Ab 23. September 1854

Die „Armenärzte“ übernehmen die Behandlung der „Cholera-Kranken“

München * Die Münchner „Armenärzte“ übernehmen wieder die Behandlung der „Cholera-Kranken“.


1854

Suchbegriffe

Cholera, Armenarzt,

Weitere Ereignisse im Jahr 1854

1854

München-Untergiesing * Die „Untergiesinger Lederfabrik“ spezialisiert sich auf feines, lackiertes Leder, das für die Innenausstattung von Kutschen, später von Automobilen und für die Schuh- und Bekleidungsindustrie benötigt wird.

Die Giesinger Lederfabrik produziert nicht nur für den deutschen Markt, sondern exportiert ihre auf verschiedenen Weltausstellungen prämierten Produkte in fast alle Länder der Welt. Zumindestens dort hin, wo es die Zollbestimmungen ermöglichen.

1854

München * Paul Heyse schreibt: „Die demokratisierende Macht des Bieres hatte doch eine Annäherung bewirkt.

Der geringste Arbeiter war sich bewusst, dass der hochgeborene Fürst und Graf keinen besseren Trunk sich verschaffen konnte als er; die Gleichheit vor dem Nationalgetränk milderte den Druck der sozialen Gegensätze.

Und wenn im Frühling noch der Bock hinzukam, konnte man in manchen Wirtsgärten eine so gemischte Gesellschaft zwanglos beisammen finden, wie sie in Berlin nirgends anzutreffen war“.

1854

München - Augsburg - Württemberg * Die Eisenbahnstrecke München - Augsburg wird bis an die Grenze zum „Königreich Württemberg“ weitergebaut. 

1854

München-Graggenau * König Max II. lässt im ersten Obergeschoss zwischen dem „Königsbau“ der „Residenz“, dem „Cuvilliés-Theater“ und dem „Nationaltheater“ einen „Wintergarten“ errichten. 

1854

München-Haidhausen - München-Maxvorstadt * Der Brunnen, der sich heute auf dem „Weißenburger Platz“ befindet, wird eigens für den „Münchner Glaspalast“ am „Alten Botanischen Garten“ geschaffen. 

1854

München-Ludwigsvorstadt * Die „Pschorr-Brauerei“ stellt ihren Betrieb auf „Dampfkraft“ um.

1854

München * Adolf Friedrich von Schack, ein sogenanntes „Nordlicht“, folgt dem Ruf König Max II. von Bayern und nimmt seinen Wohnsitz in München.

1854

München-Graggenau - München-Lehel * Die vorbereitenden Geländearbeiten für die Maximilianstraße sind abgeschlossen.

„Bauingenieur“ Arnold Zenetti baut in der ungleichförmigen Talsohle einen festen ebenen Damm auf.

Dazu muss an manchen Stellen das Gelände abgetragen, viel öfter aber aufgeschüttet werden. Sehr gut erkennt man die Höhenunterschiede am Marstallplatz, an der Wurzerstraße und am Kosttor.

Außerdem müssen mehrere alte Gebäude dem Erdboden gleichgemacht werden.

1854

München * Bis das „Preisgericht“ zur Beurteilung der eingereichten Arbeiten erstmals zusammenkommt, vergehen nochmal eineinhalb Jahre. Diese erneute Verzögerung liegt ausschließlich in der Person des Königs begründet, weil dieser sich zunächst mit jedem einzelnen Entwurf selbst beschäftigt. Doch bei den anstehenden Staatsaufgaben und sonstigen Neigungen findet er für diese Tätigkeit nur gelegentlich Zeit und Muße.

Seine Einschätzung gibt er nicht preis, um dem „Schiedsspruch“ der Fachleute nicht vorzugreifen. Das ist zunächst eine weise Entscheidung, die jedoch sofort wieder relativiert wird, da ja die letzte Entscheidung doch wieder beim König liegt.

Das Protokoll der Sitzung des „Preisgerichts“ ist verschollen. Es ist nur bekannt, dass der Berliner „Oberbaurat“ Wilhelm Stier den ersten Preis in Höhe von 4.000 Gulden zuerkannt bekommt und dass ein zweiter und ein dritter Preis nicht vergeben wird. Es ist aber auch klar, dass die Planungen Wilhelm Stiers - „der ungeheueren Kosten wegen“ - nicht zur Ausführung kommen werden. Die übrigen Konkurrenzentwürfe verschwinden in der Versenkung.

Friedrich Bürklein wird - vollkommen unabhängig vom Konkurrenzergebnis - mit der Ausführung der Pläne für das „Maximilianeum“ und der Ausführung des umfangreichen Bauprogramms beauftragt. Über das „Preisgericht“ und die eingelaufenen Bewerbungen legt man den Mantel des Schweigens.

13. Januar 1854

Höchstadt/Aisch * Leonhard Romeis, der Haupt-Architekt der „Richard-Wagner-Straße“, wird in Höchstadt an der Aisch geboren.

Februar 1854

München * Franz Lenbach kommt nach München und beginnt dort sein Studium in der „Zeichenklasse“ von Professor Hiltensperger an der „Akademie der Bildenden Künste“.

31. März 1854

Thalmässing * Joseph Schülein kommt in Thalmässing, einer Gemeinde in der Nähe von Roth bei Nürnberg, zur Welt. 

In diesem Ort leben traditionell zahlreiche jüdische „Vieh-, Geld- und Hopfenhändler“.

6. April 1854

München-Maxvorstadt * Sechs Jahre nach der Abdankung König Ludwigs I. findet die Grundsteinlegung für die „Propyläen“ am „Königsplatz“ statt.

20. April 1854

München - Straubing * Herzogin Elisabeth „Sisi“ in Bayern verlässt München in Richtung Straubing. 

Dort besteigt sie den Raddampfer „Franz Joseph“, der sie nach Wien-Nußdorf bringt. 

24. April 1854

Wien * Der 23-jährige österreichische Kaiser Franz Joseph heiratet in Wien die 16-jährige Herzogin Elisabeth „Sisi“ in Bayern. 

Mai 1854

München-Angerviertel * Der „Scharfrichter“ Lorenz Schellerer vollzieht auf dem „Heumarkt“, dem heutigen „Rindermarkt“, die letzte Hinrichtung mit dem „Handschwert“.

Die sich heftig wehrende „Gattenmörderin“ kann den Schlägen des Henkers mehrmals ausweichen. Er braucht sieben Hiebe, „bis sich ihr Kopf vom Rumpfe trennt“.

Die Menschenmenge ist aufgebracht und muss mit Gewalt zurückgedrängt werden.

Lorenz Schellerer bedient danach die ausschließlich zum Einsatz kommende „Guillotine“.

17. Mai 1854

Vorstadt Au - Giesing - Haidhausen * Fünf Jahre dauern die Überlegungen des „Kgl. Bay. Staatsministeriums des Inneren“, bis die 25 Paragraphen zur Eingemeindung ausgearbeitet sind.

Nun ist die Vereinigung Münchens mit der Au, Haidhausen und Giesing genehmigt.
„Seine Majestät der König haben die nachgesuchte Vereinigung der Gemeinde Au, Giesing und Haidhausen mit der Reichshaupt- und Residenzstadt München in Eine Gemeinde unter Erhebung jener drei Gemeinden zu Vorstädten von München [...] allergnädigst zu genehmigen geruht“.

28. Mai 1854

München-Graggenau * Ein großer „Bittgottesdienst“ zur Abwendung der „Cholera-Epidemie“ wird an der „Mariensäule“ auf dem „Schrannenmarkt“ zelebriert. 

25.000 Menschen beteiligen sich.

24. Juni 1854

Großhesselohe * Der 10,7 Kilometer lange Streckenabschnitt der Bahnverbindung von München über Rosenheim nach Salzburg ist bis „nach dem Belustigungsorte Hesselohe“ fertiggestellt. 

15. Juli 1854

München-Maxvorstadt * Die im „Glaspalast“ stattfindende „Industrie-Ausstellung“ wird von König Max II. feierlich eröffnet.

Nur wenige Tage später bricht die „Cholera“ aus.
Bei der Eröffnungsrede bricht ein „Billeteur“ tot zusammen.
Man glaubt an einen „Schlaganfall“, doch vermutlich handelt es sich um das erste Opfer der „Cholera“.

18. Juli 1854

München-Graggenau * Ein Theaterbesucher aus der Schweiz bricht während der Vorstellung zusammen und wird in die Klinik gebracht.

Vermutlich ist auch er bereits vom „Cholera-Erreger“ angesteckt.

27. Juli 1854

München * Der 39-jährige Tagelöhner Peter Stopfer ist das erste amtliche Opfer der „Cholera-Epidemie“.

29. Juli 1854

München * Der 39-jährige Tagelöhner Peter Stopfer stirbt.

Mit ihm beginnt offiziell die Statistik der „Cholera-Todesopfer“.

2. August 1854

München * Das „Bayerische Innenministerium“ beruft ein „Komitee zur Beschließung von Maßnahmen gegen die epidemische Brechruhr“, das sich bis Mitte Oktober wöchentlich zwei Mal treffen wird.

Beim ersten Zusammentreffen muss man seit dem 29. Juli weitere 22 „Brechdurchfall-Erkrankungen“ zur Kenntnis nehmen, von denen zwölf mit dem Tod endeten.
Aufgrund der Arztberichte bestätigt sich das Vorhandensein der „Cholera“.

Eine vorsichtige Information der Bevölkerung in der halbamtlichen „Neuen Münchner Zeitung“ wird beauftragt.
Mit den Warnungen vor bestimmten Lebensmitteln hofft das „Komitee“ auf keine weitere Verbreitung der Krankheit.

3. August 1854

München * In der halbamtlichen „Neuen Münchner Zeitung“ wird mitgeteilt, dass „in Folge der außergewöhnlichen, rasch eingetretenen Hitze, Durchfälle vorgekommen“ und dass „daran namentlich einige kleine Kinder, alte und kränkliche Personen gestorben“ sind.

Als Ursache wird „die Überladung des Magens mit Kartoffeln, Gurken und dergleichen“ angegeben.

Die „Cholera“ erreicht auch die Vorstädte Au, Haidhausen und Giesing. Bis zu deren Eingemeindung am 1. Oktober werden die Sterbestatistiken getrennt geführt.

5. August 1854

München - Vorstadt Au - Giesing - Haidhausen * Die Erkrankungsfall- und Todesfälle haben weiter zugenommen, weshalb das „Komitee zur Beschließung von Maßnahmen gegen die epidemische Brechruhr“ einen Maßnahmenkatalog in Angriff nimmt.

„Ärztliche Besuchsanstalten“ werden eingerichtet und dabei das Stadtgebiet und die Vorstädte Au, Haidhausen und Giesing in 13, später 15 Distrikte eingeteilt.

5. August 1854

München * König Max II. verfügt die Abschaffung des mittelalterlichen „Richtschwerts“.
Die Todesstrafe wird künftig ausschließlich mit der „Guillotine“ vollstreckt.

Die bayerische „Guillotine“ ist im Gegensatz zu dem aus Holz hergestellten französischen Original aus Eisen.
Das „Fallbeil“ braucht deshalb nur eine Fallhöhe von 1,50 Metern, statt den 5 Metern der Original-Guillotine.

6. August 1854

München * Der „Bayerische Landbote“ dementiert die über Mundpropaganda verbreitete Nachricht, „dass die Cholera wieder herrsche“.

7. August 1854

München * Seit Ausbruch der „Cholera“ sind alleine auf Münchner Stadtgebiet 44 Todesfälle aufgetreten.

8. August 1854

München * In der „Neuen Münchner Zeitung“ wird erstmals zugegeben, dass die „Gefahr einer Cholera-Epidemie“ besteht.

13. August 1854

München * Die „Ärztlichen Besuchsanstalten“ nehmen ihre Tätigkeit auf.

Die Zahl der durch die „Cholera“ verursachten Todesopfer ist auf 208 angestiegen.

20. August 1854

München * Ludwig Joseph Graf von Arco, der Ehemann der Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine, stirbt in München. 

Bis 22. August 1854

Vorstadt Au - Giesing - Haidhausen * In den Vorstädten Au, Haidhausen und Giesing zählt man insgesamt 138 „Cholera-Tote“.

23. August 1854

München * Der Epidemie-Höhepunkt ist in München erreicht.

An diesem Tag sterben 82 Personen an der „Cholera“ und erhöhen damit die Gesamtsterbezahl auf 803.

28. August 1854

München-Graggenau * Um die Abwendung der „Cholera-Epidemie“ zu erflehen und die Ausbreitung künftig möglichst zu unterbinden, wird ein großer „Bittgottesdienst“ an der „Mariensäule“ auf dem „Schrannenplatz“ zelebriert.

25.000 Menschen sollen sich dort eingefunden haben.

28. August 1854

Ebersberg * Simon von Eichthal, der Mitbegründer der „Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank“, stirbt in Ebersberg. 

30. August 1854

Vorstadt Au - Giesing - Haidhausen * Der Epidemie-Höhepunkt ist in den Vorstädten Au, Haidhausen und Giesing erreicht.

An diesem Tag sterben 34 Personen an der „Cholera“ und erhöhen damit die Gesamtsterbezahl auf insgesamt 355.

September 1854

München-Theresienwiese - München-Au - München-Maxvorstadt * Wegen der grassierenden „Cholera“ sagt die Regierung das „Oktoberfest“ ab, was zu zahllosen Klagen der Geschäftsleute führt.

Als auch noch die „Auer Herbstdult“ storniert werden soll, bitten die Geschäftsleute, „dem ohnedieß diesem Sommer schwerheimgesuchten Gewerbestand“ nicht auch noch dieses „Bißchen Brot“ zu entziehen.

Weder zur „Auer Herbstdult“ noch zu der seit 15. Juli stattfindenden „Industrie-Ausstellung“ im „Glaspalast“ finden sich viele Interessenten ein.

2. September 1854

Vorstadt Au - Giesing - Haidhausen * Die Cholera-Sterbezahl in München und den Vorstädten Au, Haidhausen und Giesing beträgt an diesem Tag insgesamt 107.

3. September 1854

München * Die täglichen „Cholera-Sterbefälle“ nehmen in München deutlich ab.

Seit dem Ausbruch der Epidemie sind 1.468 Münchner verstorben.

9. September 1854

Vorstadt Au - Giesing - Haidhausen * Die täglichen „Cholera-Sterbefälle“ gehen jetzt auch in den Vorstädten Au, Haidhausen und Giesing  deutlich nach unten.

Seit dem Ausbruch der Epidemie sind 564 Personen verstorben.

13. September 1854

München * In München werden die ersten - wegen der „Cholera-Epidemie“ eingerichteten - „Ärztlichen Besuchsanstalten“ aufgelöst.

29. September 1854

München-Graggenau * Ein „Verein hiesiger Bürger“ lädt für den 3. Oktober zu einem „feierlichen Dankamt“ zur „Mariensäule am Schrannenplatz“ ein, „um Gott den Herrn für die Errettung aus dieser großen Drangsal die innigsten Dankgebete darzubringen“.

In dieser Einladung wird die „Cholera“ schon für beendet erklärt.

30. September 1854

München * Das „Komitee zur Beschließung von Maßnahmen gegen die epidemische Brechruhr“ beschließt, das die „Cholera“ in München erloschen ist.
Nur drei Ärzte stimmen dagegen. 

Alle „Ärztlichen Besuchsanstalten“ werden geschlossen, die „Suppenanstalten“ wieder auf vier reduziert.
Die ärztliche Versorgung in den Vorstädten wird eine Woche länger aufrecht erhalten.

2.143 von rund 114.000 Münchner Einwohnern fallen bis dahin der sogenannten „Kalten Pest“ zum Opfer, das sind 1,9 Prozent. 
In den Vorstädten Au, Haidhausen und Giesing sterben 781 von 21.000 Bewohnern, das ist mit 3,7 Prozent eine fast doppelt so hohe Sterbequote.

Kinder, Frauen und ältere Menschen machen die Mehrzahl der Opfer aus.
In München liegt der Anteil der Frauen bei 45,7 Prozent, der der Kinder unter zehn Jahren bei 19,7 %.
In den Vorstädten liegt die Sterblichkeit bei den Frauen bei 39,5 und bei den Kindern bei 25,2 Prozent.

An der „Cholera“ sterben stets mehr Frauen als Männer.
Das liegt daran, dass Frauen immer einer größeren Infektionsgefahr ausgesetzt sind, da sie die Kranken versorgen und die Wäsche waschen.

Während der Anteil der über 60-jährigen Opfer in der Stadt München fast 27 Prozent beträgt, sind es in den Vorstädten „nur“ 17,7 Prozent.
Das liegt aber an der sowieso wesentlich geringeren Lebenserwartung.

In Haidhausen wird fast kein Haus von der „Cholera“ verschont.
Hier liegt die Sterbequote bei 4,8 Prozent.
Darunter sind 57 Mütter und 42 Väter, wodurch 102 Kinder einen Elternteil verlieren.
Zwanzig Kinder werden zu Vollwaisen.

Von den in der „Strafanstalt“ in der Au einsitzenden 541 Häftlingen sterben 63, gleich 11,6 Prozent.

1. Oktober 1854

Ramersdorf * Im Zusammenhang mit der Eingemeindung Haidhausens nach München überlegte der Stadtrat ganz konkret, das gesamte Gemeindegebiet von Ramersdorf gleichzeitig in den Münchner Burgfrieden zu integrieren. 

Diese Pläne zerschlagen sich zunächst.

Dafür wird das „Landgericht Au“ aufgehoben und die „Ramersdorfer Lüften“ gemeinsam mit der „Gemeinde Ramersdorf“ dem „Landgericht rechts der Isar“ zugeteilt. 

1. Oktober 1854

München * Das „Stadtgericht München“ wird um einen zusätzlichen Bezirk erweitert.

Es enthält den Namen „Stadtgericht rechts der Isar“ und umfasst die neu eingemeindeten Stadtviertel Au, Giesing und Haidhausen.
Zwischen 1854 und 1862 existieren in München also zwei „Landgerichte“ und zwei „Stadtgerichte“.

1. Oktober 1854

München-Maxvorstadt * Der Münchner „Glaspalast“ wird mit der „Allgemeinen Ausstellung deutscher Industrie- und Gewerbeerzeugnisse“ eröffnet.

1. Oktober 1854

München-Au - München-Haidhausen - München-Giesing * Eingemeindung nach München 

  • der Vorstadt Au mit den Gemeindeteilen Niedergiesing und Nord-Falkenau,
  • die selbstständige Gemeinde Haidhausen und
  • die Gemeinde Giesing mit den Gemeindeteilen Obergiesing, Lohe, südliche Falkenau, Pilgersheim, Birkenleiten, Siebenbrunn, Hellabrunn, Harlaching, Soyerhof, Stadelheim und Menterschweige. 

Dadurch erhöht sich die Bevölkerungszahl Münchens um 20.662 Einwohner.
Davon kommen aus der Au 10.840, aus Haidhausen 6.273 und aus Giesing 3.549 Menschen.
Damit wächst zusammen, was zusammen gehört, den die Bewohner der drei Vorstädte gehörten schon immer „funktional“ nach München.

Die Au ist zu diesem Zeitpunkt die zehntgrößte Stadt des Königreichs Bayern.

Der „Burgfrieden“ von München, der sich durch Korrekturen seit dem Jahr 1724 von 1.593 Hektar auf rund 1.700 Hektar erweitert hat, verdoppelt sich nahezu.
Mit der Au [87 ha], Haidhausen [296 ha] und Giesing [1.287 ha] vergrößert sich das Stadtgebiet um weitere 1.670 Hektar.

Wegen der noch grassierenden „Cholera-Epidemie“ erfolgt der Eingemeindungsakt ohne großes Aufsehen.

1. Oktober 1854

München-Au - München-Untergiesing * Mit der Eingemeindung von Haidhausen, Giesing und der Au unterscheidet man eine „Innere Birkenau“ und eine „Äußere Birkenau“.

Die letztgenannte reicht von der eigentlichen Siedlung bis zur Entenbachstraße.

2. Oktober 1854

München * Die „Cholera-Epidemie“ wird in der „Neuen Münchener Zeitung“ offiziell für „erloschen“ erklärt.

An die Bevölkerung wird appelliert, auch weiterhin die empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, da die Krankheit noch längere Zeit vereinzelt auftreten kann.

3. Oktober 1854

München-Graggenau * Aus Dankbarkeit für die „Abwendung der Cholera“ versammeln sich „zahllos die Andächtigen jeden Standes, Geschlechts und Alters um die im schönsten Blumenschmuck prangende Mariensäule“ am Schrannenplatz.

Ein „Verein hiesiger Bürger“ hatte dazu bereits am 29. September eingeladen, „um Gott den Herrn für die Errettung aus dieser großen Drangsal die innigsten Dankgebete darzubringen“.

14. Oktober 1854

München * Das „Komitee zur Beschließung von Maßnahmen gegen die epidemische Brechruhr“ hält seine letzte Sitzung ab.

17. Oktober 1854

München-Kreuzviertel * Nachdem König Max II. mit seiner Familie wieder nach München zurückgekehrt war, musste auf seinen Befehl hin nochmals ein „Dankgottesdienst“ zur Überwindung der „Cholera“ in der „Frauenkirche“ abgehalten werden.

Hierzu haben alle Beamten in ihrer Uniform zu erscheinen.

20. Oktober 1854

München-Graggenau * Der Stadtmagistrat teilt der Öffentlichkeit mit, dass „der bisherige Schrannenplatz dahier fernerhin 'Marienplatz' genannt werden dürfe“.

26. Oktober 1854

München-Graggenau * Die „Königinmutter“ Therese stirbt an der „Cholera“.

Ihre Grabstätte befindet sich in der Basilika Sankt Bonifaz in München. 

28. Oktober 1854

München - Darmstadt * Der Ex-König Ludwig I. reist in Begleitung seiner Tochter, der Großherzogin Mathilde von Hessen, und seinem Sohn Adalbert mit dem Eilzug nach Darmstadt.

Er will scheinbar bei der Bestattung seiner evangelischen Frau Therese in der „Theatinerkirche“ einen möglichen Eklat ausweichen, wie er sich 1841 bei Königin Caroline ereignet hat.

30. Oktober 1854

München-Graggenau * Der „Schrannenplatz“ wird in „Marienplatz“ umbenannt. 

31. Oktober 1854

München-Kreuzviertel * Die evangelische Ex-Königin Therese wird vorübergehend in der Gruft der „Theatinerkirche“ beigesetzt.

November 1854

München-Au * Mit der Eingemeindung der Au nach München wird die „Armen-Industrie-Schule“ aufgelöst.

In dem frei gewordenen Gebäude an der Gebsattelstraße wird später eine Knabenschule untergebracht.

28. November 1854

München * Adolf Friedrich von Schack wird Mitglied des neu gestifteten „Maximiliansordens für Wissenschaft und Kunst“.

8. Dezember 1854

Vatikan * Papst Pius IX. verkündet das dritte „Marianische Dogma“, das besagt: „Maria hat unbefleckt empfangen“.  

Es geht darum, dass bereits Maria ohne „Erbsünde“ geboren worden ist.  

Damit entscheidet das Oberhaupt der katholischen Kirche einen Jahrhunderte alten theologischen Streit.  
Doch nicht nur der Inhalt des „Dogmas“ erregt Aufsehen, sondern auch die Tatsache, dass der Papst diese Entscheidung ohne ein „Konzil“ und damit völlig eigenmächtig getroffen hat.  

„Dogmen“ gelten in der „katholischen Kirche“ als „geoffenbarte Glaubenswahrheit“ und sind deshalb „für alle Katholiken verbindliche und unumstößliche Glaubenssätze“.  

Ignaz von Döllinger und viele deutsche Theologen sind entsetzt über dieses „Dogma“.  

Ignaz von Döllinger kann aber weder in der „Heiligen Schrift“ noch in der „Überlieferung der alten Kirche“ etwas auffinden, das diesen „Glaubenssatz“ gerechtfertigten würde.  

Die „Münchner theologische Fakultät“ rät dem Papst jedenfalls in einem Gutachten von diesem Schritt eindringlich ab.  
Döllinger hält sich dabei noch zurück. 


Verwendet in Führung:

01. Haidhausen - Bauern, Adel und Tagelöhner
02. Haidhausen - dort wo's bogenhauserisch ist
05. Die südliche Au
06. Die nördliche Au
18. Krippen, Porzellan & Falkenjagd * Auer Impressionen im Nationalmuseum
20. Untergiesing



Cholera, Armenarzt