11. Oktober 1810

Die Hochzeit und die Huldigungen gehen weiter

München * Am Morgen macht das Militär und die Beamtenschaft dem jungen Brautpaar, Kronprinz Ludwig I. und Prinzession Therese von Sachsen-Hildburghausen, ihre Aufwartung.

Am Abend findet eine große „Festbeleuchtung“ statt.
Aber nicht nur die „Illumination“, sondern auch die bei „Fürstenhochzeiten“ übliche „Ausspeisung der Bevölkerung“ lässt das Volk in großen Scharen herbeiströmen.


1810

Suchbegriffe

Festbeleuchtung, Illumination, Fürstenhochzeit, Ausspeisung der Bevölkerung,

Personen

Ludwig I. König Therese von Sachsen-Hildburghausen Königin

Weitere Ereignisse im Jahr 1810

1810

Schwabing * Carl von Fischer baut im Park von „Schloss Biederstein“ einen „Belvedere“

1810

München-Englischer Garten * Freiherr Adam von Aretin verkauft sein Grundstück am Ostrand des „Englischen Gartens“ an den „Großhändler und Bankier“ Raphael Kaula.

Seine im Jahr 1812 als jüngstes Kind geborene Tochter Nanette wächst zu einer so auffallenden Schönheit heran, dass sie unter dem Titel „Münchens schönste Jüdin“ weithin bekannt ist.

In der Folgezeit lässt Kaula kleinere Gebäude seines Vorbesitzers Aretin abreißen und durch das elegantere „Kaula-Schlössl“ ersetzen.
Nach seiner Erhebung in den Adelsstand heißt das „Kaula-Schlössl“ nun „Murat-Schlössl“.

1810

München-Lehel * Als Anton Gruber, ein Münchner Gastwirt und „Schnürrleibmacher“ erfährt, dass die „Isarinsel“ zu kaufen sei, kratzt er seine Reserven zusammen, nimmt einen Kredit auf und erwirbt das Eiland um 1.033 Gulden.

Von der „Polizey-Direktion“ erhält er die Konzession zum Bierausschank.

Nun baut er einige Holzhütten, nennt den Platz „Zum lustigen Dörflein“ und verabreicht während der Sommermonate „frisches Bier und Bratwürst“.

Der Zuspruch der Münchner ist bald so groß, dass Anton Gruber seine „Insel-Gaststätte“ das ganze Jahr bewirtschaftet.

1810

München-Lehel * Um die Unterbringungskapazität der „Lehel-Kaserne“ zu vergrößern, realisiert man den Kasernenanbau an der Kirchen-Nordseite des ehemaligen „Hieronymiten-Klosters“

Um 1810

München * Drei weitere Musiker gesellen sich zu Joseph Sulzbeck hinzu. 

Es sind dies der Flötist Straubinger, der Violinspieler und Sänger Huber, genannt „Canape“, und der Harfenzupfer Bacherl. 

Ein Programm hat die erste „Münchner Volkssängergruppe“ nicht. Ihre Mitglieder spielen und singen, was ihnen gerade einfällt oder was gefordert wird.

Sie haben kein festes Engagement und leben alleine von den „Trinkgeldern“, die sie beim Einsammeln, beim „Schuberln“ oder „Abwackeln“ mit dem Teller, erhalten.

1810

München-Englischer Garten * Das alte „Aumeisterjäger-Haus“ wird an der Nordgrenze des „Englischen Gartens“ für die Heger und Jäger der „Hirschau“ erbaut.

1810

Untergiesing * Der „Bayerische Staat“ verkauft die „Giesinger Mühle“ an den Müller Simon Westermaier.

5. Januar 1810

Tirol * Franz Raffl verrät das Versteck von Andreas Hofer in der „Pfandlerhütte“ an den zuständigen Richter Auer. 

Die Franzosen hatten ein „Kopfgeld“ von 1.500 Gulden ausgesetzt.
Richter Auer benachrichtigt General Huard.

6. Januar 1810

Mantua * Andreas Hofer wird verhaftet und nach Mantua gebracht.

12. Februar 1810

Hildburghausen * Die Verlobung zwischen „Kronprinz“ Ludwig I. von Baiern und Therese von Sachsen-Hildburghausen findet in Hildburghausen statt.

19. Februar 1810

Mantua * Trotz Bitten der Stadtbevölkerung von Mantua und der Interventionen des „Vizekönigs“ Eugéne Beauharnais sowie des „Kronprinzen“ Ludwig I. wird Andreas Hofer auf persönliche Weisung Napoléon Bonapartes von einem französischem „Kriegsgericht“ zum Tode verurteilt.

20. Februar 1810

Mantua * Andreas Hofer wird in Mantua hingerichtet.

28. Februar 1810

Tirol * Im „Pariser Abkommen“ wird Tirol aufgeteilt.

Der südliche Teil Tirols wird Italien zugeschlagen.
Napoléon Bonaparte wirft Baierns Verwaltung in Tirol Versagen vor. 

Salzburg, Regensburg und die Markgrafschaft Bayreuth sollen an das Königreich Baiern fallen. 

9. Mai 1810

Regensburg * Regensburg wird französisch. 

22. Mai 1810

Regensburg * Der französische General Jean Dominique de Compans übergibt - im Auftrag Napoléon Bonapartes - Regensburg an den baierischen „Hofkommissar“ Joseph Maria Freiherr von Weichs. 

7. Juni 1810

Tirol * Der Vertrag über die Abtretung des südlichen Tirol an Italien und Illyrien regelt weitere Details. 
Bozen wird an Italien abgegeben.

Die von Freiherr Maximilan Joseph von Montgelas vorgeschlagenen baierischen Verbesserungen für ein neues Verwaltungskonzept kommen zu spät.

August 1810

Tirol * Die neue Grenzziehung in Tirol ist abgeschlossen.

Baiern behält Nordtirol, den Vinschgau sowie das obere Eisack- und das Pustertal.

Der südliche Teil geht an das Königreich Italien, Osttirol und Innichen werden zum Bestandteil der illyrischen Provinzen. Baierischen Berechnungen zufolge hatte „Gesamt-Tirol“ im Jahr 1807 exakt 618.857 Einwohner. Etwa 289.000 davon lebten in „Welschtirol“, dem italienisch sprechenden Süden.

Das Königreich Baiern muss also einen Bevölkerungsverlust von 300.000 Einwohnern verkraften.

Doch nahezu gleichzeitig kann das Baiernland einen Zugewinn von rund 700.000 Einwohnern verzeichnen, nachdem sie die Herrschaft über Berchtesgaden, das Innviertel und Teile des Hausruckviertels, aber auch über Bayreuth und Regensburg erlangt.

Um August 1810

München-Angerviertel * Der Italiener Luigi Tambosi kommt nach München und wohnt zunächst beim Weinwirt Johann Balthasar Michel in der Rosengasse. 

August 1810

Tirol * Der Aufstand der Tiroler und die zunächst vergeblichen Versuche Baierns, Tirol zurück zu erobern waren in den Augen Napoleon Bonapartes eine „militärische Schande“, die seinen Ruf als unbesiegbaren Feldherrn beschädigte.

Dies führt dazu, dass Baiern „Südtirol“ verliert, „Nordtirol“ bleibt dagegen weiterhin baierisch.

Dem Verlust von 300.000 Einwohnern steht aber ein Zugewinn von 700.000 gegenüber, weil Baiern zusätzlich die Herrschaft über Berchtesgaden, das Innviertel und Teile des Hausruckviertels sowie über Bayreuth und Regensburg erlangt.

16. August 1810

Salzburg * Erstmals wird in Salzburg die Entscheidung aus dem „Pariser Abkommen“ publiziert, wonach das Land dem Königreich Baiern eingegliedert werden soll.  

12. September 1810

Salzburg * Napoleon Bonapartes Frankreich tritt im „Frankfurter Vertrag“ das ausgebeutete Salzburg an den baierischen König Max I. Joseph ab. 

Mit der Eingliederung in das baierische Königreich verliert Salzburg endgültig seine territoriale Selbstständigkeit.

Das eh schon verarmte Land wird zunächst von den Franzosen ausgepresst und dann den Baiern wegen ihrer Bündnistreue überlassen. 

28. September 1810

München * Der Münchner „Lohnkutscher“ Franz Baumgartner, der in der „Kavallerie-Division der Nationalgarde III. Klasse“ seine Wehrpflicht als „Unteroffizier“ ableistet, schlägt - neben den vom Staat ausgerichteten und finanzierten Hochzeitsfeierlichkeiten - ein „Pferderennen“ vor.

30. September 1810

Salzburg * Die „Besitzergreifung Salzburgs“ erfolgt durch die Abgesandten des baierischen Königs Max I. Joseph mit Carl Graf von Preysing als „Hofkommissär“ an der Spitze. 

Die Salzburger erhoffen sich von den Baiern eine Linderung ihrer Not.

2. Oktober 1810

München * Der Vorgesetzte von Franz Baumgartner, „Major“ Andreas Michael Edler von Dall‘Armi, greift dessen Idee mit einem „Pferderennen“ begeistert auf und trägt den Vorschlag König Max I. Joseph vor.

4. Oktober 1810

München-Theresienwiese * Die Einladungen und Ausschreibungen für das am 17. Oktober stattfindende „Pferderennen“ werden versandt.

Als Veranstaltungsort wird das weite, unbebaute Areal „vor dem Sendlinger Thore, seitwärts der Straße die nach Italien führt“ vorgeschlagen.

10. Oktober 1810

München * Am Morgen trifft „Prinzession“ Therese von Sachsen-Hildburghausen - in einem wahren Triumphzug - in München ein.

Am Abend findet in der „Hofkapelle der Residenz“ die Hochzeit zwischen „Kronprinz“ Ludwig I. und Therese Charlotte Luise „Prinzession“ von Sachsen-Hildburghausen statt.
„Den erhabenen Moment der Trauung verkündeten das Geläute aller Glocken und der Donner der Kanonen“.

12. Oktober 1810

München * Kronprinz Ludwig I. heiratet in München Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen.

12. Oktober 1810

München * Die „Königlich privilegierte Hauptschützengesellschaft“ organisiert im Rahmen der Hochzeitsfeierlichkeiten ein mehrtägiges „Festschießen“ in ihrer „Schießstätte“.

14. Oktober 1810

München - Salzburg * König Max I. Joseph ernennt „Kronprinz“ Ludwig I. zum „Generalgouverneur des Inn- und Salzachkreises“ mit Sitz in Innsbruck. 

Er wird mit seiner Frau Therese im „Schloss Mirabell“ in Salzburg wohnen.

Die Ernennung soll nicht zuletzt dazu dienen, den „Kronprinzen“ mit den Verwaltungsgeschäften vertraut zu machen.
Außerdem will ihn sein Vater in Distanz zur Regierungszentrale in München halten, um Auseinandersetzungen zwischen dem „Kronprinzen“ und dem „Außen-, Innen- und Finanzminister“ Maximilian Joseph von Montgelas, die sich beide nicht sonderlich mochten, zu vermeiden.

Der Super-Minister hat eine Menge Arbeit mit der Reorganisation des neuen Staates, um tiefgreifende Reformen und um die Schaffung eines einheitlichen Beamten- und Verwaltungsstaates.

Gegen seine Aufgabe war die „Deutsche Wiedervereinigung“ ein Kinderspiel.

Eine wichtige Voraussetzung für die zentralistisch geführte Verwaltung war die Vereinheitlichung der Maße und Gewichte.
So gibt es alleine 93 verschiedene Flüssigkeitseinheiten, die anno 1809 durch die „Einführung der baierischen Maß“ ersetzt werden.
Das „Baierische Maaß“ fasst 1.069 Kubikzentimeter und wird „Mass“ ausgesprochen.

17. Oktober 1810

München-Theresienwiese * Das erste „Oktoberfest“ an einem milden Herbstag mit hellblauem Himmel.

Um 9 Uhr beginnt eine Messe in der „Bürgersaalkirche“.
Anschließend macht sich die „Kavallerie-Division“ in zwei Zügen auf den Weg zur „Festwiese“.
Am Fuße des „Sendlinger Berges“ befindet sich der „Königliche Pavillon“, bei dem „Gardisten“ die „Ehrenwache“ halten.

Der „Pavillon“ war das ursprünglich hellgrüne, circa 67 Meter lange „Audienzzelt“ eines türkischen „Großwesirs“, das Kurfürst Max Emanuel anno 1683 bei der „Befreiung Wiens“ erobert hatte.

40.000 „Zuschauer aus allen Bevölkerungsschichten“ kommen zum „Sendlinger Berg“, um sich das Spektakle anzusehen. 

Nachdem die königliche Familie eingetroffen ist, gratuliert eine Gruppe „Kinder im Nationalkostüme“, stellvertretend für die baierische Nation, dem „Kronprinzenpaar“ und huldigt der Königsfamilie.

Danach wird das „Pferderennen“ abgehalten.
30 Pferde führt man zur Startlinie.

Drei Runden müssen geritten werden.
Das entspricht ziemlich exakt einer Stecke von 10 Kilometern.

Als „Renngericht“ fungieren Johann Schwagart, der „Bierbrauer“ Cajetan Trappentreu und der „Bäcker“ Anton Seidl.

Gewonnen wird das Rennen von dem Münchner „Lohnkutscher“ und Erfinder des „Oktoberfest-Pferderennens“, Franz Baumgartner.
Besser gesagt, von seinem zwölfjährigen „Rennbuben“, der auf einem „Siebenbürger Apfelschimmel“ nach 18 Minuten und 14 Sekunden als Erster durchs Ziel ritt.

Baumgartner erhält 20 von 98 Golddukaten „Siegprämie“.

17. Oktober 1810

München * Noch am Abend des 17. Oktober 1810 kann der Organisator der Volksbelustigung, Andreas von Dall‘Armi, verkünden, dass „die Wiese, worauf das erste baierische Nationalfest gefeiert worden, zum bleibenden Andenken Theresens Wiese“ genannt werden darf.

Da es ihm nichts kostet, gewährte König Max I. Joseph diesen Wunsch sehr gerne.

30. Oktober 1810

München-Graggenau * Die Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine verpachtet das „Kaffeehaus“ an der „Hofgartenmauer vor der Reitschule“ für 1.400 Gulden jährlichen Pachtschilling an den Italiener Luigi Tambosi aus xxxx.

Der bisherige „Kaffeehaus“-Besitzer Johann Nepomuk Schuster konnte zuvor die Zinsen für das von der Kurfürstin-Witwe geliehene Geld nicht mehr bezahlen. 

November 1810

München * Zwischen den Gründern und Veranstaltern des ersten „Münchner Oktoberfestes“ und dem „Generalkomitee des landwirthschaftlichen Vereins“ wird eine Vereinbarung getroffen, „wonach die Volksfeier in der Maximilianswoche [12. Oktober] fortan jährlich als gemeinsames Fest begangen“ werden soll - unter Einbeziehung landwirtschaftsbezogener Aktivitäten.

Bis 1818 organisiert der „Landwirtschaftliche Verein“ das Gesamtfest: „Pferderennen“ und „Landwirtschaftliche Präsentation“.

3. November 1810

München * Eine Verordnung über die neuen „Posttarife“ bringt keine wesentlichen Fortschritte gegenüber dem alten System.

Die Berechnung der „Brieftaxe“ erfolgt nach dem Gewicht des Briefes und der Entfernung des Bestimmungsortes.
Der billigste Brief kostet drei Kreuzer.
Er darf nicht mehr wiegen als ein halbes baierisches Lot [8,75 Gramm] und der Bestimmungsort darf nicht weiter als sechs Meilen entfernt sein.

Für den Briefe schreibenden „Untertanen“ bedeutet die Übernahme der „Posthoheit“ durch die souverän gewordenen Einzelstaaten einen Rückschritt gegenüber dem unter dem Schutz des „Reiches“ entwickelten „europäischen System“ der Thurn und Taxis, da es auf der Grundfläche des aufgelösten „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ nun nicht weniger als 43 verschiedene „Postanstalten“ gibt.

Da auch auf dem „Wiener Kongress“ nichts für die Wiederherstellung der Posteinheit und die Verbesserung der Postbedingungen unternommen worden war, muss jedes Land seine Postangelegenheiten in eigener Zuständigkeit ordnen.

Den Vorschlag Bayerns, zumindest das „Portosystem“ für das Gebiet des „Deutschen Bundes“ zu vereinheitlichen und das „Porto“ - nach baierischem Muster - zu verbilligen, lehnen die anderen Länder aber kategorisch ab.

Im „Königreich Baiern“, in dem zahlreiche fränkische und schwäbische ehemalige „reichsunmittelbare Gebiete“ aufgegangen sind, kommt der „Post“ eine wichtige Rolle bei der Aufgabe zu, die neubayerische Bevölkerung zu integrieren.

Ein funktionierendes Post- und Verkehrswesen ist dabei ein wichtiges Mittel der bayerischen Regierungspolitik.
Es sollen damit die Vorteile des neuen und größeren Wirtschaftsraumes demonstriert werden und den vom neuen Staatsverband eher weniger begeisterten „Neubürgern“ das „Königreich“ attraktiver machen.

27. Dezember 1810

München-Kreuzviertel * Graf Maximilian Joseph von Montgelas will den östlich an sein barockes Palais angrenzenden Salzstadel mit diesem vereinigen und zu einem großen Stadtpalast umgestalten. 

Der erste Entwurf des Architekten Emanuel Joseph von Herigoyen gefällt dem „Staats- und Konferenzminister“ noch nicht.
Erst eine etwas abgeänderte Form wird anschließend ausgeführt und im Jahr 1813 vollendet. 


Verwendet in Führung:

27. Typisch München
34. Bierzelt-Rallye auf dem Oktoberfest



Festbeleuchtung, Illumination, Fürstenhochzeit, Ausspeisung der Bevölkerung
Ludwig I. König, Therese von Sachsen-Hildburghausen Königin