19. Mai 1727

Kaisertochter Marie Amalie legt den Grundstein zur „Anna-Kirche“

München-Lehel * Die österreichische Kaisertochter Marie Amalie, die Schwiegertochter des inzwischen verstorbenen Kurfürsten Max Emanuel, legt den Grundstein für das Kloster im „Lehel“.  

Die „Anna-Kirche“ wird zur „Dankvotivkirche“ für den am 28. März 1727 geborenen Kurprinzen Max Joseph.  
Dadurch erfreut sich der Kirchbau besonderer Fürsorge des kurfürstlichen Hofes, was zur Folge hat, dass die besten und angesehensten Künstler engagiert werden und zusammenwirken können.

Es entsteht einer der kostbarsten Sakralräume Münchens und die erste Rokokokirche von München und Baiern.  

An diesem verhältnismäßig kleinen Bau erfindet der 35-jährige Architekt Johann Michael Fischer eine ganz neue Lösung.  
Er benutzt keine der bisher gültigen Elemente: keine Wandsäulen, kein durchgehendes Gebälk, keine Halbkugelkuppel, keine ebenen Begrenzungen und keinen rechten Winkel, keinen stabilisierten Grundriss und Aufriss.  
Fischers Konzeption zielt auf eine geschmeidige Innenverbindung von Längs- und Zentralräumlichkeit.  
Es ist Fischers dritter Kirchenbau von den 32 Kirchen und Klöstern seines Lebenswerkes.  

Den Kirchenbau selbst führte der Maurermeister Philipp Zwerger aus.  

Den größten Teil der Innenausstattung besorgen die nicht weniger bedeutenden Gebrüder Asam.  
Egid Quirin Asam schafft die sämtlichen Altaraufbauten, Plastiken und Stuckaturen;  
Cosmas Damian Asam malt die Fresken und die Altarblätter.  
Für die Asambrüder ist es die zweite Kirchenarbeit in München.  

Das Herzstück des Hochaltars, den „Tabernakelbau“ mit den beiden Engeln, und die Kanzel stammen von dem jungen Johann Baptist Straub. 


1727

Suchbegriffe

Anna-Kirche, Dankvotivkirche, Rokoko, Tabernakel,

Personen

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Weitere Ereignisse im Jahr 1727

1727

München * Die Münchner „Weinwirte“ kämpfen in einer Eingabe an den Kurfürsten Carl Albrecht gegen die „Kaffeehäuser“

Denn: „Zum luxuriösen Leben wird viel beigetragen durch die Vermehrung der Kaffeehäuser und weißen Bierzäpflereien, die Tag und Nacht dem Übermut offen stehen und wo die unnötigen und wolllüstigen Getränke wie Kaffee, Tee, Rosoglio [Likor, hauptsächlich Orangenlikör], Wein etc., jederzeit angeboten werden“.  

Der Kurfürst verspricht, keine neuen „Kaffeehäuser“ zu genehmigen und die bestehenden „absterben“ zu lassen. 

1727

Freising * Der Baiernprinz und Fürstbischof von Regensburg, Johann Theodor, wird zum Bischof von Freising gewählt.

19. Februar 1727

Schwabing * Mit einem Vertrag überlässt der „Geheime Rat“ und „Kabinettssekretär“ Franz Xaver Ignaz von Wilhelm sein in Schwabing gelegenes „Schloss Suresnes“ dem „Kölner Kurfürsten“ Clemens August zur „Nutzung“.  

Dafür erhält Wilhelm das „Nutzungsrecht“ am „Schloss Ammerland“ am Starnberger See „mit der Jagd, der Fischerei und der Gärtnerei“.  
Die Eigentumsrechte und Unterhaltspflichten an beiden Schlössern bleiben durch diesen Vertrag unangetastet.  
Über die Hintergründe des „Nutzungstausches“ gibt es keine Unterlagen.  

Die Vermutung ist naheliegend, dass der „Kölner Fürstbischof“ eine verschwiegenes Absteigequartier nahe Münchens für seine amourösen Vergnügungen sucht.  

Der prachtliebende und den Freuden des Lebens sehr zugetane Fürst, der aufgrund seiner fünf Bistümer auch „Monsieur de Cinq-Eglises“ genannt wird, ist bis zum Todesjahr des „Geheimen Rats“ Franz Xaver Ignaz von Wilhelm, 1741, „Hausherr auf Schloss Suresnes“

28. März 1727

München * In München wird der spätere Kurfürst Max III. Joseph geboren. 

9. November 1727

Viterbo * Kurfürst Clemens August erhält von Papst Benedikt XIII. im Kloster „San Maria della Querica“ in Viterbo die „Bischofsweihe“.


Verwendet in Führung:

15. Lehel



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