August 1836

In München bricht die erste „Cholera-Epidemie“ aus

München - Vorstadt Au - Haidhausen * In München bricht die erste „Cholera-Epidemie“ aus.
Sie dauert bis Januar 1837.

143 von 4.700 Bewohner Haidhausens sterben daran, das sind rund 3 Prozent.
259 von rund 10.000 Bewohner der Au sterben daran, das sind rund 2,6 Prozent.
1.061 von rund 100.000 Bewohner Münchens sterben daran, das sind rund 1 Prozent.

Von Übergriffen auf Ärzten wegen der „Cholera“ wird berichtet:

„Im Jahre 1836 hielt man in der Vorstadt Haidhausen dafür, daß die Aerzte den Leuten die Cholera erst ins Haus brächten, und sie wollten von ärztlichen Nachforschungen im Hause nichts wissen.
Ja, es bestanden dort Vorurtheile, als ob die reichen Leute die Cholera machten, als leiser Nachklang der Brunnenvergiftungsfurcht durch die Juden im Mittelalter.

Es war daher das Aufsuchen und die Nachfrage in Haidhausen, ob im Hause keine Diarrhöen vorkämen, dem vorurtheilsvollen und ungebildeten Publikum gegenüber sogar mit persönlicher Gefahr verbunden“.

Bei den nächsten Epidemien spielten Vergiftungsvorstellungen keine Rolle mehr.
Doch nachvollziehbar sind solche Theorien schon.

So hält sich die Vorstellung, der „Aids-Virus“ sei in einem amerikanischen Labor geschaffen worden, um die „Schwarzen“ auszurotten, auch noch immer.


1836

Suchbegriffe

Cholera, Übergriffe auf Ärzte, Brunnenvergiftungsfurcht, Aids-Virus, Sterbezahlen,

Weitere Ereignisse im Jahr 1836

1836

Vorstadt Au * Der „Franziskaner-Keller“ an der Hochstraße kommt in den Besitz der Familie Deiglmayr.

1836

Untergiesing * Die „Untergiesinger Lederfabrik“ verfügt - damals mit dreißig Beschäftigten - über die erste „Lederspaltmaschine“ auf dem Kontinent.

Franz Kester kauft die lange geheim gehaltene englische Erfindung - nicht ohne Schwierigkeiten - an und lässt sie nach Giesing transportieren.

Im gleichen Jahr wird in dem als „Sohlen- und Lederfabrik“ gegründetem Unternehmen mit der Herstellung von „lackiertem Leder“ begonnen.
Das ist eine absolute Novität.

1836

Nürnberg - Fürth * Die „Nürnberg - Fürther Privateisenbahn“ erfüllt ihren Aktionären die Hoffnung auf's schnelle Geld.

Satte 20 Prozent Dividende werden ausgeschüttet und lassen die Aktien auf ein Vielfaches ihres Nennwerts steigen.

1836

München * Friedrich Bürklein legt die Prüfung für den „höheren Staatsdienst“ ab.

1836

München-Graggenau * Der Stadtmagistrat bietet Ludwig von Schwanthaler die Aufstellung von acht vergoldeten Gipsfiguren der Wittelsbacher-Ahnen im „Festsaal des Alten Rathauses“ an, damit dieser eine „patriotische Ausschmückung“ erhält. 

Bedingung ist die Renovierung des nicht mehr repräsentativen Zwecken genutzten und dementsprechend ramponierten „Rathaussaales“

1836

Königreich Bayern * In Bayern werden 1.125 „Ziegelstadel“ betrieben.

1836

München-Englischer Garten - Lehel * Die Bauarbeiten am „Monopteros“, auf dem durch Menschenhand künstlich aufgeschütteten Hügel, beginnen.  

Die Arbeiten dauern bis 1837.  
Der Architekt ist Leo von Klenze.  

Heute geht hier der Blick geht über die „Po-Ebene“, weil sich hier das bevorzugte Revier der sich hüllenlos sonnenden Parkbesucher befindet. 

1836

München-Graggenau * Leo von Klenze hat aus städtebaulicher Sicht eine hervorragende Lösung gefunden.

Durch die nach Art der altgriechischen „Polychromie“ [Vielfarbigkeit] gehaltenen Verzierungen in den Gesimsen und Gliedern hat Klenze einen Effekt erzeugt, der, „so fremdartig er sein mag (weil man buntverzierte Fassaden zu sehen noch nicht gewohnt ist), dennoch sehr harmonisch genannt werden muß“, lobt die „Allgemeine Bauzeitung“.

Der englische Architekt Charles Robert Cockerell, zeigte sich gleichfalls begeistert: „[...] im Postgebäude wird eine glückliche Wirkung erreicht, denn die auf dünnen Säulen aufruhenden Archivolten, die die Loggia bilden, werden durch die rote Farbe stark hervorgehoben und ebenso durch den Dekor auf der Stirnwand, der die Säulen wunderbar und mit einem warmen und angenehmen Effekt hervortreten läßt. Die Farbe ist es, die dem Bau so viel Gewicht gibt, daß er als Pendant zur Residenz bestehen konnte“.

Für die Belange der „Postadministration“ ist das Ergebnis dennoch mehr als enttäuschend.

1836

München * Bei seinem Tod hinterlässt Peter Paul Ritter von Maffei seinem Sohn ein Vermögen von 2,7 Millionen Gulden.

Joseph Anton von Maffei steht als Unternehmerpersönlichkeit seinem Vater in nichts nach und wird als eine „der bedeutendsten Industriepioniere Bayerns im 19. Jahrhundert“ beschrieben.

Februar 1836

Hof - Weißenburg * Dr. Johann Georg August Wirth, einer der Wortführer des „Hambacher Festes“, begibt sich in seinen Heimatort Hof, wo er aber weiterhin unter Polizeiaufsicht steht. 

Ihm gelingt jedoch die Flucht nach Weißenburg im Elsass. 

6. Februar 1836

Athen * Der Grundstein für das „Königliche Schloss“ in Athen wird in Anwesenheit des bayerischen Königs Ludwig I. gelegt. 

Um März 1836

Süddeutschland * Die „Cholera“ grassiert erstmals in Süddeutschland.

Das Bürgertum fühlt sich zunehmend von den „armen“ Bevölkerungsschichten bedroht, weshalb das „Bayerische Staatsministerium des Innern“ eine Verordnung erlässt.

In dieser wird die Notwendigkeit der Unterstützung der Armen angesichts der herrschenden Epidemie eingefordert, da sie „zum Schutze der Gesamtheit nicht minder als zum Schirme der Dürftigen selbst“ notwendig sei, „da die in den Hütten sich steigernde Krankheit auch auf alle übrigen Klassen und den Gesundheits-Zustand ganzer Orte nicht ohne Rückwirkung bleibt“.

Um Mai 1836

Athen - München * König Otto von Griechenland begibt sich auf Brautschau nach Deutschland. 

16. Juni 1836

München - Donau * König Ludwig I. erteilt der „Bayerisch-württembergischen Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft“ ein auf vierzig Jahre befristetes „Privileg“ zum Betrieb der Dampfschifffahrt auf der bayerischen Donau.

19. Juni 1836

Kiefersfelden * Ein weiteres Denkmal der etappenweisen Verabschiedung des 17-jährigen Bayernprinzen Otto auf seinem Weg nach Griechenland findet sich in Kiefersfelden.

Da Prinz Otto die dortige Grenze nach Österreich schlafend überquert hatte, kehrt er am nächstens Tag noch einmal zurück, um sich ganz bewusst „vom Boden seiner Heimat“ zu verabschieden.
Diese aufsehenerregende Geste führt zur Errichtung der vom „Bauinspektor“ Daniel Ohlmüller geplanten neugotischen „Ottokapelle“

31. August 1836

München * Hugo Alois von Maffei wird geboren. 

Er wird später die „Maffei-Werke“ von seinem Onkel erben und erfolgreich weiterführen.

16. Oktober 1836

München-Maxvorstadt * Die „Alte Pinakothek“ an der Barer Straße wird eröffnet. 

Aus dem überreichen Gemäldebestand können nur 1.300 Bilder gezeigt werden. 

22. November 1836

Oldenburg * König Otto von Griechenland heiratet in Oldenburg die 18-jährige Prinzessin Amalie aus dem Großherzogtum Oldenburg. 

Dezember 1836

Nancy - Kreuzlingen * Der Jurist und Publizist Dr. Johann Georg August Wirth, einer der Wortführer des „Hambacher Festes“, kommt nach Nancy in Frankreich und 1839 nach Kreuzlingen im Thurgau in der Schweiz. 

13. Dezember 1836

Schrobenhausen * Franz Lenbach kommt in Schrobenhausen als 13. Kind seines Vaters, des „Stadtbaumeisters“ Franz Joseph Lempach, und als drittes Kind seiner Mutter Josefa, eine geborene Herker, zur Welt.


Verwendet in Führung:

01. Haidhausen - Bauern, Adel und Tagelöhner
02. Haidhausen - dort wo's bogenhauserisch ist
05. Die südliche Au
06. Die nördliche Au
18. Krippen, Porzellan & Falkenjagd * Auer Impressionen im Nationalmuseum
20. Untergiesing



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