18. September 1917

Die SPD bringt den „Antrag Auer-Süßheim“ ein

Kreuzviertel * Die bayerischen Sozialdemokraten stellen im Landtag den sogenannten „Antrag Auer-Süßheim“ auf „Ausweitung der Parlamentsbefugnisse“ und „Einführung des Verhältniswahlrechts“

Die SPD fordert unter anderem die Minister auf Vorschlag des Landtags zu ernennen, den Adel und seine sämtlichen Privilegien abzuschaffen sowie Kirche und Staat zu trennen.

Die Forderungen werden von der Zentrumsmehrheit und den Liberalen abgelehnt.


1917

Suchbegriffe

Erster Weltkrieg, SPD, Antrag Auer-Süßheim, Landtag, Verhältniswahlrecht, Ministerernennung, Adels-Privilegien, Adel, Trennung von Kirche und Staat, Zentrum, Liberale,

Weitere Ereignisse im Jahr 1917

1917

Deutschland * Die „Jesuitengesetze“ werden in Deutschland endgültig aufgehoben.

1917

München * Michael von Faulhabers Buch „Das Schwert des Geistes“ erscheint. 

Darin finden sich so abenteuerliche Sätze wie: „Die Königstreue - sie steht unter Gottes Geboten“.

1917

Graggenau * Constantin Pfrang, genannt „Stanzl“, feiert zusammen mit Hans Blädel im „Café Perzl“ am Marienplatz [heute: „Kaufhaus Ludwig Beck am Rathauseck“] große Erfolge.

Das „Café Perzl“ bringt immer Neuigkeiten auf den Markt.
Von der ersten in München spielenden „Damenkapelle“ bis zu „Schleier- und Charaktertänzerinnen“ - jedoch immer unter Überwachung der Polizei. 

1917

München * Dr. Fritz Gerlich beteiligt sich an der Gründung der „Vaterlandspartei“ in Bayern.

1917

Haidhausen * Die „Lagerräume“ im ersten Stock der „Straßenbahn-Direktion“ werden in „Büroräume“ umgebaut.  

Das „Lager“ kommt in das Erdgeschoss und verkleinert dadurch die „Beiwagenhalle“ erneut. 

1917

München * Kurt Eisner lässt sich von seiner Frau Lisbeth scheiden und heiratet Else Belli.

Januar 1917

Berlin * Auf Einladung der „Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft - SAG“ findet eine „Reichskonferenz der oppositionellen Gruppen“ statt.

Dies wird zum Ausschluss der „Oppostionellen“ aus der SPD führen.

3. Januar 1917

Paris * „Mata Hari“ darf mit dem Wissen der Behörden nach Paris einreisen.

Der französische „Geheimdienst“ lässt sie nun dauerhaft observieren. 

23. Januar 1917

Ostfront * Pater Rupert Mayers linkes Bein muss zum zweiten Mal amputiert werden.

31. Januar 1917

Berlin * Das Deutsche Reich verkündet den „uneingeschränkten U-Boot-Krieg“.

13. Februar 1917

Paris * Die Tänzerin „Mata Hari“ wird im „Élysée Palace Hotel“ festgenommen und ins berüchtigte „Frauengefängnis Saint-Lazare“ gebracht.

März 1917

Maxvorstadt * Karl Valentin und Liesl Karlstadt treten bis Oktober 1919 im „Serenissimus“ in der Akademiestraße auf.

8. März 1917

Russland * Georgij Fürst Lwow ruft in Russland die Revolution aus.

Da dies nach dem alten russischen Kalender am 23. Februar stattfindet, gehen diese Vorgänge als „Februar-Revolution“ in die Geschichte ein.

15. März 1917

Petersburg * Der russische Zar Nikolaus II. muss abdanken.

24. März 1917

Berlin * Die „Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands - USPD“ spaltet sich von der SPD ab.

Sie ist keine straffe, einige revolutionäre Linkspartei.
Die USPD zeigt sich nur einig in der Gegnerschaft zum Krieg, in dem sie längst keinen „Verteidigungskrieg“, sondern einen „imperialistischen Eroberungskrieg“ sieht. 

Für die SPD sind die USPD-ler „Vaterlandsverräter“, für die USPD sind die SPD-ler „Verräter am Sozialismus und an der Arbeiterschaft“.

April 1917

München * Die erste Ausgabe der Zeitschrift „Die Wirklichkeit - Deutsche Zeitung für Ordnung und Recht“ erscheint.

Das Druckwerk, dessen Hauptschreiber Dr. Fritz Gerlich ist, sollte das Sprachrohr der „alldeutschen Kräfte“ werden.

Die Zeitschrift wird jedoch schon im September wieder eingestellt.

2. April 1917

USA * Der amerikanische Präsident Woodrow Wilson ruft vor dem US-Kongress zum Kreuzzug der „wirklich freien und selbstbestimmten Völker der Welt“ auf.

6. April 1917

USA * Amerika tritt in die Kriegshandlungen ein.

6. April 1917

Gotha * Die in Gotha stattfindende „Oppositionskonferenz“ wird zum Gründungsparteitag der „Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands - USPD“.

In der neuen Partei finden sich Sozialdemokraten verschiedenster Couleur wieder:

  • Revolutionäre Marxisten wie die „Gruppe Internationale“, die im Krieg die prognostizierte Krise des Kapitalismus sieht und auf revolutionäre Aktionen drängt;
  • pazifistisch gesinnte Sozialdemokraten, die im Weltkrieg einen Angriffskrieg Deutschlands sehen und sich diesem aus ethischen und moralischen Gründen verweigern;
  • daneben Revisionisten,
  • aber auch führende Vertreter des marxistischen Zentrums. 

Sie alle eint ein gemeinsames Ziel: „Die Beendigung des Krieges ohne Annexionen“.

Die USPD ist also in erster Linie der Block der sozialdemokratischen Gegner des „Burgfriedens“, die gegen die „Kriegskredite“ sind.
Sonst herrschen innerhalb der „USPD“ in der Beurteilung der Arbeiterbewegung und ihrer Taktik große Meinungsverschiedenheiten.

Zu Vorsitzenden der neuen Partei werden Wilhelm Dittmann und Hugo Haase gewählt.

Auch Kurt Eisner ist in Gotha anwesend, obwohl er immer gegen die Spaltung der Partei war.
Die Unzufriedenheit mit der „SPD“ hat auch in Bayern zugenommen.

10. April 1917

Berlin - Petersburg * Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt „Lenin“, kehrt auf deutscher Veranlassung hin aus seinem Schweizer Asyl nach „Petrograd“ zurück.

17. April 1917

Speyer - München * Michael von Faulhaber, der „Bischof von Speyer“, wird einen Tag nach den Beisetzungsfeierlichkeiten des verstorbenen „Erzbischofs von München und Freising“, Franziskus von Bettinger, in das „Kultusministerium“ gebeten. 

Dort eröffnet ihm „Kultusminister“ Eugen von Knilling, dass er ihn dem König als Nachfolger vorschlagen wird. 

20. April 1917

Vatican - München * Papst Benedikt XV. ernennt Eugenio Pacelli zum „Nuntius“ in München. 

30. April 1917

Schwabing * Lion und Marta Feuchtwanger beziehen ihre Eigentumswohnung in der Georgenstraße 24. 

16. Mai 1917

München * Die Münchner „USPD“ wird gegründet.

Ihr Vorsitzender heißt Albert Winter. 
Ihr unumstrittener Führer ist jedoch Kurt Eisner.

25. Mai 1917

München * Der päpstliche „Nuntius“ Eugenio Pacelli nimmt seine Tätigkeit in München auf. 

26. Mai 1917

München * Die Ernennung Michael von Faulhabers zum Kandidaten für das Amt des „Erzbischofs von München und Freising“ wird amtlich verkündet. 

30. Mai 1917

München * Franz von Stucks Tochter Mary heiratet den Konsul Albert Heilmann.

Er ist der Sohn des Bauunternehmers Jakob Heilmann. 

27. Juni 1917

Athen * Griechenland tritt der „Entente“ bei.

7. Juli 1917

London * Die deutsche Luftwaffe greift London an.

Der bis dahin größte Luftangriff fordert 54 Tote und 190 Verwundete.

13. Juli 1917

Berlin * Die „Oberste Heeresleitung“ und die Reichsstagsmehrheit, bestehend aus SPD, Fortschrittspartei und Zentrum, stürzen den „Reichskanzler“ Theobald von Bethmann Hollweg. 

19. Juli 1917

Berlin * Die Reichstagsmehrheit bestehend aus „SPD“, „Zentrum“ und „Fortschrittliche Volkspartei - FVP“ verabschiedet im Deutschen Reichstag eine „Friedensresolution“, in der sie für „einen Frieden der Verständigung und der dauernden Versöhnung der Völker“ eintritt.

20. Juli 1917

Petersburg * Georgij Fürst Lwow tritt zurück. 

Sein Nachfolger wird Alexander F. Kerenski, der seit Mai 1917 im Kabinett Lwow „Kriegsminister“ war.

24. Juli 1917

Paris * Im „Pariser Justizpalast“ beginnt der Prozess vor dem „Militärgericht“ gegen „Mata Hari“.

In der Presse kursiert das Gerücht, „Mata Hari“ habe den Deutschen geheime  Informationen über den Bau der neuartigen Panzer zugespielt, mit denen die „Alliierten“ dem Krieg eine entscheidende Wende geben wollten.
Eine absurde Behauptung, die sogar die seriöse „New York Times“ aufgreift.

„Mata Hari“, wird deshalb beschuldigt, als „Doppelagentin“ wichtige Informationen an die Deutschen verraten und damit das Leben von 50.000 französischen Soldaten im Ersten Weltkrieg aufs Spiel gesetzt zu haben. 

24. Juli 1917

Vatican * Michael von Faulhaber wird durch Papst Benedikt XV. zum „8. Erzbischof von München und Freising“ ernannt.

Zuvor hat „Nuntius“ Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., die „Eignung und Würdigkeit“ des Kandidaten festgestellt. 

25. Juli 1917

Paris * Das „Militärgericht“ in Paris fällt nach nur zwei Verhandlungstagen das Urteil gegen Margaretha Geertruida MacLeod, alias „Mata Hari“.  

Sie wird wegen „Doppelspionage und Hochverrats“ zum Tode verurteilt. 

August 1917

Graggenau * Auf dem Marienplatz findet eine „Frauendemonstration“ statt.

Die Polizei kann die „Rädelsführerin“ nicht festnehmen, weil sie ein Baby auf dem Arm trägt.

23. August 1917

Speyer - München * Der designierte „Münchner Erzbischof“ Michael von Faulhaber verlässt Speyer und kommt am 30. August in München an. 

September 1917

Theresienwiese * Erster Weltkrieg. Das „Oktoberfest“ fällt aus.

2. September 1917

Berlin * Die „Deutsche Vaterlandspartei - DVLP“ wird von ultrarechten Kräften, darunter Großadmiral Alfred von Tirpitz, gegründet. 

Sie erheben Annexionsforderungen gegen Belgien, Teile Frankreichs, Luxemburg und die baltischen Provinzen Russlands.
Mit ihren aggressiven Parolen gegen einen „Verzichtfrieden“, „Schlappheit“ und „Verrat“ legen sie die Grundlage für die sogenannte „Dolchstoß-Legende“.

3. September 1917

Kreuzviertel * Die „Inthronisation“ des neuen „Erzbischofs von München-Freising“, also die „liturgische Einführung in sein Amt“ und die „rechtliche Besitzergreifung seiner Diözese“, erfolgt. 

Angesichts des Krieges verzichtet Michael von Faulhaber auf die sonst üblichen großen Feierlichkeiten sowie den Festzug durch die Stadt. Stattdessen fährt er direkt vom „Palais Holnstein“ zum „Dom“.
Äußeres Zeichen für die Besitzergreifung der „Erzdiözese“ durch den „Oberhirten“ ist die Übernahme der „Kathetra“ und des „Bischofsstabes“.  

Als Faulhaber seinen „Münchner Bischofsstuhl“ besetzt, ist er achtundvierzig Jahre alt.
Dreieinhalb turbulente Jahrzehnte übt er das Amt des „Erzbischofs von München und Freising“ aus.

Sie bringen das Ende der „Monarchie“ durch eine unblutige „Revolution“ und führen von der „Räterepublik“ über die „Weimarer Republik“ zur „nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ und schließlich zum mühsamen Wiederaufbau nach dem verlorenen „Zweiten Weltkrieg“

14. September 1917

Tegernsee * Ludwig Thoma wird Gründungsmitglied in der scharf nationalistischen „Deutschen Vaterlandspartei“

Oktober 1917

Berlin * Das sozialdemokratische Parteiorgan „Vorwärts“ ruft zur Zeichnung von „Kriegskrediten“ auf:

„Rede nicht! Frage nicht! Zeichne! [...] Dem Feind gezeigt, dass unsere Alten zu Hause genau so gut zu fechten verstehen wie unsere herrliche Jugend draußen!“

2. Oktober 1917

Als Ableger der Anfang September in Königsberg gegründeten „Deutschen Vaterlandspartei“ formiert sich in München der „Landesverein Bayern“.

Prominenteste Fürsprecher des „Landesvereins“ sind Cosima Wagner und Ludwig Thoma.

Die bürgerliche Sammelbewegung tritt mit dem Ziel einer „Stärkung des Durchhaltewillens bis zum Siegfrieden“ an.

15. Oktober 1917

Schloss Vincennes * Margaretha Geertruida MacLeod, alias „Mata Hari“, wird im Festungsgraben von Schloss Vincennes als „Doppelspionin“ hingerichtet.

Sie lehnt es ab, bei der Hinrichtung eine Augenbinde zu tragen, berichtet die Presse. 

1. November 1917

Berlin * Kaiser Wilhelm II. ernennt den bisherigen bayerischen Ministerpräsidenten Georg Freiherr von Hertling zum „Reichskanzler“.

Er wird Nachfolger von Georg Michaelis, der das Amt nur dreieinhalb Monate inne hatte.

2. November 1917

München * Die „Verordnung über die Zusammenfassung von Brauereibetrieben“ leitet einen Konzentrationsprozess ein.

7. November 1917

Petersburg * Die „Bolschewiki“ unter Führung von Wladimir Lenin stürzen in einem bewaffneten Aufstand in Petrograd die provisorischen Regierung unter Alexander F. Kerenski.

Damit beginnt in Russland die Revolution.
Lenin schafft eine „Sowjetrepublik“, die sich auf „Räte“ [russisch: „Sowjets“] stützt.

Da sie nach dem alten russischen Kalender auf den 25. Oktober fällt, erhalten diese systemumwerfenden Vorgänge den Namen „Oktober-Revolution“
Erst nach dieser - für die „Bolschewiki“ erfolgreichen - Revolution wird der „russische Kalender“ von der „julianischen Zeitrechnung“ auf die „gregorianische“ umgestellt.

11. November 1917

Kreuzviertel * Otto von Dandl wird „Bayerischer Ministerpräsident“ und „Außenminister“ als Nachfolger von Georg Freiherr von Hertling.

Um Dezember 1917

Bayern * Die anhaltende Kälte führt vor allem in den bayerischen Großstädten zu Einschränkungen in der Brennstoff- und Lebensmittelversorgung.

Ende Dezember 1917

München - Berlin * Kurt Eisner fährt nach Berlin, um auch dort zum Massenstreik zu drängen.

Doch die Berliner „USPD-Funktionäre“ zögern.

22. Dezember 1917

Brest-Litowsk * In Brest-Litowsk beginnen Friedensverhandlungen zwischen dem Deutschen Reich und der „sowjetrussischen Regierung“.


Verwendet in Führung:

35. Revolution, Räterepublik & Weißer Terror



Erster Weltkrieg, SPD, Antrag Auer-Süßheim, Landtag, Verhältniswahlrecht, Ministerernennung, Adels-Privilegien, Adel, Trennung von Kirche und Staat, Zentrum, Liberale