1. Juli 1789

Eine „Militärgartenkommission“ wird gegründet

München * Sir Benjamin Thompson gründet eine „Militärgartenkommission“.


1789

Suchbegriffe

Englischer Garten, Militärgartenkommission,

Personen

Rumford Sir Benjamin Thompson Graf von

Weitere Ereignisse im Jahr 1789

1789

München-Kreuzviertel * Die letzte Beerdigung findet - aufgrund der Beschießung Münchens durch die Österreicher - auf dem „Frauenfriedhof“ statt.

1789

München * Über das „Bettlerunwesen“ schreibt Sir Benjamin Thompson die nachfolgenden Zeilen: 

„Man konnte in München nicht über die Straße gehen, ohne von Bettlern angefallen und gezwungen zu werden, ihren lärmenden Forderungen genüge zu leisten.

Die Kirchen waren überschwemmt von Bettlern, welche während des Gottesdienstes die Andächtigen so lange quälten, bis ihre Wünsche befriedigt wurden.

Der Kinderdiebstahl war im Schwunge.
Die Bettler stachen den armen Kleinen die Augen aus, verrenkten ihnen die Glieder, um das Mitleid der Vorübergehenden zu wecken.
Sie stellten ihre Kinder völlig nackt und fast verhungert in die Straßen, damit das jämmerliche Geschrei der Unglücklichen die Leute zum Almosengeben bewog“
.

1789

Haidhausen - Bogenhausen * Mit ausdrücklicher Befürwortung des „Hofmarkherrn“ wird ein Antrag auf Loslösung des bisherigen „Pfarrverbandes“ mit Bogenhausen und die Errichtung einer eigenständigen „Pfarrei Haidhausen“ gestellt.

Januar 1789

München - Au * Sir Benjamin Thompson stellt im Rahmen seiner „Militär-Reorganisation“ seine finanziell vielversprechenden Pläne zur Errichtung eines „Militärischen Arbeitshauses“ vor.

16. Januar 1789

München - München-Isarvorstadt * Mit einer kurfürstlichen Verordnung beginnt die Aufhebung der Friedhöfe innerhalb der Stadtmauern. 

Einziger Friedhof ist bereits seit neun Monaten der heutige „Alte südliche Friedhof“ vor dem Sendlinger Tor. 

7. Februar 1789

München * Eine neue Friedhofsverordnung „Die Aufhebung der sämmtlichen Freythöfe in der Stadt betreffend“ wird erlassen. 

Auch die Friedhöfe der „Heiliggeistkirche“, der „Dreifaltigkeitskirche“ und der „Rochuskirche“ müssen aufgelassen werden. 

12. Februar 1789

München * Die „Namensgalgen“, an denen die Namen der „Deserteure“ angeschlagen sind, werden abgeschafft. 

21. Februar 1789

München * Kurfürst Carl Theodor erlässt eine Anweisung, wonach in der Nähe einer jeden Garnisonsstadt „Militärgärten“ anzulegen sind.

Jeder Einheit wird ein eigener Destrikt zugewiesen.
Die Soldaten sollen Gelegenheit erhalten zu graben und zu hacken, zu säen und zu ernten, sich aber auch auszuruhen und zu erholen. 

Dennoch sollen die Gärten „nicht nur alleine zum Vorteil und Ergötzung des Militärs, sondern auch zum allgemeinen Gebrauch als ein öffentlicher Spaziergang dienen“ sowie „Nahe an der Stadt angelegt werden und in einer luftigen, gesunden Gegend und wo man von einem der Stadttore oder sonstigen Ausgängen der Stadt bis zum Garten eine Allee leicht anlegen kann“.

21. Februar 1789

München * Die durch die Verlegung der Friedhöfe frei werdenden Plätze dürfen von der Stadt nicht verkauft werden.

2. März 1789

München * Vermutlich aus Kostengründen entscheidet sich Kurfürst Carl Theodor für Thompsons Vorschlag für ein „Militärisches Arbeitshaus“ und ordnet die Errichtung „einstweilen in jeder Stadt und Garnison, in Zukunft aber sobald thunlich in jedem beträchtlichen Orte“ an.
„Militärische Arbeitshäuser“ entstehen aber nur in München und Mannheim. 

Die „Arbeitshäuser“ sollen folgenden Zwecken dienen:

  • Der Beschäftigung von Armen und Bettlern.  
  • Die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten für verarmte Angehörige der unterständigen Schichten.
  • Nicht an Arbeit gewöhnte Menschen sollen in diesen Anstalten die Arbeitsfähigkeit erlernen.

Gleichzeitig sollen „Armenverwaltungen“ eingerichtet werden, die die „Hausarmen“ erfassen und in die „Arbeitshäuser“ einweisen. 

24. März 1789

München-Englischer Garten * Kurfürst Carl Theodor fordert den Münchner „Magistrat“ auf, für die Verwirklichung eines „Militärgartens“ einen geschützten Platz ausfindig zu machen. 

Da es der Stadtverwaltung mit der Durchführung des von Thompson vorgelegten Planes nicht eilig ist, schreitet der Minister selbst zur Tat. 

Er hält die Gegend um den „Hirschanger“ vor dem „Schwabinger Tor“, ein bisher lediglich zur kurfürstlichen Jagd genutztes Stück Land, das zum Teil außerhalb des „Münchner Burgfriedens“ liegt und damit dem Einfluss und der Polizeigewalt des „Münchner Magistrats“ entzogen ist, als am besten geeignet.

April 1789

München - Au * „Hofkammerrat“ Piaggino gibt seine Pläne zur Errichtung eines „Arbeitshauses für beschäftigungslose arme Menschen“ auf. 

In der Folge kommt es zwischen Piaggino und Thompson zur Auseinandersetzung über die Urheberschaft des „Arbeitshausplanes“.

14. April 1789

München-Isarvorstadt * Der neue Teil des „Friedhofs vor dem Sendlinger Tor“ wird zwar eingeweiht, aber noch nicht für Bestattungen freigegeben, weil die Arbeiten noch nicht abgeschlossen sind. 

20. Juni 1789

München-Englischer Garten * Kurfürst Carl Theodor beauftragt Sir Benjamin Thompson mit der Verwirklichung der „Militärgärten“

Er soll den Platz bestimmen, ausstecken, unter die Regimenter aufteilen und von ihnen bearbeiten lassen.  
Die Grundstückseigentümer werden finanziell entschädigt. 

26. Juni 1789

München-Isarvorstadt * Nach Abschluss der Bauarbeiten wird der neue Teil des „Friedhofs vor dem Sendlinger Tor“ für Bestattungen freigegeben. 

1. Juli 1789

München * Sir Benjamin Thompson erhält die „Oberaufsicht“ über die „Militärischen Arbeitshäuser“ in München und Mannheim.

8. Juli 1789

München-Englischer Garten * Unter dem Kommando von Benjamin Thompson nehmen Soldaten die ersten Pflanzungen für den „Militärgarten“ vor.

14. Juli 1789

Paris * Mit dem „Sturm auf die Bastille“ beginnt in Paris die „Französische Revolution“.

Durch dieses Ereignis wird das „Militärgarten-Projekt“ zu einem Politikum, das in aller Eile realisiert werden muss.

18. Juli 1789

München * Der „Hofoberrichter“ erlässt für die künftigen Bestattungen einen Befehl, in dem es heißt: 

  • Das Grab muss mindestens 6 Schuh tief sein.
  • Zwischen zwei Bestattungen in einem Grab müssen zwölf Jahre vergangen sein.
  • Die Beerdigung darf erst 48 Stunden nach Eintritt des Todes erfolgen.
23. Juli 1789

Au * Der Bankier und Münchner Ratsherr Jakob Nockher kauft einen Teil von „Marquartskreith“ und errichtet darauf das „Nockher-Schlösschen“.

7. August 1789

München * Der Schwetzinger „Hofgärtner“ Friedrich Ludwig Sckell wird von Kurfürst Carl Theodor nach München berufen, um unter der Oberaufsicht von Sir Benjamin Thompson Entwürfe zur Anlage des „Englischen Gartens“ zu entwerfen. 

Sckell zeichnet „gleich in der Natur selbst“ den Verlauf des ersten Weges und steckt die Grenzen der Ehren Pflanzungen aus. 

13. August 1789

München-Englischer Garten - Hirschanger * Kurfürst Carl Theodor unterzeichnet ein Dekret, wonach er „den hiesigen Hirsch-Anger [...] zur allgemeinen Ergötzung für Dero Residenzstadt München herstellen zu lassen, und diese schönste Anlage der Natur dem Publikum in ihrem Erholungs-Stunden nicht länger vor zu enthalten gnädigst gesonnen“ sei. 

Sir Benjamin Thompson erhält den Auftrag, den „Landschaftspark“ unverzüglich zu verwirklichen. 

Der geplante „Volksgarten“ wird zunächst „Theodors-Park“, später „Englischer Garten“ genannt.

25. August 1789

Au * Kurfürst Carl Theodor ernennt eine „Armen-Instituts-Deputation“, die auch die Vorstadt Au mit betreut. 

Um September 1789

München-Englischer Garten - Lehel * Nach Entwürfen des aus Mannheim stammenden „Militärarchitekten“ Joseph Frey entsteht im „Englischen Garten“ der „Chinesische Turm“

Die Initiative für den exotischen Turm geht von Sir Benjamin Thompson aus.

Um September 1789

München-Englischer Garten - Lehel * Nach Planungen des „Ingenieur-Lieutenants beim Hofkriegsrat“, Johann Baptist Lechner, entsteht ein „Apollo-Tempel“ als Staffage-Bau im „Englischen Garten“.

Das von spiegelnden Wassern umgebene „Hein-Heiligtum“ befindet sich im alten „Hirschangerwald“ auf einer Halbinsel.
Der Rundtempel mit Dorischer Ordnung ist im wesentlichen eine Holzkonstruktion.
Die Gebälkzone und das Kuppelinnere sind zum Teil gemauert, zum Teil aus stuckiertem Holz.
Die Kuppelabdeckung besteht aus Blech.

Seinen Standort nimmt heute die „Steinerne Bank“ ein.

11. September 1789

München * Kurfürst Carl Theodor verbietet alle Schriften mit möglicherweise revolutionären Inhalten. 

Ein im „Herzogspital“ gefundenes Flugblatt in Form eines Gebetes wünscht sich sogar die „französische Revolutionsarmee“ herbei.

21. November 1789

München * Kurfürst Carl Theodor öffnet die „Hofbibliothek“ für jedermann. 

23. November 1789

München-Graggenau * Im „Galeriegebäude am Hofgarten“ wird die zweite „Kunstausstellung der Zeichnungsakademie“, einer Vorläuferin der späteren „Kgl. Akademie der bildenden Künste“, durchgeführt. 

28. November 1789

München * Nachdem der „Friedhof vor dem Sendlinger Tor“ endlich vollendet ist, wird eine „Friedhof-Satzung“ für die beiden Haupt-Pfarrkirchen erlassen. 

1. Dezember 1789

München * Ein „Armeninstitut“ wird gegründet und dazu eine „Armen-Instituts-Deputation“ eingerichtet. 


Verwendet in Führung:




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Rumford Sir Benjamin Thompson Graf von