Oktober 1891

Der Mordprozess gegen das Berliner Ehepaar Heinze beginnt

Berlin * Der Mordprozess gegen das Berliner Ehepaar Heinze beginnt.

In der Verhandlung wird der Zusammenhang mit „Kuppelei“ und „Prostitution“ hergestellt.

Daraus schließt man, dass „Obszönität“ eine der Hauptursache für kriminelles und von der Norm abweichendes Verhalten sei.


1891

Suchbegriffe

Volkssänger, Lex Heinze, Kuppelei, Prostitution, Obszönität,

Personen


Weitere Ereignisse im Jahr 1891

1891

München-Kreuzviertel * Der „Kenotaph“ für Kaiser Ludwig dem Baiern wird in das Eingangsjoch der „Frauenkirche“ verlegt.

1891

München-Lehel * Hubert Herkomer malt ein gewaltiges Gruppenbild mit dem Titel „Die Magistratssitzung“.

Es wird auf der ersten Ausstellung der „Münchner Secession“ gezeigt.

1891

Berg am Laim * Die Marke „Kathreiner‘s Kneipp Malzkaffee“ wird patentiert.

Das Produkt steigt zum namhaftesten Markenartikel der deutschen Kaffeebranche auf.

1891

München * In München wird der „Verein für Feuerbestattung” gegründet.  

Er setzt sich für die „Einführung der Leichenverbrennung“ in München ein.  

Der Magistrat steht dem Gedanken der „Feuerbestattung“ noch immer positiv gegenüber, doch für die „Errichtung eines Krematoriums“ benötigt man die Erlaubnis der bayerischen Staatsregierung.  
Den Antrag dafür sollte deshalb der „Verein für Feuerbestattung“ stellen. 

1891

München-Lehel - Bogenhausen - München-Haidhausen * Die Prinzregentenstraße wird angelegt.

1891

Berlin * Neben der „Deutschen Kolonialgesellschaft“ zählt bald auch der im Jahr 1891 gegründete, extrem nationalistische „Alldeutsche Verband“, dessen Programm stark von rassistischem und antisemitischem Gedankengut geprägt ist.

Nun versucht Deutschland durch den Erwerb weiterer „Handelsvertretungen“ seinen „Kolonialbesitz“ auszuweiten. 

Im Vordergrund stehen jetzt aber Fragen des nationalen Prestiges und der Selbstbehauptung in einer „sozialdarwinistisch“ verstandenen Konkurrenz der Großmächte.
Denn Deutschland als „kolonialpolitischer Nachzügler“ muss den ihm zustehenden Anteil jetzt einfordern.

1891

Kamerun * Um den Widerstand der in Kamerun lebenden Völker zu brechen, bewilligt der „Reichstag“ finanzielle Mittel zum Aufbau einer bewaffneten „Streitmacht“, die die Interessen der deutschen Handelsgesellschaften durchsetzen sollen.

Die „Polizeitruppe“ für Kamerun wird vom „Premierleutnant“ Hans Dominik geleitet. 
Er erhält mit seinen „Kriegszügen“ und den nachfolgenden „Straf- und Säuberungsaktionen“ den Namenszusatz „Schrecken von Kamerun“.

Dominiks Grundsatz lautet: „Die Neger müssen wissen, dass ich der Herr bin und der Stärkere; so lange sie das nicht glauben, müssen sie es eben fühlen, und zwar hart und unerbittlich, so dass ihnen für alle Zeiten das Auflehnen vergeht; ist das erreicht, dann kann man sie mit großer Freundlichkeit und Milde behandeln“

1891

München-Haidhausen * Eugen Allwein verkauft den Haidhauser „Kotterhof“ an Sigmund und Rosalie Rottenkolber.

1891

München * Der „Verband der süddeutschen katholischen Arbeitervereine“ wird in München gegründet. 

1891

München * Mitglieder des „Winzerer Fähndls“ beginnen mit dem „Armbrustschießen“.

Sie nennen sich „Armbrustschützengilde des Winzerer Fähndls“.

Dabei war die „Armbrust“ - im Gegensatz zum „Spieß“, der „Hellebarde“ und dem „Bihänder“, dem zweihändig geführten „Schlachtschwert“, nie eine Landsknechtswaffe und gehörte damit eher in das städtische Wehrwesen.

Anders verhielt es sich bei der „Armbrust“ als Jagdwaffe.
Doch bei höfischen Jagdgesellschaften hatten Landsknechte nichts verloren.

1891

München-Maxvorstadt * Das „Lenbach-Haus“, die Künstlerresidenz des „Malerfürsten“ Franz von Lenbach, ist fertiggestellt. 

1891

Schliersee * Das „Schlierseer Bauerntheater“ wird gegründet. 

1891

München-Schwabing - München-Maxvorstadt * Der „Maler“ und „Lehrer“ Anton Azbé betreibt in der Georgenstraße 16 und an der Amalienstraße 57 („Damenabteilung“) eine „Mal- und Zeichenschule“.

Einer seiner Schüler war Wassily Kandinsky.

1891

Bethel - Berlin * Der evangelische Pastor Friedrich von Bodelschwingh gründet in Bethel und Berlin ein sogenanntes „Brockenhaus“.

Mit dieser neuen Form einer Sozialeinrichtung will Bodelschwingh durch die Abholung und Verarbeitung schadhafter oder im Haushalt nicht mehr verwendeter Gegenstände arbeitslosen und erwerbsbeschränkten Personen Beschäftigung verschaffen und gleichzeitig Hilfsbedürftigen billige Gebrauchsgegenstände vermitteln.

Die Idee setzt sich rasch durch und schon bald darauf arbeiteten die „Brockenhäuser“ in allen größeren Städten Deutschlands.

1891

München-Haidhausen * Insgesamt 80 Italiener werden in einer „Sammelklasse“ in der Haidhauser „Wörthschule“ unterrichtet.

„Einer allgemeinen Fortbildungsschule konnte man sie nicht zuführen, da sie der deutschen Sprache nicht mächtig waren. Für sie bildete man eine eigene Klasse an der Wörthschule und erteilte ihnen abends und an Sonntagen acht Stunden wöchentlich Unterricht“.

In München gab es - im Gegensatz zu den meisten anderen Großstädten im Reich - diese äußerst fortschrittliche Einrichtung, in der italienisch-kundige bayerische Lehrer zwei- bis dreimal in der Woche in den Fächern „Geographie“, „Kalligraphie“, „Rechnen“, „Deutsch“ und „Religion“ unterrichteten.

Durch das Erlernen der deutschen Sprache sollte eine Integration hierzulande erleichtert werden, durch das Fach Geographie, in dem ausschließlich „italienische Landeskunde“ gelehrt wurde, die Bindung zur Heimat gewahrt bleiben.
Da ein Mann in Italien erst dann als vollberechtigter Staatsbürger galt, wenn er vor einem Notar seinen Namen schreiben konnte, war der Schreibunterricht für eine Wiedereingliederung in der Heimat von besonders großer Wichtigkeit.

Da die Schule von den weit außerhalb gelegenen „Ziegeleien“ jedoch oft nur in mehrstündigen Fußmärschen zu erreichen war, und auch die „Akkordanten“ nicht einmal für die Zeit der Schulstunden auf ihre billigsten Arbeitskräfte verzichten wollten, konnte nur eine begrenzte Anzahl der italienischen Kinder die „Schule an der Wörthstraße“ besuchen.

1891

München-Au * Der populäre Volkssänger Jakob Geis, genannt „Papa Geis“, eröffnet erstmals vor einem „äußerst gewählten Herrenpublikum“ den „Salvator-Anstich“ auf dem „Nockherberg“ mit einer heiteren Ansprache.

1891

München-Englischer Garten - Hirschau * Über das zur „Schwabinger Brauerei“ gehörende Ausflugslokal in der „Hirschau“ heißt es: 

„Diese Wirtschaft steht ganz abseits. Werktags kommen nur Maffei-Arbeiter zum Essen.
Die Gassenschänke ist nur für diese da. 
Ohne Maffei wäre das Gasthaus nicht lebensfähig“
.

Februar 1891

Deutsch-Ostafrika [= Tansania] * Hermann Wißmann leitet eine „Strafexpedition“ gegen den „Häuptling“ Sina von Kobisho, nachdem dieser es gewagt hatte, die deutsche Flagge vom Mast zu reißen.
Die „Strafexpedition“ kostet 200 Menschen das Leben.

Das „Offizierskorps“ ist eine „Brutstätte von Kolonialchauvins und nationalistischen, antidemokratischen Frondeuren. Mit Mord und Terror versuchen sie, die deutsche Herrschaft bis in die entferntesten Gebiete auszudehnen“

20. Februar 1891

München-Schwabing * Der Dichter Stephan George lässt sich in München nieder.

In Schwabing bildet sich um ihn der Kreis der „Kosmiker“

März 1891

München * Franz Stuck ist Gründungsmitglied des „Vereins für Original-Radierung“ in München. 

12. März 1891

München-Lehel - München-Haidhausen - Bogenhausen * Prinzregent Luitpold weiht die neue „Luitpoldbrücke“ über die Isar ein.

2. April 1891

München * Franz Stuck stellt im „Münchner Kunstverein“ 200 Zeichnungen aus. 

9. Mai 1891

München * Die „Private Münchener Gasgesellschaft“, die das Beleuchtungsmonopol in München bis zum Jahr 1899 besitzt, unterzeichnet einen Ablösungsvertrag. 

Dadurch kann die Stadtgemeinde eine Kraftanlage zur Erzeugung von Strom aufbauen.

1. Juni 1891

München * Die „Gewerbeordnungsnovelle“ tritt in Kraft.  

Sie verbietet die „Sonntagsarbeit“ und regelt die „Kinderarbeit“

1. Juni 1891

München * Das „Gewerbegerichtsgesetz“ tritt in Kraft.

In ihm ist festgelegt, dass „Arbeitsstreitigkeiten“ vor einem „Gewerbegericht“ ausgehandelt werden können. 

1. Juli 1891

München - München-Giesing * „Innerhalb der Anwesen bzw. Grundstücke sich ansammelnder Unrat“ darf nicht mehr in Gruben gelagert, sondern ist „in dichten - Feuerungsreste und Asche überdies in metallenen - mit Deckel versehenen Behältern aufzubewahren [...] und zur Abfuhr bereitzuhalten“.

Der „Müll“ wird zweimal in der Woche abgeholt.
Alle die im Einzugsgebiet wohnen, müssen bei der neumodischen „Müllabfuhr“ mitmachen und dafür Gebühren zahlen.
Die außerhalb des Anschlussgebiets weiterhin benutzten „Gruben“ müssen nun mindestens zweimal jährlich geleert werden.

Bald nach Erlass der „Richtlinie“ von 1891 konstruiert ein Schmiedemeister aus Giesing namens Fischer einen Sammelwagen, den er patentieren lässt. 
Der Wagen ist einachsig, wird von einem Pferd gezogen, kann nach unten entleert werden und fasst 2,85 Kubikmeter „Unrat“

Er bekommt den etwas eigenartigen Namen „Harritsch“.
Diese Namensgebung soll vom englischen „carriage“ für „Wagen“, in das eher bayerische „Harritsch“ umgewandelt worden sein.
Auch diese „Unrat-Sammelgefäße“ sind normiert.

1. Juli 1891

München * Der bayerische Sozialdemokrat Georg Heinrich von Vollmar hält am 1. und am 6. Juli seine sogenannten „Eldorado-Reden“ [so genannt nach dem Lokal].  

Nach dem Auslaufen der „Sozialistengesetze“ - so Vollmar - könne man „den Weg der Verhandlungen betreten und versuchen, auf der Grundlage der heutigen Staats- und Gesellschaftsordnung Verbesserungen wirtschaftlich und politischer Art herbeizuführen“.  
Die Idee, eine gewaltsame soziale Revolution sei unvermeidlich, ist damit ebenso aufgegeben wie die Theorie von Karl Marx.  

Außerhalb Bayerns werden Vollmars Ansichten nur wenig akzeptiert. 

September 1891

München-Theresienwiese * Manche Wiesn-Wirte führen den „Ein-Liter-Glaskrüge“ ein.

1. September 1891

München * Arnold Ritter von Zenetti stirbt im Alter von 67 Jahren in München. 

Seine Grabstelle befindet sich im „Alten südlichen Friedhof“.

8. September 1891

München-Graggenau * Kaiser Wilhelm II. besucht - verkleidet in der Uniform seines bayerischen „Ulanenregiments“ - die Stadt München.  

Im Neuen Rathaus trägt er sich mit den Worten „Suprema lex regis voluntas“ [= „Das höchste Gesetz ist der Wille des Königs“] ins „Goldene Buch der Stadt“ ein.  

Der mit einer Adlerfeder geschriebene - völlig unzeitgemäße - Satz erregt bei vielen Bayern Ärger. 

Oktober 1891

München * Die „Ludwigsbrücke“ wird erweitert.

Sie erhält plastischen Schmuck in Form von je zwei „Pylonen“, die die Allegorien der „Fischerei“, der „Flößerei“, der „Industrie“ und der „Kunst“ aufnehmen. 

1. November 1891

Bogenhausen - München-Haidhausen * Die „Prinzregent-Luitpold-Terrasse“ am Standort des späteren „Friedensengels“ wird der Öffentlichkeit übergeben. 

1. November 1891

München-Haidhausen * Die evangelischen „ABC-Schützen“ aus Haidhausen können je eine erste und zweite Klasse im „Alten Schloßschulhaus“ bilden. 

Dezember 1891

München * Mit dem „Deutsch-Sozialen-Verein“ wird in München erstmals eine antisemitische Gesellschaft gegründet.

Er fordert unter anderem die „Aufhebung des Emanzipationsgesetzes von 1869“, das die jüdische Bevölkerung erstmals offiziell vor dem Gesetz gleichstellt.

Darüber hinaus die „Beschränkung der Gewerbefreiheit“, die „Einführung von Befähigungsnachweisen“ sowie ein „Verbot der neuen, die Existenz der ortsansässigen Detailhändler und des heimischen Handwerks bedrohende Verkaufsformen“, worunter in erster Linie die gerade aufkommenden „Warenhäuser“ gemeint sind.

8. Dezember 1891

München-Au * Im „Falkenhof“ in der Au wird der „Katholische Arbeiterverein München-Au-Giesing“ gegründet.  

31. Dezember 1891

München * In München gibt es erst 34 „Cafès“


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Volkssänger, Lex Heinze, Kuppelei, Prostitution, Obszönität
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