1937

Die jüdischem Geschäftsanteile der „Cenovis-Werke“ werden reduziert

München-Au * Die in jüdischem Besitz befindlichen Geschäftsanteile der „Cenovis-Werke“ werden auf 48,47 Prozent reduziert.

Damit wird zunächst die „Anerkennung als nichtjüdischer Betrieb“ erreicht.


1937

Suchbegriffe

Cenovis-Werke, Anerkennung als nichtjüdischer Betrieb, Nicht-jüdischer Betrieb,

Weitere Ereignisse im Jahr 1937

1937

München-Maxvorstadt * Auf Befehl Adolf Hitlers wird die Königinstraße zwischen der Von-der-Thann-Straße und der Veterinärstraße von 10 auf 30 Meter erweitert.

289 Bäume des „Englischen Gartens“ müssen deshalb gefällt werden.

1937

München-Englischer Garten * Eine „Lastenstraße“ zur Durchquerung des „Englischen Gartens“ in Ost-West-Richtung wird gebaut.

Daraus entwickelt sich der heutige „Isarring“.

1937

München-Au * Wilhelm Sensberg führt die „Museum-Lichtspiele“ in der Lilienstraße 2.

Ende 1937

München * In der Zentrale des „Lebensborn e.V.“ werden 23 Angestellte beschäftigt.

1937

München-Graggenau * Der umfangreiche „Amtliche Führer Residenz München“ erscheint.  

Er beinhaltet die Baugeschichte und die ausführliche Beschreibung der zu besichtigenden Räume.  
Der Führer dokumentiert ein letztes Mal das Erscheinungsbild der „Residenz“ vor den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. 

1937

München-Au * Die Firma „Rohde & Schwarz“ lässt sich mit seinen inzwischen 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Tassiloplatz, auf dem ehemaligen „Konsumgelände“ nieder. 

1937

München-Maxvorstadt * Die „Kaulbach-Villa“ in der Kaulbachstraße 15 wird vom „Gauleiter“ und „Innenminister“ Adolf Wagner bewohnt.

1937

München-Maxvorstadt * Zwischen 1937 und 1940 ist der „Bund Deutscher Mädchen - BDM“ in der Richard-Wagner-Straße 3 untergebracht.

1937

München-Haidhausen * Nachdem die Studentenverbindung „Danubia“ die Zinsen für den Kredit nicht aufbringen kann, kommt die ehemalige „Grützner-Villa“ in Haidhausen zwangsweise unter den Hammer und geht daraufhin in den Besitz von Grützners Sohn Karl Eduard über, der dort mit seiner Frau Gisela lebt.

1937

München * Die Nationalsozialisten feiern den „Rückgang der Viel-Leserei“

Die Buchentleihungen und die Zahl der Lesesaal-Besucher ist seit der Machtübernahme um mehr als 30 Prozent zurückgegangen. 

Ab Januar 1937

München * Pater Rupert Mayer predigt

  • gegen den „Schulkampf“ der Nazis,
  • gegen die „Ausschlachtung“ der Sittlichkeits- und Devisenprozesse gegen Ordensleute,
  • gegen die nationalsozialistischen Presseerzeugnisse und vor allem
  • gegen die „Entkonfessionalisierung“.
22. Januar 1937

München-Au * Das „Stammkapital“ der „Cenovis-Werke“ beträgt 1,5 Millionen Reichsmark. 

Davon befinden sich Geschäftsanteile in Höhe von 815.000 RM in jüdischer Hand.
Von den fünf Aufsichtsräten sind zwei Juden, von den zwei Vorsitzenden Einer. 

Die „Industrie- und Handelskammer - IHK München“ stellt deshalb fest:

  • „Bei dem Unternehmen kann daher sowohl nach Besitz wie auch nach Führung nicht von einer arischen Firma gesprochen werden.
  • Diese Tatsache schließt unseres Erachtens eine Berücksichtigung bei Heereslieferungen aus“.
24. Januar 1937

München-Kreuzviertel * Während einer Predigt führt Pater Rupert Mayer in der „Sankt-Michaels-Kirche“ aus: 

  • „Die Zeiten sind vorbei, wo wir geglaubt haben, was in der Zeitung steht!
  • Glaubt überhaupt keiner Zeitung, wenn sie sich mit sittlichreligiösen Dingen befaßt! Hört nicht darauf! Lest keine Zeitungen!
  • Und jetzt, wenn ihr hinausgeht, dann möchte ich, daß eine religiöse Welle von der Kirche aus sich auf die Straße ergießt und von der Straße aus in die einzelnen Häuser!“
Februar 1937

München * Karl Valentin schmückt einen Festwagen für den „Münchner Faschingszug“.

Darauf türmt sich ein Verkehrsschilderchaos.
Darunter steht geschrieben: „I kenn mi nimmer aus“.

Mitten zwischen den Verbots- und Gebotsschildern steht ein einsamer Wegweiser: „Nach Dachau“.

14. Februar 1937

München-Kreuzviertel * In einer Predigt in der „Michaelskirche“ schätzt „Kardinal“ Michael von Faulhaber den Konkordatsabschluss folgendermaßen ein:   

„Zu einer Zeit da die Oberhäupter der Weltreiche in kühler Reserve und mehr oder minder voll Mißtrauen dem neuen Deutschen Reiche gegenüberstanden, hat die katholische Kirche, die höchste sittliche Macht auf Erden, mit dem Konkordat der neuen deutschen Regierung ihr Vertrauen ausgesprochen“

Für das Ansehen der nationalsozialistischen Regierung im Ausland war diese Aussage eine Tat von unschätzbarer Tragweite. 

7. April 1937

Berlin * Pater Rupert Mayer erhält Redeverbot für das gesamte Reichsgebiet wegen „staatsabträglichen Reden“ durch das „Reichssicherheitshauptamt“ in Berlin.

28. April 1937

Berlin * Die „Polizeidienststellen“ werden verpflichtet, Personen, die einer geplanten Emigration verdächtigt werden, der „Finanzbehörde“ anzuzeigen.

1. Mai 1937

München * Der „Scharfrichter“ Johann Reichhart wird Mitglied der NSDAP.

5. Juni 1937

München * Pater Rupert Mayer wird wegen „Nichtbeachtung des Redeverbots“ in der „Gestapo-Zentrale im Wittelsbacher Palais“, dann im „Corneliusgefängnis“ und schließlich im „Gefängnis Stadelheim“ inhaftiert.

Die Anklage vom 7. Juli wird ihm vorgeworfen: „[...] fortgesetzt öffentlich hetzerische Äußerungen über leitende Persönlichkeiten des Staates und deren Anordnungen gemacht zu haben, die geeignet sind, das Vertrauen des Volkes zur politischen Führung zu untergraben“.

12. Juni 1937

Berlin * Durch einen Geheimerlass des Chefs der „Sicherheitspolizei“ und des „SD“, Reinhard Heydrich, werden „jüdische Rasseschänder“ und Partnerinnen in „rassenschänderischen Beziehungen“ nach Verbüßung der Haftstrafe in ein „Konzentrationslager“ eingewiesen.

18. Juni 1937

München-Hackenviertel * Karl Valentins „Panoptikum“ ist umgezogen und befindet sich jetzt im Färbergraben 33. 

18. Juli 1937

München-Lehel - München * Knapp vier Jahre nach der Grundsteinlegung wird das „Haus der Deutschen Kunst“ mit der ersten „Großen Deutschen Kunstausstellung“ eröffnet.

Höhepunkt des drei Tage währenden „Tages der Deutschen Kunst“ ist der Festumzug „Zweitausend Jahre deutsche Kultur“.

22. Juli 1937

München * Am 22. und 23. Juli 1937 findet die Hauptverhandlung vor dem „Sondergericht München“ statt.

Pater Rupert Mayer wird wegen „Kanzelmissbrauchs“ und „Verstoß gegen das Heimtückegesetz“ zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.
Die Haftstrafe muss der Verurteilte nicht absitzen, weil er sich laut Urteilsbegründung, „im Felde äußerst tapfer benommen hat“ sowie „schwer kriegsbeschädigt ist“.

Obwohl Rupert Mayer als Überzeugungstäter eingestuft wird („... sich der Angeklagte bewußt war, daß das Kirchenvolk seinen Äußerungen eine weit stärkere Bedeutung beimaß als den Äußerungen irgendeines mehr oder weniger bekannten Geistlichen.“), zögert der NS-Staat, wegen dessen Popularität und der Machtstellung der katholischen Kirche noch härter gegen den Priester vorzugehen.

25. Juli 1937

München * Karl Valentin beklagt sich in einem Brief an Hans H. Zerlett, dem Regisseur des Films „Im Schallplattenladen“, über seine eigene finanzielle Lage. Darin greift er Heinz Rühmann an: 

„Herr Rühmann (bitte um Diskretion) spielt jährlich mindestens drei Filme á 20.000.- Mark.
Seine Frau soll nicht arischer Abstammung sein.
Warum hat [...] dieser Mann den Vorzug?
Soll ich mich noch scheiden lassen und eine andersrassige Dame heiraten?“

31. Juli 1937

Schloss Nymphenburg * Auch bei der zweiten „Nacht der Amazonen“ ergießt sich zuvor ein Regenguss über die „Hauptstadt der Bewegung“, doch dann ist es wieder freundlich.

Rund 2.800 Kostümierte wirken bei dem Festspiel mit.
Der „Nymphenburger Park“ ist von 1,2 Millionen Kerzen illuminiert.

25. August 1937

Berlin * Die Zuständigkeiten der „Scharfrichter“ im Deutschen Reich werden neu festgelegt.

Es gibt reichsweit drei „Scharfrichter“.

September 1937

München-Theresienwiese * Mehrere „Pferderennen“ finden auf der „Theresienwiese“ statt:

  • ein „Xaver-Krenkl-Rennen“,
  • ein „August-Schichtl-Trabfahren“ und
  • ein „Winzerer-Fähndl-Hürdenrennen“.

Als Attraktion fahren die „Wiesnbesucher“ in Hugo Haases „See-Scouter“ in Motorbooten „zu den gefährlichsten Karambolagen, während hilfsbereite Matrosen in hohen Wasserstiefeln mit langen Stangen für die nötige Ordnung“ sorgen.

November 1937

München * Die „Ein- und Verkaufsgenossenschaft für das Droschkengewerbe Münchens, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung“ wird in „Genossenschaft der Münchner Droschkenunternehmer GmbH“ umbenannt. 

November 1937

München-Geiselgasteig * Erich Engels führt Regie in dem 20-Minuten-Film „Ewig Dein“ mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt.

Gedreht wird in Geiselgasteig.
Der Film ist bis auf ein 58 Meter langes Fragment verschollen.

8. November 1937

München-Isarvorstadt * Im „Bibliotheksbau des Deutschen Museums“ wird die Ausstellung „Der ewige Jude“ eröffnet.

Sie hilft die folgenden „antisemitischen Pogrome“ vorzubereiten.

11. November 1937

München-Bogenhausen * Die ehemalige „Thomas-Mann-Villa“ in der Poschingerstraße 1 (heute: Thomas-Mann-Allee 10) wird dem „Lebensborn“ zur Verfügung gestellt.

Er richtet hier seine Zentrale ein, nachdem der Vereinssitz von Berlin nach München verlegt wird.

Um den Dezember 1937

München-Au - New York * Der von Ludwig Weinberger gestaltete „Bugatti Royale“ erleidet infolge eines eingefrorenen Kühlsystems einen kapitalen Motorschaden.

Schließlich gelangt der Wagen auf einen Schrottplatz in der Bronx. 

Dezember 1937

München * Im „Arri-Atelier“ entsteht der Werbefilm „Braunkohlesyndikat“ mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt.

Der Film ist verschollen.

26. Dezember 1937

München * Pater Rupert Mayer beginnt - trotz seines Verbotes - wieder zu predigen.

Er setzt seine Predigten am 1. und 2. Januar 1938 fort.


Verwendet in Führung:

03. Der Gasteig - Ein Stück Alt-München
16. „An jedem Eck a Gaudi“ - Die Münchner Volkssänger
38. Richard-Wagner-Straße



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