10. August 1896

Erstmals wird in Haidhausen „Hofbräubier“ gebraut

München-Haidhausen * Erstmals wird in Haidhausen „Hofbräubier“ gebraut.


1896

Suchbegriffe

Bier, Hofbräuhaus,

Weitere Ereignisse im Jahr 1896

1896

München-Hackenviertel * Die „Schlangendomptöse Miss Clio“ beeindruckt das Münchner Publikum im „Internationalen Handels-Panoptikum“ mit sechs „Riesenschlangen“.

1896

München-Maxvorstadt * Der Architekt Leonhard Romeis reicht einen Bebauungsplan für die künftige Richard-Wagner-Straße ein.

Das macht er im Auftrag von Michael Bleibinhaus, der einen Großteil der zu bebauenden Grundstücke besitzt.

1896

München * Ludwig Schlecht beantragt die „Singspielhallen-Konzession“ für sein „Theater“ im „Münchner Hof“, das bislang als klassische „Varieté-Bühne“ geführt wurde.

1896

München-Hackenviertel * Auch das „Kinetoscope“ wird im „Internationalen Handels-Panoptikum“ in München vorgeführt uns als „Edison's Wunderwerk“ bejubelt.

Doch um die Massen zu begeistern braucht es mehr, weshalb stündlich der „Pariser Original-Flohmarkt mit ca. 300 dressierten Menschen-Flöhen“ auftritt.

1896

Paris - Roubaix * Der „Westendler“ Josef Fischer gewinnt die damals zum ersten Mal ausgetragene Rennstrecke „Paris - Roubaix“ und ist bis heute der einzige deutsche Sieger.

Der Münchner bekommt damals 1.000 Francs Siegprämie, das Siebenfache eines durchschnittlichen Monatslohns, für die Schinderei durch das ärmliche Nordfrankreich, das man schon „Hölle des Nordens“ nannte, bevor sich der erste Radrennfahrer über die armseligen Sträßchen kämpfte.

1896

München-Au * Der „Kaisergarten“ an der Lilienstraße 2 wird abgerissen und dafür der heute noch bestehende Bau errichtet.

Das neue Wirtshaus trägt den Namen „Gasthaus & Singspielhalle zum Kaisergarten“.

Ab 1896

München-Haidhausen * Zwischen 1896 und 1899 wird der Haidhauser „Unionsbräu“ modernisiert.

Innerhalb von 10 Jahren steigert die „Unionsbrauerei Schülein & Cie“ ihren Ausstoß von 16.000 Hektolitern um das Fünfzehnfache.

1896

München-Isarvorstadt * Emil Reichenbach kauft die „Deutsche Eiche“.

Seine Familie betreibt das Lokal fast 100 Jahre.

1896

München-Haidhausen * Nach wiederholten Gesuchen an die „Lokalschulkommission“ werden in Haidhausen eine dritte und vierte evangelische Klasse eingerichtet. 

1896

München-Untergiesing * In unmittelbarer Nähe des „Schyrenbades“ findet der „Holzmarkt“ statt.

Er wird vom „Isartor“ dorthin verlegt.

1896

München-Isarvorstadt * Valentin Ludwig Feys Zitherlehrer, Ignaz Hepper, nimmt seinen „Zögling“ mit in das „Kolosseum“, wo der „Gesangshumorist“ Karl Maxstadt auftritt.

Das war Valentins „Erweckungserlebnis“.
Später schrieb er: „Ich wollte Varieté-Humorist werden wie Karl Maxstadt“.

1896

München-Haidhausen - Kalkofeninsel - Untergiesing * Die „Baumschule“ auf der „Kalkofeninsel“ muss wegen der Erbauung des „Müller'schen Volksbades“ und der Erweiterung des „Muffatwerks“ - an die Sachsenstraße, im Anschluss an das „Schyrenbad“, verlegt werden.

Der „Kulturgarten“ ist noch immer für die Öffentlichkeit zugänglich.

Im Garten befindet sich noch heute der Sitz der „Hauptabteilung Gartenbau“ der „Stadtgärtendirektion“.

Ab 1896

München-Bogenhausen * Der Architekt Martin Dülfer erbaut die herrschaftliche Villa in der Maria-Theresia-Straße 27 für Clemens von Berchtolsheim, dem „Erfinder der Milchzentrifuge“.

Es handelt sich hier um eines der ersten Jugendstilhäuser in München.

1896

Dachau * Ludwig Thoma arrangiert eine „25-Jahr-Feier“ zum „deutsch-bayerischen Sieg“ gegen Frankreich 1870/71.

Außerdem liefert er eine schwülstige nationale Rede zu den „Siegesfeierlichkeiten“

1896

München-Untergiesing * Am „Schyrenplatz“ entsteht ein „Jugendsportplatz“.

1. Januar 1896

München-Haidhausen * Das „Muffatwerk“ erzeugt jetzt Strom mit 600 PS.

April 1896

Wien - München * Der „Cinématographe“ der Herren August und Louis Lumiére wird im „Jugendstil-Salon der französischen Botschaft“ in Wien gezeigt.

Der „Schausteller“ Carl Gabriel kann ein „Aufnahme- und Wiedergabegerät“ erwerben.

Noch im gleichen Monat findet die erste öffentliche Vorführung im „Internationalen Handels-Panoptikum“ in München durch den „Operateur“ Francis Doublier statt.

4. April 1896

München * Der von Köln über Paris kommende Zuckerfabrikanten-Erbe Albert Langen startet die Satire-Zeitung „Simplicissimus“.  

In seiner Begleitung befinden sich der Hannoveraner Frank Wedekind und der aus Leipzig stammende Thomas Theodor Heine, die Pariser Flair und Esprit ins „Isar-Athen“ bringen möchten.

Thomas Theodor Heine hatte seine Karriere als Zeichner bei den „Fliegenden Blätter“ begonnen. 

9. April 1896

München * Franz Stucks Tochter Mary wird „unehelich“ geboren. 

Ihre Mutter ist die Bäckerstochter Anna Maria Brandmaier. 

13. April 1896

München-Schwabing * Rudolf Egelhofer wird in Schwabing geboren. 

9. Mai 1896

München-Bogenhausen * Am 9. und 10. Mai, exakt 25 Jahre nach dem - für Bayern und das „Reich“ siegreichen - „Krieg gegen Frankreich“, findet die Grundsteinlegung für das „Friedensdenkmal“ auf der „Prinzregent-Luitpold-Terrasse“ statt. 

26. Mai 1896

München-Graggenau * Der letzte Biersud wird im alten „Hofbräuhaus am Platzl“ gebraut.

15. Juni 1896

München-Untergiesing * Nachdem die „Eichthal'sche Lederfabrik“ den Vertrag mit dem „Marianum“ aufgekündigt hat, ist die Vereinsleitung zum Handeln gezwungen.

Die „Generalversammlung“ beschließt den Erwerb eines Bauplatzes an der Humboldt-/Ecke Claude-Lorrainstraße.

Im diesem Jahr werden im „Marianum“ 139 Mädchen ausgebildet, davon sind neunzehn „mit körperlichen Gebrechen derart behaftet, dass sie sich anderswo nicht hätten durchbringen können“, ist im Geschäftsbericht zu lesen.

Um den Juli 1896

München-Haidhausen * Schon seit der Mitte der 1890er Jahre treffen sich Haidhauser Arbeiter zu sportlichen Übungen im „Turnverein Haidhausen“.

Doch nur wenige Monate später ist der Verein finanziell schon wieder am Ende und muss Ende 1896 aufgelöst werden.

Um vor allem die finanziellen Probleme des Vereins in den Griff zu bekommen, nehmen Mitglieder des aufgelösten Vereins Kontakt mit der SPD und den Gewerkschaften auf. 
Nachdem den „Arbeitersportlern“ Unterstützung zugesagt worden ist, kann eine zweite Gründung erfolgen.

Ein solches Wohlwollen war zu dieser Zeit keineswegs selbstverständlich, da viele Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre den Sportvereinen ablehnend gegenüberstehen und diese als „Klimbim-Vereine“ abqualifizieren.
In Gewerkschaftsversammlungen werden alle Debatten über Sportvereine abgelehnt, da man fürchtet, dass deren Mitglieder über ihr sportliches Engagement die politische Arbeit total vergessen könnten. 

11. Juli 1896

München-Hackenviertel * In der bayerischen Haupt- und Residenzstadt werden erstmals „lebende Bilder“ gezeigt.

Die Aufführung findet - „unter lebhafter Anteilnahme des Münchner Publikums“ - in Carl Gabriels und Emil Eduard Hammers „Panoptikum“ statt.
Der Vorführapparat wird mit Theaterkulissen umspannt und dann „drauflos gekurbelt“.

Die Vorführungen richtet Carl Gabriel nach französischem Vorbild ein.
Drei bis fünf kleine Filme werden gezeigt:

  • „Ein heranbrausener Eisenbahnzug“,
  • „Eine Schlangendomteuse“,
  • „Ein Kettensprenger“ und
  • „Das Aufziehen der Hauptwache“.

Das ganze Programm ist circa 100 Meter lang und läuft innerhalb von einer Viertelstunde ab.

Schon einer der ersten Filme verursacht einen Skandal.
Er heißt „Endlich allein“ und zeigt ein Brautpaar am Hochzeitstag.
Die Schlussszene wird umgehend zensiert.

13. Juli 1896

München * Die Ehe der Lenbachs wird geschieden.

Die ältere Tochter Marion wird  dem Vater, die jüngere Tochter Erika der Mutter zugesprochen.

August 1896

München-Maxvorstadt * Der „Direktor der Königlichen Kunstgewerbeschule“ fordert die „Baulinienkommission“ auf, die künftige Richard-Wagner-Straße mit einem Knick zu versehen.

September 1896

München-Theresienwiese * Nach der Münchner Kinopremiere im „Internationalen Handelspanoptikum“ von Carl Gabriel ist die nächste Spielstätte das „Oktoberfest“.

Der „Filmpionier“ Johann Dienstknecht zeigt dort die Filme.

September 1896

München-Theresienwiese * Der „Franzislaner-Leist-Bräu“ lässt Michael Schottenhamel auf der „Theresienwiese“ eine prächtige „Bierburg“ bauen.

Gabriel von Seidl hat das Gebäude „von auffälliger Stattlichkeit“ entworfen. Es ist in einer L-Form mit Walmdach gebaut und besitzt einen viereckigen, girlandengekrönten Turm.

11. September 1896

München-Ludwigsvorstadt * Gut zwei Wochen vor der Eröffnung des „Deutschen Theaters“ und der „Schwanthaler Passage“ steht das Unternehmen am Rande des Bankrotts. 

Eine „Gläubigerversammlung“ mit rund 120 Handwerkern und Lieferanten mahnt ihre ausstehenden Zahlungen an.
„Theaterdirektor“ Alexander Bluhm schafft es gerade noch, die Gläubiger zu einem „Stillhaltabkommen“ zu überreden und sie für sechs Monate von Pfändungen abzuhalten.
Denn wenn der Theaterbetrieb erst einmal laufen würde, so argumentiert der optimistische „Theaterdirektor“, dann wären auch alle finanziellen Probleme gelöst.
Doch nur wenige Stunden vor der Premiere muss er eine größere Summe Geld auftreiben, weil der Lieferant der roten Teppiche im Foyer ansonsten mit einem Skandal droht.

Zum Glück gibt es aber im Hintergrund noch den reichen „Kommerzienrat“ Friedrich Haenle, der für sechzig Prozent aller offen stehenden Forderungen eintreten will.
Dieses Angebot führt allerdings in der Familie des Unternehmers zu Überlegungen, den Patriarchen „entmündigen“ zu lassen, um dadurch weiteres Unheil zu verhindern.

Aber nicht nur die verschwenderische Ausgestaltung der „Schwanthaler Passage“ bringt die Unternehmung an den Rand des Desasters. 
„Theaterdirektor“ Alexander Bluhm hat auch beim Künstlerpersonal kräftig hingelangt. Neben dem üppig besetzten Schauspieler-Ensemble leistet er sich ein mit fünfzig Musikern besetztes Orchester und ein stattliches Ballett. 36 Tänzerinnen, 16 Tänzer, 48 Figuranten und 60 Komparsen gehören zum festengagierten Stammpersonal.  
Weil aber Direktor Bluhm schon zwei Monate vor der Premiere kein Geld mehr für Gagen besitzt, müssen die Proben abgesagt werden.

In München machten die Probleme des neuen Theaters schnell die Runde.
Für die hiesigen Lästermäuler wird aus der „Schwanthaler Passage“ ganz schnell die „Schwanthaler Blamage“, während man die Betreiber des Etablissements als „Schwanthaler Bagage“ verhöhnt.

Die erzkonservative Zeitung „Das Bayerische Vaterland“ blickt sowieso mit Schaudern auf die Programmankündigung des „Unterhaltungstempels“ an der Schwanthalerstraße und sieht schon dadurch die „moralischen Grundsätze des christlichen Abendlands“ als gefährdet an.
Die Zeitung befürchtet, dass es sich bei dem neuen Theater um ein „Institut für moralische Schweinezüchterei“, ja sogar um einen „Kunstsaustall“ handelt.  

Neben der veröffentlichten Meinung bereiten aber auch die genehmigenden staatlichen Behörden dem „Theaterdirektor“ Alexander Bluhm große Probleme, indem sie ihm zunächst „die ortspolizeiliche Productionsbewilligung für theatralische Vorstellungen“ verweigert.
Im Hintergrund agiert hier der einflussreiche Münchner „Hoftheaterdirektor“ Ritter Ernst von Possart, der in dem neuen Theater in der „Schwanthaler Passage“ eine „dauernde schwere Schädigung der materiellen Interessen der königlichen Hofbühne“ sieht.  

Aber nicht nur die Angst vor einer unliebsamen Konkurrenz, die den „Hoftheatern“ die Zuschauer abspenstig machen könnten, sondern auch eine tief empfundene Abneigung gegen alles Moderne bringen Ritter Ernst von Possart gegen das neue Theater in Rage.
Der den „Traditionalisten“ angehörende „Hoftheaterintendant“ pflegt auf seinen „Hofbühnen“ einen antiquierten, stark verstaubten Stil, der kaum mit dem zeitgenössischen Theater der „Naturalisten“ zu vereinbaren ist.

26. September 1896

München-Ludwigsvorstadt * Das „Deutsche Theater“ an der Schwanthalerstraße wird eröffnet.
Der Neobarockbau ist nach Plänen von Alexander Bluhm und Josef Rank entstanden.

Zwar werden die neobarocken Formen des Theaters von bissigen Kritikern als „Konditoren-Barock“ oder als „Zuckerbäcker- Stil“ abqualifiziert, doch wieder schwärmt die „Münchner Fremdenzeitung“ in den höchsten Tönen:  
„Durch dunkelrote Türen mit Goldzierungen gelangten wir in den prunkenden Theaterraum, dessen glutvolles Deckengemälde von Ferdinand Wagner - eine feinfühlige und gedankenvolle Apotheose der Kunst - sich zu einer Farbsymphonie steigert.
Ein Kronleuchter, in Gold und Krystall schimmernd, senkt sich herab und trägt in leicht gezogenen Rosengirlanden 240 Glühlichter“
.  

Zudem erwähnt die Zeitung, dass auch sieben „Familiensalons“ eingebaut wurden, „um im allerintimsten Kreise das Leben künstlerisch zu genießen“.

Über Marmortreppen betritt das Publikum das Innere des Gebäudes.
Sechzehn vergoldete „Karyatiden“ tragen die Ränge, kostbare Teppiche schmücken die Böden.
Den Höhepunkt bildet der im satten Gelbton gehaltene „Silbersalon“, der nach dem Vorbild der Nymphenburger „Amalienburg“ mit silbernen Ornamenten verziert ist. 

Die Foyers gehen in exotische Wintergärten über, Billardsäle und Kegelbahnen grenzen an den Theatertrakt.
Ein „orientalischer Bazar“, ein „niederländischer Liquerkiosk“ oder ein „ägyptischer Rauchsalon“ bieten Erfrischungen und Möglichkeiten der Entspannung auch während der Vorstellung.
Elektromotoren saugen die verbrauchte Luft ab und pumpen frischen Sauerstoff hinein.

München hat mit der „Schwanthaler Passage“ eine neue, europaweit bewunderte Attraktion erhalten.

Die „Feenpalast AG“ um den Landshuter Schauspieler Emil Meßthaler betreibt das Theater. 

5. Oktober 1896

München * Franz von Lenbach heiratet Charlotte „Lolo“ von Hornstein.

22. Oktober 1896

München-Haidhausen * In Erinnerung an das Haidhauser „Wolfgangskirchlein“ finden sich 42 Bürger zur Gründung des „Kirchenbauvereins St. Wolfgang“ zusammen. 

29. November 1896

München-Lehel * Die evangelische „Lukaskirche“ wird eingeweiht. 

Ihr Baustil ist historisierend mit eindeutig herausragenden Jugendstilelementen.  
Das „Evangelische Gemeindeblatt“ stellt mit Genugtuung fest, dass die „Kirchengemeinde die Kosten des großen Werkes, ohne Lotterie, Kollekte oder dergleichen, auf ihre eigenen Schultern genommen“ hat.

Die „Lukaskirche“ wird oftmals als der Dom der evangelischen Mitbürger in München bezeichnet.
Sie wird heute vom tosenden Verkehr und Lärm der Steinsdorfer Straße eingezwängt. 

Dezember 1896

München-Lehel * Ludwig Ganghofer lässt sich in seinem Wohnzimmer einen Biergarten samt Bühne einrichten.

Einer der Schreiner, der die Bühne errichtet, ist ein gewisser Valentin Ludwig Fey, der später als „Karl Valentin“ eine steile Karriere als „Volkssänger“ und Schauspieler machen wird.

Ludwig Ganghofer wird in dem angehenden Schreiner und weiteren Münchner Bühnen-Talenten zu Beginn ihrer Karriere unterstützend unter die Arme greifen. 

19. Dezember 1896

München * Im „Simplicissimus“ wird das Gedicht „Mörtelweibs Tochter“ veröffentlicht.


Verwendet in Führung:

03. Der Gasteig - Ein Stück Alt-München
10. München - Weinstadt & Biermetropole




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