28. September 1980

Gewerkschaften, Kirchen und Politiker rufen zu mehr Toleranz auf

München * Am „Tag des ausländischen Arbeitnehmers“ rufen Gewerkschaften, Kirchen und Politiker zu mehr Toleranz gegenüber den in Deutschland lebenden Ausländern auf. 

Man appelIiert an die Bevölkerung, der von neonazistischen Kräften geschürten Ausländerfeindlichkeit entgegenzutreten.


1980

Suchbegriffe

Gewerkschaft, Wiesn-Attentat, Tag des ausländischen Arbeitnehmers, Ausländerfeindlichkeit,

Weitere Ereignisse im Jahr 1980

Um 1980

Haidhausen * Nach einem Jahrzehnt Leerstand wird das „Üblackerhäusl“ an der Preysingstraße von der Stadt mit einem Kostenaufwand von 580.000 DM schließlich trockengelegt und restauriert.  

Im Inneren des „Üblackerhäusls“ ist ein kleines „Herbergenmuseum“ als Abteilung des Münchner Stadtmuseums untergebracht.  
Dort wird ein einfacher Wohn- und Schlafraum mit der originalgetreuen Einrichtung aus dem 19. Jahrhundert in seiner ursprünglichen Umgebung gezeigt.  
Durch die museale Einrichtung kann ein wenig die Enge damaliger Wohnverhältnisse und die Lebensart der Tagelöhner nachvollzogen werden.  

Gerade die ach so traditionsbewussten Münchner, die immer noch ihre scheinbar bäuerliche Abstammung durch eine Verkleidung mit Lederhosen und Dirndl nachzuspielen versuchen, hätten hier die einmalige Möglichkeit ihre eigenen proletarischen Wurzeln zu finden.  

Im ehemaligen Ziegenstall der ausgebauten Herberge finden laufend Ausstellungen und Dichterlesungen statt. 

1980

Au * Für die „Rocky-Horror-Picture-Show“ wird ein weiterer Kinosaal in den „Museum-Lichtspielen“ eingerichtet.

Es ist weltweit das erste Kino, dessen Inneneinrichtung für einen einzigen Film gemacht ist.
An der Kasse gibt es dazu die spezielle „Rocky-Horror-Pictures-Show-Spieltüte“ zu erwerben.

1980

Bogenhausen * Mit „efasit“, das das „Togalwerk“ seit dem Jahr 1938 herstellt, wird die Münchner Firma an der Ismaninger Straße zum Markenführer im Bereich „Fußpflege“.

1980

Kreuzviertel * Die „Wasserglocken“ des Brunnens mit der technokratischen Bezeichnung „Schwerer Granit und zarte Wasserglocken“ werden durch „Bronzepilze“ ersetzt. 

Nach 1980

Isarvorstadt * Freddie Mercury kommt nach München, wo er im Studio „Musicland“ von Giorgio Moroder mit seiner Gruppe „The Queen“ Schallplatten produziert. 

Schnell wird er Stammgast in der „Deutschen Eiche“.

1980

Deutschland * Der durchschnittliche Bierverbrauch liegt in Deutschland bei 145,9 Liter. 

Ab 1980

Haidhausen * Zwischen 1980 und 1982 wird die alte Haidhauser „Sankt-Johann-Baptist-Kirche“ einer grundlegenden Gesamtrenovierung unterzogen.

1980

Theresienwiese * Ein neues „Bewerbungsverfahren“ für die Vergabe der „Wiesn-Zelte“ wird eingeführt.
Es enthält 13 Bewertungskriterien, die in drei Blöcken zusammengefasst sind:

Mit je bis zu elf Punkten und mit dem Faktor zwei multipliziert werden die Kriterien

  • Vertragserfüllung
  • Volksfesterfahrung
  • Sachkenntnis
  • Durchführung und die Frage,
  • wie lange ist der Bewerber schon auf dem „Oktoberfest“?

Ein weiterer Block mit jeweils bis zu elf Punkten, die mit dem Faktor vier multipliziert werden, gibt es für den Zeltbetrieb mit den Kriterien

  • Ausstattung
  • Technischer Stand  
  • Anziehungskraft
  • Tradition und
  • Platzbedarf

Im dritten Block gibt es bis zu elf Punkte, die wieder mit dem Faktor zwei multipliziert werden, für die Kriterien

  • Ortsansässigkeit
  • Alleineigentum und
  • Ökologie. 
30. Januar 1980

Bonn * Bundesinnenminister Gerhard Baum verbietet die „Wehrsportgruppe Hoffmann“ als „terroristische Organisation“

Um den 20. März 1980

München * Franz Josef Strauß echauffiert sich noch zwei Monate nach dem Verbot der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ folgendermaßen: 

„Mein Gott, wenn sich ein Mann vergnügen will, indem er am Sonntag auf dem Land mit einem Rucksack und einem mit Koppel geschlossenen Battledress spazieren geht, dann sollte man ihn in Ruhe lassen“

12. Juni 1980

Berlin * Im Jahr der Bundestagswahl verordnet der ZDF-Programmdirektor Dieter Stolte dem Dieter-Hildebrand-Magazin „Notizen aus der Provinz“ eine „Denkpause“.
Das führt zum Wechsel Hildebrandts zur ARD. 

Im „Sender Freies Berlin - SFB“ startet Dieter Hildebrandt die Satiresendung „Der Scheibenwischer“

4. August 1980

New York * John Lennon und Yoko Ono beginnen im Studio an einem neuen Album zu arbeiten.

20. September 1980

Theresienwiese * Das Wirtsleuteehepaar Günter und Margot Steinberg betreibt das „Hofbräuhaus-Festzelt“ auf der „Theresienwiese“

20. September 1980

Theresienwiese * Die „Ochsenbraterei“ geht in den Besitz der „Spaten-Franziskaner-Brauerei“ über. 

Gleichzeitig werden Hermann und Anneliese Haberl die Wirtsleute der „Spatenbräu-Festhalle und Ochsenbraterei“

23. September 1980

Graggenau * Der Kanzlerkandidat der CDU/CSU, Franz Josef Strauß, will vor seiner Rede auf dem Marienplatz von der Polizei Demonstranten entfernen lassen, die auf Transparenten „Stoppt Strauß“ fordern und durch Sprechchöre auf sich aufmerksam machen.

Da der Einsatzleiter dazu keine rechtliche Grundlage sieht, wird auf der Stelle von Strauß (jetzt in seiner Eigenschaft als bayerischer Ministerpräsident) abgesetzt.

Die Demonstranten sehen sich kurz darauf von einem großen Polizeiaufgebot umzingelt. 

26. September 1980

Freitag, 22:19 Uhr:  
Theresienwiese * Am Haupteingang der Wiesn explodiert ein Sprengsatz. 

Der Feuerball unterbricht die ausgelassene Volksfeststimmung auf dem „Oktoberfest“ und tötet 13 Menschen. 211 Personen werden verletzt, davon 68 schwer. 

„Menschen wirbeln durch die Luft, Blut spritzt, zerfetzte Gliedmaßen, unglaubliche Schmerzen und verzweifelte Schreie, die nur die hörten, denen nicht gleich das Trommelfell platzte“.

Einer der Toten ist der Geologiestudent Gundolf Köhler (21).

Als die Rettungskräfte am Tatort eintreffen, finden sie in einem Umkreis von bis zu 23 Metern Verletzte und Tote verstreut auf der Straße liegen. 
​Die die Detonation begleitende Druckwelle ist gewaltig gewesen. 

Noch in der Nacht stehen für die Bayerische Staatsregierung die Schuldigen fest:
Die RAF und linke Terroristen müssen für das Massaker verantwortlich sein.

Ministerpräsident Franz Josef Strauß steht mitten im Wahlkampf.
Er will Helmut Schmidt (SPD) als Bundeskanzler ablösen und hat sich selbst als starker Law-and-Order-Mann positioniert.

Nun sieht Franz Josef Strauß seine Stunde gekommen.
Er greift Innenminister Gerhard Baum (FDP) an, der für den „Spiegel“ eine Diskussion mit dem RAF-Anwalt und Ex-Terroristen Horst Mahler geführt hat.

Strauß machte Baum für das Attentat mitverantwortlich, weil er den Terrorismus quasi salonfähig gemacht hat.
Strauß fordert, dass sofort Flugblätter produziert werden, die Baum im Gespräch mit Mahler zeigen.

Doch die Attacke gegen Links wird sich bald als Bumerang erweisen. 

Auf den Verdacht hin, dass es sich um einen Terrorakt handelte, leitet „Generalbundesanwalt“ Kurt Rebmann zusätzlich ein Ermittlungsverfahren gegen „Unbekannt“ ein. 
Die Untersuchung liegt damit federführend beim Bund. 

Nach intensiven Beratungen mit Politikern, dem Polizeipräsidenten und den Veranstaltern entscheidet Oberbürgermeister Erich Kiesl noch mitten in der Nacht, das Oktoberfest nicht abzubrechen, sondern nur einen Trauertag zu veranstalten. 
Man wolle und dürfe sich dem Terror, gleich von welcher Seite, nicht beugen.  

Bei dieser nicht unumstrittenen Entscheidung hat man auch das Beispiel der „XX. Olympischen Spiele“ in München vor Augen, die trotz eines Terroranschlages zu Ende geführt worden waren.

27. September 1980

Theresienwiese * Am Tag nach dem „Wiesn-Attentat“ öffnet das Oktoberfest ganz normal seine Pforten, so, als sei nichts gewesen. 

Die Kapellen spielen auf, die Fahrgeschäfte drehen sich.
Nur ein paar Blumen erinnern an das Grauen, das am Vorabend über die Wiesnbummler hereingebrochen war. 

27. September 1980

Theresienwiese - München * Die „Abendzeitung“ erscheint am Tag nach dem „Wiesn-Attentat“ mit einer Sonderausgabe und der Nachricht, dass eine Spur direkt zu den Neo-Nazis führt. 

Doch Franz Josef Strauß beharrt darauf, die Schuld linken Terroristen zu geben.

27. September 1980

Theresienwiese - Kreuzviertel * Die „Sonderkommission Theresienwiese“ identifiziert den 21-jährigen, politisch rechtsorientierten Geologiestudenten Gundolf Köhler als Attentäter. 

Er ist eines der dreizehn Todesopfer.

Zeugen haben ihn unmittelbar vor der Explosion am Tatort gesehen.
Die Verletzungsmerkmale an Köhlers Leiche untermaueren die Aussagen der Zeugen und lassen keinen Zweifel an einer Täterschaft Köhlers. 

Um den 28. September 1980

München * Die Ermittlungen der ersten Tage konzentrieren sich auf die verbotene paramilitärische „Wehrsportgruppe Hoffmann“.

Selbst „Generalbundesanwalt“ Kurt Rebmann verkündet, dass Gundolf Köhler keinesfalls allein für das Attentat verantwortlich sein kann. 

30. September 1980

Theresienwiese * Erst vier Tage nach dem „Wiesn-Attentat“ wird das „Oktoberfest“ für einen Tag geschlossen.

Das lange Zaudern des „CSU-Oberbürgermeisters“ Erich Kiesl zu diesem Schritt stößt nicht nur bei vielen Münchnern auf Unverständnis.

Oktober 1980

Avilla di Buia * Die wiederaufgebaute Kirche in Avilla di Buia wird eingeweiht - mit der „Madonna della Saluta“ im Mittelpunkt.

Ein großes Glasbild zeigt unter anderem das Dorf Haidhausen.

5. Oktober 1980

Deutschland * In dem sehr emotionsgeladenen Wahlkampf [„Stoppt Strauß“] konzentrieren sich die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Kanzlerkandidaten Schmidt und Strauß.

Bei der Wahl zum „9. Deutschen Bundestag“ erhält die SPD mit ihrem amtierenden Bundeskanzler Helmut Schmidt 42,9 Prozent der Stimmen [+ 0,3] und 228 Sitze.
Die CDU/CSU mit ihrem Kanzlerkandidaten Franz Josef Strauß erhält 44,5 Prozent [- 4,1] und 237 Sitze.
Die FDP bekommt 10,6 Prozent [+ 2,7] und 54 Sitze.
„DIE GRÜNEN“, die erstmals bei einer Bundestagswahl antreten, kommen aber nur auf 1,5 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Helmut Schmidt [SPD] wird Bundeskanzler einer Koalition aus SPD und FDP. 

18. Oktober 1980

München * Die U-Bahn-Strecke zwischen Scheidplatz und Neuperlach Süd wird eröffnet. 

27. Oktober 1980

USA * John Lennons und Yoko Onos Single „(Just like) Starting over“ und „Kiss, kiss, kiss“ erscheint. 

30. Oktober 1980

München * Das „Verwaltungsgericht“ entscheidet nach einem zwölfjährigen Widerstand gegen den „Todesflughafen im Erdinger Nebelloch“ für den „sofortigen Vollzug des Baubeginns von München II“ im Erdinger Moos. 

2. November 1980

München * Einen Tag vor Baubeginn des „Flughafens München II“ im Erdinger Moos demonstrieren rund 150 GegnerInnen in der Münchner Innenstadt. 

Der Flughafen wird als ein „Jahrhundert-Projekt bayerischen Größenwahns“ bezeichnet. 

3. November 1980

Flughafen MUC * Die Bauarbeiten am „Flughafen München II“ im Erdinger Moos beginnen. 

4. November 1980

Flughafen MUC * Rund 2.000 Menschen demonstrieren im „Erdinger Moos“ gegen den neuen Flughafen. 

Hinterher veranstalten sie einen „Autocorso“ durch die Region. 

5. November 1980

Bonn * Der 9. Deutsche Bundestag wählt Helmut Schmidt [SPD] zum Bundeskanzler. 

Er führt eine Koalition bestehend aus SPD und FDP. 

6. November 1980

Maxvorstadt * Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der „Bundeswehr“ legen 2.000 „Rekruten“ auf dem „Königsplatz“ ihr „Feierliches Gelöbnis“ ab.  

„Generalmajor“ Wolfgang Kessler und „Ministerpräsident“ Franz Josef Strauß sprechen dabei von der „Erhaltung des Friedens durch Abschreckung“.  

Die „Vereidigung“ auf dem „Königsplatz“ ruft Erinnerungen an die „Aufmärsche“ während der NS-Zeit wach, weshalb parallel zur „Gelöbnisfeier“ eine Protestveranstaltung der „Münchner Bürgerinitiative für Frieden und Abrüstung“ stattfindet. 

Transparente mit der Aufschrift „Auf Hitlers Plattenmeer gelobt nunmehr die Bundeswehr“ werden von den Demonstranten mitgetragen. 

15. November 1980

Maxvorstadt * Am „Königsplatz“ findet eine „Demonstration gegen den Baubeginn des Flughafens im Erdinger Moos“ mit mehr als 2.000 TeilnehmerInnen statt. 

17. November 1980

USA * Das Doppel-Album „Double Fantasy“ von John Lennon und Yoko Ono wird veröffentlicht. 

8. Dezember 1980

New York * John Lennon wird um 23:07 Uhr vor seinem Wohnsitz im „Dakota House“ in New York von Mark David Chapman erschossen. 

14. Dezember 1980

Welt * Weltweit wird eine zehnminütige Schweigeminute zum Ableben von John Lennon abgehalten. 


Verwendet in Führung:

34. Bierzelt-Rallye auf dem Oktoberfest



Gewerkschaft, Wiesn-Attentat, Tag des ausländischen Arbeitnehmers, Ausländerfeindlichkeit