14. November 1918

Kurt Eisner will ein neues Beamtenrecht

München-Kreuzviertel * „Ministerpräsident“ Kurt Eisner fordert die Schaffung eines neuen „Beamtenrechts“ und macht sich für die Möglichkeit der „Entlassung unfähiger und unwilliger Beamter“ stark.


1918

Suchbegriffe

Revolution, Beamtenrecht, Beamte,

Personen

Eisner Kurt

Weitere Ereignisse im Jahr 1918

1918

München-Au * Das „Gabriels Lichtspieltheater“ in der Lilienstraße 2 wird in „Museum-Lichtspiele“ umbenannt.

1918

München-Maxvorstadt * In den Räumen des heutigen „Bayerischen Hauptstaatsarchiv“ an der Ludwigstraße 14 sowie Schönfeldstraße 3 und 5 ist bis 1919 das „Bayerische Kriegsministerium“ untergebracht.

1918

München * Der in der Zeit des Ersten Weltkriegs von Anita Augspurg und anderen Frauen gegründete „Internationale Ausschuß für einen dauernden Frieden“ wird in „Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit“ umbenannt.

Anno 1918

München-Au * Als in der Quellenstraße die alten Herbergen abgebrochen werden, zieht Josef Bernbacher mit seiner Bäckerei in die Rablstraße 38 um. 

1918

München-Haidhausen * Durch zwei weitere Verbindungsgänge in der „Straßenbahn-Direktion“ kann man in jeden Gebäudeteil gelangen, ohne den ersten Stock verlassen zu müssen.  

Doch schon bald ist der „Betriebshof“, der inzwischen die Nummer „2“ erhalten hat, wieder zu klein und den technischen Anforderungen nicht mehr gewachsen. 

1. Januar 1918

München * Die Münchner USPD weist nach polizeilichen Erhebungen gerade einmal eine Mitgliederstärke von maximal 600 Personen auf. 

Ab 3. Januar 1918

Österreich-Ungarn * In Österreich-Ungarn beginnen vereinzelt und noch in kleinem Ausmaß die sogenannten Jännerstreiks.  

Zunächst geht es den Streikenden um eine bessere Lebensmittelversorgung, doch spätestens am 15. Jänner werden auch werden Forderungen nach Beendigung des Krieges laut. 

8. Januar 1918

Washington - Berlin * Der US-Amerikanische Präsident Woodrow Wilson schlägt ein „14-Punkte-Programm“ vor. Es sieht Folgendes vor:

  1. „Offene, öffentlich abgeschlossene Friedensverträge. Danach sollen keinerlei geheime internationale Abmachungen mehr bestehen, sondern die Diplomatie soll immer aufrichtig und vor aller Welt getrieben werden“.
  2. „Uneingeschränkte Freiheit der Schifffahrt auf den Meeren, außerhalb der Territorialgewässer, im Frieden sowohl wie im Kriege, […]“.
  3. „Möglichste Beseitigung aller wirtschaftlichen Schranken und Herstellung einer Gleichheit der Handelsbedingungen für alle Nationen, […]“.
  4. „Entsprechende gegenseitige Bürgschaften für die Beschränkung der Rüstungen der Nationen auf das niedrigste, mit der Sicherheit im Innern vereinbare Maß“.
  5. „Freier, unbefangener und völlig unparteiischer Ausgleich aller kolonialen Ansprüche, […]“.
  6. „Räumung des ganzen russischen Gebietes und ein Einvernehmen über alle auf Russland bezüglichen Fragen, […]“.
  7. „Belgien muss […] geräumt und wiederhergestellt werden, […]“.
  8. „Das ganze französische Gebiet muss geräumt und die besetzten Teile wiederhergestellt werden. […]“.
  9.  „Berichtigung der Grenzen Italiens nach den genau erkennbaren Abgrenzungen der Volksangehörigkeit“.
  10. „Den Völkern Österreich-Ungarns […] sollte die freieste Gelegenheit zu autonomer Entwicklung zugestanden werden“. 
  11. „Rumänien, Serbien und Montenegro sollten geräumt, die besetzten Gebiete zurückgegeben werden. […]“.
  12. „Den türkischen Teilen des Osmanischen Reiches sollte eine unbedingte Selbstständigkeit gewährleistet werden. Den übrigen Nationalitäten dagegen, die zurzeit unter türkischer Herrschaft stehen, sollte eine zuverlässige Sicherheit des Lebens und eine völlig ungestörte Gelegenheit zur selbstständigen Entwicklung gegeben werden. […]“.
  13. „Ein unabhängiger polnischer Staat sollte errichtet werden, der alle Gebiete einzubegreifen hätte, die von unbestritten polnischer Bevölkerung bewohnt sind; […]“.
  14. „Ein allgemeiner Verband der Nationen muss gegründet werden mit besonderen Verträgen zum Zweck gegenseitiger Bürgschaften für die politische Unabhängigkeit und die territoriale Unverletzbarkeit der kleinen sowohl wie der großen Staaten“.  

Mit Woodrow Wilsons „14-Punkte-Programm“ sollen die deutsch-russischen Friedensverhandlungen unterlaufen werden.

Schon deshalb lehnt das Deutsche Reich das Programm ab. 

9. Januar 1918

München - Berlin * Kurt Eisner hält sich vom 9. bis 19. Januar 1918 in Berlin auf, um auch dort zum Massenstreik zu drängen. 

9. Januar 1918

Brest-Litowsk * Die Friedensverhandlungen zwischen den Mittelmächten und Sowjetrussland werden in Brest-Litowsk fortgesetzt.

Die großen Hoffnungen, die man in die Friedensverhandlungen gesetzt hatte, werden bitter enttäuscht. Die harten Bedingungen, die das Deutsche Reich hinsichtlich der Gebietsabtretungen stellt, machen deutlich, dass die deutsche Regierung an einem Verständigungsfrieden nicht interessiert ist. 

Die Generalität will den Frieden mit Russland nur, um mit den dort frei werdenden Truppen und gestützt auf die Getreide- und Kohlelieferungen aus den besetzten russischen und ukrainischen Gebieten eine neue Offensive im Westen starten zu können.

Für das Deutsche Kaiserreich gibt es nur Sieg oder Niederlage, dazwischen gibt es nichts.
So rückt der Frieden in immer weitere Ferne.

10. Januar 1918

Berlin * Die USPD-Reichstagsfraktion kritisiert in einem Aufruf die Annexionspläne des deutschen Imperialismus im Osten scharf. 

10. Januar 1918

Berlin * Der USPD-Parteivorstand in Berlin veröffentlicht das Flugblatt „Männer und Frauen des werktätigen Volkes!“.

Er ruft darin nur zu einem zeitlich befristeten, dreitägigen Demonstrationsstreik auf.
Zu einem unbefristeten Massenstreik, wie ihn Kurt Eisner will, kann er sich nicht durchringen. 

Um 11. Januar 1918

Deutsches Reich * Das vom US-Präsidenten Woodrow Wilson vorgeschlagene 14-Punkte-Programm wird bei ihrer erstmaligen Veröffentlichung nur in einer zensierten Fassung zugänglich gemacht.

Für die in den umstrittenen Grenzprovinzen lebenden Deutschen hört sich die Friedenslösung à la Wilson eher katastrophal an, da sie die Eingliederung in neue Nationalstaaten befürchten. 

12. Januar 1918

Starnberg * Eine Kampagne des Roten Kreuzes lautet: „Sammelt ausgekämmtes Frauenhaar“.

Der Grund: Die Industrie braucht dieses für Treibriemen. 

14. Januar 1918

Wien * In den Daimler-Motorenwerken in Wiener-Neustadt beginnt ein Streik wegen der Verkürzung der eh schon geringen täglichen Brotration von 200 auf 165 Gramm. 

Ab 15. Januar 1918

Wien * Der in den Wiener-Neustädter Daimler-Motorenwerken am Tag zuvor begonnene Streik weitet sich zur politischen Massenstreikbewegung in fast allen Industriegebieten des Habsburger Reich bis nach Prag und Budapest aus.

Bis zum 25. Jänner 1918 werden über 700.000 Arbeiter in den Ausstand treten. Es kommt zur größten Streikaktion in der Geschichte des Landes.

Die Streikenden fordern nicht mehr nur

  • eine bessere Lebensmittelversorgung, sondern auch
  • ein demokratisches Wahlrecht
  • die sofortige Beendigung des Krieges und
  • einen raschen Friedensschluss ohne Annexionen in Brest-Litowsk.

In Massenveranstaltungen werden Arbeiterräte - nach dem Vorbild der russischen Revolution - als ein konkretes Gegenmodell politischer Interessenvertretung gewählt.

Noch am ersten Tag des Wiener Streiks formuliert der sozialdemokratische Parteivorstand Forderungen an die Regierung, die vom Arbeiterrat akzeptiert werden. 

16. Januar 1918

Wien - Österreich-Ungarn * Die Belegschaften der Wiener Rüstungsbetriebe verweigern die Arbeit.

Ausgehend von den Floridsdorfer Fiat-Werken greift die Bewegung auf 120 Wiener Betriebe über und erfasst danach die steirische, schließlich die ungarische Arbeiterschaft. 

18. Januar 1918

Wien - Österreich-Ungarn * Der Höhepunkt der österreichisch-ungarischen Streikbewegung ist erreicht.

In Wien befinden sich 110.000, insgesamt 350.000 bis 370.000 Menschen im Ausstand

19. Januar 1918

Berlin - München * Kurt Eisner kehrt von seinen Gesprächen in Berlin zum Massenstreik nach München zurück. 

19. Januar 1918

Wien * Angesehene österreichische Sozialdemokraten wie Viktor Adler rufen die Streikenden zur Mäßigung auf und verhandeln mit der Regierung in Wien Verbesserungen aus. 

Der k.u.k.-Ministers des Äußern, Graf Ottokar Czernin von und zu Chudenitz, überreicht einer Abordnung des Arbeiterrates eine Erklärung, in der er sich verpflichtet, die Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk keinesfalls an territorialen Forderungen scheitern zu lassen.

Ministerpräsident Ernst von Feuchtenegg sagt Reformen

  • des Kriegsleistungsgesetzes und
  • des Ernährungsdienstes sowie
  • eine Demokratisierung des Gemeindewahlrechtes zu. 
20. Januar 1918

Wien * Der sozialdemokratische Parteivorstand Österreichs veranlasst eine Regierungserklärung, die zahlreiche Zugeständnisse an die Streikenden enthält.

Darunter die Zusicherung,

  • die katastrophale Lebensmittelversorgung zu verbessern und
  • sich um Friedensverhandlungen zu bemühen.

Er setzt damit den Beschluss zum Abbruch des Streiks durch.

Die Beendigung des Streiks verärgert die radikale Linke, die sich von den Versprechungen nicht beeindrucken lassen will.

Die Militärs hätten allerdings nicht davor zurückgeschreckt, mit militärischer Gewalt gegen den Streik und die Streikenden vorzugehen. 

20. Januar 1918

München * Ernst Toller trifft von Heidelberg kommend in München ein.

Der gute Redner wird sich später an den Münchner Januarstreiks aktiv beteiligen.

Ab 21. Januar 1918

Österreich-Ungarn * Nach dem Ende der Jännerstreiks werden die Streikführer und auch zahlreiche Aktivisten verhaftet oder zur Armee eingezogen. 

21. Januar 1918

Österreich-Ungarn * Nun greifen die Unruhen auf die Armee über.

  • Es kommt zu Soldatenmeutereien unter Truppen südslawischer Herkunft in Judenburg und Pécs,
  • bei Truppen mit tschechischen Soldaten im böhmischen Rumburg und
  • unter ungarischen Regimentern in Budapest. 
21. Januar 1918

München-Ludwigsvorstadt * Zum USPD-Diskussionsabend im Wirtshaus Zum Goldenen Anker in der Schillerstraße treffen nach Polizeiberichten rund 150 Personen zusammen, darunter 20 Frauen und 30 Soldaten.

Damit erreicht der Diskussions-Stammtisch seine größte Breitenwirkung. 

21. Januar 1918

München * Mit Plakaten wird aufgefordert, Brennnesseln zu sammeln. Die Pflanze, so heißt es, kommt der Baumwolle am nächsten, deren Zufuhr aufgrund der Kriegserklärung Amerikas abgeschnitten ist.

„Wir Deutschen müssen unseren Stolz dareinsetzen, genügend Nesselfasermengen herbeizuschaffen, denn, genau so wenig uns der Engländer auszuhungern vermochte, darf uns der Amerikaner mit Gespinstfasern kaltstellen“

22. Januar 1918

Pola * Die Arsenalarbeiter im Kriegshafen Pola treten in den Streik.

Ihnen schließen sich die Matrosen der im Hafen liegenden Schiffe der k.u.k.-Kriegsmarine an. 

24. Januar 1918

Wien * Für den österreichisch-ungarischen Ministerpräsidenten Ottokar Graf von Czernin und zu Chucenitz ist ein Verständigungsfrieden auf der Grundlage der 14 Punkte des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson akzeptabel.

Er erklärt dies in Hinblick auf die innenpolitische und militärische Lage seines Landes.

27. Januar 1918

München-Isarvorstadt * Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands - USPD führt in den Kolosseum-Bierhallen eine Versammlung zum Thema Die Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk und das arbeitende Volk durch.

Die Polizeibehörde betrachtet die Versammlung als öffentlich und hat deshalb die Überwachung angeordnet. 

27. Januar 1918

München-Isarvorstadt * An der USPD-Versammlung in den Kolosseumbierhallen nehmen einige Vertrauensleute der Krupparbeiter der Bayerischen Geschützwerke teil.

Sie fordern Kurt Eisner und Sarah Sonja Lerch auf, am nächsten Tag in der von den Gewerkschaften und den Mehrheitssozialdemokraten einberufenen Betriebsversammlung zu sprechen.

Erst dadurch - und nicht durch die Organisation der USPD - kommt der Kontakt zu den Arbeitern der Münchner Rüstungsbetriebe zustande. 

28. Januar 1918

München * Kurt Eisner und seiner USPD gelingt es aufgrund der fehlenden Kontakte zu den Rüstungsarbeitern noch nicht, die Münchner Arbeiterschaft auf die Straße zu bringen.

Erst am 31. Januar 1918 treten die Rüstungsarbeiter in den Streik ein. 

28. Januar 1918

München-Schwabing * In der Schwabinger Brauerei findet am Abend eine Veranstaltung der MSPD zum Thema „Die Übergangswirtschaft vom Krieg zum Frieden“ statt.

Sie wird von etwa 800 Personen besucht. 
Hauptredner ist der stellvertretende Landesvorsitzende Franz Schmitt.

Der Vortrag endet mit der Warnung, sich - auch in Hinblick auf die Berliner Streikmaßnahmen - zu keinen unüberlegten Handlungen hinreißen zu lassen, nachdem die Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk ins Stocken geraten waren.

Nach einer heftigen Geschäftsordnungsdebatte und gegen den erbitterten Willen des Veranstaltungsleiters und Gewerkschaftsfunktionärs Joseph Kurt konnte Kurt Eisner dennoch das Rederecht erringen und das neue Thema „Die politische Lage“ auf die Tagesordnung setzen.

Noch bevor über die Teilnahme der Krupparbeiter in den Bayerischen Geschützwerken am Streik abgestimmt werden kann, gelingt es den Vertretern der MSPD und der Gewerkschaften, die Versammlung wegen Überschreiten der Polizeistunde aufzulösen. 

28. Januar 1918

Nürnberg * In der Nacht vom 28. zum 29. Januar 1918 beschließt die Ortsgruppe der Nürnberger Mehrheitssozialdemokraten, sich dem Streikaufruf der USPD anzuschließen.

Der fränkische Streikaufruf war auch als Seitenhieb auf den Opportunismus der Münchner Sozialdemokraten gedacht.

In Nürnberg beteiligen sich weit über 40.000 Arbeiterinnen und Arbeiter an den Streikaktionen und Demonstrationen. 

Ab 28. Januar 1918

Russland * Revolutionäre Obleute organisieren in Russland Massenstreiks gegen die annexionistische Verhandlungsführung der Mittelmächte in Brest-Litowsk.

Die Streiks dauern bis 4. Februar 1918 an. 

28. Januar 1918

Berlin * Am ersten Tag des Ausstands folgen rund 100.000 Berliner Arbeiterinnen und Arbeiter dem Aufruf der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei - USPD zum Streik. 
Das Motto heißt: „Frieden und Brot!“

Ihre Hauptforderungen lauten:

  • Die schleunige Herbeiführung des Friedens ohne Annexion, ohne Kriegsentschädigung, auf Grund des Selbstbestimmungsrechts der Völker entsprechend den Ausführungsbestimmungen, die dafür von den russischen Volksbeauftragten in Brest-Litowsk formuliert wurden
  • Die sofortige Aufnahme von Friedensverhandlungen mit allen kriegsführenden Parteien sowie 
  • die Errichtung einer bürgerlichen Demokratie

Für Deutschland fordern die von den Streikenden gebildeten Berliner Arbeiterräte eine „durchgreifende Demokratisierung der gesamten Staatseinrichtungen“

Ein von den Arbeitern gewählter elfköpfiger Aktionsausschuss unter Leitung von Richard Müller führt die Streikbewegung an. Als Vertreter der Arbeiterparteien werden 

  • die USPD-Reichstagsabgeordneten Hugo Haase, Georg Ledebour und Wilhelm Dittmann sowie 
  • die Vorstandsmitglieder der SPD Friedrich Ebert, Philipp Scheidemann und Otto Braun hinzugezogen. 

Das Vorbild der österreichischen Kolleginnen und Kollegen hat auch die deutsche Arbeiterschaft ermutigt. 

29. Januar 1918

Mährisch-Ostrau * In Mährisch-Ostrau streiken die Arbeiter. 

29. Januar 1918

München * Im Beisein von Kurt Eisner beschließen die Betriebsvertrauensleute der Kruppwerke in den Bayerischen Geschützwerken, dass sie am Donnerstag, 31. Januar 1918 mit dem Streik beginnen werden. 

29. Januar 1918

München * Im Ingolstädter Hof treffen sich Kurt Eisner, Sarah Sonja Lerch und andere Genossen mit den Vertrauensleuten der Krupp-Arbeiter in den Bayerischen Geschützwerken

29. Januar 1918

Deutsches Reich * Reichsweit beteiligen sich mindestens 250.000 Arbeiterinnen und Arbeiter am Streik. 

29. Januar 1918

Berlin * In Berlin werden alle Versammlungen verboten.

Die Polizei besetzt das Gewerkschaftshaus. 

30. Januar 1918

München * Die Delegierten des Münchner Gewerkschaftsvereins beschließen eine Resolution, in der sie die Aktivitäten der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei - USPD zum Streik verurteilen.

Der Gewerkschaftsvorsitzende Johannes Timm verständigt sich mit dem MSPD-Parteisekretär Erhard Auer, an der für den nächsten Tag angesetzten Versammlung der Münchner kriegswichtigen Betriebe teilzunehmen.

Sie wollen durch ihre Präsenz

  • Gegenmaßnahmen einleiten,
  • die Bewegung in geordnete Bahnen lenken und
  • den Streik so bald als möglich beenden. 
31. Januar 1918

München * Die rund 2.000 Streikenden ziehen gemeinsam von der Schwabinger Brauerei zu anderen Rüstungsbetrieben im Münchner Norden und schließlich in die Innenstadt in Richtung Hauptbahnhof.

Der inzwischen auf 6.000 Menschen angewachsene Zug will in den Mathäserbräu, in dem aber bereits BMW-Arbeiter eine Versammlung abhalten.

Ihr Demonstrationszug endet schließlich im Hotel Wagner an der Sonnenstraße.
Hier sprechen neben Fritz Schröder auch Sarah Sonja Lerch und Hans Unterleitner. 

31. Januar 1918

München-Ludwigsvorstadt * Im Festsaal der Mathäserbrauerei finden kurz hintereinander die Betriebsversammlungen der Bayerischen Motorenwerke und der Bayerischen Flugzeugwerke statt.

Am frühen Nachmittag versammelt sich die Arbeiterschaft des im Jahr 1917 von Rapp-Motorenwerke in Bayerische Motorenwerke - BMW umbenannten Betriebs.

Anders als in den Krupp-Werken sind die BMW-Arbeitsausschüsse fest in der Hand der Gewerkschaften und der MSPD.  

Auch Kurt Eisner ergreift das Wort und erkennt, dass die Mehrheit der Anwesenden den Streik will.
Nach seinen Ausführungen stimmen die Teilnehmer für die Arbeitskampfmaßnahme.

Ob es bei den Bayerischen Motorenwerken - BMW tatsächlich zum Streik kommen wird, ist fraglich, denn die Versammlung war gegen den Willen der Betriebsvertrauensleute einberufen worden. Und schon deshalb könnten diese dem Streikbeschluss die Anerkennung versagen. 

31. Januar 1918

München-Ludwigsvorstadt * Am Abend findet im „Mathäserbräusaal“ eine Versammlung der Arbeiterinnen und Arbeiter der „Bayerischen Flugzeugwerke AG“ statt, bei der der SPD-Abgeordnete Erhard Auer spricht und „wilde Streiks“ als „zwecklos und sinnwidrig“ bezeichnet.

Als die Versammelten Kurt Eisner zur Stellungnahme ermunterten, blieb dieser still. Die MSPD und die Gewerkschaften können durchsetzen, dass die Arbeit erst dann niedergelegt wird, wenn sich die Parteileitung in Berlin dafür ausgesprochen hat.

Die Versammlung nimmt einen erregten Verlauf und muss wegen des „großen Lärms“ vorzeitig beendet werden. 

31. Januar 1918

München-Ludwigsvorstadt * Der taktische Winkelzug der USPD geht auf. Felix Fechenbach von den Unabhängigen Sozialdemokraten bemächtigt sich des Vorstandstisches im Festsaal des Mathäserbräu und beruft umgehend eine öffentliche Volksversammlung ein, die er sogleich eröffnet.

Als Redner treten Kurt Eisner und Sara Sonja Lerch auf.
Diese erzeugen einen Sinneswandel bei den Anwesenden, die sich jetzt ebenfalls für den Streik aussprechen.

Am Schluss wird auch die bereits am Vormittag von den Kruppianern in der Schwabinger Brauerei beschlossene Resolution zur sofortigen Beendigung des Krieges „des Wahnsinns und der Wahnsinnigen“ angenommen. 

31. Januar 1918

München-Isarvorstadt * Am späten Abend treffen sich Kurt Eisner, Sarah Sonja Lerch und weitere USPD-Genossen zu einer Besprechung im Restaurant Müllerbad.

Kurt Eisner sowie Vater und Sohn Albert Winter werden dort verhaftet. 

31. Januar 1918

Berlin * Das Militär verhängt den „verschärften Belagerungszustand“ über Berlin.

Die Behörden lösen den Arbeiterrat auf und untersagen die Bildung einer neuen Streikleitung.
Die SPD-Parteizeitung „Vorwärts“ wird verboten, weil er über die Sympathiestreiks in Budapest und Wien berichtet hat. 

31. Januar 1918

München * Die Münchner Kruppianer der Bayerischen Geschützwerke treten an diesem Donnerstag in den Streik ein.
Am frühen Morgen marschieren sie - vorbei an verschiedenen Großbetrieben im Norden Münchens, die sie zum Anschließen auffordern - zum Schwabinger Bräu, wo Kurt Eisner zu ihnen spricht.

Die Krupp-Arbeiterschaft nimmt eine von Kurt Eisner verfasste Resolution einstimmig an.
Darin erklären sich „die streikenden Arbeiter Münchens mit den Arbeitern der feindlichen Nationen einig in dem feierlichen Entschlusse, den Krieg des Wahnsinns und der Wahnsinnigen sofort ein Ende zu setzen“

31. Januar 1918

München * Kurt Eisner schrieb später:

„Die revolutionärste Revolution, das war doch die vom 31. Januar.

Damals stand Deutschland auf dem Gipfel seiner militärischen Macht, und wenn es uns damals gelungen wäre, die Massen aufzuregen und aufzurütteln zu jener Volksbewegung, wie sie uns damals schon vorschwebte, dann hätten wir noch einen Frieden haben können, in dem wir nicht auf Gnade und Ungnade dem Gegner ausgeliefert gewesen wären“

Februar 1918

München-Bogenhausen * Die „Baufirma Heilmann & Littmann“ will in den „Fleischer-Palast“ 110 Kleinwohnungen unterbringen. 

Ein weiterer Plan war, das Gebäude abzureißen und das Gelände in 30 Villenbauplätze aufzuteilen.

1. Februar 1918

Kotor * Auf den in der „Bucht von Kotor“ vor Anker liegenden 40 Schiffe der „k.u.k.-U-Bootflotte“ kommt es zum „Matrosenaufstand von Cattaro“.

6.000 Matrosen hissen die roten Fahnen und verlangen den „sofortigen Friedensschluss“

1. Februar 1918

München-Schwabing * Am Vormittag treffen sich die streikenden Arbeiterinnen und Arbeiter der Bayerischen Geschützwerke, Teile der Belegschaft der Lokomotivfabrik Maffei sowie die Arbeiterinnen und Arbeiter der Lederfabrik Gebrüder Hesselberger und des BMW-Werkes zur Auftaktveranstaltung in der Schwabinger Brauerei.

Im Anschluss ziehen sie in einem Protestmarsch zum Polizeipräsidium in der Ettstraße.
Eine Abordnung der Streikenden begibt sich zum Polizeipräsidenten, um die Freilassung der Inhaftierten zu erwirken. 

1. Februar 1918

München-Ludwigsvorstadt * Die streikende „BMW-Arbeiterschaft“ hält ihre Versammlung im „Mathäserbräu“ ab.

Um die Mittagszeit marschiert sie zu den „Präzisionswerken Deckel“

1. Februar 1918

München-Schwabing * Die Streikenden der „Bayerischen Geschützwerke“ beenden ihren „Protestmarsch“ zu einer Kundgebung in der „Schwabinger Brauerei“.

Im Anschluss ziehen sie weiter zur „Maffei-Maschinenfabrik“

1. Februar 1918

München * Am Nachmittag und Abend dieses Tages finden noch weitere Versammlungen der Belegschaften verschiedener Betriebe statt. 

1. Februar 1918

München * Am frühen Morgen dieses Freitags werden Sarah Sonja Lerch, Carl Kröpelin, Hans Unterleitner sowie die Schwestern Betty und Emilie Landauer verhaftet. 

2. Februar 1918

München-Isarvorstadt * Am Abend finden im „Gewerkschaftshaus“ in der Pestalozzistraße 40/42 Einigungsverhandlungen zwischen den von der USPD geführten „Streikenden“ und der MSPD statt. Sie führen zu keinem Erfolg.

  • Die „Streikleitung“ erklärt sich allerdings mit der MSPD einverstanden, die die Forderungen der Arbeiter der „Reichsregierung“ unterbreiten will.
  • Ebenso ist sie mit der Wiederaufnahme der Arbeit am Montag, dem 4. Februar einverstanden.

Letztlich ist es den Behörden - in Zusammenarbeit mit der SPD und den Gewerkschaften - gelungen, die „Streiks“ zu beenden. 

2. Februar 1918

München-Maxvorstadt * Die streikenden Arbeiterinnen und Arbeiter der „Bayerischen Flugzeugwerke“ versammeln sich im „Löwenbräukeller“.

Im Anschluss ziehen die Versammelten zur „Theresienwiese“, wo sich insgesamt 6.000 Streikende aus verschiedenen Betrieben einfinden. 

2. Februar 1918

München * Am Nachmittag dieses Samstags finden in den nachstehenden Betrieben Streikmaßnahmen statt:

  • Bei den „Bayerischen Flugzeugwerken“ beteiligen sich 3.000 Männer und Frauen,
  • bei den „Bayerischen Geschützwerken“ wird von 2.000 Männern und Frauen bestreikt,
  • die „Bayerischen Motorenwerke“ bestreiken 1.500 Männer und Frauen,
  • bei den „Präzisionswerken Deckel“ befinden sich hauptsächlich 1.100 Frauen im Streik. 
  • In den „Ottowerke-Maschinen- und Flugzeugfabrik“ haben etwa 1.000 Männer und Frauen die Arbeit niedergelegt,
  • in der „Zigarettenfabrik Austria“ tun dies 500 Frauen,
  • bei der „Zigarettenfabrik Philipps Carl Witwe“ sind 300 Frauen im Streik,
  • in der „Möbelfabrik Deutsche Werkstätten“ streiken 180 Männer und Frauen,
  • bei der „Lederfabrik Gebrüder Hesselberger“ haben 150 Frauen die Arbeit niedergelegt.
  • Hinzu kommen noch viele, vor allem streikende Frauen aus weiteren kleinen Betrieben.

Fazit: Am Höhepunkt der „Januarstreiks“ haben sich in München weit über 9.000 Menschen, vorwiegend aus den Münchner „Rüstungsbetrieben“, beteiligt. Der Streik wurde zu einem erheblichen Teil von Frauen getragen. 

3. Februar 1918

München-Theresienwiese * Um 10 Uhr treffen sich 2.500 bis 3.000 „Streikende“ zur letzten „Streik-Kundgebung“ unter freiem Himmel auf der „Theresienwiese“.

Der der USPD angehörende „Handlungsgehilfe“ Fritz Schröder erklärt, dass die gegenwärtige Bewegung ein „Kinderspiel“ sei, gegen das, was noch kommen wird, wenn die Forderungen der Arbeiter abgelehnt werden würden.

Der anschließende Demonstrationszug wächst noch einmal auf 5.000 Menschen an. 

3. Februar 1918

München * Ernst Toller wird wegen seiner Beteiligung an den „Januarstreiks“ verhaftet. 

4. Februar 1918

Königreich Bayern * In den großen bayerischen „Industriestädten“ München, Nürnberg, Fürth, Schweinfurt und Ludwigshafen haben sich zusammen etwa 75.000 Beschäftigte in den Rüstungsbetrieben an den „Januarstreiks“ beteiligt. 

4. Februar 1918

München * Am Nachmittag wird Lorenz Winkler wegen seiner Beteiligung an den Münchner Januarstreiks verhaftet. 

4. Februar 1918

München * Die „Streiks“ sind beendet.
In den Fabriken wird wieder gearbeitet, doch der Anlass der „Streiks“ ist geblieben.

Die „Christlichen Gewerkschaften“ lehnen in einer Stellungnahme grundsätzlich jeden „politischen Streik“ ab.

Nach 5. Februar 1918

München * Nach dem Ende der Januarstreiks sinkt die Zahl der Münchner USPD sofort um ein Drittel ab und pendelt sich bei etwa 400 Anhänger ein. 

9. Februar 1918

Brest-Litowsk * Zwischen der weitgehend von „Bolschewisten“ besetzten Ukraine und den „Mittelmächten“ wird in Brest-Litowsk ein „Separatfrieden“ unterzeichnet.

Dieser „Brotfriede“ soll die „Lebensmittelversorgung der Mittelmächte“ sichern.
Zugleich wird die Ukraine wirtschaftlich eng an das „Deutsche Reich“ gebunden. 

10. Februar 1918

Brest-Litowsk * Der russische „Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten“, Leo D. Trotzki, beendet in Brest-Litowsk die Verhandlungen mit den „Mittelmächten“ aus Verärgerung über den am Tag zuvor abgeschlossenen „Separatfrieden“ mit der Ukraine. 

14. Februar 1918

Russland * In Russland wird der „gregorianische Kalender“ eingeführt.

Die Datierung rückt um 13 Tage vor.
Damit folgt auf den 1. Februar der 14. Februar. 

18. Februar 1918

Brest-Litowsk * Die „Mittelmächte“ nehmen nach dem einseitigen Abbruch der „Friedensverhandlungen“ durch Leo D. Trotzki am 10. Februar die Kampfhandlungen im Rahmen der „Operation Faustschlag“ wieder auf.

„Generalquartiermeister“ Erich Ludendorff arbeitet auf die Abtrennung der gesamten baltischen Küste und Finnlands von Russland hin. 

18. Februar 1918

München * Der am 28. November 1917 zum „II. rechtskundigen Bürgermeister“ gewählte „Hofrat“ Dr. Hans Küfner tritt sein Amt an.

26. Februar 1918

Brest-Litowsk * Nach dem schnellen Vormarsch der „Mittelmächte“ kehren die russischen Beauftragten für die „Friedensverhandlungen“ wieder an den Verhandlungstisch in Brest-Litowsk zurück. 

1. März 1918

Kiew * „Deutsche Truppen“ besetzen Kiew und setzen eine „antibolschewistische Regierung“ ein. 

1. März 1918

Deutsches Reich * Das deutsche Heer besteht aus 5,1 Millionen einsatzfähigen Soldaten. 

2. März 1918

München * König Ludwig III. erinnert an das hundertjährige Bestehen der „Bayerischen Verfassung“.

3. März 1918

Brest-Litowsk * Unterzeichnung des „Friedensvertrages von Brest-Litkowsk“ zwischen der „Sowjetregierung“ und den „Mittelmächten“.

  • Russland verliert über 25 Prozent seiner Bevölkerung,
  • 27 Prozent seines wirtschaftlich nutzbaren Bodens und 
  • muss die Unabhängigkeit von Finnland, Estland, Livland, Kurland, Litauen, Polen, Georgien, der Ukraine und von Teilen Armeniens anerkennen. 
4. März 1918

München-Kreuzviertel * Erstmals taucht der Begriff „Reinheitsgebot“ während einer Debatte im „Bayerischen Landtag“ auf. 

Es war der niederbayerische Abgeordnete Hans Rauch, „Akademielehrer“ und „Leiter der Buchstelle bei der Akademie für Landwirtschaft und Brauerei Weihenstephan“, der sagt: „Wir halten fest am Reinheitsgebote, weil wir der Tradition treu bleiben“.

7. März 1918

München * Der in der „Reichsbahnhauptwerkstätte München“ als „Werkzeugschlosser“ beschäftigte Anton Drexler ruft den „Freien Arbeiterausschuss für einen guten Frieden“ ins Leben. 

Die Gründung erfolgte in Anlehnung an eine fast gleichnamige und gleiche Ziele verfolgende Organisation in Bremen. 

Es ist eine antisemitische und antimarxistische Gruppierung, die nie mehr als vierzig Mitglieder zählt und der es um eine Versöhnung der Arbeiterschaft mit der nationalen Rechten geht.
Die bürgerlichen Parteien haben in ihren Augen versagt und der Marxismus erscheint ihnen für ihre nationalistischen Ziele ungeeignet. 

7. März 1918

Berlin - Helsinki * Zwischen dem „Deutschen Reich“ und der bürgerlichen Regierung Finnlands wird ein „Friedens- und Freundschaftsvertrag“ geschlossen. 

8. März 1918

Bad Kreuznach - Spa * Das Große Hauptquartier der Obersten Heeresleitung - OHL wird von Bad Kreuznach in das Hotel Britannique ins belgische Spa verlegt. 

Dort bleibt es bis zum Kriegsende. 

9. März 1918

München * Der Schriftsteller Frank Wedekind stirbt. 

10. März 1918

München * Die Sonntagsarbeit in den Rüstungsbetrieben wird aufgehoben.

10. März 1918

Petersburg - Moskau * Die sowjetrussische Regierung verlegt ihren Sitz aus strategischen Gründen nach Moskau.

Moskau wird deshalb zur Hauptstadt erklärt. 

14. März 1918

Dresden * Richard Kämpfer wird wegen seiner Beteiligung an den Münchner „Januarstreiks“ in Dresden verhaftet. 

15. März 1918

München * Anna Niedermeier, Franz Xaver Müller und Karl Mettler werden wegen ihrer Beteiligung an den Münchner „Januarstreiks“ verhaftet. 

Die „Arbeiterin“ Anna Niedermeier wird noch am gleichen Tag wieder freigelassen.

18. März 1918

Berlin * Beginn der Zeichnung für die achte „Kriegsanleihe“.

Ab 21. März 1918

Bapaume - Nordfrankreich * Mit einem mehrstündigen, für die Gegenseite in seiner Massivheit vollkommen unerwarteten „Sturm aus Feuer und Stahl“, wie man ihn bis dahin noch nicht erlebt hat, beginnen die deutschen Truppen die „Operation Michael“.

Es ist die erste von fünf Schlachten der deutschen „Frühjahrsoffensive“, die zugleich der letzte Versuch des Deutschen Kaiserreichs ist, an der Westfront einen für die Mittelmächte günstigen Kriegsausgang zu erreichen.

Was die Briten in der Flandernschlacht in zwei Wochen verschossen hatten, verbrauchen die Deutschen in nur wenigen Stunden.
Es werden nicht nur Sprenggranaten, sondern auch Giftgas-Granaten verschossen.

Schon am ersten Tag des Unternehmens kann die Verteidigung des Gegners durchbrochen werden. In den Folgetagen dringen die deutschen Truppen auf einer Breite von 80 Kilometern etwa 65 Kilometer tief in französisches Territorium ein.

Die Entente soll zurückgeschlagen werden, ehe die US-Amerikaner in Europa landen. Dies würde, so die Überlegung Erich von Ludendorffs, das Deutschen Reich in eine gute Ausgangsposition bei den Friedensverhandlungen setzen.

  • Die Offensive wird nur am Anfang erfolgreich sein, aber kein Triumphlauf werden.
  • Die Übermacht der alliierten Streitkräfte,
  • erhebliche Versorgungsprobleme und
  • große Verluste sind Ursachen für den Untergang der deutschen Truppen.
  • Am ersten Tag der „Michael-Offensive“ werden auf deutscher Seite von 39.929 Mann 10.851 getötet, 28.778 verwundet und 300 Mann gefangen genommen.
  • Von den eingesetzten 38.512 Briten fallen 7.512, etwa 10.000 werden verwundet und 21.000 gehen in Gefangenschaft. 
23. März 1918

Berlin * Im Berliner „Reichstag“ wird der „Friedensvertrag von Brest-Litowsk“ ratifiziert.

Bei der vorausgegangenen Abstimmung stimmten

  • die Abgeordneten der „Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands - USPD“ dagegen,
  • die der „Sozialdemokratische Partei Deutschlands - SPD“ enthielten sich der Stimme. 
23. März 1918

Deutsches Reich * Kaiser Wilhelm II. gibt den Schulkindern für Siegesfeiern schulfrei. 

25. März 1918

München-Ludwigsvorstadt * Nur mehr 30 Personen besuchen den „USPD-Diskussions-Stammtisch“ im „Goldenen Anker“

26. März 1918

Paris * Ferdinand Foch wird zum Oberkommandierenden sämtlicher alliierten Streitkräfte in Frankreich ernannt. 

29. März 1918

München-Au * Sarah Sonja Lerch wird in einer Zelle, die offenbar nicht die ihre war, erhängt aufgefunden.

31. März 1918

USA - Frankreich * Seit März 1918 treffen monatlich 250.000 US-Soldaten zur Verstärkung ein. Bis Kriegsende werden es rund zwei Millionen sein.

Sie sind mit den besten Waffen und der modernsten Technologie ausgerüstet. Außerdem sind sie tüchtig und tatendurstig. 

1. April 1918

München * Sarah Lerch, eine der Anführerinnen der „Januarstreiks“, wird beerdigt. 

Sie war gemeinsam mit Kurt Eisner, Albert Winkler, Hans Unterleitner, Emilie und Babette Landauer wegen „Landesverrats“ verhaftet worden.
Die 31-jährige Sarah Lerch hat sich im „Untersuchungsgefängnis Stadelheim“ erhängt. 

Sie wird nicht die letzte Sozialdemokratin sein, die im Freitod die Erlösung aus offenbar nicht zu verändernden Verhältnissen sucht.

5. April 1918

Spa - Nordfrankreich * Generalquartiermeister Erich Ludendorff lässt die „Operation Michael“ wegen Erfolglosigkeit abbrechen. 

  • Die deutschen Truppen können nicht zum Meer durchdringen,
  • das britische Heer ist nicht zusammen gebrochen,
  • es bleibt bei einem bloßen Raumgewinn.
  • Nach der Anzahl der Gefallenen (35.163 auf deutscher Seite) ist die „Michael-Offensive“ die blutigste Schlacht des ganzen Ersten Weltkrieges.

Ludendorff führt den Misserfolg auf den „nachlassenden Angriffsgeist der Truppe“ zurück. 

8. April 1918

München-Ludwigsvorstadt * Nachdem sich nur mehr acht Personen am „USPD-Diskussionsabend“ im Gasthaus „Zum Goldenen Anker“ in der Schillerstraße beteiligen, stellt man dieses Bildungsangebot wieder ein.

Durch die Verhaftung der Vordenker der Partei sind ihr

  • die Integrationsfiguren weggebrochen,
  • nennenswerten Aktionen finden nicht mehr statt.
  • Die Münchner USPD versinkt in der Bedeutungslosigkeit. 
9. April 1918

München-Au * Die am 1. Februar 1918 wegen ihrer Beteiligung am „Januarstreik“ verhafteten „Buchhalterinnen“ Betty und Emilie Landauer werden aus der Untersuchungshaft entlassen. 

Ab 9. April 1918

Armentières - Nordfrankreich * Die zweite Frühjahrsoffensive beginnt rund 15 Kilometer von Lille entfernt nach dem Muster der Operation Michael mit schlagartigem Artilleriefeuer.

Generalquartiermeister Erich Ludendorff nennt die Offensive „Georgette“

11. April 1918

Armentières - Nordfrankreich * Der britische Oberkommandierende Douglas Haig gibt den Tagesbefehl heraus:

„Jede Stellung muss bis zum letzten Mann gehalten werden. Es darf keinen Rückzug geben. Mit dem Rücken zur Wand und an die Gerechtigkeit unserer Sache glaubend, muss jeder von uns bis zum Ende kämpfen“

16. April 1918

München * Theobald Michler wird wegen seiner Beteiligung an den Münchner „Januarstreiks“ verhaftet. 

16. April 1918

Düsseldorf * Fritz Schröder wird wegen seiner Beteiligung an den Münchner „Januarstreiks“ in Düsseldorf verhaftet. 

19. April 1918

München-Au * Der am 1. Februar 1918 wegen seiner Beteiligung am „Januarstreik“ verhaftete „Eisengießer“ Karl Mettler wird aus der Untersuchungshaft entlassen. 

28. April 1918

Theresienstadt * Gavrilo Princip, der Attentäter von Sarajevo, stirbt in der Haft. 

29. April 1918

Spa - Nordfrankreich * Generalquartiermeister Erich Ludendorff lässt auch die „Operation Georgette“ abbrechen. 

16. Mai 1918

Berlin - Deutsches Reich * Das Kriegsernährungsamt kürzt die tägliche Brotration auf 150 Gramm pro Person. 

26. Mai 1918

München * Die Feierlichkeiten zu „100 Jahre Bayerische Verfassung“ werden - während des Ersten Weltkriegs - unter Einbeziehung der Bevölkerung in „schlichter Einfachheit“ begangen.

Ab 27. Mai 1918

Soissons - Nordfrankreich * Gemäß seiner „Hammerschlag-Direktive“ lässt Generalquartiermeister Erich Ludendorff die deutschen Truppen im Raum Soissons als dritte „Frühjahrsoffensive“ als „Operation Blücher-Yorck“ in Kriegshandlungen eintreten. 

Die Deutschen können schließlich die Marne erreichen, weshalb die Franzosen von der „Zweiten Marneschlacht“ sprechen.

Die Deutschen rücken bis auf 92 Kilometer an Paris heran und beschießen die französische Hauptstadt mit dem „Paris-Geschütz“. Das hat zwar keinen militärischen Nutzen, löst aber eine Panik in der Zivilbevölkerung aus. 256 Zivilisten sterben.

Die deutschen Geländegewinne sind zwar bedeutungslos, dennoch glauben viele an der „Heimatfront“, dass der entscheidende Sieg jetzt unmittelbar bevor steht. 

3. Juni 1918

London * Großbritannien erkennt den „Nationalrat der Tschechen und Slowaken“ an. 

6. Juni 1918

Soissons - Nordfrankreich * Die „Operation Blücher-Yorck“ wird durch den Generalquartiermeister Erich Ludendorff beendet. 

Ab 8. Juni 1918

Nordfrankreich * Als vierte „Frühjahrsoffensive“ lässt Generalquartiermeister Erich Ludendorff die deutschen Truppen als „Operation Gneisenau“ gegen Frankreich kämpfen.

Da sich die Franzosen inzwischen auf die deutsche Taktik eingestellt haben, werden die deutschen Geländegewinne immer geringer, die Verluste dagegen immer höher. 

11. Juni 1918

Nordfrankreich * Die „Operation Gneisenau“ der deutschen Truppen wird von einem französischen Gegenangriff gestoppt. 

15. Juni 1918

Marne * Beginn der letzten deutschen Offensive an der Marne und in der Champagne. 

Sie dauert bis 17. Juni und wird scheitern.

Ab 17. Juni 1918

München-Graggenau * Es kommt auf dem Marienplatz zu „Hungerrevolten“, bei denen von Frauen und Jugendlichen Fenster des Rathauses eingeworfen werden. 

Die mit Militär verstärkte Schutzmannschaft räumt den Platz am darauffolgenden Tag.

20. Juni 1918

München-Au * Der am 1. Februar 1918 wegen seiner Beteiligung am „Januarstreik“ verhaftete „Schlosser und Werkzeugdreher“ Carl Kröpelin wird aus der Untersuchungshaft entlassen. 

24. Juni 1918

Berlin * Noch vor dem französischen Gegenangriff von Villers-Cotterêts betont Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Richard von Kühlmann, dass es an der Zeit sei, den Gegnern die Hand zu einem Vergleichsfrieden zu reichen.

„Bei der ungeheueren Größe dieses Koalitionskrieges und der Zahl der in ihm begriffenen auch überseeischen Mächte [wird] durch rein militärische Entscheidungen allein ohne alle diplomatischen Verhandlungen ein absolutes Ende kaum erwartet werden können“

25. Juni 1918

Spa - Berlin * Die Oberste Heeresleitung - OHL gibt eine Pressekonferenz, auf der sie erklären lässt, dass sie mit den Ausführungen des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes Richard von Kühlmann vom Vortag nicht identifiziert und nicht „der Auffassung der OHL“ entspreche.

Im Gegenteil: „Die OHL ist aufs peinlichste überrascht“

25. Juni 1918

Spa - Berlin * In einem Telegramm der Obersten Heeresleitung - OHL an den Reichskanzler Georg Friedrich Graf von Hertling erklärt Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, dass „für die weiteren schweren Folgen, die aus dem gestrigen Vorgang für die siegreiche Beendigung des Krieges entstehen werden, der Staatssekretär von Kühlmann verantwortlich“ sei.

Das ist der erste Schritt für die spätere „Dolchstoßlegende“

26. Juni 1918

Berlin * Der Interfraktionelle Ausschuss trifft sich im Reichstag und beschließt, auf eine politische Initiative zur Unterstützung des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes, Richard von Kühlmann, zu verzichten.

Der Interfraktionelle Ausschuss ist ein inoffizielles Gremium, das die Arbeit Reichstagsfraktionen der Sozialdemokratischen Partei - SPD, der Fortschrittlichen Volkspartei - FVP und der Zentrumspartei. Die drei Parteien bilden seit der Reichstagswahl von 1912 die Mehrheit im Reichstag.

Die Situation zeigt aber auch das machtpolitische Versagen der Reichstagsmehrheit

29. Juni 1918

Paris * Frankreich erkennt den „Nationalrat der Tschechen und Slowaken“ an.

1. Juli 1918

Deutsches Reich * Das deutsche Heer besteht nur noch aus 4,2 Millionen einsatzfähigen Soldaten.

Das ist seit März 1918 ein Rückgang von 900.000 Soldaten. 

Um 2. Juli 1918

Spa - Berlin * Generalquartiermeister Erich Ludendorff fordert Reichskanzler Georg Friedrich Graf von Hertling auf, den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Richard von Kühlmann, zu entlassen, anderenfalls werde er selbst zurücktreten. 

Unterstützung durch den schwachen Reichskanzler Hertling wird Kühlmann nicht erfahren. 

8. Juli 1918

Berlin * Kaiser Wilhelm II. versetzt den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Richard von Kühlmann, in den „einstweiligen Ruhestand“.

Damit hat die Politik gegenüber den Militärs erneut klein beigegeben.
Ein Konflikt mit der Obersten Heeresleitung - OHL wird nicht eingegangen. 

Die Militärs brauchen die Reichstagsmehrheit nicht zu fürchten. 

15. Juli 1918

Nordfrankreich - Reims * Die fünfte deutsche „Frühjahrsoffensive“ beginnt als „Operation Marneschutz-Reims“

16. Juli 1918

München-Obergiesing * Hunderte Frauen aus den östlichen und südlichen Stadtvierteln Münchens versammeln sich vor der „Lebensmittelkartenverteilstelle“ in der Silberhornstraße in Giesing, um gegen die unzureichende Lebensmittelversorgung zu protestieren. 

Sie ziehen weiter zum „Lebensmittelamt“ in der Thalkirchner Straße und von dort zum Rathaus, wo sie „laute Rufe um Brot“ erheben.
Der „Ausschuss für Lebensmittelversorgung“ bewilligt daraufhin die „Abgabe von verbilligtem Gemüse und ein Pfund Frühkartoffeln für den Kopf und die Woche“.

17. Juli 1918

Jekaterinburg * Zar Nikolaus II. und seine Familie werden mit Billigung der bolschewistischen Partei- und Staatsführung von den zur Bewachung abgestellten Soldaten in der Villa Ipatjew in Jekaterinburg ermordet. 

18. Juli 1918

Moskau - Jekaterinburg * Staatschef Jakow Michailowitsch Swerdlow teilt dem Präsidium des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees - GZEK mit, dass sich am Tag zuvor konterrevolutionäre Truppen auf den Weg nach Jekaterinburg begeben hatten und zu befürchten war, dass sie die dort gefangen gehaltene Ex-Kaiserfamilie befreien wollten. 

Deshalb wurde der Befehl zur Erschießung der Zarenfamilie erteilt. 

18. Juli 1918

Nordfrankreich - Villers-Cotterêts * Die Gegenoffensive englisch-französischer Truppen an der Marne beginnt. Die Franzosen setzen 400 leichte, schnelle und bewegliche Renault-Panzer mit einem drehbaren Turm ein.

Inzwischen stehen auch 19 US-Divisionen in Frankreich.

Die Deutschen werden bei Villers-Cotterêts zum Rückzug hinter die Aisne gezwungen.
Das ist die eigentliche Wende des Ersten Weltkriegs. 

26. Juli 1918

Berlin - München-Bogenhausen * Das „Gesetz zur Errichtung des Reichsfinanzhofs“ mit Sitz in München wird verabschiedet.

27. Juli 1918

Berlin * Das „Reichssteuerbiergesetz“ nimmt das „Bayerische Reinheitsgebot“ auf:

„Zur Bereitung von untergärigem Bier darf [...] nur Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser verwendet werden“.

28. Juli 1918

München * König Ludwig III. ruft aus: „Volle Zuversicht erfüllt mich beim Blick in die Zukunft“

31. Juli 1918

Deutsches Reich * Im Juli 1918 ist eine halbe Million deutscher Soldaten an der Spanischen Grippe erkrankt. 

August 1918

München * Liesl Karlstadt spielt erstmals den Kapellmeister in „Theater in der Vorstadt“.

August 1918

München * Seine Kriegsverletzung, die er sich im „Deutsch-Französischen Krieg 1870/71“ zugezogen hatte, veranlassen Georg von Vollmar zur Niederlegung seines „Reichstagsmandats“ und seines „Landtagsmandats“

Um August 1918

München * Dr. Fritz Gerlich warnt vor dem Ausbruch einer „Revolution“ in Deutschland.

2. August 1918

Spa - Nordfrankreich * In einer streng geheimen Anordnung an alle Stabschefs der deutschen Armeen in Frankreich schreibt Generalquartiermeister Erich Ludendorff, dass man sich künftig mit kleinen Angriffen „an schmalen Fronten“ begnügen wird.

„Alle Angriffe sind nur als Abwehrmaßnahmen vorzubereiten. Von Angriffen ist nicht zu sprechen“

7. August 1918

München-Maxvorstadt * Eine „Frauendelegation“ erscheint im „Innenministerium“

Am Nachmittag demonstrieren sie vor dem Rathaus.
Das „Innenministerium“ beschließt daraufhin, die angekündigte Reduzierung der Fleischration für München außer Kraft zu setzen.

8. August 1918

Spa * Obwohl Generalquartiermeister Erich Ludendorff aufgrund der Panzerschlacht bei Amiens die Überzeugung gewonnen hat, dass der den Krieg als verloren ansieht, lässt er sich aber bis Ende September 1918 Zeit, das auch laut in einer Forderung zu formulieren.

Doch bis dahin wird sich die militärische Lage dramatisch zum Nachteil Deutschlands verändern. 

8. August 1918

Amiens - Berlin * Spätestens als mit der Panzerschlacht bei Amiens die Schlussoffensive der Alliierten beginnt, ist der Krieg für Deutschland verloren.

Über 70 Prozent der deutschen Verluste besteht aus Gefangenen.

Die Westfront bricht zusammen. Die Verluste nähern sich wieder den Höchstwerten der ersten Kriegsmonate von 1914. 

11. August 1918

Washington * Die USA erlauben die Teilnahme der Tschechen als kriegsteilnehmende Macht an den Verhandlungen der Alliierten

12. August 1918

München-Graggenau * Über 400 Frauen demonstrieren auf dem Marienplatz gegen die „ungünstigen Ernährungsverhältnisse“.

14. August 1918

Spa * Die Oberste Heeresleitung - OHL erklärt nach der Schlacht von Amiens - im Beisein von Kaiser Wilhelm II. und dem österreichischen Kaiser Karl I. - erstmals die Fortführung des Krieges für „aussichtslos“.

  • Die Übermacht der alliierten Truppen,
  • erhebliche Versorgungsprobleme und
  • große Verluste sind die Ursachen für den Untergang der deutschen Truppen.

Der 14. August 1918 wird deshalb auch als „Schwarzer Tag des deutschen Heeres“ bezeichnet. 

Um 15. August 1918

München * Bayernkönig Ludwig III. bevollmächtigt Ministerpräsident Otto von Dandl zu Verhandlungen mit den deutschen „Bundesfürsten“ über ein gemeinsames Vorgehen bei der „Reichsregierung“.

Ludwig III. befürwortet nach der verheerenden Niederlage der deutschen Militärs bei Amiens einen möglichst schnellen Friedensschluss. 

15. August 1918

Spa - Berlin * Besseres Wissen zum Trotz erklärt Generalquartiermeister Erich Ludendorff dem neuen Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Paul von Hintze: „Wir sind durch eine strategische Defensive in der Lage, den Kriegswillen zu lähmen, und ihn so mählich zum Frieden zu zwingen“.

Das war natürlich eine grobe Täuschung, da Ludendorff längst wusste, dass auf die deutschen Soldaten kein Verlass mehr ist. 

17. August 1918

München-Graggenau * Am 17./18. August 1918 findet die „Einweihung der Germanenloge“ im noblen „Hotel Vier Jahreszeiten“ an der Maximilianstraße statt.

Auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft war die „Thule-Gesellschaft“ auf die gerade freigewordenen Sitzungszimmer des ehemaligen „Marine-Offiziers-Club“ aufmerksam geworden.
Die anvisierten Räumlichkeiten bieten Platz für 300 Personen und haben eine für die Zwecke des „Geheimordens“ gediegene Ausstrahlung. 

Nachdem die Bewerbung von der Hotelleitung akzeptiert wurde, konnten die gepflegten und herrschaftlich wirkenden Sitzungssäle mit den dazugehörenden Büros mit „Hakenkreuzfahnen sowie Kranz und Schwertern“ dekoriert werden. 

Das „Hakenkreuz“, das auch den Briefkopf des Ordens ziert, symbolisiert den „Siegeszug des Ariers“ und steht für das Motto der Loge: „Denke daran, daß du ein Deutscher bist! Halte dein Blut rein!“ 

Mitglieder und Gäste begrüßen sich mit „Heil und Sieg“, aus dem wenig später das berüchtigte „Sieg Heil !“ wird.

28. August 1918

Nordfrankreich - Saint Quentin * Die deutschen Truppen werden in die Siegfriedstellung, von den Alliierten auch Hindenburglinie genannt, zurückverlegt.

29. August 1918

Berlin - München * Der SPD-Abgeordnete Georg von Vollmar legt aus gesundheitlichen Gründen sein Reichstags- und Landtags-Mandat für die Wahlkreise München II und XII nieder.

2. September 1918

Berlin * Die deutschen „Bundesfürsten“ drängen auf der Sitzung des „Auswärtigen Ausschusses“ im „Bundesrat“ für die Ablösung des aus Bayern stammenden „Reichskanzlers“ Georg Freiherr von Hertling.

Auch der bayerische Kronprinz Rupprecht hält Hertling für zu alt und „so gut wie willenlos“.

Außerdem fordern sie „sofortige Waffenstillstands-Verhandlungen“

3. September 1918

Washington * Die USA erkennen den „Nationalrat der Tschechen und Slowaken“ als rechtmäßige Vertreter der Nation an. 

9. September 1918

München * Die „fleischlosen Wochen“ beginnen. 

Als Ersatz für das ausfallende Fleisch werden 3 Pfund Kartoffeln pro Kopf der „versorgungsberechtigten Bevölkerung“ gewährt.

10. September 1918

München * Das „Ordinariat des Erzbistums München und Freising“ erlässt im Amtsblatt einen Aufruf in dem es den Seelsorgeklerus zur kräftigen Werbetätigkeit für die „9. Kriegsanleihe“ auffordert.

Sie selbst sollen aus „Pfründen- und Stiftungsmitteln“ zeichnen.

12. September 1918

Nordfrankreich - bei Verdun * Amerikanische und französische Verbände beginnen einen Vorstoß. 

Als sie den Frontvorsprung von Saint-Mihiel bei Verdun erobern, bestehen 75 Prozent der deutschen Verluste aus Gefangenen. 

13. September 1918

Westfront * Nachdem die Alliierten im Westen zur Offensive übergehen, brechen die Verbündeten Deutschlands zusammen. 

Österreich sendet eine Hilferuf aus.

14. September 1918

München * Auf einer Geheimversammlung der Münchner USPD wird der inhaftierte Kurt Eisner zum „Kandidaten zur Reichstagsersatzwahl“ am 17. November nominiert.

Der ebenfalls in Haft befindliche Albert Winter senior wird als „Kandidat zur Landtagsersatzwahl“ aufgestellt. 

14. September 1918

München * Zum zweiten Mal werden aus Münchner Kirchtürmen Glocken zum Einschmelzen abgenommen.

15. September 1918

Nordfrankreich - Saint-Mihiel bei Verdun * Der amerikanisch-französische Vorstoß gegen die deutschen Truppen ist beendet. 

Die Angreifer haben die deutsche Front auf mehr als 20 Kilometer „eingedrückt“

15. September 1918

Saloniki * Der Widerstand der bulgarischen Armee bricht nach einem Durchbruch der Alliierten an der Salonikifront komplett zusammen.

Damit durchbrechen die Alliierten die Balkanfront

23. September 1918

Berlin * Der offizielle Zeichnungsbeginn für die „9. Kriegsanleihe“.

25. September 1918

Nordfrankreich * In der Nacht vom 25. zum 25. September 1918 beginnen die Alliierten eine weitere Großoffensive. 

25. September 1918

Sofia * Die bulgarische Regierung bittet die Alliierten um einen Waffenstillstand

25. September 1918

Spa * Der Chef der Obersten Heeresleitung - OHL, Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg äußert sich gegenüber seinen Armeeführern: „Die militärische Kraft der Feinde nimmt derzeit dramatisch ab“

27. September 1918

Nordfrankreich - Spa * Die französischen, britischen und amerikanischen Truppen durchbrechen die sogenannte Siegfriedlinie oder Hindenburglinie, Deutschlands letzte ausgebaute Verteidigungslinie.

Die Niederlage der deutschen Armee ist unausweichlich.

Generalquartiermeister Erich Ludendorff klärt die Reichsregierung über die Vorgänge nicht auf. Lediglich einige jüngere Offiziere der Obersten Heeresleitung - OHL setzen in einem nahezu konspirativen Akt den Vertreter des Auswärtigen Amtes in Spa über die drohende militärische Katastrophe in Kenntnis. 

27. September 1918

Berlin * General Ernst Ludendorff beginnt die Handhabung der Niederlage zu planen:

  • Die Armee muss gerettet werden - ihre Existenz und Ehre. 
  • Ein Waffenstillstandsgesuch muss von der Regierung ausgehen, nicht von der Obersten Heeresleitung.
  • Es muss politisch motiviert sein, nicht militärisch.
  • Das Waffenstillstandsgesuch sollte von jenen politischen Kräften ausgehen, die schon immer für einen Verständigungsfrieden eingetreten sind - die Parteien der Reichstagsmehrheit (SPD, Fortschrittspartei und Zentrum).
  • Diese Parteien müssten entweder in die Regierung aufgenommen werden oder selbst die Regierung bilden.
  • Als Anreiz für diese unattraktive Aufgabe der Regierungsverantwortung müsste diesen Parteien der Übergang zur parlamentarischen Regierungsform angeboten werden.
  • Das würde gleichzeitig die Chancen des Waffenstillstandsgesuchs verbessern.
27. September 1918

Sofia * Bulgarien kapituliert. 

28. September 1918

München-Theresienwiese * Eigentlich müsste das „Oktoberfest“ beginnen.

Es fällt diese Jahr aber erneut kriegsbedingt - zum insgesamt zehnten Mal - aus. 

Um 28. September 1918

Deutsches Reich * In verschiedenen Tageszeitungen äußern deutsche Sozialdemokraten die Überzeugung, dass Deutschland nur noch einige Wochen mit dem „Mut der Verzweiflung“ kämpfen müsse, um einen „besseren Frieden“ sichern zu können. 

28. September 1918

Spa * Als immer mehr schlechte Nachrichten auf Generalquartiermeister Erich Ludendorff zukommen, kann er sich nicht mehr einer realistischen Lagebeurteilung verweigern und erleidet prompt einen Nervenzusammenbruch.

Der Generalquartiermeister weiht Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg in seine Planungen für ein Waffenstillstandsgesuch ein.

Dieser stimmt den Vorschlägen - wie üblich - zu. 

29. September 1918

Skopje - Thessaloniki * Eine französische Kavalleriebrigade zieht in die mazedonische Hauptstadt Skopje ein.

In der Nacht unterzeichnen die bevollmächtigten Abgesandten der bulgarischen Regierung in Thessaloniki den Waffenstillstandsvertrag.

Bulgariens Kapitulation bedeutet für das Deutsche Reich 

  • den Stopp der enorm wichtigen Lebensmittellieferungen nach Deutschland.
  • Für die Alliierten ist jetzt der Weg zur Donau frei.
  • Die bulgarischen Streitkräfte verzeichnen im Ersten Weltkrieg über 100.000 Tote und über 140.000 Verwundete, bei einer Vorkriegsbevölkerung von rund 4,5 Millionen und einer Gesamtzahl von 1,2 Millionen Mobilisierten
29. September 1918

Berlin * Anschließend werden ranghohe Offiziere von der Obersten Heeresleitung - OHL über den Stand des Krieges informiert. Generalquartiermeister Erich Ludendorff führt hierzu aus,

  • dass die OHL und das Deutsche Reich am Ende sind,
  • der Krieg nicht mehr zu gewinnen ist,
  • die endgültige Niederlage nicht mehr zu vermeiden ist,
  • Bulgarien abgefallen ist,
  • Österreich und die Türkei am Ende ihrer Kräfte sind und bald folgen werden,
  • die deutsche Armee schwer verseucht durch das Gift spartakistisch-sozialistischer Ideen und
  • auf die deutschen Truppen kein Verlass mehr ist. 
29. September 1918

Berlin * „Generalquartiermeister" Ernst Ludendorff fordert ein „Waffenstillstandsgesuch“ binnen 24 Stunden.  

Er begründet es damit, dass er nicht mehr dafür garantieren kann, eine militärische Katastrophe an der Westfront zu verhindern.  

Er erhält die Zustimmung des Außenministers, des Kaisers und des greisen „Reichskanzlers“ Georg Friedrich Graf von Hertling (in dieser Reihenfolge) für sein Vorhaben.  

Er teilt ihnen außerdem mit, dass „eine Umbildung der Regierung oder ein Ausbau der selben auf breiterer Basis notwendig geworden ist“

30. September 1918

Berlin * Kaiser Wilhelm II. entlässt den „Reichskanzler“ Georg Friedrich Graf von Hertling und erklärt, er wünsche, „dass das deutsche Volk wirksamer als bisher an der Bestimmung der Geschicke des Vaterlandes mitarbeitet“.

30. September 1918

München * Die zur Verwendung als Kriegsmaterial bestimmten zehn Glocken der sechs protestantischen Kirchen ist abgeschlossen.

30. September 1918

Deutsches Reich * Die „Iststärke“ der deutschen Bataillone ist auf die Hälfte ihres „Sollstandes“ gesunken.

22 Divisionen werden ganz aufgelöst. 

30. September 1918

Berlin * Kaiser Wilhelm II. verkündet per Erlass die Errichtung einer „parlamentarischen Regierung“ in Deutschland. 

Oktober 1918

München * Karl Valentin und Liesl Karlstadt traten bei zahllosen „Weihnachts- und Vereinsfeiern, Wohltätigkeits-, Lazarett-, Kriegsfürsorge- und Heimkehrervorstellungen“ auf.

Für ihre „ersprießliche Tätigkeit im Dienste des Roten Kreuzes“ erhält „Frl. Elise Wellano, gen. Liesl Karlstadt, Humoristin“ im Oktober 1918 das „König-Ludwig-Kreuz“ verliehen. 

1. Oktober 1918

München * Die Eierzuteilung wird auf 2 Stück in 3 Wochen verringert. 

Die Erhöhung des Milchpreises tritt in Kraft.

1. Oktober 1918

Bogenhausen * Der „Reichsfinanzhof“ nimmt seine Tätigkeit auf.

1. Oktober 1918

Berlin * „Generalquartiermeister" Erich Ludendorff erklärt die „militärische Niederlage Deutschlands“ als unvermeidlich.

1. Oktober 1918

Berlin * Prinz Max von Baden trifft in Berlin ein. 

Kaiser Wilhelm II. erklärt dem künftigen Reichskanzler, was er von ihm erwartet. 

2. Oktober 1918

München * Gast der ersten öffentlichen Veranstaltung des „Freien Arbeiterausschusses für einen guten Frieden“ ist Karl Harrer, ein Mitglied der „Thule-Gesellschaft“ und „Sportjournalist“ bei der national-liberal orientierten „München-Augsburger Abendzeitung“

2. Oktober 1918

Berlin * Ein Vertreter der Obersten Heeresleitung - OHL und Abgesandter Erich Ludendorffs informiert die Vorsitzenden der Reichstagsfraktionen, dass „nach menschlichem Ermessen keine Aussicht mehr besteht, dem Feinde den Frieden aufzuzwingen“.

„Die Oberste Heeresleitung sieht sich veranlasst, Seiner Majestät vorzuschlagen, zu versuchen, den Kampf abzubrechen, die Fortsetzung des Krieges als aussichtslos aufzugeben. Jede vierundzwanzig Stunden können die Lage verschlechtern und den Feind unsere eigentliche Schwäche erkennen zu lassen“

2. Oktober 1918

Berlin * Um nicht selbst die Verantwortung für den verlorenen Krieg übernehmen zu müssen, drängte Generalquartiermeister Erich Ludendorff auf die Bildung einer parlamentarisch getragenen Regierung.

Im Kreis des Generalstabs erklärt Generalquartiermeister Erich Ludendorff, dass er Kaiser Wilhelm II. gebeten habe, „jetzt auch diejenigen Kreise an die Regierung zu bringen, denen wir es in der Hauptsache zu danken haben, dass wir so weit gekommen sind. Die sollen nun den Frieden schließen, der jetzt geschlossen werden muss. Sie sollen die Suppe jetzt essen, die sie uns eingebrockt haben!“.

Ludendorff geht es nur um das Abwälzen der Verantwortung für die sich abzeichnende Niederlage, auf der sich später die „Dolchstoßlegende“ aufbauen wird. 

2. Oktober 1918

Berlin * Der jüdische Industrielle Walther Rathenau erklärt in einem Zeitungsartikel, dass Deutschland sehr wohl in der Lage ist weiterzukämpfen.

„Zu kämpfen um das was Not tut: den Frieden in Ehren“

3. Oktober 1918

Berlin * Philipp Scheidemann, der Außenpolitische Sprecher der SPD im Reichstag und zweiter Mann in der SPD-Reichstagsfraktion plädiert gegen den Eintritt in ein „bankrottes Unternehmen“.

Friedrich Ebert argumentiert in der Fraktionssitzung für die Beteiligung an der Regierung. Denn die Partei darf sich nicht dem Vorwurf aussetzen, dass sie in einem Augenblick ihre Mitwirkung versagt hat, in dem man sie dringend von allen Seiten darum bat. „Wir müssen uns im Gegenteil in die Bresche werfen“.

Friedrich Ebert wird sich mit dieser Argumentation durch.

Damit kann eine parlamentarisch verantwortliche Regierung wird unter Reichskanzler Prinz Max von Baden gebildet werden. Gemeinsam mit den Sozialdemokraten, den Liberalen und dem Zentrum verfügt der Reichskanzler über eine solide parlamentarische Mehrheit. 

3. Oktober 1918

Berlin - Washington * Die neue Regierung unter Reichskanzler Max von Baden unterbreitet dem US-Präsidenten Woodrow Wilson umgehend Vorschläge für einen sofortigen Waffenstillstand.

Diese erste deutsche Friedensnote wird der US-Regierung über Schweizer Kanäle zugeleitet.

Die Verhandlungen sollen auf der Basis der Friedensbedingungen aus Wilsons 14-Punkte-Programm vom 8. Januar 1918 geführt werden. 

3. Oktober 1918

Berlin * Kaiser Wilhelm II. ernennt den liberalen Befürworter einer Friedensregelung, Prinz Max von Baden, zum „Reichskanzler“.

Dieser nimmt Staatssekretäre des Zentrums, der Liberalen und der Sozialdemokraten in seine Regierung auf.

3. Oktober 1918

Berlin - Washington * Reichskanzler Prinz Max von Baden gibt in seiner Jungfernrede im Reichstag den Inhalt seiner Friedensnote bekannt, in der er im Namen der deutschen Regierung den Präsidenten der USA, Woodrow Wilson, um die Vermittlung von Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen bittet. 

Er spricht aber nicht nur über deutsche Friedensangebote, sondern gibt auch zu bedenken, dass es nur dann zu einem Friedensschluss kommen kann, wenn man Deutschland Friedensbedingungen zugesteht, die sich auch mit seiner Ehre vertragen.  

Wenn nötig ist das Deutsche Reich zu einem „Endkampf auf Leben und Tod“ bereit.

„Kein Zagen befällt mich bei dem Gedanken, dass dieses zweite Ergebnis eintreten könnte; denn ich kenne die Größe der gewaltigen Kräfte, die auch jetzt noch in unserem Volke vorhanden sind, und ich weiß, dass die unwiderlegliche Überzeugung, um unser Leben als Nation zu kämpfen, diese Kräfte verdoppeln würde“

4. Oktober 1918

Berlin * „Reichskanzler“ Prinz Max von Baden bildet eine „Parlamentarische Regierung“, die die revolutionäre Bewegung in Deutschland aufhalten soll.

5. Oktober 1918

Berlin * Die deutsche Regierung ersucht den Präsidenten der USA Woodrow Wilson um die Vermittlung von Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen.

5. Oktober 1918

Deutsches Reich * Im Volk herrscht Gewissheit, dass der Krieg verloren und jedes weitere Opfer vergeblich ist. 

6. Oktober 1918

München * König Ludwig III. ermutigt das „Bayerische Heer“ zum weiteren Kampf. 

In den katholischen Kirchen der Stadt werden außerordentliche „Kriegsandachten“ für einen „baldigen und ehrenvollen Frieden“ abgehalten.

6. Oktober 1918

Zagreb * In Zagreb konstituiert sich der Nationalrat der Slowenen, Kroaten und Serben und erklärt sich zur Vertretung aller Südslawen der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn.

Er baut eigene Strukturen auf, um für den sich abzeichnenden Zusammenbruch Österreich-Ungarns gerüstet zu sein und nehmen keine Weisungen aus Budapest mehr entgegen.

Der Staates der Slowenen, Kroaten und Serben ist ein nur kurzlebiges Gebilde und verwaltete die Gebiete bis zur endgültigen Vereinigung mit dem Königreich Serbien, die am 1. Dezember 1918 erfolgt. 

7. Oktober 1918

München * Kurt Eisners Rechtsanwalt, Dr. Benedikt Bernheim, beantragt dessen Haftentlassung. 

Obwohl der „Oberreichsanwalt“ diesem Begehren widerspricht, entscheidet der „1. Strafsenat des Reichsgerichts“ für die Freilassung.

7. Oktober 1918

Schwabing * In der Schwabinger „Ursulakirche“ werden drei große Glocken zur Verwendung als Kriegsmaterial abgenommen.

7. Oktober 1918

Berlin - Spa * Der jüdische Industrielle Walther Rathenau verlangt in einer verzweifelten Presseerklärung

  • eine allgemeine Volkserhebung, um die unausweichlichen Waffenstillstandsverhandlungen aus einer Position der Stärke heraus zu führen.
  • Er fordert die Oberste Heeresleitung - OHL dazu auf, die deutschen Armeen hinter die nationalen Grenzen zurückzuziehen, um sie hier für einen neu motivierenden Verteidigungskrieg aufzustellen.

Generalquartiermeister Erich Ludendorff und die Oberste Heeresleitung lehnen die Vorschläge als vollkommen unakzeptabel ab, da durch die „Unzuverlässigkeit der Soldaten“ in der Heimat die Gefahr eines revolutionären Umsturzes nur noch vergrößert werden würde.

Walther Rathenaus Thesen stoßen auf eine breite Resonanz. Der ultranationalistische und antisemitische „Reichsbote“ und die alldeutsche „Deutsche Zeitung“ vergessen kurzzeitig ihre traditionelle Abneigung gegen Juden und stellen sich hinter Rathenaus Argumentation. 

7. Oktober 1918

Warschau * Der Regentschaftsrat in Warschau ruft den „unabhängigen polnischen Staat“ aus und reklamierte das Territorium des historischen polnischen Königreiches vor den Teilungen von 1772 bis 1795 als Staatsgebiet. 

8. Oktober 1918

Washington - Berlin * US-Präsident Woodrow Wilson antwortet auf das erste Waffenstillstandsersuchen der deutschen Regierung. Nur zögernd und misstrauisch übermittelt er seine Vorbedingungen.

In seiner ersten Note fordert er den deutschen Rückzug aus den besetzten Gebieten. Weitere Forderungen werden folgen. 

Um 10. Oktober 1918

München * Karl Harrer wird von der „Thule-Gesellschaft“ beauftragt, Arbeiter für die völkische Politik zu gewinnen.
Zu diesem Zweck ruft er einen „Arbeiter-Ring“ ins Leben. 

Noch vor dem Sturz der Monarchie in Bayern - gründen Harrer und Anton Drexler gemeinsam den „Politischen Arbeiterzirkel“, der sich - laut seiner erst am 24. März 1919 festgelegten Satzung - als „eine Vereinigung ausgewählter Persönlichkeiten zwecks Besprechung und Studium politischer Angelegenheiten“ versteht. 

Die vom Vorstand zu „Mitgliedern des Zirkels“ ernannten Personen werden zum Stillschweigen über die Tätigkeit und die personelle Zusammensetzung der Gruppe verpflichtet, woraus alleine schon der Einfluss der exklusiven und elitären „Thule-Gesellschaft“ erkennbar ist. 

Die dominierende Figur und der „geistige Führer“ dieses „Politischen Arbeiterzirkels“, dem zum größten Teil Arbeitskollegen Drexlers angehören, ist demzufolge auch nicht Drexler, sondern Karl Harrer, der vor diesem zwar vorwiegend, aber nicht ausschließlich im „Hotel Vier Jahreszeiten“ tagenden kleinen Kreis - besonders im Winter 1918/19 - auch ständig Vorträge zu verschiedenen aktuellen Themen hält. 

11. Oktober 1918

München * Der fortschrittliche „Volksverein Münchens“ fordert die „Schaffung eines gerechten, die wahren Kräfteverhältnisse wiedergebenden Wahlrechts als unerlässliche Voraussetzung für die Bildung einer wahren Volksregierung“.

11. Oktober 1918

Dublin * Ein deutsches U-Boot versenkt in der Bucht von Dublin ein Passagierschiff.

450 Menschen kommen dabei ums Leben, darunter 135 Frauen und Kinder. 

12. Oktober 1918

Berlin * Die deutsche „Reichsregierung“ erklärt sich bereit, die 14 Punkte des US-Präsidenten Woodrow Wilson anzunehmen. 

Darunter auch die Räumung der besetzten Gebiete.

12. Oktober 1918

München * Der „Verbandstag der Bayerischen Haus- und Grundbesitzer“ beschäftigt sich mit den Ausführungsbestimmungen der bevorstehenden Enteignung der Türklinken und Fenstergriffe aus Buntmetall zur Verwendung als Kriegsmaterial.

13. Oktober 1918

Au * Die SPD fordert im „Franziskaner Keller“ an der Hochstraße

  • die „Abschaffung der Monarchie“,
  • die „Einführung des Acht-Stunden-Tages“,
  • das „Wahlrecht für beiderlei Geschlecht“ und
  • die „Einführung einer Arbeitslosenversicherung“.
14. Oktober 1918

Washington - Berlin * US-Präsident Woodrow Wilson fordert auf das deutsche Waffenstillstandsersuchen in seiner zweiten Note  unter anderem die Einstellung des U-Boot-Krieges. 

14. Oktober 1918

Obergiesing * Abends, um 20:30 Uhr, kann Kurt Eisner die Haftanstalt „Stadelheim“ verlassen. 

Kurt Eisner wird auf Entscheidung des „Reichsgerichts“ aus der Haft entlassen, damit er an der am 17. November stattfindenden „Reichstagswahl“ teilnehmen kann.

15. Oktober 1918

München * Die „Liberale Fraktion“ der „Bayerischen Abgeordnetenkammer“ fordert

  • die „Abschaffung des bisherigen Beamtenministeriums“,
  • die „Bildung einer Volksregierung auf parlamentarischer Grundlage unter Beschränkung der königlichen Gewalt und Beiziehung der Sozialdemokraten“.
  • Die „sofortige Beschlussfassung über die nötigen verfassungsrechtlichen Umgestaltungen und Verwaltungsreformen“, insbesondere auch
  • die „Einführung des Verhältniswahlrechts“.
16. Oktober 1918

Wien * Der österreich-ungarische Kaiser Karl I. erlässt das sogenannte „Kaisermanifest“, das die Umwandlung der österreichischen Reichshälfte in einen Bundesstaat, einer „Konföderation freier Völker“, versieht.

Dazu werden die einzelnen Nationalitäten Österreichs aufgerufen, eigene Nationalräte zu bilden. 

17. Oktober 1918

München * Die „Spanische Grippe“ breitet sich in München rasch aus. 

Etwa 20.000 Erwachsene und über 5.300 Schulkinder sind daran erkrankt.
Circa 30 Tote müssen beklagt werden.

17. Oktober 1918

München * Ein städtisches „Kriegsnotgeld“ im Wert von 10 Millionen Mark wird zu Scheinen zu 5 und 10 Mark ausgegeben.

17. Oktober 1918

Spa * Für Generalquartiermeister Erich Ludendorff sind die von den Amerikanern angebotenen Friedensbedingungen das Schlimmste, das Deutschland passieren konnte. 

17. Oktober 1918

München * In den Tagebucheinträgen der Königstochter Wiltrud findet sich der Hinweis auf einen Arbeiter, der auf einer Ausfahrt mit ihrem Vater schrie: „Dank ab!“.

Ein als „Bettelbrief“ getarnter Schmähbrief an König Ludwig III. endet mit der Drohung: „Gehenkt gehört Ihr!“.  
Prinzessin Wiltrud ist „erschüttert“

Um 18. Oktober 1918

Berlin - Deutsches Reich * An der Westfront wird weiter gestorben - an der Heimatfront wird weiterhin gehungert.

Neue Gestellungsbefehle sehen unter andern die Einziehung von Siebzehnjährigen zum Militär vor. 

18. Oktober 1918

Budapest * Die Magyaren kündigen die seit 1867 bestehende „Realunion“ und damit jede politische Verbindung mit Österreich an.

Die „Nationalitätenfragen Österreichs“ lassen sich jedoch nicht von denen Ungarns trennen:

  • Die Kroaten im österreichischen Dalmatien wollen den südslawischen Staat mit den Kroaten des ungarischen Kroatien gründen,
  • die österreichischen Tschechen die Tschechoslowakei mit den ungarischen Slowaken
20. Oktober 1918

Berlin - Washington * Reichskanzler Prinz Max von Baden stimmt in einer versöhnlich gestimmten Note den amerikanischen Forderungen zu.

Die von Woodrow Wilson geforderte Einstellung des „U-Boot-Krieges“ wird von der Reichsregierung befohlen.

Die deutsche Regierung sichert dem US-Präsidenten Wilson zu, dass Passagierschiffe durch deutsche U-Boote nicht mehr torpediert werden. 

21. Oktober 1918

München * Der „Sozialdemokratische Verein für die Wahlkreise München I und II“ beschließt einstimmig in seiner außerordentlichen Generalversammlung

  • die „sofortige Parlamentarisierung und Demokratisierung der bayerischen Staatsverfassung unter Aufhebung der Reichskammer“,
  • ein „Wahlrecht für beide Geschlechter“, dem die „Verhältniswahl“ zugrunde liegt,
  • sowie die „Umgestaltung der Verwaltung“.
21. Oktober 1918

München * Die „Spanische Grippe“ weitet sich weiter aus.

Die Zahl der Toten beträgt rund 100.

21. Oktober 1918

Wien * Die deutschen Abgeordneten des „österreichisch-ungarischen Reichsrates“ bilden unter Bezugnahme auf das „Kaisermanifest“ die „Provisorische Nationalversammlung für Deutschösterreich“

22. Oktober 1918

München-Au * Der am 16. April 1918 wegen seiner Beteiligung am „Januarstreik“ verhaftete „Schriftsetzer“ Theobald Michler wird aus der Untersuchungshaft entlassen. 

22. Oktober 1918

München-Au * Der am 15. März 1918 wegen seiner Beteiligung am „Januarstreik“ verhaftete „Eisendreher“ Franz Xaver Müller wird aus der Untersuchungshaft entlassen. 

22. Oktober 1918

München-Au * Der am 1. Februar 1918 wegen seiner Beteiligung am „Januarstreik“ verhaftete „Schlosser“ und spätere „Minister für soziale Fürsorge“, Hans Unterleitner, wird aus der Untersuchungshaft entlassen. 

22. Oktober 1918

München-Au * Der am 31. Januar 1918 wegen seiner Beteiligung am „Januarstreik“ verhaftete „Schreinermeister“ und „Vorsitzende der Münchner USPD“, Albert Winter sen., wird aus der Untersuchungshaft entlassen.

Seine Freilassung erfolgt aufgrund seiner Kandidatur für die USPD für die „Landtagsersatzwahl“

22. Oktober 1918

München-Au * Der am 31. Januar 1918 wegen seiner Beteiligung am „Januarstreik“ verhaftete „Infanterist“ Albert Winter jun. wird aus der Untersuchungshaft entlassen. 

22. Oktober 1918

Österreich-Ungarn * Es kommt verstärkt zu Befehlsverweigerungen ungarischer und kroatischer Einheiten, zu denen sich bald Tschechen und Bosniaken gesellen.

Die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn befindet sich in Auflösung. Weder die Regierung in Wien noch die in Budapest verfügte noch über Autorität in den Landesteilen, deren Bevölkerung einen eigenen Staat gründen will.

Das führt dazu, dass viele Soldaten dieser Nationalitäten keinen Sinn im weiteren Kampf sehen und so rasch wie möglich nach Hause zurückkehren wollen. 

23. Oktober 1918

Washington - Berlin * US-Präsident Woodrow Wilson erklärt sich in seiner Antwort auf das Schreiben vom 20. Oktober nur zur Aufnahme von Waffenstillstandsgesprächen gemeinsam mit den Regierungen der Alliierten bereit, wenn der deutsche Verhandlungspartner „eine vom Volk gewählte Regierung“ ist.

Die Amerikaner geben deutlich zu erkennen, dass sie gegenüber einem „republikanischen Deutschland“ oder zumindest einem „Deutschland ohne Kaiser“ mehr Nachsicht üben würden.

Sie setzen offenbar darauf, dass jeder zusätzliche Kriegstag die Position des Deutschen Reichs und seiner Verbündeten weiter schwächen und die Friedensbedingungen für die USA positiver gestalten würden. 

23. Oktober 1918

München-Schwabing * Kurt Eisner hält im Schwabinger Bräu seine erste Wahlkampfrede seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis. Nur neun Tage nach seiner Haftentlassung lockt er bereits 2.000 Zuhörer in seine Versammlung. 

  • In ihr fordert er die Abdankung des Kaisers und
  • einen Frieden ohne Annexion
  • Kurt Eisner verspricht sich nicht viel vom jetzigen demokratischen System und tritt
  • für die Beseitigung aller bestehender Gewalten durch Umsturz und Revolution ein. 

Am Schluss verlangt er

  • „eine große deutsche Republik mit Einschluss Deutsch-Österreichs“ und
  • die „Rückkehr zu den Idealen der Revolution von 1848“

„Bissig, heiser und mit einem fanatischen Elan rechnete er mit seinen Gegnern ab.  
Alles um ihn war dicht besetzt. Kopf an Kopf. Er stand auf dem Podium inmitten der hockenden Leute und gestikulierte mitunter wild. Langes Haar, das fast bis auf seine Schultern herabwallte, einen noch zerzausteren Bart hatte er jetzt. Wie ein Apostel sah er aus, nur dass er einen Kneifer trug“
, schreibt Oskar Maria Graf über Kurt Eisner. 

24. Oktober 1918

München * Der grassierenden „Grippe-Epidemie“ sind in München bereits 117 Personen erlegen.

24. Oktober 1918

Spa * Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und Generalquartiermeister Erich Ludendorff erlassen einen Heeresbefehl, in dem sie die Forderungen des US-Präsidenten Woodrow Wilson vom 23. Oktober 1918

  • als unannehmbar bezeichnen und
  • den Abbruch der diplomatischen Beziehungen fordern.

Im nächsten Schritt fordern sie die „Entlassung des Reichskanzlers“ Max von Baden. 

24. Oktober 1918

Deutsches Reich * Die Operationsplaner der Marine stellen ihr Konzept für den Beitrag der Seestreitkräfte zum Endsieg fertig.  

Mit dem Flottenbefehl vom selben Tag beabsichtigt die deutsche Marineführung kurz vor dem Ende des Ersten Weltkriegs - trotz der von der Reichsregierung befohlenen Einstellung des U-Boot-Krieges - eine Entscheidungsschlacht mit den Briten herbeizuführen. 

24. Oktober 1918

Berlin * Bei seiner Rede im Reichstag führt Friedrich Ebert aus, dass die Sozialdemokraten auch dann ihr Land nicht im Stich lassen, wenn der ersehnte Friede nicht zustande käme.

Selbst der sozialdemokratische „Vorwärts“ druckt wehrfreudige Artikel und erklärt, dass es besser ist weiterzukämpfen, als einen „demütigenden Frieden“ hinzunehmen. 

25. Oktober 1918

München * Bei der „Wählerversammmlung zur Reichstagswahl“ wettert der SPD-Kandidat Erhard Auer gegen den preußischen Militarismus, der mit aller Gründlichkeit abgeschafft werden müsse.

Er warnt jedoch vor jeder Form der Gewaltanwendung zur Veränderung des politischen Systems.

25. Oktober 1918

München-Kreuzviertel * Die sozialdemokratische Landtagsfraktion nimmt nicht mehr an den Verhandlungen über die Änderungen der Bayerischen Verfassung teil, weil die bürgerlichen Parteien den SPD-Forderungen nicht nachgeben wollen.

Um 25. Oktober 1918

Deutsches Reich * Spätestens seit der dritten Note des US-amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson vom 23. Oktober sind die Worte „Kaiserfrage“ und „Revolution“ in aller Munde.

Viele Männer in verantwortlichen Positionen, einschließlich des Reichskanzlers Max von Baden und des Vorsitzenden der SPD-Reichstagsfraktion Friedrich Ebert, sehen in dem Thronverzicht des Kaisers das einzige Mittel zur „Rettung der Monarchie“.

Sollte an der „Kaiserfrage“ der Waffenstillstand scheitern, dann droht die Revolution

26. Oktober 1918

Berlin * Kaiser Wilhelm II. entlässt den Generalquartiermeister Ernst Ludendorff im Schloss Bellevue nach dessen Rücktrittsdrohung mit den Worten: „Na, wenn Sie durchaus gehen wollen, dann meinetwegen“.

Dies geschieht auch aufgrund seiner Verärgerung über Ludendorffs

  • politisches Manöver gegen den Reichskanzler Max von Baden und
  • seinem eigenmächtigen Armeebefehl vom 24. Oktober.

Der Kaiser will aber auch gegenüber den USA glaubhaft machen, dass im Deutschen Reich neue Männer das Ruder übernommen haben.

Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, der ebenfalls seinen Rücktritt anbietet, wird angewiesen, in der Obersten Heeresleitung - OHL im Amt zu bleiben. Sein Rückhalt in der Bevölkerung ist noch so groß, dass man seine Entlassung fürchtet. 

26. Oktober 1918

Berlin * Nach der Entlassung Erich Ludendorffs wird Wilhelm Groener neuer Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung - OHL

27. Oktober 1918

Berlin * Die deutsche Reichsregierung steht in einem Schreiben an den US-Präsidenten Woodrow Wilson für einen Waffenstillstand bereit.

27. Oktober 1918

München * An der „Grippe-Epidemie“ sind in München etwa 200 Menschen gestorben.

27. Oktober 1918

Wien * Österreich-Ungarn erklärt sich in einem Schreiben an den US-Präsidenten Wilson zu „Sonderfriedensverhandlungen“ bereit.

28. Oktober 1918

Berlin * Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson verlangt die Abdankung des Kaisers als Voraussetzung für Friedensverhandlungen.  

Wilhelm II. denkt aber nicht im geringsten an Rücktritt. 

28. Oktober 1918

München * Der Führer des „Bayerischen Bauernbundes“, Karl Gandorfer, verlangt in einer „Proklamation an die bayerischen Bauern“

  • eine „Volksregierung in Bayern“ und
  • die „gänzliche Beseitigung der Reichsratskammer“.
28. Oktober 1918

Berlin * Kaiser Wilhelm II. unterzeichnet den „Gesetzentwurf zur Änderung der Reichsverfassung“, der am 4. November veröffentlicht wird. Damit tritt die Änderung der Verfassung von 1871 tritt in Kraft.

Die wesentlichste Bestimmung lautet: „Der Reichskanzler bedarf zu seiner Amtsführung des Vertrauens des Reichstags“.

Damit ist das Deutsche Reich eine „Parlamentarische Monarchie“.

Mit den Sozialdemokraten, den Liberalen und dem „Zentrum“ verfügt Reichskanzler Max von Baden über eine solide parlamentarische Mehrheit.

28. Oktober 1918

Prag * Der Nationalrat der Tschechen und Slowaken ruft die Tschechoslowakische Republik aus. 

29. Oktober 1918

München-Kreuzviertel * Im letzten Augenblick wird in der Bayerischen Abgeordnetenkammer die Aussprache über die politische Lage und die Rede des Ministerpräsidenten Otto von Dandl von der Tagesordnung abgesetzt und auf die folgende Woche verschoben. 

Man erwartet, dass König Ludwig III. das bisherige Ministerium auflösen wird, um so die Volksvertretung unmittelbar an der Regierung beteiligen zu können.

29. Oktober 1918

Kiel - Wilhelmshaven * Die Bewegung radikalisiert sich erst, nachdem die meuternden Matrosen verhaftet und mit „Kriegsgericht“ und „Erschießung“ bedroht werden.  

Jetzt beginnen Tausende in Kiel für die Befreiung ihrer Kameraden zu demonstrieren.  
Erst nachdem eine Militärpatrouille neun Menschen erschießt, wollen die Matrosen die Macht.  

Die Matrosen wählen den ersten „Soldatenrat“ in Deutschland und entwaffnen ihre Offiziere.

Der Aufstand ist nicht gewalttätig und erschöpft sich im Hissen von roten Fahnen. 

29. Oktober 1918

Zagreb * Die Gründung des „Staates der Slowenen, Kroaten und Serben - SHS-Staat“ wird ausgerufen.

Er besteht aus Territorien der kollabierenden Habsburgermonarchie. 

29. Oktober 1918

Berlin * Die deutsche Admiralität befiehlt in einem „Himmelfahrtskommando“ das Auslaufen der Flotte gegen die „Royal Navy“.  

Obwohl es in Marinekreisen heißt, dass man die Landtruppen in Flandern entlasten will, ist der Befehl nicht mit der „Obersten Heeresleitung - OHL“ abgestimmt.  

Unter den Mannschaften der Betroffenen Geschwader in Kiel und Wilhelmshaven verbreitet sich das Gerücht, wonach die „Marineleitung“ einen heroischen Untergang plant.

Der Kommandant der „Thüringen“ wird mit folgender Aussage zitiert: „Wir verfeuern unsere letzten 2.000 Schuss und wollen mit wehenden Fahnen untergehen“.  

Daraufhin verweigern Einheiten der deutschen Hochseeflotte in Wilhelms­haven den Befehl.  
Es kommt zu „Meutereien“, die schließlich in einem Aufstand gipfeln. 

30. Oktober 1918

München-Maxvorstadt * Kurt Eisner spricht auf einer Wahlversammlung im „Löwenbräukeller“ zum Thema „Deutschland - eine soziale Republik“ und fordert eine „Reinigung des Parlaments“ und die Beseitigung aller Monarchien.

30. Oktober 1918

Berlin - Spa * Kaiser Wilhelm II. verlässt unabgemeldet Berlin und begibt sich ins Große Hauptquartier der Obersten Heeresleitung - OHL, wo er von seinen ihm treu ergebenen Militärs umgeben ist.

Er entzieht sich damit den als taktlos empfundenen Abdankungsdebatten in der Hauptstadt. 

30. Oktober 1918

Wilhelmshaven * Auf der Schilling-Reede vor Wilhelmshaven kommt es zu einer dramatischen Kraftprobe zwischen Matrosen und Seeoffizieren.

Die Besatzungen der „Thüringen“ und der „Helgoland“ verweigern die Ausfahrt. Plötzlich stehen sich meuternde und nicht-meuternde Schiffe in nächster Nähe gegenüber und richten die riesigen Kanonen gegeneinander. Die Meuterer geben auf - die Offiziere haben gesiegt.

Die Meuterer siegen jedoch insofern, als die Admirale den Flottenvorstoß gegen Großbritannien abblasen, da mit einer derart „unzuverlässigen Mannschaft“ so ein Unternehmen nicht mehr geschlagen werden kann.

Die bei Wilhelmshaven versammelte Flotte wird aufgeteilt und in verschiedene Häfen geschickt.

Das Dritte Geschwader bringt die rund eintausend verhafteten aufständischen Matrosen nach Kiel ins Militärgefängnis

30. Oktober 1918

Wien * Die Provisorische Nationalversammlung für Deutschösterreich gibt seinem 20-köpfigen Vollzugsausschuss den Namen Staatsrat.

Er beruft die 14 Ressortchefs umfassende Staatsregierung

30. Oktober 1918

Lemnos * Das Osmanische Reich kapituliert.

Auf der Insel Lemnos unterschreibt die osmanische Führung einen Waffenstillstand.
Der Krieg im Nahen Osten ist damit beendet. 

31. Oktober 1918

München-Kreuzviertel * In interfraktionellen Verhandlungen zwischen der bayerischen Volksvertretung und der Regierung einigt man sich auf die „Einführung der Verhältniswahl“ und der „Reform der Reichsratskammer“.

31. Oktober 1918

Budapest * Die ungarische Regierung kündigt mit Zustimmung König Karls IV. die „Realunion“ mit Österreich auf, womit Österreich-Ungarn aufgelöst ist.

Sie verlangt die sofortige Rückführung der ungarischen Regimenter von der italienischen Front. 

1. November 1918

München-Maxvorstadt * Prinzessin Wiltrud von Bayern schreibt in ihr Tagebuch: 

„Wenn die unabhängigen Sozialdemokraten noch mehr Zuwachs und Macht bekommen, dann kann auch Bayern die Republik drohen“.

1. November 1918

Lille * Kronprinz Rupprecht warnt aus seinem Standort Lille an der Westfront

  • vor dem „außerordentlichen Ernst der Lage“ und
  • sieht ein „Übergreifen der revolutionären Bewegungen, die in Norddeutschland sich vorbereiten“, auch auf das Königreich Bayern. 
1. November 1918

Kiel * Die rund eintausend verhafteten aufständischen Matrosen werden in Kiel an Land und ins Militärgefängnis gebracht, wo das Kriegsgericht und die Erschießungskommandos auf sie warten. 

1. November 1918

Kiel * Die Matrosen des „Dritten Geschwaders“ schicken eine Abordnung zum Ortskommandanten und verlangen die Freilassung der aufgrund der „Meuterei von Wilhelmshaven“ eingesperrten Matrosen.

Ihnen ist klar geworden, dass nur die Besatzung der „Thüringen“ und der „Helgoland“ gemeutert hatten, aber fast alle anderen knapp davor waren. Ihre Kollegen haben ihnen mit dieser Aktion das Leben gerettet und sollen jetzt dafür hingerichtet werden. 

Das Ansinnen wird vom Ortskommandanten abgelehnt. 

2. November 1918

München * Auf einer vom „Liberalen Verein Frei München“ veranstalteten Volksversammlung ruft Kurt Eisner: „Es kommt nicht zur Reichstagswahl, vor dem 17. November kommt die Revolution“.

Zwar wird der „struppige Prophet“ wegen seines Aussehens belächelt, trotzdem gilt diese Versammlung als der „Auftakt der Revolution“.
Denn Kurt Eisner hat bereits vor seiner Haftentlassung die Strategie der „Obersten Heeresleitung“ durchschaut, die mit der vorgeschobenen „Parlamentarisierung“ lediglich die Verantwortung für den Ausgang des Krieges und den ungünstigen Friedensschluss auf das Parlament abwälzen wollte.

Aus Eisners Sicht sollte nicht nur das verhasste System restlos verschwinden, sondern gleichzeitig mit ihm auch seine Repräsentanten.
Gemeint waren jene, die für das vier Jahre dauernde sinnlose Morden die Verantwortung trugen.

Schließlich befand sich die Mehrheit der führenden Militärs und Spitzenbeamten in Reich und Länder ebenso in Amt und Würden wie der deutsche Kaiser und die Landesfürsten.
Sie aber waren die Symbole einer expansiven Außen- und einer undemokratischen Innenpolitik.

2. November 1918

München-Kreuzviertel * Die bayerischen „Minister der Staatskrone“ legen ihre Ämter nieder, nachdem ihnen König Ludwig III. die Auflösung der Regierung nahe gelegt hatte. 

Ministerpräsident Otto von Dandl wird mit der Neubildung der Regierung unter Einbeziehung des Landtags beauftragt. 

2. November 1918

Kiel * Matrosen und Dockarbeiter diskutieren im Kieler Gewerkschaftshaus wie es weitergehen soll.

Sie kommen zu keinem Entschluss und vertagen sich auf den nächsten Tag. 

2. November 1918

München-Kreuzviertel * Unter dem Eindruck der revolutionären Unruhen im Deutschen Reich schließt die bayerische Regierung mit Delegierten der im Landtag vertretenen Parteien ein Abkommen über parlamentarische Reformen, in der wesentliche Forderungen der „SPD“ erfüllt werden:

  • die Einführung des „Verhältniswahlrechts in der Kammer der Abgeordneten“,
  • die „Demokratisierung der Reichsrätekammer“,
  • die „einjährige Finanzperiode“ sowie
  • die „Berufung von Ministern mit Zustimmung des Landtags“.
  • Zudem wird ein „Ministerium für soziale Fürsorge“ gegründet, das an einen „Sozialdemokraten“ gehen solle. 

Vier Abgeordnete sollen zu „Ministern ohne Geschäftsbereich“ berufen werden, darunter einer von der „SPD“.

Die notwendige „Kabinettsumbildung“ wird für den 8. November angekündigt.

Obwohl die „Münchner Post“ die Vereinbarung als „Beginn der Demokratisierung Bayerns“ feiert, stehen viele „Sozialdemokraten“ dieser „Demokratisierung von oben“ sehr skeptisch gegenüber.

3. November 1918

München-Obergiesing * Der am 4. Februar 1918 als Streikführer bei den Bayerischen Motorenwerken - BMW beim Januarstreik verhaftete Schreiner und Werkzeugschlosser Lorenz Winkler wird aus der Untersuchungshaft entlassen. 

3. November 1918

München-Obergiesing * Der am 14. März 1918 in Dresden wegen seiner Beteiligung am Januarstreik verhaftete Handlungsgehilfe Richard Kämpfer wird aus der Untersuchungshaft entlassen. 

3. November 1918

München-Obergiesing * Der am 16. April 1918 wegen seiner Beteiligung am Januarstreik in Düsseldorf verhaftete Geschäftsführer der Zentralstelle des Deutschen Handlungshilfen-Verbandes Fritz Schröder wird aus der Untersuchungshaft entlassen. 

3. November 1918

München-Stadelheim - Leipzig * Um 13 Uhr verlangt eine Abordnung vor dem Gefängnis Stadelheim die Freilassung der wegen der Januarstreiks noch immer Inhaftierten. 

Am Abend trifft ein Telegramm des Oberreichsanwalts aus Leipzig in, in dem die Haftbefehle aufgehoben werden.

3. November 1918

München-Theresienwiese * Um 10 Uhr Vormittag findet auf der Theresienwiese eine Friedensdemonstration der USPD statt, in der Kurt Eisner den Friedenswillen des deutschen Volkes betont.

Im Anschluss an die Versammlung wird ein Spaziergang nach Stadelheim angetreten. 

3. November 1918

München-Maxvorstadt * Am Abend bilden sich mehrere Demonstrationen.

Rund 1.500 Demonstranten fordern vor dem Wittelsbacher Palais 

  • die Absetzung des Kaisers 
  • und Frieden.
3. November 1918

Kiel * In Kiel demonstrieren etwa 3.000 Arbeiter und teilweise bewaffnete Matrosen.

Der Versuch, die Ende Oktober verhafteten Matrosen zu befreien, wird vom Militär niedergeschlagen.
Acht Demonstranten werden getötet, 29 verwundet, darunter auch Frauen und Kinder.

3. November 1918

Wien - Rom * Der „Waffenstillstand“ zwischen Österreich-Ungarn und Italien tritt in Kraft.

Die Kampfhandlungen werden eingestellt.

3. November 1918

München-Maxvorstadt * Die bayerische Prinzessin Wiltrud schreibt nach einer Veranstaltung der USPD auf der Theresienwiese in ihr Tagebuch:

„Was noch alles werden wird, vielleicht sind wir auch in einiger Zeit abgesetzt“

3. November 1918

Kiel * Als die Matrosen am Sonntag im Kieler Gewerkschaftshaus weiter diskutieren wollen, finden sie dieses verschlossen und von bewaffneten Posten bewacht.

Die Matrosen versammeln sich deshalb auf einem Exerzierplatz. Tausende Arbeiter schließen sich ihnen an. Sie hören Reden und diskutieren miteinander. Dann formiert sich ein großer Demonstrationszug.

An einer Straßenkreuzung wird der Demonstrationszug von einer Patrouille untere Leitung eines Leutnant Steinhäuser aufgehalten und zum „Auseinandergehen!“ aufgefordert. Als das die Demonstranten nicht befolgen, kommt der Befehl „Feuer!“

Das Resultat sind neun Tote und 29 Verletzte. Ein bewaffneter Matrose stürzt auf Leutnant Steinhäuser und erschießt ihn.

Nun gibt es kein Zurück. Das ist der Startschuss für die deutsche Revolution

4. November 1918

München-Ludwigsvorstadt * Im „Mathäserbräu“ findet eine gemeinsame Versammlung der „Vertrauensleute“ der SPD und der Gewerkschaften statt. 

Sie fassen einen einstimmigen Beschluss:
„Da unter dem Streit zwischen Sozialdemokraten und Unabhängigen die Arbeiterinteressen Schaden leiden, appellieren die Obleute an die Leitung beider Parteien, den Bruderkrieg einzustellen und die ganze Kraft des Proletariats zum Kämpfe gegen den gemeinsamen Feind, Kapitalismus und Reaktion, zu vereinigen“.

4. November 1918

München-Kreuzviertel * Der „Königliche Staatsrat“ kommt zu seiner letzten Sitzung zusammen, um über den Fortgang der Verfassungsreform zu beraten. 

König Ludwig III. ist - wie seine Berater - der Auffassung, dass den demokratischen Parteien Zugeständnisse gemacht werden müssen, weil alleine damit in dieser Situation dem „Staatswohl“ und der „Monarchie“ gedient werden könne. 

  • „Innenminister“ Dr. Friedrich von Brettreich will etwaige Bedenken gegen die Notwendigkeit einer Parlamentarisierung „unter der Wucht der Ereignisse“ zurückgestellt wissen, da die „Wellen“ einer revolutionären Bewegung jetzt auch auf Bayern „übergegriffen“ hätten. 
  • „Ministerpräsident“ Otto von Dandl will den demokratischen Parteien so „weitgehende Zugeständnisse“ machen, weil in dieser Situation nur so dem „Staatswohl“ und der „Monarchie“ geholfen werden kann. 

Vordringlich sei es jetzt, 

  • dass „unter dem Volk kein Zwiespalt herrsche“ und 
  • die „öffentliche Ruhe“ aufrecht erhalten werde. 

Für den König trägt nicht Bayern die Schuld am schlechten Ausgang des Krieges, sondern „die unglückselige Politik“ der „Reichsleitung“ und besonders der „Obersten Heeresleitung“, die „keinen Maßstab hatte für die Grenzen der eigenen Kräfte“.

Seine bittere Bilanz lautet: „Nach mehr als vierjährigen unerhörten Leistungen und Opfern stehen wir vor einer Niederlage Deutschlands, die es seit Napoleon nicht mehr gegeben hat“.

4. November 1918

Berlin * Die deutsche USPD fordert in einem Aufruf „An das deutsche Volk“ die „Herbeiführung des sofortigen Friedens“

Die Arbeiterschaft und das ganze werktätige Volk soll sich zum Eingreifen bereit halten.

4. November 1918

Berlin * Die deutsche Regierung unter Prinz Max von Baden betont ihren Entschluss, Deutschland in einen „Volksstaat“ umzuwandeln und kündigt den Wiederaufbau der Volkswirtschaft nach dem Ersten Weltkrieg an.

4. November 1918

Kiel * Am Nachmittag treffen in Kiel Soldaten vom Generalkommando Altona ein, die den Matrosenaufstand niederschlagen sollen.

Die Matrosen, die Heeressoldaten und die Marinesoldaten verbrüdern sich. Der Kommandant der Marinestation muss - aller Machtmittel entledigt - kapitulieren. Die Dockarbeiter treten in einen Streik.

Die aufständischen Matrosen haben in Kiel die politische Macht übernommen. 

4. November 1918

Kiel * Alle Matrosen des Dritten Geschwaders wählen Soldatenräte, entwaffnen die Offiziere, bewaffnen sich selbst und hissen auf ihren Schiffen die rote Fahne.

Ein einziges Schiff, die „Schlesien“, flieht auf die hohe See.

Der Kapitän der „König“ verteidigt den Flaggenmast und wird erschossen. 

4. November 1918

Kiel * Bewaffnete Matrosen besetzen, unter dem Kommando der Soldatenräte, ohne Widerstand die Militärgefängnisse und befreien ihre Kameraden.

Andere besetzen öffentliche Gebäude wie den Bahnhof und das Telegraphenamt. 

4. November 1918

Berlin - Kiel * Als am Abend zwei Abgesandte der Berliner Reichsregierung eintreffen, ist Kiel bereits fest in der Hand von 40.000 aufständischen Matrosen und Marinesoldaten.

Der SPD-Abgeordnete Gustav Noske und der Staatssekretär ohne Geschäftsbereich Conrad Haußmann von der Fortschrittlichen Volkspartei - FVP werden jubelnd begrüßt. Noske wird von den Aufständischen sofort zum „Gouverneur“ gewählt. 

Dabei hat Noske nicht den „Eindruck, dass eine große Revolution begonnen hat“. Noch am gleichen Abend übernimmt er, „unter brausender Zustimmung“ der Arbeiter und Matrosen, den Vorsitz des Obersten Soldatenrates. Die meuternden Soldaten und revoltierende Arbeiter aus Kiel vertrauen dem prominenten Genossen aus Berlin. 

4. November 1918

Padua * Der Waffenstillstand zwischen Österreich-Ungarn und den Alliierten wird in der „Villa Giusti“ in der Nähe von Padua unterzeichnet.

Er tritt um 15 Uhr in Kraft und kommt nahezu einer Bedingungslosen Kapitulation gleich. 

5. November 1918

München * Der „Kieler Matrosenaufstand“ ist das Hauptgesprächsthema.

Zu ihm war es gekommen, nachdem die deutsche Admiralität am 29. Oktober in einem „Himmelfahrtskommando“ das Auslaufen der Flotte gegen die „Royal Navy“ befohlen hatte.

Es kam zu „Meutereien“, die schließlich in einem Aufstand gipfelten.
Der „Funke der Revolution“ hatte gezündet.

Bei einem Treffen mit Gandorfer erklärte Kurt Eisner:
„Nur noch kurze Zeit. Aber ich setze meinen Kopf zum Pfande, ehe achtundvierzig Stunden verstreichen, steht München auf!“

5. November 1918

München-Kreuzviertel * Die Parteien der bayerischen „Abgeordnetenkammer“ treffen ein Abkommen über Verfassungsreformen. 

  • Die „Verhältniswahl“ soll eingeführt werden.
  • Das „monarchische Prinzip“ soll in abgespeckter Form jedoch weiterbestehen.
  • Ein „Staatsministerium für soziale Fürsorge“ wird neu geschaffen.
  • Das Justiz-, das Finanz-, das Verkehrs- und das neue Sozialministerium soll mit Abgeordneten besetzt werden.
5. November 1918

München-Theresienwiese * Die USPD will im „Hackerkeller“ eine Wahlversammlung abhalten.

Der Andrang ist so groß, dass die Versammlung - im Dunkeln - auf der „Theresienwiese“ durchgeführt werden muss. 

Kurt Eisner erklärt, dass München in den nächsten Tagen aufstehen werde und die Regierung stürzen werde, um anschließend Frieden zu schließen.
Für diesen Schwur „verpfände“ er seinen Kopf.

Er warnt aber vor einem sofortigen Aufbruch, da Münchens Erhebung am lichten Tage erfolgen wird.

5. November 1918

Lübeck * Die Revolution breitet sich derweil von Kiel auf Lübeck und Brunsbüttel aus.

5. November 1918

Berlin * US-Präsident Woodrow Wilson teilt der deutschen Regierung die Bereitschaft der Alliierten zu Waffenstillstandsverhandlungen mit.

Der französische Marschall Foch wird ermächtigt, die deutsche Regierung zu empfangen.

5. November 1918

Kiel - Berlin * Den Mann, den die aufständischen Matrosen am Tag zuvor noch als ihren Richtigen erkannt und sogar zu ihrem Gouverneur ernannt haben, telefoniert an diesem Abend nach Berlin und erklärt, dass er „nur eine Hoffnung hat: Die freiwillige Rückkehr zur Ordnung unter sozialdemokratischer Führung; dann wird die Rebellion in sich zusammen sinken“.

Reichskanzler Max von Baden setzt noch am selben Tag den Beschluss durch: „Freie Hand für Noske bei dem Versuch, den lokalen Ausbruch zu ersticken“

6. November 1918

München * Der bayerische „Innenminister“ von Brettreich beruhigt die Bevölkerung, „dass sie gegen jegliche Willkür und Gewalttätigkeit den ausreichenden Schutz finden wird, den das ganze Volk von seiner Regierung erwartet“.

6. November 1918

München-Theresienwiese * Die SPD ruft für den nächsten Tag zu einer Massenversammlung auf der „Theresienwiese“ auf:

„Es gilt, im Geiste der Freiheit und Verantwortung Stellung zu nehmen zu den großen Tagesfragen“.

6. November 1918

München-Au * Im „Franziskanerkeller“ spricht der SPD-Reichstagskandidat Erhard Auer zum Thema „Was wollen wir Sozialdemokraten“ und fordert

  • die „Abdankung des Kaisers und des deutschen Kronprinzen“,
  • die „Ausschaltung aller reaktionären Elemente aus der politischen Verwaltung“,
  • die „Änderung des Mannschaftsbeschwerdegesetzes“,
  • eine „Arbeitslosenversicherung“ und den „Achtstundentag“

Die Anwendung von Gewalt lehnt er ab.

6. November 1918

Washington - Berlin - Spa * Am Vormittag trifft in Berlin die Nachricht des US-Präsidenten Woodrow Wilson ein, dass der Oberkommandierende der Alliierten Streitkräfte, Marschall Ferdinand Foch, bereit sei, eine deutsche Waffenstillstandsdelegation in Compiégne zu empfangen.

Nachdem die Reichsregierung das Ansinnen der Obersten Heeresleitung - OHL, einen militärischen Vertreter zum Verhandlungsleiter zu ernennen, ablehnt, wird noch am selben Tag der Staatssekretär Matthias Erzberger - gegen seinen Willen - mit der Aufgabe betraut und an der Spitze der Abordnung auf den Weg geschickt.

Er muss jedoch sich zuvor im Großen Hauptquartier der Obersten Heeresleitung noch Instruktionen abholen.

Der Reichsregierung ist es wichtig gegenüber den Alliierten das politisch erneuerte Deutschland zu demonstrieren. Dazu eignet sich ein ziviler Politiker an der Spitze der Waffenstillstands-Kommission ganz besonders.

Weitere Mitglieder der deutschen Verhandlungs-Abordnung sind der Leiter für Heeresangelegenheiten General Detlof von Winterfeldt, der Kapitän zur See Ernst Vanselow und als Vertreter des Auswärtigen Amtes Alfred von Oberndorff.

Die Deutschen hoffen auf einen „milden Frieden“ auf der Grundlage des 14-Punkte-Programms, das der US-Präsident Woodrow Wilson am 8. Januar 1918 verkündet hatte. 

6. November 1918

Hamburg - Bremen - Wilhelmshaven * In Altona, Bremen, Bremerhaven, Cuxhaven, Flensburg, Hamburg, Neumünster, Oldenburg, Rendsburg, Rostock und Wilhelmshaven erheben sich revolutionäre Arbeiter und Soldaten und bilden Arbeiter- und Soldatenräte.

6. November 1918

München * Die Münchner „Erdbebenwarte“ verzeichnet und 8:22 Uhr und um 8:48 Uhr zwei starke Erdstöße.

6. November 1918

München-Maxvorstadt * Prinzessin Wiltrud schreibt in ihr Tagebuch: „Jetzt wird‘s ernst!“, nachdem in der weitläufigen Residenz berittene Gendarmen und andere Schutzleute sowie Soldaten zusammen gezogen wurden. 

6. November 1918

München-Kreuzviertel * Nachdem die bayerischen Minister gegenüber dem "Mehrheitssozialdemokraten" Erhard Auer ihre Sorgen wegen der am nächsten Tag auf der "Theresienwiese" geplanten "Massenkundgebung" eröffnet haben, erklärt dieser: 

"Reden Sie doch nicht immer von Eisner.
Eisner ist erledigt. Sie dürfen sich darauf verlassen.
Wir haben unsere Leute in der Hand.
Ich gehe selbst mit im Zug. Es geschieht gar nichts"
.

7. November 1918

München-Theresienwiese * Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei - USPD hat zu einer Kundgebung auf die Theresienwiese eingeladen.

Um die Kontrolle über die Münchner Arbeiterschaft nicht ganz zu verlieren, haben sich die Gewerkschaften und die SPD dieser Einladung angeschlossen. 

7. November 1918

München * Die Mitglieder der Winzerer-Fähndl Armbrustschützengilde halten ihre Ordentliche Hauptversammlung ab.

Der 1. Schützenmeister gibt darin einen kurzen Kommentar zur allgemeinen Lage wieder, der vom „deutschen Ersuchen um Waffenstillstandsverhandlungen“ gezeichnet ist.

Als die 17 Winzerer auseinander gehen, ist König Ludwig III. bereits aus der Residenz geflohen. 

7. November 1918

München-Kreuzviertel * In einem Gespräch mit dem bayerischen Innenminister Friedrich von Brettreich macht der Führer der Mehrheitssozialisten, Erhard Auer, deutlich, dass er und seine Partei

  • die gewaltsame Niederschlagung der Revolution und
  • die Festnahme der Revolutionäre noch in der Umsturznacht dulden würden.

Danach können sie nur mehr versuchen - auf der Grundlage der neu geschaffenen Verhältnisse - an der Stabilisierung der inneren Ordnung mitzuwirken. 

7. November 1918

München-Graggenau - Schloss Wildenwart * Um 22:30 Uhr verlässt König Ludwig III. mit seiner Familie überstürzt die Residenz und begibt sich im Auto zunächst auf die Flucht nach Schloss Wildenwart

7. November 1918

München-Graggenau * Um 19 Uhr verlässt die Residenzwache ihren Posten und folgt damit dem Beispiel der anderen Münchner Truppen. 

Selbst die Hartschiere, deren Motto lautet: „Nur über unsere Leichen zum Thron“, rühren keinen Finger für den Erhalt der bayerischen Monarchie

7. November 1918

München * Während der Bayerische Landtag über die Sicherung der Kartoffelversorgung in den Stadten berät, hält kein Soldat oder Polizist auch nur einen einzigen Revolutionär zurück. 

Eisners Revolution hätte wohl auch dann niemand aufgehalten, wenn er in der Residenz einmarschiert wäre.
Selbst das Militär steht zuletzt auf Seiten der Rebellen

7. November 1918

München-Theresienwiese * Kurt Eisner spricht zur gleichen Zeit am anderen Ende der Theresienwiese - unterhalb vom Hackerbräu

Was nach dem Abmarsch der Mehrheitssozialisten und der Gewerkschafter passiert, schildert Felix Fechenbach so: 
„Drei Redner sprachen an dieser Stelle.

  • Zuerst Kurt Eisner, kurz und bündig. Es sei jahrelang geredet worden, man müsse jetzt handeln!
  • Der Bauernführer Ludwig Gandorfer verspricht, dass das Landvolk die Arbeiter nicht im Stiche lassen werde.
  • Dann trete ich vor in Uniform, die rote Fahne in der Hand, erinnere daran, dass die Soldaten in den Kasernen zurückgehalten werden.
  • Und dann: ‚Soldaten! Auf in die Kasernen! Befreien wir unsere Kameraden! Es lebe die Revolution‘.
    Das war das Signal“.
7. November 1918

München-Theresienwiese * Um 15 Uhr beginnt die politischen Veranstaltung auf der Theresienwiese, an der sich etwa 40.000 Menschen beteiligen. 

Andere Quellen sprechen von über 100.000 Teilnehmern. 

7. November 1918

München-Bogenhausen * Thomas Mann beschimpft die Revolutionäre als „albernes Pack“

7. November 1918

Berlin * Die SPD-Reichstagsfraktion und der SPD-Vorstand stellen eine Reihe von Forderungen an den Reichskanzler Max von Baden. 

Die Wichtigste beinhaltet

  • den Rücktritt des Deutschen Kaisers und
  • den Thronverzicht des Kronprinzen bis zum Mittag des nächsten Tages.

Bei Nichterfüllung der Forderungen will die SPD aus der Regierung austreten. 

7. November 1918

Braunschweig - Frankfurt am Main - Hannover - Lüneburg - Schwerin * Unter anderem in Braunschweig, Frankfurt am Main, Hannover, Lüneburg und Schwerin haben sich revolutionäre Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. 

7. November 1918

München * USPD und MSPD haben sich vor der Versammlung auf der Theresienwiese auf einen gemeinsamen, acht Punkte umfassenden Forderungskatalog geeinigt. Er beinhaltet:

  • Den sofortigen Abgang des Kaisers und den Verzicht seines Thronfolgers.
  • Die Vereidigung des deutschen Heeres auf die Verfassung.
  • Die Beseitigung aller Verfassungsbestimmungen, die der Freiheit des gesamten deutschen Volkes entgegenstehen und den Ausbau Deutschlands zu einem demokratischen Staatswesen hemmen.
  • Ausschaltung aller reaktionären Elemente aus der politischen Verwaltung und völlige Demokratisierung der Verwaltungsorganisation.
  • Annahme der Waffenstillstandsbedingungen; grundsätzliche Ablehnung des von den Alldeutschen propagierten Gedankens der nationalen Verteidigung.
  • Sofortige Ergreifung aller Maßregeln, welche die Ordnung, Sicherheit und Ruhe bei Abrüstung und Heimbeförderung der Truppen verbürgen.
  • Schaffung wirksamster Garantien für das Beschwerderecht der Soldaten.
  • Umfassende soziale Fürsorgemaßnahmen für die Notleidenden; Arbeitslosenversicherung; achtstündiger Arbeitstag.
7. November 1918

München * Für die Dauer der Massendemonstration hat der Stadtmagistrat die Schließung der städtischen Büros verfügt und den Arbeiterinnen und Arbeitern den Nachmittag unter Fortzahlung des Lohnes arbeitsfrei gegeben. 

Die meisten gewerblichen Betriebe und Geschäfte sind bereits ab Mittag geschlossen. 

7. November 1918

München * Unter der Führung von Kurt Eisner, Ludwig Gandorfer, Felix Fechenbach, Hans Unterleitner und weiteren 2.000 Arbeitern und Soldaten ziehen sie zu den Kasernen und überreden die kriegsmüden Soldaten zum mitmachen.

Zuerst eine Kraftwagenkolonne in der Kazmairstraße, dann eine Landsturm-Kompanie in der Gudeinschule.
Im weiteren Verlauf schließen sich auch die Truppen in der Marsfeld-Kaserne, Türkenkaserne und der Max-II-Kaserne den Demonstranten an. 

Unterwegs befreien sie die Kameraden, die wegen irgendeiner Aufsässigkeit im Militärgefängnis einsitzen.
Aus Versehen befreien sie die Bewacher gleich mit, die sich beim Herannahen der revolutionären Arbeiter selbst in die Zellen eingesperrt haben. 

7. November 1918

München * Auf dem Weg schließen sich ihnen weitere Arbeiter an, auf einmal sind es Zehntausende, die im Mathäser-Bräu das Standquartier der Arbeiter- und Soldatenräte einrichten. 

7. November 1918

München * München ist kampflos, ohne Blutvergießen gefallen. 

Der schnelle und unblutige Sieg der Revolution ist jedoch nur deshalb möglich, da fast alle Bevölkerungsschichten kein Vertrauen mehr in die alten Herrschaftsträger haben und das Regime dem Umsturz nichts entgegensetzen kann.

Dabei hätte doch nur „ein einziges zuverlässiges Bataillon genügt, dem Revolutionsspuk ein Ende zu machen“.
Doch ein solches Bataillon gibt es nicht mehr! 

7. November 1918

München-Theresienwiese * Die Versammlung verläuft zunächst ganz nach den Vorstellungen Erhard Auers. 

Die Mehrheitssozialdemokraten und die Gewerkschafter marschieren geschlossen an.
Der SPD-Führer und weitere Funktionäre halten ihre Reden an der Bavaria, in der sie hervorheben, dass die Sozialdemokratische Partei 

  • weder zum Streik noch zur Revolution auffordert, sondern
  • die Entwicklung zum Volksstaat auf parlamentarischen Wegen erreichen möchte.

Im Anschluss lassen sie dann über eine Resolution abstimmen. 

Danach formieren sich die Teilnehmer zur großen Friedensdemonstration, die in vollkommener Disziplin zum Friedensengel marschiert und sich dort auflöst. 

7. November 1918

München-Graggenau * Vor der Residenz fordert eine aufgebrachte Menschenmenge Runter mit dem Millibauern, runter mit der Topfenresl!.

7. November 1918

München * Bayerns Innenminister Dr. Friedrich von Brettreich gibt in einem Aufruf bekannt, dass die Waffenstillstandsverhandlungen begonnen haben und „baldigst zum Abschluss kommen werden“.

7. November 1918

München-Maxvorstadt * Im Kriegsministerium trifft sich der Königliche Staatsrat zur Lagebesprechung.

Ihr Fazit lautet:
„Da nach den vorliegenden polizeilichen Meldungen damit gerechnet werden muss, dass die Revolutionäre in der Nacht außer den Ministerien auch die Residenz besetzen und den König sowie die kranke Königin behelligen und versuchen werden, den ersteren zu Abdankung zu zwingen, sind alle Minister der Ansicht, dass der König mit seiner nächsten Familie vorerst bis zur Klärung der Lage München verlasse“.

Ministerpräsident Otto von Dandl überbringt den Rat an König Ludwig III.. Dieser erklärt sich damit „ohne Weiteres einverstanden“.

7. November 1918

München-Kreuzviertel * Soldaten und Zivilsten dringen in das Hotel Bayerischer Hof ein. 

Sie nehmen den dort einquartierten Offizieren des Oberkommandos Süd das Ehrenwort ab, nichts gegen den Arbeiter- und Soldatenrat zu unternehmen. 

7. November 1918

München-Kreuzviertel * Gegen 22 Uhr nehmen die Revolutionäre dem völlig fassungslosen Pförtner des Bayerischen Landtags die Gebäudeschlüssel ab. 

Da nun auch die Bauernräte hinzustoßen, wird ein Provisorischer Nationalrat konstituiert, der bis zur Wahl eines Landtages bestehen bleiben soll. 

7. November 1918

München-Ludwigsvorstadt * Im Mathäserbräu tagen inzwischen die spontan entstandenen revolutionären Arbeiter- und Soldatenräte

Sie wählen Kurt Eisner zu ihrem Vorsitzenden und ziehen dann zum Bayerischen Landtag in der Prannerstraße.

7. November 1918

München * Um 22 Uhr sind die wichtigsten Zeitungsverlage kampflos in die Hände der Aufständischen gefallen. 

7. November 1918

München-Ludwigsvorstadt * Gegen 20 Uhr ist der Hauptbahnhof und kurz darauf das Telegraphenamt besetzt.

7. November 1918

Kiel - München * Als in München die revolutionären Vorgänge beginnen, sind sie in Kiel bereits beendet.

Der Einfluss von Gustav Noske war so groß, dass er die Revolution in Kiel im Sinne der Obersten Heeresleitung - OHL, der Reichsregierung und der Sozialdemokratischen Partei - SPD „erstickt“ und „zurückgerollt“ kann.

8. November 1918

München-Kreuzviertel * Kurz nach Mitternacht  hält der neu gebildete „Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat“ im „Sitzungssaal der Abgeordnetenkammer“ im „Landtagsgebäude“ an der Prannerstraße - unter der Leitung Kurt Eisners - seine erste Sitzung ab.  

Kurt Eisner proklamiert die „demokratische und soziale Republik Bayern“, den „Freistaat Bayern“.  
Die Monarchie ist damit gestürzt, die Republik geboren.  

In seiner Rede bemerkt Eisner: „Die bayerische Revolution hat gesiegt.  
Sie hat den alten Plunder der Wittelsbacher Könige hinweggefegt“
.  

„Bayern ist fortan ein Freistaat“ lautet der dritte Satz eines Aufrufs, der am Morgen des 8. November 1918 auf der ersten Seite der „Münchner Neuesten Nachrichten“ veröffentlicht wird.  

Mit dem Begriff „Freistaat“ nimmt Kurt Eisner eine Definition auf, die schon 150 Jahre zuvor für „Republik“ gebraucht wurde.  
Mit dieser Wortwahl will er aber nicht nur den Unterschied zur „Monarchie“, sondern auch die Eigenständigkeit Bayerns innerhalb eines deutschen Staatenbundes, der „Vereinigten Staaten von Deutschland“, herausstellen.  
„Der Rat der Arbeiter, Soldaten und Bauern“ hat diesen Aufruf „An die Bevölkerung Münchens“ gerichtet.  

Noch deutlicher ist ein knallrotes Plakat, das bereits in den Straßen Münchens hängt.  
Ihm können die interessierten Bürger entnehmen:  
„Die Dynastie Wittelsbach ist abgesetzt. Hoch die Republik!“

8. November 1918

München-Kreuzviertel * Der Münchner Polizeipräsident Rudolf von Beckh gibt um 1:25 Uhr die Erklärung ab, dass er sich verpflichtet, „bei der Ausübung des Sicherheitsdienstes den Anordnungen des Arbeiter- und Soldatenrates München Folge zu leisten. [...]“

8. November 1918

München-Kreuzviertel * Noch in der Nacht konstituiert sich der „Provisorische Nationalrat des Volksstaats Bayern“.  

Er löst die 163 gewählten Abgeordneten des Bayerischen Landtags ab.  

Voraussetzung ist, dass, entsprechend der Machtverhältnisse und im Interesse der „Einigung des Proletariats“, die „Mehrheitssozialdemokraten“ beteiligt werden müssen, obwohl sie die „Revolution“ mit allen Mitteln verhindern wollten und sich Erhard Auer mit der „gewaltsamen Niederschlagung der Aufständischen“ noch in der Nacht vom 7. zum 8. November einverstanden erklärt hat.  
Aber gegen die „MSPD“ kann nicht regiert werden.  

Deshalb zieht Eisner zur „ersten öffentlichen Sitzung des provisorischen Nationalrates am 8. November 1918“ - neben den Delegierten des „Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrats“ sowie Vertretern der „Gewerkschaften und Berufsverbände“ - die „sozialdemokratische Fraktion“ des alten Landtags, die „Fraktion des Bauernbundes“ und drei „liberale Abgeordnete“ - Quidde, Hübsch und Kohl - hinzu.

8. November 1918

München-Kreuzviertel * Nun macht sich der „Unabhängige Sozialdemokrat“ Kurt Eisner an die Zusammenstellung des „Kabinetts“.  

8. November 1918

München-Kreuzviertel * Um 15:38 Uhr tritt der „Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat“ zu seiner zweiten Sitzung zusammen, um eine „Provisorische Bayerische Regierung“ zu wählen.  

Eisner schlägt folgende Zusammensetzung der „Regierung“ vor:  

  • Das „Ministerium des Äußeren“ und damit das „Präsidium“ übernimmt Kurt Eisner selbst.  
  • „Vizepräsident“ und „Kultusminister“ wird der „Mehrheitssozialdemokrat“ Johannes Hoffmann.  
  • Ebenfalls „MSPD“ sind der „Minister für militärische Angelegenheiten“, Albert Roßhaupter,  
  • und der „Justizminister“ Johannes Timm.  
  • Das „Innenministerium“ erhält der „Vorsitzende der bayerischen Mehrheitssozialdemokraten“, Erhard Auer.  
  • Das „Verkehrsministerium“ überträgt Eisner einem bürgerlichen Fachmann: Heinrich von Frauendorfer.  
  • Das „Ministerium der Finanzen“ vertraut Eisner dem „Professor für Staatswissenschaften“ Edgar Jaffé an, der den „Unabhängigen“ nahe steht.  
  • Das neu geschaffene „Ministerium für soziale Angelegenheiten“ leitet der „Unabhängige Sozialdemokrat“ Hans Unterleitner.  

Die Benennung Erhard Auers zum „Innenminister“ ruft neben Beifall auch Unmutsäußerungen hervor.  
Bei der Abstimmung erhält Auer eine „überwiegende Mehrheit“.  

Eisner will mit Auers Ernennung seinen schärfsten Gegner unter Kontrolle bringen.
Daneben ist ihm bewusst, dass die „MSPD“ die Nichtbesetzung des „Innenministeriums“ mit ihrem Vorsitzenden als Affront empfunden und sich möglicherweise mit der „Bourgeoisie“ gegen die „Revolutionsregierung“ verbünden würde.  
Auer dagegen kann der „MSPD“ dadurch den Einfluss auf die kommenden Ereignisse sichern.  

Das „Landwirtschaftsministerium“ wollte Eisner ursprünglich mit einem revolutionären „Bauernbündler“ besetzen. Doch das kann Erhard Auer verhindern.  
Es wird nicht gebildet, da der „MSPD-ler“ darin eine Beschneidung seines „Ressorts“ sieht und er dem Eisner-nahen „Bayerischen Bauernbund - BBB“ kein zusätzliches Machtinstrument an die Hand geben will. 

8. November 1918

München-Kreuzviertel * Der „Unabhängige Sozialdemokrat“ Kurt Eisner, der das Amt des „Ministerpräsidenten der Republik Bayern“ übernommen hat, wird er dieses Amt 105 Tage ausüben.  

In seiner ersten Amtshandlung kürzt der neu ernannte „Bayerische Ministerpräsident“ sein „hohes“ Gehalt. 

8. November 1918

München * Die Stimmung in München und in Bayern ist sehr gut, da die Revolution vor allem als ein Mittel zur Beendigung des Krieges begriffen wird und schon deshalb die Menschen in ihrer Friedenssehnsucht begeistert.  

Obwohl die meisten Münchner die Revolution verschlafen haben, hat sich die Bevölkerung sehr schnell den neuen Gegebenheiten angepasst.  

Ob bei den Hoflieferanten, der Post oder der Bayerischen Staatszeitung wird der Zusatz Kgl. umgehend gestrichen oder überklebt.  
Von den Türmen der Frauenkirche weht die rote Fahne.  

Der „Arbeiter- und Soldatenrat“ hat die maximale Fahrgeschwindigkeit der Straßenbahn von 25 km/h auf 12 km/h festgesetzt.  
Der gesamte Telephon- und Telegraphenverkehr in andere Städte ist gesperrt.  

Der „Arbeiter- und Soldatenrat“ übernimmt den „Schutz der städtischen Anstalten und Betriebe“ und besetzt die „Residenzwache“.  

Kurt Eisner verfasst in der Zwischenzeit Aufrufe an die Bevölkerung: „An die Bevölkerung Münchens“, „An die ländliche Bevölkerung Bayerns“, „An die Arbeiter Münchens“ und „An die Soldaten“

8. November 1918

Hintersee - Ramsau * König Ludwig III. begibt sich mit der königlichen Familie am Abend nach Hintersee in der Ramsau. 

Nach dem 8. November 1918

München-Kreuzviertel * Zur persönlichen Sicherheit der Regierungsmitglieder wird die „Republikanische Schutztruppe“ gegründet und Albert Roßhaupter, dem „Minister für militärische Angelegenheiten“ unterstellt. 

8. November 1918

Deutsches Reich * Alle westdeutschen Großstädte sowie Leipzig und Magdeburg sind von der Revolution erfasst. 

8. November 1918

Compiègne * Die „Deutsche Abordnung zum Abschluss des Waffenstillstandes und zur Aufnahme der Friedensverhandlungen“ mit dem Staatssekretär Matthias Erzberger an seiner Spitze, reist zu Verhandlungen mit Marschall Ferdinand Foch.

Als Verhandlungsort hat die französische Seite einen Eisenbahnwaggon in einem Waldstück der Gemeinde Rethondes bei Compiègne ausgewählt, wo sich bis März 1918 der Sitz des Alliierten Oberkommandos befunden hatte.

Die Delegation wird von Marschall Foch mit den Worten „Was führt die Herren hierher? Was wünschen Sie von mir?“ begrüßt. Auf die Erwiderung, man wünsche Vorschläge über einen Waffenstillstand entgegen zu nehmen, antwortete Foch: „Ich habe keine Vorschläge zu machen“.

Er legt dafür eine fertige Liste mit Waffenstillstands-Bedingungen, verbunden mit einem 72-stündigen Ultimatum zur Annahme oder Ablehnung vor.

Vor allem die Franzosen, auf deren Boden der Krieg vier Jahre gewütet und gewaltige Zerstörungen hinterlassen hatte, fordern eine drakonische Bestrafung des Deutschen Reiches

Nach dem 9. November 1918

München-Lehel - Berlin * Mit der Revolution und der damit verbundenen Beendigung der Monarchie und des Kaisertums fällt die „Schack-Galerie“ unter das beschlagnahmte „Kronvermögen“ und wird von der „Krongutverwaltung“ des Berliner „Finanzministeriums“ betreut.

9. November 1918

Berlin * Der deutsche Kaiser Wilhelm II. verzichtet auf den Thron.  

Der rechte Sozialdemokrat Philipp Scheidemann ruft in Berlin die „Deutsche Republik“ aus.  
Friedrich Ebert (SPD) wird „provisorischer Reichskanzler“.  

Zeitgleich proklamiert der Linkssozialist Karl Liebknecht die „Freie Sozialistische Republik“ nach dem Vorbild der „russischen Brüder“

9. November 1918

München * In der ersten Novemberwoche sind 176 Personen in München der Grippeepidemie erlegen.

9. November 1918

München-Graggenau * Nur einen Tag nach der Konstituierung des „Provisorischen Nationalrats“ unter „Ministerpräsident“ Kurt Eisner lädt Freiherr Rudolf von Sebottendorff zu einem „konspirativen Treff“ der „Thule-Gesellschaft“ ins „Hotel Vier Jahreszeiten“.

Das Interesse ist so groß, dass alle wichtigen Vertreter völkischer und antisemitischer Gruppierungen aus München und der näheren Umgebung der Einladung folgen.

Nun war man unter sich - und Sebottendorff konnte Klartext reden: 

  • „Uns hasst der Feind mit dem grenzenlosen Hasse der jüdischen Rasse, es geht jetzt Auge um Auge, Zahn um Zahn! Unser Orden ist ein Germanenorden, germanisch ist die Treue. [...].  
  • Die gestrige Revolution, gemacht von Niederrassigen, um den Germanen zu verderben, ist der Beginn der Läuterung.
  • Nun wollen wir reden vom Deutschen Reich, jetzt wollen wir sagen, daß der Jude unser Todfeind ist, von heute ab werden wir handeln“.
  • Ohne Umschweife fordert er den „kompromisslosen bewaffneten Kampf gegen die neue Regierung“, da sie für ihn nur die „Herrschaft der Niederrassigen unter der Führung von Juda“ ist.

Und da gibt es für ihn kein Zurückhalten: „Jetzt heißt es kämpfen [...] bis das Hakenkreuz siegreich aufsteigt“

9. November 1918

Deutschland * Mit der Revolution werden die Frauen in Deutschland das Wahrecht erhalten. 

9. November 1918

München-Graggenau * Der neue „Ministerrat“ unter Kurt Eisner lässt die „Residenz“ vor möglichen Plünderungen durch Wachen sichern. 

Nach dem 9. November 1918

München-Maxvorstadt * Nach der Revolution vom November 1918 wird das „Professoren-Kollegium“ an der „Akademie der Bildenden Künste“ als „Konzilium verschwitzter Schiffshüte“ verunglimpft.

9. November 1918

Deutsches Reich * Die Revolution pflanzt sich selbstständig fort erstreckt sich nun auch östlich der Elbe. 

9. November 1918

München-Bogenhausen * Thomas Mann, der die Revolutionäre am 7. November noch als „albernes Pack“ beschimpft hatte, notiert jetzt:

„Überhaupt sehe ich den Ereignissen mit ziemlicher Heiterkeit und Sympathie zu.
Die Bereinigung und Erfrischung der politischen Atmosphäre ist schließlich gut und wohltätig“

10. November 1918

Berlin * General Wilhelm Groener, der Nachfolger Ludendorffs in der Obersten Heeresleitung - OHL, gibt eine Loyalitätserklärung gegenüber Friedrich Eberts Regierung ab. 

Gleichzeitig sichert er ihm die militärische Unterstützung gegen linksradikale Revolutionäre zu. 

Nach dem 10. November 1918

Berlin * Die demokratische Regierung nach der November-Revolution beschließt die Einführung von „Volksgerichten“

Die Aburteilung von Mördern unterliegt seither diesen Gerichten, die Vollstreckung erfolgt grundsätzlich durch „Erschießen“.

10. November 1918

München * Die bayerische Revolutionsregierung erlässt einen Aufruf mit der Überschrift: „An die Regierungen und Völker Amerikas, Frankreichs, Englands und Italiens! An das Proletariat aller Länder!“.

Ministerpräsident Kurt Eisner fordert darin eine Milderung der harten „Waffenstillstandsbedingungen“

10. November 1918

Berlin * Bildung des Rats der Volksbeauftragten als Provisorische Regierung beim Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik.

Das Gremium besteht aus je drei Vertretern der Mehrheitssozialdemokraten - MSPD und der Unabhängigen Sozialdemokraten - USPD. Die MSPD entsendet: Friedrich Ebert, Philipp Scheidemann und Otto Landsberg, die USPD: Hugo Haase, Wilhelm Dittmann und Emil Barth.

Ebert und Haase sind gleichberechtigte Vorsitzende.

Der Rat der Volksbeauftragten beaufsichtigt das Regierungskabinett, das weiterhin im Amt ist. 

10. November 1918

Schleißheim * In der Nähe von Schleißheim verunglückt Ludwig Gandorfer, der Vorsitzende des „Bauernrates“, mit einem Automobil. 

Er stirbt an einem Schädelbruch. 

10. November 1918

München * Der „Gauleiter des Fabrikarbeiterverbandes Nürnberg“, Josef Staimer, wird an Stelle des „Polizeipräsidenten“ Rudolf von Beckh mit der Führung der Münchner Polizei beauftragt.

10. November 1918

München * Der „Minister für militärische Angelegenheiten“, Albert Roßhaupter, informiert die Bevölkerung von der Absetzung des bisherigen „Stadtkommandanten“ Arnold und lässt dessen Anordnungen für ungültig erklären.

10. November 1918

München-Kreuzviertel * Kronprinz Rupprecht legt bei der bayerischen Regierung „Verwahrung ein gegen die politische Umwälzung, die ohne Mitwirkung der Gesamtheit des bayerischen Volkes und der gesetzgebenden Gewalten vor sich gegangen ist“.

10. November 1918

Berlin * „Generalfeldmarschall“ Paul von Hindenburg gibt bekannt, dass die „Oberste Heeresleitung -OHL“ mit Reichskanzler Ebert zusammenarbeiten will, um so in Deutschland die Ausbreitung des terroristischen Bolschewismus zu verhindern.

10. November 1918

Deutschland * In Sachsen, Württemberg und Oldenburg wird die Republik ausgerufen.  

Der Fürst von Reuß, jüngere Linie, dankt ab.

10. November 1918

Berlin * Kaiser Wilhelm II. ist nach seiner Flucht in Holland angekommen. 

10. November 1918

München - Schloss Wildenwart * „Ex-Ministerpräsident“ Otto von Dandl verlässt gemeinsam mit „Ex-Staatsrat für militärische Angelegenheiten“ Maximilian von Speidel und einer vierköpfigen Eskorte der Revolutionsregierung die Landeshauptstadt. 

Sie sollen mit dem abgesetzten König Ludwig III. über die Lösung des „Beamten- und Offiziersdiensteides“ verhandeln. 

Der Ex-König hat aber „Schloss Wildenwart“ bereits in Richtung Anif bei Salzburg verlassen.

10. November 1918

München-Graggenau * Mitglieder der „Thule-Gesellschaft“ gründen einen „Kampfbund“, der die „Zerschlagung der Räterepublik mit Waffengewalt“ zum Ziel hat.
Die Leitung übernimmt Freiherr von Sebottendorff selbst.  

Diese „Nationalisten“, „Antisemiten“ und „Deutschnationalen“ entwickeln eine Doppelstrategie, die maßgeblichen Anteil an der Zerschlagung der späteren „Räteherrschaft“ hat.

Die „Thule-Gesellschaft“ wird zum „Organisationszentrum der Münchner Gegenrevolution“

„Aktionsgemeinschaften“ organisieren 

  • den „Aufbau eines umfangreichen Informations- und Spitzelsystems in allen revolutionären und kommunistischen Gruppierungen“,
  • die „Kontaktaufnahme mit gesprächsbereiten Sozialdemokraten aus der Provisorischen Regierung und der Parteispitze“ sowie
  • die „Errichtung eines illegalen Werbebüros zur Unterstützung bereits existierender nationaler Militärverbände und zum Aufbau einer eigenen militärischen Organisation“. 
10. November 1918

Lille - Brüssel * Kronprinz Rupprecht legt seine Armee-Kommandos nieder und begibt sich nach Brüssel.

Dort eilt er sich in die „Spanische Botschaft“ und ersucht um „Asyl“

11. November 1918

Compiégne * Staatssekretär Matthias Erzberger, ein liberaler Politiker der katholischen Zentrumspartei, unterzeichnet für das Deutsche Reich das Waffenstillstandsabkommen im französischen Compiègne.

Einen großen Verhandlungsspielraum ließ die von Marschall Ferdinand Foch vorgelegte Liste mit den Waffenstillstands-Bedingungen, verbunden mit einem 72-stündigen Ultimatum zur Annahme oder Ablehnung, nicht zu.

Da der deutschen Delegation die Bedingungen als sehr hart erscheinen, sucht Erzberger Rücksprache mit dem neuen Reichskanzler Friedrich Ebert. Dieser weist den Leiter der Verhandlungskommission nach Rücksprache mit dem Chef der Obersten Heeresleitung - OHL, Paul von Hindenburg, an, den „Waffenstillstand zu jedweden Bedingungen“ anzunehmen.

Der Vertrag wird am 11. November zwischen 5:12 Uhr und 5:20 Uhr französischer Zeit unterzeichnet. Um 11 Uhr enden damit die kriegerischen Auseinandersetzungen.

188.000 bayerische Soldaten sind im Ersten Weltkrieg gefallen, mehrere Hunderttausend wurden verwundet. 

11. November 1918

München * In den Zeitungen erscheint folgender Artikel: 

„Niemand wird von den Anhängern der Zentrumspartei verlangen können, dass sie die Prinzipien ihrer Weltanschauung und die Grundsätze der Partei ändern.
Wohl aber fügen wir uns den gegebenen Verhältnissen“.

11. November 1918

Berlin * In Berlin wird der „Spartakusbund“ als „Propagandavereinigung“ gegründet. 

Er ist vorerst noch keine Partei.
Seine Mitglieder gehören der USPD an.

11. November 1918

Bayern * Bei allen Betrieben der „Bayerischen Verkehrsverwaltung“ ​erfolgt 

  • die Einführung des Achtstundentages und  
  • die Abschaffung der Stücklohn- und Prämienarbeit.
11. November 1918

München * „Generalmajor“ von Kunzmann übernimmt die Aufgaben des am Tag zuvor enthobenen „Stadtkommandanten“ Arnold. 

11. November 1918

München * Die „Königliche Zivilliste“ wird in Staatseigentum überführt. 

11. November 1918

Brüssel - München * Kronprinz Rupprecht schickt ein forsches Telegramm an die „Regierung Eisner“ in München, indem er für „das bayerische Volk und das seit Hunderten von Jahren mit ihm verbundene Fürstenhaus“ verlangt, „dass über die Staatsform durch eine verfassungsgebende Nationalversammlung entschieden wird“.

Außerdem fordert er für die „im Felde stehenden Mitglieder des Hauses Wittelsbach

  • ungehinderte Rückkehr und
  • freie Meinungsäußerung“.

Der „Ministerrat des Volksstaates Bayern“ ignoriert die Ermahnungen. 

11. November 1918

Wien * Karl I., der schon eine Woche vorher von einzelnen Medien als „der ehemalige Kaiser“ bezeichnet worden war, wird von den republikanisch gesinnten deutsch-österreichischen Spitzenpolitikern und seiner letzten k.u.k. Regierung dazu bewogen, auf „jeden Anteil an den Staatsgeschäften“ zu verzichten.

Die förmliche Abdankung hatte er zuvor abgelehnt.

Am selben Tag entlässt der Ex-Kaiser die funktionslos gewordene k.u.k. Regierung

12. November 1918

Berlin - Deutsches Reich * Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland.

Im „Aufruf an das Deutsche Volk“ vom Rat der Volksbeauftragten heißt es:  

„Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen“

12. November 1918

Regensburg * Die Mitglieder des „Zentrums“ lösen ihre Partei auf. 

Jetzt ist ein guter Zeitpunkt gekommen, in dem man guten Gewissens alte Positionen aufgeben konnte.

Politiker des konservativen und katholischen Lagers gründen in Regensburg die „Bayerische Volkspartei - BVP“ und erklären:

„Fürs erste weht über Deutschland und Bayern die rote Fahne, das musste wohl so kommen und so Gott will, wird es unserem engeren und weiteren Vaterlande am Ende doch zum Guten gereichen“.

12. November 1918

München * Das „Staatsministerium der Justiz“ gibt den Wegfall der Formel „Im Namen Seiner Majestät des Königs“, sowie die Bezeichnung „Königlich“ auf sämtlichen Formblättern, Papieren, Briefumschlägen, Siegeln und Stempeln bekannt. 

12. November 1918

München * Der Stadtmagistrat beschließt die Einführung des Achtstundentages in allen städtischen Betrieben. 

12. November 1918

München * In einem „Hirtenbrief“ an die Landgemeinden vertritt der Münchner Erzbischof Michael von Faulhaber folgende Auffassung:   

„Ohne unsere Grundsätze zu verleugnen, ohne ein politisches Neubekenntnis abzulegen, fühlen wir uns doch im Gewissen verpflichtet, auf dem Boden der gegebenen Tatsachen an der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und an der Sicherstellung der Volksernährung mitzuarbeiten, um noch größere Übel von unserem Volke fernzuhalten“

12. November 1918

München * In einem Aufruf des „Soldatenrats“ wird Bayern erstmals als „Volksstaat“ bezeichnet. 

12. November 1918

Berlin * Die „Regierung Ebert“ veröffentlich ihr Regierungsprogramm. 

12. November 1918

Deutschland * Der Herzog von Anhalt und der Fürst von Lippe verzichten auf ihren Thron. 

Um den 12. November 1918

München * Liesl Karlstadt hatte im Oktober 1918 für ihre „ersprießliche Tätigkeit im Dienste des Roten Kreuzes“ das „König-Ludwig-Kreuz“ erhalten.

„An dem Orden hab‘ i mi net lang freu‘n können. In der Revolution sagen so a paar Strizzi zu mir: ‚Tuast‘n runter, dein Preiselbeerorden, sonst miassat ma‘n kassier‘n!‘ Da hab i‘n halt runtertan!“

12. November 1918

München * Eine „Amnestie“ wird erlassen.  

Durch sie werden die Verfahren gegen die am „Januarstreik“ Beteiligten eingestellt. 

12. November 1918

Brüssel - Amsterdam * In der Nacht zum 13. November flieht Kronprinz Rupprecht mit dem Auto des spanischen Gesandten nach Amsterdam, wo er bei einem Schweizer Arzt für einige Wochen unterkommt. 

12. November 1918

Schloss Anif * In der Nacht vom 12. zum 13. November treffen sich der ehemalige „Ministerpräsident“ Otto von Dandl und der „Noch-Monarch“ Ludwig III. in Schloss Anif.

  • Sie erarbeiten eine „Rücktrittserklärung“, bei der das Wort „Abdankung“ vermieden wird, aber der König dennoch auf die „Herrschergewalt“ in Bayern verzichtet. 
  • Andererseits wird weder der „Anspruch des Hauses Wittelsbach auf die Krone“ aufrecht erhalten, noch die „Beibehaltung der monarchischen Staatsform“ reklamiert.

Mit dieser Erklärung können beide Seiten letztlich sehr gut leben. 

12. November 1918

Wien * In Wien findet die letzte Reichsratssitzung der Provisorischen Nationalversammlung für Deutschösterreich statt.

Noch am selben Tag ruft sie die Republik aus. 

12. November 1918

München-Kreuzviertel * Die Bayerische Regierung gibt die „vollständige Pressefreiheit“ und den „ungehinderten telegraphischen und telephonischen Verkehr“ bekannt. 

13. November 1918

Schloss Anif * König Ludwig III. dankt mit den Worten ab: 

„Zeit meines Lebens habe ich mit dem Volk für das Volk gearbeitet.
Die Sorge für das Wohl meines geliebten Bayerns war stets mein höchstes Streben.
Nachdem ich infolge der Ereignisse der letzten Tage nicht mehr in der Lage bin, die Regierung weiterzuführen, stelle ich allen Beamten, Offizieren und Soldaten die Weiterarbeit unter den gegebenen Verhältnissen frei und entbinde sie des mir geleisteten Treueeides.
Anif den 13. November 1918. Ludwig.“  

13. November 1918

München * In München wird der Republikanische Bürgerrat auf demokratisch-nichtsozialistisch-republikanischer Grundlage gegründet. 

13. November 1918

Magdeburg * In Magdeburg wird durch F. Seldte der „Verband der Frontsoldaten - Stahlhelm“ gegründet. 

13. November 1918

Moskau * Die Sowjetregierung annulliert den Friedensvertrag von Brest-Litowsk vom 3. März 1918. 

13. November 1918

Sachsen * Der sächsische König erklärt seinen Thronverzicht. 

13. November 1918

München * Ministerpräsident Kurt Eisner, der Minister für militärische Angelegenheiten Albert Roßhaupter und der Arbeiter- und Soldatenrat Sauber fordern die Soldaten zu freiwilliger Zucht und Unterordnung auf. 

Im ganzen Land werden Übergriffe und Eingriffe der Arbeiter- und Soldatenräte in das öffentliche Rechtsleben und die Verwaltung beklagt.

13. November 1918

München * Der Thronverzicht Ludwigs III. wird vom Ministerrat (gez. Eisner) „zur Kenntnis genommen“.

Er sichert ihm und seinen Angehörigen das Aufenthaltsrecht und die volle Bewegungsfreiheit in Bayern zu, sofern sie nichts gegen den Bestand des Volksstaates Bayern unternehmen würden. 

14. November 1918

München-Kreuzviertel * Die Regierung des „Freistaats Bayern“ gibt

  • die Errichtung eines „Ministeriums für soziale Fürsorge“ und
  • die Ausgabe eines „staatlich genehmigten Notgeldes“ bekannt. 
14. November 1918

Berlin * Die deutsche Streitmacht ergibt sich in Nord-Rhodesien. 

14. November 1918

Deutschland * Der Großherzog von Baden verzichtet auf die Regierungsgewalt.

Der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin erklärt seinen Thronverzicht.

Da der Fürst von Waldeck-Pyrmont nicht freiwillig abtreten will, wird er vom „Arbeiter- und Soldatenrat“ für abgesetzt erklärt. 

14. November 1918

München-Graggenau * Der aus 23 Mitgliedern bestehende „Arbeitsausschuss“ hält seine erste Sitzung ab. 

Er tritt neben dem „Magistrat“ und dem „Kollegium der Gemeindebevollmächtigten“ als beschlussfassendes Organ an.
Später wird er als „Arbeits- und Demobilmachungsausschuss“ auftreten. 

14. November 1918

München - Freistaat Bayern * Der „Ministerrat des Freistaats Bayern“ veröffentlicht die „Rücktrittserklärung“ von König Ludwig III..

Alle „Regierungsmitglieder“ mussten zuvor den Rücktritt durch ihre Unterschrift quittieren.

In der Veröffentlichung heißt es: Der Ministerrat nimmt „den Thronverzicht Ludwigs III. zur Kenntnis“.
Und weiter: „Es steht dem ehemaligen König und seiner Familie nichts im Wege, sich wie jeder andere Staatsbürger frei und unangetastet in Bayern zu bewegen, sofern er und seine Angehörigen sich verbürgen, nichts gegen den Bestand des Volksstaates Bayern zu unternehmen“. 

15. November 1918

München * Die „Bayerische Volkspartei - BVP“ betrachtet „den gegenwärtigen staatspolitischen Zustand Bayerns, wie er durch die Ereignisse in der Nacht vom 7. zum 8. November in München geschaffen wurde, als eine gegebene geschichtliche Tatsache“.

15. November 1918

München-Kreuzviertel * Kurt Eisner hält vor dem „Provisorischen Nationalrat“ seine erste „Regierungserklärung“, in der er darstellt,

  • „dass noch niemals eine Regierung in schwierigeren Zeiten ihr Amt übernommen hat,
  • dass wir verhängnisvoll belastet sind mit einem fluchwürdigen Erbe,
  • das mit dem Zusammenbruch des verfallenen Systems nicht zugleich ausgetilgt ist“
15. November 1918

München-Maxvorstadt * Um die sozialen und wirtschaftlichen Belange der Münchner Studentenschaft besser vertreten zu können, wird an der Universität über die Gründung eines „Allgemeinen Studentenausschusses“ beraten.

15. November 1918

Wien * Die „Republik Deutsch-Österreich“ wird durch die provisorische Nationalversammlung proklamiert. 

15. November 1918

Deutschland * Thronverzicht des Herzogs von Sachsen-Coburg.

15. November 1918

München * In Kurt Eisners Aufruf „An das bayerische Volk“, der von Zeitgenossen als offizielles „Regierungsprogramm“ verstanden wird und „wegen der realistischen Zustandsbeschreibung und der Ausgewogenheit der darin angekündigten Maßnahmen selbst bei der bürgerlichen Presse positive Aufnahme“ findet, wird einerseits

  • die volle „Freiheit der Religionsgesellschaften“ und
  • die „Ausübung ihres Kultus“ gewährleistet. 

Andererseits fordert Eisner die gleiche Freiheit für die Schule wie für die Kirche.
Ein neues „Volksschulgesetz mit fachmännischer Schulaufsicht“ wird darin angekündigt.

  • Das bedeutet die „Beseitigung der geistlichen Schulaufsicht“ und damit die Ausschaltung des bisherigen starken kirchlichen Einflusses auf das Schulwesen.
  • Neu stellen sich auch die Fragen der „staatlichen Alimentierung“, der „steuerlichen Behandlung“ und dem „öffentlich-rechtlichen Charakter der Kirche“ sowie der „Besetzung der Bischofsstühle und der Pfarreien“
Um 15. November 1918

München * Dr. Fritz Gerlich gründet den „Verband der Beamten der wissenschaftlichen Anstalten und Kunstsammlungen Bayerns“

Er will damit das Eindringen von „Eisner-Protegés“ verhindern.

16. November 1918

München * Die erste Kolonne von der „Westfront“ trifft in München ein. 

16. November 1918

München * Die Grippewelle ebbt ab.

Es sterben aber immer noch 127 Menschen an der Epidemie. 

17. November 1918

München-Graggenau * Im „Nationaltheater“ wird eine „Revolutionsfeier“ durchgeführt.

Kurt Eisner spricht erstmals seit der Revolution wieder in der Öffentlichkeit.
Zum Abschluss singen die Zuhörer Eisners „Hymne an die Revolution“ und bringen danach Hochrufe auf die „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, auf Eisner und die soziale Republik“ aus. 

17. November 1918

München * Die „Deutsche Volkspartei in Bayern“ wird von Vertretern der früheren „Fortschrittlichen Volkspartei“ gegründet.

Die Partei bekennt sich „freudig zum neuen freien Volksstaat; sie lehnt jeden Versuch, das Alte wiederherzustellen, ab, verlangt aber, dass der jetzige, auf Gewalt beruhende Zustand alsbald in einen geordneten Rechtszustand überführt werden“ muss. 

18. November 1918

München * Erstmals gibt Erich Mühsam die „Süddeutsche Freiheit. Münchner Montags-Zeitung“ heraus. 

18. November 1918

Bern * Professor Dr. Foerster wird zum „einstweiligen bayerischen Gesandten“ in Bern berufen. 

18. November 1918

München * 25.000 Rinder werden über die „Reichsfleischstelle“ zur Schlachtung in München zugeteilt.

Durch Einpökeln soll damit eine Fleischreserve für den Winter geschaffen werden. 

18. November 1918

Berlin * Der „Rat der Volksbeauftragten“ lehnt die Annullierung des „Friedensvertrags von Brest-Litowsk“ durch die Sowjet-Regierung ab. 

18. November 1918

Berlin * Rosa Luxemburg fordert die Konzentration der Macht in den Händen der Arbeiter- und Soldatenräte

18. November 1918

München-Ludwigsvorstadt * Im „Wagnersaal“ in der Sonnenstraße findet die erste „Frauenversammlung“ statt.

Lida Gustava Heymann fordert die Gründung eines eigenen „Frauenrates“. Er soll  

  • politisch noch unorientierte Frauen unterrichten und
  • dafür Sorge tragen, dass Frauen „Zugang zu allen Berufen“ und allen „entscheidenden Positionen in Staat und Verwaltung“ erhalten können sowie
  • gewährleisten, dass auf den „Wahllisten“ der Parteien zur „Nationalversammlung“ und zum „Landtag“ eine entsprechende Anzahl von Frauen vertreten sind. 
18. November 1918

München-Kreuzviertel * Michael von Faulhaber schreibt an den bayerischen „Episkopat“, womit die Gesamtheit der bayerischen Bischöfe gemeint ist, die Anregung für einen gemeinsamen „Hirtenbrief“.

In dem Schreiben gibt er zu bedenken, „daß ein gemeinsames Hirtenschreiben in dieser Stunde unserem Volk die Dankesschuld gegen das Haus Wittelsbach und König Ludwig III. in offener Sprache ohne Entschuldigung bei der neuen Regierung kundgeben [...] müßte.
[...] Der gestrige Thronverzicht war ein unverantwortlicher Mißgriff der alten Regierung“
.

Ohne dies klar zu äußern, fordert der „Münchner Bischof“ seinen Klerus zum „Inneren Widerstand“ gegen die neue Staatsform auf.
Und als ihm immer klarer wird, dass er mit seinen Überzeugungen nicht die allgemeine Meinung vertritt, verlegt er sich zum offenen Kampf mit der „Regierung des Freistaats Bayern“, ohne seine eigenen ultrakonservativen Anschauungen infrage zu stellen. 

18. November 1918

Karlsburg * Die Rumänen Siebenbürgens sprechen sich in den „Karlsburger Beschlüssen“ vom 18. November 1918 für die Vereinigung mit dem Königreich Rumänien aus.

Rumänische Truppen besetzten daraufhin die Bukowina. 

19. November 1918

München * Die ersten 5.000.000 Mark „Münchner Notgeld“ werden in Umlauf gebracht. 

20. November 1918

München * Der „Königliche Obersthofmeisterstab“ wird in die „Verwaltung des ehemaligen Kronguts“ umgewandelt.  

Aus dieser wird 1932 die „Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen“

20. November 1918

München * Ein aus Künstler- und Bürgerkreisen gebildeter Ausschuss berät im „Künstlerhaus" über die Empfangsfeierlichkeiten zu Ehren der nach München zurückkehrenden 60.000 bayerischen Soldaten. 

Die Stadt stellt dafür 50.000 Mark zur Verfügung.
Damit sollen der Bahnhof und Ehrenpforten ausgeschmückt werden.

20. November 1918

München * 600 Matrosen verlassen nach Aufforderung der „Matrosenräte" in München, Kiel und Wilhelmshaven die Stadt, um sich an der Bergung der Minen in der Nordsee zu beteiligen.

21. November 1918

München * Aufgrund des Kohlenmangels wird die Arbeitszeit in den Rüstungsbetrieben auf 34 Stunden reduziert. 

22. November 1918

Berlin * Die „Deutschnationale Volkspartei -DNVP“ wird durch einen Zusammenschluss der „Deutschkonservativen Partei“, der „Freikonservativen Partei“, der „Christlich-sozialen Partei“ und der „Deutschen Vaterlandspartei - DVLP“ gegründet. 

Die neue Partei sieht sich als Vertreter der „vaterländischen Verbände“, tritt für die Wiederherstellung der deutschen Monarchie ein und fordert Wahlen zur Nationalversammlung. 

23. November 1918

München-Kreuzviertel * In einem von Erzbischof Michael von Faulhaber verfassten Grundsatzpapier fordert er seinen Klerus auf,

  • „jede positive Anerkennung der neuen Regierung in Bayern“ und
  • jeden direkten Kontakt mit dem neuen „Staatsminister für Unterricht und Kultus“, Johannes Hoffmann, „zu vermeiden“.  
  • „Der geistliche Stand kann und darf nicht daran denken, der tatsächlich bestehenden öffentlichen Gewalt gewalttätigen Widerstand entgegenzusetzen.  
  • Den öffentlichen Dank und den Abschiedsgruß an das Jahrhundertelang mit dem Bayernvolk verwurzelte Haus Wittelsbach und an die ehrwürdige Gestalt des Königs Ludwig III. müssen wir einem späteren Zeitpunkt vorbehalten“
24. November 1918

München * Die „Bayerische Volkspartei - BVP“ teilt mit:

„Eine Wiederherstellung der Monarchie in der alten Form und Machtvollkommenheit erscheint ausgeschlossen“.

24. November 1918

München * Generalmajor von Kunzmann wird nach nicht einmal zwei Wochen als „Stadtkommandant“ abgesetzt. 

25. November 1918

Abercorn-Nordrhodesien * Der Kommandeur der deutschen Schutztruppe für Deutsch-Ostarika, Paul von Lettow-Vorbeck, unterzeichnet in Abercorn [heute: Mbala] südlich des Tanganjika-Sees die Kapitulation.

Er hatte erst am 13. November 1918 die Nachricht vom Waffenstillstand in Europa erhalten. 

25. November 1918

Berlin * Die Reichskonferenz der deutschen Bundesstaaten in Berlin stimmt der Einberufung der Nationalversammlung mit großer Mehrheit zu. 

26. November 1918

München * Um 23:30 Uhr trifft das „Infanterie-Leibregiment“ aus Serbien in München ein.  

Die über 450 rückkehrenden Soldaten werden von einer ungeheueren Menschenmenge jubelnd begrüßt. 

26. November 1918

Berlin * Das „Auswärtige Amt“ in Berlin protestiert gegen die Veröffentlichungen von Kurt Eisner zur „Kriegsschuldfrage“

Dr. Friedrich Wilhelm Muckle, der „Bayerische Gesandte in Berlin“, droht daraufhin dem „Auswärtigen Amt“ mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen durch die Bayerische Regierung. 

26. November 1918

Kochel * In Kochel wird mit den Arbeiten für das „Walchensee-Kraftwerk“ begonnen.

27. November 1918

München - Berlin * Kurt Eisner bricht die Beziehungen des Freistaats Bayern zum Auswärtigen Amt in Berlin ab. 

27. November 1918

München - Berlin * Der Vollzugsausschuss der Münchner Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte fordert die Beseitigung der Reichsregierung Ebert-Scheidemann

28. November 1918

Amirong * Kaiser Wilhelm II. unterzeichnet seine Abdankungsurkunde.

„Ich verzichte hierdurch für alle Zukunft auf die Rechte an der Krone Preußens und die damit verbundenen Rechte an der deutschen Kaiserkrone. Zugleich entbinde ich alle Beamten des Deutschen Reiches und Preußens, sowie alle Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften  der Marine, des preußischen Heeres und der Truppen der Bundeskontingente des Treueeides, den sie mir als ihrem Kaiser, König und obersten Befehlshaber geleistet haben.

Ich erwarte von ihnen, dass sie bis zur Neuordnung des Deutschen Reiches den Inhabern der tatsächlichen Gewalt in Deutschland helfen, das deutsche Volk gegen die drohenden Gefahren der Anarchie, der Hungersnot und der Fremdherrschaft zu schützen.
Urkundlich unter unser höchst eigenhändigen Unterschrift und beigedrücktem kaiserlichen Insiegel.
Gegeben Amirong, den 28. November 1918. gez. Wilhelm“
 

28. November 1918

München * Das „III. Bataillon“ trifft mit 888 Soldaten und Offizieren unter der Leitung seine Kommandanten Oberst von Epp in München ein.

29. November 1918

München * Aufgrund der Kohlennot wird die Gasverbrauchsmenge gekürzt.  

Die Straßenbeleuchtung wird statt wie bisher um 0:30 Uhr um 21 Uhr abgeschaltet. 

29. November 1918

München-Graggenau * Die „Revolutionsfeier“ im „Nationaltheaster“ wird für die Verwundeten wiederholt. 

29. November 1918

München * Das „II. Bataillon“ mit 846 Offizieren und Mannschaften ziehen durch das geschmückte Karlstor zum „Bürgerbräukeller“

30. November 1918

Deutsches Reich * In Deutschland tritt das Reichswahlgesetz mit dem allgemeinen aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft. 

30. November 1918

München-Graggenau * Die Revolutionsfeier im Nationaltheater wird für die Studenten und Schüler nochmals aufgeführt. 

Seit 1. Dezember 1918

München-Ludwigsvorstadt * Die Revolutionsregierung nutzt das „Deutsche Theater“ bis zum 21. Februar 1919 als Sitz des „Parlaments des Volksrates“

1. Dezember 1918

Belgrad * Der Staates der Slowenen, Kroaten und Serben - SHS-Staat wird zum Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen vereinigt.

Der neue Staat wird 1920 im „Frieden von Trianon“ als Königreich Jugoslawien staatsrechtlich bestätigt. 

1. Dezember 1918

Karlsburg * Die Volksversammlung der Siebenbürgener verkündet die Union der Siebenbürger Rumänen mit ihren Volksgenossen in Rumänien

2. Dezember 1918

München * Die ehemalige Leibgarde wird in „Staatliche Bewachungstruppe“ umbenannt.

2. Dezember 1918

München * Erhard Auer drängt auf die Festsetzung eines Wahltermins zur „Wahl des Bayerischen Landtags“ und droht offen mit dem Rücktritt aller SPD-Minister. 

3. Dezember 1918

München * Wegen der Kohlenknappheit wird der Straßenbahnbetrieb eingestellt.

4. Dezember 1918

München-Kreuzviertel * 500 Pioniere in Begleitung ihrer Offiziere demonstrieren vor dem Sitz des Ministerpräsidenten im „Montgelas-Palais“ für die Einberufung der „Bayerischen Nationalversammlung“.  

Ministerpräsident Kurt Eisner, Innenminister Erhard Auer und Militärminister Albert Roßhaupter sprechen mit den Versammelten und sichern ihnen die baldige Bekanntgabe des Einberufungstermins der Nationalversammlung zu.

5. Dezember 1918

München * Der Wahltag für den „Bayerischen Landtag“ wird von der „Regierung des Volksstaates Bayern“ für den 12. Januar 1919 festgelegt.

6. Dezember 1918

München * Erich Mühsam spricht sich im „Kolosseum“ vor Soldaten und Zivilisten gegen Wahlen für eine „Bayerische Nationalversammlung“ aus.  

  • Er setzt sich andererseits für die baldige „Verwirklichung eines weitgehenden Sozialismus im kommunistischen Sinn“ ein, 
  • warnt aber zugleich vor „Unordnung und Plünderung“
6. Dezember 1918

München-Graggenau * Der „Privatmobiliarbesitz“ der königlichen Familie wird mit Möbelwägen aus der Residenz gebracht. 

6. Dezember 1918

München * Im „Schwabingerbräu“, „Mathäserbräu“ und im „Odeon“ werden Versammlungen für Soldaten abgehalten.  

Die Versammlungsteilnehmer demonstrieren im Anschluss gegen die „Münchner Presse“.  
Die Räume der „Münchner Neuesten Nachrichten“, des „Bayerischen Kuriers“, der „München-Augsburger Abendzeitung“ und der „Münchner Zeitung“ werden besetzt.  

Die Besetzer erlassen umfangreiche „Zensurvorschriften“, die beim Eintreffen der „Republikanischen Schutztruppe“ und vor allen auf Kurt Eisners zureden zurückgenommen werden.  

Die Demonstranten ziehen daraufhin zu „Innenminister“ Erhard Auer, um ihn wegen  

  • seiner Haltung in den „Januarstreiks“ und  
  • seines Eintretens für eine demokratische, nicht-sozialistische Republik  

mit Gewalt zum Rücktritt von seinem Ministerposten zu zwingen. 

7. Dezember 1918

München * In der ersten Dezemberwoche sterben in München 35 männliche und 57 weibliche Personen an der „Spanischen Grippe“.  

Die Zahl der Todesopfer erhöht sich damit auf insgesamt 946. 

7. Dezember 1918

München-Milbertshofen * Die in Milbertshofen ansässigen „Bayerischen Motorenwerke - BMW“ müssen wegen „Betriebseinstellung“ 3.000 Arbeiter und 400 Angestellte beurlauben. 

7. Dezember 1918

München * „SPD-Innenminister“ Erhard Auer wird kurz nach Mitternacht von ungefähr 300 Demonstranten in seiner Wohnung „überfallen“.  

Sie wollen zum Rücktritt zwingen. Erhard Auer erklärt daraufhin:  
„Der Gewalt weichend erklärte ich [..], dass ich das Amt des Ministers des Inneren niederlege“.  

In der Zwischenzeit ist „Ministerpräsident“ Kurt Eisner zu Auers Wohnung geeilt.  
Er weist die Demonstranten auf das Falschsein ihrer Gewalthandlungen hin und wird dafür auch noch begeistert gefeiert.  

„Ministerpräsident“ Kurt Eisner nimmt Auers Rücktritt nicht an und erklärt die „erpresste Erklärung“ für nichtig. 

7. Dezember 1918

München-Ludwigsvorstadt * Im „Gewerkschaftshaus“ in der Pestalozzistraße Tagen die „Kasernenräte“.  

  • Sie verurteilen die nächtliche Demonstration vom Vortag.  
  • Dem „Soldatenrat“ sprechen sie ihr Misstrauen aus, weil von den 15 Mitgliedern, die der „Soldatenrat“ in den „Nationalrat“ entsendet, acht befinden, die nicht gewählt worden sind, sondern sich in der „Revolutionsnacht“ selbst ernannt haben
    [Darunter: Felix Fechenbach, Fritz Schröder und Fritz Sauber].  

In der Folge tritt der „Soldatenrat“ zurück und leitet Neuwahlen ein. 

8. Dezember 1918

München * Die politisch-satirische Zeitung „Rote Hand“, Untertitel: „Führendes Organ für national-anarchistische Gschaftlhuberei“, erscheint erstmalig im Straßenhandel.  

„Polizeipräsident“ Josef Staimer lässt den Druck einstellen und das weitere Erscheinen verbieten.  
Er begründet die Maßnahme mit der „Übertretung der Sonntagsruhe“

8. Dezember 1918

München * Um 15 Uhr trifft das I. Bataillon des 2. Infanterie-Regiments mit zwölf Offizieren und 400 Mann in München ein.  

Mit wehenden weißblauen Fahnen und vom versammelten Volk umjubelt ziehen sie zur Kaserne an der Infanteriestraße.

8. Dezember 1918

München * Um 17 Uhr trifft das III. Bataillon des 1. Infanterie-Regiments König in München ein.  

In der Nacht treffen noch drei weitere Kompanien ein. 

9. Dezember 1918

München-Kreuzviertel * Die Delegierten der „Arbeiterräte Bayerns“ treffen sich am 9. und 10. Dezember 1918 erstmalig zu einer zweitägigen Tagung im Gebäude des „Bayerischen Landtags“.  

Sie beratschlagen über

  • ihre Position zur politischen und wirtschaftlichen Lage Bayerns,  
  • die Aufgaben der „Arbeiterräte-Organisation“ und
  • wählen die 50 Vertreter der „Arbeiterschaft“ zum „provisorischen Nationalrat“
9. Dezember 1918

München * Der „Rat der Presse und des Schrifttums“ konstituiert sich. 

9. Dezember 1918

München-Lehel * Aus der „Schack-Galerie“ wird das Karl-Spitzweg-Bild „Sennerin auf der Alm“ gestohlen.  

Das Bild hat einen Wert von 25.000 Mark. 

Um 10. Dezember 1918

München * In einer von der „Bayerischen Volkspartei - BVP“ finanzierten Zeitungsannonce ist zu lesen: „Lügner und Verleumder! nennen wir jeden, der behauptet, die BVP spiele mit dem Gedanken der Wiedereinführung der Wittelsbacher“.

11. Dezember 1918

München-Ludwigsvorstadt * Der „Spartakusbund München“ veranstaltet erstmals eine Massenversammlung.  

Im „Wagnersaal“ referiert Max Levien über das Thema „Die blutigen Vorgänge in Berlin und die Schuld der jetzigen Reichsregierung“.  
In seinem Referat stellt er eine Reihe radikaler Forderungen auf, darunter

  • die „Einrichtung von Revolutionstribunalen“ und
  • die „Gründung einer Roten Armee“.  

Seinen Ausführungen stellen sich Kurt Eisner, Dr. Edgar Jaffé, Gustav Landauer, Erich Mühsam und Fritz Sauber entgegen.  

  • „Ministerpräsident“ Eisner wendet sich gegen die „Demonstrationslust“,  
  • Landauer wendet sich gegen das „ewige Blutspucken“. Mit Rache macht man keine neue Welt.  
  • Mühsam will die „Revolution“ gegen ihre Feinde schützen, aber nicht mit blutigen Mitteln. 
11. Dezember 1918

Bukarest * Die rumänische Regierung unter König Ferdinand erkennt die „Karlsburger Beschlüsse“ an. 

12. Dezember 1918

München * Die USPD hält ihre ersten zwei „Wahlkampf-Versammlungen“ ab.  

Kurt Eisner spricht im „Mathäserbräu“, Hans Unterleitner im „Wagnersaal“.  
Beide wollen den „Kampf für den Sozialismus“ mit geistigen Waffen führen. 

13. Dezember 1918

München-Kreuzviertel * Der sich aus Delegierten der „Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte“ zusammensetzende „provisorischen Nationalrat“ hält seine erste Sitzung im Gebäude des „Bayerischen Landtags“ in der Prannerstraße ab.  

16 Abgeordnete schließen sich zur Fraktion der „Deutschen Demokratischen Partei - DDP“ zusammen.  
Vorsitzender wird der Kaufmann Karl Friedrich Julius Hübsch, seine Stellvertreter der „Orthopäde“ Dr. Georg Hohmann und Frau Luise Kießelbach. 

14. Dezember 1918

München * Rund 600 Angehörige des „1. Infanterie-Regiments“ treffen in München ein.  

Sie ziehen unter dem Jubel der Münchner zur „Marsfeldkaserne“

14. Dezember 1918

München-Kreuzviertel * Der „Politische Rat geistiger Arbeiter“ veranstaltet im „Hotel Bayerischer Hof“ seine erste öffentliche Versammlung. 

15. Dezember 1918

Berlin * In Berlin wird die erste „Reichskonferenz der Internationalen Kommunisten Deutschlands“ abgehalten.
Sie dauert bis zum 17. Dezember. 

Ziel ihres Kampfes ist

  • die „unmittelbare Herbeiführung des Kommunismus“,
  • der über die „Diktatur des Proletariats“ vorbereitet werden soll.
16. Dezember 1918

München-Kreuzviertel * Der „Ministerrat“ billigt die von „Kultusminister“ Johannes Hoffmann vorgelegte „Verordnung, betreffend Beaufsichtigung der Volksschule“.  

Darin wird ab 1. Januar 1919 die „geistliche Schulaufsicht“ abgeschafft.

16. Dezember 1918

Berlin * In Berlin beginnt der „Erste Allgemeine Kongress der Arbeiter- und Soldaten-Räte Deutschlands“

Er dauert bis zum 21. Dezember. 

17. Dezember 1918

München-Ludwigsvorstadt * Eine Gruppe Soldaten besetzt die Versammlung der „Deutschen Volkspartei München“ im Saal des „Hotel Wagner“.  

Die Eindringlinge stören den Ablauf derart, dass die Beratungen vorzeitig abgebrochen werden müssen.  

Professor Quidde erntet stürmischen Beifall der Versammelten, als er die Forderung formuliert:  
„Wir beanspruchen vom freien Volksstaat Bayern das, was der verfluchte Obrigkeitsstaat uns gewährt hat“

18. Dezember 1918

München-Ludwigsvorstadt * Am frühen Morgen ziehen mehrere hundert Menschen zum Hauptbahnhof, um die „Bahnhofswache“ und deren „Kommandanten“ zu verhaften.  

Die „Bahnhofswache“ gibt einige Schreckschüsse ab und säubert, nach einem erneuten Ansturm der Menge, den Platz.  
Die Demonstration dauert etwa zwei Stunden.  
Dabei erhält ein Unbeteiligter zwei Schussverletzungen. 

18. Dezember 1918

München * „Innenminister“ Erhard Auer erlaubt ausdrücklich die Zulassung von „Milizen“ zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung. 

18. Dezember 1918

Berlin * Auf dem „Kongress der Arbeiter- und Soldaten-Räte Deutschlands“ in Berlin werden die Forderungen des „Spartakusbundes“ und dem linken Flügel der „Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands - USPD“ zur „Übertragung der gesamten Macht an die Arbeiter- und Soldaten-Räte“ abgelehnt.  

Die Mehrheit stimmt für den Antrag der SPD, „bis zur anderweitigen Regelung durch die Nationalversammlung die gesetzgebende und vollziehende Gewalt“ dem „Rat der Volksbeauftragten“ [= Regierung Ebert] zu übertragen.  

Die Mehrheit beschließt, die Wahlen zur „Nationalversammlung“ auf den 19. Januar 1919 festzusetzen. 

19. Dezember 1918

München-Ludwigsvorstadt * Der „Spartakusbund München“ hält im „Wagnersaal“ eine Versammlung ab.  

Max Levien tritt für den „Bolschewismus nach russischem Vorbild“ ein.  

Kurt Eisner warnt vor dem „Spiel mit dem Feuer“ und verteidigt die Einberufung der „Nationalversammlung“.  
Seine Rede wird ständig durch Zwischenrufe gestört. 

19. Dezember 1918

München-Ludwigsvorstadt * Am Abend veranstalten die „Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte“ den ersten „Feierabend“ im „Deutschen Theater“.  

Die Veranstaltung soll der Bevölkerung „die Seele aufrütteln zu der Erkenntnis, dass wir Menschen sind, die wir in den Kriegsjahren nicht mehr waren“

20. Dezember 1918

München * Die „Neue Zeitung“ erscheint erstmals als unabhängiges Organ unter ständiger Mitarbeit von Kurt Eisner. 

20. Dezember 1918

München * Die „Bayerische Volkspartei - BVP“, die „Deutsche Volkspartei - DVP“ und die „Nationalliberale Partei -NLP“ wenden sich in einem außerordentlich scharfen Appell an die vorläufige bayerische „Regierung“ und fordern die Abwehr der „bolschewistischen Strömungen“ und der „Übergriffe der Räte“

21. Dezember 1918

München-Angerviertel * Am Viktualienmarkt werden 2.800 Gänse zum Verkauf angeboten.  

Manche Hausfrauen stehen schon um Mitternacht vor den Verkaufsstellen. 

21. Dezember 1918

München * Bei Kontrollen am Hauptbahnhof und in der Innenstadt wird ein umfangreicher „Schleichhandel“ mit Butter, Fleisch und Gemüse aufgedeckt. 

22. Dezember 1918

München * Stürmisch begrüßt die Bevölkerung Münchens das einziehende „7. Bayerische Feldartillerie-Regiment“, bestehend aus 1.200 Mann, 900 Pferde, 120 Fahrzeuge und 30 Geschütze. 

23. Dezember 1918

Hamburg * Helmut Schmidt, der spätere Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, wird in Hamburg geboren. 

23. Dezember 1918

München * Der „Gemeindliche Arbeitsausschuss“ beschließt die „Gasabgabe“ ab 1. Januar 1919 täglich zwischen 12:30 und 16:00 Uhr zu sperren. 

24. Dezember 1918

München-Maxvorstadt * „Innenminister“ Erhard Auer verbringt den „Heiligabend“ auf Einladung von Anton Graf Arco-Valley, dem späteren Eisner-Mörder, in der „Türkenkaserne“

24. Dezember 1918

München * Der Brotpreis steigt um 4 Pfennig auf 59 Pfennig pro Pfund.  

Pferdefleisch ist billiger geworden und kostet jetzt 80 Pfennig bis 1,10 Mark das Pfund. 

24. Dezember 1918

Berlin * Die „2. Reichskonferenz der Internationalen Kommunisten Deutschlands“ beschließt 

  • die Vereinigung mit dem „Spartakusbund“ und spricht sich für
  • die Gründung einer „Kommunistischen Partei“ aus. 
27. Dezember 1918

München * In einem Aufruf fordern „Innenminister“ Erhard Auer [SPD] und „Justizminister“ Johannes Timm [SPD] zusammen mit weiteren 23 Unterzeichnern zur Gründung einer „Bürgerwehr“ auf.  

Die Münchner „Kasernenräte“ lehnen eine „Bürgerwehr“ ab. 

28. Dezember 1918

München-Graggenau * In ihrem Versammlungsraum im „Hotel Vier Jahreszeiten“ werden 17 Mitglieder des „Ausschusses zur Gründung einer Bürgerwehr“ festgenommen.  

Sie werden „gegenrevolutionärer Umtriebe“ verdächtigt.  
Die meisten Verhafteten werden jedoch nach einem kurzen Verhör wieder entlassen. 

29. Dezember 1918

München * Der „Landessoldatenrat“ lehnt die Bildung einer „Bürgerwehr“ ab.  

Kurt Eisners „Sekretär“, der Schriftsteller Felix Fechenbach, kündigt als Gegenmaßnahme die Gründung einer „Roten Garde“ an. 

29. Dezember 1918

Berlin * Die Vertreter der Unabhängigen Sozialdemokraten - USPD verlassen den Rat der Volksbeauftragten. Sie wollen Deutschland in Richtung eines einen Rätestaats verändern.

Dafür rücken zwei Vertreter der Mehrheitssozialdemokraten - MSPD nach. Es sind dies: Gustav Noske und Rudolf Wissell. 

Alleiniger Vorsitzender ist nun Friedrich Ebert, der sich für eine Wahl zur Verfassungsgebenden Nationalversammlung einsetzt. Das Deutsche Reich soll möglichst bald eine demokratisch legitimierte Regierung bekommen.

29. Dezember 1918

Berlin * Der „Spartakusbund“ beschließt die Trennung von der USPD und die Gründung einer eigenen Partei, die „Kommunistische Partei Deutschlands - KPD“

30. Dezember 1918

München-Kreuzviertel * „Ministerpräsident“ Kurt Eisner lehnt im „Provisorischen Nationalrat“ die Bildung einer „Bürgerwehr“ ab.  

Er drückt sein Bedauern darüber aus, dass „Innenminister“ Erhard Auer [SPD] und „Justizminister“ Johannes Timm [SPD] als Regierungsmitglieder „unter irrigen Voraussetzungen“ einen Aufruf zur Gründung einer solchen Einrichtung unterzeichnet haben.  

Nachdem „Innenminister“ Erhard Auer von Ernst Toller mit Vorwürfen zur Gründung einer „Bürgerwehr“ konfrontiert wird, erklärt dieser, dass er weder über die Ziele noch über die Truppenstärke informiert war und nur die ordnungsgemäße Durchführung der Wahl sicherstellen wollte.  

Unter den gegebenen Umständen ziehen er und Minister Johannes Timm ihre Unterschriften unter dem Aufruf zurück.  

Auer bietet seinen Rücktritt vom Ministeramt an.  
Das lehnt „Ministerpräsident“ Kurt Eisner ab. Einen Erhard Auer außerhalb der Regierung erscheint ihm noch gefährlicher als ein Minister Auer. 

30. Dezember 1918

München * Vor dem „Ministerium für soziale Fürsorge“ demonstrieren Arbeitslose für die Erhöhung der „Arbeitslosenunterstützung“

30. Dezember 1918

München * In den „Kolosseums-Bierhallen“ haben sich einige Hundert „Internationale Kommunisten“ versammelt.  

Sie fordern

  • die „Bewaffnung des revolutionären Proletariats“,  
  • die „Sabotierung der Nationalversammlungswahlen mit Handgranaten“,  
  • die „Lynchjustiz am Erzbischof von München“, Michael von Faulhaber,  
  • die „Aburteilung von Erhard Auer und Johannes Timm durch einen Staatsgerichtshof“,  
  • den „Kampf mit den Waffen der Gewalt, nicht mit geistigen Waffen, selbst auf die Gefahr eines Blutbades mit toten Frauen und Kindern“
30. Dezember 1918

München * In der gut besuchten Versammlung der Frauengruppe der „Deutschen Volkspartei (Deutsche Demokratische Partei)“ sprechen die Referentinnen über  

  • die „Bedeutung des Wahlrechts für die Frauen in freien Berufen“ und  
  • die Aufgabe der nun zur politischen Reife gelangten „Lehrerin“, die die „Jugend im staatsbürgerlichen Unterricht auf die Wichtigkeit des Wahlrechts vorbereiten soll“
30. Dezember 1918

München-Ludwigsvorstadt * Im „Alten Hackerkeller“ treffen sich „Matrosen“ zu einer Versammlung.  

Der „Präsident des Soldatenrats“, Fritz Schröder, bezeichnet die derzeitige Lage als „einen Kampf auf Leben und Tod“ zwischen „Kapitalismus und Sozialismus“.  

Der „Obermatrose“ Conrad Lotter warnt vor „kopflosen Handlungen“ und verteidigt „Innenminister“ Erhard Auer und „Justizminister“ Johannes Timm für Ihr Eintreten bei der Bildung einer „Bürgerwehr“.  

Heftiger Widerspruch ist die Folge. 

30. Dezember 1918

München-Maxvorstadt * Im „Hotel Kaiserhof“ verfassen US-amerikanische Bürgerinnen und Bürger eine „Petition“ an den „Präsidenten der USA“, Woodrow Wilson, in der sie die baldige Einfuhr von Lebensmitteln nach Deutschland fordern.  

Außerdem sprechen sie sich für den Abschluss eines „Präliminarfriedens“ [= „Vorfrieden“ oder „vorläufiger Frieden“] aus. 

30. Dezember 1918

Berlin * Der „Gründungsparteitag der Kommunistischen Partei Deutschlands - KPD“ beginnt in Berlin.  
Er wird bis 1. Januar 1919 dauern.  

Die „Internationalen Kommunisten“ schließen sich der „Kommunistischen Partei Deutschlands (Spartakusbund)“ an.  

Obwohl Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht die Teilnahme an den „Nationalwahlen“ empfehlen, lehnt dies der Parteitag ab. 

31. Dezember 1918

München-Kreuzviertel * In seiner „Silvesterpredigt“ bezeichnet Erzbischof Michael von Faulhaber die „Regierung Eisner“ als eine „Regierung von Jehovas Zorn“.

31. Dezember 1918

München * In München sind im Monat Dezember 100 männliche und 139 weibliche Personen an der „Spanischen Grippe“ gestorben.  

Die Epidemie ist im Abklingen begriffen. 

31. Dezember 1918

München - Rom * Der Magistrat bedankt sich im Namen der Stadt bei Papst Benedikt XV. für die Spende von 5.000 Paketen Fleischkonservenbüchsen und Schokoladentafeln für die Münchner Armen. 


Verwendet in Führung:

35. Revolution, Räterepublik & Weißer Terror



Revolution, Beamtenrecht, Beamte
Eisner Kurt