1928

Die „Moriskentanzfiguren“ werden durch Kopien ersetzt

München-Graggenau * Die „Moriskentanzfiguren“ von Erasmus Grasser aus dem „Festsaal des Alten Rathauses“ werden abgenommen und durch Kopien ersetzt. 

Die Originale werden im „Bayerischen Nationalmuseum“ zunächst untersucht, restauriert und anschließend ausgestellt.
Bei der Restaurierung bleibt eine Figur umgefasst, um so die charakteristische Schnitzarbeit Erasmus Grassers darstellen zu können. 


1928

Suchbegriffe

Altes Rathaus, Morisken,

Personen

Grasser Erasmus Bildhauer

Weitere Ereignisse im Jahr 1928

1928

München * Die am 7. November 1917 von den Münchner „Kraft- und Pferdedroschkenbesitzern“ gegründete „Einkaufsgenossenschaft“ wird in „Ein- und Verkaufsgenossenschaft für das Droschkengewerbe Münchens, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung“ umbenannt.

Der Grund ist der Rückgang der von Pferden gezogenen Kutschen. 

1928

Straubing * Anton Lindner wird aus dem „Zuchthaus Straubing“ entlassen. 

Anfang der 1930er-Jahre geht er ins sowjetrussische Exil.
Seine Spur verliert sich im Jahr 1943. 

1928

München-Au * Wilhelm van Laak und Valentin Neumeier übernehmen die „Museum-Lichtspiele“ in der Lilienstraße 2.

Das Kino wird umgebaut und das Fassungsvermögen auf 280 Plätze erhöht.

1928

München * Dreharbeiten zur Stummfilmversion der „Orchesterprobe“ entstehen.

Der Film ist verschollen.

Um 1928

München * Der Stummfilm „In der Schreiner-Werkstätte“ entsteht.

In den Hauptrollen spielen Karl Valentin und Liesl Karlstadt.
Der Film, der Teil einer Tonfilmimitation ist, gilt als verschollen.

1928

München-Maxvorstadt * Die „Hauptlehrerin“ und „SPD-Aktivistin“ Antonie (Toni) Pfülf zieht in das Gartenhaus der Kaulbachstraße 12.

1928

München-Maxvorstadt * Dr. med. Alfred Haas kauft das Anwesen in der Richard-Wagner-Straße 17.

1928

München * Nach einer Auseinandersetzung mit der Verlagsleitung verlässt Dr. Fritz Gerlich die „Münchner Neuesten Nachrichten“.

Ab 1928

München * Dr. Fritz Gerlich bewegt sich verstärkt in katholischen Kreisen.

Im „Konnersreuther Kreis“ finden sich konservative Katholiken zusammen, die die „Weimarer Republik“ retten wollen und „gegen die immer schärfere Radikalisierung des deutschen politischen Lebens eine Zeitung zu schaffen, um der Gefahr dieser Entwicklung mit der Macht des Naturrechts und der Festigkeit der christlichen Grundsätze entgegenzutreten“.

Ab 1928

München-Lehel * Die Holzkonstruktion der „Mariannenbrücke“ wird durch die noch heute bestehende Stahlbetonbrücke ersetzt.

Ab dem Januar 1928

München-Graggenau * Karl Valentin soll im Januar und Februar insgesamt acht Mal die Rolle des „Froschs“ in der „Fledermaus“ übernehmen. 

Pro Auftritt sollte der Komiker eine Gage von 300 Mark erhalten.
Das entspricht dem Monatsgehalt eines verheirateten Beamten mit zwei Kindern.

Doch Karl Valentin schreibt dem „Generalintendanten der Bayerischen Staatstheater“, Erwin Georg Heinrich Karl Bonaventura Klemens Freiherr von Franckenstein einen Brief, in dem er das Engagement aus gesundheitlichen Gründen absagt. 

14. Januar 1928

Berlin * Karl Valentin und Liesl Karlstadt treten im Berliner „Kabarett der Komiker“ auf.
Das Engagement ist ursprünglich bis zum 20. Februar geplant.

Vier Stücke spielt das Komikerpaar Valentin-Karlstadt:
„Der Firmling“, „Die Orchesterprobe“, „Der reparierte Scheinwerfer“ und „Im Senderaum“.  
Während die anderen Stücke Pulikumsrenner sind, fällt „Der Firmling“ bei den Berlinern durch.

Der Überredungskunst Liesl Karlstadts ist es zu verdanken, dass er dem Wunsch der Theaterleitung zustimmt und seine Auftritte bis Ende des Monats ausdehnt. 

Er erhält dafür - mit 350 Mark für täglich zwei Vorstellungen - die höchste Gage, die je einem Gaststar im „Kabarett der Komiker“ bezahlt worden ist.

Gutes Geld vermindert scheinbar das Heimweh des „Volkssängers“.

Februar 1928

München * Beim ersten „Faschingszug“ nach dem Ersten Weltkrieg nimmt der „Cowboy Club München München Süd“ mit 25 Indianern und Cowboys teil.

Als Motto geben sie sich „Auswanderer“

18. April 1928

Leipzig * Das „Reichsgericht“ in Leipzig beendet einen Rechtsstreit in letzter Instanz, in dem es um Plagiatsvorwürfe gegen Karl Valentin geht.

Der Prozess dauert bereits eineinhalb Jahre und ist vom Berliner Theaterdirektor vom „Admiralspalast“, Hermann Haller, mit „außergewöhnlicher Heftigkeit“ durch drei Instanzen durchgepeitscht worden.
Vom „Landgericht München I“ über das „Oberlandesgericht München“ bis hinauf zum „Reichsgericht“ in Leipzig.

Hermann Haller hat den Direktor des „Deutschen Theaters“ in München, Hans Gruß, verklagt, weil er das Valentin-Bühnenstück „Im Senderaum“ aufführte und verlangt dafür Schadensersatz.  
Der Kläger behauptet, dass Karl Valentin sein Bühnenstück „Im Senderaum“ aus dem Sketch „Hinter den Kulissen des Rundfunks“ von Roland Jeans aus Hermann Hellers Revue „An und Aus“ geklaut hätte.

Das höchste deutsche Gericht kommt jedoch zur Auffassung, dass sich Valentins Werk grundlegend vom Sketch von Roland Jeans unterscheidet und es sich dabei um zwei völlig eigenständige Arbeiten handelt.
Der Plagiatsvorwurf gegenüber Karl Valentin und alle sonstigen Beschuldigungen werden vom Gericht als völlig haltlos zurückgewiesen.

In der Urteilsbegründung heißt es: Der Vergleich der beiden Stücke „beweise auf das bündigste, dass Karl Valentin nicht das vorbestehende Bühnenstück von Roland Jeans nachgeschrieben, sondern etwas völlig anderes eigenschöpferisch neu geschaffen habe“.  
Damit stellt das „Reichsgericht“ auch fest, dass Valentin gar nicht in der Lage ist, „etwas Vorgegebenes nachzumachen, gar nachzuschreiben oder auch nur nachzuspielen“

Juni 1928

Nürburgring * Beim „Großen Preis von Deutschland“ am „Nürburgring“ wird der „Bugatti Royale Typ 41“ erstmals öffentlich vorgeführt.

Das Auto ist sechs Meter lang, schluckt fünfzig Liter Benzin pro hundert Kilometer und erreicht dank seines 300 PS starken Motors eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. 

14. Juni 1928

München-Isarvorstadt * Erste Schallplattenaufnahmen der Monologe und Couplets von Karl Valentin im Auftrag der „Carl Lindström AG“ im kleinen Saal des „Varietés Kolosseum“

18. Juni 1928

München-Berg am Laim * Der „Schülein-Brunnen“ am Schüleinplatz wird in Betrieb genommen.

August 1928

München-Graggenau * In der „Stadtchronik“ ist zu lesen:

„Eine Stätte solider Trinkfestigkeit scheint der Ratskeller zu sein; dort und in der Regieweinkellerei wurden im letzten Jahre 195.000 Flaschen Rot- und Weißweine und 5.000 Flaschen Schaumweine umgesetzt und hierfür 560.000 Mark eingenommen; 285.000 Mark wurden wieder für Weinankauf ausgegeben, einschließlich Fracht, Umsatzsteuer, Weinproben und Reisekosten; von dem Gesamtumsatze von 567.000 Mark werden 20.000 Mark an den Gemeindehaushalt abgeliefert“.

23. August 1928

München-Isarvorstadt * Uraufführung des als „technische Bühnenneuheit“ angepriesen Karl-Valentin-Stücks „Der Flug zum Mond im Rakentenflugzeug“ im „Kolosseum“, Kolosseumstraße 4.

Das Stück erlebt 64 Vorstellungen.

30. August 1928

München * Franz von Stuck stirbt im Alter von 65 Jahren in München. 

Seine Asche wird am Nordfriedhof beigesetzt. 

September 1928

München-Theresienwiese * Carl Gabriel betreibt fünf Geschäfte auf dem „Oktoberfest“.

Darunter 

  • „Carl Gabriel's und Ehrlich's Riesen-Völkerschauen“,
  • „Carl Gabriel's Pracht-Reitbahn (Hippodrom)“,
  • „Carl Gabriel's und L. Ruhe's Riesen Orang-Utan-Schau aus den Urwäldern Sumatras“ und
  • „Carl Gabriel's Jagd- und Preis-Schießen, Schießen am Walde auf laufende Tiere mit echten Jagdgewehren und mit echter Munition!“

Für die „Orang-Utan-Schau“ wurden im Frühjahr 85 Exemplare dieser äußerst seltenen Affenart auf der Insel Sumatra gefangen und nach Europa gebracht.
Dabei verendete ein Großteil der Tiere.
Einzelne der kostbaren Orang-Utans wurden an zoologische Gärten verkauft, der Rest wurde in einem beheizbaren Käfig dem Publikum gezeigt.

Oktober 1928

München-Kreuzviertel * Rudolph Karstadt veröffentlicht alle 14 Tage das „Magazin für Mode, Heim und Welt“, eine Kundenzeitung zum Preis von 10 Pfennigen. 

Es enthält aktuelle Modetipps und Schnittmuster, Kurzgeschichten, Witze und Sportreportagen. 

Dezember 1928

München * Seit seinem Amtsantritt im April 1924 hat der „Scharfrichter“ Johann Reichhart insgesamt 23 Delinquenten hingerichtet.


Verwendet in Führung:

29. Graggenau




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