2. Januar 1871

Der „Verein Münchener Brauereien e.V.“ wird gegründet

München * Der „Verein Münchener Brauereien e.V.“, der sich bis heute als „Hüter des Münchner Bieres“ versteht, wird gegründet, um die Interessen seiner Mitglieder gegenüber den staatlichen Behörden besser durchsetzen zu können.

Gleichzeitig fungiert er als „Arbeitgebervereinigung“ der Münchner Braubetriebe.


1871

Suchbegriffe

Bier, Brauerei, Verein Münchner Brauereien e.V., Hüter des Münchner Bieres, Arbeitgebervereinigung,

Weitere Ereignisse im Jahr 1871

1871

Garmisch * Hubert und sein Vater Lorenz Herkomer leben für sechs Monate bei Bauern in Garmisch.

Ab 1871

Dresden * Die Theater-Pläne von Gottfried Semper werden - mit geringfügigen Änderungen - für das neue „Dresdner Hoftheater“ verwendet.

Gottfried Sempers Sohn Manfred führt den Bau in den Jahren 1871 bis 1873 aus.

Und so entsteht der heute weltberühmte Opernbau - an anderer Stelle - doch noch.

1871

Kreuzviertel * Nach Joseph Anton Ritter von Maffei's Tod wird das Anwesen des „Hotels zum Bayerischen Hof“ für 580.000 Gulden an die „Bayerische Vereinsbank“ verkauft.

1871

Haidhausen * Der „Magistrat der Stadt München“ überlässt - gegen den geharnischten Protest der katholischen Kirche - den „Alt-Katholiken“ die „Nikolaikirche am Gasteig“ für insgesamt elf Jahre.

1871

Untergiesing * Die „Untergiesinger Lederfabrik“ ist zu einem der bedeutendsten Unternehmen Münchens aufgestiegen.

1871

Graggenau * Der „Königliche Wintergarten auf dem Festsaalbau der Münchner Residenz“ ist fertiggestellt. 

1871

Isarvorstadt - Untergiesing * Die „Wittelsbacherbrücke“ wird in Verlängerung der Kapuzinerstraße als hölzener Fußgängersteg erbaut, um die „Reichenbachbrücke“ zu entlasten und dem aufstrebenden Untergiesing entgegen zu kommen.

Bei der neuen Brücke handelt es sich aber nur um den nicht mehr benötigten „Werksteg“, der nach Beendigung der Arbeiten an der „Braunauer Eisenbahnbrücke“ dort demontiert und hier neu aufgebaut werden wird.

Der ehemalige „Werksteg“ darf aus Statikgründen nur von Fußgängern benutzt werden.

1871

Bogenhausen * Die „Beamten-Relikten-Anstalt“ wird seinem Zweck zugeführt.

Die von der Bevölkerung „Drachenburg“ genannte Einrichtung bietet Platz für rund 100 Frauen.

1871

Wien * Im Gegensatz zu München dürfen in Wien erst jetzt Frauen auf „Kleinkunstbühnen“ auftreten.

1871

Deutschland * Die für das gesamte Deutsche Reich geltende Verfassung sieht die „Todesstrafe“ nur mehr bei Mord und schweren Militärstraftaten im Krieg vor.

Nur für Letztere wird die Vollstreckung durch „Erschießen“ eingeführt.

Januar 1871

München * 30 Handwerksmeister, die alle aus dem „katholischen Gesellenverein“ hervorgingen, gründen im Januar 1871 einen Verein unter dem Namen „Meisterverein in München e.G.“.

Als Ziele schreiben sie die „gegenseitige Unterstützung mit Rat und Tat im gewerblichen Leben“ in ihre Satzung.

Außerdem wollen sie in monatlichen Zusammenkünften „Vorträge hören“ und „Erfahrungen austauschen“ sowie „sachgemäße Kassen“ gründen.

17. Januar 1871

Graggenau * König Ludwig II. eröffnet den „24. Landtag“, der sich mit dem „Reichsbeitritt“ befassen muss, im „Thronsaal der Residenz“ mit einer „Thronrede“.  

Es wird Ludwigs letzte „Landtags-Eröffnung“ gewesen sein. 

18. Januar 1871

Versailles * Als König Wilhelm von Preußen in der „Spiegelgalerie von Schloss Versailles“ zum „Deutschen Kaiser“ ausgerufen wird, lässt sich der Bayernkönig Ludwig II. von Prinz Otto und seinem Onkel Luitpold vertreten.  

Otto empfindet die „Kaiserproklamation“ als bedrückend.  
Seinem Bruder klagt er: „Der deutsche Kaiser, das deutsche Reich, Bismarck, die laute preußische Begeisterung, die vielen Stiefel, das alles macht mich sehr traurig“.  

Ein böses Gerücht macht die Runde, in dem Otto nachgesagt wird, er hätte während der „Proklamation“ zu Versailles „infolge einer plötzlichen Diarrhöe ein degoutantes Malheur gehabt“.  
Das heißt, er hat - aus ohnmächtiger Enttäuschung und Widerwillen, vielleicht aber auch schon als Folge seiner geistigen Zerrüttung - in die Hose gemacht.  
In Bayern geht der Satz um: „Otto hat auf Preußens Kaiserkrone geschissen!“ 

18. Januar 1871

Versailles * In der „Spiegelgalerie von Versailles“ wird das „2. Deutsche Kaiserreich“ gegründet.  

König Wilhelm von Preußen, wird an gleicher Stelle zum „Deutschen Kaiser“ ausgerufen.

21. Januar 1871

Kreuzviertel * Nach einer zehnstündigen „Redeschlacht“ stimmen 102 Abgeordnete für den Beitritt Bayerns zum „Deutschen Kaiserreich“ und nur noch 48 dagegen.  

Damit ist die Zweidrittelmehrheit - wenn auch knapp - erreicht.  

Das im Jahr 1871 gegründete „Deutsche Reich“ ist nach der „Präambel seiner Verfassung“ ein „ewiger Bund zum Schutz des deutschen Bundesgebietes und des innerhalb dieses gültigen Rechtes, sowie zur Pflege der Wohlfahrt des Deutschen Volkes“.  

Diesen „Bund“ schließen die 22 Repräsentanten  

  • der vier „Königreiche“ Preußen, Bayern, Württemberg und Sachsen;  
  • der sechs „Großherzogtümer“ Baden, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Hessen-Darmstadt, Oldenburg und Sachsen-Weimar;  
  • der fünf „Herzogtümer“ Braunschweig, Anhalt, Sachsen-Coburg-Gotha, Sachsen-Meiningen und Sachsen-Altenburg;  
  • der sieben „Fürstentümer“ Schwarzburg-Sonderhausen, Schwarzburg-Rudolstadt, Waldeck, Reuss ältere Linie, Reuss jüngere Linie, Lippe-Detmold und Schaumburg-Lippe, des „mitregierten Reichslandes“ Elsass-Lothringen sowie  
  • der „Regierenden Bürgermeister“ der drei „Freien Städte“ Hamburg, Bremen und Lübeck.  

Dieser „Bundesstaat“ wird durch zwei Institutionen - „Bundesrat“ und „Reichstag“ - repräsentiert.  
Verfassungsrechtlich ist der „Bundesrat“ das höchste „Reichsorgan“, in dem Preußen aufgrund seiner Größe und seiner hegemonialen Stellung dominiert.  

In diesem Gremium sind die einzelnen Länder entsprechend ihrer Größe mit unterschiedlichen Stimmenzahlen ausgestattet vertreten:  

  • Preußen 17,  
  • Bayern 6,  
  • Sachsen und Württemberg je 4,  
  • Baden und Hessen je 3,  
  • die kleineren je 2 oder 1 -  
  • insgesamt 58 Stimmen. 
28. Januar 1871

Berlin - Paris * Der Waffenstillstand mit Frankreich tritt in Kraft. 

28. Januar 1871

Paris * Paris ergibt sich den Deutschen Truppen.

Das führt auch zur Niederlage der neubegründeten „Dritten Republik Frankreichs“ und zur „Gründung des Deutschen Kaiserreichs“.

30. Januar 1871

München * König Ludwig II. setzt mit seiner Unterschrift die Beitritts-Verträge rückwirkend zum 1. Januar 1871 in Kraft.  

Doch trotz aller Zugeständnisse bedeutete die „Reichsgründung“ für Bayern und seinen König  

  • eine deutliche Einschränkung der Souveränität,  
  • den Verlust der staatsrechtlichen Unabhängigkeit und  
  • eine Unterstellung der Monarchie der Wittelsbacher unter die Vorherrschaft der Hohenzollern. 
13. Februar 1871

Frankreich * In Frankreich findet die Wahl der „Nationalversammlung“ statt, in der mehr als doppelt so viele „Monarchisten“ als „Republikaner“ vertreten sind. 

Dagegen sind die städtischen Gemeinderäte in ihrer Mehrheit entschlossen „republikanisch“

16. Februar 1871

Belfort * Die Festung „Belfort“ kapituliert auf Weisung der französischen Regierung, ohne militärisch besiegt zu sein. 

1. März 1871

Paris * Um während der Friedensverhandlungen den Druck auf die französische Seite zu erhöhen, wird „Paris“ vom 1. bis 3. März 1871 von deutschen Truppen erneut in Besatz genommen. 

Durch die zweite deutsche Belagerung von „Paris“ radikalisiert sich die politische Stimmung in Frankreichs Hauptstadt. 

3. März 1871

Bordeaux * Die in „Bordeaux“ zusammengetretene „Nationalversammlung“ stimmt dem „vorläufigen Friedensschluss“ mit 552 gegen 107 Stimmen zu. 

15. März 1871

Haidhausen * Das Empfangsgebäude des „Braunauer Bahnhofs“ wird eröffnet.

Spätestens jetzt bricht für das „Ostend“ das Eisenbahnzeitalter an.
Allerdings verlassen zunächst nur drei Personen- und wenige Güterzüge den „Hauptbahnhof“ über die neue Isarbrücke durch Untergiesing zum „Braunauer Bahnhof“ und weiter in Richtung Rosenheim und nach Simbach/Braunau am Inn. 

15. März 1871

Tivoli * Frühere Aktionäre der „Königlich bayerischen Ludwigs-Walzmühl-Gesellschaft“ gründen unter dem Namen „Kunstmühle Tivoli von K. Kurlaender & Comp. - Commanditgesellschaft in Tivoli bei München“ eine neue Gesellschaft.

15. März 1871

Haidhausen * Bis zur Eröffnung des „Empfangsgebäudes“ des von Friedrich Bürklein entworfenen „Braunauer Bahnhofs“ haben die Münchner „Gemeindebevollmächtigten“ die Baulinie für das angrenzende „Eichthal‘sche Areal“ bereits genehmigt. 

15. März 1871

Giesing * Für Giesing bricht das Eisenbahnzeitalter an.

Doch zunächst verlassen nur drei Personen- und wenige Güterzüge den „Hauptbahnhof“ über die neue Isarbrücke durch Untergiesing in Richtung Rosenheim und weiter nach Braunau.

18. März 1871

Paris * In der französischen Hauptstadt kommt es zum „Kommune-Aufstand“, in deren Verlauf „Paris“ den Versuch macht, eine „demokratische und soziale Republik“ zu gründen.

Die „Pariser Commune“ will die Auflösung Frankreichs in eine „Föderation“ von autonomen kleinen Gemeindeverwaltungen  

  • mit eigener Rechtsprechung,  
  • eigenem Militär und  
  • eigenem Unterrichtswesen,  
  • der Verstaatlichung der Produktion  
  • und so fort.
     
  • Die „rote Fahne“ und  
  • der „Revolutionskalender“ werden eingeführt,  
  • ein „Wohlfahrtsausschuss“ und  
  • ein „Revolutionstribunal“ eingesetzt,  
  • Geiseln ausgehoben sowie  
  • Kirchen und Klöster geschlossen.  

Doch „Paris“ bleibt alleine, nachdem sich die Gemeinderäte der großen Provinzstädte versagen.  

Alleine muss Paris nun den Kampf gegen die konservative „Republik“ ausfechten, die ihren Sitz nach „Versailles“ verlegt hat.  

Dort befindet sich auch das deutsche Hauptquartier.  

Die Auseinandersetzungen finden unter den Augen der deutschen Militärs statt.  

Den „Petroleumbrennern“ der „Communards“ fallen zahlreiche öffentliche Gebäude zum Opfer, darunter die „Tuilerien“;  
über siebzig bürgerliche Geiseln werden erschossen, darunter der Erzbischof von Paris. 

28. März 1871

Graz * Das Grazer „Landstädtische Theater“ brennt ab.

16. April 1871

Deutschland * Die „Reichsverfassung“ wird rechtskräftig.

Das „Zweite Deutsche Kaiserreich“ ist ein „Bundesstaat“, dem - unter preußischer „Hegemonie“ - 25 Einzelstaaten angehören.   Der preußische „Ministerpräsident“ ist gleichzeitig „Reichskanzler“.

Das „Deutsche Reich“ ist nach der „Präambel“ seiner Verfassung ein „ewiger Bund zum Schutze des deutschen Bundesgebietes und des innerhalb desselben gültigen Rechtes, sowie zur Pflege der Wohlfahrt des Deutschen Volkes“.

Diesen „Bund“ schließen die 22 Repräsentanten:

  • der vier „Königreiche“ Preußen, Bayern, Württemberg und Sachsen;  
  • der sechs „Großherzogtümer“ Baden, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Hessen-Darmstadt, Oldenburg und Sachsen-Weimar;  
  • der fünf „Herzogtümer“ Braunschweig, Anhalt, Sachsen-Coburg-Gotha, Sachsen-Meiningen und Sachsen-Altenburg;  
  • der sieben „Fürstentümer“ Schwarzburg-Sonderhausen, Schwarzburg-Rudolstadt, Waldeck, Reuss ältere Linie, Reuss jüngere Linie, Lippe-Detmold und Schaumburg-Lippe,
  • des „mitregierten Reichslandes“ Elsass-Lothringen sowie
  • der „Regierenden Bürgermeister“ der drei „Freien Städte“ Hamburg, Bremen und Lübeck.

Dieser „Bundesstaat“ wird durch zwei Institutionen - „Bundesrat“ und „Reichstag“ - repräsentiert.

Verfassungsrechtlich ist der „Bundesrat“ das höchste „Reichsorgan“, in dem Preußen aufgrund seiner Größe und seiner hegemonialen Stellung dominiert.
In diesem Gremium sind die einzelnen Länder entsprechend ihrer Größe mit unterschiedlichen Stimmenzahlen ausgestattet vertreten:
Preußen 17, Bayern 6, Sachsen und Württemberg je 4, Baden und Hessen je 3, die kleineren je 2 oder 1 - insgesamt 58 Stimmen.  

Bis im Rahmen der „Reichsgründung“ auch in Bayern das metrische Maß eingeführt wird, fasst die „Bayerische Mass“ 1.069 Kubikzentimeter.  

Durch die „Preußische Maß- und Gewichtsordnung“ wird das „Bayerische Maaß“ abgeschafft.
Als gesamtdeutsche Maßeinheit gilt nun der Liter.
Und dieser ist auf 1.000 Kubikzentimeter festgelegt worden.

17. April 1871

München * Ignaz von Döllinger wird vom „Erzbischof von München und Freising“, Gregor von Scherr, in aller Form „exkommuniziert“

Er bleibt es bis an sein Lebensende. 
In der „Karwoche“ 1871 liest er in der „Hofkapelle“ zum letzten Mal die Messe. 

Daraufhin beschließen die Ratskollegien der Stadt, „Magistrat“ und „Kollegium der Gemeindebevollmächtigten“, ihm „wegen seiner mutigen Haltung gegen Rom“ das „Ehrenbürgerrecht der Stadt München“ zu verleihen.
Doch das lehnt Ignaz von Döllinger ab. 

Mai 1871

München * In einer Zusammenkunft bei Ignaz von Döllinger unterschreiben dreißig Gegner der neuen „Dogmen“ der römisch-katholischen Kirche die „Münchner Pfingsterklärung“, in der sie die gegen sie verhängten Maßregelungen als ungültig und unverbindlich erklären.

Ab Mitte Mai 1871

Isarvorstadt - Untergiesing * Der gesamte Zugverkehr zwischen München und Salzburg beziehungsweise nach Kufstein läuft über die neue „Braunauer Eisenbahnbrücke“ durch Untergiesing.

10. Mai 1871

Berlin * Der „Frankfurter Friedensschluss“ kostet Frankreich im Wesentlichen die Provinzen „Elsaß“ und „Lothringen“ sowie eine „Kriegsentschädigung“ von fünf Milliarden Gold-Franc.  

Der deutsch-französische Krieg von 1870/71 war ein Krieg der modernen Technik und der Massenheere, der zu den Schrecken des ungebändigten totalen Kriegs des 20. Jahrhunderts führen wird.

Bismarcks wichtigstes Kriegsziel, die „dauerhafte Beseitigung der Kriegsgefahr an der deutschen Westgrenze“, ist schon beim Friedensschluss bedroht, weshalb zwei grausame Weltkriege mit Millionen Toten folgen werden.

Eine betont kriegerische und verherrlichende Geschichtsschreibung verstellt auf beiden Seiten den Blick auf das Kriegselend.  
„Das erste Preußengrab für Deutschlands Einheit - Der Schwur auf die Fahne führte sie alle zum Heldentod fürs Vaterland - Gott verleihe den Helden droben die Siegespalmen - für Deutschlands Ehre weiht jedes deutsche Frauenherz Gatten, Sohn und Bruder gern dem Heldentod“.
Diese Worte werden in ein Denkmal auf dem „Gaisberg“, nahe „Weißenburg“, geschlagen. 

10. Mai 1871

München * Prinz Otto, König Ludwigs II. Bruder, steht unter ärztlicher Überwachung. 

Sein Krankheitsbild wird bald darauf von „Syphilis“ in „Paranoia“ abgeändert.

21. Mai 1871

Paris * Die Truppen der „Versailler Regierung“ beginnen mit dem „Sturm auf Paris“.  

Bis zum 28. Mai dauert die „Blutige Woche“ an, in deren Verlauf grausame Rache an den aufständischen Frauen und Männer aus Paris geübt wird.  

Auf dem „Friedhof von Père-Lachaise“ enden die Kämpfe.  
Rund 30.000 Tote, mindestens 50.000 „Verschwundene“, fast 40.000 Verhaftete sind die Opfer.  
Die Mehrzahl der 13.000 Verurteilten werden nach „Neukaledonien“ deportiert.  

So etwas, darüber sind sich die konservativen Politiker und Militärs - in Hinblick auf die deutsche „Sozialdemokratie“ - einig, darf in Deutschland nie passieren.  

Die in Paris gemachten Erfahrungen münden später in das sogenannte „Sozialistengesetz“ vom 21. Oktober 1876. 

1. Juni 1871

München - Braunau - Linz - Wien * Die über Mühldorf nach Simbach/Braunau am Inn führende Hauptverkehrsstrecke der Eisenbahn wird eröffnet.
Sie führt weiter über Linz nach Wien.

Spätestens ab dann war es mit der Ruhe und der Beschaulichkeit in Untergiesing vorbei.

Während die neue Streckenführung für den Güter- und Personenverkehr einen erheblichen Zeitgewinn bedeutet und reiche Spekulanten noch reicher macht, ist die Bahnlinie für Untergiesing mit erheblichen Nachteilen verbunden und bringt für die ansässigen Bewohner neben einer Lärmbelästigung noch zusätzlichen Gestank und einen sieben Meter hohen, die ganze Ortsflur durchtrennenden Bahndamm.

Der gewünschte Bahnhof, verbunden mit der Möglichkeit der Ansiedelung von Industrieanlagen, bleibt den Untergiesingern ebenfalls versagt.
War zu Beginn noch von einer „Station mit Güterhalle“ die Rede, so verwarf die „Generaldirektion“ auch diese Pläne, da Bodenuntersuchungen die Untergiesinger Isarauen als denkbar ungünstiges Areal für einen Bahnhof bezeichneten.

Das bedeutet für die Stadt München, dass sie nach einen neuen Standort für den „Städtischen Schlacht- und Viehhof“ suchen muss, der ursprünglich zwischen „Schyrenbad“ und „Stadtgartendirektion“ geplant war.

18. Juni 1871

München * Die sozialdemokratische Zeitung „Der Proletarier“ stellt sein Erscheinen ein, nachdem die „Redakteure“ Robert Neff und Jacob Franz wegen „Beleidigung der Staatsregierung“ zu drei beziehungsweise fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden sind. 

30. Juni 1871

Bayern - München * Die „Sozialdemokratische Arbeiterpartei“ hat etwa 500 Mitglieder in ganz Bayern, in München 43. 

9. Juli 1871

Haidhausen * Das Einverständnisschreiben des „Innenministeriums“ für die „Straßenzüge zum Braunauer Bahnhof in der Vorstadt Haidhausen“ enthält gegenüber der Ursprungsplanung nur geringfügige Änderungen.

Daraufhin kann Bürgermeister Alois von Erhardt noch im gleichen Monat das Konzept der Öffentlichkeit vorstellen.

Das „Franzosenviertel“ ist von dem Münchner „Stadtbaurat“ Arnold Zenetti streng geometrisch als Dreistrahlanlage geplant worden.
Das Konzept umschließt das künftige Straßennetz zwischen dem Bahngelände, der Stein-, Rosenheimer-, Wolfgang- und der Äußeren-Wiener-Straße und sieht den „Ostbahnhof“ und das ihn umgebende Rondell des „Orleansplatzes“ als Mittelpunkt des Viertels vor. 
„Diese Zentrierung auf den Ostbahnhof nimmt sich wie die Persiflage eines residenzstädtischen Grundrisses aus, im dem - dem Arbeiterviertel entsprechend - der Platz des Herrscherhauses von dem Pendlerbahnhof eingenommen wird“

Damit die neue Wohnsiedlung an die „Vorstadt Haidhausen“ und an das „Gasteig-Gelände“ angebunden werden kann, sind in Zenettis Planungskonzepten Straßendurchbrüche von der Wörth- zur Preysingstraße und Verbreiterungen der Rosenheimer-, Stein- und Milchstraße vorgesehen.

Im Gegensatz zu der am Beginn des 19. Jahrhunderts angelegten „Maxvorstadt“ und zu dem ab dem Jahr 1860 erbauten „Gärtnerplatz-Viertel“ haben die Straßen und Plätze des „Franzosenviertels“ erstmals unterschiedliche Breiten.
Dafür sind - neben verkehrstechnischen - vor allem ästhetische Gesichtspunkte ausschlaggebend.

Vom 530 Fuß messenden, halbkreisförmigen Orleansplatz ausgehend, bildet die 100 Fuß breite Wörthstraße die Mittelachse der symmetrischen Dreistrahlanlage.
Ihre Aufweitung - der früher als „Forum“ bezeichnete heutige „Bordeauxplatz“ - bildet den prunkvollen Mittelpunkt innerhalb des „Franzosenviertels“.
An seiner Stelle beträgt die Straßenbreite 200 Fuß.

Ein ebenfalls 100 Fuß breites Straßenprofil verzeichnen die Rosenheimer- und die Orleansstraße.

Die Weißenburger- und die Belfortstraße verlassen das Rondell am Orleansplatz als Diagonalachsen.
Diese Verkehrswege messen, ebenso wie die sie kreuzende Pariser- und Breisacher Straße 60 Fuß in der Breite.
Die restlichen Straßen haben eine Breite von 50 Fuß.

An den beiden diagonal verlaufenden Straßenzügen sind Platzanlagen geplant.
So folgt an der Weißenburger Straße dem 220 Fuß messenden, rechteckigen „Pariser Platz“ der im Durchmesser 300 Fuß umfassende, kreisrunde „Weißenburger Platz“.

Spiegelbildlich zum „Pariser Platz“ soll an der Belfortstraße ebenfalls eine quadratische Platzanlage, der „Straßburger Platz“, angelegt werden.
Die Planung, die mit ihrer symmetrischen Straßenführung an eine barocke Bauweise erinnert, kann aber nur dort verwirklicht werden, wo sich der Grund in der Hand eines Besitzers befindet.

Im Gegensatz zu dem Baugebiet das sich überwiegend im Besitz Carl von Eichthals befindet und das etwa bis zur Wörthstraße reicht, scheitert nördlich davon der weitere Ausbau am „Kloster der Frauen zum guten Hirten”, das das Gelände des ehemaligen „Preysing-Schlosses“ seit 1840 besitzt.
Die Klosterverwaltung lehnt jeden Verkauf der notwendigen Grundstücke zur Fertigstellung des „Franzosenviertels“ ab und tritt nicht einmal einen Quadratmeter Grund für die Straßenanlagen ab.

Ein Opfer dieser unnachgiebigen Haltung wird der „Straßburger Platz“ den der „Königlich-bayerische Major a.D.“, Karl Graf von Rambaldi, im Jahr 1894 in seiner „Zusammenstellung der Münchner Straßennamen“ wie folgt beschreibt:
„Straßburgerplatz. Liegt in Haidhausen zwischen der Elsaß-, Pariser- und Belfortstraße, nördlich vom Ostbahnhofe“.

Doch ohne ein Entgegenkommen der Klosternonnen kamen die weiteren Planungsarbeiten für dieses Gebiet ins Stocken.

Dies auch,

  • weil einerseits keine aussichtsreichen Enteignungsmöglichkeiten bestehen,
  • andererseits, weil sich in den Zeiten der „geometrischen Stadtplanung“ kein Verantwortlicher zu einer Planänderung entschließen kann.

Erst mit dem Amtsantritt Theodor Fischers, dem „Vorstand des Münchner Stadterweiterungsbüros“, werden die Planungen wieder aufgenommen. 

16. Juli 1871

Schwabing - Maxvorstadt * Die siegreichen bayerischen Truppen ziehen triumphierend durch das feierlich geschmückte „Siegestor“.

29. Juli 1871

Maxvorstadt * Die „Universität“ wählt Ignaz von Döllinger zu ihrem „Rektor“.

1. August 1871

Untergiesing * Schon wenige Monate nach Eröffnung der Eisenbahnlinie über den Ostbahnhof nach Braunau kommt es zum ersten tödlichen Unfall.

Die Frau des „Gemeindebevollmächtigten“ Wilhelm Kanzler, der in Obergiesing die bekannte Gastwirtschaft „Zum Giesinger Weinbauern“ betreibt, stirbt. 

Mutter Kanzler ist mit ihrem Sohn in der Kutsche über den Giesinger Berg in Richtung Innenstadt gefahren.
Bei der Eisenbahnbrücke erschreckt ein heraneilender Zug das Pferd so sehr, dass es scheut, die Kutsche umwirft und beide Insassen unter sich begräbt. 
Während der Sohn mit leichten Blessuren davonkommt, stirbt die Mutter an ihren Verletzungen. 

Es kommt fast täglich zu solchen Unfällen, „weil die Bauernpferde aus den außergelegenen Dörfern noch keinen Kurs bezüglich der Vorsichtsmaßregeln genommen und jetzt wie früher scheuen und durchgehen“.

3. August 1871

München * Das Münchner „Ordinariat“ untersagt den Theologiestudenten den Besuch der Vorlesungen von Ignaz von Döllinger.

Nach September 1871

Au - Theresienwiese * Gabriel Sedlmayr junior vom „Leistbräu“ entwickelt ein neues, stärker eingebrautes untergäriges Bier nach „Wiener Art“.

Es wird sich zum erfolgreich auf der „Wiesn“ angeschenkten „Märzenbier“ entwickeln. 

Erstmals wird es im Jahr 1872 im „Schottenhamel-Festzelt“ ausgeschenkt. 

September 1871

München * Auf Anregung Ignaz von Döllingers tagt in München der erste „Altkatholikenkongress“.

Der Gelehrte hat das Stichwort von der „alten katholischen Kirche“ geprägt und meint damit „alt“ im Sinne von „ursprünglich“.

Döllinger warnt zwar eindringlich vor der sich anbahnenden Kirchenspaltung, doch ist die Gründung der „Altkatholischen Kirche“ unumgänglich.

25. September 1871

Oberammergau * Separatvorstellung des „Oberammergauer Passionsspieles“ für König Ludwig II..

Bis zum 1. Oktober 1871

Elsass - Lothringen * Die Bewohner der Provinzen „Elsaß“ und „Lothringen“ können bis zum 1. Oktober das Land um den Preis des Heimatverlustes verlassen.

Das Angebot nehmen vorwiegend Staatsbedienstete, junge Leute und Industrielle an. 

11. November 1871

München * Die „Kreislehrerinnenbildungsanstalt für Oberbayern“ wird als „Lehranstalt für weltliche Lehrerinnen“ durch einen Beschluss des „Bayerischen Landtags“ gegründet.

Damals werden Schulen nur von klösterlichen Lehrerinnen geleitet.
Für interessierte und begabte Frauen ist es jedoch nur über Einrichtungen dieser Art möglich, eine beruflich gehobene Qualifikation zu erreichen und damit zu gesellschaftlichem Ansehen zu kommen. 

Da die Universitäten „frauenfrei“ gehalten werden, ist der Beruf der „Volksschullehrerin“ eine der wenigen, möglichen Alternativen. 

15. November 1871

Berlin * Prinz Ottos Geisteskrankheit wird an „Reichskanzler“ Otto von Bismarck gemeldet.

Dezember 1871

Maxvorstadt * Richard Wagner sitzt bei Franz Lenbach für ein Porträt Modell.

8. Dezember 1871

Wien * Ein Großfeuer zerstört das Wiener „Ringtheater“.

Es kommen 384 Menschen zu Tode.

25. Dezember 1871

München * König Ludwig II. und seine Mutter wollen Prinz Otto keinesfalls in eine „Heilanstalt“ einweisen lassen, sondern ihn auf Gütern der Familie vor der Öffentlichkeit fernhalten.

27. Dezember 1871

Maxvorstadt * Adolf Friedrich von Schack schließt mit dem jungen Architekten Lorenz Gedon einen Bauvertrag für die Vergrößerung seiner „Galerie“ an der Brienner Straße.


Verwendet in Führung:

10. München - Weinstadt & Biermetropole
34. Bierzelt-Rallye auf dem Oktoberfest



Bier, Brauerei, Verein Münchner Brauereien e.V., Hüter des Münchner Bieres, Arbeitgebervereinigung