1904

Ein zweistöckiges Wohnhaus in der Richard-Wagner-Straße 1

München-Maxvorstadt * Der Architekt Ludwig C. Lutz plant ein zweistöckiges Wohnhaus in der Richard-Wagner-Straße 1, das der Arzt Dr. Heinrich Bock mit drei weiteren Erwachsenen und einem Kind unter 14 Jahren sowie zwei weiblichen und einem männlichen Dienstboten bewohnen wird.

Im Haus befindet sich auch eine Arztpraxis.


1904

Suchbegriffe

Richard-Wagner-Straße 1, Artztpraxis, Dienstboten,

Personen


Weitere Ereignisse im Jahr 1904

1904

München-Au * Ludwig Weinberger senior karossiert seinen ersten Motorwagen.

Damals sind Automobile überlicherweise noch zweigeteilt:

  • Es gibt einerseits das „Fahrgestell“ mit Motor und Kühler - das „Chassis“ - und dann noch
  • die „Karosserie“ als zweiten Bestandteil.

Meistens werden beide Komponenten nicht vom selben Hersteller produziert, weshalb es den Beruf des „Wagenbauers“ gibt.  
Eineinhalb Jahrzehnte lang gestaltet Ludwig Weinberger senior verschiedenste Fahrgestelle mit einzelgefertigten Aufbauten, ganz nach Wunsch des Kunden. 

Ab 1904

München-Lehel * Adolf von Hildebrand entwirft im Auftrag des „Preußischen Gesandten“ Friedrich Graf von Pourtalès den Plan für einen Neubau der der „Preußischen Gesandtschaft“ und der „Schack-Galerie“ genügend Platz bietet.

1904

München-Englischer Garten - Tivoli * Das am Ostrand des „Englischen Garten“ gelegene Ausflugslokal „Tivoli“ wird als „Ort der Mode“ beschrieben.

„An schönen Sommerabenden war es mit zahlreichen Menschen angefüllt, die besonders dem Tanzvergnügen huldigten.
An Werktagen fanden sich bis in unsere Zeit noch Beamte aus den höchsten Kreisen dort ein“
.

1904

Pullach * Das zweite „Isarkraftwerk“ der „Isarwerke GmbH“ wird mit der Bezeichnung „Zentrale II“ bei Pullach in Betrieb genommen.

Es wird heute „Wasserkraftwerk Pullach“ genannt.

1904

München-Graggenau * Karl Rosipal, ein vermögender und exzentrischer Münchner Kaufmann, spendet aus Anlass des hundertjährigen Bestehens seiner Modewarenfirma der Stadt München über 30.000 Mark für ein „Glockenspiel“ am „Neuen Rathaus“. 

Er trägt damit zu einer der bekanntesten und meistfotografiertesten Sehenswürdigkeit Münchens bei.

1904

München-Englischer Garten - Lehel * Der sogenannte „Kocherlball“ am „Chinesischen Turm“ im „Englischen Garten“ wird aus „Mangel an Sittlichkeit“ polizeilich verboten.

Bis dahin vergnügten sich sonntags ab fünf Uhr früh die „Dienstboten“.

1904

München-Bogenhausen * Da nach Auffassung des Bogenhausener Pfarrers das „Wirtshaus Neuberghausen“ zu Nahe an der Kirche, dem Friedhof und der Schule liegt, werden die beliebten Musik- und Tanzveranstaltungen, vor allem im Garten, nicht mehr gestattet.

Nur sanfte Musik, ohne Blech- und Schlaginstrumente werden im Ausnahmefall genehmigt.

Die Gastwirtschaft verliert dadurch ihre Attraktivität und Anziehungskraft, weshalb die Brauerei anno 1904 den Rückgang des Bierkonsums innerhalb von zwanzig Jahren auf ein Zehntel beklagen muss.

1904

München-Maxvorstadt * Dem „Kaufmanns-Ehepaar“ Held gehört das Anwesen Richard-Wagner-Straße 9.

1904

München-Au * Die „Pschorrbrauerei“ errichtet für die ehemalige Wirtschaft des Johann Georg Messerer einen Neubau, der im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört wird.

1904

München-Ludwigsvorstadt * Kommerzienrat Hans Wagner erwirbt das „Hotel Treffler“ in der Sonnenstraße 23 und benennt es in „Hotel Wagner“ um. 

1904

München-Au * Ab 1904 bis zum Jahr 1917 kann der „Arbeiter-Turn-Verein München-Ost“ seinen Betrieb im „Schwanensaal“ des „Münchner-Kindl- Kellers“ abhalten.

Ebenfalls im Jahr 1904 erfolgt der Eintrag ins amtliche Vereinsregister. 

1904

München-Theresienhöhe * Die Stadt kauft vom „Landwirtschaftlichen Verein“ für 1,1 Millionen Mark Grundstücke auf der „Theresienhöhe“, um dort einen neuen „Ausstellungspark“ zu errichten.

12. Januar 1904

Deutsch-Südwestafrika * Es kommt zur „Erhebung der Herero“.

Die Taktik der „Herero-Krieger“ ist einfach. Mit ihren rund 8.000 Mann wollen sie die nur aus 2.000 Mann bestehende deutsche „Schutztruppe“ überrumpeln.
Dass jedoch das „Deutsche Reich“ in kürzester Zeit zusätzliche Truppenkontingente nach Afrika verlegen kann, kommt in den Planungen der „Herero“ nicht vor.

Der damalige „Gouverneur“ und „Kommandeur der Schutztruppe“, Theodor Leutwein, versucht den Krieg so zu führen, dass die spätere wirtschaftliche Ausbeutung des Landes unter Zuhilfenahme der „Herero“ nicht gefährdet wird.
Seine Strategie ist darauf angelegt, die „Herero“ in eine ausweglose Lage zu bringen, danach aber - im Rahmen eines „Friedensvertrages“ - zumindest ein weiteres Zusammenleben zu ermöglichen.

Doch diese Strategie ist den Verantwortlichen im Berliner „Generalstab“ zu langwierig, weshalb man Theodor Leutwein ablöst und den „Generalleutnant“ Lothar von Trotha nach „Deutsch-Südwestafrika“ schickt. 

Um April 1904

München * Eine Kommission des Stadtmagistrats geht auf „Studienreise“ nach Stuttgart, Deidesheim, Mainz, Wiesbaden, Koblenz, Köln, Bremen, Hamburg, Berlin, Leipzig, Dresden, Wien, Großinzersdorf und Salzburg begeben, „um Einrichtung und den Betrieb der Ratskeller einer Anzahl größerer Städte kennen zu lernen“.

Ergebnis dieser „Studienreise“ war der Beschluss der „Gemeindekollegien“ dass im „Ratskeller“ nur noch „Pfalzweine, Rheinweine, Mosel- und Saarweine, Frankenweine, badische Weine, österreichische und ungarische Weine sowie Bordeaux-, Burgunder- und Schaumweine“ angeboten und verkauft werden durften, welche von einer vom Magistrat eingesetzten Kommission „nach vorgenommener Kostprobe angekauft und in der städtischen Weinkellerei eingelagert und behandelt worden sind“.

Für die Auswahl der „ruhigen“ Weine war „vor allem maßgebend, dass die Weine naturecht, das heißt aus dem vergorenen Saft der Weintraube sind und keinerlei Zusatz an Zucker oder Zuckerwasser enthalten“.

6. April 1904

Ebingen * Kurt Georg Kiesinger, der spätere Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, wird in Ebingen in Württemberg geboren. 

8. April 1904

London * Frankreich und Großbritannien vereinigen sich in London zur „Entente cordiale“ [= „Herzliches Einverständnis“ - „Entente“ = Bündnis]. 

6. Mai 1904

München-Maxvorstadt * Der Kunstmaler Franz von Lenbach stirbt.

11. Juni 1904

Deutsch-Südwestafrika - Swakopmund * Nachdem „Generalleutnant“ Lothar von Trotha in Swakopmund eingetroffen ist, will ihn Leutwein dazu bewegen, „die Belange der Kolonie und der Eingeborenen in der Kriegsführung zu berücksichtigten und den Feldzug so durchzuführen, dass das Volk der Herero als solches erhalten bleibe“.

Doch Lothar von Trotha meint nur: „Die Würfel sind gegen die Herero gefallen“

11. Juli 1904

München-Angerviertel * Die „Hauptfeuerwache der Berufsfeuerwehr“ an der Blumenstraße 34 ist bezugsfertig.

11. August 1904

Deutsch-Südwestafrika - Waterberg * Es kommt zur „Entscheidungsschlacht am Waterberg“.

Diese tobt inmitten der notdürftig errichteten Dörfer, wohin die „Herero“ bereits unter „Gouverneur“ Theodor Leutwein getriebenen worden waren.

Am „Waterberg“ befindet sich das Volk der „Herero“ - mit Frauen und Kindern sowie allen Habseligkeiten und dem gesamten Viehbestand - insgesamt zwischen 30.000 bis 40.000 Menschen.
Nun, unter dem Kommando von Lothar von Trotha sind sie eingeschlossen. 

12. August 1904

Deutsch-Südwestafrika - Waterberg * Gerade einen Tag können die „Herero“ den technisch weit überlegenen deutschen Truppen Widerstand entgegen setzen.

Den „Herero“ gelingt an der schwächsten Stelle der Umzingelung der Durchbruch durch die deutschen Linien.

Etwa 25.000 bis 30.000 können in Richtung der „Wüste Omaheke“ fliehen.
Die Fliehenden versuchen zunächst die wasserlose „Wüste“ zu umgehen. 

September 1904

München-Au * Das „Untersuchungsgefängnis Neudeck“ wird eröffnet.

17. September 1904

München-Theresienwiese * Nach einem Beschluss des Magistrats soll der „Hauptsonntag“ des „Oktoberfestes“ - die Allerhöchste Genehmigung immer vorausgesetzt - in der Zeit zwischen dem 28. September und dem 4. Oktober liegen.

Das bedeutet einen eine Woche früheren „Wiesnbeginn“.

17. September 1904

München-Theresienwiese * Als sich der „Hungerkünstler“ Ricardo Sacco während des „Oktoberfestes“ zur Schau stellt, kommt es zu Protesten der Münchner Bevölkerung.

Sie will es nicht dulden, dass ein Mensch inmitten der „Genüsse des Festes“ hungert.

17. September 1904

München-Theresienwiese * Carl Gabriels „Völkerschau“ trägt den Titel „Tunis in München“ und konfrontiert die Besucher mit „Sitten und Gebräuchen“ der Nordafrikaner.

17. September 1904

München-Theresienwiese * Josef Pravida lässt neben der „Augustiner-Festburg“ ein „Fischerhäuschen“ errichten und nennt sie „Fischerhütte zum Holländer“.

Die Bedienungen sind in holländischer Tracht gekleidet.

Um Oktober 1904

Deutsch-Südwestafrika * Die Kämpfe verlagern sich nun in den Süden des „Schutzgebietes“, wo die „Witbooi-Nama“ aus ähnlichen Gründen wie die „Herero“ den Krieg beginnen.
Die „Nama“ werden schon damals abwertend als „Hottentotten“ bezeichnet.

Ausschlaggebend für die „Nama“ ist die Forderung der deutschen „Siedler“, nun, nachdem sich starke Truppen im Land befinden, auch die „Nama“ zu entwaffnen und endgültig zu unterwerfen.

Allerdings unterscheidet sich die Kriegsführung der „Nama“ von der der „Herero“, dass sie in kleinen, für die deutschen Truppen nahezu unsichtbaren Gruppen agieren und einer Entscheidung im offenen Kampf ganz bewusst ausweichen.
Dieser „Guerillakrieg“ zermürbt die wesentlich besser ausgerüsteten deutschen Soldaten auf Dauer. 

1. Oktober 1904

München-Isarvorstadt * Die neue „Wittelsbacherbrücke“ wird der Öffentlichkeit übergeben.

Sie ist eine frühe Stahlbetonkonstruktion. 
Architekt ist der „Stadtbaumeister“ Theodor Fischer. 

Ein Betonbogen trägt das „Reiterstandbild Ottos von Wittelsbach“.
Erkerbauten mit Sitzbänken lockern den Brückenkörper insgesamt auf.

2. Oktober 1904

Deutsch-Südwestafrika * „Generalleutnant“ Lothar von Trotha erlässt den „Vernichtungsbefehl“.

In diesem heißt es: „Die Herero sind nicht mehr deutsche Untertanen. Sie haben gemordet, gestohlen, haben verwundeten Soldaten Ohren und Nasen und andere Körperteile abgeschnitten, und wollen jetzt aus Feigheit nicht mehr kämpfen.

[…] Das Volk der Herero muss das Land verlassen. Wenn das Volk dies nicht tut, so werde ich es mit dem Groot-Rohr [= Geschütz] dazu zwingen.  Innerhalb der deutschen Grenzen wird jeder Herero mit und ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber oder Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volk zurück, oder lasse auf sie schießen“

3. Oktober 1904

Deutsch-Südwestafrika * „General“ Lothar von Trotha lässt die „Wüste Omaheke“ systematisch und vollständig abgeriegeln sowie sämtliche Wasserstellen am Rande der Wüste besetzen.

Die Absperrungen bestehen bis März 1905.

In der Zwischenzeit sind zwischen 20.000 und 25.000 „Herero“ unter furchtbaren Qualen in der Wüste verdurstet. 

3. Oktober 1904

München-Haidhausen * Die „Flurschule“ wird als 5. Haidhauser Schule eröffnet. 

Sie ist zugleich die 5. evangelische Schule in München.

17. November 1904

München-Maxvorstadt * Leonhard Romeis stirbt an einem „akuten Nierenleiden“ in seiner Wohnung am Ferdinand-Miller-Platz.

19. November 1904

Moosach * Leonhard Romeis wird auf dem „Moosacher Friedhof“, dem heutigen Moosacher Friedhof beigesetzt.

1. Dezember 1904

München-Au * Das „Landgerichtsgefängnis München II am Lilienberg“ wird geschlossen.

4. Dezember 1904

München * Sofie Gräfin von Moy gründet mit engagierten Münchner Bürgern den „Hauspflege-Verein München e.V.“

12. Dezember 1904

Berlin - Deutsch-Südwestafrika * Der „Schießbefehls“ des Lothar von Trotha gegen die „Nama und Herero“ wird aufgehoben. 

12. Dezember 1904

München - München-Haidhausen - München-Au * Die „Generalversammlung der Aktionäre der Münchner Kindl AG“ beschließt die Fusion mit der Haidhauser „Unionsbrauerei“

Die neue „Unionsbrauerei“ steigt dadurch zu einer der fünf größten Münchner Brauereien auf.

Um den 20. Dezember 1904

Deutsch-Südwestafrika * Das Erscheinungsbild des Krieges gegen die „Herero“ und „Nama“ ist nicht nur durch die eigentlichen Kampfhandlungen geprägt, sondern mindestens ebenso sehr durch die von der „Militäradministration“ errichteten „Konzentrationslager“.

Sie dienen als „Internierungslager“, in denen auch „Stämme“ aus dem Gebiet des „Guerillakampfes“ festgesetzt werden, um so den Kämpfern den Rückhalt in der Bevölkerung zu nehmen.
Es sind also keine reinen „Kriegsgefangenenlager“ nach europäischen Standards, sondern werden auch zur Inhaftierung von Frauen, Greisen und Kindern genutzt. Das ist ein weiterer Beweis dafür, dass es sich hierbei um einen Krieg gegen ein ganzes Volk handelte.

Die Lebensbedingungen in den „Konzentrationslagern“ sind völlig unzureichend. Es fehlte an allem, von den Lebensmitteln bis zum Brennmaterial.
Viele Insassen erkranken an „Skorbut“ und „Typhus“. Die Sterblichkeit ist entsetzlich hoch. „Es kamen an manchen Tagen bis 27 Sterbefälle vor. Karrenweise wurden die Toten zum Friedhofe gebracht“


Verwendet in Führung:

38. Richard-Wagner-Straße



Richard-Wagner-Straße 1, Artztpraxis, Dienstboten
Lutz Ludwig C. Architekt, Bock Heinrich Dr. Arzt