25. Mai 1790

Die erste groß angelegte Besichtigungsfahrt durch den „Englischen Garten“

München-Englischer Garten * Kurfürst Carl Theodor unternimmt eine erste groß angelegte Besichtigungsfahrt im offenen Gartenwagen durch den neu angelegten „Englischen Garten“.
Doch noch ist der Park für die Öffentlichkeit gesperrt.

Der Bericht der ersten Spazierfahrt erwähnt eine „Vieharzneyschule“, eine „Baumschule“, eine „Schweizerey“, eine „Schäferey“ und eine „Ackerbauschule“

Diese Einrichtungen sind als Lehr- und Musterbetriebe konzipiert und sollen die Landbevölkerung mit den neuesten Anbau- und Zuchtmethoden vertraut machen.


1790

Suchbegriffe

Englischer Garten, Vieharznei-Schule, Baumschule, Schweizerey, Schäferei, Ackerbauschule, Viehzucht,

Personen

Rumford Sir Benjamin Thompson Graf von Carl Theodor Kurfürst

Weitere Ereignisse im Jahr 1790

1790

Hirschgarten * Kurfürst Carl Theodor lässt den „Hirschgarten“ für das Volk öffnen.

1790

München * Kurfürst Carl Theodor führt den sogenannten „Illuminateneid“ ein.  

Jeder Beamte und Geistliche muss versichern, dass er keiner „geheimen Gesellschaft“ angehört.
Zusätzlich gibt es „Inquisitorische Untersuchungsverfahren“ gegen verdächtige Personen und Gruppen.  

Es herrscht „eine gewisse finstere Stimmung in Baiern, jener ähnlich, welche zu den Zeiten der Hexenprozesse durch ganz Deutschland geherrscht hatte.  
Der geringste Verdacht, die unbedeutendste Veranlassung reichte hin, um für einen Illuminaten gehalten zu werden“

1790

München - Au * Die Münchner und die Auer „Armenpflegschaft“ wird wegen der chronisch leeren Kasse der Auer Gemeinde vereinigt.

1790

München-Englischer Garten - Lehel * Der vom „Geometer“ Adrian von Riedl geplante, etwa 2 Kilometer lange „Isardamm“ ist fertig gestellt.

Er schützt den „Englischen Garten“ nicht nur vor Hochwasser, sondern ermöglicht auch die Entwässerung des Parkgeländes.

1790

München-Englischer Garten - Lehel * Die Aufbauarbeiten am „Chinesischen Turm“ sind abgeschlossen.

Südlich des „China-Turms“ entsteht die „Chinesische Wirtschaft“
Es ist ein Rechteckbau mit vier niedrigen Eckpavillons, sowie Haupt- und Nebengebäuden aus Holz mit den charakteristisch geschweiften Dächern.
Im Inneren befindet sich sogar ein „Porcellain-Zimmer“.

1790

München-Englischer Garten - Lehel * In der Nähe der „Wirtschaft des Chinesischen Turms“ entsteht der „Gotische Pavillon“.

Der Holzbau wird von der Münchner Bevölkerung ebenso exotisch und bizarr betrachtet wie die chinesische Baukunst.

Er verschwindet - wie die meisten Holzkostruktionen - bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

1790

München-Englischer Garten - Schwabing * An der ursprünglichen nördlichen Grenze des „Englischen Gartens“ befinden sich zwei kleine „Holländische Bauernhäuser“, die dem „Parkwächter“ Josef Tax als Wohnung dienen. 

Er hält Kühe und Esel und betreibt außerdem einen Bierausschank für die im „Englischen Garten“ beschäftigten Arbeiter und Tagelöhner.

Damit legt er den Grundstein für das später so beliebte Ausflugslokal „Kleinhesselohe“, das anfangs im Volksmund auch „Kleines Eselsloch“ genannt wird.

1790

München-Englischer Garten - Lehel * Zwischen 1790 und 1791 wird die „Schwaige“ mit den „Ökonomiegebäuden“ hinter dem „Gasthaus am Chinesischen Turm“ nach Plänen von Johann Baptist Lechner erbaut.

Sie sind „zur Errichtung einer sogenannten Schweizerey [Hornviehzucht] von wenigstens 60 Stücken bestimmt“.

1. Januar 1790

München * Am „Tag des Almosengebens“ lässt Sir Benjamin Thompson in München 2.600 „Bettler“ aufgreifen. 

Die Gesunden und Arbeitsfähigen müssen sich am nächsten Tag im „Militärischen Arbeitshaus“ in der Au einfinden, „wo Arbeit, Verdienst und Verpflegung ihrer harrte“

Die Arbeitsunfähigen werden vom „Armeninstitut“ unterstützt und verköstigt.

19. Februar 1790

München * Die Einfuhr und die Verbreitung von Schriften mit revolutionärem Inhalt wird durch Kurfürst Carl Theodor verboten und mit Strafe belegt.

20. Februar 1790

Wien * Kaiser Joseph II. stirbt in Wien. 

März 1790

München * Kurfürst Carl Theodor macht Sir Benjamin Thompson zum „Geheimen Staatsrat“.

1. März 1790

Wien * Nach dem Tod Kaiser Josephs II. übernimmt Kurfürst Carl Theodor das „Reichsvikariat“

1. März 1790

Freising * Joseph Konrad von Schroffenberg-Mös wird zum Bischof von Freising gewählt. 

10. März 1790

München-Englischer Garten - Schwabing * Kurfürst Carl Theodor ruft in einem Dekret die „Thier-Arzney-Schule“ ins Leben.

Sie soll nicht nur Viehseuchen erforschen und bekämpfen, sondern auch Tierärzte und Schmiede für die „Kavallerie“ ausbilden.

26. März 1790

München-Englischer Garten - Schwabing * Kurfürst Carl Theodor gibt die Gründung einer „förmlichen Thierartzney-Schule (École vétérinaire)“ bekannt.

29. März 1790

München-Englischer Garten - Lehel * Auf den „kinesischen thurn“ im „Englischen Garten“ wird vom Kupferschmied Michael Leithner der Knopf angebracht. 

1. Mai 1790

München-Englischer Garten - Schwabing * Die „Thierartzney-Schule“ wird unter der Leitung vom „Medizinalrat“ Professor Dr. med. Anton Will in der sogenannten „Jesuitenwasch“ in der damals noch selbstständigen Gemeinde Schwabing eröffnet. 

Die „Tierarzneischule“ beschäftigt sich mit der „Bekämpfung einbrechender Viehseuchen“ sowie der Ausbildung „geschickter Tieräzte“ und „guter Huf- und Kurier-Schmiede für die Kavallerie-Regimenter“

Der Lehrbetrieb wird aber erst am 1. November aufgenommen. 

7. Juli 1790

München * Durch jährlich abzuhaltende Ausstellungen junger Künstler soll der „Kunstgeschmack“ der Münchnerinnen und Münchner angehoben werden. 

14. Juli 1790

München * Um den immer lauter werdenden Klagen über den „Missbrauch der Fürstenmacht“ und die „Missachtung der Bürgersorgen“ die Wirkung zu nehmen, tritt Benjamin Thompson die Flucht nach vorne an.  

Er organisiert für den ersten Jahrestag des „Sturmes auf die Bastille“ eine „öffentliche Dank- und Huldigungsadresse“ an den Kurfürsten.  
Zu diesem Zwecke lässt er eine Druckschrift vorbereiten, die im Namen „anonymer“ Bürger - in einer äußerst unterwürfigen Formulierung - die Reformmaßnahmen des vergangenen Jahres preisen und Kurfürst Carl Theodor als „Quelle aller wahrhaft bürgerlichen Glückseligkeit“ hervorhebt.  

Damit verletzt der „Amerikaner“ die „magistratische Alleinvertretungskompetenz in Angelegenheiten der Bürgerschaft“.  

Der Magistrat, den man bei der Formulierung der Adresse übergangen hat, sieht sich in seiner verfassungsrechtlichen Position als Sprecher der Bürger verletzt und distanziert sich von dem ganzen Vorgang. 

21. Juli 1790

München * Der Rat der Stadt befasst sich mit der gedruckten „Danksagung der Münchner Bürgerschaft“ an den Kurfürsten.  

Der Magistrat verwehrt sich in keinster Weise gegen einen Dank für die neue „Armeneinrichtung“ oder die „Militärakademie“, lehnt aber eine generelle Danksagung ab.  
Außerdem sollte die Danksagung aus eigenem Antrieb erfolgen und nicht „durch einen besonderen Auftrag“

26. Juli 1790

München * Der „Magistrat“ verwahrt sich in einer „Resolution“ gegen die Rechtsverletzung durch die von Sir Benjamin Thompson veranlasste „öffentliche Dank- und Huldigungsadresse“ an den Kurfürsten. 

27. Juli 1790

München * Die vermutlich von Sir Benjamin Thompson verfasste - aber anonym unter dem Datum vom 14. Juli 1790 erschienene - allgemeine „Dank- und Huldigungsadresse der Münchner Bürgerschaft“ an den Kurfürsten, kommt in der Stadt in Umlauf.  

Außerdem sieht sich der „Magistrat“ mit einer weiteren von Thompson veranlassten Druckschrift konfrontiert, in der er den „Undank“ der Stadträte anprangert. 

28. Juli 1790

München * Der Magistrat, den man bei der Formulierung der „allgemeinen Dank- und Huldigungsadresse der Münchner Bürgerschaft an den Kurfürsten“ übergangen hat, sieht sich in seiner verfassungsrechtlichen Position als Sprecher der Bürger verletzt und distanziert sich von dem ganzen Vorgang.

Der „Magistrat“ verbreitet eine „Rechtfertigungsschrift“, in welcher er die Intrige Sir Benjamin Thompsons aufdeckt und eine „Verbindung zwischen einer verfehlten Regierungspolitik und den revolutionären Vorgängen in Frankreich“ herstellt. 

31. Juli 1790

München * Kurfürst Carl Theodor empfindet die „Rechtfertigungsschrift“ des Magistrats vom 28. Juli und die darin enthaltenen Angriffe auf die „verfehlte Regierungspolitik des Landesherrn“ als „Majestätsbeleidigung und Hochverrat“.  

Er lässt ein Exempel statuieren, den gesamten „Inneren-“ und „Äußeren Rat“ vor eine „kurfürstliche Spezialkommission“ bringen und einzeln verhören.  

Bis zur nächsten Stadtratswahl überträgt er die Geschäfte einer „kurfürstlichen Stadtadministrationskommission“

August 1790

München * Kurfürst Carl Theodor stattet Sir Benjamin Thompson mit einer lebenslangen Pension aus.

10. August 1790

München-Englischer Garten * Kurfürst Carl Theodor erlässt eine „Spezialresolution“, die die Verwaltung und Benutzung des „Englischen Gartens“ und aller darin befindlichen Grundstücke und Gebäude regelt. 

11. August 1790

München-Kreuzviertel * Der vom Baierischen Staat aufgekaufte „Friedhof an der Salatorkirche“ soll als bequemere Zu- und Abfahrt zum „Nationaltheater im alten Opernhaus“ hergerichtet werden. 

4. September 1790

München * Joseph Anton Maffei kommt in München zur Welt.

22. September 1790

München * Der Antrag des „Schauspieldirektors“ Franz Schweiger für ein Engagement im „Kreuzlgießergarten“ wird vom Stadtrat abgelehnt.  

Er darf weder in der Stadt noch im Burgfrieden auftreten. 

30. September 1790

Frankfurt am Main * Leopold II. wird zum Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ gewählt. 

9. Oktober 1790

Frankfurt am Main * Leopold II. wird in Frankfurt am Main feierlich zum Kaiser gekrönt.  

Damit endet das „Reichsvikariat“ des pfalzbaierischen Kurfürsten Carl Theodor. 

23. Oktober 1790

München - Nürnberg * Kurfürst Carl Theodor untersagt die Einfuhr von Büchern und Schriften aus Nürnberg.

Die Reichsstadt hatte sich nicht zu Zensurmaßnahmen bewegen lassen und wurde dadurch immer mehr zu einem Einfallstor für revolutionäres Gedankengut nach Baiern.

27. Oktober 1790

München - Offenstetten * Wiguläus Aloys von Kreitmair stirbt in München.  

Sein Leichnam wird am 31. Oktober auf sein Gut Offenstetten überführt. 

29. Oktober 1790

München-Kreuzviertel * Wolfgang Amadeus Mozart kommt von der Rückreise der Kaiserkrönung Leopolds II. zum achten und letzten Mal nach München.  

Er wohnt wieder im „Hotel Schwarzer Adler“ in der Neuhauser Gasse. 

1. November 1790

München-Englischer Garten - Schwabing * Der Lehrbetrieb in der „Veterinärschule“ wird durch den „Professor der Tierarzneikunst“ und „Medizinalrat“ Anton Joseph Will aufgenommen. 

4. November 1790

München-Graggenau * Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Entführung aus dem Serail“ wird auf Einladung des Kurfürsten Carl Theodor in einer festlichen „Hofakademie“ im „Kaisersaal“ der Residenz aufgeführt.  

Der Musiker und Komponist freut sich, wie „stark das Gereiß“ um ihn ist.  

Anwesend sind auch König Ferdinand IV. von Neapel und Sizilien mit seiner Gemahlin Maria Caroline von Österreich, einerSchwester des neugekürten Kaisers Leopold II..

6. November 1790

München * Wolfgang Amadeus Mozart verlässt München wieder. 

15. November 1790

Pressburg * Kaiser Leopold II. wird in Preßburg zum König von Ungarn gekrönt. 

22. Dezember 1790

München * Bei der turnusmäßig vorgenommenen Neuwahl der „Stadträte“ verweigert Kurfürst Carl Theodor die „Bestätigung der Wahlmänner“ und überträgt bis auf Weiteres die „Führung der magistratischen Geschäfte“ einer „landesherrlichen Kommission“.  

Die Verfasser der Flugschrift werden lebenslang von den Ratsgeschäften ausgeschlossen. 


Verwendet in Führung:




Englischer Garten, Vieharznei-Schule, Baumschule, Schweizerey, Schäferei, Ackerbauschule, Viehzucht
Rumford Sir Benjamin Thompson Graf von, Carl Theodor Kurfürst