1. April 1920

Adolf Hitler zur Untermiete in der Thierschstraße 41

Lehel * Nach seiner Entlassung aus dem „Aufklärungskommando“ der „Reichswehr“ am 31. März 1920 lebt Adolf Hitler zur Untermiete bei einer Frau Reichert in einem kleinen Zimmer in der Thierschstraße 41.


1920

Suchbegriffe

Aufklärungskommando, Reichswehr, Thierschstraße,

Personen

Hitler Adolf

Weitere Ereignisse im Jahr 1920

1920

München * Das „Bayerische Volksschulgesetz“ führt die „Unvereinbarkeit zwischen Ehe und Lehrberuf“, also das „Zölibat für Lehrerinnen“, wieder ein. 

1920

Haidhausen * Die Stadtgemeinde erwirbt das Anwesen des „Salzburger Hofes" an der Rosenhimer Straße 1.

Um 1920

München * Da die Telefonleitungen teuer sind und die Nachfrage überdimensional ansteigt, wird auf die Frauen an der Telefonvermittlung ein entsprechender Leistungsdruck ausgeübt. 

Dreihundert Gespräche pro Stunde werden zum Durchschnitt erklärt. 

1920

Graggenau * Der aus Salzburg stammende Gustl Annast übernimmt gemeinsam mit seiner Frau das „Hofgarten-Café“

1920

Kreuzviertel * Carl Gabriel eröffnet die „Rathaus-Lichtspiele“ an der Weinstraße 8, Ecke Filserbräu- und Albertgasse mit 670 Plätzen.

1920

München * Die Firma „Münchner Möbelheim, vormals Falk & Fey“ betätigt sich mit der „Einrichtung von Wohnungen nach eigenen Entwürfen, Handel und Kommissionshandel von Waren aller Art insbesondere Antiquitäten und Kunstgegenständen, außerdem Übernahme von Versteigerungen“.

1920

Graggenau * Die Münchner „Residenz“ wird als „Residenzmuseum“ der Allgemeinheit für Besichtigungen zugänglich gemacht. 

1920

Berlin * Die „Bayerische Staatsbahn“ wird vom Reich übernommen.

Ihr Streckennetz umfasst mehr als 8.500 Kilometer, auf dem etwa 2.400 Lokomotiven, 5.000 Personen- und 64.000 Güterwaggons bewegt werden.

1920

Au * Die „Drahtfabrik Bucher“ wird technologisch auf den neuesten Stand gebracht.

Nach 1920

Isarvorstadt * Die „Deutsche Eiche“ entwickelt sich zum Lieblingslokal von Künstlern und Homosexuellen.

Vor allem Tänzer des benachbarten „Gärtnerplatz-Theaters“ verkehren hier.

1920

Gronsdorf * Ganz langsam geht es wieder aufwärts mit dem Vereinsleben des „TSV München-Ost“

Und auf dem „Waldsportplatz“ in Gronsdorf erblüht zaghaft neues Leben, sodass der „TSV München-Ost“ im Jahr 1920 bereits wieder 1.088 Mitglieder zählt.

Auch erste größere sportliche Erfolge stellten sich wieder ein.
Gleichzeitig erlebte das Spiel mit dem Fußball nach dem verlorenen Weltkrieg und der alles verändernden Revolution im Rahmen des Arbeitersports ihren ersten großen Aufschwung.

1920

München * 45,6 Prozent der Münchner Einwohner versorgen sich als Mitglied mit Waren aus den Konsumgenossenschaften.

1920

Wien * Eduard Pichl, studierter „Chemiker“ und „Hofrat“ in Wien, der „Vater der Bergwarte“ und Schwärmer für ein „germanisches Christentum“, gibt seinen Beruf auf, um sich fortan als hauptamtlicher Funktionär des „Deutschen und österreichischen Alpenvereins“ der „völkischen Propaganda“ zu widmen.

Innerhalb kürzester Zeit gewinnen seine Sympathisanten die Oberhand in 45 „Sektionen“, die sich als „Deutsch-Völkischer Bund im DuOeAV“ zusammenschließen und mit ihrer Mehrheit Abstimmungsprozesse an den Vollversammlungen vorbei in ihnen genehme Ausschüsse umleiten.

1920

München * Der Stummfilm „Der Kinematograph“ mit Karl Valentin, August Junker und Alois Hönle in den Hauptrollen wird gedreht.

Der Film ist verschollen.

1920

Ludwigsvorstadt * Hans Gruß wird neuer Leiter des „Deutschen Theaters“

1920

Obergiesing * Der „Evangelische Verein für München-Giesing“ wird gegründet.

Er tagt im „Cafe-Restaurant Giesing“, der späteren „Bergstube“, dem heutigen „Cafe Giesing“

15. Januar 1920

München * Aufgrund seiner Schussverletzungen beginnt der Prozess gegen Graf Anton von Arco auf Valley erst jetzt im Münchner „Justizpalast“

Der „Gerichtspsychiater“ Professor Rüdin beschreibt Arco als „eine intellektuell mäßige, gerade noch durchschnittliche Begabung, eine unreife, ungefestigte Persönlichkeit, die zu impulsivem Handeln neigt“

16. Januar 1920

München * Da sich die Richter und der Verteidiger über die Wertung der Tat im Grunde einig sind, ergeht das Urteil gegen Graf Anton von Arco auf Valley bereits um 16.08 Uhr. 

Es wird vom „Landgerichtsdirektor“ Georg Neithardt gesprochen und lautet:
„[...] wegen eines Verbrechens des Mordes zum Tode und in die Kosten verurteilt“.  Es lässt sich einfach nicht umgehen anzuführen: „Der Angeklagte führte die Tötung nach einem wohlbedachten Plan mit Überlegung aus“

Die Justiz öffnet sich aber gleich selbst die Tür für ihr weiteres Vorgehen. 

Am Ende des Urteils stehen die bemerkenswerten Zeilen: 
„Von einer Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte konnte natürlich keine Rede sein, weil die Handlungsweise des jungen, politisch unmündigen Mannes nicht niedriger Gesinnung, sondern der glühenden Liebe zu seinem Volke und seinem Vaterland entsprang und ein Ausfluss seines Draufgängertums und der in weiten Volkskreisen herrschenden Empörung gegen Eisner war, weil ferner der Angeklagte seine Tat in allen ihren Einzelheiten ohne jeden Versuch der Beschönigung oder Verschleierung mit offenem, edlem Mute in achtungsgebietender Weise als aufrechte Persönlichkeit eingestand“.

Graf Arco nimmt sein Todesurteil mit vollkommener Ruhe zur Kenntnis und ruft in seinem Schlusswort die Zuhörer zum Aufbau einer nationalen Zukunft auf. Stürmischer Beifall erhebt sich im Sitzungssaal. 

Anschließend finden in der Stadt zahlreiche Kundgebungen statt, auf denen zumeist Studenten unter schwarz-weiß-roten Fahnen einen Freispruch Arcos fordern. 

Es drohen antisemitische Ausschreitungen, bis der Verteidiger Arcos die Gemüter mit der Ankündigung beruhigen kann, dass begründete „Aussicht auf Begnadigung“ des Verurteilten besteht. 

17. Januar 1920

München * Der mehrheitlich konservative „Ministerrat“ tritt zu einer Sitzung zusammen, um die „Begnadigung“ des Mörders Graf Anton von Arco auf Valley zu beschließen. 

Der Beschluss erfolgt in Abwesenheit des „Ministerpräsidenten“ und Eisner-Nachfolgers Johannes Hoffmann, eines „königlich-bayerischen“ Sozialdemokraten, der nicht ohne Unverständnis für die Tat ist.

In der Sitzung äußert „Justizminister“ Ernst Müller-Meiningen den aufschlussreichen Satz: „Ich würde mich vor meinen Kindern schämen, einen Mann wie Arco ins Zuchthaus zu schicken“.  

Da eine „Zuchthausstrafe“ als die schärfste Haftart angesehen wird, begnadigt man den Grafen Arco zu einer „lebenslangen Festungshaft“, der komfortabelsten Art des Freiheitsentzugs, die gleichzeitig als ehrenvoll gilt.
Bei dieser „Begnadigung“ bezieht man sich ausdrücklich auf die erst am Vortag selbst formulierte Achtungsbezeugung vor dem „Mörder eines amtierenden Ministerpräsidenten“.  

Anton Graf von Arco auf Valley tritt als erster „Festungshäftling“ seine „Luxushaft“ in Landsberg am Lech an. 

Bis Februar 1920

München * 5.233 Strafprozesse gegen Räterepublikaner werden eröffnet. 

  • Zehn Todesurteile werden ausgesprochen und vollzogen.
  • Viele werden zu langen Haftstrafen verurteilt.
  • Auf Milde dürfen sie nicht hoffen. 
13. März 1920

Berlin * In Berlin findet der rechtsradikale „Kapp-Putsch“ statt. 

Parallel dazu fordern in München der „Regierungspräsident von Oberbayern“ Gustav von Kahr, „Polizeipräsident“ Ernst Pöhner und „Wehrkreiskommandant“ Arnold von Möhl den von der „SPD“ gestellten bayerischen „Ministerpräsidenten“ Johannes Hoffmann zum Rücktritt auf. 

Was in Berlin scheitert, gelingt in München.
Gustav Ritter von Kahr bildet - unter Beteiligung der „Bayerischen Volkspartei“ - eine rechtskonservative Regierung, die alle rechtsextremen Gruppierungen sowie militanten Verbände fördert und schützt. 

„Ministerpräsident“ von Kahr lernt zu dieser Zeit auch Adolf Hitler kennen, den er als „Trommler“ für die „nationale Sache“ einspannen will, um mit seiner Hilfe den „Kommunismus“ und den „Marxismus“ abzuwehren und um die „gestörte Ordnung“ in Deutschland wieder ins rechte Lot zu bringen. 

Die rechtsradikalen Verbände können umgekehrt von Bayern aus ihren ideellen Boden vorbereiten.
Gustav von Kahr ist die Integrationsfigur all jener Kräfte in Bayern, die durch einen „Staatsstreich“ die „parlamentarische Demokratie“ abschaffen und die „staatliche Unabhängigkeit Bayerns“ von Berlin vorbereiten wollen.

16. März 1920

München * Der „Antisemitismus“ wird gewalttätig.

Der konservative „Ministerpräsident“ Gustav von Kahr (BVP) kündigt in seiner ersten Regierungserklärung an, gegen die „Überfremdung durch Stammesfremde“ einzuschreiten und erklärt die „Reinhaltung des eigenen Volkes von fremden Elementen“ zum Gebot der Stunde. 
Er meint damit den besonders verhassten „Teil der jüdischen Rasse“, die „Ostjuden“.

Und Münchens „Polizeipräsident“ Ernst Pöhner hält es für nicht ausgeschlossen, wenn „wegen der unerträglichen Teuerung etwas unternommen, etwa einige Juden aufgehängt würden“.

Gegen die gewalttätigen und gewaltbereiten „Antisemiten“ unternimmt die Münchner Polizei allerdings nichts.
Nun wird die Situation für die jüdischen Mitbürger unerträglich.
Viele verlassen die Stadt.

April 1920

Wien * Der „Österreichische Touristenklub - öTK“ in Wien führt den „Arier-Paragraphen“ ein.

1. Mai 1920

Obergiesing * Im Rahmen der „Maifeiern“ wird im „Ostfriedhof“ von den „Münchner Freien Gewerkschaften“ der Grundstein für ein Denkmal für die „Toten der Revolution - 1919“ errichtet. 

18. Mai 1920

Wadowice * Karol Józef Wojtyla, der spätere Papst Johannes Paul II., wird in Wadowice, einem kleinen polnischen Städtchen bei Krakau, geboren. 

31. Mai 1920

München * Ein „Konsertium von Münchner und auswärtigen Vaterlandsfreunden“ kauft Bayerns einzige weltweit beachtete Tageszeitung auf: die „Münchner Neuesten Nachrichten“.

Die Mehrheit hält die „Gutehoffnunghütte“.
Sie will die Zeitung für die Propagierung ihrer Ziele benutzen und macht sie zu einem „Bollwerk für nationale Erneuerung gegen Sozialismus und republikanische Politik“.

Das besondere Interesse der Redaktion gilt der „Dolchstoß“-Theorie, nach der das siegreiche deutsche Heer im Ersten Weltkrieg von den Umstürzlern in der Heimat zur Kapitulation gezwungen worden sein soll.
Diese „Schmach“ soll durch die Wiederaufrüstung getilgt und Deutschland zu einer Weltmacht gemacht werden.

Finanziert durch die deutsche Schwerindustrie und einflussreiche politische Kreise spielen die „Münchner Neuesten Nachrichten“ eine wichtige Rolle bei der Entstehung der rechtsradikalen „Ordnungszelle Bayern“.

Professor Paul Nicolaus Cossmann wird politischer Leiter der Zeitung.

12. Juni 1920

München * Der dritte „Geiselmordprozess“ beginnt.  

Das „Volksgericht“ verhängt ein Todesurteil, das zwei Tage später vollstreckt wird. 

14. Juni 1920

München * Max Weber, der Soziologe, Ökonom, Jurist, Historiker und politische Analyst, stirbt in München. 

14. Juni 1920

Obergiesing * Das Todesurteil aus dem dritten „Geiselmordprozess“ wird im Gefängnis Stadelheim durch Erschießen vollzogen. 

1. Juli 1920

München * Paul Nicolaus Cossmann verpflichtet den fanatischen Nationalisten und Sozialistenhasser Dr. Fritz Gerlich als „Chefredakteur“ der „Münchner Neuesten Nachrichten“.

Gerlich unterstützt damit indirekt Adolf Hitlers Aufstieg.

8. Juli 1920

Berg am Laim * In Berg am Laim wird eine Straße und ein Platz nach dem „Brauereigründer“ Joseph Schülein benannt.

Seit dem 15. Juli 1920

Tegernsee * Ludwig Thoma schreibt für den „Miesbacher Anzeiger“ antisemitische und gegen die demokratische „Weimarer Republik“ gerichtete Artikel.

Es werden bis zu Thomas Tod 167 derartiger Artikel werden. 

5. September 1920

Au * Adolf Hitler hält im „Münchner-Kindl-Keller“ eine Rede vor 3.000 Zuhörern, in der er die Juden verurteilt, da sie hinter dem Elend Deutschlands stecken.

Wenn man erst mal die Macht habe, so sagt Hitler weiter, dann „werde man den Fetzen von einem Friedensvertrag zerreißen”.

Der NSDAP-Parteivorsitzende führt aus, dass Deutschland zwar geknebelt und wehrlos ist, sich aber nicht vor einem Krieg gegen Frankreich scheuen darf.

Seine Rede beendet er mit dem Schiller-Wort: „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, nicht trennen uns in Not und Gefahr“.

14. September 1920

Theresienwiese * Der „Rechtsrat“ Max Heiglmayer stellt im Stadtrat den Antrag, „dass die auf der Wiesn zugelassenen Schnapsschenken wegen der zahlreichen Fälle sinnloser Betrunkenheit, wodurch die Anwohner der Wiesn belästigt wurden, geschlossen werden“.

Oktober 1920

Theresienwiese * Als Ersatz für das „Oktoberfest“ wird ein „Herbstfest“ durchgeführt.

1. Oktober 1920

München * Das „Rettungswesen“, das von der „Münchner Freiwilligen Rettungsgesellschaft“ und der „Freiwilligen Sanitätskolonne“ des „Roten Kreuzes“ betrieben wurde, geht jetzt auf die „Berufsfeuerwehr“ über.

31. Oktober 1920

Au * Kardinal Michael von Faulhaber nimmt die Einsegnung der neuen „St.-Wolfgangs-Pfarrkirche“ an der Balanstraße in der Hochau vor. 

4. November 1920

München - Vatican * Führende Politiker der „Bayerischen Volkspartei“ richten ein Schreiben an die „Regierung des Freistaats Bayern“, in dem sie sich für die Ernennung des „Erzbischofs von München und Freising“ zum „Kardinal“ aussprechen. 

„Ministerpräsident“ Gustav von Kahr übermittelt das Schreiben nach Rom. 

7. November 1920

Isarvorstadt * Im Lichthof des „Gewerkschaftshauses“ an der Pestalozzistraße wird eine „Gedenktafel für Kurt Eisner“ enthüllt.

Dezember 1920

Berlin * Die Einstellungsvorschriften für Frauen im „Fernsprechdienst“ bezogen auf die Körpergröße wird geändert:

Seither können Bewerberinnen noch als geeignet angesehen werden,

  • „wenn ihre Sitzhöhe, d.i. die Entfernung vom Scheitel der sitzenden Person bis zur Stuhlfläche, 81 Zentimeter und ihre Armspannweite, das ist das Maß zwischen den Spitzen der Mittelfinger bei ausgestreckten Armen, 152 Zentimeter betragen.
  • Ein Weniger an Sitzhöhe kann durch ein Mehr an Armspannweite oder umgekehrt ausgeglichen werden, beide zusammen müssen aber mindestens 233 Zentimeter ausmachen“
4. Dezember 1920

Haidhausen * Die „Eberl-Faber-Aktiengesellschaft“ am Gasteig, die zuletzt im Besitz der „Paulaner-Salvator-Brauerei Aktiengesellschaft“ war, geht in das Eigentum der Landeshauptstadt München über.

Sie wird unter dem Namen „Stadtkeller“ weitergeführt.


Verwendet in Führung:

02. Haidhausen - dort wo's bogenhauserisch ist
09. München von hinten
15. Lehel
36. Täterorte - Opferorte * Nationalsozialismus



Aufklärungskommando, Reichswehr, Thierschstraße
Hitler Adolf, Reichert Frau Vermieterin