13. September 1817

Eine Verordnung über den Getreidehandel und Notmagazine

München-Kreuzviertel * Die Regierung erlässt eine Verordnung über den Getreidehandel, in der alle Vorschriften zusammengefasst werden. Außerdem wird die Anlegung von Notmagazinen mit einem Sechstel des Jahresbedarfs für die Städte angeordnet. 


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Hungersnot, Getreidehandel, Notmagazin,

Weitere Ereignisse im Jahr 1817

1817

München-Graggenau * Luigi Tambosi und die Kurfürstinwitwe Maria Leopoldine sind sich handelseinig.
Er will ihr um 22.000 Gulden das „Kaffeehaus an der Hofgartenmauer vor der Reitschule“ abkaufen.

Dann erfahren sie, dass das „Kaffeehaus“ abgerissen und in den „Englischen Garten“ verlegt werden soll.

Die Niederlegung der Gebäude verzögert sich bis 1825.
So lange bleibt Maria Leopoldine Eigentümerin und Luigi Tambosi Pächter des „Kaffeehauses an der Hofgartenmauer vor der Reitschule“

Im Jahr 1817

München-Lehel * Die „Lehel-Kaserne“ wird erneut erweitert.  

Hierzu wird an der Nordspitze des Kasernengeländes bei der „Pferdstraße“, der heutigen Christophstraße, ein Teil der Stallungen durch den sogenannten „Neubau“ ersetzt. 

1817

München-Isarvorstadt * Die „Kürassierkaserne“, „Schwere-Reiter-Kaserne“ oder „Neue Isarkaserne“ in der Zweibrückenstraße wird bezogen.

Bis 1885 dient die „Alte Isarkaserne“ nur noch als Behelfsunterkunft.

1817

Vorstadt Au * In der „Eisenfronfeste am Lilienberg“ sitzen 40 Häftlinge ein.

1. Februar 1817

München * König Max I. Joseph kehrt von einem fast achtwöchigen Wien-Aufenthalt zurück. 

Er erhält von seinem „Marschall“ Carl Philipp Fürst von Wrede anstatt des üblichen Rapports über das, was sich in der Abwesenheit des Königs zugetragen hat, einen Brief des Kronprinzen Ludwig überreicht. 

In diesem fordert der „deutschtümelnde“ Prinz die Absetzung des Ministers Maximilian Joseph von Montgelas, weil dieser „alles Vertrauen im In- und Auslande“ verloren habe und der „täglich größer werdende Zerfall der Finanzen“ immer offensichtlicher werde.

Aus Sicht Ludwigs, der Montgelas als den „eigentlichen Beherrscher Baierns“ empfindet, muss ein neuer Geist in die Ministerien einziehen. „Männer seines Systems“ dürfen nie wieder Minister werden. 

„Marschall“ Carl Philipp von Wrede hat die Aufgabe den König zu dieser Entscheidung zu überreden und ihn von der unabweislichen Amtsenthebung Montgelas zu überzeugen. 

2. Februar 1817

München-Kreuzviertel * Mit den Worten: „Sonntag um elf Uhr werde ich mich bei Ihnen einfinden; adieu mon cher Montgelas. Ich hoffe, Sie in besserer Gesundheit anzutreffen, als ich Sie verlassen habe“, hat der baierische Herrscher sein Kommen für den 2. Februar 1817 angekündigt.

Doch statt dem König fährt ein Bote mit der „Entlassungsurkunde“ in der Tasche in das Palais am Promenadeplatz. 

Der abgesetzte Minister erhält nicht einmal die Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern.
Das „Kündigungsschreiben“ ist so formuliert, als hätte der Graf selbst aus gesundheitlichen Gründen gebeten, „ihn der ganzen Last der ihm bisher anvertrauten Staatsämter zu entheben“.

Graf Maximilan Joseph von Montgelas schweigt nach der Überreichung des Schreibens erst einmal eine Viertelstunde und äußert sich dann nur über die - aus seiner Sicht - viel zu niedrige Höhe der Pension.
30.000 Gulden erhält der Neurentner, statt der 36.000 Gulden, die er als aktiver Minister erhalten hat.

Das ist also der Dank des „Hauses Wittelsbach“ für den Mann, der ihnen in jahrzehntelanger Arbeit das Land vergrößerte, einen modernen Staat geschaffen und die Königskrone errungen hatte.

Doch für Kronprinz Ludwig ist der Minister, der Baiern geformt, reformiert und modernisiert hat, einfach zu „unteutsch“.

In dieser Zeit kursieren zudem „Schmähschriften“, in denen Montgelas unterstellt wird, er sei nur ein „halber Baier“ und gehöre der alles unterjochenden französischen Nation an.

Als Ernestine von Montgelas nach der Entlassung ihres Mannes als Minister die Gruppierung der Verschwörer an der „Hoftafel“ beschimpft, erhält sie lebenslanges „Hofverbot“.

Kein Wunder, dass der ansonsten denkmalgeile König Ludwig I. dem Architekten des modernen Baiern kein Bronzestandbild setzen lässt, wohl aber seinem Mitverschwörer Fürst Carl Philipp von Wrede.
Danach bewirkt eine deutsch-national gestimmte bayerische Geschichtsschreibung, dass Montgelas bei den Bayern in keinem guten Andenken bleibt.

Nach der Entlassung des Grafen Maximilian Joseph von Montgelas werden die Ministerien neu aufgeteilt.
Das „Portefeuille des Äußeren“ erhält Alois Graf von Rechberg, das des „Inneren“ Friedrich Graf von Thürheim und das der „Finanzen“ Maximilian Freiherr von Lerchenfeld.

2. Februar 1817

München - Rom-Vatikan * Als „Minister“ Maximilian Joseph von Montgelas gestürzt wird, nehmen die „Konkordats-Verhandlungen“ einen völlig anderen Verlauf. 

12. Februar 1817

München-Kreuzviertel * Mitglieder der „Marianischen Männerkongregation“ bitten Kronprinzen Ludwig I. in einem Brief, ihnen „den ehemaligen Gnadenschatz der hiesigen Augustinerkirche, nämlich das im Wachs wirklich schön und künstlich bousirte Jesukind“ zu überlassen. 

Als Entscheidungshilfe fügen sie hinzu, das  die „Kongregation“, sollte ihre Bitte Gehör finden, „dem hiesigen Armen-Fonde die baare Summe von Eintausend Gulden als Geschenk überreichen“ werde.

Gegen diese berechnende Wohltätigkeit der finanzkräftigen Marien­verehrer können die sechs ehemaligen „Elisabethinerinnen“, in deren Besitz  sich das „Augustiner Christkindl“ befindet, nichts entgegensetzen.
Obwohl sie in Bittschriften an König Max I. Joseph verbissen um das Kindl kämpfen, stehen sie bei diesem Angebot auf verlorenem Posten. 

20. Februar 1817

Königreich Baiern * Baiern wird in acht Kreise eingeteilt, die in etwa den heutigen „Regierungsbezirken“ entsprechen. 

Es sind dies der „Isarkreis“, der „Unterdonaukreis“, der „Oberdonaukreis“, der „Regenkreis“, der „Rezartkreis“, der „Obermainkreis“, der „Untermainkreis“ und der „Rheinkreis“. 

Um März 1817

Königreich Baiern * Die Hungersnot setzt sich fort. Ein Bericht informiert: „[…] man stach die ersten Graswurzeln im Frühjahr 1817 aus der Erde, um sich Gemüse daraus zu machen oder sammelte Brennnesseln zum gleichen Zweck, man kaufte sich Kleie […], um sie zu kochen und Kuchen aus ihr zu backen“

Ab März 1817

Königreich Baiern * Eine Teuerungshysterie beginnt. Man vermutet hinter den horrenden Getreidepreisen das Werk und die Machenschaften von Spekulanten und Wucherern.

Die Folge sind Hungerkrawalle, Magazinplünderungen und Bauernaufstände im Ausland und in Baiern. 

16. April 1817

München-Graggenau * Durch Brandstiftung brennt in der Nacht vom 16. April 1817 der seit zwei Jahren im Hof des Marstalls gelagerte Dachstuhl für das Hof- und Nationaltheater ab. An der Brandstelle findet man Zettel mit der Aufschrift „Brot oder Brand“.

Böse Zungen behaupten ernsthaft, der Dachstuhl „hat brennen müssen“, weil letzte Nachmessungen gezeigt hätten, dass die Querbalken zu kurz gewesen seien und dadurch die Unfähigkeit des Architekten Carl von Fischers ans Licht gekommen wäre. 

Um den 17. April 1817

München-Graggenau * Nach der Brandstiftung am 16. April überlegt König Max I. Joseph die Verlegung der Residenz in eine andere Stadt.

An seinen Sohn, Kronprinz Ludwig I., schreibt er: „Die Köpfe fangen an, sich zu erhitzen und unruhig zu werden, die anonymischen Briefe sind häufig“

18. April 1817

München-Kreuzviertel * Die sechs ehemaligen „Elisabethinerinnen“ müssen das „Augustiner Fatschenkindl“ herausrücken. 

Das hochverehrte gefatschte „Augustiner-Christkindl“ wird nun von der „Elisabethkirche“ in den „Bürgersaal“ gebracht, wo man es mit einer liturgischen Feier willkommen heißt. 

6. Mai 1817

Wien * Die Gräfin Ernestine Rupertina Walburga von Montgelas wird in den „Sternkreuzorden“ aufgenommen und ist damit Mitglied des höchsten Damenordens der österreichischen Monarchie.

Dennoch bietet die Gräfin breite Angriffsflächen für Klatsch und Tratsch in Hof- und Diplomatenkreisen.
Und so flüsterte man in den Salons über ihre außerehelichen Amouren und unterstellt ihr Liebesbeziehungen zu verschiedenen Männern der baierischen Beamtenschaft, darunter auch zum Ministerkollegen ihres Mannes: Johann Wilhelm von Hompesch.  

König Max I. Joseph befürchtet sogar, Montgelas Ehefrau Ernestine würde durch ihre Unbesonnenheit ihren Mann noch einmal ins Grab bringen.
Im Jahr 1825 sagt er: „Wenn sie vor acht Jahren gestorben wäre, so wäre Montgelas noch heute Minister“

10. Mai 1817

München-Kreuzviertel * Die „Regierung“ macht einige kleinere Zugeständnisse am Verhandlungsergebnis zum „Konkordat“

Nach dem Juli 1817

München-Maxvorstadt * Nach seiner Pensionierung lässt sich Graf Maximilian Joseph von Montgelas ein Palais am Karolinenplatz 2 nach den Plänen von Jean Baptiste Métivier erbauen. 

5. Juli 1817

Rom-Vatikan - München * Obwohl er nicht dazu ermächtigt ist, unterschreibt Bischof Johann Casimir Häffelin ein zuvor von der baierischen Regierung in wesentlichen Teilen abgelehntes Konkordat

Um August 1817

Königreich Baiern * Als Nachwirkung auf den Vulkanausbruch auf der Insel Sumbawa im heutigen Indonesien vom April 1815 kommt es auch in diesem Jahr zu einer nur gering ausfallenden Getreideernte. Die Hungersnot setzt sich fort. 

Um den 10. September 1817

Königreich Baiern * Trotz der Erhöhung des Ausfuhrzolls für Getreide und Ankäufe im Ausland steigen die Getreidepreise erneut. Kapitalkräftige Bauern, Bäcker und Getreidehändler machen in kürzester Zeit ein Vermögen. 

Oktober 1817

München-Angerviertel - München-Theresienwiese * Der „Polytechnische Verein“ stellt Produkte der „vaterländischen Industrie durch alle Klassen der Fabrikation“ aus.

Diese Schau ist der Beginn der späteren „Landmaschinen-Ausstellungen“.

Die Objekte werden aber nicht auf der Theresienwiese, sondern in der Münchner Rosengasse ausgestellt.

11. Oktober 1817

München-Maxvorstadt * Der Grundstein für das Leuchtenberg-Palais am Odeonsplatz wird gelegt. 

24. Oktober 1817

München * Die „Regierung“ legt den „Konkordatsentwurf“ König Max I. Joseph zur Unterschrift vor.  

Neben dem Verzicht auf „Kontrollrechte“ über die Kirche wird der Staat zum „Unterhalt“ der „Bischöfe“ sowie der „Domkapitel“ und zur „Wiederherstellung einiger Klöster“ für Unterricht, Seelsorge und Krankenpflege verpflichtet.  

Weil die „religiöse Toleranz und Parität“ gefährdet schien, das „Konkordat“ die baierischen Protestanten eindeutig zurückgesetzt hätte und gleichzeitig die herausgehobene Stellung der katholischen Kirche im Staat auf ein „göttliches Gesetz“ berief, erging für die neue Verfassung ein neues „Religionsedikt“, welches den Vertrag mit dem „Heiligen Stuhl“ stark relativierte.  

Durch einen politisch-juristischen Kunstgriff erhält das „Religionsedikt“ Verfassungsrang, während das „Konkordat“ nur ein „Staatsgesetz“ ist und sich somit unterordnen muss.

15. November 1817

Bogenhausen * Die  „Sternwarte“ in Bogenhausen geht in Betrieb.

Sie hat knapp 50.000 Gulden gekostet. 


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Sucbegriffe: Hungersnot, Getreidehandel, Notmagazin