1781

Kurfürst Carl Theodor lässt „vaterländische“ Stücke verbieten

München * Der pfalz-baierische Kurfürst Carl Theodor lässt einige „vaterländische“ Stücke aus politischen Gründen verbieten.

Ein Verbot folgt dem anderen. Dabei spielen die „Vorstadttheater“ gerade diese „Volksstücke“ mit Vorliebe.

Die Gründe für diese restriktiven Maßnahmen der Regierung liegen zum einen in der „Unsittlichkeit“ der Stücke, zum anderen im Bestreben der Obrigkeit, angebliche „öffentliche Unruheherde“ zu unterbinden.


1781

Suchbegriffe

Theater, Volkssänger, vaterländische Stücke, Zensur, Vorstadttheater, Unsittlichkeit, Unruheherde,

Personen

Carl Theodor Kurfürst

Weitere Ereignisse im Jahr 1781

Sommer 1781

London * Benjamin Thompson legt seinen Posten als „Unterstaatssekretär für die britischen Kolonien“ überraschend nieder.

1781

München-Graggenau * Das „Kaffeehaus“ an der „Hofgartenmauer vor der Reitschule“ des Giovanni Pietro Sarti ist fertiggestellt. 

1781

München * In einer Münchner Zeitung ist zu lesen, dass es mit dem „verwünschten Kaffeeplempern und mit dem täglich anwachsenden Bohnenröstergewerbe“ noch so weit kommen wird, dass die „großen Städte bald mehr Kaffee- als Bierschenken“ zählen werden. 

1781

München * Von 986 „Handwerksgerechtigkeiten“ ruhen insgesamt 66 - oder 6,7 Prozent.

Damit sind „Handwerksgesellen“ oder „auswärtige Handwerker“, die sich in München niederlassen wollten, gezwungen, sich unter „Hofschutz“ zu stellen, als „Pfuscher“ zu arbeiten oder sich in den Vororten niederzulassen, in denen kein „Zunftzwang“ besteht.

1781

Kempten * Die „Hausmagd“ Anna Maria Schweglin aus Kempten, die 1775 zum „Tode mit dem Schwert“ wegen „Schadenszauber und Teufelsbuhlschaft“ verurteilt wurde, stirbt im Gefängnis.

Sie gilt als die letzte hingerichtete bayerische „Hexe“.
Ihr Tod im Gefängnis wird erst 1995 entdeckt. 

1781

München-Graggenau - München-Maxvorstadt * Die „Gemäldegalerien“ in den nördlichen „Hofgartenarkaden“ werden für das Volk frei zugänglich. 

Sie werden zu einem Anziehungspunkt und Ausflugsort für die mondäne Münchner Bevölkerung und der städtischen Eleganz.

In den Arkaden hat Kurfürst Carl Theodor Anschläge anbringen lassen, wonach es verboten ist, im „Hofgarten“ zum Grüßen den Hut zu ziehen. 

1781

München * Die Zahl der in München stationierten Militärpersonen beträgt 4.243.

Die Mannschaften sind in Kasernen unergebracht.

1781

Königsberg * Immanuel Kant veröffentlicht seine „Kritik der reinen Vernunft“.

Doch auch wenn Immanuel Kant in seinen Aufsätzen schreibt: „Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, so bleiben solche Gedankengänge in Europa noch lange Zeit pure Theorie.
Doch auch hier ändert die „Aufklärung“ sowie der Fortschritt der Naturwissenschaften und der Technik - langsam - das Weltbild.

Die Welt wird plötzlich erklärbar.
Für viele Phänomene, die man zuvor dem direkten Eingreifen Gottes zugeschrieben hat, findet man jetzt logische Erklärungen.  
So macht beispielsweise die Erfindung des „Blitzableiters“ den bislang üblichen „Wettersegen“ überflüssig. Damit waren die Zeiten, in denen der Blitz als Zeichen oder gar als „Strafe Gottes“ galten, endgültig vorbei.

Schriftsteller der „Aufklärung“, darunter Lorenz Westenrieder, versuchen die neuen Denkanstöße in zahlreichen Artikeln zu verbreitern. Sie benutzen dazu die in dieser Zeit neu entstandenen Zeitschriften und Journale, aber auch Flugschriften.  
Westenrieders Schriften widersprechen oft der Lehrmeinung der katholischen Kirche und werden deshalb verboten. 

Und selbst wenn die verbreiteten Denkansätze zum Teil die Unterstützung des Kurfürsten finden, so sollen die Inhalte - schon aus reinen Machterhaltungsbestrebungen heraus - kanalisiert werden. 
Die Gedanken der „Aufklärung“ zu Ende gedacht bedeuten diese aber auch, dass sich die Menschen früher oder später nicht mehr in ihre Untertanenrolle fügen, sondern die Teilnahme am politischen System einfordern werden. 

Das ist der Beginn von gesellschaftspolitischen und sozialen Umwälzungen. 

29. Januar 1781

München-Graggenau * Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Idomeneo“ kommt im „Cuvilliès-Theater“ unter der Leitung des Komponisten zur Uraufführung. 

Sie wird zwei Mal wiederholt.

Februar 1781

London * Benjamin Thompson lässt sich gegen Bezahlung von 4.500 Pfund zum „Oberstleutnant“ des von ihm noch zu rekrutierenden „Königlichen Amerikanischen Dragoner-Regiments“ ernennen.

12. März 1781

München - Salzburg - Wien * Wolfgang Amadeus Mozart verlässt München wieder.  

Ein Befehl seines Dienstherren, des Fürstbischofs von Salzburg, Hieronymus Graf von Colloredo, zitiert ihn nach Wien. 

7. Oktober 1781

New York - Südkarolina * Benjamin Thompson reist mit dem Schiff nach New York. 

Widrige Winde bringen ihn aber nach Südkarolina, wo er erst am 29. Dezember ankommt.


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Personen: Carl Theodor Kurfürst