Um den 1. Februar 1669

Das Auer Seidenhaus entsteht

Au * Als Bauplatz für das Auer Seidenhaus hat Direktor van Uffele das Gelände an der Stelle der späteren Wagnerbrauerei auserkoren.

Eine Abbildung des Seidenhauses ist leider nicht überliefert. Die auf dem Kupferstich von Michael Wening gezeigte Fabricca in der Au entstand zwar aus der Seidenfabrik, wurde aber erst später im großen Stil um- und neu gebaut. 


Sortierung 1669

Suchbegriffe

Seide, Churbaierische Seidencompagnie, Auer Seidenhaus, Wagnerbrauerei, Wirtshaus in der Au, Fabricca in der Au, ,

Personen

Uffele Lucca van Seidenfabrikdirektor

Weitere Ereignisse im Jahr 1669

1669

Versailles * Soliman Aga, der „Abgesandte des türkischen Sultans“ Mohammed IV., stattet dem Hof des französischen Königs Ludwig XIV. einen Besuch ab. 

Dabei bietet er den Gästen ein exotisches Heißgetränk in Form einer Tasse Kaffee an. Das ist an und für sich noch nichts Besonderes.
Das Außergewöhnliche daran ist, dass das anregende Getränk in Porzellanschalen gereicht wird.

Der französische Hof ist von den zum Genuss verwendeten Gefäßen derart begeistert, dass in der französischen Landeszentrale eine neue Modeerscheinung - „à la turque“ - geboren wird, die von hier aus ihren Siegeszug durch ganz Westeuropa antreten soll. 

1669

xxx * Der Alchemist Hennig Brand versucht mit Hilfe von Urin den Stein der Weisen zu finden und stößt dabei auf den selbstleuchtenden Phosphor mirabilis [= wundersamer Lichtträger], der bald darauf an den Fürstenhöfen und an den Theatern für Spezialeffekte benutzt wird.

1669

Au * Unter Kurfürst Ferdinand Maria wird in der Au ein „Seidenhaus“ eingerichtet.

Doch als Arbeitskräfte werden dann - zum Teil sogar gegen den ernsten Willen der Eltern - auch Kinder eingestellt und nicht arbeitsuchende „Stadtarme“.

Das „Seiden-Unternehmen“ ist allerdings bereits im Jahr 1676 finanziell wieder am Ende.

Januar 1669

München * Die „Landstände“, die baierische Volksvertretung mit ihren 567 Mitgliedern, treten das letzte Mal zusammen.

Sie sind eine unrepräsentative Vertretung, der nur drei „Stände“ (Adel, Kirche und Städte) angehören.

Der „Landtag“ dauert bis März.

1. Januar 1669

München * Die Churbaierische Seidencompagnie nimmt endlich ihre Tätigkeit auf.

Der in Venedig geborene und dort lebende Holländer Lucca van Uffele wird zum Fabrikdirektor erkoren. Er besitzt wertvolle Beziehungen zur venezianischen Seidenindustrie und bekommt schon deshalb den Titel eines Directore Complimentario und Scriptuali Generali übertragen.

In seinen umfangreichen Conditiones heißt es unter anderem: „Van Uffele ist schuldig, der Seidenkompagnie alle nötige Seide von auswärts zu bestellen und auf sein Risiko nach München liefern zu lassen“. Darüber hinaus wird er verpflichtet, „so oft eine gefertigte Quantität vorhanden ist, sie gegen Bargeld zu verschleißen“. Liegt der Gewinn unter acht Prozent, hat van Uffele den Schaden zu tragen. Überhaupt ist der Venezianer verpflichtet worden, die Einlagen pro Jahr mit fünf Prozent zu verzinsen. 

Außerdem soll er die maestranzen [Meister] aus Italien holen und „eine Anzahl von 2.000 Personen hierländische Arbeitsleuth unterrichten lassen“

Ab dem 1. Januar 1669

München - Au * Da es noch an ergiebigen Maulbeerplantagen mangelt, muss die Rohseide aus dem Ausland bezogen werden.  Zusätzlich lässt der Kurfürst „im großen Hofgarten, im Residenzgarten, Krautgarten, Kuchlgarten zu München, in den Hofgärten zu Dachau, Berg am Laim, Bogenhausen, Schleißheim und Nymphenburg“ eine große Menge Maulbeerbäumeanpflanzen.

Den Kapitalstock für das Unternehmen liefern sowohl Privatleute als auch die frühen Sozialeinrichtungen wie das Heiliggeistspital, das Städtische Waisenhaus oder das Leprosenhaus am Gasteig.

Eine barocke Gründerzeit-Mentalität ist zu verzeichnen. In grenzenlosem Vertrauen fließt das Geld in erstaunlichen Mengen, sodass bald mehrere Tausend Gulden zur Verfügung stehen, um in Italien Seidenspinner-Eier zu bestellen. Das übrige Kapital wird in den Neubau für ein Seidenhaus in der Au investiert. 

18. Januar 1669

Wien * In Wien wird die Kaisertochter und spätere baierische Kurfürstin Maria Antonia geboren. 

Um den 20. Januar 1669

München - Venedig * Lucca van Uffele reist nach Venedig, um dort Arbeitskräfte anzuwerben. Es kommt zu einem heftigen Konflikt mit dem italienischen Staat wegen „beabsichtigter Ausbeutung italienischer Fabrikgeheimnisse“, sodass Kurfürst Ferdinand Maria höchstpersönlich den Streit schlichten muss. Erst danach kann van Uffele mit einem Meister und zwei Arbeitern nach München zurückkehren.

Später kann er noch Seidenarbeiter aus Venedig zur Übersiedlung nach München überreden. Nun ist auch die Herstellung von venezianischen Gold- und Silberbrokaten möglich. 

21. Oktober 1669

Haidhausen * Der „Kleinwirt“ und Meßner Georg Pockmayer von Haidhausen erhält durch Kurfürst Ferdinand Maria die Bewilligung zum Ausschank von „Braunbier“.  

Allerdings muss er seinen Gerstensaft ausschließlich von den Münchner Brauern beziehen. 


Verwendet in Führung:

06. Die nördliche Au




Sucbegriffe: Seide, Churbaierische Seidencompagnie, Auer Seidenhaus, Wagnerbrauerei, Wirtshaus in der Au, Fabricca in der Au,
Personen: Uffele Lucca van Seidenfabrikdirektor, Wening Michael Kupferstecher