1929

Das „Wählsystem 29“ kommt im Fernmeldenetz zum Einsatz

Deutsches Reich * Das mit dem kostengünstiger zu produzierenden Flachrelais ausgestattete „Wählsystem 29“ kommt im Fernmeldenetz zum Einsatz. 


1929

Suchbegriffe

Telefon, Wählsystem 29, Flachrelais, Fernmeldenetz,

Weitere Ereignisse im Jahr 1929

1929

München * Der verschollene Film „Karl Valentins humoristische Wochenschau“ entsteht.

Um 1929

München * Der Stummfilm „Die beiden Musikal-Clowns“ nach der Originalszene „Die verhexten Notenständer“ von Karl Valentin und Liesl Karlstadt entsteht.

1929

München-Maxvorstadt * Die „Kunstgewerbeschule“ wird in „Staatsschule für angewandte Kunst“ umbenannt.

1929

München-Maxvorstadt * Die Anwesen Richard-Wagner-Straße 3 und 5 gehören den „I. G. Farben Aktiengesellschaft, Frankfurt Hoechst“.

Die „I. G. Farben“ war eine Partnerin der US-amerikanischen Firma „Standard Oil“.

Sie beliefert später die deutschen „Vernichtungslager“ mit dem tödlichen Gas „Zyklon B“.

1929

München-Maxvorstadt * Die „Löwenbräu AG“ kann als erste Münchner Brauerei die „Ein-Millionen-Hektoliter-Grenze“ durchbrechen.

1929

München * Dr. Fritz Gerlichs zweibändiges, 700 Seiten langes Werk „Die stigmatisierte Therese Neumann von Konnersreuth“ erscheint.

1929

München * Frauen wird die Aufnahme in den „Cowboy Club München Süd“ verweigert.

Die Regelung gilt bis in die 1980er Jahre.  
Erst nach 2000 wird den Frauen eine „aktive Mitgliedschaft“ ermöglicht. 

1929

München * Der Stummfilm „Mit dem Fremdenwagen durch München“ mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt als „Erzähler“ und Josef Rankl als „Fremdenautoführer“ entsteht. 

Es ist der Anfangs- und Schlussfilm einer multimedialen Live-Darbietung mit Lichtbildern.
Er wird im Rahmen des von Walter Jerven moderierten Stummfilmprogramms „Aus der Kinderstube des Films“ gezeigt.

1929

München-Ludwigsvorstadt * Weil ihr „Bananentanz“ angeblich gegen die „guten Sitten“ verstößt, wird ein geplantes Gastspiel der „Tänzerin“ Josephine Baker im „Deutschen Theater“ von der Polizei verboten. 

20. Januar 1929

München-Hackenviertel * Der Filmsammler und Publizist Walter Jerven führt die wiederentdeckten Stummfilme Valentins Hochzeit aus dem Jahr 1914 und Karl Valentin und Liesl Karlstadt auf der Oktoberfestwiese im Ufa-Theater am Sendlinger Tor vor. 

Unter dem Titel „Aus der Kinderstube des Films“ werden die Streifen in einer Matineeveranstaltung der Bayerischen Landesfilmbühne gezeigt. 

Februar 1929

München * Wiederentdeckung des Karl-Valentin-Stummfilms „Die lustigen Vagabunden“ aus dem Jahr 1914.

13. Februar 1929

München-Maxvorstadt * Premiere der Valentin-Karlstadt-Tonfilmimitation „In der Schreiner-Werkstätte“ im „Apollotheater“.

Während auf der Leinwand der Film läuft, wird dahinter die dazu passende Tonkulisse erzeugt. 
Die „Münchner Neuesten Nachrichten“ schreiben dazu: „Man hört Hunderte verschiedene Geräusche, fallende Bretter, Suppenlöffel, Säge, Laufschritte usw.: sehr deutlich ist das, was gesprochen, gezankt wird; und sogar durchaus synchron“

3. März 1929

Berlin * Im Berliner Kino Kapitol am Zoo werden die unter dem Titel „Aus der Kinderstube des Films“ zusammengefassten Karl-Valentin-Filme gezeigt. Der Münchner Komiker wird von der überregionalen Filmkritik gefeiert.

9. März 1929

Planegg * Karl Valentin vergrößert um 3.800 Mark seinen Planegger Besitz durch den Ankauf von weiteren 1.348 qm Grund.

Um April 1929

München-Haidhausen * Der Brunnen im heutigen „Bordeauxplatz“ mit einer Abmessung von 20 auf 9 Metern wird gebaut. 

Wegen seiner vier Tierskulpturen erhält er den in herrlich trockener Beamtenlyrik gehaltenen Namen „Brunnen mit jagdbaren Tieren”.

Zuvor befindet sich am „Forum“ an der Wörthstraße ein sogenannter „Kustermannbrunnen“.
Darunter versteht man einen klassischen Münchner Trinkbrunnen mit einer gusseisernen Stele und einer Dackeltränke, den „Kommerzienrat“ Max Kustermann den Haidhausern schenkt. 

April 1929

München * Walter Jerven, Johannes Eckhardt, Karl Valentin und Liesl Karlstadt gründen die „Karl Valentin Filmproduktion“.

3. April 1929

München-Maxvorstadt * Das „Apollo-Theater“ in der Dachauer Straße 19 wird geschlossen.

Mai 1929

??? * Der Valentin-Karlstadt-Stummfilm „Fern-Kino“ wird im „Filmpalast“ uraufgeführt.

1. Mai 1929

München-Maxvorstadt * Die „Städtische Galerie am Lenbachhaus“ in der Luisenstraße wird eröffnet.

Nach dem 29. Mai 1929

München * Uraufführung der „Wochenschau von Karl Valentin und Liesl Karlstadt. Serie 14“.

7. Juni 1929

Paris * Der Young-Plan regelt die deutschen Reparationen neu. Das Deutsche Reich soll 112 Milliarden für die Dauer von 58 Jahren zahlen. 

Um August 1929

München-Haidhausen * In der „Münchner Chronik“ der „Süddeutschen Sonntagspost“ findet sich eine Reportage über die Vorkommnisse während der besonders heißen „Hundstage“.  

Ein Journalist beschreibt darin, mit welcher jubelnder Begeisterung die Haidhauser, besonders die Kinder, den neuen Brunnen angenommen haben.  
„Der Magistrat“, so der Zeitungsschreiber, hat den Kindern „ein kleines Paradies“ spendiert, ein „Florida für die Armen“, mit frischem, kaltem Wasser und einer Fontäneninsel in der Mitte, bei dem eigentlich nur die einladende Tafel „Familienbad für Kinder“ fehlt.  

Die Kleinen waten „lustig hinein in den Märchenbrunnen zu den dreißig anderen, die da planschen und spritzen, pfeifend und singend, umgeben von einem Kranz wohlwollender erwachsener Zuschauer”.  
Ein wahres Geschenk, denn die Badeanstalt kostet „ein Zehnerl Eintritt, das man erst haben muß, wenn man es ausgeben will”.  

Der gelobte „Münchner Stadtrat“ reagiert auf die Hymnen unbeholfen und verlegen.

Denn, so die Verlautbarung, er „hat gar nicht gewußt, was die Haidhauser Wirbelköpfe aus seinem Brunnen gemacht haben!“
Und weiter, die „Stadtverwaltung“ hat „es erst erfahren durch Zuschriften einiger galliger Umbewohner, die sich in ihrer Ruhe gestört fühlen, die nicht verstehen, daß diese kleinen blassen Körperchen, die trotz der Ferien ans Großstadtpflaster gebannt sind, sich ein wenig austollen wollen.  
Ruhestörung! Es war ein Irrtum.  
Der Brunnen ist mißverstanden worden von den Kindern, von den Zuschauern, sogar von dem wackeren Polizeimann, der schmunzelnd vorbeiging und ebenfalls dachte, es sei ganz in Ordnung so“
.  
Im Gegenteil. „Die Haidhauser hatten das Waten einfach auf eigene Faust eingeführt“ und angesichts der „Hundstage“ die „amtliche Billigung“ vorausgesetzt, muss sich der Journalist von der Stadtverwaltung belehren lassen.  
Natürlich muss ein Schild her, eine „leuchtende Verbotstafel“ mit der Aufschrift „Waten und Baden verboten“.  

Die sarkastische, weder die Stadtverwaltung noch die Miesmacher schonende Reportage stammt aus der Feder des nachmaligen „SZ-Chefredakteurs“ und „Herausgebers der Münchner Abendzeitung“, Werner Friedmann. 

Um September 1929

München-Geiselgasteig * Die Dreharbeiten zu Karl Valentins ersten langen Stummfilm „Der Sonderling“ beginnen. 

September 1929

München-Haidhausen * Konsul Albert Heilmann, der Ehemann der Stuck-Tochter Mary, erhält für sein Gebot von 351.000 Mark den Zuschlag für die „Villa Stuck“

Die Versteigerung kam zustande, weil sich die Witwe und die Tochter Stuck nicht über den Wert des Hauses einigen konnten. 

27. Oktober 1929

München-Haidhausen * Mary von Stuck, die Witwe des berühmten Malerfürsten, stirbt. 

29. Oktober 1929

USA * Der „Schwarze Freitag“ wird mit einem legendären Börsencrash in den USA in Verbindung gebracht, der durch eine „Spekulationsblase“ ausgelöst wird.

In den sogenannten „Goldenen Zwanziger Jahren“ steigen die Aktienkurse ununterbrochen.
Viele Anleger träumen vom großen Geld und nehmen sogar Kredite auf, um Aktien zu kaufen.
Als dann die Aktien stagnieren bricht am Donnerstag, dem 24. Oktober eine Panik an der Wall Street aus.
Der Handel bricht mehrmals zusammen.
Das ist der Beginn einer Wirtschaftskrise, die alle Industrienationen betrifft.
„Massenarbeitslosigkeit“ und „Deflation“ sind die Folge.

Der Crash zieht sich über Tage hin.
Am Dienstag, dem 29. Oktober versuchen viele Investoren gleichzeitig ihre Aktien zu verkaufen. 

Damit fällt der „Schwarze Freitag“ auf einen Dienstag, weshalb die Amerikaner auch vom „Black Thursday“ sprechen. 

November 1929

München-Haidhausen * Adolf Hitler zieht aus seinem kleinen Zimmer im Lehel hinauf in das noble Viertel um das „Prinzregententheater“, in eine 317 Quadratmeter große Neun-Zimmer-Wohnung.

Sein sozialer und politischer Aufstieg ist durch das Großbürgertum gefördert und finanziert worden.
Hugo Bruckmann hilft Hitler bei der Finanzierung der Wohnung, nachdem sich der Vermieter zunächst skeptisch zeigt, ob denn der neue Mieter überhaupt in der Lage ist, die Jahresmiete von 4.176 Reichsmark bezahlen zu können.
Erst nachdem Bruckmann für die pünktliche Bezahlung der Miete bürgt, wird der Mietvertrag abgeschlossen.

Geli Raubal, Hitlers Nichte, zieht ebenfalls in die Wohnung ihres Onkels am Prinzregentenplatz 16 ein.
Das „Medizinstudium“ gibt „Geli“ nach einem Semester auf, da sie „Wagner-Sängerin“ werden will.
Hitler bezahlt den Gesangsunterricht.
Doch ihre begrenzte Begabung und das Leben im Glanz des aufstrebenden Polit-Stars lenkt sie stark von intensiver Gesangsarbeit ab.

Ab dem 1. November 1929

Berlin * Karl Valentin und Liesl Karlstadt geben ein Gastsspiel im „Kabarett der Komiker“ in Berlin. 

Im November geben sie das Bühnenstück „Im Photoatelier“

Ab dem 1. Dezember 1929

Berlin * Karl Valentin und Liesl Karlstadt spielen im Berliner „Kabarett der Komiker“ das Bühnenstück „Die Orchesterprobe“ (= „Tingeltangel“).

1. Dezember 1929

München - München-Giesing * Kurz vor der „Gemeindewahl“ zieht ein „Propaganda-Umzug“ mit zweitausend SA-Männern fünf Stunden lang durch Münchens Straßen, um sich den Münchner Wählern als dynamische und entschlossene Partei darzustellen. 

Doch das unsichere Terrain des „Roten Giesing“ meiden sie, wie der Teufel das Weihwasser.

8. Dezember 1929

München * Bei der Kommunalwahl erringt  

  • die SPD 17 Sitze und wird damit stärkste Fraktion.  
  • Die BVP verliert leicht und erreicht 12 Sitze.  
  • Die NSDAP kann 8 Sitze erreichen.  

Karl Scharnagl [BVP] wird erneut Oberbürgermeister. 

28. Dezember 1929

München * Uraufführung des Stummfilms „Der Sonderling“ mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt in den Hauptrollen in drei Münchner Kinos. 

Der Film wird 1942 von der NS-Zensur wegen „Verletzung des künstlerischen Empfindens“ verboten.


Verwendet in Führung:

04. Haidhausen - Das Franzosenviertel




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