6. November 1917 mit enormen Verlusten an Soldaten und Kriegsmaterial, weswegen die Flandernoffensive für die „Brutalität und Sinnlosigkeit des Krieges“ steht. 

31. Juli 1917

??? * Auf dem Kriegsschiff König Albert unterzeichnen 400 Matrosen eine Erklärung für einen Frieden ohne Annexionen. Gleichzeitig geben sie ihren Eintritt in die USPD bekannt. 

1. August 1917

Vatikan * Papst Benedikt XV. richtet einen Friedensappell an die kriegführenden Mächte: „Soll denn die zivilisierte Welt nur noch ein Leichenfeld sein?“, fragt der Papst in seiner Friedensnote. „Soll das ruhmreiche und blühende Europa, wie von einem allgemeinen Wahnsinn fortgerissen, in den Abgrund rennen und Hand an sich selbst anlegen zum Selbstmord?“

Er ruft in seiner Friedensbotschaft zu einem Frieden ohne Annexionen auf, so „wie es jenem ziemt, der als der gemeinsame Vater alle seine Kinder mit der gleichen Liebe umgibt“.

Doch sowohl die Entente wie auch die Mittelmächte glauben an ein Komplott und diffamieren Benedikt XV. als „Papst der Gegner“. Für die Franzosen wird er zum „pape boche“; der deutsche Generalquartiermeister Erich Ludendorff spricht dagegen nur noch vom „Franzosenpapst“.

Wohl am enttäuschendsten sind für Papst Benedikt XV. aber die Reaktionen der Bischöfe in den kriegführenden Ländern. Die meisten haben sich schon 1914 dem allgemeinen Hurrapatriotismus angeschlossen. Statt sich nun hinter ihr übernationales Oberhaupt der katholischen Kirche zu versammeln, geben sie sich nationalistisch.

Nur im kriegsmüden Italien findet der Vorschlag große Zustimmung. 

2. August 1917

Wilhelmshaven * 400 Matrosen demonstrieren in Wilhelmshaven für den Frieden. 

5. August 1917

Wilhelmshaven * Auf Grund mangelhafter Versorgung sowie durch schlechte und teilweise schikanöse Menschenführung kommt es zu Meutereien in der deutschen Hochseeflotte.

Heizer des Schlachtschiffes SMS Prinzregent Luitpold und dem Schwesterschiff Friedrich der Große treten daraufhin in den „Hungerstreik“.

Die Anführer des Matrosenaufstands werden nach der Niederschlagung der Gehorsamsverweigerungen und Meutereien verhaftet und teilweise zum Tode verurteilt. 

Um den 20. August 1917

München-Graggenau * Auf dem Marienplatz findet eine Frauendemonstration statt.

Die Polizei kann die Rädelsführerin nicht festnehmen, weil sie ein Baby auf dem Arm trägt.

23. August 1917

Speyer - München * Der designierte „Münchner Erzbischof“ Michael von Faulhaber verlässt Speyer und kommt am 30. August in München an. 

25. August 1917

Wilhelmshaven * Fünf Anführer des „Matrosenaufstandes“ vom 5. August 1917 werden zum Tode verurteilt. 

Drei Todesurteile werden in Haftstrafen umgewandelt.
Der „Oberbefehlshaber der deutschen Flotte“, Admiral Reinhard Scheer, besteht jedoch auf der Erschießung der beiden „Heizer“ Max Reichpietsch und Albin Köbis, die als Hauptredner bei den Protestversammlungen aufgetreten waren. 

30. August 1917

München * Der designierte „Münchner Erzbischof“ Michael von Faulhaber trifft - von Speyer kommend - in München ein. 

2. September 1917

Königsberg * Am Tag des Friedens bei Sedan wird die erzkonservative, nationalistische, völkische und antisemitische Deutsche Vaterlandspartei - DVLP von ultrarechten Kräften, darunter Großadmiral Alfred von Tirpitz und dem ostpreußischen Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp, gegründet.

Innenpolitisch kündigt die Vaterlandspartei den Burgfrieden von rechts auf. Sie plädiert für einen unterdrückenden und autoritären Kurs gegenüber der Arbeiterbewegung und greift auch bürgerliche Politiker heftig an, die sich – wie beispielsweise den Zentrumspolitiker Matthias Erzberger - für eine Reform des politischen Systems unter Einbeziehung der SPD aussprechen.

Die Parteiführung verfolgt den Plan, mit Hilfe eines „starken Mannes“ einen autoritären Staatsumbau einzuleiten und dabei den Reichstag und die Linksparteien auszuschalten. Im äußersten Fall sollte auch der „zu weiche Kaiser“ Wilhelm II. bei einer sich bietenden Gelegenheit für „regierungsunfähig“ erklärt und der weit rechts stehende Kronprinz von Preußen zum Regenten ernannt werden. 

Außenpolitisch tritt die Vaterlandspartei für einen deutschen Siegfrieden und ein umfassendes Programm direkter und indirekter Expansion ein.

Mit ihren Kampagnen gegen einen Verzichtfrieden - oder Judenfrieden genannten Verständigungsfrieden - und gegen Schlappheit und Verrat an der Heimatfront legt die Deutsche Vaterlandspartei - DVLP den Grundstein für den Nachkriegsdiskurs über die Novemberverbrecher und die Dolchstoß-Legende

3. September 1917

München-Kreuzviertel * Die „Inthronisation“ des neuen „Erzbischofs von München-Freising“, also die „liturgische Einführung in sein Amt“ und die „rechtliche Besitzergreifung seiner Diözese“, erfolgt. 

Angesichts des Krieges verzichtet Michael von Faulhaber auf die sonst üblichen großen Feierlichkeiten sowie den Festzug durch die Stadt. Stattdessen fährt er direkt vom „Palais Holnstein“ zum „Dom“.
Äußeres Zeichen für die Besitzergreifung der „Erzdiözese“ durch den „Oberhirten“ ist die Übernahme der „Kathetra“ und des „Bischofsstabes“.  

Als Faulhaber seinen „Münchner Bischofsstuhl“ besetzt, ist er achtundvierzig Jahre alt.
Dreieinhalb turbulente Jahrzehnte übt er das Amt des „Erzbischofs von München und Freising“ aus.

Sie bringen das Ende der „Monarchie“ durch eine unblutige „Revolution“ und führen von der „Räterepublik“ über die „Weimarer Republik“ zur „nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ und schließlich zum mühsamen Wiederaufbau nach dem verlorenen „Zweiten Weltkrieg“

7. September 1917

Paris * Nach dem Austritt der Sozialisten aus seiner Regierung erklärt der französische Ministerpräsident Alexandre Ribot seinen Rücktritt.

Neuer französischer Ministerpräsident wird der bisherige Kriegsminister Paul Painlevé.

14. September 1917

Petersburg * Der russische „Ministerpräsident“ Alexander F. Kerenski proklamiert die Republik und beruft eine neue Regierung. 

14. September 1917

Tegernsee * Ludwig Thoma wird Gründungsmitglied in der scharf nationalistischen „Deutschen Vaterlandspartei - DVLP“

18. September 1917

München-Kreuzviertel * Ein von der „SPD“ in der „Bayerischen Abgeordnetenkammer“ eingebrachter „Reformantrag“, genannt  „Antrag Auer-Süßheim“, fordert:  

  1. Ersetzung des Zweikammersystems durch das Einkammersystem.
  2. Aufhebung der Kammer der Reichsräte.
  3. Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts zum Landtag für alle volljährigen Staatsangehörigen ohne Unterschied des Geschlechts nach den Grundsätzen der Verhältniswahl.
  4. Ausbau der Gesetzesinitiative des Landtags.
  5. Beseitigung des königlichen Sanktionsrechts.
  6. Ernennung der Minister und Bundesratsmitglieder nach Vorschlag des Landtags.
  7. Selbstbestimmungsrecht des Landtags in Bezug auf Zusammentritt und Vertagung.
  8. Einjähriger Staatshaushalt.
  9. Beseitigung aller Vorrechte der Geburt und des Standes, Aufhebung der bisherigen Privilegien der Standesherren, Abschaffung des Adels.
  10. Verbot der Bildung neuer und der Vergrößerung bisheriger Fideikommisse. Auflösung der bestehenden Fideikommisse.
  11. Aufhebung der bisherigen Privilegien des Königs und der Mitglieder der königlichen Familie, insbesondere der Steuer- und Portofreiheit, der Unverantwortlichkeit und des besonderen Gerichtsstandes.
  12. ​Trennung der Kirche vom Staat, Aufhebung der Privilegien der anerkannten Religionsgemeinschaften. Vollkommene Durchführung der Gewissens-, Religions- und Kultusfreiheit. 
21. September 1917

Petersburg * Der Petrograder „Arbeiter- und Soldatenrat“ wählt ein „bolschewistisches Präsidium“ unter Leitung von Leo D. Trotzki. 

22. September 1917

München-Theresienwiese * Eigentlich müsste das Oktoberfest beginnen. Es fällt diese Jahr aber erneut kriegsbedingt aus. 

24. September 1917

Berlin * Ludwig Thoma tritt bei der „Gründungsversammlung der Deutschen Vaterlandspartei - DVLP“ in der „Berliner Philharmonie“ als Redner auf, wofür ihm der „Parteivorsitzende“, der ehemalige „Großadmiral“ Alfred von Tirpitz, persönlich dankt.  

Die neugegründete „Deutsche Vaterlandspartei - DVLP“ fordert auf ihrer ersten Großkundgebung in Berlin einen „unbedingten Siegfrieden“

2. Oktober 1917

München * Als Ableger der am 2. September in Königsberg gegründeten Deutschen Vaterlandspartei - DVLP formiert sich in München der Landesverein Bayern.

Prominenteste Fürsprecher des Landesvereins sind Cosima Wagner und Ludwig Thoma.

Die bürgerliche Sammelbewegung tritt mit dem Ziel einer Stärkung des Durchhaltewillens bis zum Siegfrieden an.

2. Oktober 1917

München * Dr. Fritz Gerlich beteiligt sich an der Gründung der Deutschen Vaterlandspartei - DVLP in Bayern.

6. Oktober 1917

Berlin * Im Reichstag kommt es zu schweren Auseinandersetzungen über die vaterländische Propaganda des Alldeutschen Verbands und der Deutschen Vaterlandspartei - DVLP

15. Oktober 1917

Schloss Vincennes * Margaretha Geertruida MacLeod, alias „Mata Hari“, wird im Festungsgraben von Schloss Vincennes als „Doppelspionin“ hingerichtet.

Sie lehnt es ab, bei der Hinrichtung eine Augenbinde zu tragen, berichtet die Presse. 

Um den 15. Oktober 1917

Berlin * Das sozialdemokratische Parteiorgan „Vorwärts“ ruft zur Zeichnung von „Kriegskrediten“ auf:

„Rede nicht! Frage nicht! Zeichne! [...] Dem Feind gezeigt, dass unsere Alten zu Hause genau so gut zu fechten verstehen wie unsere herrliche Jugend draußen!“

19. Oktober 1917

Petersburg * Das russische Parlament wird aufgelöst.

Das neue republikanische „Vorparlament“ wird von den „Bolschewiken“ boykottiert.
Wladimir I. Lenin beschließt in der „ZK-Sitzung der Bolschewiken“ den bewaffneten Aufstand gegen die Regierung Alexander Kerenski. 

19. Oktober 1917

München * Der Bayerische Beamten- und Lehrerbund wird gegründet.

Sein Zweck wird in der Satzung festgesetzt: „Die Förderung der rechtlichen, wirtschaftlichen und beruflichen Angelegenheiten der öffentlichen Beamten und Lehrer Bayerns“

22. Oktober 1917

Berlin * Die Mehrheitsparteien im „Reichstag“ (Sozialdemokraten, Linksliberale und katholisches Zentrum) entziehen „Reichskanzler“ Georg Michaelis wegen

  • seiner eigenwilligen Interpretation der „Friedensresolution“,  
  • seines scharfen „Vorgehens gegen die USPD“ sowie wegen
  • seiner Ablehnung einer „Reform des Dreiklassenwahlrechts“

das Vertrauen. 

Ab dem 24. Oktober 1917

Isonzo * Die „Offensive der Mittelmächte“ am Isonzo führt zum Zusammenbruch der italienischen Front und zur Eroberung der Provinz Friaul-Julisch-Venetien. 

Große Teile der italienischen Armee werden gefangengenommen oder lösen sich auf.
Großbritannien und Frankreich raten zum Kriegsaustritt Italiens. 

25. Oktober 1917

Berlin * In einem Brief an Reichskanzler Georg Michaelis fordern Anita Augspurg, Lida Gustava Heymann, Marie Juchacz, Helene Lange und andere:

„Jetzt ist die Stunde da, in der wir Frauen nach unseren Staatsbürgerrechten laut verlangen müssen. Sollen wir keinen Teil haben an dem was jetzt wird? Haben wir Frauen nicht auch im vollsten Maße unsere schweren Pflichten erfüllt?

Es ist bitter, immer wieder vom neuen aufzählen zu müssen, warum auch wir uns zur vollbewussten Teilnahme am Leben des Volkes berechtigt fühlen.

Wir sind Staatsbürgerinnen und wollen als solche behandelt sein;
Gebt uns Frauen daher das Wahlrecht!“
 

26. Oktober 1917

München * Finanzminister Georg Ritter von Breunig gibt die erste Stellungnahme der Regierung zur Gründung des Bayerischen Beamten- und Lehrerbundes vor der Abgeordnetenkammer ab.

Er nennt sie „eine Erscheinung, die zu unserer Väter Zeiten für unmöglich erachtet worden wäre“. In Hinblick auf die Kriegssituation bezeichnet er dies als „ein nach außen nicht unbedenkliches Vorgehen“

31. Oktober 1917

Berlin * „Reichskanzler“ Georg Michaelis tritt zurück, nachdem ihm am 22. Oktober 1917 die Mehrheitsparteien (Sozialdemokraten, Linksliberale und katholisches Zentrum) das Vertrauen entzogen hatten. 

1. November 1917

Deutsches Reich * Der deutsche Episkopat warnte in Hinblick auf den Friedensappell von Papst Benedikt XV. vom 1. August 1917 in einem Hirtenbrief vor einem Frieden „als Judaslohn für Treubruch und Verrat am Kaiser“

1. November 1917

Berlin * Kaiser Wilhelm II. ernennt den bisherigen bayerischen Ministerpräsidenten Georg Freiherr von Hertling zum Reichskanzler.

Er wird Nachfolger von Georg Michaelis, der das Amt nur dreieinhalb Monate inne hatte.

2. November 1917

London - Berlin * Der britische „Außenminister“ Arthur James Earl of Balfour verspricht den Juden ein „national home“ in Palästina.

Die „Balfour-Deklaration“ wird in Deutschland von rechtsgerichteten Kreisen als Bündnis Großbritanniens mit den „Zionisten“ zu „antisemitischer Agitation“ genutzt. 

2. November 1917

München * Die „Verordnung über die Zusammenfassung von Brauereibetrieben“ leitet einen Konzentrationsprozess ein.

5. November 1917

Berlin * Die Berlin tagende deutsch-österreichische „Kriegsziel-Konferenz“ beschließt

  • die Angliederung von Litauen und Kurland an das „Deutsche Reich“ und
  • die Vereinigung des russischen Teils von Polen und Galizien mit dem „Königreich Polen“
5. November 1917

Petersburg * Die russische Regierung befiehlt die „Besetzung bolschewistischer Zeitungsbüros“.

Sie löst damit den bewaffneten „Aufstand der Bolschewiken“ aus. 

6. November 1917

Ypern * Die dritte „Flandernschlacht“, auch dritte „Ypernschlacht“ genannt, endet trotz der enormen Verluste an Soldaten und Kriegsmaterial ohne nennenswerte Durchbrüche. Die Frontlinie hat sich nur minimal verschoben.

Die britische Armee muss mehr als 250.000 Tote beklagen, auf deutscher Seite sterben über 40.000 Soldaten. 

Die „Flandernoffensive“ steht schon deshalb für die „Brutalität und Sinnlosigkeit des Krieges“

7. November 1917

München * Die Münchner „Kraft- und Pferdedroschkenbesitzer“ gründen eine „Einkaufsgenossenschaft“, um die durch den Ersten Weltkrieg entstandene Mangelsituation an Kraftstoff, Reifen, Öle und Pferdefutter zu begegnen.

Aus dieser „Einkaufsgenossenschaft“ entwickelte sich die heutige „Münchner Taxi eG“

7. November 1917

Petersburg * Die „Bolschewiki“ unter Führung von Wladimir I. Lenin stürzen in einem bewaffneten Aufstand in Petrograd die provisorischen Regierung unter Alexander F. Kerenski. Die „Roten Garden der Bolschewiken“ besetzen strategisch wichtige Punkte in Petrograd und belagern den „Winterpalast“, den Sitz der „provisorischen Regierung“.  

Damit beginnt in Russland die Revolution. Lenin schafft eine „Sowjetrepublik“, die sich auf „Räte“ [russisch: „Sowjets“] stützt.

Da diese Auseinandersetzungen nach dem alten russischen Kalender auf den 25. Oktober fallen, erhalten diese systemumwerfenden Vorgänge den Namen „Oktober-Revolution“.  Erst nach dieser - für die „Bolschewiki“ erfolgreichen - Revolution wird der „russische Kalender“ von der „julianischen Zeitrechnung“ auf die „gregorianische“ umgestellt. 

8. November 1917

Petersburg * „Bolschewistische Truppen“ stürmen den „Winterpalast“ und verhaften die Regierungsmitglieder.

„Ministerpräsident“ Alexander F. Kerenski flieht zu den Truppen an der Nordfront.
Der „allrussische Rätekongress“ billigt die bolschewistische Machtübernahme. 

9. November 1917

Petersburg * Die siegreichen „Revolutionäre“ in Russland bilden eine „Regierung der Volkskommissare“ unter dem Vorsitz von Wladimir I. Lenin. 

Sie erlassen ein Dekret über einen „Frieden ohne Annexionen und Kontributionen“

11. November 1917

Wien * Bei einer „Friedensversammlung“ in Wien wird die Parole „Gebt uns den Frieden wieder oder wir legen die Arbeit nieder“ ausgegeben. 

11. November 1917

München-Kreuzviertel * Otto von Dandl wird „Bayerischer Ministerpräsident“ und „Außenminister“ als Nachfolger von Georg Freiherr von Hertling.

13. November 1917

Zarskoje Selo * Die „Rote Garde der Bolschewiken“ schlägt bei Zarskoje Selo die Armee des abgesetzten „Ministerpräsidenten“ Alexander F. Kerenski vernichtend. 

13. November 1917

Paris * Weil er keine Akzeptanz im Parlament findet, tritt der französische „Ministerpräsident“ Paul Painlevé zurück. 

17. November 1917

Paris * Nach dem Rücktritt von Paul Painlevé am 13. November wird Georges Clemencau neuer französischer „Ministerpräsident“

20. November 1917

Cambrai * Die Briten setzen bei Cambrai erfolgreich und in großer Menge ihre „Tanks“ [= Panzer] ein. 

25. November 1917

München-Isarvorstadt * Kurt Eisner spricht auf einer „USPD-Versammlung“ in den „Kolosseum-Bierhallen“ vor rund 200 Anwesenden über seine Vorstellung der raschen Beendigung des Krieges.

Obwohl die Veranstaltung von der Polizei überwacht wird, ruft er zum Sturz der bestehenden Regierungen auf.
Der schnellste und sicherste Weg zum Frieden ist nach seiner Auffassung die Übernahme der Macht durch das „Proletariat“. Nicht nur in Deutschland und Österreich, sondern auch in den generischen Ländern. 

28. November 1917

Petersburg * Die russische „Räteregierung“ schlägt allen kriegführenden Parteien einen „Waffenstillstand“ vor.

Das „Deutsche Reich“ und „Österreich-Ungarn“ stimmen diesem Vorschlag zu, weil damit ein Teil der Soldaten von der „Ostfront“ abgezogen und zusätzlich an der „Westfront“ eingesetzt werden könnte. 

Die „Alliierten“ lehnen einen „Separatfrieden“ Russlands mit den „Mittelmächten“ ab. 

28. November 1917

München * Ohne Wahl wird die Amtszeit des am 13. Dezember 1914 gewählten Münchner Magistrats um zwei Jahre verlängert. 

An Stelle von Dr. Otto Merkt, dessen Wiederwahl die Sozialdemokraten und die Liberalen verweigern, wird Hofrat Dr. Hans Küfner zum „II. rechtskundigen Bürgermeister“ gewählt. 

4. Dezember 1917

Helsinki * Finnland erklärt seine Unabhängigkeit von Russland.

Die russische Oktoberrevolution vom 7. November ermöglichte Finnland die Loslösung.
Das Land war von 1808 bis 1917 als ein autonomes Großherzogtum Teil des russischen Reiches. 

5. Dezember 1917

Brest-Litowsk * Zwischen dem „Deutschen Reich“ und Russland wird in Brest-Litowsk ein zehntägiger „Waffenstillstand“ vereinbart. 

7. Dezember 1917

Washington - Wien * Der amerikanische „Kongress“ beschließt einstimmig die „Kriegserklärung“ der Vereinigten Staaten von Amerika an Österreich-Ungarn.

9. Dezember 1917

Jerusalem * Britische Soldaten marschieren in Jerusalem ein und beenden damit die 673 Jahre währende „osmanische Herrschaft“

9. Dezember 1917

Deutsch-Ostafrika [= heute Tansania] * Die deutsche „Kolonie Deutsch-Ostafrika“ wird von den britischen Truppen vollständig besetzt. 

9. Dezember 1917

Focsani - Sofia - Berlin - Wien * Das „Königreich Rumänien“ und die „Mittelmächte“ vereinbaren in Focsani einen „Waffenstillstand“, der die Einstellung der Kampfhandlungen an der rumänischen Front zum Inhalt hat. 

11. Dezember 1917

Washington - Wien * Die „Kriegserklärung“ der Vereinigten Staaten von Amerika an Österreich-Ungarn wird offiziell  verkündet. 

Im „k. u. k. Ministerium des Äußern“ kann die amerikanische „Kriegerklärung“ jedoch erst am 18. Dezember 1917 in Empfang genommen werden.

12. Dezember 1917

Berlin * Der „Normenausschuss der Deutschen Industrie“ wird in Berlin gegründet.

Er setzt die „Deutsche Industrie Norm - DIN“ fest. 

Um den 13. Dezember 1917

München - Berlin * Kurt Eisner fährt für mehrere Tage in die Reichshauptstadt Berlin, um dort persönliche Angelegenheiten zu regeln.

Er nutzt die Gelegenheit, um mit USPD-Abgeordneten Gespräche über die aktuelle politische Lage und über den „Massenstreik“ zu führen. Doch die Berliner „USPD-Funktionäre“ zögern und stellen ihm dar, dass die Massen für einen allgemeinen Streik nicht zu haben sind, weil sich trotz der erkennbaren Erregung über die Lebensbedingungen eine Erschöpfung eingestellt hat. 

Nach der Aufnahme der Gespräche über „Waffenstillstandsvereinbarungen“ in Brest-Litowsk am 5. Dezember 1917 hofft die Bevölkerung nun auf Frieden, für den unter diesen Voraussetzungen keine besondere Anstrengung zur Herbeiführung mehr notwendig ist.

Kurt Eisner widerspricht dieser Darstellung vehement und unterstellt den Parteifunktionären, dass ihnen selbst zu einer derartigen Aktion das notwendige Vertrauen fehle. Er sieht sehr wohl bei den Massen das lebhafte Bedürfnis nach einer „idealistischen Aktion“

15. Dezember 1917

Brest-Litowsk * Der Waffenstillstand zwischen Russland und dem Deutschen Reich wird bis zum 14. Januar 1918 verlängert. 

Um den 17. Dezember 1917

Königreich Bayern * Die anhaltende Kälte führt vor allem in den bayerischen Großstädten zu Einschränkungen in der Brennstoff- und Lebensmittelversorgung. 

18. Dezember 1917

Wien - Washington * Das „k. u. k. Ministerium des Äußern“ nimmt die amerikanische Kriegerklärung vom 11. Dezember 1917 gegen Österreich-Ungarn entgegen. 

18. Dezember 1917

Berlin - München * Kurt Eisner schreibt seiner Frau Else aus Berlin folgende Zeilen:

„Es scheint mir nun doch gelungen, die schlafenden Seelen ein wenig aufzurütteln. Man hat meine Kritik anerkannt und meine Vorschläge angenommen.
Alles kommt darauf an, ob sich die Persönlichkeiten finden, die für die Arbeit notwendig sind.
Man hat mich selbst gebeten, die Tätigkeit hier zu übernehmen“

18. Dezember 1917

Berlin * In Berlin wird die „Universum Film AG - Ufa“ als Propaganda-Instrument der „Obersten Heeresleitung - OHL“ gegründet. 

18. Dezember 1917

Washington * In den USA schlägt der Senat unter dem erheblichen Druck der Enthaltsamkeitsbewegung die Einführung der Prohibition vor. Herstellung, Verkauf und Transport alkoholischer Getränke sollen dadurch verboten werden. 

Die Bestimmung wird am 16. Januar 1919 ratifiziert und tritt am 19. Januar 1920 in Kraft. 

19. Dezember 1917

München-Kreuzviertel * Der SPD-Reformantrag vom 18. September 1917 wird im Plenum der Abgeordnetenkammer behandelt.

Der Führer der Zentrumsfraktion, Heinrich Held, lehnte die SPD-Vorschläge rundweg ab, denn: „Der Antrag bezielt [...] eine fundamentale Einschränkung der Königsrechte und geht in seinen letzten Wirkungen auf die tatsächliche Abschaffung der konstitutionellen Monarchie, auf die Einführung der parlamentarischen Regierungsform und schließlich auf die Republikanisierung unseres Staatswesens hinaus“.

Alle elf Vorschläge werden in der Abstimmung per Handaufheben von der ihren Besitzstand verteidigenden Zentrumsmehrheit im Bündnis mit den Liberalen abgelehnt. 

Damit ist die Reformbewegung zumindest für die Dauer des Krieges zum Stillstand gebracht worden. 

Um den 21. Dezember 1917

Berlin - Leipzig * Kurt Eisner sendet von Berlin aus seinen Text „Notwendigkeiten“ an die „Leipziger Volkszeitung“, den diese auch veröffentlicht.

Sein Besuch in Leipzig, bei dem er die ansässigen „Arbeiterführer“ für seine „Friedensaktion“ gewinnen will, scheitert.
Ein „Massenstreik“ ist unter der gegebenen Situation und zu diesem Zeitpunkt aussichtslos. 

22. Dezember 1917

München-Schwabing * Annemarie Fischer, Karl Valentins spätere zweite Bühnenpartnerin, kommt zur Welt.

Die Familie wohnte in der Elisabethstraße 43.

22. Dezember 1917

Brest-Litowsk * In Brest-Litowsk beginnen die Friedensverhandlungen zwischen dem Deutschen Reich und der sowjetrussischen Regierung.

27. Dezember 1917

Brest-Litowsk * Aus den Erklärungen des deutschen Unterhändlers wird deutlich, dass die Deutschen in den Verhandlungen in Brest-Litowsk keinen „Verständigungsfrieden“ wollen, sondern gezielt auf einen separaten „Annexionsfrieden“ hinarbeiten.

28. Dezember 1917

Washington * Die amerikanische Regierung verstaatlicht zur „Sicherung der Nachschublieferungen für den Krieg“ die amerikanischen Eisenbahngesellschaften. 

31. Dezember 1917

München * In den Münchner Volksküchen werden 1917 insgesamt 9.979.252 Essen ausgegeben. 


Verwendet in Führung:

35. Revolution, Räterepublik & Weißer Terror




Sucbegriffe: Lille, Antimonarchische Stimmung, Hohenzollern
Personen: Rupprecht Kronprinz, Wilhelm II. Kaiser