13. Oktober 1307

Im Morgengrauen werden die „Templer“ verhaftet

Paris * Zur Überraschung von Papst Clemens V. werden im Morgengrauen - gleichzeitig in ganz Frankreich - die „Templer“ verhaftet, ihre Güter beschlagnahmt und die „Ordenshäuser“ unter königliche Aufsicht gestellt.

Der Überraschungscoup gelingt und es gibt keinen militärischen Widerstand der „Tempelritter“.
Trotzdem kann der „Großmeister der Tempelherren“, Jacques de Molay, noch kurz vor der Massenverhaftung Bücher und Dokumente des „Ordens“ verbrennen.

Die Zahl der Verhaftungen lässt sich nur schwer abschätzen.
In Paris gibt es 138 Festnahmen.
Lediglich zwölf bis zwanzig „Ordensritter“ können vor der „Razzia“ fliehen, darunter nur ein hoher Würdenträger.

Der Brief von König Philipp IV., datiert vom 14. September [„Tag der Kreuzerhebung“], hat den folgenden Inhalt:
„Eine bittere, beklagenswerte, entsetzlich sich vorzustellende Sache [...].
Ein verabscheuungswürdiges Verbrechen, eine scheußliche Missetat [...].
Eine ganz und gar unmenschliche, ja jeder Menschlichkeit fremde Sache ist uns dank mehrerer glaubwürdiger Menschen zu Ohren gekommen“
.

Und weiter heißt es:

  • „Die Brüder des Ordens der Miliz vom Tempel, die die Wolfsnatur unter dem Schafspelz verbargen und unter dem Habit des Ordens in erbärmlicher Weise die Religion unseres Glaubens beleidigten, werden beschuldigt, Christus zu verleugnen, auf das Kreuz zu spucken, sich bei der Aufnahme in den Orden obszönen Gesten hinzugeben“, und
  • „sie verpflichten sich durch Gelübde und ohne Furcht, das menschliche Gesetz zu beleidigen, sich einander hinzugeben, ohne Widerrede, sobald es von ihnen verlangt wird“.

Zur Aufdeckung der Wahrheit werden „ausnahmslos alle Mitglieder des selbigen Ordens unseres Königreichs festgenommen, gefangengehalten und dem Urteil der Kirche vorbehalten“.

Alle ihre Güter, „bewegliche und unbewegliche“, werden „beschlagnahmt, von uns eingezogen und getreu verwahrt werden“.


1307

Suchbegriffe

Templer, Frankreich, Ordensritter Jacques de Großmeister der Tempelherren, Philipp IV. Franzosenkönig,

Personen

Clemens V. Papst

Weitere Ereignisse im Jahr 1307

Um Januar 1307

Paris * Die Denunziationen gegen die „Tempelherren“ werden zur Anklage aufgebauscht.

Von Seiten des französischen Königs Philipp IV. wird ein Verfahren wird eröffnet.

Juni 1307

Paris * Der „Templer-Ritterordensmeister“ Jakob von Molay beruft ein „Ordenskapitel“ nach Paris ein.

Dort diskutiert man über die verbreiteten Gerüchte.

August 1307

Avignon * Papst Clemens V. will die „Johanniter“ und die „Templer“ vereinen.

Der Versuch scheitert jedoch.

24. August 1307

Avaginon * Papst Clemens V. ordnet von sich aus eine Untersuchung gegen die „Templer“ an.

Aus Angst, dass sich dadurch die Untersuchung verzögern oder im schlimmsten Fall sogar mit einem Freispruch enden könnte, nimmt die königliche Polizei die Sache selbst in die Hand und schafft damit vollendete Tatsachen.

14. Oktober 1307

Paris * Ein „Manifest“ wird veröffentlicht, das die „Verbrechen der Templer“ beinhaltet:

  • „Häresie“ [Abkehr vom wahren Glauben],
  • „Blasphemie“ [Gotteslästerung],
  • „obszöne Riten“,
  • „Homosexualität“ und die
  • „Anbetung eines Götzen namens Baphomet“.

Nach bis heute durchaus geläufigen Methoden konstruiert König Philipp IV. ein Anklagegebäude, dessen Vorwürfe er durch unter der „Folter“ erpresste Geständnisse erhärtet.

Im Templerprozess lässt Philipp IV. durch den französischen „Generalinquisitor“ Anklage auf „Häresie“ und „Blasphemie“ gegen den Orden erheben, wobei in der Regel die Geständnisse der zahlreich angeklagten Ordensmitglieder unter der Folter erpresst werden.

16. Oktober 1307

Paris * Frankreichs König Philipp IV. informiert die europäischen Herrscher über die „Operation Templer“ und fordert sie umgehend zum Handeln im Sinne seiner Politik der vollendeten Tatsachen auf.

Zur Untermauerung enthält das königliche Schreiben die gegen die „Tempelherren“ erhobenen Vorwürfe:

  • „Die Brüder des Ordens der Miliz vom Tempel, die die Wolfsnatur unter dem Schafspelz verbargen und unter dem Habit des Ordens in erbärmlicher Weise die Religion unseres Glaubens beleidigen,
  • werden beschuldigt, Christus zu verleugnen, auf das Kreuz zu spucken,
  • sich bei der Aufnahme in den Orden obszönen Gesten hinzugeben“.

Und weiter schreibt der König:

  • „Sie verpflichten sich durch ihr Gelübde und ohne Furcht, das menschliche Gesetz zu beleidigen,
  • sich einander hinzugeben, ohne Widerrede, sobald es von ihnen verlangt wird“.
Um den 20. Oktober 1307

Paris * Die Verhöre der verhafteten „Templer“ beginnen.

24. Oktober 1307

Paris * Der „Großmeister des Templerordens“, Jakob von Molay, bestätigt die Erklärungen des „Präzeptors der Normandie“, Gottfried von Charneys, und des „Generalvisitors der Templer“, Hugo von Pairauds.

Darin hatten sie und rund 230 „Tempelherren“ - unter der Folter - zugegeben,

  • dass sie „Jesus Christus leugnen und ihn für einen falschen Propheten halten, der für seine Verfehlungen und nicht für die Erlösung der Menschen gestorben ist“,
  • dass sie „bei ihren Zeremonien auf das Kreuz spucken, es mit Füßen treten und drauf urinieren“,
  • dass sie „nicht an sie Sakramente glauben und die Priester des Ordens bei der Messe die Weiheformel vergessen“,
  • dass die „Meister und Würdenträger, obgleich Laien, den Brüdern die Absolution für ihre Sünden erteilen“,
  • dass sie „obszöne Praktiken und Homosexualität leben“,
  • dass die „Brüder durch jede nur mögliche Praxis zur Bereicherung des Ordens beitragen müssen“,
  • dass sie „sich des Nachts im Geheimen versammeln“ und
  • dass „jede Enthüllung im Kapitel bestraft wird, bis hin zur Todesstrafe“
27. Oktober 1307

Avignon * Papst Clemens V., der ja eigentlich die direkte „Gerichtsgewalt“ über die „Templer“ hat, zeigt sich lediglich gekränkt und schreibt: „Euer überstürztes Vorgehen ist eine Beleidigung gegen Uns und die römische Kirche“.

Gleichzeitig protestiert er gegen den „Gebrauch der Folter“.

30. Oktober 1307

London - Paris * König Eduard II. von England antwortet dem Regenten der Franzosen, König Philipp IV., er glaube kein Wort von den gegen die „Templer“ erhobenen Vorwürfe.

Dezember 1307

Paris * Der „Großmeister der Templer“, Jacques de Molay, und die anderen „Templer-Würdenträger“ widerrufen ihr Geständnis vor zwei vom Papst entsandten Bischöfen und begründeten dieses mit ihrer Angst vor der Folter.


Verwendet in Führung:

13. Was der Auer Mühlbach erzählt
20. Untergiesing



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Clemens V. Papst, Molay Jacques de Großmeister des Templerordens