Um den 12. Juli 1662

Der Kurfürst lässt ein „Churbaierisches Freudenfest“ organisieren

München * Unverzüglich nach der Geburt des Kurprinzen Max Emanuel befiehlt Kurfürst Ferdinand Maria die Vorbereitung „underschidlich herrliche[r] freuden- und jubel festiviteten mit ainer herrlich magnificenz und schöne niemahln vorher gesechnen inventionen ins werkh zubringen“.  

Die Konzeption des Festes, das Oper, Turnier und Feuerwerk erstmals zur thematischen Einheit verschmilzt, macht den kurbaierischen Hof zum Vorreiter europäischer Hofkultur. 


Sortierung 1662

Suchbegriffe

Churbaierisches Freudenfest, Freudenfest, Oper, Turnier, Feuerwerk, Hofkultur,

Personen

Ferdinand Maria Kurfürst Henriette Adelaide Kurfürstin Max Emanuel Kurfürst

Weitere Ereignisse im Jahr 1662

1662

München-Kreuzviertel * Für den Bau der „Theatinerkirche“ wird der Architekt Agostino Barelli aus Bologna verpflichtet.  

Kurfürstin Henriette Adelaide lehnt einheimische Baumeister ab, da sie „piu  idioti nell’ edificare una fabrica di tanta importanza“ oder freundlich gesagt: „zu unerfahren [seien], um auch nur eine Werkstätte von größerer Bedeutung zu bauen“

Mai 1662

München * Caspar von Schmid wird baierischer „Vizekanzler“

11. Juli 1662

München-Graggenau * Max Emanuel, der spätere Kurfürst, wird in München geboren.

20. September 1662

München * Der Salzburger Fürstbischof Max Gandolph zieht feierlich in München ein.  
Er soll am nächsten Tag den Kurprinzen Max Eanuel taufen.  

Am Abend wird auf dem „Hirschanger“ ein „architektonisches Feuerwerk“ gezündet.  
Dazu ist extra eine Bühne mit flankierenden Pyramiden und feuerspeienden Türmen aufgebaut worden.  

Mit dem Feuerwerk beginnt ein pompöses Geburtstags- und „Freudenfest“.  
Es endet am 3. Oktober mit der Abfahrt der Gäste und dient der Demonstration baierischen Machtanspruchs. 

21. September 1662

München * Der Kurprinz wird auf die Namen Maximilian Emanuel Ludwig Maria Joseph Cajetan Antonius Nikolaus Franziskus Ignatius Felix getauft.  

Er stellt sich damit als Erbe der bedeutendsten Vertreter der Häuser Wittelsbach und Savoyen vor.
Die Taufe wird durch den Salzburger Fürstbischof Max Gandolph mit großem Prunk vorgenommen.  

Am Abend wird die Stadt illuminiert. 

22. September 1662

München * Im Rahmen des Churbaierischen Freudenfestes aus Anlass der Geburt des Kurprinzen Max Emanuel vergnügen sich die hohen Herrschaften an diesem und am nächsten Tag bei der Jagd. 

24. September 1662

München * Auch das Volk darf sich an den Feierlichkeiten aus Anlass der Geburt des Kurprinzen Max Emanuel beteiligen.  

Von Mittag bis zum Abend fließt aus eigens vor der Residenz aufgestellten Brunnen weißer und roter Wein.  
Brot wird verteilt.
Und Hofleute werfen Geldstücke und Schaumünzen unters Volk.  

Das kurfürstliche Herrscherpaar verfolgt zeitgleich im „Opernhaus am Salvatorplatz“ die Oper „Fedra Incoronata“.  
Sie bildet den Auftakt einer „Festtriologie“.  

Noch vor der eigentlichen Opernaufführung erscheinen Iris, Hebe und Lucina und verkünden, dass die Zeit der finsteren unwirtlichen Wetter zu Ende geht und jetzt heitere Tage anbrechen würden.  
Sie sind gekommen, um die Sorgen und Schmerzen, die sich mit der schweren Geburt des Prinzen eingestellt haben, zu vertreiben.  
Dem neuen Helden [Max Emanuel] wünschen sie alles Gute und dass er wachsam und Kühn das Schwert führen werde.

In dem folgenden Spektakel treten nahezu alle griechischen Götter und Helden auf und huldigen dem Kurprinzen.  
Selbst der Kriegsgott Mars prophezeit, dass die unbesiegbare Rechte Max Emanuels die „Türken zähmen und bezwingen“ werde.  

Dem drei Monate alten Kurprinzen wird von den Göttern eine großartige Zukunft vorausgesagt. 

26. September 1662

München-Graggenau * Die Fortsetzung der Festtriologie findet mit dem Turnierspiel „Antiopa Giustificata“ statt, das im überdachten Brunnenhof der Residenz beginnt und am Nachmittag im Turnierhaus am Hofgarten fortgesetzt wird.  

Dort hat man zwei gegenüberliegende Bühnen aufgebaut:

  • Eine männliche mit dem baierischen Wappen und
  • eine weibliche mit dem Wappen von Savoyen.  

Eine Sphinx tritt mit einem Spiegel auf, in dem Kurfürst Ferdinand Maria die „herrlichen Taten“ seines Sohnes erkennen könne, mit denen Max Emanuel „die Welt überraschen“ werde: Die „Siege über die Barbaren“ und den „Triumph über die Türken“, der den „Untergang des Halbmondes“ zur Folge haben wird. 

1. Oktober 1662

München * Mit der abschließenden - drei Stunden dauernden - Feueroper „Medea Vendicativa“ erreicht das „Churbaierische Freudenfest“ seinen Höhepunkt.  

Erstmals in der Münchner Festgeschichte wird die Isar in das festliche Geschehen einbezogen.  
Auf der Isar schwimmen - „ungefer ein musquetenschus ausser der statt underhalb der stattmihl“ - dekorierte Bühnenflöße.  
Dadurch kann man die Bühne schnell teilen und so Platz schaffen für Seegefechte.  

Dass man die Isar als Festort einbezogen hat, liegt jedoch weniger an der Freude am feuchten Element.  
Vielmehr sind feuerpolizeiliche Gründe dafür ausschlaggebend.  

Die Zuschauer erleben eine regelrechte Wasserschlacht, die damit endet, dass der Kurprinz in einer Triumphbogenarchitektur erscheint und eine Schlange erwürgt.  

Die Botschaft lautet: Die Niederwerfung der „Osmanen“ kann nur mit Max Emanuel gelingen! 

3. Oktober 1662

München * Das „Churbaierische Freudenfest“ zur Geburt des Thronfolgers Max Emanuel endet mit der Abfahrt der Gäste. 

18. Oktober 1662

Paris * Prinz Eugen von Savoyen wird in Paris geboren.

Dezember 1662

Starnberg * Kurfürst Ferdinand Maria gibt den „Bucintoro“, das große „Leibschiff“ der kurfürstlichen Flotte, in Auftrag.  

Die Anregung für den „Bucentaur“ kommt aus dem Roman „Clélie“, der Lieblingslektüre der Kurfürstin Henriette Adelaide.  
In dieser Geschichte schildert Madeleine de Scudery ein rauschendes Fest, das eine fürstliche Gesellschaft auf einer luxuriösen Galeere zu Ehren der Göttin Venus feiert.  

Dieselbe Lektüre war auch der Anstoß für das „Herzkabinett“ in der Münchner Residenz.  

Der schwimmende Palast entsteht unter Beteiligung venezianischer Schiffsbau-Meister.  
Die Leitung hat der „welsche ingeniere“ Francesco Santurini aus Venedig, der für den Kurfürsten schon als Theater-Architekt tätig ist und der sich deshalb den eigentümlichen Titel eines „Schifmaisters zu Starnberg“ einhandelt.  

Neben den zwei venezianischen Meistern beteiligte sich noch eine große Zahl einheimischer Arbeitskräfte am Schiffsbau.  
Selbst aus der Au kommen Zimmerleute. 


Verwendet in Führung:

31. Schloss & Park Nymphenburg




Sucbegriffe: Churbaierisches Freudenfest, Freudenfest, Oper, Turnier, Feuerwerk, Hofkultur
Personen: Ferdinand Maria Kurfürst, Henriette Adelaide Kurfürstin, Max Emanuel Kurfürst