Um 1922

Das Ende der Untergiesinger Lederfabrik zeichnet sich ab

München-Untergiesing * In den 1920er Jahren zeichnet sich das Ende der Lederfabrik ab, nachdem zuvor die „Aufrüstung“ und der Erste Weltkrieg noch für volle Auftragsbücher gesorgt hat.


1922

Suchbegriffe

Falkenau, Lederfabrik, Aufrüstung, Erster Weltkrieg,

Weitere Ereignisse im Jahr 1922

1922

Wien * Der „Arier-Paragraph“ gilt im Gesamtbereich des „österreichischen Touristenklubs - öTK“.

1922

Dresden * Die „Akademische Sektion Dresden des DuOeAV“ führt den „Arier-Paragraphen“ ein.

1922

München * Liesl Karlstadt bringt die Idee zum „Firmling“ aus einem Zigarrenladen mit, in dem ein Mann aus Begeisterung über den Firmanzug seines Sohnes immer wieder auf die Theke schlägt und laut ausruft: „Der Bua probiert den Anzug - und stellen S‘Eahna vor - passt hat er!“

1922

München-Au * Die „Brauerei zum Franziskaner-Leistbräu“ fusioniert mit der „Spatenbrauerei“, die im Besitz der anderen Sedlmayer-Familienlinie ist. 

Die Brauerei wird als „Gabriel und Josef Sedlmayer Spaten-Franziskaner-Leistbräu AG“ weitergeführt.

1922

München * Der „Lustige Führer durch München“ bezeichnet die „Herbergen“ als „Ein- und Zweifamilienhäuser mit mehr lebendem als totem Inventar.

Der Haustürschlüssel wird in der Dachrinne aufbewahrt.
Viel Kleintier- und Kleinkinderzucht“
.

1922

München * Karl Valentins Stummfilm „Verfilmte Anekdoten“ entsteht.

Er ist verschollen.

1922

München-Au * Die „Cenovis-Werke“ betreiben die größte „Hefeverwertungsanlage“ Deutschlands.

Sie übernehmen auch den „Saalbau“ der ehemaligen „Münchner-Kindl-Brauerei“ in der Rosenheimer Straße.

1922

München-Maxvorstadt„Rechtsanwalt“ Gustav Probst ist Eigentümer des Anwesens Richard-Wagner-Straße 9.

1922

München-Maxvorstadt * Bis 1925 bewohnt der „päpstliche Nuntius“ Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., während des Umbaus der „Nuntiatur“ in der Brienner Straße die Räume des „Seyssel-Palais“ in der Kaulbachstraße 13.

Um 1922

München * Der Valentin-Stummfilm „Die harten Köpfe“ entsteht. 

Er ist verschollen.

Im Jahr 1922

München-Au * Der „Konsumverein München von 1864“ erwirbt noch das Grundstück Auerfeldstraße 26.
Dort entsteht eine Bäckerei mit Feinbäckerei und Nudelfabrikation.

Mit der Verlegung sämtlicher zentraler Einrichtungen in die Auerfeldstraße gelang dem „Konsumverein von 1864“ nach der Jahrhundertwende zwar der Durchbruch, mit den Sendlingern kann er aber nicht mithalten.

Die Genossenschaften gehen bald zur Eigenproduktion über.
Im Fabrikgebäude in der Auerfeldstraße befinden sich eine eigene Bäckerei, eine Kaffeebrennerei und eine Dampfspalterei für Brennholz sowie das Hauptlager für die zahlreichen Filialen.
In München stellte die Genossenschaft Brot her.
Die meisten anderen Waren beziehen sie aus den Zweigwerken der Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvereine.

Die Bäcker bekommen die Konkurrenz der Brotindustrie massiv zu spüren.
Um ein ganzes Viertel unterbieten der Auer und der Sendlinger Konsumverein die Preise der Münchner Bäcker.
Ihr Brot und ihre Semmeln vertreiben die Verbrauchsgenossenschaften in Filialen in der ganzen Stadt.

Doch die Konsumvereine produzierten nicht nur billiger, sondern auch noch sauberer als die kleinen Bäcker.
Sie bieten ihren Beschäftigten außerdem höheren Lohn und bessere Arbeitsbedingungen.

Dadurch entwickelten sich die Konsumvereine schnell zur Zielscheibe von Kleinhandel und Handwerk.
Die Mittelständler fordern vom Gesetzgeber Maßnahmen, um die neuen Formen des Großhandels [hierzu gehören auch die Waren- bzw. die Kaufhäuser] an ihrem Siegeszug zu hindern. 

1922

München-Giesing * Der München-Führer „Rund um die Frauentürme“ beschreibt den „sprichwörtlichen Giesinger“ so:

„Hochgelegen, gesunde Luft, gesunde oder auch runde Bevölkerung.
Im allgemeinen wie jeder Münchner gutmütig, ist der Giesinger in gereiztem Zustand in einer ziemlich gefährlichen Körper- und Geistestesverfassung.
Die Giesinger sind in der Regel nicht in politisch konservativen Parteien zu suchen, sondern von Natur aus revolutionär“
.

In Giesing wohnen viele Arbeiter mit entsprechend ausgeprägtem Klassenbewusstein.
Weit über sechzig Prozent wählen „rote Parteien“.

Demzufolge sind die Nazis lange Jahre hier völlig chancenlos.

1922

Berlin - Wien - Giesing * Adolf Hitler sagt: „Den widerwärtigen italienischen Typ - den haben wir auch. Wenn ich denke, Wien-Ottakring, München-Giesing, Berlin-Pankow!

Vergleiche ich den unangenehmen südlichen Typ mit dem unangenehmen Typen bei uns, so ist schwer zu sagen, welcher unsympathischer ist“.

Ab dem Jahr 1922

München * In München telefoniert man nur noch mit Selbstwahl.

1922

München-Ludwigsvorstadt * Peter Kreuder, der Schlager- und Filmkomponist, der auch das Lied „Ich wollt‘, ich wär‘ ein Huhn“ komponiert hat, wird zum „musikalischen Leiter“ des „Deutschen Theaters“

1922

München-Neuhausen * Umfirmierung der ehemaligen „Firma Falk & Fey“ in eine Aktiengesellschaft unter dem Namen „Transhand Transport- und Handels AG, vormals Falk & Fey“.

Ab dem Jahr 1922

München * Lion Feuchtwanger arbeitet an dem Roman „Die häßliche Herzogin“

1. Februar 1922

München-Ludwigsvorstadt * Das Komikerpaar Valentin-Karlstadt tritt bis 15. August im „Germania-Brettl“ in der Schwanthalerstraße auf.

10. Februar 1922

München-Haidhausen * Franz von Stucks Tochter Mary wird in seinem Testament als Alleinerbin eingesetzt. 

Seine Frau Mary soll eine Leibrente von jährlich 100.000 Mark erhalten. 

1. Mai 1922

München-Obergiesing * Das Denkmal für die „Toten der Revolution - 1919“ im „Ostfriedhof“ wird feierlich enthüllt.  

Auf der Vorderseite trägt es die Inschrift: „Den Toten der Revolution - 1919“,  
auf der Rückseite ist ein Vers Ernst Tollers eingemeißelt.  

Eine Bronzeplakette am Sockel erinnerte an Kurt Eisner, dessen Urne man in dem würfelförmigen Denkmal beigesetzt hat. 

1. Juli 1922

München-Ludwigsvorstadt * Premiere des Valentin-Karlstadt-Bühnenstücks „Das Christbaumbrettl“ im „Germania-Brettl“ in der Schwanthalerstraße 28.

Das Stück wird 193 Mal aufgeführt.

14. August 1922

München * Mit dem neuen „Volksschullehrergesetz“ werden die bayerischen „Volksschullehrer“ Beamte des Staates. 

27. August 1922

München - München-Maxvorstadt * Der „Deutsche Katholikentag“ in München wird eröffnet.

Für die anreisenden Zehntausenden von Gläubigen wird ein großer „Festgottesdienst“ auf dem „Königsplatz“ abgehalten, bei dem sich die „katholische Kirche“ mit eindrucksvollem Gepränge darstellt. 

Die Straßen der Stadt sind mit Fahnen geschmückt, nur das „Schwarz-Rot-Gold“ der „Weimarer Republik“ ist demonstrativ vergessen worden.

Kardinal Michael von Faulhaber enthält sich bei dieser zur „politischen Kundgebung“ umgestalteten Veranstaltung weder politischer noch „demokratiefeindlicher Äußerungen“ und ruft in seiner Ansprache zum Kampf der Kirche gegen den Staat auf:

„Wehe dem Staat,

  • der seine Rechtsordnung und Gesetzgebung nicht auf den Boden der Gebote Gottes stellt,
  • der eine Verfassung schafft ohne den Namen Gottes,
  • der die Rechte der Eltern in seinem Schulgesetz nicht kennt,
  • der die Theaterseuche und die Kinoseuche nicht fernhält von seinem Volk,
  • der Gesetze gibt, die die Ehescheidung erleichtern,
  • die die uneheliche Mutterschaft in Schutz nehmen“.

Diesem Satz folgt ein - von den dicht gedrängten Besuchern stürmisch bejubelter - rhetorischer Tiefschlag gegen die „Republik“ und ihrer Gründer:
„Die Revolution war Meineid und Hochverrat und bleibt in der Geschichte erblich belastet und mit dem Kainsmal gezeichnet“.

Diese Worte wirken, wie Faulhaber später einmal recht zufrieden feststellt, wie eine Bombe. 

Der „Kardinal“ versagt sich damit wieder einmal - mit seiner ganzen Autorität und in der Öffentlichkeit - der „Weimarer Republik“ und bereitet damit - ohne das möglicherweise direkt zu beabsichtigen - Adolf Hitler den Weg. 

Schon damals stellt die sozialdemokratische „Münchener Post“ unter der Überschrift „Wohin des Wegs, Herr Kardinal?“ fest:  
„Seine Ansichten sind ein Beweis für den Machthunger der römischen Kirche und ihres Klerus, die nicht mit dem Staat in Frieden und Verträglichkeit zusammenleben, sondern ihn um jeden Preis beherrschen wollen.“  

Die in Anwesenheit der Spitzen von Kirche, Staat und Gesellschaft gemachten Aussagen des „Kardinals“ führen allerdings auch zu einem „weltweit hallenden Eklat“ und veranlasst die - konservative - „Reichsregierung“, sich bei Papst Pius XI. zu beschweren.  

Damit, dass sich ein Widerstand derjenigen Katholiken formiert, die im neuen Staat ehrlich mitarbeiten wollen, hat Faulhaber nicht gerechnet. 

30. August 1922

München * Der „Präsident des Katholikentages“, der damalige „Kölner Oberbürgermeister“ Konrad Adenauer, widerspricht „Kardinal“ Michael von Faulhaber zwar erst drei Tage später, verwahrt sich aber immerhin öffentlich gegen diese Aussagen: 

„Es sind hie und da Äußerungen gefallen, die man sich aus Verhältnissen örtlicher Natur erklären kann, hinter denen aber die Gesamtheit der deutschen Katholiken nicht steht. [...]
Es verrät Mangel an historischem Blick, die heutige Verfassung verantwortlich zu machen für die heutigen Zustände“

Denn, so Adenauer weiter: „Wenn im Herbste der Wind die Blätter von den Bäumen fegt, so ist der Wind nur der Anstoß, denn die Blätter waren alt und müde, und wenn der Sturm Äste und Bäume bricht, so war der Sturm bloß der Anstoß, denn die Bäume und Äste waren alt, denn wären sie nicht morsch und lebensschwach gewesen, so hätten sie den Sturm überdauert“.  

Und der Rheinländer setzte noch einen drauf, als er sagte: „Wie ich an das Walten einer Gerechtigkeit glaube, so glaube ich auch daran, daß etwas, was gut und stark ist, nicht untergehen kann“.  

Jetzt wird „Kardinal“ Faulhaber richtig zornig.
„Herr Oberbürgermeister“, herrscht der „Münchner Erzbischof“ den späteren „Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland“ wie einen Schuljungen an: „Sie haben unserem König nicht die schuldige Achtung erwiesen“.  

In einer Denkschrift hält Konrad Adenauer die Gefährlichkeit der Haltung und Auffassung des „Kardinals“ in aller Deutlichkeit fest:
„Die Haltung des Kardinals Faulhaber ist unverträglich mit den Interessen des deutschen Katholizismus.
Er muß entweder eine grundsätzliche Schwenkung einnehmen oder dazu angehalten werden, sich jeder politischen Betätigung auf das Strikteste zu enthalten“

September 1922

München * Der „Ausnahmezustand“ wird aufgehoben. 

19. September 1922

München-Kreuzviertel - Rom-Vatikan„Kardinal“ Michael von Faulhaber schreibt an den „Unterstaatssekretär im Vatikan“, Giuseppe Pizzardo, über die öffentliche Auseinandersetzung mit Konrad Adenauer: 

„Er behauptete, die Revolution sei „organisch“ geworden, die gestürzten Herrscherhäuser seinen morsche Bäume gewesen, „der deutsche Katholizismus“ sei auf das deutsche Vaterland angewiesen. [...]  
Ich bitte darum Eure Exzellenz, es möge keine päpstliche Kundgebung erfolgen, die von den Katholiken als Zustimmung zur Politik des Zentrums und zu einer Koalition mit der Sozialdemokratie ausgelegt werden könnte.
Präsident Adenauer wird die päpstliche Auszeichnung, die früher für den Präsidenten üblich war, nicht erhalten können“
.  

Damit verhindert „Kardinal“ Faulhaber, dass Konrad Adenauer den sonst üblichen „päpstlichen Orden“ bekommt.  

In einer eigenwilligen Rechtfertigung gegenüber dem „bayerischen Gesandten beim Vatikan“ schreibt Faulhaber am selben Tag:  
„[...] Damit habe ich nicht die Verfassung von Weimar und die republikanische Staatsform an sich verurteilt; denn eine Verfassung kann rechtmäßig zustandegekommen sein, ohne daß dadurch die vorausgehende Revolution legitimiert wird.
Ein unehelich Geborener kann ein ordentlicher Mensch werden, ohne daß damit die uneheliche Mutterschaft als solche Rechtsdasein erhält“

30. September 1922

München * Gemeinsamer Auftritt Karl Valentins mit Berthold Brecht in der Kabarett-Nachtvorstellung „Die Rote Zibebe“ - Improvisationen in zwei Bildern von Bert Brecht und Karl Valentin“.

30. Oktober 1922

Deutsches Reich * Der „Deutsche Städtetag“ gibt die Anregung der „Deutschen Kolonialgesellschaft“ weiter, „den Städten zu empfehlen, geographische Namen aus den deutschen Schutzgebieten zur Benennung von Straßen und Plätzen zu verwerten“

9. Dezember 1922

München-Ludwigsvorstadt * Uraufführung des Valentin-Karlstadt-Bühnenstücks „Der Firmling“ im „Germania-Brettl“ in der Schwanthalerstraße 28. 

Das Stück erlebt 395 Vorstellungen.


Verwendet in Führung:

20. Untergiesing



Falkenau, Lederfabrik, Aufrüstung, Erster Weltkrieg