Um 1830

Das „Jodeln“ wird in den „Vorstadt-Theatern“ sozusagen „erfunden“

München - Wien * Das „Jodeln“ wird in den „Vorstadt-Theatern“ in Wien und München „erfunden“.

Freilich hat das „Jodeln“ eine alpenländische Tradition, deren Ursprünge auf vorhistorische Zeiten zurückreichen. 

In allen gebirgigen und unwegsamen Regionen der Welt gibt es verschiedene Techniken, um mit Rufen weite Distanzen akustisch zu überbrücken.
Jodelnd verständigten sich Hirten und Sammler, Waldarbeiter und Köhler.

Nicht nur in den Alpen wurde von Alm zu Alm mit „Almschrei“ (Almschroa) oder „Juchzer“ (Juchetzer, Jugitzer, Juschroa) kommuniziert oder auch das Vieh mit einem „Jodler“ (Viehruf) angelockt.

Dennoch wird das „Jodeln“ erst als Unterhaltungseinlage in den „Vorstadttheatern“ und „Singspielhallen“ populär gemacht.
Erst von dort aus kommt es von gastierenden Künstlern aufs Land.


1830

Suchbegriffe

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Weitere Ereignisse im Jahr 1830

1830

Indien - Europa * Die „Cholera“, die lange Zeit endemisch in Indien beheimatet war, erreicht - durch intensiven Handel, Reiseverkehr und Krieg - erstmals Europa.

Die Erkrankung beginnt mit sturzbachartigen Durchfällen und Dauererbrechen.
Der mit der „Cholera“ infizierte verliert am Tag bis zu 15 Liter Körperflüssigkeit, sodass die erkrankte Person innerhalb weniger Stunden zu einer „verrunzelten Karikatur ihres früheren Ichs zusammenschrumpft“.

Geplatzte Kapillargefäße verfärben die Haut schwarz und blau, der Kranke wird von Krämpfen geschüttelt, die Organe versagen, der Kreislauf bricht zusammen, das Herz stolpert und die Nieren arbeiten nicht mehr.
Die Temperatur kann bis auf 20 Grad absinken, weshalb die „Cholera“ auch „Kalte Pest“ genannt wird.
Der Tod tritt in drei bis fünf Tagen ein, oft aber schon nach wenigen Stunden.

Die Verbreitung der Krankheit erfolgt hauptsächlich über das Trinkwasser, das mit Exkrementen von „Cholera-Kranken“ verunreinigt ist.
Einen weiteren Übertragungsweg bilden Nahrungsmittel, die mit verseuchtem Wasser und ohne Erhitzung zubereitet werden.

Eine Ansteckung ist nur möglich, wenn der Erreger über den Mund in den menschlichen Verdauungstrakt gelangt.
Dabei reicht schon eine Berührung der Lippen mit infizierten Händen aus.

1830

Englischer Garten - Tivoli * Der Schwabinger Wirt Georg Ferstl kauft das „Murat-Schlössl“ und eröffnet darin seine Gaststätte „Zum Tivoli“.

Dort gibt es auch eine einfache Badeanstalt.
Im Winter wird die Wiese durch Spritzen zur beliebten Eislaufbahn.
Außerdem gibt es einen „Kaffeepavillon“ und ein Kinderkarussell. 

Damit wird Georg Ferstl „Tivoli“ ein beliebtes Ausflugslokal der Münchner.
Es besteht bis zum Jahr 1923.

Bald heißt auch die ganze Gegend ums Wirtshaus „Am Tivoli“.

1830

München * Die evangelische Gemeinde in München ist auf 6.000 Mitglieder angewachsen. 

1830

Wien * Die „Erste privilegierte Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft“ lässt ihr erstes Schiff vom Stapel.

1830

München * In München leben 825 Juden.

1830

München * Die Biereinfuhr nach München beträgt 8.659 Hektoliter.

1830

Maxvorstadt * Robert von Langer übernimmt seinen letzten öffentlichen Auftrag und schmückt das „Herzog-Max-Palais“ mit Szenen aus der griechischen Mythologie aus.

Herzog Max in Bayern war der Vater der Kaiserin Elisabeth.

Um 1830

München * Der Begriff „Industrielle Revolution“ wird erstmals verwendet.

1830

Maxvorstadt * Da eine neue Verordnung, den Eintritt in den „höheren Staatsdienst“ betreffend, die Absolvierung des Gymnasiums fordert, bereitet sich Friedrich Bürklein nebenher auch noch auf das Abitur vor, das er im Jahr 1830 mit Auszeichnung besteht.

Auf der „Akademie“ gehört er bald zu den besten Schülern Gärtners, vertritt den Professor häufig im Unterricht und wird von ihm auch zu Bauführungen herangezogen.

1830

München * Die bayerische „Post“ erzielt alleine aus Briefportoeinnahmen 663.956 Gulden Gewinn.

Nur diese Zahlen faszinierten den König.

Da König Ludwig I. die „Post“ als Anstalt zur Erzielung von Einnahmen sieht, unterstellt er die „Generaldirektion der königlichen Posten“, samt seiner sieben „Postämter“, 22 „Postverwaltungen“, 175 „Postexpeditionen“, 16 „Posthaltereien“ und neun „Briefsammlungen“ dem „Staatsministerium der Finanzen“.

14. Februar 1830

München * König Ludwig I. erlässt eine „Verordnung die Zusammenlegung des Gesamten Bauwesens betreffend“.  

Er gründet damit die „Oberste Baubehörde“ und macht seinen „Hofbauintendanten“ Leo von Klenze zum Chef der Behörde.  
Dieser nimmt als erstes Großprojekt die „Alte Pinakothek“ in Angriff. 

1. Mai 1830

Au * Josef Schweiger tritt mit seinem Ensemble im „Gasthaus Radlwirt“ in der „Vorstadt Au“ in der heutigen Lilienstraße 42 auf.

Die Spielzeiten des „Schweigerischen Volkstheaters in der Vorstadt Au“ dauert von Ende April bis Ende September.
Täglich finden zwei Aufführungen statt.

Josef Schweigers „Holztheater“ bietet Platz für bis zu 500 Zuschauer.
Der billigste Platz kostet 6 Kreuzer, was dem Preis einer Maß dunklen Bieres entspricht.
Dies können sich auch die weniger bemittelten Theaterbesucher leisten.

Da man der „Schweigerbühne“ eine „Sitten zerrüttende Wirkung auf das Publikum“ nachsagt, lebt Josef Schweiger in ständigem Kampf um die Theaterkonzession. 

27. Juli 1830

Paris * Zwischen dem 27. und dem 29. Juli 1830 kommt es in Frankreich zur sogenannten „Julirevolution“, bei der der restaurative „Bourbonenkönig“ Karl X. gestürzt und durch den liberalen „Bürgerkönig“ Louis-Philippe ersetzt wird.  

Da diese liberale Bewegung in ganz Europa Auftrieb erhält und es in mehreren Staaten des „Deutschen Bundes“ wie dem „Königreich Sachsen“, dem „Königreich Hannover“, dem „Kurfürstentum Hessen-Kassel“ und dem „Herzogtum Braunschweig“ zu Unruhen und neuen „Verfassungen“ kommt, erhöht sich beim bayerischen König - völlig berechtigt - auch die Angst vor einem Umsturz, weshalb seine Politik - spätestens jetzt - extrem konservative Züge annimmt.  

In König Ludwigs I. Regierungszeit gibt es fast 1.000 politische Prozesse. 

18. August 1830

Wien * Franz Joseph, der spätere Kaiser von Österreich-Ungarn wird in Wien geboren. 

25. August 1830

Au * Das Auer Rathaus am äußeren Ende des Mariahilfplatzes wird eröffnet.

Oktober 1830

Theresienwiese * Erstmals wird auf dem „Oktoberfest“ ein „Ringelstechen“ veranstaltet.

26 Reiter treten gegeneinander an.
Sie müssen nach einer Anlaufdistanz mit einer Lanze einen Eisenring aufspießen.

Oktober 1830

Theresienwiese * Die Ausgaben der Stadt für das „Oktoberfest“ belaufen sich auf 6.500 Gulden.

Das Geld wird gebraucht

  • für zwei „Pferderennen“,
  • das „Vogel-, Hirsch- und Scheibenschießen“,
  • das „Ringelstechen“,
  • für ein „Feuerwerk“ sowie
  • den „Empfang des Königs“.
5. Oktober 1830

Maxvorstadt * Endlich kann der Architekt der „Glyptothek“, Leo von Klenze, den Schlüssel für das Plastiken-Museum an König Ludwig I. übergeben. 

22. Oktober 1830

Wien * Der 21-jährige Aloys (Louis) Graf von Arco-Stepperg heiratet in der „Jesuitenkirche am Hof“ in Wien die 19-jährige Irene Marchesa Pallavicini. 

Ab 24. Dezember 1830

München * Bis zum 29. Dezember kommt es in München zu nächtlichen Ruhestörungen durch Studenten.

Gegen diese sogenannten „Dezember-Unruhen“ werden auf königlichen Befehl hin „Landwehr“ und „Linientruppen“ eingesetzt. 

29. Dezember 1830

Kreuzviertel * König Ludwig I. lässt die „Universität“ schließen, weil es dort zwischen dem 24. und 29. Dezember 1830 zu einer „Randale“ von Münchner Studenten gekommen ist. 

30. Dezember 1830

Kreuzviertel * König Ludwig I. muss die am Tag zuvor angeordnete Schließung der „Universität“ auf Bitten der Bürgerschaft wieder zurücknehmen.  

Die Ausschreitungen waren politisch vollkommen unpolitisch motiviert. 


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