13. September 1935

Karl Valentins Schwiegersohn wird im „KZ Dachau“ inhaftiert

Dachau * Karl Valentins Schwiegersohn Ludwig Freilinger wird zusammen mit drei Freunden im „KZ Dachau“ inhaftiert.  

Die Vier hatten den Aufhausener Bürgermeister der Veruntreuung von Teilen der „Winterhilfssammlung“ verdächtigt und sind dann wegen „staatsfeindlicher Äußerungen“ in „Schutzhaft“ genommen worden.

Der Komiker hat gegenüber dem Schlosser ein angespanntes Verhältnis, weil er ihm nicht den richtigen Mann für seine Tochter Gisela sieht. 


1935

Suchbegriffe

KZ Dachau, Aufhausen, Winterhilfswerk, staatsfeindliche Äußerungen, Schutzhaft,

Personen

Valentin Karl Freilinger Ludwig Fey Gisela

Weitere Ereignisse im Jahr 1935

1935

Au * Im Gebäude der „Kreislehrerinnenbildungsanstalt für Oberbayern“ in der Frühlingstraße (heute: Eduard-Schmid-Straße) wird die „Hans-Schemm-Aufbauschule“ untergebracht. 

1935

Haidhausen * Im Zuge der Erweiterung des Rosenheimer Berges zum Zubringer der "Autobahn München - Landesgrenze" müssen das "Gasthaus zum Salzburger Hof" und der "Stadtkeller" mit seiner lang gestreckten Fasshalle abgetragen werden.

Seit 1935

Maxvorstadt * In der „Klopfer-Villa“ an der Brienner Straße 41 befindet sich die „Korpsführung des NS-Kraftfahrkorps“.

1935

Bogenhausen * Das bekannte Schmerzmittel „Togal“ wird in 46 Ländern verkauft.

1935

Englischer Garten - Hirschau * Mit dem Abbruch der „Maffei'schen Maschinenbaufabrik“ wird begonnen.

1935

Maxvorstadt * Eigentümer des Anwesens Richard-Wagner-Straße 9 ist der „Zahnarzt“ Alfons Hoetlmayr.

1935

Theresienwiese * Georg W. Buchner plant die Beseitigung der „Ruhmeshalle“ und der „Bavaria“.

Statt dessen hätte sich an der „Theresienhöhe“ eine riesige „Kongresshalle“ erhoben.

1935

Maxvorstadt * Gerhard Haas, Enkel von Joseph Schülein, macht sein Abitur am „Wittelsbacher Gymnasium“ und studiert ab 1936 in England.

1935

Maxvorstadt * Von 1935 bis Kriegsende ist die „SA-Gruppe Hochland“ im Anwesen Richard-Wagner-Straße 2 untergebracht.

1935

Schwabing * Das „Palais Leopold“ wird abgerissen.

Seit etwa 1935

Au * Der neue Besitzer der Zentrale des „Konsumvereins München von 1864“ heißt „Schutzgemeinschaft Bayerischer Bäcker und Müller GmbH“.

Das Ende der Konsumgenossenschaften ist der Aufschwung des Auer Bäckers Josef Bernbacher. 
Nach der Auflösung der „Verbrauchsgenossenschaften“ nutzt er die Gunst der Stunde und kehrte in die Au zurück. 

Unter dem Versprechen, kein Brot mehr herzustellen, übernimmt Bernbacher das Gelände des „Konsumvereins München von 1864“ und verlegt sich auf einen Geschäftszweig, den die Genossenschaft im Jahr 1922 eingeführt hatte: die Teigwarenherstellung.

Heute ist die „Josef Bernbacher & Sohn GmbH & Co KG“ einer der größten Nudelhersteller in Deutschland.

1935

Au * Das „Gesundheitsamt“ bezieht Räume im „Bezirksamt am Lilienberg“.

1935

Geiselgasteig * Der fünfminütige Film „Karl Valentin bei der Wahrsagerin“ entsteht.

Es handelt sich um einen selbstständigen Dialogsketch, in den Szenen aus „Kirschen in Nachbars Garten“ einmontiert wurden.

1935

Geiselgasteig * Unter der Regie von Erich Engels entsteht der Film „Kirschen in Nachbars Garten“ in den „Bavaria-Ateliers“ in Geiselgasteig.

Karl Valentin spielt einen Gärtner, Liesl Karlstadt eine Magd.

1935

Englischer Garten - Schwabing * Das baufällig gewordene „See-Restaurant Kleinhesselohe“ wird abgerissen und durch einen etwas größeren hölzernen Neubau von Professor Rudolf Esterer ersetzt.

1935

Ludwigsvorstadt * Weil am „Deutschen Theater“ Stücke von jüdischen Autoren aufgeführt werden, entlassen die Nazis den Theaterleiter Hans Gruß. 

8. Januar 1935

Tulepo * Elvis Presley kommt in Tulepo, Mississippi, zur Welt. 

16. Februar 1935

München * Das „Bayerische Innenministerium“ hat mit der Ausstellung der Nachbildung der im „Gefängnis Stadelheim“ genutzten „Fallschwertmaschine“ in Karl Valentins „Panoptikum“ keinerlei Probleme.

Denn: „Der unbefangene Besucher kommt bei der Besichtigung dieser Hinrichtungsszene wohl nicht auf den Gedanken, dass die Darstellung genau der Wirklichkeit entspricht, vielmehr hält er sie, wie auch die sonstigen Gegenstände des Juxmuseums für ein Erzeugnis der verschrobenen Fantasie des Ausstellers Valentin. 

Durch ein Verbot dieser Hinrichtungsszene würden zweifellos mehr abträgliche Wirkungen ausgelöst werden, als durch deren Weiterduldung“

1. April 1935

Berlin * Die „Deutsche Gemeindeordnung“ tritt in Kraft. 

Die „Stadträte“ heißen seither „Ratsherren“.

6. April 1935

Lehel * An der Prinzregentenbrücke wird vormittags um 9 Uhr eine junge Frau aus der Isar gezogen, die sich das Leben nehmen wollte: Liesl Karlstadt.

4. Mai 1935

Ludwigsvorstadt * Karl Valentin eröffnet sein „Panoptikum“ erneut.

2. Juni 1935

Berlin * Wohnungskündigungen gegenüber jüdischen Mietern sind möglich.

25. Juni 1935

Berlin * Das „Luftschutzgesetz“ verpflichtet alle Deutschen zu „Dienst- und Sachleistungen sowie zu sonstigen Handlungen, Duldungen und Unterlassungen [...], die zur Durchführung des Luftschutzes erforderlich sind“.

In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern muss ein „Sicherheits- und Hilfsdienst“ unter der Leitung des „Polizeipräsidenten“ aufgestellt werden.
Er erhält später den Namen „Luftschutzpolizei“

Die „Feuerwehr“ untersteht somit bei kriegsbedingten Einsätzen dem örtlichen „Luftschutzleiter“, bei „normalen“ - friedensmäßigen - Einsätzen ist weiterhin der „Oberbürgermeister“ ihr höchster Dienstvorgesetzter in der Stadt.

4. August 1935

Berlin - München * Adolf Hitler erklärt München zur „Hauptstadt der Bewegung“. a

17. August 1935

Berlin * Anfertigung einer zentralen „Judenkartei“ durch die „Geheime Staatspolizei - Gestapo“.

September 1935

Theresienwiese * Das 125. Jubiläum des „Oktoberfestes“ stellen die Nationalsozialisten unter das Motto: „Stolze Stadt - Fröhliches Land“.

September 1935

Theresienwiese * Der Wirt vom „Schottenhamel-Festzelt“ lässt für seine „Ehrengäste“ ein „Ehrenfass“ anstechen.

September 1935

Theresienwiese * Die Festplatzstraßen auf der Wiesn werden asphaltiert. 

Entlang dieser Straßen führen auch alle Zuleitungen für Wasser und Energie, weshalb eine Grundrissänderung mit enormen Kosten verbunden wäre.

September 1935

München * Die „Valentin-Zeitung“, in der Originaltexte, Witze und Erinnerungen von Karl Valentin publiziert werden, erscheint einmalig.

Weil das Erscheinungsdatum mit „nur Hie und Da“ angegeben ist, wird die „Valentin-Zeitung“ von den Nationalsozialisten - mit der offiziellen Begründung des presserechtlich unzulässigen Impressums - verboten.

15. September 1935

Nürnberg * Mit den „Nürnberger Gesetzen“ wird die völlige Entrechtung der Juden in Deutschland eingeleitet. 

Sie teilen sie in sogenannte Voll-, Halb- oder Viertel-Juden ein. 

Das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ verbietet die Eheschließung zwischen „Juden“ und „Nichtjuden“ sowie den außerehelichen Geschlechtsverkehr zwischen ihnen.
Für „Verbrechen der Rassenschande“ werden hohe Zuchthausstrafen oder „KZ“ verhängt.
Unter Zuhilfenahme der „Verordnung gegen Volksschädlinge“ können Angeklagte sogar zum Tode verurteilt werden. 

Das „Reichsbürgergesetz“ macht Juden zu „Bürgern zweiter Klasse“

Anton von Arco gehört damit zu den „Halbjuden“, doch sein Ruhm als „Eisner-Mörder“ schützt ihn vor weiteren Verfolgungen. 

1. Oktober 1935

München * Nachfolger von Wilhelm Adam als „Kommandierender General im Wehrkreis VII“ wird „General“ Walter von Rückenau, der als einer der wenigen Vertrauten Adolf Hitlers im „Generalstab“ gilt.

8. Oktober 1935

München * In München wird die erste „Luftschutzübung“ abgehalten.

18. Oktober 1935

Berlin * Das „Gesetz zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes“, auch „Ehegesundheitsgesetz“ genannt, wird verkündet.

Es soll alle - nach Ansicht der Nationalsozialisten „unerwünschten“ und nach ihrer Auffassung „minderwertigen Nachkommen“ verhindern.

Das Gesetz verbietet in einer Reihe von Fällen die Eheschließung.
Deshalb müssen die „Verlobten“ vor der Eheschließung „durch ein Zeugnis des Gesundheitsamtes [Ehetauglichkeitszeugnis] nachweisen, daß ein Ehehindernis nach § 1 nicht vorliegt“.

  • Als „Ehehindernis“ gilt, wenn einer der Partner an einer mit Ansteckungsgefahr verbundenen Krankheit leidet, die nach nationalsozialistischer Ansicht eine erhebliche gesundheitliche Schädigung des Partners oder der Nachkommen befürchten ließ.
  • Darüber hinaus wurde mit dem „Ehetauglichkeitszeugnis“ bescheinigt, dass die Eheschließung nicht gegen das „Blutschutzgesetz“ verstößt.
  • Das „Ehegesundheitsgesetz“ schreibt ja vor: „Eine Ehe soll ferner nicht geschlossen werden, wenn aus ihr eine die Reinhaltung des deutschen Blutes gefährdende Nachkommenschaft zu erwarten ist“.
  • Damit ist nicht nur das Verbot der Ehe zwischen „Juden“ und „Nicht-Juden“ gemeint, sondern nach dem Gesetzeskommentar auch die Verheiratungen mit „Negern und Zigeunern“.

Später wurde die Vorschrift noch auf die Eheschließung zwischen Deutschen und Angehörigen osteuropäischer Volker ausgedehnt.

November 1935

Lehel - Isarvorstadt * Nachdem die „Ludwigsbrücke“ schon wieder für den sich ständig verstärkenden Verkehr zu schmal geworden war, wird sie auf 29 Meter verbreitert.

Sie dient nun als Zubringer für die nach Salzburg führende „Autobahn München - Landesgrenze“.

Alle vier „Pylone“ werden an der Altstadtseite angebracht.

November 1935

Maxvorstadt * Dr. Hermann Schülein tritt „mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand auf seinem Wunsch aus der Löwenbräu AG“ aus.

9. November 1935

Maxvorstadt * Die Särge der Toten des „Hitlerputsches“ von 1923 werden in der Nacht mit einem Fackelzug durch das „Siegestor“ getragen und am Tag in den neu erbauten „Ehrentempeln am Königsplatz“ aufgestellt.

16. November 1935

Ludwigsvorstadt * Das „Panoptikum“ Karl Valentins im „Hotel Wagner“ schließt - wegen Erfolglosigkeit - endgültig.

1. Dezember 1935

Berlin * Karl Valentin und Liesl Karlstadt absolvieren bis 12. Dezember im „Kabarett der Komiker“ in Berlin ein Gastspiel.

2. Dezember 1935

München * Die NSDAP befragt die „IHK München“, ob der „Generaldirektor der Cenovis-Werke arischer Abstammung“ ist.

12. Dezember 1935

Berlin * Der „Lebensborn e.V.“ wird „auf Veranlassung des Reichsführers SS“, Heinrich Himmler, in Berlin gegründet und ist von Anfang an in die nationalsozialistische „Rassenpolitik“ eingebunden. 

Himmler will die „erbgesundheitlich wertvolle Sippe deutscher nordisch bestimmter Art“ erhalten und vermehren, wobei die „SS“ die „Elite des Herrenvolkes“ der Deutschen werden soll. 

Der Gedanke des „guten Blutes“ basiert auf der „nationalsozialistischen Rassenkunde“ und der Gedankenwelt des „Sozialdarwinismus“, in der behauptet wird, es gibt „minderwertige“ Rassen und eine „hochwertige“, die „nordische Rasse“, zu der die Mehrheit der Deutschen zu zählen sei.

20. Dezember 1935

Berlin * Die Premiere des unter Beteiligung von Karl Valentin und Liesl Karlstadt gedrehten Films „Kirschen in Nachbars Garten“ findet im „Titania-Palast“ in Berlin statt.


Verwendet in Führung:

12. Auf den Spuren eines Genies - Karl Valentin
36. Täterorte - Opferorte * Nationalsozialismus



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