31. Juli 1932

Die Konsequenzen einer Naziherrschaft für das ganze Land

München * Dr. Fritz Gerlich beschreibt in der Zeitschrift „Der gerade Weg“ die Konsequenzen einer Naziherrschaft für das ganze Land:

„Nationalismus bedeutet: Feindschaft mit den benachbarten Nationen, Gewaltherrschaft im Inneren, Bürgerkrieg, Völkerkrieg.
Nationalsozialismus heißt auch: Lüge, Hass, Brudermord und grenzenlose Not“
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Zeitschrift: Der gerade Weg, Nationalsozialismus, Bürgerkrieg, Gewaltherrschaft, Völkerkrieg, Brudermord,

Personen

Gerlich Fritz Dr.

Weitere Ereignisse im Jahr 1932

1932

München-Au * Ludwig Weinberger junior macht den Zwanzig-Mann-Betrieb in der Zeppelinstraße 41 in der Autowelt über Nacht berühmt.

Der Nürnberger Modearzt Dr. Joseph Fuchs, der bereits auch einige Rennen mit kleineren „Bugatti-Rennwagen“ gefahren ist, lässt in der Werkstatt in der Au sein „Bugatti Royale“-Fahrgestell (Typ 41) mit einer imposanten Karosserie versehen.

Das Chassis 41-121 ist das erste Fahrgestell der „Bugatti-Royale“-Serie, das nur einen Aufbau erhält.

Das Luxusauto erhält eine Cabriolet-Karosserie mit langer Motorhaube und knapp geschnittenem Fahrgastabteil.
Das Auto wird mit einer schwarzen Lackierung, die auch die postgelb abgefassten Tür- und Seitenbänder aufweist, und hellem Verdeck ausgeliefert.
Die Sitze werden mit grobporigem Schweinsleder bezogen.
Die Kühlermaske und die Stoßstangen sind verchromt.

Drei Monate dauert die Herstellung der „Karosserie“, die etwa 7.000 RM kostet.
Das Fahrgestell für das Auto der Luxusklasse war rund 75.000 RM teuer.
Der Gesamtpreis entspricht dem Wert von mehr als acht Einfamilienhäusern. 

Ab 1932

München-Untergiesing * Auf dem Areal der ehemaligen Untergiesinger Lederfabrik entsteht eine Wohnsiedlung, deren Hauptachse die Waldeckstraße ist. 

Es werden Häuser mit expressionistischen Fassaden und mit Wohnungen gehobenen Stils errichtet.

Der „Beamtenblock“ umschließt einer Burg gleich einen großen Innenhof. Die Fenster in der Vorderfront gleichen in ihrer länglichen schmalen Form eher Schießscharten.

1932

München-Kreuzviertel * Der „Kenotaph“ für Kaiser Ludwig dem Baiern wird unter den Südturm der „Frauenkirche“ verschoben.

1932

München-Maxvorstadt * Die „Amperwerke“ werden mit der übernahme der „Oberbayerischen Überlandzentrale - OBüZ“ zum größten oberbayerischen Stromversorgungsunternehmen, noch vor den „Isarwerken“.

1932

München-Englischer Garten - Schwabing * Das „Sckell-Denkmal“ am Südufer des „Kleinhesseloher Sees“ muss abgetragen werden.

Das aus „Grünkalkstein“ bestehende Denkmal ist schnell verwittert.

1932

München-Maxvorstadt * Der „Oberingenieurs-Ehefrau“ Margarete Merz aus Bielefeld gehört das Anwesen Richard-Wagner-Straße 9.

1932

München-Haidhausen * Der Braubetrieb im „Bürgerlichen Bräuhaus“ an der Kellerstraße in Haidhausen wird eingestellt.

3. Januar 1932

München * Der „Illustrierte Sonntag“ wird in „Der gerade Weg - Deutsche Zeitung für Wahrheit und Recht“ umbenannt.

12. Januar 1932

München-Isarvorstadt * Im Kolosseum, Kolosseumstraße 4, kommt die Valentin-Komödie Er und Sie zur Uraufführung. Das Stück beruht im Wesentlichen auf dem Stummfilm Karl Valentin und Liesl Karlstadt auf der Oktoberfestwiese von 1923. Es erlebt 87 Vorstellungen.

5. März 1932

München * Dr. Fritz Gerlich überschreibt die Zeitung „Der gerade Weg“ mit den Worten: 

„Nein! Nein! Nein! Kein Katholik darf nationalistisch wählen“.

6. März 1932

München * Dr. Fritz Gerlich kommentiert Auszüge aus Hitlers „Mein Kampf“ und identifiziert Alfred Rosenberg, den „Chefredakteur des Völkischen Beobachters“, als den eigentlichen „geistigen und weltanschaulichen Führer des Nationalsozialismus“, der „turmhoch über dem kleinen Dekorationsmaler aus Braunau steht“.

Rosenberg hat in seinem Buch „Mythos des 20. Jahrhunderts“ klar Position „gegen deutsch-christliche und speziell katholische Ideen“ bezogen.

1. April 1932

München-Trudering * Die bis dahin eigenständige „Gemeinde Trudering“ wird nach München eingemeindet.

Um Mehrfachbenennungen von Straßennamen zu vermeiden müssen Straßen umbenannt werden. 

8. April 1932

München-Angerviertel * Ein Großbrand zerstört in der Nacht auf den 8. April 1932 weite Teile der verbliebenen nördlichen „Schrannenhalle“.  

Die Reste werden abgetragen, nur der nördliche Kopfbau (heute „Der Pschorr“) bleibt erhalten - und dient später für Jahrzehnte als „Freibank“

9. April 1932

Tiptonville * Carl Perkins wird in Tiptonville, Tennessee, geboren. 

10. April 1932

Deutsches Reich * Bei der Stichwahl um das Amt des „Reichspräsidenten“ zwischen Paul Hindenburg und Adolf Hitler erzielt der „Führer der NSDAP“ im „Wahlkreis Oberbayern-Schwaben“ mit 24,9 Prozent das drittschlechteste Ergebnis im gesamten Reich (36,8 Prozent). 

10. April 1932

München * Dr. Fritz Gerlich schreibt im „Geraden Weg“ die Zeilen:
„Den Führern der NSDAP kann man nicht den Vorwurf machen, sie verschwiegen ihre letzten Ziele“.

16. Mai 1932

München-Geiselgasteig * Die Dreharbeiten für Karl Valentins und Liesl Karlstadts ersten abendfüllenden Tonfilm „Die verkaufte Braut“ in den Emelka-Studios in Geiselgasteig beginnen. Sie dauern bis zum 5. Juli 1932.

Der Regisseur Max Ophüls versteht es ausgezeichnet, sich auf Karl Valentins Textschwäche einzustellen.

4. Juni 1932

München * Zu Karl Valentins 50. Geburtstag trägt Liesl Karlstadt ein langes und liebevolles Geburtstagsgedicht vor. 

9. Juli 1932

Lausanne * Eine internationale Konferenz zur Regelung der Reparationsfrage führt zur Aufhebung des Young-Plans und dem Ende der deutschen Zahlungen. 

20. Juli 1932

Berlin * An diesem Tag kommt es zum sogenannten Preußenstaatsstreich. Mit Vollmacht des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg setzt Reichskanzler Franz von Papen die sozialdemokratische Preußische Staatsregierung ab und ernennt sich selbst zum Reichskommissar für Preußen

Die preußischen Ministerien werden durch die Reichswehr besetzt und die Minister unter Gewaltandrohung aufgefordert, ihre Amtsräume zu verlassen. Preußen erhält den Status eines Reichslandes, das ohne eigene Regierung, von der Reichsregierung mit der linken Hand mitregiert wird. Das bedeutet das Ende der staatlichen Eigenexistenz Preußens, womit die diplomatische Vertretung an der Prinzregentenstraße überflüssig geworden ist.

Die Schack-Galerie wird seither - bis zum Jahr 1939 - von der Berliner Schlösserverwaltung betreut. Mit dem Verschwinden der Preußischen Gesandtschaft geht aber auch ein Stück bayerische Eigenständigkeit verloren.

16. August 1932

München * Uraufführung des Valentin-Karlstadt-Films „Die verkaufte Braut“ im Phoebus-Palast und im Gloria-Filmpalast“

Ab dem 16. August 1932

München * Liesl Karlstadt steht in dem Stück „Die drei Gschpusi der Zenta“ mit großem Erfolg auf der Bühne.

Karl Valentin hält von diesen „Eskapaden“ nicht sehr viel.

20. August 1932

Berlin * Karl Gandorfer stirbt während einer Rede im „Reichstag“ in Berlin. 

28. August 1932

München * In der „Süddeutschen Sonntagspost“ erscheinen unter dem Titel „Karl Valentin der Lausbub“ die Jugenderinnerungen des großen Komikers.

28. September 1932

Berlin * Ein Erlass des preußischen „Innenministeriums“ regelt das „öffentliche Baden“.  

Er wird auch „Zwickelerlass“ genannt, weil das Wort „Zwickel“ [Stoffeinsatz im Schritt] häufig vorkommt.  
Der Grund liegt in der immer knapper werdenden Badebekleidung der Frauen in den 1920er Jahren.  

  • Paragraph 1 regelt demzufolge auch, dass „das Baden in anstößiger Badekleidung“ verboten ist.  
  • Das „Öffentliche Nacktbaden“ wird generell untersagt.  
  • „Frauen dürfen öffentlich nur baden, falls sie einen Badeanzug tragen, der Brust und Leib an der Vorderseite des Oberkörpers vollständig bedeckt, unter den Armen fest anliegt sowie mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist.
    Der Rückenausschnitt des Badeanzugs darf nicht über das untere Ende der Schulterblätter hinausgehen“
    .
  • „Männer dürfen öffentlich nur baden, falls sie wenigstens eine Badehose tragen, die mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist.
    In sogenannten Familienbädern haben Männer einen Badeanzug zu tragen“.

Der „Zwickelerlass“ sorgt für große Heiterkeit in der Presse. 

7. Oktober 1932

München-Graggenau - München-Zamdorf * Der Münchner Stadtrat beschließt die Vorschläge der Namensbezeichnungen mit „kolonialem Bezug“ für die „Windhukstraße“, „Dualastraße“, „Günther-Plüschow-Straße“ und „Karl-Peters-Straße“.

Die Beschlüsse fasst der Stadtrat einstimmig.
Begründet werden die Straßenbenennungen mit der Erinnerung an die „geraubten ehemaligen deutschen Kolonien“

Ab 26. November 1932

München-Geiselgasteig * Der 29-Minuten-Film Im Photoatelier, nach der gleichnamigen Originalszene von Karl Valentin und Liesl Karlstadt, wird in Geiselgasteig gedreht.

Dezember 1932

München-Ludwigsvorstadt * Karl Valentin und Liesl Karlstadt treten im „Deutschen Theater“ in der Raubritter-Revue „Wie‘s früher war“ auf.

15. Dezember 1932

München * Die Zeitschrift „Der gerade Weg“ erscheint zweimal wöchentlich.


Verwendet in Führung:

36. Täterorte - Opferorte * Nationalsozialismus
38. Richard-Wagner-Straße




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