1910

Bei Elisabeth Wellano [Liesl Karlstadt] wird das „Theaterfeuer“ gelegt

Hackenviertel * Ihr Bruder lädt Elisabeth Wellano im Alter von 17 Jahren in den „Bamberger Hof“ ein, wo die „Münchner Alpensängergesellschaft Schnackl Franz“ auftritt.

Dadurch wird bei ihr das „Theaterfeuer“ gelegt.


1910

Suchbegriffe

Volkssänger, Bamberger Hof, Alpensängergesellschaft Schnackl Franz, Erweckungserlebnis, Theaterfeuer,

Personen

Wellano Elisabeth Karlstadt Liesl

Weitere Ereignisse im Jahr 1910

1910

München * Ein Münchner Richter spricht sechs „Schankkellner“ mit dem Hinweis frei, dass dem hiesigen Publikum das schlechte Einschenken ohnehin bekannt sei, und „Auswärtige werden es wohl bald erfahren“.

Auf Einspruch des Staatsanwalts gibt es später aber doch noch eine Strafe. 
Sonst hätte nämlich der Verteidiger recht behalten, der argumentiert hatte, Bier sei nichts anderes als eine Mischung von Flüssigkeit und Schaum. 

„Wenn also diese Mischung einschließlich des Schaumes den Eichstrich erreicht, so bleibt an der einwandfreien Füllung des Trinkgefässes kein Zweifel“.

1910

München * Die „katholischen Lehrerinnenvereine“ vertreten die Auffassung, dass die Ehe die Entfaltung der Kräfte in Erziehung und Unterricht verhindert.

Mit dieser „Zölibat-Diskussion“ blamieren sich die deutschen Lehrervereinigungen europaweit, denn fast überall lehren dort verheiratete Frauen an den Schulen. 

1910

München * Der Pro-Kopf-Bier-Verbrauch liegt in München bei 309 Liter.

1910

München * In München gründen ein paar Professoren eine „Alpenvereinssektion“ für „akademisch gebildete Herren germanischer Abstammung“.

1910

Berlin * Die „Lustbarkeitssteuer“ wird in Deutschland eingeführt.

Um 1910

München - Berlin * Dienst und Ehe schließen sich für die Vermittlungskräfte aus.

In einem Weisungsbuch heißt es:  
„Das weibliche Postpersonal bedarf zur Eingehung einer Ehe der Erlaubnis der zuständigen Dienstbehörde.   

Da sich aber aus der Verwendung von verheirateten Beamtinnen [...] Schwierigkeiten verschiedener Art ergeben können, kann dem unterstellten weiblichen Personal [...] die Erlaubnis zur Eingehung einer Ehe nicht erteilt werden“

1910

München * Der aus Salzburg stammende Gustl Annast betreibt bis 1913 das Münchner Kabarett „Serenissimus“

1910

Maxvorstadt * Aus Carl Gabriels „The American Bio-Cie./Carl Gabriel's Thater lebender Bilder“ in der Dachauer Straße 16 wird „Gabriels Tonbildtheater“.

1910

München * Auf Anregung von Carl Gabriel wird der „Verein bayerischer Kinematographeninteressenten“ als Interessensverband der Kinobesitzer gegründet.

Der Grund der Vereinsgründung ist der Versuch der Münchner „Lokalschulkommission“, ein „Kinderverbot im Kinematographentheater“ durchzusetzen.

Damit wäre ein treuer Kundenstamm des Kinos ausgeschlossen worden.

1910

Haidhausen * Das „Postgebäude München-Ostbahnhof mit automatischer Telegraphenzentrale“ wird gebaut.

1910

Englischer Garten - Hirschau * Aufgrund der zur Serienreife entwickelten neuen „Maffei'schen“ Lokomotive mit Heißdampfmaschine verfolgt das „Bayerische Verkehrsministerium“ die Elektrifizierung der Bahn mit wesentlich geringerem Nachdruck.

1910

Haidhausen * Die Dienstvilla für den Direktor des „Muffatwerkes“ an der Zellstraße 8 wird bezogen.

1910

München * Neben dem „Karl-Müller-Volksbad“ betreibt die Stadtgemeinde München zehn auf verschiedene Stadtbezirke verteilte „Brausen- und Wannenbadeanstalten“, die ganzjährig gegen ein geringes Entgeld benutzt werden können.

Anno 1910 stürzten sich 497.924 Personen in ein Wannenbad. Die billigeren Brausebäder benutzten 621.212 Münchner. München hat zu dieser Zeit 596.497 Einwohner.

Statistisch gesehen badet oder duscht jeder Münchner keine zwei Mal im Jahr.

1910

Bogenhausen * Die Schülerzahl in Bogenhausen steigt in kürzester Zeit derart an, dass Schichtunterricht abgehalten werden muss.

1910

Maxvorstadt * Auf den bei Baubeginn noch dem „Unionsbrauerei-Gründer“ Joseph Schülein gehörenden Grundstück Richard-Wagner-Straße 19 lässt dessen Schwiegersohn Dr. med. Alfred Haas eine äußerlich einem herrschaftlichen Wohnhaus ähnelnde „Privatklinik“ errichten.

Dr. Alfred Haas ist mit Elsa Schülein verheiratet.

1910

Haidhausen * Die Kicker des anno 1909 gegründete Fußballverein „FC Union“ aus den Herbergsvierteln schließen sich dem „Arbeiter-Turn-Verein München-Ost“ an. 

Damit erhält der Verein seine eigene Fußballabteilung.

Der „FC Union“ gibt sich seinen Namen nach der nahen „Unionsbrauerei” und trägt seine Spiele auf dem Sportplatz an der Trogerstraße aus. 

1910

München * Nach Ablegen seiner „archivarischen Staatsprüfung“ erwirbt der „preußische Staatsangehörige“ Dr. phil. Fritz Gerlich, „aufgrund seiner Niederlassung in der Stadt München [...], die Staatsangehörigkeit im Königreich Bayern“.

Vor 1910

Hackenviertel * Der „Hundemarkt“ befindet sich im Hof des „Gasthofs zum Mohrenköpfl“ am „Altheimer Eck“

Ab 1910

Hackenviertel * Der „Hundemarkt“ ist bis zum Jahr 1922 im „Gasthof Oberottl“ an der Sendlinger Straße untergebracht. 

1910

München * Kurt Eisner erwirbt die „Bayerische Staatsbürgerschaft“ und geht mit seiner neuen Lebenspartnerin Else Belli nach München.

1910

Au * Das Anwesen in der Zeppelinstraße 41 geht in das Eigentum von Ludwig Weinberger senior über. 

Er lässt das Rückgebäude der ehemaligen „Spedition Falk & Fey“ abreißen und baut dort neue Werkstätten ein. 

1910

Bogenhausen * Das „Bad Brunnthal“ wird abgebrochen.

1910

München * Infolge der hohen Fleischpreise steigen ärmere Münchner Arbeiterfamilien auf billige Fleischarten wie Pferdefleisch, aber auch Hunde- und Katzenfleisch um.

10. Februar 1910

Samoa - Deutschland * Die dritte „Völkerschau aus Samoa“ nimmt ihren Anfang am 10. Februar 1910 und endet am 22. November 1911. 

Um April 1910

Bogenhausen * Die Arbeiten zum „Fleischer-Schlössl“ in Bogenhausen müssen wegen finanzieller Schwierigkeiten des Bauherrn eingestellt werden.

1. Mai 1910

Theresienwiese * Auf der Theresienwiese findet die erste polizeilich genehmigte „Maikundgebung“ statt.

6. Mai 1910

London * George V. wird britischer König. 

19. Juni 1910

Isarvorstadt * Das 3,40 Meter hohe Standbild für den „Märchenkönig“ Ludwig II. wird auf der „Corneliusbrücke“ eingeweiht. 

Es zeigt den jungen Monarchen im Krönungsornat vor seinem Thron.

September 1910

Theresienwiese * Der Magistrat verlängert den Pachtvertrag mit dem „Winzerer Fähndl“ für die „Schießanlage“ und die dazugehörige „Festbude“ nicht mehr, sondern schließt einem Vertrag mit der „Thomas-Brauerei“.

Dabei muss die „Armbrustschützengilde Winzerer Fähndl“ mit überraschung feststellen, dass ihr Name für das „Festzelt“ inzwischen von der Brauerei „patentrechtlich“ geschützt worden ist.

Am Ende der Entwicklung steht ein eigenes „Winzerer-Fähndl-Festzelt“ und eine „Winzerer-Fähndl-Schießanlage“ mit einer kleinen „Wirtsbude“.

Da diese „Schießanlage“ wiederholt ihren Platz wechselt, stehen heute das „Winzerer-Fähndl-Festzelt“ und das „Armbrustschützenzelt“ (mit der Schießanlage der „Armbrustschützengilde Winzerer Fähndl“) an ganz verschiedenen Stellen der „Wirtsbudenstraße“.

September 1910

Theresienwiese * In einer Karikatur im „Simplicissimus“ ernennt Thomas Theodor Heine den „Festwirt“ Michael Schottenhamel zum „Rector Magnificus“, weil während der „Wiesntage“ sowieso alle Studenten bei ihm „hören“.

17. September 1910

Theresienwiese * Das „100. Jubiläums-Oktoberfest“ wird eröffnet.  

Gleichzeitig findet das „Zentral-Landwirtschaftsfest“ statt.  

Organisiert wird die Festlichkeit ausschließlich „vom Magistrat der königlichen Haupt- und Residenzstadt“.  

Zehn „Bierhallen“ bilden das Wahrzeichen des „Oktoberfestes“.  

Auf dem Oktoberfest gibt es die Nummer „La Course á la Mort“ zu bewundern.  
Todesmutige Fahrradfahrer radeln in einer Stahlkonstruktion direkt über den Mäulern von hungrigen und gefährlichen Löwen.  

Carl Gabriels „Teufelsrad“ dreht sich erstmals auf der „Wiesn“.  

Mit „Samoa in München“ zeigt Carl Gabriel eine „Völkerschau“ auf dem „Oktoberfest“.  

Die Feierlichkeiten auf der „Jubiläums-Wiesn“ dauern bis zum 2. Oktober. 

Ab 17. September 1910

München-Theresienwiese * Die dritte „Völkerschau aus Samoa“ ist die „Hauptattraktion“ auf dem „Jubiläums-Oktoberfest“.

Unter der Führung des „Schaustellers“ Carl Gabriel besucht Prinzregent Luitpold die Ausstellung.
Prinz Ludwig überreichte dem „Samoanerhäuptling Tamsese einen wertvollen Ring zum Geschenk, wofür der Fürst dem Prinzen schriftlich in samoanischer Sprache seinen Dank zum Ausdruck brachte“

21. Oktober 1910

Lehel * Karl Valentins zweite Tochter Berta wird unehelich geboren.

4. November 1910

Speyer * Michael Faulhaber wird „Bischof von Speyer“.

Die Pfalz gehört zum Königreich Bayern.

24. November 1910

Au * Carl Gabriel eröffnet im ehemaligen „Varieté-Theater“ im „Kaiserhof“ an der Lilienstraße 2 das „Gabriels Tonbildtheater“ mit 220 Plätzen.

Das Kino sind die heutigen „Museum-Lichtspiele“


Verwendet in Führung:

12. Auf den Spuren eines Genies - Karl Valentin



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