1909

Die „Zentrale der städtischen Abfallentsorgung“ in der Sachsenstraße

Untergiesing * Die „Zentrale der städtischen Abfallentsorgung“ wird in der Sachsenstraße eröffnet.

Gleichzeitig werden die „Reparaturwerkstätten der städtischen Hausunratabfuhranstalt“ von der Landsberger Straße hierher verlegt. Es gibt bereits 650 „Harritschwägen“.

Der damalige Jahresbericht erzählt von 19.631 „Pferdeschichten“ und 33.336 „Mannschichten“ die geleistet wurden, um 117.577 Tonnen „Unrat“ bei den 550.000 Münchnern einzusammeln.
Rund 69.000 Fuhren werden per Bahn zur „Hausmüllverwertungsanlage“ nach Puchheim verfrachtet.

Der Giesinger Wagenschmiedmeister Fischer darf nur die ersten 36 „Harritschwägen“ liefern.
Alle weiteren bauen die Schmiede und Wagner der städtischen „Unratabfuhr“ selbst in ihren Werkstätten.

Die Wägen bleiben Eigentum der Stadt und werden an private „Abfuhrunternehmer“ für die „Mülleinsammlung“ ausgeliehen.
Diese haben eigene Stallungen und beschäftigen die „Harritschkutscher“.

Um 6 Uhr in der Frühe müssen die „Müllmänner“ ihre Pferde striegeln und anschirren.
Dann rücken die Gespanne unter Hufgeklapper aus.

Dieses Müllsammlungs-, Verwertungs- und Beseitigungssystem ist in Deutschland einmalig und dient vielen Kommunen als Vorbild.
Es funktioniert bis zum Zweiten Weltkrieg.

Dann kommt die „Abfallsortierung“ in der Puchheimer „Verwertungsanlage“ aus Mangel an Ersatzteilen zum Erliegen.
Damit hat München keine geordnete „Müllbeseitigung“ mehr.


1909

Suchbegriffe

Müll, Abfallentsorgung, Sachsenstraße, Harritschwagen, Hausmüllverwertungsanlage, Buchheim, Müllmänner, Abfallsortierung,

Weitere Ereignisse im Jahr 1909

1909

München-Schwabing * Das in Schwabing befindliche erste vollautomatische Großstadtwählamt Europas macht eine Vielzahl von Vermittlungskräften überflüssig.

Die Eröffnung des „Selbstwählamtes“ führt zu Protesten.
In einem Gutachten äußert ein Münchner Arzt, „dass durch das Wählen die Fernsprechteilnehmer eine Schädigung ihres Nervensystems erfahren würden“.

Die Aufregung legt sich erst, nachdem die „Telephonabonnenten“ die Vorteile des Selbstwählens erkannt haben. 

1909

München * Elisabeth Wellanos 15jähriger Bruder xxx stirbt.

1909

München-Maxvorstadt * Der „Großhändler“ Theodor Geist ist Eigentümer der Anwesen Richard-Wagner-Straße 3 und 5.

1909

München-Obergiesing * Der Umbau der „Verbrennungsanlage für Sargbretter und Grabkränze“ ist beendet.  

Jetzt muss aber noch ein Gutachten abgewartet werden, das die „Geruchsbelästigung für die Anwohner“ prüft.  
Die Prüfungen werden sich bis zum Jahr 1912 hinziehen. 

1909

München-Bogenhausen * Es entstehen Planungen für einen Kirchenneubau der „Georgskirche“ nahe der heutigen „Gebeleschule“ in Bogenhausen.

Anno 1909

München-Au * Der „Arbeiter-Turn-Verein München-Ost“ gründet eine Schülerinnen- und Schülerriege. 

1909

München-Maxvorstadt * Noch zur „Jahrhundertfeier 1909“ lassen sich die Professoren der „Akademie der Bildenden Künste“ ihre „Festuniform“ nach den Vorgaben von 1808 schneidern.

1909

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Die „Brockensammlung“ zieht von der „Kohleninsel“ in aufgelassene Räume der „Neuen Isarkaserne“ an der Kohlstraße.

1. Januar 1909

München-Isarvorstadt * Der zweite Teil der provisorischen Ausstellung des „Deutschen Museums“ wird in den aufgelassenen Räumen der „Neuen Isarkaserne“ in der Zweibrückenstraße eröffnet.

Februar 1909

München-Maxvorstadt * Lion Feuchtwanger organisiert als Vorsitzender der „Phoebus“-Gruppe zum Ausklang der Faschingssaison im „Löwenbräukeller“ einen aufwändigen Ball.  

Weil sich der Sponsor der Veranstaltung als Betrüger herausstellt, kommt es zum Eklat.  
Handwerker und Arbeiter reißen noch während des Faschingballs die Dekoration herunter und fordern ihre Löhne und die unbezahlten Rechnungen ein.  

Feuchtwanger und seine Mitstreiter holen ein Großaufgebot der Polizei, was alles nur noch schlimmer macht.  
Denn jetzt verlassen die Gäste den „Löwenbräukeller“ und fordern ihr Eintrittsgeld zurück.  
Der „Phoebus-Skandal“ ist geboren.  

Kurt Eisner, der spätere Revolutionär und „Ministerpräsident des Freistaates Bayern“ ist zu diesem Zeitpunkt Redakteur der SPD-Zeitung „Münchner Post“, bezeichnet den „Phoebus-Vorstand“ als „Margarine-Barönchen“.
Sein Ball hätte so viel „mit Apollon zu tun, wie Herr Lion Feuchtwanger mit der Literatur oder sein Vater mit der Naturbutter“

11. April 1909

München * Der „Bildhauer“ Anton Heß stirbt.

Mai 1909

München-Bogenhausen * Die Arbeiten zum 108 x 29 Meter messenden „Fleischer-Schlössl“, auf dem 2,38 Hektar großen Parkgrundstück in Bogenhausen beginnen.

Das Hochparterre sollte eine Wohnfläche von 1.600 qm bieten. Das Atelier wäre 150 qm groß geworden.

22. Juni 1909

München * Elisabeth Wellanos (= Liesl Karlstadt) Mutter stirbt.

4. Juli 1909

Bozen * Ritter Karl von Müller, der „Sponsor“ des Volksbades, stirbt.

14. Juli 1909

Berlin * Theobald von Bethmann Hollweg wird in Berlin zum „Reichskanzler“ ernannt. 

September 1909

München-Theresienhöhe * Das „Zentral-Landwirtschaftsfest“ findet erstmals im „Städtischen Ausstellungspark auf der Theresienhöhe“ statt.

4. September 1909

München-Au * Karl Valentin tritt - neben vielen anderen Künstlern - beim „Bürgerrechts-Verein München-Ost“ und dem „Sozialdemokratischen Verein, Sektion München-Ost“ im „Münchner-Kindl-Keller“ - an herausgehobener Position - als „Instrumental-Karikaturen-Komiker“ auf. 

6. September 1909

München-Maxvorstadt * Die Familie des Joseph Schülein bezieht ihr Haus in der Richard-Wagner-Straße 7.

Joseph Schülein wird dort bis an sein Lebensende [9. September 1938] wohnen. 

18. September 1909

München-Lehel * Der Deutsche Kaiser und König von Preußen, Wilhelm II., eröffnet die „Schack-Galerie“ an der Prinzregentenstraße 9.

Die „Münchner Neuesten Nachrichten“ schreiben:
„Als Kunstfreund und Mäcen ist der Kaiser bei uns erschienen, nachdem er erst als oberster Kriegsherr, umgeben vom Glanz seines militärischen Gefolges, die friedlichen Schlachtfelder im Frankenland verlassen“.

Im Giebelfeld des neuen „Kultur-Tempels“, das von massigen Säulen getragen wird, befindet sich der preußische Adler und die Inschrift: „Kaiser Wilhelm II. der Stadt Muenchen zur Mehrung ihres Ruhmes und grossen Kuenstlern zum Gedaechtnis“.

In diesem Sinne ist auch die kaiserliche Eröffnungsrede gehalten, in der er die wohlgesetzten Worte spricht:
„Ich weiß mich eins mit der vaterländischen Gesinnung des Münchner Bürgertums, auf welches ganz Deutschland, von der Meeresküste bis zu den bayerischen Bergen, ein Recht hat, stolz zu sein“.

Oktober 1909

München * In zwölf Großgaststätten werden Kinofilme gezeigt:

  • im „Gasthaus Herzogpark“ an der Mauerkirchener Straße,
  • im „Mühldorfer Hof“ an der Einsteinstraße,
  • in den „Unionsbräuhallen“ an der Einsteinstraße,
  • im „Münchner-Kindl-Keller“ an der Rosenheimer Straße,
  • im „Franziskaner-Keller“ an der Hochstraße,
  • im „Salvatorkeller“ an der Hochstraße,
  • im „Bergbräukeller“ an der Tegernseer Landstraße,
  • in den „Bergbräubierhallen“ an der Bergstraße im Münchner Osten und
  • im „Schwabingerbräu“ an der Leopoldstraße,
  • in der „Gaststätte zur Blüte“ in der Blütenstraße,
  • im „Alten Hackerkeller“ an der Bayerstraße und
  • im „Neuen Hackerkeller“ auf der Theresienhöhe im Westen.
November 1909

München-Lehel * Karl Valentin zieht mit seiner Mutter von der Ackerstraße 1 in die Kanalstraße 16 (27/I) im Lehel um.

31. Dezember 1909

München * Die Schulden des „Märchenkönigs“ Ludwig II. sind auch mit den Geldern seines Bruders Otto restlos getilgt. 


Verwendet in Führung:

20. Untergiesing



Müll, Abfallentsorgung, Sachsenstraße, Harritschwagen, Hausmüllverwertungsanlage, Buchheim, Müllmänner, Abfallsortierung