1870

Die Altkatholiken spalten sich von der römisch-katholischen Kirche ab

Rom-Vatikan - München * Das Erste Vatikanische Konzil beschäftigt sich mit der Lehrgewalt des Papstes, bei der die Mehrzahl der Bischöfe die „Unfehlbarkeit des Papstes“ in Glaubensfragen bejaht. Daraufhin spalten sich - unter Führung von Ignaz Döllinger - die Altkatholiken von der römisch-katholischen Kirche ab, da sie die Konzilsentscheidung nicht anerkennen wollen.


1870

Suchbegriffe

Heilig-Kreuz-Kirche, Nicolaikapelle, Erstes Vatikanisches Konzil, Unfehlbarkeit des Papstes, Glaubensfragen, Papst, Altkatholiken, Katholiken, Konzil, Vatikan,

Personen

Döllinger Ignaz von Theologe Pius IX. Papst

Weitere Ereignisse im Jahr 1870

1870

München * Stadtbaurat Arnold Zenetti wird Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr München.

1870

USA * Der amerikanische Ku-Klux-Klan wird aufgelöst. 

1870

München-Graggenau * Der Mittelbereich des Neuen Rathauses wird von Bildhauern gestaltet. Er zeigt in Standbildern die „bürgerlichen Tugenden“: Gewerbefleiß, Häuslichkeit, Wehrhaftigkeit und Mildtätigkeit.

1870

München-Graggenau * Die von der Münchner Garnison gestellte Hauptwache bezieht ihr neues Wachlokal in der Erdgeschosszone des Neuen Rathauses.

Um 1870

München-Au * Mit dem Bau der Eisenbahnlinie muss sich der Magistrat gegenüber der Eisenbahn-Gesellschaft verpflichten, das Gebäude des neuen St.-Nicolai-Spitals der Unheilbaren am heutigen Kolumbusplatz abzubrechen.

1870

Rom-Vatikan * Der Papst verliert seine weltlichen Machtbefugnisse über den Vatikan.

Um 1870

Königreich Bayern * Die bayerischen Ziegeleibarone holen jährlich etwa 15.000 Saisonarbeiter aus der Gegend von Udine und dem Friaul ins Land, da sie - so die offizielle Begründung - als „streng katholisch“ sowie „genügsam und anspruchsvoll“ gelten. Auch würden sie „am Montag früh stets vollständig zur Arbeit erscheinen, eine Eigenschaft, auf die man bei den einheimischen Arbeitern nicht bestimmt rechnen kann“.

Wesentlich interessanter war für die „Loambarone“ allerdings, dass die italienischen Arbeitskräfte gegenüber ihren deutschen Kollegen erheblich billiger waren und dass sie das in Italien traditionelle Akkordanten-System von jeglicher sozialer Verantwortung gegenüber den Ziegeleiarbeitern entband. Die Anwerbung der Ziegelarbeiter, den Fornaciai, übernahmen die Akkordanten oder Capuzats. Das waren Friulaner, die mit den hiesigen Verhältnissen bestens vertraut und sprachkundig waren und so als Bindeglied zwischen den Ziegeleibesitzern und den Arbeitern fungierten.

1870

München-Maxvorstadt * Der Bildhauer Anton Heß, Sohn des Historienmalers Heinrich Maria, baut neben seinem Vaterhaus in der Luisenstraße 17 (heute HsNr. 37) ein Atelier.

1870

München * Die klassische Strecke des Stadtomnibusnetzes geht jetzt vom Zentralbahnhof zur Ludwigsbrücke. Sie wird in der Zeit von 8.00 Uhr bis 20.30 Uhr im 20-Minuten-Takt befahren.  

Auf Drängen der Polizei müssen die Linien beschildert und nummeriert werden, bei Dunkelheit farbige Lampen die Richtung anzeigen. Der Tarif beträgt nur mehr drei Kreuzer. Es gibt bunte Fahrscheine, die sogar schon mit einem Reklameaufdruck versehen sind. Da die Nachfrage inzwischen angestiegen ist, kann das Unternehmen auch auf einen wirtschaftlichen Erfolg hoffen.  

Das Zechmeister‘sche Streckennetz wird in der Folgezeit ständig erweitert. Bei Unrentabilität werden Streckenabschnitte aber auch wieder eingestellt oder nur mehr zu besonderen Anlässen angefahren. So verkehren bestimmte Sonderwagen nur während des Oktoberfestes oder fahren nach Nymphenburg. 

Um 1870

München * In München entstehen - als Ableger der Varietés - die ersten Singspielhallen. 

Um 1870

München * Die Sonntags- und Feiertagsarbeit nimmt ständig zu.

1870

München * 20 Jahre nach der Erfindung der großflächigen Glasscheiben beginnt das Zeitalter der Schaufenster. 

Ab dem 1. Januar 1870

Deutschland - Österreich - Schweiz * In den deutschsprachigen Ländern verzeichnet man einen enormen Anstieg des Bierkonsums, sodass sich der Pro-Kopf-Verbrauch bis zum Ersten Weltkrieg verdreifacht.

31. März 1870

München-Haidhausen * Der Plan für die Straßenzüge zum Braunauer Bahnhof in der Vorstadt Haidhausen wird vom Stadtbaurat Arnold Zenetti fertiggestellt und den zuständigen Gremien zur Genehmigung zugeleitet.

7. April 1870

Karlsruhe * Gustav Landauer wird in Karlsruhe geboren.

11. April 1870

München-Au * Scheinbar haben die Eheleute Johann Valentin und Johanna Maria Fey ihre in Sachsen vollzogene Eheschließung nicht bei der Königl. Polizeidirektion München gemeldet, weshalb die Behörde Nachforschungen anstellt. 

11. Juni 1870

Berlin * Das erste deutsche Reichsgesetz betreffend das Urheberrecht an Schriftwerken, Abbildungen und musikalischen Kompositionen wird verabschiedet. Es hat aber bis zur Gründung der Anstalt für musikalisches Aufteilungsrecht im Jahr 1902 nur wenig Bedeutung.

26. Juni 1870

München-Graggenau * Die „Walküre“ von Richard Wagner wird im Hof- und Nationaltheater uraufgeführt.

13. Juli 1870

Berlin * Der Preußische Kanzler Otto von Bismarck weis, dass die Deutsche Einigung nur durch den Druck von Außen vollendet werden kann. Diesen Druck von Außen liefert ihm der französische Kaiser Napoleon III., nachdem das spanische Parlament den vakanten Thron einem Mitglied des Haus Hohenzollern-Sigmaringen anbietet. In Frankreich kommen daraufhin Einkreisungsängste hoch, die sich in der scharfen Ablehnung des spanischen Vorhabens durch Kaiser Napoleon III. niederschlagen.

Preußens König Wilhelm I. erklärt sich daraufhin öffentlich bereit, den französischen Wünschen nachzukommen und den Thron einem nicht-deutschen Kandidaten zu überlassen. Doch das ist für die französische Öffentlichkeit zu wenig. Sie fordert die Garantie, dass auch zukünftig die Kandidatur hohenzollerischer Prinzen ausgeschlossen wird. Mit dieser Forderung reist der französische Botschafter Benedetti nach Bad Ems, wo sich der Preußenkönig zur Kur aufhält.

Wilhelm I. und Bismarck erkennen die isolierte Position der Franzosen, da weder England noch Russland Interesse an dem Vorgang zeigen. Schon deshalb lehnt König Wilhelm I. die Forderung ab und informiert darüber seinen Kanzler in einer sachlich gehaltenen Depesche.

Bismarck überarbeitet den Inhalt der Emser Depesche in scharfer Form und gibt den veränderten Text noch am selben Tag an die Presse weiter. Durch den brüsken Ton der Depesche fühle sich Frankreich tief gedemütigt. Damit geht Otto von Bismarcks Rechnung auf. 

15. Juli 1870

??? * Die erste Ansichtskarte wird verschickt. Eine Seite der Karte trägt eine Holzschnittvignette, ein Artilleriebildchen. Die Ansichtsseite ist nicht vollständig bedruckt. Den bis dahin kursierenden „Correspondenzkarten“ zur rein schriftlichen Kommunikation ist damit ein entscheidendes Motiv hinzugefügt worden. 

16. Juli 1870

München - Berlin * König Ludwig II. befiehlt die Mobilmachung für den Krieg gegen Frankreich. 

18. Juli 1870

Luzern ? * Cosima von Bülow wird von ihrem Mann Hans von Bülow geschieden.

18. Juli 1870

Rom-Vatikan * Die Konzilsmehrheit beschließt auf dem Ersten Vatikanischen Konzil die „Unfehlbarkeit des Papstes“ in Fragen des Glaubens und des Lebens der Christen sowie seine oberste und alleinige Rechtsgewalt in der Kirche. Ignaz von Döllinger sieht durch das Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit die apostolische Tradition verraten.

Doch die Reaktion der römischen Kurie folgt umgehend. Alle Katholiken, die aus Gewissensgründen die neuen Glaubenssätze nicht annehmen und ihnen öffentlich widersprechen, werden exkommuniziert, also aus der sakramentalen Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen.

19. Juli 1870

Paris - Berlin * Kaiser Napoleon III. tritt die Flucht nach vorne an und erklärt - überstürzt und ohne außenpolitische Rückendeckung - Preußen den Krieg. „Nach Berlin!“ heißt der Schlachtruf und Marschall Leboeuf erklärt: „Frankreich ist bereit. Die preußische Armee existiert nicht. Ich kenne sie nicht!“ 

Da nun aber Preußen der angegriffene Staat ist, werden - für Frankreich völlig unerwartet - die süddeutschen Länder Bayern, Baden und Württemberg als Verbündete Preußens mit in den Krieg ziehen. 

20. Juli 1870

München - Berlin * König Ludwig II. telegrafiert seinem Vetter, dem Preußenkönig Wilhelm I.: „Mit Begeisterung werden Meine Truppen an der Seite ihres ruhmreichen Bundesgenossen für deutsches Recht und deutsche Ehre den Kampf aufnehmen.“ 

August 1870

Bogenhausen * Die Gemeindeverwaltung Bogenhausen wendet sich an die Lokalschulinspektion mit der Bitte: „Keinen ledigen Schullehrer hierher zu versetzen, der Verlockungen durch die nahe Stadt wegen“.

Ab August 1870

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Zusätzliche Baracken neben der Alten Isarkaserne werden zur Unterbringung von französischen Kriegsgefangenen genutzt.

1. August 1870

Deutschland - Frankreich * Die Deutschen können den etwa 265.000 französischen Soldaten etwa 500.000 Mann gegenüberstellen. Zielstrebig setzen die Deutschen die Eisenbahn zum Transport der Truppen und der Geschütze ein. 

4. August 1870

Weißenburg * Die ersten Kampfhandlungen zwischen deutschen und französischen Truppen beginnen in Weißenburg. 

6. August 1870

Spicheren - Wörth * Die Spicheren Höhen bei Saarbrücken sind umkämpft. Auch in Wörth prallen die deutschen und die französischen Soldaten aufeinander. 

14. August 1870

Courcelles * Gekämpft wird im Deutsch-französischen Krieg auch bei Courcelles. 

15. August 1870

München-Au * Durch den Tod seiner Mutter kommt Franz Xaver Schmederer gemeinsam mit seinem Onkel Ludwig in den Besitz des Nockhergartens und des dort befindlichen Angers.

16. August 1870

Mars-la-Tour * Weitere kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Deutschen und den Franzosen finden in Mars-la-Tour statt. 

18. August 1870

Gravelotte * Der deutsch-französische Krieg hat Gravelotte erreicht. Die Einschließung der Festungsstadt Metz steht bevor, die mit dem Kampf bei Saint-Privat abgeschlossen wird. 

Ab dem 23. August 1870

Straßburg * Straßburg wird 21 Tage lang belagert und beschossen, bis sich die Stadt ergibt. Nach deutschen Angaben feuern 241 Geschütze 193.722 Geschosse in die Stadt.

„Leider gingen hiebei gegen 400 Häuser, darunter die berühmte Bibliothek mit wertvollen Büchern, zugrunde und wurden aus der Bürgerschaft Straßburgs 1.700 Personen teils getötet, teils verwundet.“ 

25. August 1870

Luzern * Richard Wagner und Cosima von Bülow heiraten in Luzern.

1. September 1870

München * Joseph Anton Ritter von Maffei stirbt im Alter von 80 Jahren. Sein Neffe Hugo Alois von Maffei führt die Firma weiter.

2. September 1870

Sedan * Nach der verlorenen Schlacht von Sedan begibt sich der französische Kaiser Napoleon III. in preußische Gefangenschaft. 

4. September 1870

Paris * Die Französische Republik wird ausgerufen, die den Krieg gegen die Deutschen fortsetzt. Die französischen Volksheere können zunächst die deutschen Angriffe zurückdrängen, zu keiner Zeit aber den deutschen Sieg ernsthaft gefährden. 

15. September 1870

München-Au * Karl Valentins älteste Schwester Elisabeth wird geboren. Sie stirbt kurz nach der Geburt.

ab 19. September 1870

Paris * Paris wird bis zum 28. Januar 1871 von deutschen und bayerischen Truppen belagert. 

30. September 1870

Schloss Linderhof * König Ludwig II. beauftragt einen Anbau an das Königshäuschen im Graswangtal. Das ist der Beginn der Planungen für Schloss Linderhof. 

Oktober 1870

München-Theresienwiese * Der Deutsch-Französische Krieg zwingt zur Absage des Oktoberfestes.

Um Oktober 1870

München - Frankreich * Als Rekrut zieht der Steyrer Hans in den Deutsch-Französischen Krieg. Dort findet er neue Übungsgegenstände, wie ausrangierte Zugräder und Kanonenrohre. Angesichts des kargen Solds entschließt er sich, alle Kraft aufs Geldverdienen zu verwenden. Der „bayerische Herkules“ ist fest entschlossen, seine Kunst jetzt auch öffentlich zu zeigen.

11. Oktober 1870

Orleans * Orleans wird von deutschen Truppenverbänden eingenommen und später wieder aufgegeben. 

Ab dem 3. November 1870

Belfort * „Belfort“ ist eingeschlossen und erhält während der Belagerung mehr als 500.000 Artillerietreffer. 

19. November 1870

München * Der Bismarck‘sche Presseagent Moritz Busch schreibt nach Berlin:  

„Aus München meldet man, dass sich Prinz Ottos Gesundheitszustand fortwährend verschlimmert, dass man infolgedessen an seiner Sukzessionsfähigkeit zweifelt, und dass deshalb der König Ludwig sich der Familie Luitpold wieder nähert und ihr schon zweimal abends Besuche gemacht hat, was sonst nicht seine Gewohnheit ist“

19. November 1870

München * Der „Preußische Gesandte“ Georg Freiherr von Werthern informiert den preußischen „Kanzler“ Otto von Bismarck über die Geldprobleme Ludwigs II.:  

„Der König von Bayern ist durch Bauten und Theater in große Geldverlegenheiten geraten.  
Sechs Millionen würden ihm sehr angenehm sein, vorausgesetzt, dass die Minister es nicht erfahren.  
Für diese Summe würde er sich auch zur Kaiser-Proclamation und Reise nach Versailles entschließen.  
Zweck der Reise des Grafen Holnstein ist mit Ew. Excellenz hierüber zu sprechen, doch bitte ich gehorsamst, dem Grafen diese Mitteilung zu verschweigen“

23. November 1870

München - Berlin * In den sogenannten Novemberverträgen kann sich das Königreich Bayern mehrere Reservatrechte sichern. Sie betreffen vor allem

  • das Militär,
  • die Eisenbahn,
  • das Post- und Telegrafenwesen,
  • die Branntwein- und Biersteuer sowie
  • die allgemeine Staatsverwaltung.  

Die Reservatrechte sind von der Aufsicht und Gesetzgebung des Deutschen Reichs befreit. Eisenbahn, Post und Biersteuer stellen wichtige Einnahmequellen dar.  

Das Bayerische Heer bildet - in Friedenszeiten - einen geschlossenen Bestandteil innerhalb der Streitkräfte des Deutschen Reichs. Es steht mit eigener Verwaltung unter der Hoheit des bayerischen Königs. Doch mit dem Beginn der Mobilmachung - und damit dem Eintritt des Kriegsfalles - untersteht das bayerische Militär direkt dem Kaiser. 

28. November 1870

München * Als König Ludwig II. als Regent des zweitgrößten Königreichs dem preußischen König Wilhelm I. die Kaiserkrone antragen soll, fleht ihn Prinz Otto an:  

„Höre noch einmal meine Stimme; ich beschwöre Dich, das Schreckliche nicht zu tun!  
Wie kann es denn für einen Herrn und König eine zwingende Gewalt geben, seine Selbstständigkeit dahinzugeben und außer Gott noch einen Höheren über sich anerkennen zu müssen! [...]  
Mögen wir auch für den jetzigen Augenblick Vorteile und Zugeständnisse erlangen, die vielleicht von großem Umfang sind, so wiegen Sie doch gewiss nicht den hundertsten Teil von jenem Nachteil auf, den wir durch Dahingebung der Selbstständigkeit erleiden“
.  

Ganz schön weitblickend! 

30. November 1870

München * Bayernkönig Ludwig II. schreibt den sogenannten Kaiserbrief an König Wilhelm I. von Preußen. Darin regt er die „Wiederherstellung der deutschen Kaiserwürde“ und eines Deutschen Reiches an. Im Namen aller Bundesfürsten trägt er dem Preußenkönig die Kaiserkrone, die höchste deutsche Würde, an.  

Oberststallmeister Max Graf von Holnstein hat gemeinsam mit Bismarck den Brief entworfen, den der mit Zahnschmerzen im Bett liegende Bayernkönig nur ab- und unterschreiben muss. Noch am selben Tag reist Graf Holnstein nach Frankreich und überreicht dort den entscheidenden Brief an Prinz Luitpold.  

Für diesen bayerischen Ausverkauf wird König Ludwig II. allerdings persönlich mit rund fünf Millionen Mark aus Bismarcks Welfenfond entschädigt. Jedenfalls wird dem König lange Zeit unterstellt, dass der Kaiserbrief der noble Preis für diese Rentenzahlung gewesen ist. Max Graf von Holnstein, der Überbringer des Geldes und Mitbegründer der Bayerischen Vereinsbank, ist mit zehn Prozent an diesem Deal beteiligt. 

Um Dezember 1870

München-Maxvorstadt * Franz Lenbach bezieht drei Räume im ersten Stock des neuen „Ateliergebäudes“, das sich der „Bildhauer“ Anton Heß in der Luisenstraße 17 (heute HsNr. 37) hat erbauen lassen.

3. Dezember 1870

Versailles * Prinz Luitpold von Bayern übergibt den „Kaiserbrief“ im „Hauptquartier von Versailles“ an den preußischen König Wilhelm I..  

  • Der bayerische „Märchenkönig“ Ludwig II. verhält sich also gegenüber Preußen sehr loyal, muss aber - statt belohnt zu werden - bayerische Rechte an das von Preußen geführte Reich abtreten.  
  • Nichts ist es mit der erhofften Vergrößerung des Bayernlandes,  
  • nichts mit der gewünschten „alternierenden Kaiserkrone“, derzufolge dem preußischen Kaiser einer aus dem bayerischen Herrscherhaus folgen soll.  

Ein paar „Reservatrechte“, das „Heer“, die „Post“ und die „Eisenbahn“ betreffend, bleiben den süddeutschen Verbündeten.  Ansonsten hat sie sich Bismarcks großpreußischem Staatengebilde unterzuordnen. 

4. Dezember 1870

Orleans * Die Stadt Orleans gelangt erneut in deutsche Hand. In den belagerten und beschossenen Städten leiden die Menschen nicht nur unter den direkten Kriegseinwirkungen, sondern auch unter Hunger und Krankheiten. 

5. Dezember 1870

München-Englischer Garten - Tivoli * Weil im Gebäude der Ludwigs-Walzmühle am Tivoli inzwischen weder Tische noch Stühle vorhanden sind, findet die Generalversammlung der Königlich bayerischen Ludwigs-Walzmühl-Gesellschaft im Nebenzimmer des Gasthauses Zum Tivoli statt. Diese beschließt die Auflösung der Gesellschaft.

8. Dezember 1870

Rom-Vatikan * Josef, der „Nährvater Jesu“, wird von Papst Pius IX. zum Patron der katholischen Kirche ernannt.

19. Dezember 1870

Berlin * Nach König Ludwigs II. Kaiserbrief vom 30. November 1870 reagiert Kanzler Otto von Bismarck und leitet eine Verfassungsänderung in die Wege, durch welche die Bezeichnung „Deutscher Bund“ in „Deutsches Reich“ und „Deutscher Kaiser“ eingeführt wird. 

Dies geschieht auch im Einvernehmen mit der bayerischen Regierung. Spätestens jetzt ist es mit der Souveränität Bayerns vorbei. 

Ab 27. Dezember 1870

Paris * Paris wird mit Granaten beschossen. 

30. Dezember 1870

München-Kreuzviertel * Zur Annahme der Versailler Verträge vom 23. November 1870 und dem damit verbundenen Reichsbeitritt ist im Bayerischen Landtag eine verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit notwendig.  

Diese Verträge regeln die Modalitäten, unter denen die süddeutschen Staaten dem Deutschen Kaiserreich beitreten sollen. Dabei ist zu entscheiden, ob das Königreich Bayern selbstständig bleiben oder ein Teil des Deutschen Reiches werden soll.  

Die Kammer der Reichsräte, der Vertretung des Hochadels, der Hochfinanz und der hohen Geistlichkeit, hat den Verträgen, die am 1. Januar 1871 in Kraft treten sollen, bereits an diesem 30. Dezember 1870 mit großer Mehrheit zugestimmt. Um die Souveränität des bayerischen Volkes preiszugeben, haben die erklärten „Sachwalter bayerischer Interessen“ genau einen Vormittag gebraucht. 

31. Dezember 1870

München * Der Export Münchner Bieres liegt bei 150.903 Hektoliter.

31. Dezember 1870

München * Der Malzverbrauch aller Münchner Brauereien liegt bei 592.618 Hektoliter.


Verwendet in Führung:

03. Der Gasteig - Ein Stück Alt-München
18. Krippen, Porzellan & Falkenjagd * Auer Impressionen im Nationalmuseum




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