21. April 1907

Carl Gabriel eröffnet in der Dachauer Straße 16 sein erstes Münchner Kino

München-Maxvorstadt * Carl Gabriel eröffnet in der Dachauer Straße 16 sein erstes Münchner Kino unter dem weltmännischen Namen „The American Bio-Cie./Carl Gabriel's Theater lebender Bilder“ mit 145 Plätzen. 
Es ist Münchens viertes Kino.

Es werden Stummfilme gezeigt, die von einem mehr oder weniger talentiertem Klavierspieler und einem „Explikateur“, einen „Filmerklärer“, begleitet werden.

An den Lehnen der Vordersitze sind Drahtgestelle angebracht, in denen man seinen Masskrug abstellen kann.
Statt Popkorn und Eis - wie heute - werden Schokolade und Wurstsemmeln verkauft.

Nach 19 Uhr geht fast niemand mehr ins Kino, denn:
„Der Münchner geht im Gegensatz zum Berliner, soweit er es ermöglichen kann, lieber Nachmittags ins Kino, weil er den Abend gern im Bierrestaurant verbringt“.

Trotzdem suchen die „Gebildeten“ das Kino erst im Schutz der Dunkelheit auf.
Etwaige Bekannte begrüßen sich - wenn überhaupt - mit einem verlegenem Lächeln.
Es gibt „Logen“ mit einem Loch im Vorhang, von dem aus man zwar alles sehen kann, selbst aber nicht gesehen wird.

Die Münchner Polizei besucht im „Auftrag der Obrigkeit“ regelmäßig die „Kinematographen“.
Sie muss sicherstellen, dass im dunklen Kinosaal alles „sittlich“ und „mit rechten Dingen“ zugeht.


1907

Suchbegriffe

Kino, American Bio-Cie., Carl Gabriel's Theater lebender Bilder, Explikateur, Filmerklärer, Popkorn, Stummfilm, Loge, Kinematograph,

Personen

Gabriel Carl Schausteller

Weitere Ereignisse im Jahr 1907

1907

Wien * Die „Akademische Sektion Wien des DuOeAV“ nimmt den „Arier-Paragraphen“ in ihre Satzung auf.

Ab 1907

München-Lehel * Der palastartige Bau mit seiner Doppelfunktion als „Preußische Gesandtschaft“ und „Schack-Galerie“ wird bis 1909 verwirklicht.

1907

London * Hubert von Herkomer wird die „englische Ritterwürde“ verliehen.

Er darf sich jetzt Sir Hubert von Herkomer nennen.

1907

München * Johann Dienstknecht gründet den „allerersten“ Filmverleih und wird damit bis zu seinem Tod im Februar 1910  der unumschränkte Herrscher auf dem Filmmarkt sein.

1907

München-Maxvorstadt * Hermann Leveling, „Rentier, Ritter und Edler“ ist Eigentümer des Anwesens Richard-Wagner-Straße 9.

1907

München * Spätestens ab jetzt ist Valentin Ludwig Feys Künstlername „Karl Valentin“ unveränderlich.

1907

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Der Verkaufsraum der „Brockensammlung“ auf der „Kohleninsel“ ist zu klein, weshalb die karitative Einrichtung zusätzlich zwei Ställe der „Alten Isarkaserne“ erhält.

1907

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Als neue Dienstleistung übernimmt das „Arbeitsamt“ für Frauen mit Kindern die Suche nach einer geeigneten „Koststelle“.

1907

München-Haidhausen * Die „Straßenbahn-Direktion“ braucht neue Büroräume, die in der ehemaligen „Lackiererei“ - im ersten Stock des „Werkstättengebäudes“ - eingerichtet werden. 

Ab 1907

München * Im „Simplicissimus“ erscheinen bis 1914 insgesamt 41 „Filserbriefe“ aus der Feder von Ludwig Thoma. 

25. Januar 1907

Deutsches Reich * Die „Reichstagswahl“, die sogenannte „Hottentottenwahl“, führt im „Reich“ zu einem konservativen Richtungsumschwung in der „Sozialdemokratischen Partei“.

Die „Reichstagswahl“ bringt für die „Sozialdemokratische Partei Deutschlands - SPD“ herbe Mandatsverluste ein.
Die „Sozis“ stürzten - auch aufgrund des ungerechten „Dreiklassen-Wahlrechts“ - von 81 auf 43 Sitze im „Reichstag“ ab und verlieren somit 38 „Mandate“. Das ist die schwerste Wahlschlappe, die die „SPD“ bis dahin einstecken musste.

Der „Reichsregierung“ ist dies zweifellos mit ihrem Appell an die „vaterländischen Instinkte“ gelungen. Gleichzeitig war dadurch die „Kolonialismus-kritische“ schwarz-rote Mehrheit im „Reichstag“ gebrochen.

Die „Konservativen“, bestehend aus der „Deutschkonservativen Partei“, der „Deutschen Reichspartei“ und der „Nationalliberalen Partei“ billigen umgehend den „Nachtragshaushalt“ und damit die weitere Finanzierung des „Kolonialkrieges in Übersee“.

Für die „Sozialdemokratie“ hat der Ausgang der Wahl einen „erzieherischen Einfluss“. Die SPD-Parteiführung will künftig ihre „nationale Zuverlässigkeit“ stärker in den Mittelpunkt stellen. Das bedeutet aber gleichzeitig die „Bereitschaft zur Vaterlandverteidigung“ nach vorne und die Kritik an der „deutschen Weltpolitik“ nach hinten zu stellen.

Diesen Schritt will Kurt Eisner - aufgrund seiner aus der „Marokkokrise“ gezogenen Erkenntnisse - keinesfalls mitgehen.
In der „Fränkischen Tagespost“, der er seit März 1907 angehört, warnt er nachdrücklich vor dem „Nachlassen im Kampf gegen den Militarismus“

März 1907

Nürnberg * Kurt Eisner tritt in die Redaktion der SPD-nahen „Fränkischen Tagespost“ in Nürnberg ein.

9. März 1907

München-Maxvorstadt * Fritz Gerlich legt sein Doktorexamen an der „Philosophischen Fakultät der Universität München“ ab.

Ab 16. März 1907

Halle * Unter dem Pseudonym „Charles Fey - Musical-Fantast“ geht Karl Valentin mit seinem „Orchestrion“ auf Tournee. 

Er will mit dem „Lebenden Orchestrion“ möglichst gleichzeitig bis zu zwanzig verschiedene Instrumente bedienen und damit ein großes Orchester imitieren.

Am 16. März tritt „Charles Fey“ in Halle in „Süssmilch‘s Walhalla-Theater“ auf.

17. März 1907

Halle * Die Geschäftsführung des „Süssmilch‘s Walhalla-Theaters“ in Halle kündigt dem „Musical-Fantast“ Charles Fey. 

26. März 1907

München * Ludwig Thoma heiratet Marietta de Rigardo. 

21. Mai 1907

München * Dr. phil. Fritz Gerlich tritt im „Kgl. Allgemeinen Reichsarchiv“ seinen dreijährigen Vorbereitungsdienst an.

31. Mai 1907

Königreich Bayern * Bei den bayerischen „Landtagswahlen“ erhalten

  • das „Zentrum“ 98 (- 4),
  • die „Fortschrittspartei“ 25 (- 3) und
  • die SPD 20 (+ 8) Mandate.
31. Mai 1907

Königreich Bayern * Die Wahlen werden erstmals nach dem neuen „Wahlgesetz“ durchgeführt.  

Durch das „Mehrheitswahlrecht“ erreicht  

  • das „Zentrum“ mit 44 Prozent der Stimmen 60 Prozent der Mandate,  
  • die „Liberalen“ erhalten 16 Prozent der Mandate bei 24 Prozent der Stimmen,  
  • die „SPD“ benötigt für zwölf Prozent der Mandate 17,7 Prozent der Stimmen. 
Um Juni 1907

Deutsches Reich * Die Tournee des „Musik-Clowns“ Karl Valentin endet im Fiasko. 

In einem „Anfall von einem Löwenbräubierriesenrausch“ zerstört er - angeblich - seinen Musikapparat.

14. Juni 1907

München - Innsbruck * Die „Generalversammlung des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins - DuOeAV“ beschließt die Errichtung eines „Alpinen Museums“.

Innsbruck und München bewerben sich.
Die bayerische Hauptstadt erhält den Zuschlag.

15. Juni 1907

München-Angerviertel * Karl Valentin ist wieder in München gemeldet.

Sein erster Wohnsitz ist in der Bierwirtschaft „Stubenvoll“, in der Schlafstellen vermietet werden.

Karl Valentin ist ein sogenannter „Schlafgänger“.
Seinen Lebensunterhalt verdient er sich mit Zithervorträgen in verschiedenen Lokalen.

2. Juli 1907

München-Englischer Garten - Hirschau * Die „S 2/6“, eine speziell für Schnellfahrversuche bei Maffei in der „Hirschau“ gebaute Lokomotive erreicht mit einer Geschwindigkeit von 154,5 km/h einen Weltrekord, der bis 1936 Bestand hat.

31. August 1907

Petersburg * In Petersburg tritt Russland der „Entente cordiale“ bei.  

Frankreich, Großbritannien und Russland bilden damit die „Triple Entente“ [„Entente“ = Bündnis]

September 1907

München-Theresienwiese * Josef Pravida nennt seine „Fischerhütte zum Holländer“ in „Fischer-Vroni“ um.

Angeblich bezieht sich der Name „Vroni“ auf eine Bedienung Josef Pravidas, die im Wirtshaus „Zum goldenen Stern“ eine besonders herzliche Atmosphäre verbreitet und damit auch auf dem Münchner Oktoberfest die „gute Seele“ des Fischbrat-Unternehmens verkörpert.

Seither befindet sich auch der alte „Fischerkahn“ am Seiteneingang der „Fischer-Vroni“. Er ist ein beliebter Treffpunkt.

27. September 1907

München-Kreuzviertel * Der „35. Landtag“ dauert vom 27. September 1907 bis zum 14. November 1911.  

Die „SPD“ will gemeinsam mit den „Liberalen“ und dem „Bauernbund“ das „Verhältniswahlrecht“ durchsetzen.  
Doch so weit kommt es nicht. 

Um Dezember 1907

München - Zittau * Karl Valentin reist, von Schulden und ständigen Geldsorgen geplagt, zu seiner Mutter nach Zittau, um sich Geld von ihr zu leihen.

Unverrichteter Dinge muss er jedoch wieder abreisen.

31. Dezember 1907

München * Die Brauereien nehmen mit etwa 4.000 Beschäftigten den 9. Platz unter den wichtigsten Gewerbezweigen ein.

31. Dezember 1907

München-Lehel * Das „Königlich Bayerische Arbeitermuseum“ zählt 16.000 Besucher.


Verwendet in Führung:




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Gabriel Carl Schausteller