26. April 1913

Eröffnung der „Alhambra-Lichtspiele“

Ludwigsvorstadt * Carl Gabriel eröffnet die „Alhambra-Lichtspiele“ an der Lindwurmstraße 124 mit etwa 200 Plätzen.


1913

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Kino, Alhambra-Lichtspiele,

Personen

Gabriel Carl

Weitere Ereignisse im Jahr 1913

1913

München * Der Stummfilm „Karl Valentin privat und im Atelier“ entsteht. 

Dazu gehört auch das 18 Meter lange Fragment „Der Kuss“.

1913

Speyer * Der Bischof von Speyer, Michael von Faulhaber, bezeichnet die „Empfängnisverhütung“ als „die eigentliche Todsünde unserer Zeit“. 

Er meint, dass sich „keine Religionsgemeinschaft [...] der Seuche des Geburtenrückgangs so kraftvoll erwehren [wird] wie die katholische Kirche“.

1913

Haidhausen * Aus der „Nebenwache IV“ an der Kellerstraße 2 a wird die „Feuerwache V“.

Ab 1913

München * Gustl Annast betreibt bis 1926 das „Varieté Savoy“ im „Hotel Reichsadler“

1913

Bogenhausen * Die eigens zum Erwerb des „Fleischer-Anwesens“ gegründete „Bogenhausener Grundverwertungsgesellschaft“ ersteigert das Grundstück.

1913

München * Münchens evangelische Gemeinde hat 86.000 Mitglieder. 

1913

Haidhausen * Die „Altöttinger-Kapelle“ am Gasteig muss wegen vollständiger Durchfeuchtung der Wände geschlossen werden.

1913

München * In München gibt es 45 „Lichtspieltheater“.

Zum Vergleich: 1909 waren es nur acht.

1913

Maxvorstadt * Emil Zeckendorf, Besitzer der Richard-Wagner-Straße 11, wird zum „k.k. östereichisch-ungarischen Vizekonsul“ ernannt.

1913

München * Dr. Fritz Gerlichs Buch „Geschichte und Theorie des Kapitalismus“ erscheint.

1913

Haidhausen * Franz von Stuck erhält vom „Kölner Kunstverein“ den Auftrag, seine „Amazone“ in Lebensgröße zu gestalten. 

1913

München * Weil die ersten Filmaufnahmen von „Karl Valentins Hochzeit“ unterbelichtet waren, wird der Streifen nochmal gedreht. 

Jetzt ist auch Liesl Karlstadt mit im Team.

1913

Lehel * Karl Valentin zieht von der Kanalstraße 16 in die Kanalstraße 8/2, Gartenhaus, um.

1913

München * Der Film „Die lustigen Vagabunden“ entsteht. 

Karl Valentin spielt darin einen ziemlich vertrottelten Polizisten.

1913

Isarvorstadt - Museumsinsel * Nachdem das Gebäude des „städtischen Arbeitsamtes“ an der Thalkirchner Straße bezugsfertig ist, erfolgt der Umzug von der „Kohleninsel“.

1913

Bogenhausen * Thomas Mann erwirbt ein Grundstück im Münchner „Herzogpark“ und lässt sich von den Architekten Aloys und Gustav Ludwig eine Villa erbauen.

Die Anschrift lautet: Poschingerstraße 1.

1913

Haidhausen * Um zusätzliche „Direktionsbüros“ in der „Straßenbahn-Direktion“ zu schaffen, müssen die „Dienstwohnungen“ im Wohngebäude umgebaut werden. 

1913

Englischer Garten - Lehel * Das heutige „Karussell am Chinesischen Turm“, ein Gemeinschaftswerk des Schwabinger Bildhauers Joseph Erlacher und des Dekorationsmalers August Julier, geht in Betrieb und dreht noch heute seine Runden.

1913

Lehel - Praterinsel * Die Begeisterung für das „Alpine Museum“ auf der „Praterinsel“ führt zur Gründung des „Vereins der Freunde des Alpinen Museums“

Er will die Lücken der Ausstellung schließen und den Ausbau des Museums fördern.

Im Süden des Anwesens wird ein „Alpenpflanzengarten“ angelegt und rund um das Haus Gesteinsblöcke der „Geologischen Schausammlung“ ausgestellt.

12. April 1913

München * Die Brüder Fred und Hermann Sommer sowie Martin Fromberger gründen den „Loos-Verein Wild West“, den späteren „Cowboy Club München 1913 e.V.“.  

Es ist am Anfang also ein „Sparverein“, zu dem sich die drei „Wild West“-begeisterten jungen Münchner zusammenschließen.
Sie wollen nach Amerika auswandern, haben aber das Geld für die Überfahrt nicht.

Die drei Burschen aus dem „Arme-Leute-Milieu“ hätten nie und nimmer genug Geld zusammenkratzen können, weshalb höhere Mächte einspringen müssen: das Glück, „Fortuna“.

Sie gründen besagten „Los-Verein“, zahlen Geld ein und nehmen an diversen Lotterien teil.
Einmal, so hoffen sie, würde das Glück schon zuschlagen und den Hauptgewinn ausschütten - und dann nichts wie weg über den großen Teich.

Doch der erhoffte Geldsegen stellt sich nicht ein. 

1. Mai 1913

München * Bischof Michael Faulhaber wird das „Ritterkreuz des Kgl. Verdienstordens der bayerischen Krone“ verliehen. 

Seither kann er den Zusatz „von“ in seinem Namen führen.

21. Mai 1913

Bogenhausen - Haidhausen * Einen Tag vor dem 100. Geburtstag Richard Wagners wird ihm zu Ehren eine Statue neben dem „Prinzregententheater“ enthüllt.

Heinrich Waderé hat das Monument gestaltet.
Aus mehreren zur Verfügung stehenden Entwürfen wählt man denjenigen aus, der den Komponisten in ähnlicher Pose zeigt, wie das berühmte Porträt von Johann Wolfgang von Goethe in der Campagne.

Da die ruhende Darstellung des Künstlers extrem stark im Gegensatz zu dem unsteten Leben des Musikers steht, kommt bald Kritik hoch, in die sogar das städtische „Kollegium der Gemeindebevollmächtigten“ einstimmt.
Letztlich beruhigt aber ein einziges Argument alle Kritikerstimmen:
Da Richard Wagner von Natur aus nur mit einer geringen Körpergröße ausgestattet war, hätte ein stehendes Denkmal die Öffentlichkeit nur wenig beeindruckt.

Der Marmor für die Figur stammt vom „Untersberg“.
Er umfasst als Rohblock 14 Kubikmeter Inhalt und wiegt 600 Zentner.
Über dreißig Pferde sind notwendig, um diese gewaltige Last vom „Untersberger Steinbruch“ zur nächsten Eisenbahn zu schaffen, mit der er ab Berchtesgaden nach München gebracht wird.
„Bildhauer“ Waderé hat sich am „Ostbahnhof“ ein provisorisches Atelier eingerichtet.

Da die fertige Marmorfigur noch immer 450 Zentner wiegt gestaltet sich der Transport vom Atelier zum Aufstellungsort als besonders schwierig.
Er nimmt mehr als zwei Tage in Anspruch.

Die Statue muss mit einer „Straßenlokomotive“ der „Firma Maffei“ zum Ort seiner Aufstellung gebracht werden.
Dort behindert vor allem der weiche Boden die Arbeiten, da sich die Räder des Transportwagens immer wieder eingraben.

Cosima und Siegfried Wagner lehnen ihre Teilnahme an der Denkmalenthüllung ab. Bei Cosima sind es gesundheitliche, bei Siegfried grundsätzliche Gründe.
Die Konkurrenz der „Münchner Festspiele“ für Bayreuth sind aber die wahren Beweggründe.

Das gesellschaftliche Ereignis an der Prinzregentenstraße wird durch Richard Wagners „Huldigungsmarsch“ eröffnet. 

Münchens erster Bürgermeister, Wilhelm von Borscht, hält eine Ansprache und Ernst von Possart, der Initiator des Denkmals, sagt in seiner Rede:
„So grüßen wir Dich, Unsterblicher! Möge Dein Antlitz uns leuchten“.

Prinzregent Ludwig III. enthüllte schließlich das „Wagner-Denkmal“.

Die sozialdemokratische Tageszeitung „Münchner Post“ kommentiert das Ereignis mit den Worten:
„Das Streben Münchens, die seiner Zeit an Bayreuth abgegebene Hegemonie im Reiche von Wagners Kunst an sich zu bringen - das heimliche Agens [die treibende Kraft] unserer Festspiele - hat uns nun endlich ein würdiges Denkmal des Meisters beschert“.

Gleichzeitig kritisiert das Blatt, dass der Eröffnungsakt nicht dem „Festwiesenbild“ der Wagner'schen „Meistersinger“ entsprach und auf den „Wach-auf-Chor“ kein spontaner Jubel des Volkes, sondern ein „hochoffiziell-eisernes Schweigen“ der „aristokratisch-bürgerlichen Festversammlung“ folgt.

Den Abschluss der Einweihungsfeierlichkeiten für das „Musiker-Standbild“ bildet der „Tannhäusermarsch“.

30. Mai 1913

London * Nach vernichtenden Niederlagen muss die Türkei unter Vermittlung der europäischen Großmächte den „Londoner Vertrag“ unterzeichnen, der den „Ersten Balkankrieg“ beendet.  

Die Osmanen verzichten darin auf alle europäischen Gebiete;
der Kretische Staat vereinigt sich offiziell mit Griechenland.  
Die Türkei behält aber - sehr zum Ärger Russlands - die Kontrolle über die Meerengen.  

Durch die Schaffung des Staates Albanien erhält Serbien den ersehnten Zugang zur Adria aufgrund einer Forderung Österreich-Ungarns nicht.

29. Juni 1913

Balkan * Der „Zweite Balkankrieg“ beginnt.  

Bulgarische Truppen greifen gleichzeitig die griechischen und serbischen Armeen an, ohne dass Bulgarien den beiden Staaten offiziell den Krieg erklärt hat.  

Bald treten auch noch Rumänien und die Türkei in den Krieg ein, da alle Beteiligten mit Gebietszuwächsen rechnen.  
Die Großmächte müssen wieder vermitteln. 

Juli 1913

Maxvorstadt * Elisabeth Wellano tritt im „Serenissimus“ in der Akademiestraße als „Lisl Mackstadt“ auf. 

Kurz darauf erfolgt die Umbenennung in „Liesl Karlstadt“. Es ist einer der wenigen Fälle, in dem ein exotisch klingender Name zugunsten eines „normalen“ aufgegeben wird. 

Die Umbenennung ist für beide zufriedenstellend: Karl Valentin muss nicht länger befürchten, dass der exotische Name „Wellano“ von ihm ablenkt und ihr von Anfang an eine zu große Aufmerksamkeit garantiert. Sie war froh, ihn endlich los zu sein.

Ihren Namen hat sie nie sehr geliebt, da er für sie untrennbar mit ihrer Kindheit verbunden war, als sie mit „Wellano - Italiano - lebst aa no?“ verspottet wurde.

1. Juli 1913

Berg am Laim * Die selbstständige Gemeinde Berg am Laim wird nach München eingemeindet.

1. Juli 1913

Oberföhring * Die selbstständige Gemeinde Oberföhring wird nach München eingemeindet.

8. Juli 1913

Belgrad - Athen - Sofia * Serbien und Griechenland erklären Bulgarien den Krieg. 

10. Juli 1913

Bukarest - Sofia * Rumänien erklärt Bulgarien den Krieg. 

11. Juli 1913

Konstantinopel - Sofia * Das „Osmanische Reich“ erklärt Bulgarien den Krieg. 

Um den August 1913

Ludwigsvorstadt * Premiere des Karl-Valentin-Mehrpersonenstücks „Alpengesangsterzett Alpenveilchen“ im „Frankfurter Hof“, Schillerstraße 49. 

Karl Valentin und Liesl Karlstadt treten erstmals gemeinsam in einem Stück auf.

Das Bühnenstück wird insgesamt 385 Mal aufgeführt.

10. August 1913

Bukarest * Im „Bukarester Frieden“ verliert Bulgarien einen Großteil seiner Eroberungen aus dem „Ersten Balkankrieg“.  

  • Serbien und Griechenland teilen sich Mazedonien,  
  • Rumänien kann sich weiter zum „Schwarzen Meer“ hin ausweiten und  
  • die Türkei erhält einen Teil seines europäischen Besitzes zurück.

Die „k.u.k-Monarchie“ Österreich-Ungarn ist jedoch spätestens jetzt fest entschlossen, ein weiteres Vordringen des zur „Mittelmacht“ aufgestiegenen Balkanstaats Serbien mit aller Macht zu verhindern - auch um den Preis eines Krieges mit Russland. 

25. August 1913

Kehlheim * „Prinzregent“ Ludwig lädt alle deutschen Fürsten in die „Befreiungshalle“ bei Kelheim ein. 

Dieses „Pantheon“ war am 50. Jahrestag der „Völkerschlacht von Leipzig“ eingeweiht worden und stellte ein „Wahrzeichen des deutschen Patriotismus“ dar.  

Es war eine glänzende patriotische Feier, die zum ersten - und zum letzten - Mal alle regierenden Fürsten Deutschlands zusammenführte.  
Es war sozusagen das „Totenfest des deutschen Monarchismus“

September 1913

Theresienwiese * Die „Bräurosl-Festhalle“ ist das bisher größte „Wiesnzelt“

Mit seinen 5.500 qm bietet es Platz für 12.000 Menschen. Das Mammutzelt hat eine Firsthöhe von 15 Metern, fast 28 Meter Breite werden stützenfrei überspannt. 

Da die Aufbau- und Abbauzeit fünf Monate dauert und damit die vorgegebene Zeit der Stadt weit überschreitet, wird eine Konventionalstrafe fällig.

September 1913

Theresienwiese * Das „Oktoberfest“ steht letztmals unter monarchischem Protektorat.

Um den September 1913

Theresienwiese * Die Polizei warnt im „Bayerischen Kurier“ vorm Oktoberfest-Besuch: 

„In den Buden wie außerhalb derselben drohen allerlei Gefahren, die sich in den Abendstunden steigern“

29. September 1913

Moskau * Russland greift in die Verhandlungen ein.  

Im „Vertrag von Konstantinopel“ erhält Bulgarien - mit Russlands Unterstützung - mit Westthrakien doch noch einen Zugang zur Ägäis.  
Das verursacht einen neuen Konflikt mit Griechenland, das die Region für sich beansprucht.  

Insgesamt erkämpfen die Balkanstaaten weitere Gebiete der zerfallenden Türkei.  
Serbien geht als strahlender Sieger aus den beiden „Balkankriegen“ hervor und kann sein Territorium nahezu verdoppeln. 

18. Oktober 1913

Hackenviertel * Carl Gabriel eröffnet die „Sendlingertor-Lichtspiele“ mit 680 Plätzen. 

Der Neubau wird von Jacob Heilmann und Max Littmann geplant und ausgeführt.
Es ist das erste Münchner Großkino und das erste Kino mit Balkon.

30. Oktober 1913

Kreuzviertel * Die „Abgeordnetenkammer“ beschließt ein verfassungsänderndes Gesetz mit 122 gegen 27 Stimmen der „Sozialdemokraten“

Mit diesem Gesetz kann der „Regent die Regentschaft für beendet und den Thron für erledigt erklären“, wenn „wegen eines körperlichen oder geistigen Gebrechens des Königs“ auch „nach Ablauf von zehn Jahren keine Aussicht auf Regierungsfähigkeit“ besteht. Damit hat der „Prinzregent“ die Möglichkeit, seinen noch lebenden geisteskranken Cousin, den legitimen König Otto I., zu „entthronen“.

„Prinzregent“ Ludwig III. wollte politisch eine Veränderung herbeiführen und konnte mit dem „Zentrum“ und den „Liberalen“ auf eine breite parlamentarische Mehrheit bauen. Doch eine schlichte „Proklamation“ Ludwigs III. zum König wurde von den Abgeordneten als „nicht ratsam“ erachtet, da auch der „Prinzregent“ eine Übertragung der Krone durch den „Landtag“ ablehnte. Schließlich wollte Ludwig III. kein „König von Volkes Gnaden“, sondern ein „König von Gottes Gnaden“ sein.

4. November 1913

Kreuzviertel * Auch die „Kammer der Reichsräte“ billigt die Verfassungsänderung. 

Damit kann Prinzregent Ludwig III. die „Regentschaft für beendet und den Thron für erledigt“ erklären.

5. November 1913

München * „Prinzregent“ Ludwig III. proklamiert sich selbst zum „König“

Otto I. wird damit durch seinen Vetter Prinzregent Ludwig III. „entthront“. Eine 27-jährige „Regentschaft“ geht dadurch zu Ende.

Nachdem diese unumstößlichen Fakten geschaffen sind, erkennt der „Landtag“ an, „daß am 4. November 1913 die verfassungsmäßigen Voraussetzungen für die Beendigung der Regentschaft bestanden haben“. Die Abgeordneten stimmen dem Antrag brav zu. Daraufhin erklärte „König“ Ludwig III., dass durch seine Thronbesteigung der Titel und die Ehrenrechte König Ottos I. nicht berührt werden.

Bayern hat damit - bis zum Tod König Ottos I. am 11. Oktober 1916 - zwei Könige und damit eine „Doppelmonarchie“.

Doch die Vorgänge um die „Inthronisation“ schaden dem Ansehen König Ludwigs III. und der Monarchie schwer. Deshalb rührte sich auch keine Hand, als exakt fünf Jahre später Bayern als erster deutscher Einzelstaat sang- und klanglos zusammenbrach.

8. November 1913

München * Der neu ernannte König Ludwig III. leistet seinen „Treueeid“ auf die Verfassung.

Der „Sozialist“ Kurt Eisner bemerkt dazu nur kurz: „Soeben hat Prinzregent Ludwig der Monarchie das Grab geschaufelt“.

Auf den Tag genau, fünf Jahre später, fällt Ludwig in die Grube, die er sich selbst und der „Monarchie“ geschaufelt hat.

18. Dezember 1913

Lübeck * Willy Brandt, der spätere Regierende Bürgermeister von Berlin und Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und SPD-Vorsitzende, wird als Herbert Ernst Karl Frahm  in Lübeck geboren. 


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