1796

„Über Speise und vorzüglich über Beköstigung der Armen“

München * Graf von Rumfords Essay „Über Speise und vorzüglich über Beköstigung der Armen“ erscheint. 

Darin gibt er viele vernünftige und praktische Ratschläge zur Zubereitung von Speisen.


1796

Suchbegriffe

Armenspeise, Suppenschulen,

Personen

Rumford Sir Benjamin Thompson Graf von

Weitere Ereignisse im Jahr 1796

1796

Untergiesing * Franz Anton von Pilgram verkauft seinen „Edelsitz Pilgramsheim“ an den „Reichsfreiherrn“ Ferdinand Leopold von Adrian-Werburg.

1796

Graggenau * Giovanni Pietro Sarti stirbt unverheiratet. 

Seine Haushälterin „Madame“ Aloysia Lampert übernimmt sein „Kaffeehaus“ an der „Hofgartenmauer vor der Reitschule“

1796

Au - München * Nach einer Stadtbeschreibung hat es an den Abenden den Anschein, „die ganze Au sei in der Stadt gewesen“.

1796

Au * In den Auseinandersetzungen des „Ersten Koalitionskrieges“ wird das „Kloster am Lilienberg“ von den „Kaiserlichen“ besetzt und deshalb von den Franzosen beschossen.

1796

Englischer Garten - Lehel * Das „Rumford-Denkmal“ im „Englischen Garten“ wird noch zu Lebzeiten Benjamin Thompson durch Franz Schwanthaler d.Ä. aus Kalktuff, Sandstein und Marmor geschaffen und befindet sich im Südteil des Parks.

Um Januar 1796

Paris * Die französische Republik stellt drei Armeen auf. 

Diese dringen unter Napoleon Bonaparte über Norditalien, unter Baptiste Jourdan durch Franken und unter Jean-Victor Moreau durch Süddeutschland bis nach Österreich vor, um dort den Frieden zu erzwingen.

9. Januar 1796

München * Da sich die Vorwürfe gegen die vier als „Haupträdelsführer“ verhafteten Handwerker nicht erhärten lassen, werden sie ohne Gerichtsurteil wieder freigelassen.

12. Januar 1796

München - Au * In einem Mandat macht Kurfürst Carl Theodor deutlich, dass er Ereignisse wie im vergangenen Herbst (23. September 1795) nicht mehr tolerieren wird. 

Es wird eine „Polizeioberdirektion“ für München und die Au eingerichtet. 

Neben der Verhaftung von Verbrechern hat die „Polizeioberdirektion“ die Aufgabe „alle tumultuarischen Aufläufe, Rumoren, und dergleichen sogleich mit aller Thätigkeit abzustellen, [...] vorzüglich aber auch den für die allgemeine Ruhe und Sicherheit verdächtigen, geheimen, oder öffentlichen Zusammenkünften mit aller Wachsamkeit nachzuspüren, und selbe gleich bey ihrem ersten Entstehen mit allem Ernste, jedoch auch mit der hiebey benöthigten Klugheit und Vorsichtigkeit zu zernichten“

Zu diesem Zweck soll die „Polizeioberdirektion“ regelmäßige Kontrollstreifen und Hausdurchsuchungen in München und der Au durchführen.
32 Mann „Polizeiwache“ stehen ihr dafür zur Verfügung.

30. März 1796

Rohrbach * Auguste Wilhelmine Maria von Hessen-Darmstadt stirbt in Rohrbach bei Heidelberg. 

6. April 1796

Haidhausen * Im „Armenversorgungshaus auf dem Gasteig“ werden die ersten „Pfründner“ untergebracht.

21. Mai 1796

Wien - Paris - München * Kaiser Franz II. kündigt den „Waffenstillstand“ mit Frankreich wieder auf.

Daraufhin ergreift Kurfürst Carl Theodor Partei gegen Frankreich, um Österreich keinen Vorwand zu einer Intervention zu bieten.

24. Juni 1796

Frankreich - Deutschland * Als Jean-Victor Moreau mit seiner 78.000 Mann starken französischen „Revolutionsarmee“ den Rhein überschreitet, bricht in München eine Panik aus, da man nun eine baldige Besetzung der baierischen Hauptstadt befürchtet.

27. Juli 1796

München * Die „Obere Landesregierung“ erlässt für die Beamten Verhaltensinstruktionen im Falle eines Einmarsches fremder Truppen.

Österreicher und Franzosen [Freund und Feind] werden darin gleichgestellt.

28. Juli 1796

München * Die bis dahin in München und dem restlichen Baiern geduldeten französischen Emigranten müssen das Land verlassen.

1. August 1796

München * Die Bewohner der Residenzstadt München werden erstmals mit den Kriegsereignissen konfrontiert.
Truppendurchmärsche sind jetzt an der Tagesordnung. 

Der Hass auf die verbündeten Österreicher übersteigt bei vielen Münchnern die Angst vor den herannahenden „Revolutionssoldaten“.

Die größte Abneigung hegt die Bevölkerung gegen die „Condéischen Soldaten“, die „in elenden Aufzügen“ durch München ziehen.
Es handelt sich dabei um Hilfstruppen französischer Emigranten, zumeist aus dem Adelsstand, die unter dem Kommando des Prinzen Louis-Joseph de Condé stehen und sich nach den Niederlagen der letzten Tage in Auflösung befinden.

Sie zeichnen sich durch außerordentliche Disziplinlosigkeit und besonders rücksichtsloses Betragen gegenüber der Zivilbevölkerung aus, das bis hin zu Misshandlungen und Plünderungen reicht.

9. August 1796

Dresden * Die Kurfürstin-Witwe Maria Anna flüchtet in ihre Heimatstadt Dresden.

12. August 1796

München * Kurfürst Carl Theodor erklärt Pfalz-Baiern zu „neutralem Gebiet“.

13. August 1796

München * Graf Rumford trifft wieder in München ein. 

Inzwischen hat Kurfürst Carl Theodor eine „Kriegsdeputation“ unter dem „Vizekanzler“ Franz von Pettenkofer und ein „Landesdirektorium“ unter der Leitung des Freiherrn von Hertling eingerichtet. 

Damit können für die Kriegsdauer bei Abwesenheit des Herrschers die Staatsgeschäfte wahrgenommen werden.

18. August 1796

München * Die französischen „Revolutionstruppen“ unter Jean-Victor Moreau nehmen München ein und besetzten das linke Isarufer.  

Der französische Befehlshaber Moreau gibt der Münchner Stadtbevölkerung die Zusage, dass die Stadt verschont bleibt.
Zum Ausgleich plündern sie allerdings die umliegenden Dörfer.  

Als Verteidiger belagern die „Kaiserlichen“ und die „Condéer“ das rechtsseitige Isarhochufer.  
Die Kämpfe dauern bis zum 8. September.  

Durch einen - von den Österreichern verursachten - Brand wird die Häuserzeile in der Kirchenstraße, vom „Hofmarkschloss“ bis zum „Mesmerhaus“, in Schutt und Asche gelegt.  

Den geschundenen Vorstädtern ist es freilich vollkommen egal, ob sie ein Condéer terrorisiert, ein Österreicher drangsaliert oder ein Franzose ausplündert. 

22. August 1796

München - Schloss Pillnitz * Kurfürst Carl Theodor flieht - mit kleinem Gefolge und inkognito unter dem Namen eines Grafen von Haag - über Altötting, Linz und Prag nach Schloss Pillnitz, das von der sächsischen Verwandtschaft zur Verfügung gestellt wird.

26. August 1796

Lehel - Isarvorstadt * Die kaiserlichen Truppen sperren die Isarbrücke. 

Gleichzeitig reitet eine sechsköpfige Delegation unter der Führung von Bürgermeister Philipp von Hepp der herannahenden französischen „Revolutionsarmee“ entgegen und bittet um Gnade für München.

29. August 1796

München * Die Delegation erhält vom französischen Oberbefehlshaber Jean-Victor Moreau die Zusage, dass München verschont wird und keine Gefahr für das Leben und das Eigentum der Bevölkerung besteht.

September 1796

Mannheim - Ansbach * Herzog Max Joseph von Pfalz-Zweibrücken muss aus Mannheim fliehen und begibt sich - auf Einladung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. - in das seit dem Jahr 1791 preußische Ansbach.

Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas übernimmt die Leitung der Geschäfte und macht sich bald zum unentbehrlichen Ratgeber und Vertrauten des Herzogs. 

1. September 1796

Haidhausen - Lehel * Die französischen „Revolutionstruppen“ versuchen den ganzen Tag über vergeblich, die Isarbrücke zu erstürmen.

2. September 1796

München * Die sechsköpfige Delegation unter der Führung von Bürgermeister Philipp von Hepp kann nach den Verhandlungen mit der französischen „Revolutionsarmee“ wieder nach München heimkehren.

7. September 1796

München - Pfaffenhofen * Die französische „Revolutionsarmee“ eröffnet einen neuen Sturm auf die Isarbrücke. 

Zur gleichen Zeit handeln die „Baierischen Landstände“ mit den Franzosen in Pfaffenhofen einen „Waffenstillstand“ aus.

8. September 1796

München * Die Kämpfe um die Isarbrücke zwischen den französischen „Revolutionstruppen“ und den „Kaiserlichen“ gehen weiter. 

Die österreichische Armee schießt vom Isarhochufer auf München.
Dabei erhält die „Peterskirche“ zwei Treffer. 

Auch einige Holzstöße im Lehel, hinter denen sich die Franzosen verschanzen, werden durch den Schusswechsel in Brand gesetzt.

Das Feuer breitet sich auf benachbarte Gebäude und den durch Kanonenbeschuss bereits beschädigten „Roten Turm“ aus.
Das Feuer zerstört ihn endgültig.

11. September 1796

München * Noch vor dem Abzug der französischen „Revolutionsarmee“ und der „Kaiserlichen“ lässt sich Reichsgraf von Rumford vom „Landesdirektorium“ für die notwendigen Gegenmaßnahmen für rasche Truppendurchzüge ermächtigen. 

Gleichzeitig wird eine Kommission zur finanziellen Entschädigung der enteigneten Grundstücksbesitzer gebildet.

12. September 1796

München * Die französische „Revolutionsarmee“ zieht sich aus der Umgebung Münchens zurück. 

Nur wenige Stunden später folgen ihnen auch die Österreicher und die „Condéer“.
Durch den raschen Rückzug wird die Stadt von einer drohenden Hungersnot erlöst.

15. September 1796

Isarvorstadt * Graf Rumford lässt durch Militärkolonnen mit Arbeiten an einer „Ringstraße“, die heutige „Rumfordstraße“, beginnen. 

Er will das Gelände im unmittelbaren Vorfeld der Wälle räumen und zur leichteren Umfahrung der Stadt eine breite, verkehrstüchtige Straße anlegen lassen. 

Noch bevor die Besitzer protestieren und ihre bewegliche Habe in Sicherheit bringen können, werden die auf der geplanten Trasse liegenden Gartengrundstücke enteignet.
Nicht einmal die Ernte ihrer Anpflanzungen dürfen sie noch einholen. 

So entsteht vor den Stadttoren die erste Umfahrung Münchens.

Weil die „Ringstraße“ als militärisch Straßenanlage begründet worden war, wehrt sich der Magistrat erfolgreich gegen jede finanzielle Beteiligung.
Auch, als man die Straßenanlage als wesentlichen Beitrag zur Verschönerung Münchens ansah.

20. September 1796

Angerviertel * Im „Stadthaus am Anger“ wird ein „Getreidemagazin“ eingerichtet, das die Anlage von Lebensmittelreserven erleichtert.

29. September 1796

München * Auf Anordnung des „Landesdirektoriums“ übernimmt Graf Rumford das militärische Oberkommando in München.

30. September 1796

Ansbach * Freiherr Maximilian Joseph von Montgelas legt Herzog Max Joseph von Pfalz-Zweibrücken das „grundlegende Reformprogramm für die künftige Regierung des Kurfürstentums Baiern“ vor.
Es trägt entscheidend zur Vertiefung des Vertrauensverhältnisses zwischen dem Herzog und dem Freiherrn bei.

Das „Ansbacher Mémoire“ ist ein Konzept zur Anpassung der baierischen Verfassungs- und Verwaltungsverhältnisse an die Gegebenheiten der neuen Zeit.
Auf sieben eigenhändig geschriebenen Doppelblättern beschreibt Montgelas die herrschenden Verhältnisse in Baiern und schlägt gleichzeitig Maßnahmen vor, die - nach seiner Meinung - für eine effektive und nach den Gesichtspunkten der „Aufklärung“ gebildete Staatsverwaltung notwendig sind.

Im Kern der Reformen fordert der Freiherr  

  • eine klar gegliederte Ministerialorganisation mit abgegrenzten Zuständigkeiten,
  • eine neue Verwaltungsgliederung mit einheitlichen Instanzenwegen in Gesamtbaiern;
  • eine gut ausgebildete, unbestechliche, ausreichend bezahlte und sozial abgesicherte Beamtenschaft;
  • die steuerliche Gleichbehandlung aller Menschen;
  • die Unabhängigkeit der Richter,
  • die Trennung von Justiz und Verwaltung,
  • die Überantwortung aller judikativen Bereiche in staatliche Oberaufsicht,
  • die Reform des Straf- und Zivilrechts;
  • die Möglichkeit für die Bauern, adeliges Obereigentum an Grund und Boden abzulösen;
  • die Beschränkung der Kirche auf den religiösen Bereich,
  • die Aufhebung der Bettelorden und die bessere Nutzbarmachung der Klöster;
  • die religiöse Toleranz;
  • die Aufhebung der Zensur;
  • die Verbesserung der Universitäten und Schulen. 
  • In einer übergeordneten Instanz soll die Zusammenarbeit der Ministerien gefördert werden und eine Koordination der Einzelmaßnahmen erfolgen. 

Am Ende steht ein geschlossenes Staatsgebiet, in dessen Ministerien sich alle staatliche Macht vereint.

Darüber hinaus will Montgelas ein baierisches, patriotisches Empfinden wecken, um die örtlichen Gebundenheiten des Einzelnen abzulösen und statt dessen eine Identifikation mit dem Kurfürstentum, später Königreich, herbeiführen.

Die Forderung nach einer „Volksvertretung“ - nicht nur einer „Ständeversammlung“ - wiederholt Montgelas im „Ansbacher Mémoire“ nicht mehr.
Wohl aber die Gleichheit aller vor dem Gesetz und die Abschaffung der Steuerprivilegien des Adels.
Seine Adelspolitik nimmt später weitaus konservativere Züge an, vor allem nachdem er im Jahr 1803 selbst Grundbesitz erworben hat.

Oktober 1796

Ansbach * Freiherr Maximilan Joseph von Montgelas schreibt:   

„Der sicherste Beweis dafür, dass Baiern das irdische Paradies Deutschlands ist, liegt in der Tatsache, dass diese Provinz [...] bisher imstande gewesen ist, eine Regierung zu ertragen, die allgemein als die schlechteste aller schlechten Regierungen Europas anerkannt ist“

5. Oktober 1796

München * Kurfürst Carl Theodor kehrt von seiner Flucht nach Pillnitz wieder in seine baierische Haupt- und Residenzstadt zurück und wird von einer großen Menschenmenge - aber ohne jeden Beifall und Jubel - begrüßt.

6. Oktober 1796

München * Kurfürst Carl Theodor entlässt das „Landesdirektorium“, das in seiner Abwesenheit die Regierungsgeschäfte führte, wieder aus seiner Verantwortung.

17. Oktober 1796

München * Graf Rumford legt das Oberkommando über die Stadt nieder.

Er wird „Polizeiminister“.


Verwendet in Führung:

03. Der Gasteig - Ein Stück Alt-München
05. Die südliche Au
06. Die nördliche Au



Armenspeise, Suppenschulen
Rumford Sir Benjamin Thompson Graf von