1902

Die Zeitschrift „Hammer, Blätter für deutschen Sinn“

Leipzig * Der „Publizist“ Theodor Fritsch, der seine politischen Aktivitäten auf den Mittelstand konzentriert, gibt die Zeitschrift „Hammer, Blätter für deutschen Sinn“ heraus.

Schon 1887 hatte er einen „Antisemiten-Katechismus“ verfasst, der anno 1907 neu überarbeitet unter dem Titel „Handbuch der Judenfrage“ neu erschienen war.

Sein Leipziger „Hammerverlag“ verlegt nicht nur zahlreiche völkische Bücher und Zeitschriften, wie die „Antisemitische Correspondenz“, die „Deutschsozialen Blätter“ sowie den bereits erwähnten „Hammer, Blätter für deutschen Sinn“, sondern auch den „Deutschen Müller“, eine damals bekannte Wirtschaftszeitung.

Schon vor dem Ersten Weltkrieg erzielen die Produkte des „Hammerverlags“ Aufmerksamkeit und hohe Auflagen.


1902

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Personen

Fritsch Theodor Publizist

Weitere Ereignisse im Jahr 1902

1902

München-Angerviertel * Das ehemalige „Frauenhaus“ (Stadtbordell) wird abgerissen.

An seiner Stelle entsteht der Bau der „Städtischen Hauptfeuerwache“.

Sommer 1902

München-Hackenviertel * Im „Internationalen Handels-Panoptikum“ in der Neuhauser Straße 1 bricht im 4. Stock ein Brand aus.

Die städtische Feuerwehr schließt daraufhin seine Pforten.

1902

Berlin * Gründung der „Anstalt für musikalisches Aufteilungsrecht“.

1902

München-Maxvorstadt * „Kommerzienrat“ Emil Zeckendorf lässt das Anwesen Richard-Wagner-Straße 11 durch Leonhard Romeis bebauen.

Der Mitbegründer der „Getreidegroßhandlung Bauer & Zeckendorf“ bewohnt mit seiner Frau, zwei Kindern und zwei weiblichen Dienstboten das Erdgeschoss und das „Piano Nobile“.

Im 2. Stock lebt der „Kaufmann“ Markus Cohen mit fünf Personen, darunter ein Dienstmädchen.

1902

München-Kreuzviertel * Die ältesten Münchner Filmaufnahmen entstehen.

Sie zeigen die Fahrt einer „Pferdetrambahn“ am Promenadeplatz und am Maximiliansplatz.

1902

München-Maxvorstadt * Leonhard Romeis baut für den „Rentier“ und „Kommerzienrat“ Adolph Brougier das Miethaus in der Richard-Wagner-Straße 3.

Auf fünf Etagen sind neun Wohnungen untergebracht, in denen 49 Menschen, darunter zwölf weibliche Dienstboten, leben.

1902

München-Maxvorstadt * Architekt Leonhard Romeis errichtet für den „Schankwirt“ Heinrich Nöhbauer das Anwesen Richard-Wagner-Straße 5.

Auf fünf Stockwerken befindet sich je eine Wohnung.

1902

München-Maxvorstadt * Leonhard Romeis bebaut für den „Ingenieur“ Karl Wildt das Anwesen Richard-Wagner-Straße 9.

1902

München-Haidhausen * Die „Unionsbrauerei“ in Haidhausen beschäftigt 168 männliche und 5 weibliche Kräfte.

1902

München-Haidhausen * Protestantischen Klassen werden in die „Wörthschule“ verlegt und dafür kleinere katholische Klassen der „Wörthschule“ in den von den evangelischen Kindern verlassenen Schulräumen an der Kirchenstraße übersiedelt. 

Um 1902

München * Fritz Gerlich wird Mitglied in der „Nationalsozialistischen Partei“ und ist längere Zeit ehrenamtlich als Sekretär des „Liberalen Arbeitervereins München“ tätig.

1902

München-Au *Der „Konsumverein München von 1864“ erwirbt ein Grundstück mit Bahnanschluss zum Ostbahnhof an der Auerfeldstraße und bringt dort zunächst einen geräumigen Holz- und Kohlenhof unter. 

Später siedelt sich hier die ganze Zentrale an.

Bis dahin war der Verein in der Au überhaupt nicht vertreten. 

Seit 1902

München-Au * Karl Valentin beginnt mit dem Bau eines gigantischen, über 300 kg schweren Musikapparats, dem „Orchestrion“, das aus mehr als 20 Musikinstrumenten besteht.

1902

Oberföhring * Ein Arbeitsvertrag der „Ziegelei Grimmeisen“ in Oberföhring legt die tägliche Arbeitszeit in den Monaten Mai mit August zwischen „4 Uhr früh und 9 Uhr abends“ fest.

Ab 1902

München-Bogenhausen * Der Professor, Architekt und Bauunternehmer Max Littmann baut für sich und seine Familie in der Höchlstraße 2 die „Villa Lindenhof“.

1902

München-Lehel - Kohleninsel * Auf dem nördlichen Teil der „Kohleninsel“ findet der Vergnügungsteil der „Auer Dult“ statt.

Gegenüber dem „Münchner Arbeitsamt“ war ein Karussell und das „Schichtl-Varieté“ aufgestellt worden. Durch ihre Musik fühlten sich besonders die Arbeitgebervertreter gestört.

Ab 1902

München-Bogenhausen * Benno Becker, „Landschaftsmaler“ und „Schriftführer der Münchner Secession“, lässt sich in der Maria-Theresia-Straße 26 eine Villa erbauen.

Die Pläne stammen von Paul Ludwig Troost, der 30 Jahre später zum „Lieblingsarchitekten“ Adolf Hitlers aufstieg.

1902

München-Graggenau * Im „Residenztheater“ wird Ludwig Thomas Komödie „Die Lokalbahn“ uraufgeführt. 

1902

München-Englischer Garten - Hirschau * Durch einen ebenerdigen Anbau wird die „Schank- und Bierwirtschaft Hirschau nebst Kegelbahnen und Gartenbetrieb“ erweitert.

Januar 1902

München-Hackenviertel * Erneut werden „Elite- oder Separatvorstellungen“ im „Internationalen Handels-Panoptikum“ gezeigt.

Dieses Mal stellt man „24 Frauen und Mädchen, 4 Männer und 3 Kinder aus der deutschen Kolonie Togo“ zur Schau.

Januar 1902

München-Au * Das „Zucht-, Arbeits- und Korrekturhaus Au“ wird aufgelöst und umgebaut.

Die Gefangenen kommen in die aufgelassene „Klosterkirche der Benediktinerinnen am Lilienberg“.

17. Februar 1902

Augsburg * Am Montag teilt die Gefängnisleitung dem „Räuber“ Mathias Kneißl mit, dass er am Freitag hingerichtet wird. 

Sein Kommentar: „Sakradi, de Woch fangt scho guat o!“.

21. Februar 1902

Augsburg * Der „Räuber“ Mathias Kneißl wird vom „Scharfrichter“ Franz Xaver Reichhart in Augsburg hingerichtet.

März 1902

Java - Holland - Paris * Nach der Rückkehr von Java in die Niederlande trennen sich Margaretha Geertruida, alias „Mata Hari“, und John MacLeod.

Margaretha versucht nun ihr Glück in der Stadt ihrer Träume - Paris.

April 1902

München-Isarvorstadt - Museumsinsel * Die erste Abhol-Aktion für das „Brockenhaus“ startet.

Ab Mai 1902

München * Valentin Ludwig Fey besucht bis August 1902 die „Münchner Varieté-Schule Lehmann & Grimm“.

Die Ausbildung kostet 400.- Mark. Da Valentin noch nicht volljährig ist, unterschreibt sein Vater als „Erziehungsberechtigter“ den Vertrag und bezahlt die damals „stolze Summe“

12. Mai 1902

München-Isarvorstadt * Provisorische Eröffnung des „Brockenhauses“ auf der „Kohleninsel“

Die Initiative ist sofort erfolgreich und erwirtschaftet bereits im ersten Jahr ihres Bestehens einen Überschuss.

4. Juni 1902

München-Isarvorstadt * Die „Neue Isarkaserne“ an der Zweibrückenstraße wird an die „Garnisonverwaltung“ übergeben.

27. Juli 1902

München-Untergiesing * Die „Sechziger“ tragen auf dem „Schyrenplatz“ ihr erstes offizielles Fußballspiel gegen einen konkurrierenden Münchner Club aus.

Gegner ist der „1. Münchner Fußball-Club von 1896 - 1. MFC“.
Im gegenseitigen Einvernehmen wird kein „Wettspiel“ sondern ein „Gesellschaftsspiel“ abgehalten.
Der „TVM 1860“ unterliegt mit 2 : 4 Toren.

Der Erfolg lässt also noch auf sich warten; aber der Anfang ist immerhin gemacht.

5. August 1902

München-Au * In einem Liebesbrief an seine spätere Ehefrau Gisela Royes schreibt Valentin Ludwig Fey:
„Ich heiße jetzt und für immer KARL VALENTIN - Münchner Original Humorist“.

Wirklich unveränderlich wird sein Name allerdings erst ab 1907.

September 1902

München-Theresienwiese * Der Magistrat erlaubt dem „Schausteller-Unternehmer“ Carl Gabriel ein „Hippodrom“ auf dem Festplatz des „Oktoberfestes“ aufzustellen.

Es ist seinem griechischen Namen entsprechend eine „Reitarena“. Im Inneren des Etablissements befindet sich eine 60 Meter lange „Pferdereitbahn“, in der Besucher des Restaurationsbetriebs gegen Bezahlung reiten können. Der Umritt dauert 5 Minuten und kostet 50 Pfennige.

Der Bierausschank ist dem Inhaber anfangs verboten. Doch die Gäste können die Reitkünste der nicht immer nüchternen oder sich sonst nicht sonderlich geschickt anstellenden Damen und Herren bewundern.

So manches Kleid rutscht hoch und gibt den Blick auf ein Damenbein frei.

Kein Wunder, dass für das „Hippodrom“ bald der Name „Stilaugenzelt“ auftaucht. „Der unerschöpfliche Unterhaltungsstoff, den die erstmaligen Reitversuche von Herren und Damen den Zuschauern bieten, macht das Hippodrom zur ersten Volksbelustigung der Festwiese“.

Oktober 1902

München-Maxvorstadt * Der „Bankier“ und „Handelsrichter“ Theodor Klopfer lässt sich an der Ecke Brienner Straße 41 und Richard-Wagner- Straße eine Villa von Gabriel von Seidl erbauen.

Das Haus hat 15 Zimmer.

1. Oktober 1902

Nürnberg * Karl Valentin tritt im Nürnberger „Zeughaus“ auf. 

5. Oktober 1902

Nürnberg - München-Au * Karl Valentin schreibt an seine Eltern über seinen Auftritt im Nürnberger „Zeughaus“:

„Mir geht es sehr gut. Ich bin unberufen sehr gesund und habe mir den ersten Abend Asthma geholt. Ein Zimmer habe ich, da ist unser Knechtzimmer ein Salon dagegen. -

Das Programm besteht aus 8 Damen (keine Angst haben) und aus mir“

7. Oktober 1902

Nürnberg * Noch vor Vorstellungsbeginn erhält Karl Valentin ein Telegramm von  seiner Mutter, in dem sie ihm mitteilt, dass sein Vater plötzlich schwer erkrankt ist.

Er macht sich sofort auf den Weg nach Hause.
Doch als er am nächsten Morgen um 8 Uhr in München ankommt, ist Johann Valentin Fey bereits im Alter von 69 Jahren verstorben. 

Karl Valentin muss sich jetzt um die „Firma Falk & Fey“ und um seine Mutter kümmern.

Der in Geschäftsdingen nicht sonderlich glücklich agierende Valentin fährt das Unternehmen innerhalb von vier Jahren voll an die Wand, sodass nicht nur die Firma, sondern gleich das ganze Anwesen verkauft werden muss. 

12. Oktober 1902

München-Maxvorstadt * Franz von Lenbach erleidet einen Schlaganfall und ist kurzfristig linksseitig gelähmt.

21. November 1902

München-Isarvorstadt * Der Verein „Münchner Brockenhaus“ wird gegründet.


Verwendet in Führung:

23. Maximilianstraße
29. Graggenau
35. Revolution, Räterepublik & Weißer Terror



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Fritsch Theodor Publizist