1912

Die „Thule-Gesellschaft“ und ihre Wurzeln

Graggenau * Die „Thule-Gesellschaft“ hat ihren Ursprung in den vom „Mühleningenieur“ und „Publizisten“ Theodor Fritsch gegründeten „Reichshammerbund“

Bei der Konstituierung des „Reichshammerbundes“ wird zugleich der „Germanenorden“ aus der Taufe gehoben.
Er soll die „geheime Kommandozentrale“ für die gesamte „völkische Bewegung“ werden, ein „deutsch-völkischer Generalstab“.

Nur „bis ins dritte Glied reinblütige Deutsche“ werden in den „Orden“ aufgenommen.

Besonderer Wert wird auf die „Propaganda der Rassenkunde“ gelegt.
Es sollen die Erfahrungen, die man „im Tier- und Pflanzenreiche gemacht hat, auf den Menschen angewandt“ und gezeigt werden, „wie die Grundursache aller Krankheit, allen Elends, in der Rassenvermanschung liege“.

Der „Orden“ will die „Prinzipien der Alldeutschen“ auf die „ganze germanische Rasse“ ausdehnen und den Zusammenschluss „aller Völker germanischen Blutes“ anbahnen.


1912

Suchbegriffe

Thule-Gesellschaft, Reichshammerbund, Völkische Bewegung, Rassenkunde, Alldeutsche, Germanenorden, Völker germanischen Blutes,

Personen

Fritsch Theodor Publizist

Weitere Ereignisse im Jahr 1912

1912

München * Die Zahl der Münchner „Cafès“ sinkt wieder auf Neunzig.

1912

Au * Der „Franziskaner-Keller“ an der Hochstraße wird wiefolgt beschrieben:

„Der Franziskaner-Keller in der Hochstraße wurde im Auftrage der Franziskaner-Leistbrauerei nach dem Entwurfe des Professors Dr. Gabriel von Seidl errichtet.

Die Halle im Erdgeschoss besitzt eine mit Malerei dekorierte sichtbare Eisenkonstruktion. Im 1. Stock befindet sich ein kleiner Saal mit Terrassen, der mit einem Bilde von Rudolph von Seitz geschmückt ist“.

1912

Maxvorstadt * Professor Dr. Ernst von Romberg bewohnt das Haus in der Richard-Wagner-Straße 2.

Der berühmte „Internist und Herzspezialist“ ist Professor an der „I. Medizinischen Klinik der Universität München“.

1912

Maxvorstadt * Die „Klopfer-Villa“ an der Brienner Straße 41 gehört dem „Kunsthändler“ Hermann Heinemann.

1912

München * Mit dem Wegfall einer restriktiven, die Gewerbeordnung beschränkende „Polizeiordnung“ setzt ein Kinogründungs-Boom ein.

1912

Obergiesing * Die Anlage der Gräber des „Ostfriedhofs” sind abgeschlossen.  

Der 28,43 Hektar große Friedhof bietet nun Platz für 34.300 Gräber. 

1912

Englischer Garten - Hirschau * Der Mitarbeiterstamm bei „Maffei“ hat sich auf 2.026 Personen erhöht.

1912

Maxvorstadt * Eigentümer des Anwesens Richard-Wagner-Straße 9 ist der „Kaufmann“ Siegfried Steinhard.

1912

Maxvorstadt * Paul Ludwig Troost, der Architekt des „Hauses der Deutschen Kunst“ und der „Parteibauten am Königsplatz“, lebt bis zu seinem Tod am 21. Januar 1934 in der Kaulbachstraße 10, EG, links.

Er gilt als der Architekt, der in seinen Planungen bereits die Grundzüge der nationalsozialistischen Stadtplanung festgelegt hat, wie sie später im gesamten Deutschen Reich zur Ausführung kommen.

Ab 1912

München * Die 20-jährige Elisabeth Wellano tritt - solo und selbstbewusst - als „Blödsinnkönigin Frl. Lisi“ auf.

1912

Maxvorstadt * Die „Privatklinik Dr. Alfred Haas“ in der Richard-Wagner-Straße 19 wird eröffnet.

Bis zum Jahr 1912

Au * Die Zahl der Mitglieder des „Arbeiter-Turn-Vereins München-Ost“ wächst auf über achthundert an.

Um dem Verein ein progressiveres Aussehen zu geben und ihn gleichzeitig für bürgerliche Sportinteressenten lukrativ zu machen, nennt sich der Arbeiter-Sportverein in „Turn- und Sportverein München-Ost“ um.

Der „Arbeiter“ muss zwar den Vereinsnamen verlassen, dennoch zeigt die neue Vereinsfahne noch immer die aufgehende Sonne des „Sozialismus“

1912

Untergiesing * Der „Holzmarkt“ am Schyrenplatz wird aufgelassen, da inzwischen „stationäre Holz- und Kohlenhändler“ die Funktion des „Holzmarktes“ übernommen haben.

1912

Au * Der „Konsumverein München von 1864“ errichtet an der Auerfeldstraße ein sechsstöckiges Gebäude mit Büros und Privatwohnungen. 

1912

München * Karl Valentin dreht - immerhin 2 Jahre bevor Charly Chaplin mit „Making a living“ beim Film debütiert - seine erste Version der Stummfilmgroteske „Karl Valentins Hochzeit“.

1912

Isarvorstadt - Museumsinsel * In der Festschrift zum zehnjährigen Bestehen der „Brockensammlung“ heißt es: „Kein Bazar und kein noch so großes Kaufhaus“ kann sich in „Vielseitigkeit des hier zum Verkauf Ausgestellten“ mit dem „Brockenhaus“ messen.

In den ersten zehn Jahren konnten 90.000 Mark an Institutionen der „Wohlfahrtspflege“ abgegeben werden.

Der Erfolg hält bis zu den im „Ersten Weltkrieg“ behördlich angesetzten Sammlungen an.

1912

Maxvorstadt * Lolo von Lenbach erwirbt das „Heß-Anwesen“, nachdem zuvor das Inventar versteigert worden war.

ab 1912

München * Karl Valentin stellt seine eigenen „Volkssänger-Ensembles“ zusammen.

Das ist das Ende seines „Ein-Mann-Unternehmens“.

1912

Englischer Garten - Lehel * Nahe dem „Chinesischen Turm“ wird ein neues „Kinder-Karussell“ errichtet.

Es ersetzt das Alte aus dem Jahr 1856.

1912

Englischer Garten - Lehel * Die „Chinesische Wirtschaft“ aus dem Jahr 1790 wird durch die noch heute stehende „Gaststätte am Chinesischen Turm“ ersetzt.

8. Januar 1912

München * Pater Rupert Mayer kommt nach München. 

Er ist „Seelsorger für katholische Zuwanderer“ und arbeitet in den „Katholischen Arbeiter- und Arbeiterinnen-Vereinen“ mit.

12. Januar 1912

Deutschland - Berlin * Bei den „Reichstagswahlen“ werden die Sozialdemokraten stärkste Fraktion.

2. Februar 1912

München * Zum letzten Mal wird „Lichtmess“ als offizieller Feiertag begangen.  

Wenige Monate später wird eine „Neuordnung der Feiertage“ den Wegfall mehrerer katholischer Traditionstage mit sich bringen.  

Neben „Lichtmess“ fallen auch „Mariä Verkündigung“ [25. März] und „Mariä Geburt“ [8. September] der Reform zum Opfer. 

2. Februar 1912

München * Das „Flaschenpfand“ wird eingeführt.  

Bis wenige Jahre zuvor konnte man Bier nur im Wirtshaus und im offenen Krug kaufen.  
Flaschenbier wurde - wenn überhaupt - nur für den Export abgefüllt.  

Flaschenbier wurde in München erst ab dem Jahr 1894 in größerem Stil angeboten.  
Weil die Nachfrage schnell anstieg, ließen die Probleme nicht lange auf sich warten.  

  • Der Flaschenverlust für die Brauereien erreichte ungeahnte Höhen und
  • die Verschandelung der Wälder in der Umgebung der Stadt und der Ausflugsorte durch die weggeworfenen Bierflaschen und durch Flaschenscherben [nahm] ein unerträgliches Maß“ an. 
5. Februar 1912

Bayern * Bei den „Bayerischen Landtagswahlen“ erringt das „Zentrum“ 87 (-12), die „Liberalen“ 30 (+5), die SPD 30 (+10) und der „Bauernbund“ 8 (-5) Mandate. 

Die absolute Mehrheit des „Zentrums“ kann nicht gebrochen werden.

9. Februar 1912

München * Nach dem Rücktritt von Clemens von Podewils-Dürniz überträgt Prinzregent Luitpold dem Zentrumsvorsitzenden Georg Freiherr von Hertling das „Ministerium des Königlichen Hauses und des Äußeren“ sowie den „Vorsitz im Ministerrat“.

15. Februar 1912

München * Die „SPD-Fraktion des Gemeindebevollmächtigtenkollegiums“ beantragt: 

„Einen beliebigen Block geeigneter Herbergsanwesen von besonderer Eigenart für die Nachwelt zu erhalten“.

13. März 1912

Sofia - Belgrad - Athen - Montenegro * Bulgarien, Serbien, Griechenland und Montenegro gründen den „Balkanbund“.  

Ihr gemeinsames Ziel ist die Verdrängung des „Osmanischen Reiches“ vom Balkan und die Aufteilung seiner verbliebenen europäischen Provinzen.  
Federführend ist Russland, das sich als „Patron der Balkanvölker“ versteht und damit die Kontrolle über die Meerengen des „Schwarzen Meeres“ erhalten will.  

Das beunruhigte Frankreich wird von Russland mit der Aussage beschwichtigt, dass sie die Balkanstaaten kontrollieren kann. 

25. März 1912

München * Zum letzten Mal wird „Mariä Verkündigung“ als offizieller Feiertag begangen. 

12. Mai 1912

Belgrad - Sofia * Serbien und Bulgarien vereinbaren ein Militärbündnis gegen das „Osmanische Reich“, dem sich Griechenland und Montenegro anschließen. 

28. Juni 1912

München * Lion Feuchtwanger heiratet Marta Löffler. 

4. August 1912

Haidhausen * Haidhausens erstes Kino eröffnet als „Erstes Münchner Lichtspielhaus“ am Orleansplatz.

Es wird 1919 erweitert und als „Zwecks Lichtspielhaus am Orleansplatz“ wieder eröffnet.
Mehrere Namensänderungen folgen.

Ab 1930 heißt es schlicht „OLI“.

1970 schließt das Kino für immer seine Pforten.

September 1912

Theresienwiese * Unter dem Titel „Tripolis“ zeigt Carl Gabriel eine „Völkerschau“ auf dem „Oktoberfest“.

September 1912

Theresienwiese * Auf dem „Oktoberfest“ werden Abnormitäten gezeigt: „Josefa, Rosa und Franzi, die zusammengewachsenen Zwillinge und ihr Kind“.

8. September 1912

München * Zum letzten Mal wird „Mariä Geburt“ als offizieller Feiertag begangen. 

8. Oktober 1912

Montenegro * Montenegro erklärt - in Abstimmung mit den Bündnispartnern Bulgarien, Serbien und Griechenland - der Türkei den Krieg. 

10. Oktober 1912

München * Mit einem Herz-Solo in der Hand stirbt Michael Schottenhamel beim Kartenspielen im Kreis seiner Freunde.

17. Oktober 1912

Forno di Canale * Albino Luciani, der spätere Papst Johannes Paul I., wird in Forno di Canale geboren. 

17. Oktober 1912

Balkan * Die Bündnispartner von Montenegro - Bulgarien, Serbien und Griechenland - greifen in den Krieg gegen das „Osmanische Reich“ ein.  

Das ist der Beginn des „Ersten Balkankrieges“

17. Oktober 1912

Berg am Laim * Die „Weißbierbrauerei Schneider & Sohn“ kauft die „Sankt-Michaels-Brauerei“ in der heutigen Baumkirchner Straße 5. 

18. Oktober 1912

Rom - Konstantinopel * Der „Italienisch-Türkische Krieg“ endet.  

Bereits Ende 1914 führt jedoch eine erneute Revolte zum Rückzug der Italiener.   

Der geplante „Vergeltungs-Feldzug“ wird jedoch wegen des „Ersten Weltkrieges“ nicht ausgeführt. 

18. Oktober 1912

Balkan * Die verbündeten Balkanstaaten beginnen den Krieg gegen die Türkei. 

28. November 1912

Obergiesing * Endlich kann das „Krematorium am Ostfriedhof“ in Betrieb genommen werden.

Aufgrund einer Genehmigung der „bayerischen Staatsregierung“ wird die eigenständige Entscheidung über die „Leichenverbrennung“ nun den Kommunen überlassen. 

Um Dezember 1912

Bogenhausen * Das „Zwangsversteigerungsverfahren“ für das „Fleischer-Schlössl“ wird eingeleitet.

11. Dezember 1912

München * Der „Ministerrat“ fordert die „Beendigung von König Ottos Regenschaft“

12. Dezember 1912

Graggenau * Der 91jährige Prinzregent Luitpold stirbt. 

Er wird von der Kritik - wegen seines Desinteresses in politischen und wirtschaftlichen Fragen - schlicht für unfähig gehalten. 

Luitpolds 67jähriger Sohn Ludwig III. tritt seine Nachfolge als „Prinzregent“ an. 
Der letzte bayerische Monarch „von Gottes Gnaden“ wird jedoch die Herzen seiner Untertanen nie erreichen. 

31. Dezember 1912

München * Im Heft 54 des „Simplicissimus“ erscheint die Bildergeschichte „Ein Münchner im Himmel“.

Der Text stammt von Ludwig Thoma, die Zeichnungen liefert Olaf Gulbransson.

Es geht darin um den vom Schlag getroffenen „Dienstmann“ Alois Hingerl, der als Engel den Auftrag erhält, die „göttlichen Eingebungen“ der bayerischen „Staatsregierung“ zu überbringen.
Der „Engel Aloisius“ wird allerdings beim Anblick des Münchner „Hofbräuhauses“ seinen Auftrag vergessen und sich eine Mass nach der anderen schmecken lassen.

„Und so wartet die bayerische Staatsregierung noch heute auf die göttlichen Eingebungen!“ 


Verwendet in Führung:

23. Maximilianstraße
29. Graggenau
35. Revolution, Räterepublik & Weißer Terror



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