1879

Der Kampf gegen die privaten Arbeitsvermittler

München - Museumsinsel * Nach einem Bericht des „Münchener Gewerkschaftsvereins“ liegen die Einschreibegebühren für die privaten Arbeitsvermittler zwischen 50 Pfennigen und einer Mark.

Nach der Vermittlung eines Arbeitsplatzes ist eine entsprechende Gebühr fällig, die sich nach dem zu erwartenden Lohn ausrichtet.
Sie beträgt, bei einem Monatsverdienst von 10 bis 50 Mark, die Hälfte bis zu einem doppelten Monatslohn.

Die Vermittlungsgebühr zahlt zuerst der Arbeitgeber, der sie dann zumeist dem Arbeitnehmer vom Lohn abzieht.

Die Einrichtung von zentralen städtischen oder staatlichen Arbeitsvermittlungen ist ein besonderes Anliegen der Gewerkschaften, deren Einsatz die Münchner Stadtverwaltung zu einem fortschrittlichen Handeln bewegen wird.


1879

Suchbegriffe

Gewerkschaftsverein, Gewerkschaft, Arbeitsvermittler, Einschreibegebühr, Vermittlungsgebühr, ,

Weitere Ereignisse im Jahr 1879

1879

Deutsches Reich * Friedrich Fabri, ein aus Franken stammender „Missionsleiter, Expansionspublizist, Kolonial- und Sozialpolitiker“, veröffentlicht eine aufsehenerregende Broschüre, in der er die Frage stellte: „Bedarf Deutschland der Kolonien?“.  

Fabri gilt gemeinhin als „Vater der deutschen Kolonialbewegung“.
Er sieht in der „Überbevölkerung“, der „Überproduktion“ und dem „Kapitalüberschuss“ die eigentlichen Ursachen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krisenerscheinungen des Kaiserreichs.

Friedrich Fabris „Krisentherapie“ besteht aus einer „Exportoffensive“ an Waren, Kapital und Menschen. Durch eine „gelenkte Auswanderung“ und gegebenenfalls auch der „Deportation“ der Kräfte aus der sich emanzipierenden sozialistischen „Arbeiterschaft“, die an ihren „systemverändernden Absichten“ festhielten, könnte auch die „Soziale Frage“ nach „Übersee“ exportiert werden.

Friedrich Fabri stilisierte damit die „Frage nach deutschen Kolonien“ zu einer deutschen „Überlebensfrage“ hoch. 

1879

Angerviertel * Zwölf hauptamtliche „Feuerwehrmänner“, ein „Telegraphist“ und ein „Oberfeuerwehrmann“ beziehen das „Hauptfeuerhaus“ am Heumarkt 13, dem heutigen Jakobsplatz.

Ziel und Zweck der „hauptamtlichen Wache“ ist:
„Bei jedem im Burgfrieden der Stadt München ausbrechenden Brande in möglichster Schnelligkeit nach der Brandstätte zu eilen, und ein dortselbst ausgebrochenes Schadenfeuer wo möglich im Entstehen zu unterdrücken, oder wenn dies nicht mehr möglich ist, zu versuchen, dasselbe so lange zu beschränken, bis die Abteilungen der freiwilligen oder der städtischen Feuerwehr zur Hilfe auf der Brandstätte erschienen sind“.

1879

Untergiesing * Im „Münchner Fremdenblatt“ sind - 25 Jahre nach der Eingemeindung - über Giesing folgende Zeilen zu lesen: 

„(...) Viel berechtigter wäre der Ausspruch: „Die neue Wittelsbacherbrücke sei über die Isar gebaut, um bei ihrem prächtigen Anblick zu vergessen, welche Enttäuschung folgt, wenn man sie überschritten hat und sich einer Vorstadt nähert.

Da wir einmal auf dem Wege sind, wollen wir uns auf dem Schyrenplatz, so genannt zum Andenken der Wittelsbacher Ahnen, weiter wagen; denn es ist Schönwetter und die Police der Unfallversicherung in unserer Tasche.

Die Stadt hat aufgehört und liegt hinter uns - das Dorf beginnt, und zwar ein schmutziges Dorf.
Lassen wir den Tummelplatz des Rieser und niederbayerischen Federviehs (den Weideplatz der Martinsvögel, die jedoch hier zu jeder Zeit vertilgt werden, wenn sie nur 'gansln'), links liegen und haben wir die blauweiße Tafel passiert, auf der geschrieben steht „Gänsemarkt“, so kommen wir rechts vor dem Eingang in das eigentliche Giesing, an eine eigentümliche Fallgrube.

Auf unser Befragen hin wurde uns mitgeteilt, das sie die Universalabtrittsgrube der Adjazenten [= Anwohner] weit herum bilde, die in ihren Häusern des allernötigsten Rückzugsortes entbehren, der für alle zivilisierten Völker der notwendigste ist.
Gleich neben der Kommunegrube arbeitet die Wasserversorgungsanstalt, welche die Vorstadt mit filtriertem (?) Isarwasser beglückt.

Und wieder nur einen Schritt weiter kommen wir an eine Pfütze, an ein Stinkwasser, das von Zeit zu Zeit ein ärgeres Parfüm ausströmt, als alle Böcke von Bar el Maserim - und wahrhaftig diese stinken arg.
Giesing hat eine Gemeinschaft mit allen orientalischen Städten, nämlich: man soll sie von weitem anschauen, aber nicht hineingehen. [...]

Links ein eingeplankter Garten, rechts Holzhütten, in deren Vergleich die Troglodyten [= Höhlenbewohner] noch besser logiert haben, schließen eine Straße ein, zu deren Herstellung respektive Erweiterung schon längst hätte energisch vorgegangen werden müssen - wenn eben Giesing kein Stiefkind der Stadt wäre.

Einstimmig muß man von den Giesingern hören:
„Wir sind nur gut genug, Steuern und Abgaben zu bezahlen, im übrigen schert sich kein Mensch um uns“. [...]

In dem ganzen zur Stadt gehörigen Giesing ist mit Ausnahme der Tegernseer Landstraße kein Trottoir; bei jedem Regen stehen die Tümpel in den Straßen, die nach längerer Zeit die Luft verpesten und die Gesundheit schädigen.

Während in den übrigen Vorstädten die Nacht hindurch die bestimmten Gaslaternen noch Licht haben, ist diese Wohltat für die Giesinger nicht gegeben; um 1 Uhr nachts sind alle Lichter gelöscht - um diese Zeit hat eben der Giesinger nichts mehr auf der Straße zu suchen!“

1879

München * München hat 101 „Weinwirtschaften“.

1879

Wiesbaden * Carl von Linde gibt seine akademische Laufbahn auf und gründet in Wiesbaden die „Gesellschaft für Lindes Eismaschinen AG“.

1879

Maxvorstadt * Der Brunnen im „Münchner Glaspalast“ am „Alten Botanischen Garten“ wird abgebaut und im Bauhof eingelagert. 

1879

Obergiesing * Seit der Gründung der Privatstiftung „Marianum“ werden die vierundzwanzig Mädchen bei den „Armen Schulschwestern“ in der Kistlerstraße in Obergiesing im Näherei- und Stickereihandwerk ausgebildet.

1879

München * Die Künstlervereinigung „Allotria“ wählt Franz Lenbach zu ihrem „Präsidenten auf Lebenszeit“.

1879

Au * Das „Bezirksgefängnis am Lilienberg“ wird in „Landgerichtsgefängnis München II“ umbenannt.

1879

Friaul - Bayern * Durch die neue Bahnlinie verkürzt sich die Reisedauer der italienischen „Ziegeleiarbeiter“ auf zwei Tage.

Bis dahin mussten sie den ganzen Weg über die Alpen zu Fuß zurücklegen. Das dauerte etwa 10 Tage.

1879

München * Droht ihm ein Bewerber beim „Steinheben“ den Rang abzulaufen, lässt der „Steyrer Hans“ einen schwereren Steinbrocken anfertigen.

Mit 508 Pfund erreicht er seinen ersten Höhepunkt, den er wenig später um weitere zwanzig Pfund überbietet. Eine Steigerung ist dann allerdings nicht mehr drin.

Den schweren Brocken am Mittelfinger der rechten Hand hängend, verschafft er der linken schließlich noch ein wenig Beschäftigung zum Ausgleich: Mit ihr hält er gleichzeitig eine 100 Pfund schwere Eisenkugel mit gestreckter Hand in der Waagerechten.

1879

Au * Das „Neue Vorstadt-Theater“ in der Au beim „Damenwirth“ wird gegründet.

Januar 1879

Schloss Herrenchiemsee * Der Rohbau von „Schloss Herrenchiemsee“ ist weitestgehend fertiggestellt. 

Der Innenausbau beginnt im Frühjahr. 

8. April 1879

München * Der Münchner „Volkssänger“ Georg Schwarz wird zu sechs Mark Strafe verurteilt. 

Er hat bei Abendauftritten am 27. November 1878 im „Fraunhofergarten“ und am 4. Dezember 1878 im „Braunauerhof“ Bärte, Perücken, Zylinder und „andere Versatzstücke“ benutzt.

24. August 1879

Haidhausen * Einweihung der neuen „Johann-Baptist-Pfarrkirche“ in Haidhausen. 

September 1879

Theresienwiese * Von 1879 bis 1903 bewirtschaftet der Steyrer Hans eine „Braubude“ auf dem „Oktoberfest“.

Zuerst betreibt er eine „Festbude“ der „Pschorr-Brauerei“, um dann in den 1890er Jahren das „Kraftbier“ der Spatenbrauerei zu verzapfen. Dazu pachtet er gemeinsam mit seinem Schwager, dem Gastwirt Wilhelm Schäffer, zwei nebeneinanderliegende Budenplätze und errichtet darauf eine „Doppelbude“.

Eine „Athleten-Kapelle“ spielt zur Unterhaltung auf. „Kraftbier“, „Kraftfleisch“, „Kraftsemmeln“ und eine „Kraftbrühe“ werden angeboten.

Hier zeigt er auch sein viel bewundertes „Athleten-Kunststück“. Der „Steyrer“ packt ein mit dreißig bis vierzig Litern Bier gefülltes Fass mit zwei Fingern am Rand und hebt es vom Boden auf den Schanktisch.

Der „Steyrer Hans“ versteht es außerordentlich gut, für sich und seine Geschäfte zu werben und so seine Popularität zu steigern. Er will in seiner „Festbude“ seine schwergewichtigen Requisiten, darunter seine „Schnupftabakdose“, ausstellen. Als ihm der „Magistrat“ dazu die Erlaubnis verweigert, drückt er sein Bedauern in Anzeigen aus, nicht jedoch ohne darauf hinzuweisen, dass das Publikum das interessante Schauerlebnis jederzeit im Saal seines Gasthauses nachholen könne.

7. Oktober 1879

Wien * Das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn schließen sich in Wien zum sogenannten „Zweibund“ zusammen. 

24. Dezember 1879

München * Die Münchner erleben mit minus 13,5 Grad den kältesten Heiligabend seit es Wetteraufzeichnungen gibt. 


Verwendet in Führung:

07. Reif für die Inseln?



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