Ab 2. Oktober 1921

Franz Halmanseger, der „Rekommandeur“ vor dem „Hippodrom“

München-Theresienwiese * Franz Halmanseger, „Dienstmann am Münchner Hauptbahnhof“, spielt bis zu seinem Tod im Jahr 1962 den „Rekommandeur“ - heute würde man sagen „Animateur“ vor dem „Hippodrom“

Er ist die Personifikation des „Herrenreiters“

Im roten Rock, weißen Breeches, schwarzen Stiefeln und gebürstetem Zylinder, die Chrysantheme im Knopfloch, das Monokel am Auge, das Gesicht blasiert erstarrt, wippt er elegant mit seiner Reitpeitsche und deutete mit kaum merklichem Schulterzucken und Kniefedern den Rhythmus von Trab und Galopp an.


1921

Suchbegriffe

Oktoberfest, Hippodrom, Rekommandeur, Animateur, Herrenreiter, ,

Weitere Ereignisse im Jahr 1921

1921

München * Der in diesem Jahr entstandene Karl-Valentin-Film „Drei Stunden im Himmel“ ist verschollen.

1921

Wien * Der „Österreichische Gebirgsverein - öGV“ führt den „Arier-Paragraphen“ ein.

1921

Wien * Der „Österreichische Alpenklub - öAK“ führt den „Arier-Paragraphen“ ein.

1921

Berlin - München * Das „Reichsgericht“ erklärt den bayerischen Alleingang der „Unvereinbarkeit zwischen Ehe und Lehrberuf“, also das „Zölibat für Lehrerinnen“, für verfassungswidrig und beendet.  

Trotzdem kommt es in Bayern immer wieder zu Entlassungen verheirateter Frauen.

Selbst „Dienstwohnungen I. Ordnung“ können Lehrerinnen nicht erhalten, da sie den männlichen Lehramtsinhabern vorbehalten sind. 

1921

München-Maxvorstadt * Die Herrschafts-Villa an der Brienner Straße 38/40 gehört den „Amper-Werken Elektrizität AG“.

1921

München-Bogenhausen * Der Inhaber der Chemiefirma „Pharmacia M. Schmidt & Co“ Gerhard Schmidt erwirbt das Anwesen der ehemaligen „Gaststätte und Metzgerei Betz“ an der Ismaninger Straße.

Um 1921

München * Karl Valentin, Liesl Karlstadt und August Junker spielen die Hauptrollen in dem Stummfilm „Zirkus Schnabelmann“.

Der Film ist verschollen.

1921

München * Dreharbeiten zu dem Stummfilm „Die Schönheitskonkurrenz oder: Das Urteil des Paris“ mit Karl Valentin und August Junker.

Um 1921

München * Karl Valentin spielt in dem Stummfilm „Der dritte Schlüssel“ einen Amtsdiener.

Der Film ist verschollen.

1921

München * Der Stummfilm „Der ‚entflohene‘ Hauptdarsteller“ entsteht.

Wahrscheinlich ist das Fragment „Karl Valentin und Liesl Karlstadt auf der Oktoberfestwiese“ diesem verschollenen Film zuzuordnen.

1921

München-Maxvorstadt„Gabriels Tonbildtheater“ in der Dachauer Straße 16 wird in „Carl Gabriels Lichtspiele“ umbenannt.

1921

München * Die „Bürgerbräu AG“ fusioniert mit der „Löwenbräu AG“.

1921

München-Maxvorstadt * Neuer Eigentümer der Anwesen Richard-Wagner-Straße 3 und 5 sind die „Farbenfabriken, vormals Friedr. Bayer u. Co. Leverkusen“.

1921

München-Haidhausen * Pater Rupert Mayer tritt bei einer NS-Veranstaltung im „Bürgerbräukeller“ ans Rednerpult, um den Anwesenden seine ablehnende Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus darzulegen.

1921

München-Au * Die „Münchner-Kindl-Brauerei“ wird stillgelegt.

Ab 1921

München-Isarvorstadt * Zwischen 1921 und 1923 ist Adolf Hitler häufig Gast in der „Deutschen Eiche“.

Die Parteizentrale der Nazis befindet sich in der Corneliusstraße.

1921

München-Milbertshofen„Die Rosenau“, das Gartenlokal in der Schleißheimer Straße 128, wird geschlossen.

Karl Valentin wird das Gartenlokal in seinem Bühnenstück „Das Brilliantfeuerwerk oder ein Sonntag in der Rosenau“ verewigen.

1921

München-Maxvorstadt * Die „Kaufmänner“ Paul und Siegwart Steinharten sind Eigentümer der Anwesen Richard-Wagner-Straße 16 und 18.

1921

München * Die „Alpenvereins-Sektion München“ führt den „Arier-Paragraphen“ ein.

1921

Kaltenberg * Joseph Schülein kauft das „Schlossgut Kaltenberg“, das kurzfristig in der Fusionsmasse zwischen „Löwenbräu“ und „Unionsbräu“ aufgegangen war, zurück.

Ab dem Jahr 1921

München * Lion Feuchtwanger arbeitet an dem Roman „Jud Süß“

5. Januar 1921

München * Die Aktionäre der „Löwenbräu AG“ stimmen der Fusion mit der „Unionsbrauerei“ rückwirkend zum 1. Oktober 1919 zu. 

Obwohl Friedrich Ritter von Mildner offiziell den Posten des „Vorstandsvorsitzenden“ übernimmt, leitet dennoch Dr. Hermann Schülein das Großunternehmen.

Februar 1921

München-Hackenviertel * Karl Valentin und Liesl Karlstadt gastieren bis Ende Januar 1922 im „Monachia“ am Karlstor.

Februar 1921

München-Au * Bis zur Fertigstellung der „Martin-Luther-Kirche“ kann auch im Turnsaal der „Kolumbusschule“ der evangelische Sonntagsgottesdienst abgehalten werden.

7. März 1921

Vatikan * Michael von Faulhaber, der Erzbischof von München-Freising, wird durch Papst Benedikt XV. in Rom in das „Kardinalskollegium“ aufgenommen.

20. März 1921

Vatikan - München * Der frisch ernannte „Kardinal“ Michael von Faulhaber kommt in seine „Erzdiözese“ zurück und wird von zahlreichen Gläubigen, Persönlichkeiten und „Studentenverbindungen“ empfangen.

April 1921

Wien * Die von ihren „arisierten“ Sektionen ausgeschlossenen Juden gründen die „Sektion Donauland“.

Dieser gehören bald 4.000 Mitglieder an, von denen ein Fünftel Nicht-Juden sind und aus Solidarität beitreten.

8. April 1921

München * Welche antisemitische Stimmung in Bayern weit verbreitet ist, zeigt ein Beitrag des Schriftstellers Ludwig Thoma, den er anonym im viel gelesenen „Miesbacher Anzeiger“ drucken lässt: 

„In München haben wir mit der Hinrichtung des Eisner den Nachweis geliefert, dass es uns nicht an Temperament fehlt. [...]  
Immerhin waren dies nur Vorspiele zu größeren Kuren, die wir uns gelobt haben für den Fall, dass sich die Beschnittenen bei uns noch einmal mausig machen. Dann geht‘s in die Vollen“
.

13. Mai 1921

München * Hugo Alois von Maffei stirbt. 

Bis zuletzt ist er Aufsichtsratsvorsitzender der „Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank“.

Um Juni 1921

Wien * Die „Sektion Donauland“ wird gegen die mehrheitliche ablehnende Haltung der „Wiener Sektionen“ vom „Hauptausschuss des DuOeAV“ mit einer Stimme Mehrheit genehmigt.

27. Juli 1921

Tegernsee * Der „Weltkriegs-General“ Erich Ludendorff besucht Ludwig Thoma auf der „Tuften 12“

August 1921

München * Die beiden Fememörder des erschossenen ehemaligen „Reichsfinanzministers“ Matthias Erzberger gehören - ebenso wie der Mordbefehlsgeber Freiherr Manfred von Killinger - nicht nur der „Organisation Consul - O.C.“, sondern auch dem „Germanenorden“ an.

6. August 1921

München * Ludwig Thoma wird an seinem „Magenkrebs“ operiert. 

18. August 1921

Miesbach * Im „Miesbacher Anzeiger“ erscheint der letzte antisemitische und antidemokratische Hassartikel von Ludwig Thoma. 

26. August 1921

Tegernsee * Ludwig Thoma stirbt in seinem Haus „Tuften 12“

29. August 1921

Rottach-Egern * Ludwig Thoma wird am Friedhof in Egern beerdigt.

Sein Grabnachbar ist Ludwig Ganghofer. 

28. September 1921

München * „Generalleutnant“ Otto Hermann von Lossow übernimmt die Befehlsgewalt über die in Bayern stationierte „7. Division“.

Oktober 1921

Wien * In der „Sektion Austria des DuOeAV“ wird mit 98 Protent aller abgegebenen Stimmen der „Arier-Grundsatz“ durchgesetzt.

2. Oktober 1921

München-Theresienwiese * Auf dem Münchner Oktoberfest betreibt Karl Valentin die von ihm entwickelte „Froschbahn“.

2. Oktober 1921

München-Theresienwiese * 13 Ochsen werden bis zum Wirsn-Ende in der „Ochsenbraterei“ gebraten.

2. Oktober 1921

München-Theresienwiese * Der Beginn des ersten Nachkriegs-„Oktoberfestes“ wird auf den ersten Sonntag im Oktober festgelegt.

18. Oktober 1921

Sárvár * Der abgesetzte König Ludwig III. stirbt in seinem ungarischen Exil Sárvár an den Folgen einer Lungenentzündung. 

Der Tod und die Rückkehr der sterblichen Hülle des alten Königs wird von ultrakonservativen Kreisen zur politischen Demonstration hochstilisiert.
Da für die
„Bayerische Staatsregierung“ ein „Staatsbegräbnis“ nicht in Frage kommt, stellt sich Gustav von Kahr als Privatperson für die Organisation der Feierlichkeiten zur Verfügung. 

Kahr verfolgt zielgerichtet sein Anliegen, bei den Trauerzeremonien die „Kraft des monarchischen Gedankens“ herauszustellen.  
Die geplanten Beisetzungsfeierlichkeiten für den abgesetzten König sollen eine
„Antwort auf den Trauerzug für den Revolutionär Kurt Eisner“ werden, der sich am 26. Februar 1919 mit nahezu 100.000 Menschen durch die Straßen Münchens bewegt hatte. 
Es sollte eine „Trauerfeier werden, wie sie München und Deutschland noch nie gesehen haben, ein Akt treuer Huldigung, aber auch Abbitte für das dem König angetane große Unrecht“

4. November 1921

München * Schon die Rückkehr des toten Königs Ludwig III. - in einem Sonderzug - soll zu einer Triumphfahrt werden.

Seit der Überschreitung der bayerischem Grenze läuteten entlang der Strecke die Kirchenglocken und auf den Bahnhöfen versammeln sich Amtsträger, Honoratioren und Vereine in der Landestracht. 

Der Sonderzug mit den sterblichen Überresten König Ludwigs III. macht in Wildenwart Zwischenstation, um den Sarg der Königin aufzunehmen. 

Um Mitternacht trifft der Zug schließlich in München ein, wo man noch in der selben Nacht die beiden Särge in die „Ludwigskirche“ bringt.

5. November 1921

München * Von der „Ludwigskirche“ aus führt der Weg des Trauerzugs für das tote Königspaar - über den Karolinenplatz und Königsplatz - zur „Frauenkirche“.  

Am „Trauerzug“ beteiligen sich 40.000 Personen, darunter eine große Anzahl staatlicher Beamte und Angestellte, die eigens aus den acht „Regierungsbezirken“ herangekarrt worden sind.
Der „Trauerzug“ vermittelt den Eindruck, als wären die alten Zeiten wieder zurückgekehrt und als hätte sich seit der Thronbesteigung Ludwigs III. im Jahr 1912 nichts entscheidendes geändert. 

Der „Prunk-Leichenwagen“ des Königs und der Wagen mit dem Sarg der Königin werden jeweils von sechs Pferden gezogen, die mit schwarzen, mit Kronen geschmückten Schabracken bedeckt sind. Zehntausende Zuschauer säumen den Weg. 

Da Münchens SPD-Bürgermeister Eduard Schmid verfügt hat, dass „die städtischen Ämter und Betriebe am Tag der Beisetzung grundsätzlich in vollem Umfange arbeiten“ müssen, müssen städtische Beamte für die „Teilnahme am Trauerzug“ eigens einen Urlaubstag opfern. 

Bei seiner „Traueransprache“ erneuert der erstgeborene Sohn Ludwigs III., „Kronprinz“ Rupprecht von Bayern, den Anspruch der Wittelsbacher auf die bayerische Krone. 

Doch die Befürchtungen der konservativen bayerischen Staatsregierung, dass die Trauerzeremonie mit der Proklamation Rupprechts zum neuen König von Bayern enden würde, erfüllen sich nicht, da sowohl der „Kronprinz“ als auch der „Regierungspräsident“ Gustav von Kahr den Zeitpunkt für noch nicht geeignet halten.

Anders die Kirche - und allen voran Kardinal Michael von Faulhaber.
Er fühlt sich aufgefordert mit der Revolution abzurechnen.  

Der hohe katholische Kleriker steht als Garant für das „Gottesgnadentum“ der angestammten Herrscher und für eine auf das christliche Herrschaftsverständnis gegründete Regierung. 

In seiner Trauerrede sagt „Kardinal“ Faulhaber in Anspielung auf die Hunger- und Friedensdemonstrationen vor und die revolutionären Veranstaltungen nach Kriegsende, besonders aber auf die Beisetzungsfeierlichkeiten für den ermordeten ersten demokratischen bayerischen „Ministerpräsidenten“ Kurt Eisner:  
„Die heutige Trauerfeier hebt sich durch die kirchliche Weihe himmelhoch hinauf über alles Trauertheater, das auf dem Straßenpflaster von München jemals gewesen ist“

Ausführlich hebt Faulhaber hervor, dass Ludwig III. „kein König von Volkes Gnaden“, sondern ein „König von Gottes Gnaden“ gewesen sei. 

Der monarchistische und antidemokratische Kirchenvertreter verurteilt die Revolution, indem er sagt: „Könige von Volkes Gnaden sind keine Gnade für das Volk, und wo das Volk sein eigener König ist, wird es über kurz oder lang sein eigener Totengräber“.  

Dieser Satz lässt den Kardinal am Ende des Zweiten Weltkrieges prophetisch erscheinen.
Ein größerer zeitlicher Abstand zeigt aber die Untauglichkeit solcher Ängste erzeugender Geschichtsverklärungen. 

Um den 15. November 1921

München-Lehel * Das „Café Prinzregent, das zu den schönsten und vornehmsten Münchner Kaffee-Gaststätten zählte“, wird geschlossen.  

Seine Räume werden in eine Bank umgewandelt. 

28. November 1921

München-Kreuzviertel * Pater Rupert Mayer wird durch Kardinal Michael von Faulhaber zum „Präses der Marianischen Männerkongregation am Bürgersaal in München“ ernannt. 

Unter seiner Leitung steigt die Mitgliederzahl auf 7.000 an. 

1. Dezember 1921

München-Kreuzviertel * Die „Jesuiten“ übernehmen wieder die Seelsorge in „Sankt Michael“.

Pater Rupert Mayer wirkt dort als Prediger, Caritasapostel und Beichtvater.


Verwendet in Führung:

34. Bierzelt-Rallye auf dem Oktoberfest



Oktoberfest, Hippodrom, Rekommandeur, Animateur, Herrenreiter,