1. August 1914

Die „Mobilmachung“ wird Bayern 108 Millionen Mark kosten

Berlin - München * „Mobilmachung“ bedeutet, dass das bestehende „Friedensheer“ erst durch die „Reservisten“ verstärkt und damit operationsfähig gemacht werden muss.
Die „Reservisten“ werden „eingezogen“ und damit „mobilisiert“.  

In Friedenszeiten umfasst das Heer reichsweit circa 750.000 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften und 158.000 Pferde.  
Nach dem Abschluss beträgt die Stärke des deutschen Heeres 3.840.000 Mann und 880.000 Pferde.  

Das Heer teilt sich in das „Besatzungsheer“ und das eigentliche „Feldheer“, das 2.398.000 Mann und 730.000 Pferde umfasst.  
Die sogenannten „Ersatztruppen“, deren Soldaten zum Ausgleich der erwarteten Verluste bereitstehen, zählen 954.000 Mann.  
Damit waren in den Heimatgarnisonen - nach dem Ausmarsch des „Feldheeres“ - mehr Soldaten vorhanden als in Friedenszeiten.

Die bayerische Armee ist ein Teil des deutschen Reichsheeres - mit eigener Verwaltung.
Im Frieden umfasst sie rund 90.000 Soldaten und 17.000 Pferde.  
Nach der „Mobilmachung“ steigt die Zahl der Soldaten auf 416.000, die der Pferde auf 90.000.  
Das bayerische „Feldheer“ zählt 300.000 Mann und 82.000 Pferde. 

Die „Mobilmachung“ wird Bayern 108 Millionen Mark kosten. 


1914

Suchbegriffe

Erster Weltkrieg, Mobilmachung, Reservist, Besatzungsheer, Feldheer, Ersatztruppe, Soldaten, Reichsheer, Garnison,

Weitere Ereignisse im Jahr 1914

Um 1914

München * Der Karl-Valentin-Film „Erbsen mit Speck“, auch unter dem Titel „Ein Teller Erbsensuppe“ genannt, entsteht. 

Der Film ist verschollen.

1914

München-Ludwigsvorstadt * Das Unternehmen „Pharmacia M. Schmidt & Co“, die späteren „Togal-Werke“, wird in gemieteten Räumen in der Goethe- und Schillerstraße gegründet.

4 Mitarbeiter hat das Unternehmen.

1914

München-Maxvorstadt * Georg „Papa“ Steinicke im Hinterhof einer Buchhandlung in der Adalbertstraße eine „Volkssänger-Bühne“

1914

München * In München gibt es etwa 800 als „Volkssänger“ gemeldete Personen.

Sie organisieren sich im „Volkssängerverband“, mit eigener Zeitung, Krankenversicherung und Künstlerbörse, organisieren.

1914

München-Au * Im Vordergebäude des „Karl-Valentin-Geburtshaus“ in der Zeppelinstraße 41 wird ein Ausstellungsraum für Kraftfahrzeuge der Firma Weinberger eingerichtet. 

Der Hauseingang wird wieder an die Vorderseite verlegt. 

1914

München-Bogenhausen * Der Neubau der Bogenhausener „Gebeleschule“ wird bezogen.

1914

München-Bogenhausen * In das alte Schulgebäude am Kirchplatz 3 zieht ein „Kindergarten“ ein, der als „praktische Übungsstätte“ des zum „Annalyzeums“ im Lehel gehörenden „Kindergärtinnenseminars“ genutzt wird.

Es ist Bestandteil der „Städtischen Frauenschule“.

1914

München-Maxvorstadt * Dr. Hermann Schülein bewohnt ein großzügiges Appartement in der Richard-Wagner-Straße 17.

1914

München-Untersendling * Karl Winter gründet die Firma „Fisch Winter KG“

Der „Fischgroßhändler“ verkauft „Seefische“, „Feinfische“, „Süßwasserfische“, „Räucherfische“, „Salzheringe“ und „Marinaden“.
Er beliefert seine Kundschaft mit dem Handkarren und eröffnet gleichzeitig - gemeinsam mit seiner Frau Philippine - die „Sendlinger Fischhalle“ in Untersendling, an der Alram-/ Ecke Aberlestraße.

1914

München * Friedrich Wilhelm von Bissing schenkt seine „Sammlung altägyptischer Kunst“ der bayerischen „Staatlichen Sammlung Ägyptischer Kunst“.

1914

München-Au * Der „Konsumverein München von 1864“ kauft von der „Paulaner-Brauerei“ noch weitere Grundstücke ab, sodass das Gelände zwischen der Auerfeld-, Staatsbahn, Balanstraße und Tassiloplatz fast in seiner Hand ist. 

1914

München-Bogenhausen * Im Bogenhausener „Brunnthal“ entstehen vornehme neoklassizistische Villen.

Um 1914

München * Karl Valentins Stummfilm „Der neue Schreibtisch“ wird gedreht. 

Sein erster „Atelierfilm“ bringt ihm einen Gewinn von 200.- Mark ein.

Anfang 1914

München-Bogenhausen * Thomas Mann und seine Familie beziehen ihre Villa in der Poschingerstraße 1 im „Herzogpark“. (Heute: Thomas-Mann-Allee 10)

1914

München-Neuhausen * Die „Firma Falk & Fey“ hat an seinem Standort in der Richelstraße 72 Möbelwagen als Pferdefuhrwerke sowie mehrere Speditionswagen und Lastkraftwagen im Einsatz.

Bis 1914

München-Giesing * Bis zum Ersten Weltkrieg steigt die Zahl der Protestanten in Giesing so sehr an, dass man einen eigenen Kirchenbau plant.

21. März 1914

München-Au * Rosa Luxemburg hält im brechend vollen „Münchner-Kindl-Keller“ eine mitreißende Rede zum Thema „Militarismus und Volksfreiheit“

Sie fordert auf, die Waffen nicht gegen die ausländischen Klassenbrüder zu erheben und das Wettrüsten zu stoppen. 
Die Sozialdemokraten gehen zu diesem Zeitpunkt noch davon aus, dass der Krieg zu verhindern ist. 

Rosa Luxemburg sagt:
„Wenn ein Mann von Blut und Eisen wie Bismarck trotz Ausnahmegesetz nicht mit uns fertig geworden ist, wie wollen das die Knirpse fertig bringen, die heute an der Spitze stehen!“

31. März 1914

Großbritannien * Sir Hubert von Herkomer stirbt in England an den Folgen eines Magenkrebs.

14. April 1914

Frankfurt am Main * Rosa Luxemburg wird in Frankfurt zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. 

Der Knast bleibt der gehbehinderten Frau, die Berufung gegen das Urteil einlegt, vorerst erspart. 

14. April 1914

München-Ludwigsvorstadt * Der österreichische Erzherzog Franz Ferdinand trifft mit einem Sonderzug auf dem Münchner Hauptbahnhof ein.

Der weithin als reaktionär geltende Erzherzog wird ein viertel Jahr später in der bosnischen Haupstadt Sarajewo samt seiner Ehefrau Sophie von Hohenberg Opfer eines Anschlags werden. 

10. Mai 1914

München-Nymphenburg * Der „Botanische Garten“ in Nymphenburg wird von König Ludwig III. eröffnet. 

28. Juni 1914

Sarajevo * Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und seine Ehefrau, die Herzogin Sophie von Hohenberg, besuchen die bosnische Hauptstadt Sarajevo.  

Am Bahnhof besteigen sie ein offenes Auto und lassen sich damit Richtung Rathaus kutschieren.  

Schon bald nach der Abfahrt misslingt ein erster Attentatsversuch mit einer serbischen Handgranate.  
Franz Ferdinand kann den Sprengkörper abwehren, sodass er erst hinter dem Auto explodiert.  
Der Erzherzog kommt mit dem Schrecken davon, absolviert anschließend seinen Empfang im Rathaus und fährt danach im offenen Automobil weiter.  

Der Wagen des Erzherzogs kommt unmittelbar vor einem besonders entschlossenen Mitglied des „Terrorkommandos“ zum stehen.  
Der 19-jährige Gavrilo Princip schießt mit seiner 9-mm-Pistole zwei Mal.  
Der erste Schuss trifft die Herzogin Sophie von Hohenberg in den Unterleib, die zweite Kugel den Erzherzog.
Beide Schüsse sind tödlich.

Gavrilo Princip ist Mitglied der Organisation „Mlada Bosna“ [„Junges Bosnien“], eines national-revolutionären Netzwerks von Schülern und Studenten.  
Der Bund strebt die Vereinigung von Bosnien-Herzegowina mit dem „Königreich Serbien“ an.  
Die selben Ziele verfolgt auch die Terror-Organisation „Vereinigung oder Tod“, auch bekannt als „Schwarze Hand“, ein im Jahr 1911 in Belgrad gegründeter serbischer Geheimbund. 

29. Juni 1914

Berlin * Rosa Luxemburg steht in Berlin erneut vor Gericht. 

Es gibt Ovationen im Zuhörerraum, nachdem die bürgerlich-konservative Presse und ihre Repräsentanten immer lauter gefordert haben, die „schamlosen Umtriebe dieser Matrone“ endlich zu unterbinden.

Der Hauptverantwortliche für die Ermordungen, Waldemar Papst, beruft sich später auf einen angeblichen „Schießbefehl“ des SPD-Innenministers Gustav Noske. 

29. Juni 1914

München-Haidhausen * Der Grundstein für die evangelische „Johanneskirche“ in Haidhausen wird gelegt. 

Mit dem Anwachsen der evangelischen Kirchengemeinde ist der Behelfsbau zu klein geworden.
Eine neue Kirche auf dem gleichen Platz muss her. 

Als Architekt wird Albert Schmidt erkoren, der zuvor schon die „Lukas-Kirche“ erbaut hat.
Außerdem hat er sich einen Namen gemacht mit dem Bau der „Synagoge“, der „Deutschen Bank“ und des „Löwenbräukellers“

Um Juli 1914

Berlin * Die Tänzerin „Mata Hari“ befindet sich auf der Suche nach neuen Engagements in Berlin, wo ihr in der Oper „Der Millionendieb“ am Metropol-Theater eine Rolle zugesagt worden ist. 

5. Juli 1914

Berlin * Exakt eine Woche nach dem „Attentat von Sarajevo“ sichert Kaiser Wilhelm II. seinem Verbündeten Österreich-Ungarn die volle Unterstützung zu, auch wenn die Russen ihrem Bündnispartner Serbien zu Hilfe kommen würden.  

Diese Zusage geht als „Blankoscheck“ in die Geschichte ein, denn für die Habsburger ist damit die Kriegsentscheidung gefallen. 

6. Juli 1914

München-Schloss Nymphenburg * Das „Infanterie-Leibregiment“ feiert vor „Schloss Nymphenburg“, im Beisein König Ludwigs III., ihren 100. Gründungstag. 

21. Juli 1914

München-Haidhausen * Die Bauarbeiten für den neuen „Atelierbau“ an der Villa von Franz von Stuck beginnen. 

Den dafür erforderlichen Grund hat er zuvor von seinem Freund, dem „kgl. Bayerischen Hofschauspieler“ und Dichter Konrad Dreher abgekauft. 

23. Juli 1914

Berlin * Da man in Berlin befürchtet, dass Österreich-Ungarn an Geltung verlieren könnte, wenn es sich nicht gegen diesen Affront wehren würde, stellte die „k.u.k.-Regierung“ dem „Königreich Serbien“ ein auf 48 Stunden befristetes Ultimatum, in dem sie die Belgrader Regierung auffordert, einer österreichischen Kommission zu gestatten, auf serbischem Gebiet die Umstände des „Attentats von Sarajevo“ zu untersuchen.  

Außerdem soll sich Serbien verpflichten, alle an der Mitwirkung an dem Attentat verdächtigten serbischen Beamten und Offiziere zu entlassen. 

25. Juli 1914

München * In München versammeln sich Menschenmassen, um auf Extraausgaben der Zeitungen zu warten. 

Rege Diskussionen zur politischen Lage beherrschen das Geschehen.

Spontane „antiserbische und antirussische Kundgebungen“ folgen. 

25. Juli 1914

Wien - Belgrad - Petersburg * Österreich-Ungarn reagiert mit einer „Teilmobilmachung“ und bricht die diplomatischen Beziehungen zu Serbien ab.

Der russische „Kronrat“ führt daraufhin einen Beschluss zur Unterstützung des „Königreichs Serbien“ herbei. 

25. Juli 1914

Berlin * Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei veröffentlicht einen „Massenprotest gegen den drohenden Krieg“, in dem es heißt:  

„Parteigenossen, wir fordern euch auf, sofort in Massenversammlungen den unerschütterlichen Friedenswillen des klassenbewussten Proletariats zum Ausdruck zu bringen.
Eine ernste Stunde ist gekommen, ernster als irgendeine der letzten Jahrzehnte.
Gefahr ist im Verzuge! Der Weltkrieg droht!

Die herrschenden Klassen, die euch im Frieden knebeln, verachten, ausnutzen, wollen euch als Kanonenfutter missbrauchen.
Überall muss den Gewalthabern in die Ohren klingen: Wir wollen keinen Krieg!
Nieder mit dem Kriege! Hoch die internationale Völkerverbrüderung“
.

In 160 Städten finden bis Ende Juli 288 Versammlungen und Aufmärsche statt, an denen sich nach Angaben des Veranstalters mehr als eine Dreiviertel Million Menschen beteiligen.  

Alleine die große „Antikriegsdemonstration“ der SPD in Berlin am 28. Juli umfasst über 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Und das, obwohl die Kundgebung vom Berliner Magistrat ausdrücklich verboten worden ist. 

25. Juli 1914

Serbien * Die Serben antworten - in Abstimmung mit ihren Bündnispartner Russland - am Abend auf das österreichisch-ungarische „Ultimatum“ und versprechen, dass nahezu alle Forderungen erfüllt werden würden.  

Lediglich die Untersuchung des Attentats durch eine Kommission unter österreichischer Aufsicht - bei jederzeitiger Einmischung - lehnen sie ab.

Die „Entente-Verbündeten“ Frankreich, England und Russland bewerten die serbische Antwort als ein weitgehendes Entgegenkommen.  
Österreich-Ungarn weist die Botschaft aber als „ungenügend“ und „vom Geist der Unaufrichtigkeit erfüllt“ zurück.  
Und die deutsche Regierung unterstützt diese Sichtweise. 

26. Juli 1914

München-Kreuzviertel * Am 25. Juli, nur wenige Stunden nachdem Serbien das Ultimatum für Österreich-Ungarns nicht ausreichend devot umgesetzt hat, berauschen sich im „Café Fahrig“, in der Neuhauser Straße, die Gäste an der Aussicht, dass jetzt Krieg droht.  

Die Menschen - im „Café Fahrig“ und sonst wo - lassen Bayerns König Ludwig III. und Deutschlands Kaiser Wilhelm II. hochleben.  
Die Kapelle spielt die „Wacht am Rhein“, „Heil Dir im Siegerkranz“ und viele andere patriotische Lieder.  
Es wird viel gelacht, gefeiert, gesungen und natürlich getrunken.  

Weil der Sohn des Gaststättenhabers Franz Fahrig einen Streit unter Gästen schlichten will, lässt er die Musik kurz unterbrechen.  
Doch plötzlich fliegen Stühle durchs Lokal.  
Die Polizei wird angefordert und räumt das „Café“ gegen zwei Uhr früh.  
Die sozialdemokratische „Münchner Post“ schreibt über die Vorgänge: „Durch ungeschicktes Benehmen des Kapellmeisters wurde die betrunkene und fanatisierte Menge wild und demolierte das ganze Lokal“.  

Doch das ist noch nicht das Ende der Affäre.  
Wilde Gerüchte sind im Umlauf.  
Einer erzählt, eine serbische Kapelle hätte den Kaiser und das Reich geschmäht.  
Der andere hat „Spione“ im „Café Fahrig“ gesehen.  
Da ist es zu dem Schritt, der „Café“-Inhaber Franz Fahrig steht mit dem Feind im Bunde nicht mehr weit.  

Die Volksseele kocht.
Um kurz vor drei Uhr fliegt der erste Pflasterstein in eine der Fensterscheiben des Lokals.  
Am Morgen ist das „Café Fahrig“ innen und außen verwüstet. 

26. Juli 1914

München * Die „Spionitis“, die Angst vor ausländischen Spionen, hat um sich gegriffen.  

Die Polizei ruft - vergeblich - zur Zurückhaltung auf.  
Ausländisch aussehende oder ausländische Kleidung tragende Passanten werden zum Teil tätlich angegriffen.  
Ausländer verlassen fluchtartig die Stadt. 

26. Juli 1914

Berlin * Während im „Berliner Lustgarten“ die SPD noch „flammenden Protest gegen das verbrecherische Treiben der Kriegshetzer“ erhebt und sich in den folgenden Tagen bei weiteren Straßendemonstrationen Tausende Menschen gegen den Krieg beteiligen, hat Österreich-Ungarn bereits seine Truppen an der Grenze zu Russland „mobilisiert“

27. Juli 1914

München * Schon frühmorgens bilden sich durch „Hamsterkäufe“ lange Schlangen vor den Läden.  
Besonders begehrt sind Mehl und Kolonialwaren.

Andrang herrscht auch vor den Münchner Banken.
Allein bei der Münchner „Stadtsparkasse“ heben panische Bürger alleine an diesem Montag etwa eine Million Mark ab.  
Die Bank fürchtet um ihre Zahlungsfähigkeit und muss darauf reagieren:
Wer mehr als 500 Mark abheben will, hat sich fortan einen Monat zuvor anzumelden.  

Andere Banken warnen in Zeitungsanzeigen:
Die Kunden sollten ihr Geld nicht ohne zwingenden Grund abheben, da sonst ihre Einlagen gefährdet wären.

27. Juli 1914

Berlin * Das „Deutsche Reich“ lehnt den britischen Vorschlag einer „Außenministerkonferenz“ zur Beilegung des Konflikts kategorisch ab und besteht auch weiterhin auf einer „Lokalisierung“ des Konflikts.

Der aus dem Urlaub zurückgekehrte Kaiser Wilhelm II. sieht in der serbischen Antwort eine „Kapitulation demütigster Art“, mit der jeder Grund zum Krieg entfallen sei.  

Sein Auftrag an „Reichskanzler“ Theobald von Bethmann Hollweg, in Wien entsprechend zu intervenieren, wird von diesem jedoch ignoriert und erst verspätet weitergegeben.

27. Juli 1914

München-Au * Die Münchner Sozialdemokraten haben zu einer „Massenkundgebung“ im „Münchner-Kindl-Keller“ eingeladen.

Als Referent für diese Veranstaltung ist der „Schriftsteller Kurt Eisner“ angekündigt.  

Ausgerechnet für Kurt Eisner, dem späteren „Kriegsgegner“ und „Revolutionär“, ist der Krieg zu diesem Zeitpunkt eine unabänderliche Tatsache und nicht mehr zu verhindern.  
„Denn niemand von uns will, dass das Kosakentum über Europa herrscht.
Sagte doch Bebel, gegen Russland würde auch er noch die Flinte auf seinen alten Buckel nehmen“
.  

Und an anderer Stelle meinte er:
„Wir sind bereit, einen Angriff des Feindes abzuwehren und unser Vaterland zu schützen“.  

Das bedeutet aus Eisners damaliger Sicht für die sozialdemokratisch orientierte Arbeiterschaft: „Dann muss jeder seine Pflicht tun, nichts weiter“.
Und diese Pflicht besteht in der „Verteidigung des Vaterlandes“ gegen den russischen Agressor.

28. Juli 1914

Wien * Der bei Kriegsbeginn kurz vor seinem 84. Geburtstag stehende österreichisch-ungarische Kaiser Franz Joseph I. ist zu schnellen und grundsätzlichen Entscheidungen kaum noch in der Lage, auch wenn er versucht, täglich seine Akten pflichtbewusst und akribisch zu bearbeiten.

Sein Thronfolger, Erzherzog Karl, ist gerade 27 Jahre alt und politisch wie militärisch noch ohne Erfahrung.  
Weil aber die „Oberbefehlsgewalt“ von einem adeligen Mitglied des Erzhauses übernommen werden muss, fällt die Wahl auf der 58-jährigen Erzherzog Friedrich.  

Er besitzt allerdings nur wenige Eigenschaften, die ihn zum „Oberbefehlshaber der österreichisch-ungarischen Armee“ befähigen.  
Erzherzog Friedrich wird als eher ängstlich beschrieben, der nur wenig persönliche Initiative entwickelt und sich hauptsächlich mit seiner Frau beratschlagt, welche Uniform er tragen soll. 

28. Juli 1914

München-Kreuzviertel * Im „Bayerischen Staatsanzeiger“ erklärt der „Kaffeehaus-Besitzer“ Franz Fahrig,  

  • dass er kein Ausländer sei,  
  • dass es im „Café Fahrig“ keinen „Serbenstammtisch“ gibt und  
  • dass er kein Verbot ausgesprochen hat, patriotische Lieder zu spielen.  

Der „Café“-Betreiber wird dennoch auch weiterhin von den Patrioten angefeindet. 

28. Juli 1914

Wien - Belgrad * Mit der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien beginnt der Erste Weltkrieg. 

28. Juli 1914

Berlin - Wien * Der deutsche „Reichskanzler“ Theobald von Bethmann Hollweg bemüht sich inzwischen halbherzig, die Wiener Regierung von ihrem harten Kurs abzubringen.

Er ist zwar von der „Unvermeidbarkeit“ eines „Großen Krieges“ überzeugt, will aber gegenüber der Öffentlichkeit den Nachweis führen, dass die Aggression von Russland ausgeht.  

Denn, so Bethmann Hollweg in einem Schreiben an die „K.u.K.-Regierung“, ein „europäischer Krieg“ lässt sich ohne Zustimmung der Bevölkerung nicht führen, weshalb es „eine gebieterische Notwendigkeit [ist], dass die Verantwortung für das eventuelle Übergreifen des Konflikts [...] unter allen Umständen Russland trifft“.

Die Mahnung verhallt ungehört, weil gleichzeitig der deutsche „General­stabschef“ Helmuth von Moltke seinem österreichischen Kollegen Conrad von Hötzendorf versichert, dass Deutschland selbstverständlich den österreichisch-ungarischen Kriegskurs unterstützen wird.  

28. Juli 1914

Berlin * Die große „Antikriegsdemonstration“ der SPD in Berlin umfasst über 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Und das, obwohl die Kundgebung vom Berliner Magistrat ausdrücklich verboten worden ist. 

28. Juli 1914

Wien - Belgrad * Österreich-Ungarn erklärt dem „Königreich Serbien“ den Krieg und lässt noch am gleichen Tag seine Truppen aufmarschieren.  

Damit verschärft sich die internationale Lage in rasanter Geschwindigkeit und mache aus der österreichisch-serbischen Krise einen europäischen Flächenbrand. 

28. Juli 1914

München-Kreuzviertel * Trotz der drohenden Kriegsgefahr wird im „Bayerischen Landtag“ der bevorstehende Krieg nur indirekt zum Thema erhoben.  

Wenigstens der SPD-Abgeordnete Max Süßheim aus Nürnberg erklärt:
„Wir Sozialdemokraten erwarten, dass der Friede erhalten und Europa vor den Gräueln und Schrecknissen eines Weltkriegs bewahrt werde“.  

Das war auch schon die einzige kritische und nachdenkliche Stimme im „Bayerischen Landtag“

29. Juli 1914

Wien * Die österreichische Heeresführung vertraut sehr stark darauf, dass es schon irgendwie gut gehen wird.  

Eine Reihe von „k.u.k-Offizieren“ begreifen den Krieg als Fortsetzung ihres Lebensstils unter erschwerten Bedingungen.  
Sie „legten Wert auf mehrgängige Menüs, die möglichst formvollendet serviert wurden, und ließen sich von Ehefrauen, Mätressen und Prostituierten begleiten, die für körperliches Wohlbefinden zu sorgen hatten“.  

Eindrucksvoll, aber natürlich karikaturhaft überzeichnet wird die Situation in dem Roman „Der brave Soldat Schweik“ von Jaroslav Hašek.

29. Juli 1914

Belgrad * Österreich-Ungarn beginnt mit der Beschießung von Belgrad.  

Zar Nikolaus II. gibt daraufhin den Befehl zur „Teilmobilisierung“, zieht diesen jedoch - aufgrund eines vermittelnden Telegramms Kaiser Wilhelms II. - wieder zurück. 

30. Juli 1914

London * Großbritannien lehnt die vom „Deutschen Reich“ geforderte „Neutralitätszusage für den Kriegsfall“ ab. 

30. Juli 1914

Moskau * Zar Nikolaus II. wird von seinem „Außenminister“ zur „Generalmobilmachung“ überredet.  

Die „Münchner Neuesten Nachrichten“ berichten am Nachmittag:
„Der russische Botschafter hat dem Grafen Berchtold die Mitteilung gemacht, dass die russische Regierung eine bindende Erklärung, die Neutralität zu wahren, nicht geben kann.
Infolgedessen steht die allgemeine Mobilisierung der österreichischen Armee innerhalb der nächsten Tage zu erwarten“
.  

Damit war der entscheidende Schritt zum „Großen Krieg“ getan und ein Schuldiger gefunden.  

Denn zu diesem Zeitpunkt ging es nur noch um die Frage, welche Macht als Erste „mobilmachen“ würde.  
Sämtliche nun folgenden politischen Aktivitäten der beteiligten Regierungen sind ausnahmslos darauf ausgerichtet, der jeweils anderen Seite die Schuld an der kommenden Katastrophe zuzuschieben.  

Die Öffentlichkeit soll erkennen und davon überzeugt werden, dass man zu einem „Verteidigungskrieg“ gezwungen worden ist.  
Und Russland hat damit - aus deutscher Sicht - eindeutig und zweifelsfrei seine Bereitschaft zum Krieg gezeigt. 

31. Juli 1914

Berlin - München * Mit der kaiserlichen Verhängung des „Kriegszustands“ verändern sich auch die Rahmenbedingungen für Bayerns Eigenständigkeit grundlegend.

Die bisher auf den bayerischen König vereidigte Armee wird damit nämlich dem Deutschen Kaiser unterstellt. 
Doch ist dazu zuvor eine offizielle „Feststellung des Kriegszustandes“ von Seiten des bayerischen Königs notwendig. 

31. Juli 1914

Berlin - Petersburg - Paris * Die deutsche Regierung teilte Russland mit, dass sie ein Vorgehen gegen Österreich nicht unbeantwortet lassen würde und fordert von Russland ultimativ die Einstellung der „Mobilmachung“.  

Zudem verlangt Kaiser Wilhelm II. von Frankreich eine „Neutralitätserklärung“ im Fall eines bewaffneten Konflikts. 

31. Juli 1914

München-Maxvorstadt * Am Nachmittag wendet sich der 69-jährige König am Nachmittag an die Kundgebungsteilnehmer vor dem „Wittelsbacher Palais“.

Er bedankt sich zunächst für die Huldigungen, die er als „Ausdruck der Treue und der Vaterlandsliebe“ betrachtet.  
Im Wissen, auf welche Katastrophe das „Deutsche Reich“ zusteuert, weist der Bayernherrscher auf die ernste und schwere Zukunft hin und erklärt: 

„Es sind [...] sehr schwere und ernste Zeiten, denen wir entgegen gehen.
Aber ich vertraue darauf, dass das bayerische Volk wie seit vielen Jahrhunderten auch jetzt in Treue zu seinem Herrscherhaus stehen wird“

Dann verhängt auch König Ludwig III. den „Kriegszustand“, verbunden mit der „Anordnung des Standrechtes“ und den „Übergang der vollziehenden Gewalt auf die Militärbehörden“

Der Text seiner Verordnung lautete kurz und bündig:
„Wir finden uns bewogen, auf Grund des Artikels I des Gesetzes über den Kriegszustand vom 5. November 1912 zu verordnen:
Über das Gesamtgebiet des Königreichs wird der Kriegszustand verhängt.
Gegeben zu München, den 31. Juli 1914. Ludwig.“ 

31. Juli 1914

München-Maxvorstadt * Voller Stolz beschreibt die Königstochter Wiltrud die Situation: 

„Wie herrlich sticht hervor, dass Bayern doch die größte Selbstständigkeit besitzt gegenüber anderen Staaten, denn im Reiche außer Bayern verhängte den Kriegszustand Kaiser Wilhelm II., hier aber Papa“

31. Juli 1914

Berlin * Gleichzeitig mit der Kriegserklärung erlässt der deutsche Kaiser das „Verbot der Ausfuhr von Nahrungsmitteln aller Art ins gegnerische Ausland“.  

Damit dürfen nur noch neutrale und die verbündeten Länder Österreich, Ungarn und Türkei sowie die deutschen Truppen im Ausland mit Bier beliefert werden.  

Das Versandbuch der Paulanerbrauerei macht diese Krise des Exportes deutlich sichtbar.  
Erst nach beiden Weltkriegen können die Münchner Brauereien in den 1970er Jahren wieder Exportzahlen wie um 1900 erzielen. 

31. Juli 1914

Wien * Österreich-Ungarn erklärt die „Generalmobilmachung“ und macht damit den „Ersten Weltkrieg“ unausweichlich. 

31. Juli 1914

Berlin * Kaiser Wilhelm II. bereitet sein Volk auf den kommenden „gerechten Verteidigungskrieg“ gegen angreifende Feinde vor.

„Infolge der andauernden und bedrohlichen Rüstungen Russlands“ verhängt er gemäß des Artikels 68 der deutschen „Reichsverfassung“ den „Zustand drohender Kriegsgefahr“.

Nachfolgend die Kernsätze seiner Rede, die mit der Überschrift „An mein Volk!“ in schriftlicher Form verbreitet wird:

„Eine schwere Stunde ist heute über Deutschland hereingebrochen.
Neider überall zwingen uns zu gerechter Verteidigung.
Man drückt uns das Schwert in die Hand. 

Ich hoffe, dass, wenn es nicht in letzter Stunde meinen Bemühungen gelingt, die Gegner zum Einsehen zu bringen und den Frieden zu erhalten, wir das Schwert mit Gottes Hilfe so führen werden, dass wir es mit Ehren wieder in die Scheide stecken können.

Enorme Opfer an Gut und Blut würde ein Krieg vom deutschen Volk erfordern.
Den Gegnern aber würden wir zeigen, was es heißt, Deutschland anzugreifen.

Und nun empfehle ich Euch Gott!  
Jetzt geht in die Kirche, kniet nieder vor Gott und bittet ihn um Hilfe für unser braves Heer! 

Kaiser Wilhelm II.“

August 1914

Berlin - Den Haag * Ohne gültige Aufenthaltspapiere und ohne Gepäck schafft „Mata Hari“ gerade noch die Ausreise in die Niederlande.

Dort absolviert sie ein paar Auftritte am Theater und findet in Den Haag eine standesgemäße Bleibe.
Sie will jedoch weiter nach Paris.

Um August 1914

München-Schwabing * Das „Städtische Wehramt“ zieht von der „Kohleninsel“ an die Winzererstraße. 

Heute ist dort das „Stadtarchiv“ untergebracht.

Ab August 1914

München-Ludwigsvorstadt * Mit Beginn des Ersten Weltkrieges treten im „Deutschen Theater“ nur noch deutsche Unterhaltungskünstler auf. 

1. August 1914

Deutschland * Sämtlicher Post- und Telefonverkehr wird massiv eingeschränkt.  

Private Telefongespräche ins Ausland und in einige Grenzgebiete sind nicht mehr möglich.  
Briefe ins Ausland und in bestimmte „Schutzgebiete“ dürfen - zur einfacheren Überprüfung - nur mehr unverschlossen versandt werden. 

1. August 1914

Berlin * Der „Verband der Deutschen Juden“ und der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ erlassen einen „Aufruf an die deutschen Juden!“  

Darin fordern sie ihre „Glaubensgenossen“ auf, ihre Kräfte „über das Maß der Pflicht hinaus“ dem „Vaterlande zu widmen“.  

Und weiter heißt es: „Eilet freiwillig zu den Fahnen!  
Ihr alle - Männer und Frauen - stellet Euch durch persönliche Hilfeleistung jeder Art und durch Hergabe von Geld und Gut in den Dienst des Vaterlandes!“ 

1. August 1914

München-Kreuzviertel - Berlin * Der „Bayerische Ministerrat“ führt einen einstimmigen Beschluss zur Frage herbei, wie sich Bayern im „Bundesrat“ zur „Kriegserklärung an Russland“ verhalten soll.  

Entsprechend ermächtigt stimmt der „Bundesratsbevollmächtigte“ - wie alle anderen deutschen Länder - der „Kriegserklärung an Russland“ ohne jede Diskussion zu.

Die dazu notwendigen Gesetzen und Verordnungen nimmt der „Ministerrat“ sogar ohne nähere Kenntnis der Inhalte an. 

1. August 1914

Berlin * Ein Ausfuhrverbot weiterer Lebensmittel wie Kaffee, Salz, Zucker und Bier wird erlassen.  

Damit dürfen nur noch neutrale und die verbündeten Länder Österreich, Ungarn und Türkei sowie die deutschen Truppen im Ausland mit Bier beliefert werden. 

1. August 1914

München * Für viele Münchner und Deutsche ist nun endlich das teils herbeigesehnte, teils gefürchtete „reinigende Gewitter“ hereingebrochen.  
Denn für viele Zeitgenossen war der Krieg auf längere Sicht absolut unvermeidbar.  

Durch die offizielle Berichterstattung über die außenpolitischen Krisen und die angebliche feindliche „Einkreisung des Deutschen Reiches“ war diese Erkenntnis plausibel gemacht geworden. 

1. August 1914

München * München, das nach Berlin die zweitgrößte Garnison im „Deutschen Reich“ besitzt, wird zur Drehscheibe der bayerischen Truppenverladung.
Einberufene und Kriegsfreiwillige strömen hier zusammen.

Auf den Münchner Bahnhöfen, die unter militärische Kontrolle stehen, herrscht riesiger Trubel; alleine am Hauptbahnhof verkehren täglich bis zu 700 Züge.

1. August 1914

München-Maxvorstadt * Gegen 19:30 Uhr tritt der greise König auf den Balkon des „Wittelsbacher Palais“ und gibt die „Mobilmachung“ bekannt.

Jubelnd und hüteschwenkend versammeln sich begeisterte Bürger, die den Kriegsausbruch feiern.  

Der versammelten Menschenmenge ruft er zu, er sei zuversichtlich, dass sich seine Soldaten „im Verein mit ihren deutschen Bundesgenossen ebenso wie vor 44 Jahren tapfer schlagen werden und [er] hoffe zu Gott, er möge sie ehrenvoll mit Sieg gekrönt wieder in die Heimat zurückkehren lassen“.  

Als erster „Mobilmachungstag“ wird der 2. August bestimmt.

Die „vollziehende Gewalt“ geht damit von den Zivilbehörden auf die kommandierenden Generale der drei bayerischen Armeekorps in München, Nürnberg und Würzburg über.  
In der Pfalz übernimmt der Kommandeur der 3. Division diese Aufgabe.
Auch die „öffentliche Sicherheit“ wird den Militärbefehlshabern anvertraut.  

Für die bayerische Regierung sind weitreichende Anordnungen der Militärs auch dann „statthaft, wenn sie im Widerspruch mit bestehenden Gesetzen stehen und sich nicht auf einen gesetzlichen Vorbehalt gründen“.

Damit ist das öffentliche Leben weitgehend unter militärischer Kontrolle.

1. August 1914

München * Eine Zeitungs-Extraausgabe erscheint, in der es heißt, dass russische Patrouillen noch vor der „Kriegserklärung“ auf deutsche Soldaten geschossen und französische Flugzeuge Bomben in der Umgebung von Nürnberg abgeworfen haben.  

Bei beiden Meldungen handelte es sich um Lügen, die einzig und alleine den Zweck erfüllen sollen, die Feinde in der deutschen Öffentlichkeit als Aggressoren und Angreifer darzustellen und damit die These vom deutschen „Verteidigungskrieg“ zu erhärten. 

1. August 1914

Berlin * Am Nachmittag versammelt sich vor dem Berliner Schloss eine große Menschenmenge.

Spannung liegt in der Luft.
Man wartet nicht mehr auf die Erhaltung des Friedens, sondern auf die Erklärung des Krieges.

Gegen 17:30 Uhr ordnet Kaiser Wilhelm II. für das „Deutsche Reich“ - mit Ausnahme von Bayern - die „Mobilmachung“ an und erklärt gleichzeitig Russland den Krieg.  

Damit geht der Oberbefehl über die bayerischen Truppen auf das Kaiserreich über.

Wilhelm II. erklärt: „Ich bin gezwungen, zur Abwehr eines durch nichts gerechtfertigten Angriffs das Schwert zu ziehen und mit aller Deutschland zu Gebote stehenden Macht den Kampf um den Bestand des Reiches und unserer nationalen Ehre zu führen“.

Die Menge singt anschließend „Nun danket alle Gott“ und Extrablätter verbreiten die „Generalmobilmachung“

1. August 1914

München - Berlin * Nun erfolgt auch die „Mobilmachung“ der bayerischen Armee.  

König Ludwig III. telegraphiert an Kaiser Wilhelm II. die folgenden Zeilen:
„Das bayerische Heer ist heute mit dem Beginn der Mobilisierung unter deinen Befehl als Bundesfeldherr getreten. [...] 

In dieser Erwartung heiße ich Bayerns Söhne, sich um ihre Fahnen zu scharen, und bitte zu Gott, er möge, wenn der Kampf entbrennt, den deutschen Waffen den Sieg verleihen“.

An die Armee richtete er das Manifest „An mein Heer!“ 

1. August 1914

Rom * Italien erklärt sich für „neutral“, obwohl das Land am 20. Mai 1882 dem „Dreibund“ mit Deutschland und Österreich-Ungarn beigetreten war.  

Natürlich erwarten die „Mittelmächte“, dass sich Italien jetzt auf die Seite der „Bündnispartner“ stellt.  
Doch die italienische Regierung zögert, weil sie formal gesehen nicht gezwungen ist, in die kriegerischen Auseinandersetzung einzugreifen.  

Der „Bündnisvertrag“ sieht lediglich eine militärische Unterstützung für Österreich vor, wenn es von außen angegriffen wird.  
Da aber Österreich-Ungarn Serbien angegriffen hat, ist das militärisch nicht gut vorbereitete Land vom Krieg nicht besonders begeistert.

Der eigentliche Grund für die abwartende Haltung Italiens liegt jedoch in seinen Annexions-Ansprüchen.  

Das Land will nach einem siegreichen Krieg Gebietserweiterungen zugesprochen bekommen.  
Weil das aber zu Lasten des Habsburger-Reiches gehen würde, weigert sich Österreich dagegen.  

Die Mächte der „Entente“ treten den territorialen Expansionswünschen Italiens freilich von Anfang an aufgeschlossener gegenüber. 

1. August 1914

München * Karl Valentin erzählt über den Kriegsausbruch:  

„Für 1. August 1914 war ich wieder bei Benz engagiert.
Eine Revue ‚Im Lande der Kastanien‘ sollte einstudiert werden, mehrere Nachmittage wurde fest geprobt, [...] - mitten im Kampfe ein Trommelwirbel aus der Ferne? ...
Wir unterbrachen die Probe und eilten auf die Straße, da stand, [...] ein Trommler [...] und neben ihm ein Sergant, der Folgendes vorlas: ‚Im Namen seiner Majestät, König Ludwig III. von Bayern - Frankreich hat heute den Krieg erklärt usw.‘.  

Schweigend gingen wir in das Haus zurück, die Probe war aus und acht Tage später gingen schon mindestens zehn Männer aus dem Hause Benz hinaus und sangen mit Blumen geschmückt; ‚Ich hatt‘ einen Kameraden‘.

Vierzehn Tage nach Ausbruch des Krieges durfte, um den in der Heimat weilenden Artisten, Schauspielern usw. Verdienstmöglichkeiten zu geben, wieder gespielt werden mit der Bedingung, zeitgemäße Darbietungen zu bringen.  

Jeder Theaterdirektor empfahl patriotische Darbietungen zu bringen.  
Auch ich musste, obwohl es eigentlich von mir als Blödsinn-Interpret niemand gewohnt war, auch ernste Sachen bringen, so unter anderem eine Kriegsmoritat.
Der Erfolg war groß und zwei Monate sang ich als Komiker traurige, ernste Vorträge. 

Karl Valentin und Liesl Karlstadt beteiligen sich im Ersten Weltkrieg an insgesamt rund 120 „Lazarett-Vorstellungen“.  
Im Gegensatz zu „einigen großen Persönlichkeiten der Münchner Hofbühne“, die den kranken Soldaten „blutige Schlachtengedichte“ vortragen, leisten sie den Genesenden mit ihrem „lustigen, harmlosen Späßen“ einen wesentlich größeren Nutzen. 

2. August 1914

München * Laut einer Anordnung haben „Alle Fremden, die sich über den Zweck ihres Aufenthalts nicht gehörig ausweisen können oder sich lästig machen, [...] auf Aufforderung der Distriktspolizeibehörden das Gebiet des Deutschen Reiches und zwar bis auf weiteres über Lindau binnen 24 Stunden zu verlassen“.  

Alle Angehörigen feindlicher Nationen - darunter die Künstler Wassily Kandinsky, Marianne Werefkin und Alexej von Jawlensky fliehen deshalb zunächst in die Schweiz.  

Doch auch Angehörige befreundeter Nationen verlassen die Stadt. So beispielsweise die Ziegeleiarbeiter in Berg am Laim und Oberföhring. 

2. August 1914

Berlin - Brüssel * Berlin fordert von Brüssel die Genehmigung für den Durchmarsch der deutschen Truppen durch Belgien.  

Das „Deutsche Reich“ bietet zum Ausgleich die Übernahme und Vergütung sämtlicher Kosten an.  

Doch wider Erwarten lehnt Belgiens König Albert I. dieses Ansinnen mit Hinweis auf seine „Neutralität“ ab.  
Er sagt: „Wenn die belgische Regierung die ihr übermittelten Vorschläge annehmen würde, würde sie sich gegen die Ehre der Nation vergehen und Belgiens Pflichten gegenüber Europa verraten“

2. August 1914

München * An den Münchner „Hochschulen“, wozu die „Ludwig-Maximilians-Universität“, die „Technische Hochschule“, die „Königliche Akademie der Künste“ und die „Königliche Akademie der Tonkünste“ gehören, sind

  • 412 Studierende aus Österreich-Ungarn,
  • 376 aus Russland und
  • 50 Studenten aus dem „Königreich Serbien“ eingeschrieben.  

Diese verlassen die Stadt - aus unterschiedlichen Gründen - umgehend. 

2. August 1914

München * Um die Soldaten mit der Eisenbahn an die Front zu befördern, wird ein eigener „Militärfahrplan“ in Kraft gesetzt.  

Deshalb gibt es bei den „Bayerischen Staatsbahnen“ ab Mitte August nur einen sehr eingeschränkten zivilen Personen- und Güterverkehr. 

2. August 1914

Frankreich - Westfront * Das „2. Infanterie-Regiment Kronprinz“ begibt sich unter dem Kommando von Prinz Karl an die „Westfront“

2. August 1914

München * Anfang August schließt die „Münchner Börse“ kurzfristig, um „Panikverkäufe“ zu verhindern.  

Und selbst das bayerische „Finanzministerium“ zeigte sich alarmiert:  
Es warnt davor, dass die Bürger die Banknoten zum Teil nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptieren würden.  

Bei der Sitzung des „Bayerischen Landtags“ stimmen die 21 anwesenden SPD-Abgeordneten gegen die „Haushaltsgesetze“.  
Das ist aber auch schon die einzige Reaktion gegen den Krieg.

Die beiden „Kammern“ des Landtags befassen sich ebenfalls nicht mit dem Krieg sondern mit ungleich wichtigeren Fragen, wie beispielsweise dem „Verbot des freireligiösen Unterrichts“ oder der „Beschneidung des Streikrechts der Staatseisenbahner“.

2. August 1914

München * Das „Bayerische Finanzministerium“ vermerkt, dass viele Bürger die Banknoten nicht mehr akzeptieren. 

2. August 1914

Luxemburg * Bereits in den frühen Morgenstunden überschreiten deutsche Truppen die luxemburgischen Grenzen.  

Damit starten die Deutschen den „Westfeldzug“

2. August 1914

München * Die Militärpflichtigen nutzen am Sonntag die Möglichkeit zum Einkaufen und zum Heiraten.  

Denn an diesem 2. August hatten sowohl die Geschäfte, wie auch die „Standesämter“ geöffnet.  
Im August 1914 heiraten rund vier Mal so viele Paare wie im April.  

Und auch die katholischen Kirchen sind voll.  
Man nutzte die Zeit zum Beichten und zur Kommunion.

2. August 1914

München * Den Frauen werden „Sanitätskurse“ angeboten, da nur wenige über entsprechende Kenntnisse verfügen.  

Pensionierte Lehrerinnen und Lehrer werden aufgefordert, sich für die Dauer der Schulferien um die Kinder zu kümmern.  

Nicht eingezogene Studenten und alle in den „Wehrkraftvereinen“ organisierten Jugendlichen sollen sich als „Erntehelfer“ melden.  

Schauspieler und Autoren sollen während der Dauer des Krieg auf ihre Tantiemen verzichten und sich mit dem „Zehrpfennig für Speise und Trank“ begnügen.  

Theaterdirektoren sollen ihren Ausstattungsetat möglichst weit herunterfahren:
„Das Publikum wird in diesen Zeiten eine einfache Ausstattung und andere Mängel gerne in Kauf nehmen.  
Spielt deutsche und patriotische Stücke zu mäßigen Preisen“
.  

Hausbesitzer klagen, dass viele Mieter infolge des „Kriegszustandes“ keine Miete zahlen wollen. 

3. August 1914

München * Von der „Löwenbrauerei“ werden 300 Mitarbeiter zum Kriegsdienst eingezogen.  

Das „Residenztheater“ muss ihren Spielbetrieb einstellen, weil zu viel Personal eingezogen worden ist.  

Das Metzgerhandwerk und die städtischen Straßenbahnen suchen händeringend Arbeitskräfte.  

Die „Firma Kustermann“ muss ihre Filiale am Stachus schließen, um wenigstens den Betrieb im Hauptgeschäft aufrecht zu erhalten. 

3. August 1914

München * Während in vielen Betrieben Arbeitskräfte-Mangel herrscht, nimmt beispielsweise im Baugewerbe die Arbeitslosigkeit in erschreckendem Ausmaß zu.  

Die Bautätigkeit ist mit Kriegsbeginn nahezu vollständig zu erliegen gekommen.
Reparaturarbeiten werden nicht mehr beauftragt.  
Circa 5.000 Münchner Bauarbeiter, Schreiner und Zimmerer werden nicht mehr gebraucht.  

Viele wohlhabende Münchner beginnen beim Personal zu sparen.  
Lohnkürzungen oder Kündigungen sind die Auswirkungen.  

Auch den „Handlungsgehilfen“ wird der Lohn bis zu 50 Prozent gekürzt.  
Doch im Unterschied zu den Dienstboten und Köchinnen wissen sie sich zu wehren.  

Rechnungen für gelieferte Waren werden oft nicht mehr bezahlt. 

3. August 1914

München * Die außerordentliche Versammlung der „Münchner Bäckerinnung“ stellt fest, dass - trotz der Einberufung zahlreicher Bäckermeister und Gehilfen - die Versorgung der Münchner Bevölkerung mit Brot gewährleistet ist.  

Daneben sehen sich die verbliebenen Bäcker in der Lage, zusätzlich 20.000 Leibe Brot fürs Militär zu backen.  
Freilich können verschiedene Bäckereibetriebe nur mehr „die gangbarste Brotsorte“ herstellen.  

Die Versorgung Münchens mit Mehl ist für die nächsten vier Wochen gesichert; danach kommt ohnehin das Getreide der gerade anstehenden Ernte zur Vermahlung.  

Und weil das Militär die sechs Pferde eingezogen hat, die bisher für den Hefe-Transport benutzt wurden, kann die Hefe nicht mehr an jeden Bäcker geliefert werden. 

3. August 1914

Belgien * Schwerbewaffnete deutsche Truppen überschreiten die Grenze zu Belgien.  

Daraufhin verlangt der britische Außenminister den Erhalt der belgischen „Neutralität“.  
Ansonsten wird England in den Krieg eintreten. 

3. August 1914

München * Adolf Hitler richtet an König Ludwig III. ein „Immediatgesuch“, ein unmittelbar an die höchste Behörde gerichtetes Gesuch.  

Darin äußert der Österreicher die „Bitte, in ein bayerisches Regiment eintreten zu dürfen“

3. August 1914

Berlin - Paris - Brüssel * Deutschland erklärt Frankreich und Belgien den Krieg. 

3. August 1914

Berlin * Als erste kriegführende Macht bringt Deutschland ein „Weißbuch“ heraus.

Darin enthalten sind Aktenstücke, die beweisen sollen, dass sich Deutschland bis zuletzt um den Frieden bemüht hat und damit die „Burgfriedenspolitk“ gegen kritische Fragen erhärten kann.  

Das „Weißbuch“ wird vom „Reichskanzler“ Theobald von Bethmann Hollweg dem „Reichstag“ vorgelegt.  
Auch die anderen, am Krieg beteiligten Nationen bringen ähnliche Dokumentsammlungen in ihren „Landesfarben“ heraus.
Doch alle derartigen Publikationen erhalten neben Flüchtigkeitsfehlern auch gezielte Fälschungen. 

Nach dem 4. August 1914

München-Au * Die „Maria-Theresia-Kreisrealschule“ wird - kriegsbedingt - bis 1919 im Gebäude der „Kreislehrerinnenbildungsanstalt für Oberbayern“ in der Frühlingstraße (heute: Eduard-Schmid-Straße) untergebracht. 

4. August 1914

Belgien * Belgien hat etwas über 100.000 Mann unter Waffen; die Deutschen greifen mit 2,4 Millionen Soldaten an.  

Zwingende Voraussetzung für einen zügigen deutschen Vormarsch ist die Erstürmung der „Festungsstadt Lüttich“, die durch ein Dutzend Außenforts gesichert ist.  

Das deutsche Heer setzt die ersten neuartigen Waffen dieses Krieges ein: schwere Belagerungsgeschütze.  
Sie bestehen aus den von Österreich geliehenen „Skoda-Mörsern“ des Kalibers 30,5 Zentimeter und der „Dicke Bertha“ genannten „Krupp-Kanonen“, die ein Kaliber von unglaublichen 42 Zentimetern aufweisen und eine gewaltige Zerstörungskraft erzeugen.  

Diese Geschütze lassen die als unzerstörbar geltenden Betonkuppeln der Lütticher Forts „aufplatzen wie Kürbisse“.  
Der deutsche Vormarsch und die deutschen Waffen schlagen in der Folge eine Schneise der Verwüstung durch Belgien. 

Nach dem 4. August 1914

München * Mit Beginn des Ersten Weltkriegs ziehen 90 Münchner „Berufsfeuerwehrmänner“ auf die Schlachtfelder. 

Zur Aufrechterhaltung des „Löschwesens“ werden jetzt die noch nicht eingezogenen Mitglieder der „Freiwilligen Feuerwehr“ herangezogen.

4. August 1914

Frankreich - Westfront * Bei Kriegsausbruch stehen die bayerischen Truppen hauptsächlich in der „6. Armee“ unter dem Kommando des Kronprinzen Rupprecht von Bayern an der Westfront in Französisch-Lothringen. 

Nach ersten Erfolgen bleiben die deutschen Angriffe noch im Verlauf des Jahres 1914 stecken.

4. August 1914

München * Die bayerischen „Truppentransporte“ mit der Eisenbahn beginnen. 

Nach dem 4. August 1914

München * Als an allen Fronten Katholiken auf Katholiken schießen und ihre Stoßgebete an den gleichen Gott schicken, ist es Michael von Faulhaber, der mit „Durchhalteparolen“ und „Hurra-Patriotismus“ den deutschen Soldaten in den Schützengräben den „Kampfesmut“ vorbetet.

Nach dem 4. August 1914

München-Au * Einen herben Rückschlag erleidet der Haidhauser „Turn- und Sportverein München-Ost“ mit Beginn des Ersten Weltkrieges.

Von den inzwischen 903 Mitgliedern müssen 475 ihren Wehrdienst ableisten.
Damit werden mehr als die Hälfte der Mitglieder der Vereinsarbeit entzogen und dadurch die Arbeit und die Existenz des „TSV München-Ost“ gefährdet. 

4. August 1914

Berlin * Mit 96 zu 14 Stimmen beschließt die SPD-Reichstagsfraktion die Bewilligung der „Kriegskredite“.

Hugo Haase, der stellvertretende Vorsitzende der SPD und Kriegskreditgegner, gibt - gegen seine Überzeugung - die Erklärung ab:
„Wir lassen das Vaterland in der Stunde der Gefahr nicht im Stich“.

Kaiser Wilhelm II. gibt daraufhin seine ebenso berühmte Antwort:
„Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche“.

4. August 1914

Berlin - London * Am Abend hält „Reichskanzler“ Theobald von Bethmann Hollweg dem britischen Botschafter vor, wie furchtbar es wäre, wenn es zwischen Deutschland und England - „wegen eines Fetzens Papier“ - zum Krieg kommen würde.  

Diese abschätzige Bezeichnung Bethmann Hollwegs für den „Vertrag über die belgische Neutralität“ wirft ein grelles Licht auf die deutsche Haltung und wird daher von der englischen Propaganda sofort in einem Plakat umgesetzt.  

Die Verletzung der belgischen „Neutralität“ durch das „Deutsche Reich“ leistet einen entscheidenden Beitrag, die öffentliche Meinung in Großbritannien für den Krieg gegen Deutschland zu mobilisieren.  

Großbritannien erklärt daraufhin konsequenterweise Deutschland den Krieg.  

Die Armeen der „Mittelmächte“ haben eine Kriegsstärke von 3,5 Millionen Soldaten, davon 2,1 Millionen deutsche; die „Entente“ verfügt dagegen über 5,7 Millionen Soldaten. 

4. August 1914

München * König Ludwig III. schwört seine Untertanen auf den Krieg ein.  

In seiner Bekanntmachung „An meine Bayern!“ wendet er sich nicht nur an die Soldaten, sondern vor allem an die Menschen in der Heimat:  

„Deutschland hat den Kampf nach zwei Fronten aufgenommen.
Der Druck der Ungewissheit ist von uns gewichen, das deutsche Volk weiß, wer seine Gegner sind. In ruhigem Ernst, erfüllt von Gottvertrauen und Zuversicht, Scharen unsere wehrhaften Männer sich um die Fahnen.
Es ist kein Haus, das nicht teil hätte an diesem uns frevelhaft aufgedrungenen Krieg.  

Bewegten Herzens sehen wir unsere Tapferen ins Feld ziehen.
Der Kampf, der unser Heer erwartet, geht um die heiligsten Güter, um unsere Ehre und Existenz.
Gott hat das deutsche Volk in vier Jahrzehnten rastloser Arbeit groß und stark gemacht, er hat unser Friedenswerk sichtbar gesegnet. Er wird mit unserer Sache sein, die gut und gerecht ist.  

Wie unsere tapferen Soldaten draußen vor dem Feind, so stelle auch zu Hause jeder seinen Mann.
Wollen wir, jeder nach seiner Kraft, im eigenen Land Helfer sein für die, die hinausgezogen sind, um mit starker Hand den Herd der Väter zu verteidigen.
Tu jeder freudig die Pflicht, die sein vaterländisches Empfinden ihn übernehmen heißt. [...]  

Bayern! Es gilt das Reich zu schützen, das wir in blutigen Kämpfen mit erstritten haben.
Wir kennen unsere Soldaten und wissen, was wir von ihrem Mut, ihrer Manneszucht und Opferwilligkeit zu erwarten haben.  

Gott segne unser tapferes deutsches Heer, unsere machtvolle Flotte und unsere treuen österreichisch-ungarischen Waffenbrüder!
Er Schütze den Kaiser, unser großes deutsches Vaterland, unser geliebtes Bayern!
“. 

4. August 1914

München * Gleichzeitig richtet die Königin Marie Therese einen „landesmütterlichen“ Aufruf an die „Frauen und Jungfrauen Bayerns!“, damit auch diese ihren solidarischen Beitrag leisten:  

„Euch aber, denen es nicht vergönnt ist, mit Blut und Leben für des Vaterlandes Ehre einzutreten, bitte ich innigst, nach Kräften mitzuwirken zur Linderung der Not jener Braven, welche das feindliche Geschoss oder die Beschwerden des Krieges verwunden oder sich zu Boden werfen.
So stellt euch denn, die ihr wohl alle liebe Angehörige bei der Armee wisst, in den Dienst des Roten Kreuzes, gleich Meinen Töchtern Hildegard, Helmtrud und Gundelinde.  

Draußen fließt Blut, herinnen fließen Tränen, am bittersten da, wo zur Sorge der Seele die Not des Leidens kommt.
Auch hier muss und wird geholfen werden.
Das Notwendige bereiten wir eben vor [...].  

Soldaten, die ihr ins Feld zieht, Ich, die Königin, sage euch, euere tapferen Frauen und eure lieben Kinder sollen nicht Not leiden; schaut voraus gegen den Feind, euren Lieben gehört nun unsere Sorge“

4. August 1914

Berlin - Brüssel * „Reichskanzler“ Theobald von Bethmann Hollweg gibt vor dem „Reichstag“ eine Erklärung zum unberechtigten Einmarsch ins „neutrale“ Belgien ab.
Die Reaktionen der Abgeordneten finden sich in den eckigen Klammern wieder:  

„Meine Herren, wir sind jetzt in der Notwehr; [lebhafte Zustimmung] und Not kennt kein Gebot! [Stürmischer Beifall]
Unsere Truppen haben Luxemburg besetzt, [Bravo!] vielleicht schon belgisches Gebiet betreten. [Erneutes Bravo.]  

Meine Herren, das widerspricht den Geboten des Völkerrechts.
Die französische Regierung hat zwar in Brüssel erklärt, die Neutralität Belgiens respektieren zu wollen, so lange der Gegner sie respektiere. 

Wir wussten aber, dass Frankreich zum Einfall bereit stand. [Hört! Hört!]
Frankreich konnte warten, wir aber nicht!
Ein französischer Einfall in unsere Flanke am unteren Rhein hätte verhängnisvoll werden können.
[Lebhafte Zustimmung.]  

So waren wir gezwungen, uns über den berechtigten Protest der luxemburgischen und der belgischen Regierung hinwegzusetzen. [Sehr richtig!]
Das Unrecht - ich spreche offen - das Unrecht, das wir damit tun, werden wir wieder gutzumachen suchen, sobald unser militärisches Ziel erreicht ist. [Bravo!]

Wer so bedroht ist wie wir und um sein Höchstes kämpft, der darf nur daran denken, wie er sich durchhaut! [Anhaltender brausender Beifall und Händeklatschen im ganzen Hause und auf den Tribünen.]
Meine Herren, wir stehen Schulter an Schulter mit Österreich-Ungarn“

Nach dem 4. August 1914

München-Untergiesing * Im Ersten Weltkrieg produzieren die Bewohner des „Marianums“ unter anderem Uniformteile und Helmpolster.

Ab 4. August 1914

München * Der Kriegsbeginn bewirkt eine umgehende „Mobilisierung der Frauen“, die ihren Einsatz an der „Heimatfront“ hauptsächlich in den klassischen Frauen-Aufgaben „Krankenpflege“ und „Fürsorge“ sahen. 

Um den 5. August 1914

München * Französische und englische Fremdwörter sind plötzlich verpönt.  

„Wir brauchen keine Menus, keine Dinners, kein Dejeuner, keinen Five o‘clock tea u.s.f.  
Wir können ohne sie leben; uns genügt ein schlichter Speisezettel, ein Mittagessen, Frühstück, Fünfuhr- oder Abendtee“
.  

Der Begriff „Restaurant“ wird durch „Speisehaus“ ersetzt, statt im „Delikatessengeschäft“ kauft man jetzt im „Feinkostladen“ ein.  
„Kinos“ heißen jetzt „Lichtspielhaus“ und aus dem „Abonnement“ in der Oper wird die „Platzmiete“.  

Über Nacht wird aus dem „Hotel Englischer Hof“ in der Dienerstraße das „Hotel Posch“ und aus dem „Hotel Bellevue“ am Stachus das „Hotel Königshof“

5. August 1914

Großbritannien * Die britische Regierung beschließt, den Krieg auch in die deutschen „Kolonien“ zu tragen. 

5. August 1914

München * In den „Münchner Neuesten Nachrichten“ ist zu lesen:  

„Heute Abend kam ein ganzer Zug von Gebirglern an.
Wie der über den Bahnhof marschierte, da gab es ein Rufen und Winken; an allen Fenstern im Kaufhaus Tietz
[später „Hertie“, heute „Karstadt am Bahnhofsplatz“] würde es lebendig, alle Verkäuferinnen winkten mit Tüchern. [...]  

Und wenn man sie alle sieht, diese Prachtkerle, dann mischt sich in die ersten Erwägungen, was werden kann und werden mag, das Gefühl tröstlicher Zuversicht.
Wo so viele Arme zugreifen, so viele Herzen fürs Vaterland schlagen, da kann es nicht gefehlt sein“

6. August 1914

Lüttich * In Lüttich wird von einem deutschen Zeppelin eine Bombe abgeworfen.  

Bei diesem ersten Luftangriff des Ersten Weltkriegs werden neun Menschen getötet. 

6. August 1914

München * Der Kunstmaler Franz Marc meldet sich in der „Max-II-Kaserne“ als „Freiwilliger“

6. August 1914

Belgrad - Berlin * Serbien gibt seine „Kriegserklärung“ gegen Deutschland ab. 

6. August 1914

Wien - Petersburg * Österreich-Ungarn erklärt Russland den Krieg. 

7. August 1914

München * Bürgermeister Dr. Wilhelm von Borscht gibt bekannt, dass die „Fürsorge“ für die wenig bemittelten Soldatenfrauen und deren Kinder durch einen städtischen „Wohlfahrtsausschuss“ in Zusammenarbeit mit karitativen Vereinen und Einrichtungen geregelt werden würde.  

Für die Familienangehörigen von eingezogenen städtischen Mitarbeiter bezahlte die Stadt 60 Prozent des zuletzt bezogenen Wochenlohns für die Ehefrau, für jedes Kind unter 15 Jahren zusätzlich 5 Prozent.  
Der Höchstsatz darf aber 80 Prozent nicht überschreiten. 

7. August 1914

Lüttich * Die „Festung Lüttich“ fällt. 

7. August 1914

München * Kronprinz Rupprecht, der als „Generaloberst“ die - fast ausschließlich aus bayerischen Einheiten bestehende - „6. Armee“ befehligt, verlässt mit seinem Stab die bayerische Landeshauptstadt München. 

7. August 1914

Montenegro * Montenegro erklärt Österreich-Ungarn den Krieg. 

8. August 1914

München * Das bayerische „Außenministerium“ beauftragt die „Kreisregierungen“, innerhalb von sechs Wochen über die „Auswirkungen des Krieges auf die gewerbliche Wirtschaft“ zu berichtigen. 

Um den 8. August 1914

München * Nur wenige Tage nach Kriegsbeginn fordert König Ludwig III. - im Falle eines deutschen Sieges - die Angliederung des Elsass an Bayern.

In einem Brief an den „Reichskanzler“ Theobald von Bethmann Hollweg verlangt er ein Kriegsergebnis, das die schweren Blutopfer „aufwiege“.

9. August 1914

München * In der „Münchner Stadtchronik“ wird festgestellt, dass das „lärmende Treiben“ in den Straßen einem „feierlichen Ernst“ gewichen sei.  

Auf den Straßen wird es ruhiger.  
Der Autoverkehr ist nahezu zum Erliegen gekommen.  
Wer Benzin kaufen will, braucht einen „Erlaubnisschein des Stellvertretenden Generalkommandos“.  

Vor dem Hauptbahnhof und am Stachus warten nur mehr wenige Taxis auf Kundschaft.  

Die Straßenbahnen fahren nun mehr bis 23 Uhr. 

9. August 1914

Belgien * Die Invasion Belgiens verläuft keineswegs nach Plan.  

Nur unter großen Anstrengungen und dem Einsatz schwerster Geschütze gelingt es den deutschen Soldaten, die belgischen Verteidigungsanlagen zu durchbrechen.  

Der Vormarsch des deutschen Heeres gerät immer wieder ins Stocken.  
Die Ursache hierfür ist ein nicht erwarteter, zeitweise sogar erbitterter Widerstand der belgischen Armee und der einheimischen Miliz-Einheiten.  

Überrascht vom starken Verteidigungswillen der - laut dem deutschen „Generalstab“ - angeblich so „wenig leistungsfähigen belgischen Truppen“, kommt es zu häufigen Übergriffen deutscher Soldaten auf belgische Zivilisten.  

Kaiser Wilhelm II. warnt vor einem drohenden „Volksaufstand“ in Belgien. 

9. August 1914

Saint-Avold * Kronprinz Rupprecht schlägt in der lothringischen Garnisonsstadt Saint-Avold sein „Hauptquartier“ auf. 

10. August 1914

München * Im „Bayerischen Innenministerium“ wird die Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch während der Kriegszeit besprochen.  

Da aus allen Regierungsbezirken eine gute bis sehr gute Heuernte gemeldet wird und sowohl die Kartoffel- wie die Getreideernte zufriedenstellend ausfiel, sehen die Viehzüchter keinen Grund zur Sorge.  
Nur der Verbrauch von Kalbfleisch sollte eingeschränkt werden.

Außerdem sollte die Haltung von Kaninchen gefördert werden, weil diese „innerhalb kurzer Zeit ein großes Quantum von Fleisch für den Haushalt liefern“.  

Als Bilanz der Besprechung wird festgestellt, dass Bayern hinsichtlich der Fleischversorgung vollkommen sicher sei, selbst wenn sich der Krieg länger hinziehen sollte.  

Solche Besprechungen machen deutlich, dass man sich über Fragen der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und anderer lebenswichtiger Gebrauchsgüter keine Gedanken machte.  
Niemand rechnete ernsthaft mit einem längeren Krieg. 

10. August 1914

München-Haidhausen * Erstmals marschieren in Haidhausen die Truppen auf dem Johannisplatz zur „Truppenaussegnung“ auf, um vor dem Abmarsch noch den kirchlichen Segen zu erhalten.  

„Der Kommandeur hielt eine kernige Ansprache und bat zum Schluss um Gottes Beistand.  
Der Priester war unter dem Thronhimmel vor die Kirche getreten und erteilte, das Allerheiligste nach allen Seiten zeigend, den Segen. [...]  
In allen katholischen Gotteshäusern wurde der Hirtenbrief des Kardinals verlesen, darauf drei Gebete für das Vaterland und unsere Krieger gehalten“
.

Solche abendlichen und nächtlichen Aufmärsche mit kirchlichem Segen werden sich noch mehrmals wiederholen. 

10. August 1914

Hattingen - Cirey-sur-Vezouze * „Mit donnerndem Hurra“ überschreitet das bayerische „I. Infanterieregiment König“ - unter der Führung des bayerischen „Kronprinzen“ Rupprecht - die deutsch-französische Grenze bei Hattingen.  

Dort trifft es bei Cirey-sur-Vezouze in Lothringen zum ersten Mal auf den französischen Feind. 

11. August 1914

Lagarde * Blutige Gefechte der bayerischen „6. Armee“ bei Lagarde. 

11. August 1914

Wien - Paris * Österreich-Ungarn gibt seine „Kriegserklärung“ gegen Frankreich ab. 

12. August 1914

Badonviller * Es kommt zu einem ersten Gefecht zwischen dem bayerischen „I. Infanterieregiment König“ und den Franzosen bei Badonviller. 

12. August 1914

London - Wien * Großbritannien erklärt Österreich-Ungarn den Krieg. 

12. August 1914

Celinje - Berlin * Montenegro erklärt Deutschland den Krieg. 

13. August 1914

München * Die erste [aufgebauschte] positive Nachricht trifft von der Front ein:  

„Prinz Heinrich von Bayern [hat] mit Eskadron eine Abteilung französischer Dragoner vernichtet. [...]
Durch die Siege bei Mühlhausen und Lagarde [ist] der deutsche Boden nunmehr vom Feinde frei“

Um den 13. August 1914

Berlin - Brüssel * Der preußische „Generalstabs-Chef“ Helmuth von Moltke beschuldigt belgische Zivilisten, sich entgegen dem „Kriegsrecht“ an den Kämpfen beteiligt und „in grausamer Weise Verwundete erschlagen und Ärzte [...] niedergeschossen“ zu haben.  

Moltke droht damit, dass „jeder Nichtuniformierte, der [...] in irgendeiner Weise unberechtigt an der Kriegshandlung teilnimmt“, fortan „als Franktireur behandelt und sofort standrechtlich erschossen“ wird.  

Damit können sich die vor Ort agierenden Soldaten und Befehlshaber auf allerhöchste Weisungen berufen.  
In den ersten beiden Kriegsmonaten kommen 5.500 belgische und rund 900 französische Zivilisten ums Leben.

Der Auslöser dieser brutalen Aktionen und drakonischen Strafmaßnahmen sind häufig unerwartete Schusswechsel und Explosionen, deren Verursacher meistens unbekannt blieben.  

Es kann sich dabei um versprengte belgische Soldaten, Angehörige der Miliz oder vor Ort agierende „Widerstandskämpfer“ handeln, aber möglicherweise sind es auch nur betrunkene oder orientierungslose deutsche Soldaten, die sich in einem feindlichen Hinterhalt wähnen und nun das Feuer auf die eigenen Leute eröffnen. 

13. August 1914

Lothringen * Um die Franzosen - gemäß dem „Schlieffen-Plan“ - zum Vorrücken zu animieren und damit in die Falle zu locken, ziehen sich die Bayern wieder zurück.  

Die Franzosen sollen über Lothringen ins „Reichsgebiet“ vorrücken und dann von der „6. Armee“ unter „Kronprinz“ Rupprecht und der „7. Armee“ unter der Führung von „Generalstabschef“ Konrad Krafft von Dellmensingen in die Zange genommen und eingekesselt werden. 

Und weil in der Zwischenzeit, so der deutsche „Feldzugsplan“, die über Belgien nach Südosten geschwenkte deutsche Armee die Franzosen umfasst hätte, könnten die im „Reichsgebiet“ befindlichen französischen Truppen nicht mehr mit weiterer Unterstützung rechnen und dadurch vernichtet werden. 

Voraussetzung wäre, dass die Armeen unter dem Kronprinzen und seinem „Generalstabschef“ die Franzosen immer wieder in hinhaltende Gefechte verwickeln, aber letztlich nicht stoppen sollen.  

Nur der Durchbruch zum Rhein musste verhindert werden. 

13. August 1914

München * Die Zeitschrift „Zeit im Bild“ stellt den seit 1. Januar 1914 laufenden Vorabdruck des Romans von Heinrich Mann „Der Untertan“ ein.

Begründung: „Im gegenwärtigen Augenblick kann ein großes öffentliches Organ nicht in satirischer Form an deutschen Verhältnissen üben“.

Außerdem meint die Redaktion, „dürften wir bei der geringsten direkten Anspielung politischer Natur, etwa auf die Person des Kaisers, die ärgsten Zensurschwierigkeiten bekommen“

13. August 1914

London - Paris - Wien * England und Frankreich erklären Österreich-Ungarn den Krieg. 

14. August 1914

Lothringen * Der französische Vorstoß beginnt.  

Durch den Rückzug der Bayern dringen die Franzosen vierzig Kilometer ins „Reichsgebiet“ vor.  
Plangemäß können die beiden angreifenden französischen Armeen von einander getrennt werden. 

14. August 1914

München-Ludwigsvorstadt * Zwei Wochen nach Kriegsbeginn kommen die ersten Verwundeten am Münchner Hauptbahnhof an.  

Von dort werden die verwundeten Soldaten mit umgebauten ehemaligen „Sommerwagen“ der Trambahn in die verschiedenen Krankenhäuser und Lazarette gebracht.  
Die „Lazarette“ sind über die ganze Stadt verteilt. 

15. August 1914

Planegg * An „Maria Himmelfahrt“ pilgern etwa 10.000 Gläubige nach „Maria Eich“ in Planegg.

Sie nehmen den 20 Kilometer langen Weg auf sich, um dafür zu beten, dass die „Gottesmutter ihren Mantel ausbreiten [möge] über all die Hunderttausende von Gatten und Vätern, von Brüdern und Söhnen, die jetzt draußen kämpfen um unsere heiligsten Güter“

15. August 1914

Ostpreußen * Bevor die Österreicher überhaupt angreifen können, stoßen die Russen mit über einer halben Million Soldaten auf ostpreußisches Gebiet vor.  

Dieser Angriff erfolgt auf französischem Wunsch, weil sich die Pariser Regierung dadurch eine Entlastung der eigenen Front erwartet.  
Die in Ostpreußen stehenden deutschen Verbände werden von den Russen vollkommen überrumpelt.  

Der russische Vormarsch kann zwar nach wenigen Tagen zum Stehen gebracht werden, doch bis dahin befinden sich schon große Teile Ostpreußens in Feindeshand.

Die Hauptleidtragenden sind die ostpreußischen Zivilisten, die ihre Heimat verlassen müssen. 

15. August 1914

München * König Ludwig III. konfrontiert den „preußischen Geschäftsträger“ in München mit der Klage, dass Bayern im Krieg von 1870/71 zu schlecht weggekommen sei.  

So etwas darf nie wieder passieren.  
Der Krieg darf keinesfalls zu einer einseitigen Vergrößerung Preußens führen, da dadurch das staatliche Gefüge des „Reiches“ verschoben würde.  
Wenn Preußen durch „Annexionen“ wächst, dann müssen auch die anderen größeren Bundesstaaten, insbesondere Bayern, einen Ausgleich erhalten.  

Danach entwickelt er sein Konzept: eine Aufteilung des „Reichslandes Elsass-Lothringen“, bei der das ganze „katholische Elsass“ an Bayern fallen soll. 

15. August 1914

München * Der Schriftsteller Erich Mühsam beklagt sich über den „Simplicissimus“: „Und immer der haltloseste Hurrapatriotismus, in dem sich Ludwig Thoma, der große Spötter, am lautesten jetzt hervortut“

16. August 1914

Belgien * Alle belgischen Forts sind durch deutsche Truppen erobert. 

16. August 1914

Königreich Bayern * 5.550 Truppenzüge mit 285.000 Wagen sind seit Beginn der „Truppentransporte“ am 4. August auf dem bayerischen Eisenbahnnetz abgefertigt worden. 

Ebenso viele Züge kommen leer wieder zurück. 

Um den 17. August 1914

München-Au * Im Ersten Weltkrieg werden die Schulbänke aus den Klassenzimmern der „Kolumbusschule“ geräumt und dafür mit Strohsackbetten für die Verwundeten eingerichtet.

17. August 1914

Schirwindt * Russische Truppen marschieren bei Schirwindt in Ostpreußen ein.

18. August 1914

München * Nachdem die Studierenden aus dem befreundeten und aus dem feindlichen Ausland die Stadt gleich zu Kriegsbeginn verlassen haben, fallen jetzt die Studenten aus Japan im Straßenbild besonders auf.  

„Die ziemlich zahlreichen Gelbgesichter mit ihren Schlitzaugen belebten mit eigenartigem Reiz das Bild des hiesigen Straßenpublikums.  
Die mittelgroßen Leutchen kamen meist sehr gesetzt einher, mit goldener Brille im ernsten Antlitz; waren stets zu zweit oder dritt oder hatten eine deutsche Freundin bei sich; studierten fleißig, beobachteten fleißig, zeigten aber nirgends ein aufdringliches oder lärmendes, eher ein fast bescheidenes, immer freundliches Wesen und waren darum mehr ein exotisches als störendes Element. 
Sie waren in gewissen Kreisen sogar wohlgelitten. - Ihr plötzliches Verschwinden befremdet“

18. August 1914

Belgien * Vier deutsche Armeen fallen in Belgien ein.

19. August 1914

Leuven * Deutsche Truppen beziehen in Löwen [Leuven] ihre Stellung.  

Zunächst bleibt es friedlich in der Stadt. 

19. August 1914

Lothringen - Westfront * Da die Franzosen nur zögerlich voranschreiten, entscheidet sich Kronprinz Rupprecht zum aktiven Eingriff in das Geschehen und erteilt den Befehl zum Angriff für den nächsten Tag.  

Der Vorstoß ist allerdings in den Planungen des preußischen „Generalstabschef“ Helmuth von Moltkes nicht vorgesehen.

Mag sein, dass „Kronprinz“ Rupprecht so reagiert, weil er die negative Stimmung seiner Truppen erkannte, die sich bei den noch kriegsbegeisterten bayerischen Soldaten durch die auferlegte Defensive ausbreitete.  
Mehr werden jedoch Eifersüchteleien und Rivalitäten eine maßgebliche Rolle gespielt haben.  

Denn Rupprecht, der „Kronprinz von Bayern“, und sein „Generalstabschef“ Konrad Krafft von Dellmensingen wollen nicht diejenigen sein, die mit ihren Truppen immer weiter nach Deutschland zurückweichen, während der „Kronprinz von Preußen“ mit seinen Einheiten nach Frankreich voran stürmt.

Um den 20. August 1914

Berlin - Ostpreußen * Helmuth von Moltke, der Chef der „Obersten Heeresleitung“, lässt den für Ostpreußen zuständigen und mit der Situation total überforderten „Generaloberst“ Maximilian Freiherr von Prittwitz und Gaffron absetzen.  

Denn ein Verlust Ostpreußens als „Kornkammer“ des Reiches hätte nicht nur wirtschaftlich, sondern auch für die Moral der Deutschen unabsehbare Folgen gehabt.

20. August 1914

Lothringen * Die „Schlacht von Lothringen“ beginnt; sie dauert bis zum 22. August und ist die erste große Schlacht an der „Westfront“ und die letzte, in der die bayerische Armee geschlossen ins Feld zieht.

Zunächst geht die Rechnung der Bayern auch auf.  
Die Armeen unter bayerischer Führung können den Franzosen eine schwere militärische Niederlage zufügen, weshalb sie sich aus Lothringen und dem Elsass bis östlich von Nancy zurückziehen müssen. 

20. August 1914

Nomeny * Bayerische Soldaten stecken das Dorf Nomeny in Brand.

Danach kommt es zu etlichen deutschen Gräueltaten in verschiedenen Orten.  
Manche Zivilisten haben das Glück, dass sie nur als Geisel mitgenommen und später wieder freigelassen werden.  

Unter der Führung von Kronprinz Rupprecht erringen zwei deutsche Armeen zwar einen Sieg, dennoch stecken die Truppen bald in ihren Stellungen fest. 

20. August 1914

Brüssel - Antwerpen * Deutsche Truppen besetzen die belgische Hauptstadt Brüssel.  

Die dort stationierte belgische Armeeführung flieht daraufhin nach Antwerpen. 

21. August 1914

Seilles an der Maas * Deutsche Truppen äschern das gegenüber von Andenne gelegene Städtchen Seilles an der Maas ein.  

Weil Pioniere angegriffen wurden, während sie eine Brücke über die Maas schlugen, hat man etwa 200 Bewohner „standrechtlich“ erschossen und den Ort danach total zerstört. 

21. August 1914

Konstanz * Der 65-jährige Freiherr von Prittwitz wird durch den 66-jährigen und seit 1911 pensionierten Paul von Beneckendorff und Hindenburg ersetzt.  

Dabei ging es der „Obersten Heeresleitung - OHL“ gar nicht um den kampferprobten Hindenburg, der bereits 1866 vor Königsgrätz kämpfte und 1870/71 am „Deutsch-Französischen Krieg“ teilgenommen hatte.  

„Generalstabs-Chef“ Moltke bezweifelte sogar, dass Paul von Hindenburg über die erforderliche Tatkraft und Energie verfügen würde.  
Für Hindenburg sprach eigentlich nur, „dass man von seinem Phlegma absolute Untätigkeit erwartete, um Ludendorff freie Hand zu lassen“.  

Man wollte eigentlich Erich Ludendorff zum Befehlshaber in Ostpreußen machen.  
Doch ein „Generalmajor“ bürgerlicher Abstammung konnte unmöglich zum „Oberbefehlshaber der 8. Armee“ aufsteigen, wo doch die anderen Armeekommandos in den Händen von Adeligen, häufig sogar Herzögen und Kronprinzen lagen.  

Dennoch sollte der Bürgerliche hinter einem wenig antriebsvollen und alten Vorgesetzten die aktive Rolle des Armee-Kommandierenden übernehmen. 

22. August 1914

Konstanz * „Generalstabs-Chef“ Helmuth von Moltke beruft den an der „Westfront“ eingesetzten und als „Helden von Lüttich“ verehrten Erich Ludendorff ins große „Hauptquartier“ in Koblenz, um ihn über seine neue Mission als „Generalstabs-Chef“ in Ostpreußen in Kenntnis zu setzen.  

Noch am Abend des selben Tages trifft Ludendorff in Konstanz ein, wird mit den Befehlen ausgestattet und fährt danach mit einem Sonderzug nach Marienburg, nimmt aber zuvor in Hannover noch Paul von Hindenburg auf.  

Nachdem er den neuen „Oberbefehlshaber der 8. Armee“ knapp über die Lage informiert hat, legt sich Hindenburg wieder zum Schlafen. 

22. August 1914

München * Pater Rupert Mayer tritt freiwillig in den Militärdienst als „Feldgeistlicher“ beim „1. Bayerischen Armeekorps im Feldlazarett 2“ ein.

23. August 1914

Dinant * In Dinant, einem malerischen Kleinstädtchen an der Maas, in der Provinz Namur, veranstalten sächsische Truppen ein besonders grausames Massaker.  

Weil sie von angeblichen „Franktireurs“ beschossen wurden, starten die deutschen Soldaten - auf Befehl ihrer Vorgesetzten - eine „Strafaktion“.  
Sie zünden Häuser an, plündern und ermorden 674 der knapp 8.000 Einwohner.  
Frauen wie Männer, Greise, viele Kinder und vier Babys, die angeblich alle bewaffnet waren.  

Die Bilder der zerstörten Stadt lösen Entsetzen und Empörung über die deutschen „Barbaren“ aus.

Von Widersprüchen oder gar Verweigerungen, derartige Befehle auszuführen, haben sich keinerlei Informationen erhalten.

Prinz Max, der Bruder des sächsischen Königs und „Feldgeistlicher“ in Belgien, vertraut einem befreundeten Seelsorger folgende Worte an:  
„Wenn es einen gerechten Gott im Himmel gibt, müssen wir diesen Krieg verlieren wegen der Gräuel, die wir in Belgien verübt haben“

Ab dem 23. August 1914

München - Berlin * Gleich unmittelbar nach der Schlacht wird „Kronprinz“ Rupprecht als „bedeutender Feldherr“ gefeiert.  

Der „Sieger von Lothringen“ wird sowohl von seinem Vater, König Ludwig III., mit dem er in militärischen Fragen nur selten im Einklang steht, als auch von Kaiser Wilhelm II. mit den höchsten Auszeichnungen dekoriert.  
In zahlreichen Darstellungen auf Postkarten wird Rupprecht regelrecht zum „Kriegshelden“ hochstilisiert.  

Doch nur wenige Wochen später, nachdem die Kampfhandlungen eine ungünstige Wendung genommen haben, spricht man in den Kreisen führender Militärs laut und deutlich hörbar Kritik an Rupprechts Vorgehen in Lothringen aus.  

Es heißt, sein persönliches Prestigebedürfnis habe ihn zur Offensive entgegen dem „Schlieffen-Plan“ angetrieben.  
Dieses Verhalten wird Deutschland nun sehr teuer zu stehen kommen. 

Ab dem 23. August 1914

Ostfront * Vor Ort erkennen die hohen Militärs die Problematik der Kriegssituation und entwickeln eine neue Strategie, die allerdings auch mit einem Risiko behaftet ist.  

Und tatsächlich erweist sich Erich Ludendorff [„Ohne Opfer kein Sieg! Ohne Sieg kein Friede!“] vor und während der „Schlacht um Tannenberg“ als das treibende Element, während der eigentliche „Oberbefehlshaber der 8. Armee“, Paul von Hindenburg, „mit großer Ruhe und noch größerem Schlafbedürfnis“ die Entscheidungen des „Generalstabs-Chefs“ Erich Ludendorffs absegnet.  

Der bürgerliche „Generalmajor“ Ludendorff trifft die Entscheidungen, Hindenburg repräsentiert nach Außen hin. 

23. August 1914

München * Nur drei Wochen nach Kriegsbeginn wird mit der Herstellung von „Kriegsbrot“ begonnen. 

23. August 1914

Tokyo - Berlin * „Kriegserklärung“ Japans an Deutschland. 

Japan tritt als Verbündeter der „Entente“ in den Krieg ein. 

Ab dem 24. August 1914

Lunéville * Zwischen dem 24. und 26. August kämpfen französische Armeekorps bei Lunéville, um dort die deutsche Offensive zu stoppen.  

Es kommt zum französischen „Sieg von Trouée de Charmes“.  
Dabei müssen die deutschen Truppen erhebliche Verluste hinnehmen.  

Danach bleibt die Front bis zum 3. September unverändert und ruhig. 

24. August 1914

Galizien * In Galizien beginnt die Schlacht zwischen Österreich-Ungarn und Russland. 

24. August 1914

München - Berlin * Zwischen dem 15. und 18. August reisten die Japaner angeblich nach Berlin.  

Mit großer Enttäuschung nimmt man in München von der Abreise, den japanischen Anschluss an die „Entente“ und die „Kriegserklärung an Deutschland“ zur Kenntnis.

 „Die Herren hatten feine Witterung oder waren von zu Hause aus gut unterrichtet und ließen bei ihrem schnellen, stillen Abschied nur Vorsicht walten.  
Japan, das wir stolz als unseren gelehrigen, eifrigen Schüler bezeichneten, das wir bereitwilligste in viele Dinge Einblicke tun ließen, von dem wir, weil es ehemals der Gegner Russlands war, Hilfe oder doch Unterstützung erhofften, steht im Bunde mit England, also auf der Seite unserer Feinde.
O deutscher Michel!“
 

25. August 1914

Leuven * Am Abend kommt es in Löwen [Leuven] plötzlich und zu diesem Zeitpunkt vollkommen unerwartet zu Schusswechseln.  

Historiker gehen heute davon aus, dass es sich dabei um ein sogenanntes „friendly fire“, also ein eigenes Geschützfeuer handelte, bei dem deutsche Soldaten versehentlich eigene Kameraden beschossen haben.  
Doch damals hieß es, belgische „Freischärler“ [sogenannte „Franktireurs“] haben angegriffen.

Eine tragische Kettenreaktion kommt in dieser Nacht in Gang.  
Die größtenteils im Kampf unerfahrenen deutschen Soldaten dringen in ihrer Panik in die belgischen Häuser ein, in denen sie die „Heckenschützen“ vermuten.  
In wilder Raserei nehmen sie Geiseln und töten Tausende Zivilisten, nachdem sie deren Wohnungen in Brand gesetzt haben.

Immer mehr Gebäude im Zentrum Löwens fangen Feuer. 

25. August 1914

München-Graggenau * In Frankreich erbeutete Kanonen und anderes Kriegsgerät wird am „Odeonsplatz“ ausgestellt. 

25. August 1914

München * In der „Kriegs-Chronik der Münchner Neuesten Nachrichten“ werden die ersten drei bayerischen „Verlustlisten“ veröffentlicht. 

Ab dem 25. August 1914

Namur - Charleroi - Mons * Das deutsche Heer setzt ihren Vormarsch durch Belgien und Nordfrankreich fort.  

Die ersten großen Schlachten bei Namur, Charleroi und Mons werden mit Bravour geschlagen.  
Die französischen Einheiten und das aus etwa 50.000 Mann bestehende britische „Expeditionskorps“ treten - angesichts der deutschen Übermacht - überstürzt den Rückzug an.

Die deutschen Armeeführer sind der Überzeugung, dass die „Flüchtenden“ sich ungeordnet zurückziehen und verfolgen den Feind, um ihn endgültig zu schlagen und damit den Krieg zu beenden.  

Doch die Einheiten des „Generaloberst“ Karl von Bülow sind derartig schnell unterwegs, dass das von „Generaloberst“ Alexander von Kluck befehligte Heer nicht so schnell folgen kann und schon bald zwischen den beiden deutschen Armeen ein vierzig Kilometer breiter Spalt klafft. 

25. August 1914

Wien - Tokyo * Österreich-Ungarn erklärt Japan den Krieg. 

26. August 1914

Tannenberg * Die „Schlacht von Tannenberg“ beginnt.
Sie dauert bis 30. August.
Die russischen Truppen werden vernichtend geschlagen.

Zwei Männer treten hier besonders hervor: der reaktivierte Ruheständler Paul von Hindenburg und sein „Stabschef“ Erich Ludendorff.

27. August 1914

Leuven * Die in der Stadt Löwen verbliebenen etwa 10.000 Einwohner werden aus den rauchenden Ruinen vertrieben.  

1.500 von ihnen transportiert man in Viehwagen nach Deutschland, wo sie monatelang unter schlimmsten Bedingungen im „Truppenlager Munster“ in der „Lüneburger Heide“ festgehalten werden.  

Der deutsche Zerstörungsrausch gipfelt in der Brandschatzung der „Löwener Bibliothek“.  
In dem Feuer werden eine Vielzahl einmaliger „Handschriften“, „Inkunablen“ und rund 300.000 Bücher vernichtet.  

Nahezu 2.000 Gebäude fallen in Löwen dem Feuer zum Opfer.

27. August 1914

Masurische Seen * Zum Glück übermitteln die Russen ihre Planungen ohne Verschlüsselung über Funk.  

Damit weis der deutsche „Generalstab“, dass der russische Gegner Nachschubprobleme hat und deshalb nicht auf breiter Front angreifen kann.  
Dieses Wissen nutzen die deutschen Befehlshaber und beginnen die russischen Verbände einzuschließen.  

Als sich die Russen in eine Verteidigungsstellung bei den „Masurischen Seen“ zurückziehen, werden sie von den Deutschen verfolgt und vernichtend geschlagen.  
Etwa 10.000 Russen ertrinken in den „Masurischen Seen“.  
Insgesamt fallen 50.000 russische Soldaten, 92.000 kommen in Gefangenschaft.  

Die deutschen Verluste sind dagegen vergleichsweise gering. 

28. August 1914

München * Der Alltag in München ist komplizierter geworden.  

Es gibt kaum noch einen Autoverkehr in der Stadt.  

Kaufleute werden nur mehr gegen Bargeld beliefert, weshalb auch sie ihre Kunden nicht mehr „Anschreiben“ lassen.  

Selbst beim Zahnarzt muss man sofort und bar bezahlen. 

28. August 1914

Tannenberg - Gilgenburg - Ortelsburg * Paul von Hindenburg weiß, wie man Geschichte schreibt.  

Denn während die Presse noch zu Beginn von der „Schlacht bei Gilgenburg und Ortelsburg“ schreibt und Kaiser Wilhelm II. Hindenburg den Dank für den „Sieg bei Allenstein“ ausspricht, richtet der „Oberbefehlshaber der 8. Armee“ seinen Blick auf „Tannenberg“.  

Dort wütete anno 1410 eine Schlacht zwischen dem „Deutschen Orden“ und der „Polnisch-Litauischen Union“.  

Paul von Hindenburgs Version klingt deshalb so:  
„Bei Tannenberg, das zwischen Gilgenburg und Hohenstein liegt, wurde 1410 das Ordensheer von den Polen und Litauern vernichtet.
Jetzt, nach 504 Jahren, kam die Revanche“
.

Die geschickte Verknüpfung mit „Tannenberg“ trägt zur Entstehung des Mythos um den siegreichen „Feldherrn Hindenburg“, dem „Russen-Schreck“, bei.  
„Tannenberg“ wird zum in Deutschland ersehnten „Sieges-Mythos“, Hindenburg zum „Retter des Vaterlandes“

28. August 1914

München-Waldfriedhof * Am „Waldfriedhof“ werden die ersten „Weltkrieg-Toten“ begraben. 

28. August 1914

Wien - Brüssel * Österreich-Ungarn gibt eine „Kriegserklärung“ an Belgien. 

30. August 1914

Leuven * Der amerikanische „Gesandtschaftssekretär“ Hugh Gibson macht sich ein Bild von der Lage in Löwen.  

Ein deutscher Offizier erklärt ihm: „Es wird die Belgier lehren, Deutschland zu respektieren und es sich zweimal zu überlegen, gegen Deutschland die Waffen zu erheben“.  

Mit der Zerstörung der Löwener „Bibliothek“ hat sich das „Deutsche Reich“ weltweit den Ruf von „Barbaren“ eingehandelt.  
Als „Hunnen“, denen man das Schlimmste zutraut, werden sie fortan in der alliierten Propaganda verspottet. 

30. August 1914

Paris * Die ursprünglich geplante Umzingelung von Paris wird nicht weiter verfolgt.  

„Generaloberst“ Alexander von Klucks Armee folgt einfach von „Generaloberst“ Karl von Bülow an die Marne - und lässt damit seine gesamte rechte Flanke ungeschützt.  

Jetzt stehen die Deutschen zwar kurz vor der französischen Hauptstadt, doch sind sie von ihrer eigenen Versorgung abgeschnitten.  
Sie haben keine Verbindung zum „Hauptquartier“ in Luxemburg und sind durch die anstrengenden Gewaltmärsche für die anstehenden militärischen Auseinandersetzungen geschwächt.  

Außerdem ist die Kommunikation zwischen den beiden Armeen äußerst mangelhaft.  
Und weil die Übermittlung drahtloser Nachrichten ins „Hauptquartier“ oft 24 Stunden und mehr dauern, sind die Franzosen bald über die Schwachstelle der Deutschen Armee bestens unterrichtet. 

Die deutsche Armeeführung glaubt immer noch, dass die Franzosen wie aufgeschreckte Hasen davongelaufen sind.  

Doch zum Unterschied des „Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71“ ist es der französischen Führung gelungen, die Truppen neu zu sammeln.  
Einige ranghohe französische Offiziere werden wegen „Unfähigkeit vor dem Feind“ versetzt und die kämpfenden Truppen neu strukturiert. 

30. August 1914

Frankreich * Franz Marc begibt sich mit der „2. Ersatzbatterie des 1. Feldartillerieregiments“ an die französische Front. 

31. August 1914

München * Zwei Krankenzüge bringen 725 Verwundete, darunter 50 Kriegsgefangene Franzosen, in Münchner Lazarette. 

31. August 1914

München-Maxvorstadt * Zu einem „Patriotischen Abend“ ins „Café Luitpold“ erscheinen nur mehr 25 Leute. 

September 1914

München * Der „Erste Weltkrieg“ bedeutet für die drei etwa 20-jährigen und wehrdiensttauglichen jungen Gründer des „Loos-Vereins Wild West“ die Einberufung zum Militär und den „Marschbefehl“ in Richtung Frankreich.  

Nun heißt es „Verdun statt Wyoming!“ 

3. September 1914

Paris - Bordeaux * Die französische Regierung verlegt angesichts der vorrückenden deutschen Truppen ihren Sitz nach Bordeaux.

4. September 1914

Trouée de Charmes * Das Scheitern vor Trouée de Charmes hat das Selbstbewusstsein der bayerischen Truppen geknickt.  
Um so wichtiger wäre aus psychologischer Sicht jetzt die Eroberung von Nancy.  

Um 20:30 Uhr beginnen die Armeen auf Befehl des „Kronprinzen“ Rupprecht mit dem Artilleriebeschuss von Vitrimont, Maixe und Friscati.  
Die Deutschen verfügen immerhin über 235 schwere Geschütze, darunter Mörser mit 21-, 30,5- und 42-Zentimeter-Granaten, dazu Fesselbalone und Flugzeuge. 

5. September 1914

Nancy * Kaiser Wilhelm II. kommt persönlich aufs Schlachtfeld.  

Er will Nancy fallen sehen und - wie sein Vater im Jahr 1870 - als Sieger in die Stadt einreiten.

Die Stadt Nancy erlebt ihren ersten Luftangriff.  
Zwei Flugzeuge werfen einige Bomben ab, wobei nur geringe Sachschäden erzielt werden. 

5. September 1914

Marne * Die „Schlacht an der Marne“ beginnt. 

6. September 1914

Marne * Ein Ereignis, das zwar keinen entscheidenden Einfluss auf den Ausgang der „Marne-Schlacht“ hat, wird aber zu einem die Franzosen stark motivierenden Angriffsschub.

Nachdem die Kämpfe an der Marne beginnen, lässt der französische „Generalstabschef“ Joseph Joffre sämtliche Taxen von Paris requirieren und je zweimal mit jeweils fünf Soldaten von Meaux an die 50 Kilometer entfernte Front vor Paris an die Marne bringen. 

7. September 1914

Nancy * Der direkte Angriff auf Nancy beginnt. 

7. September 1914

Marne * Rund 6.000 zusätzliche französische Soldaten stehen am Morgen den Deutschen gegenüber.

In Luxemburg ist der deutsche „Generalstabschef“ Helmuth von Moltke mit dieser Gesamtsituation scheinbar überfordert.  

Auf dem Höhepunkt der Kampfhandlungen zieht er überstürzt zwei Armeekorps nach Ostpreußen ab, damit sie Hindenburgs Armee an der „Ostfront“ unterstützen.  
Dort wird zwar die sogenannte „Schlacht von Tannenberg“ gewonnen, doch an der „Westfront“ fehlen die Streitkräfte.  

Den dort kämpfenden Soldaten ist spätestens jetzt die Siegeszuversicht und Euphorie der ersten Kriegstage vergangen.  
Dafür kommt jetzt das „Gefühl der Verzweiflung“ hoch. 

8. September 1914

Nancy * Der französische Gegenangriff erfolgt. 

8. September 1914

Marne * „Oberstleutnant“ Richard Hentsch wird im Auftrag der „Heeresleitung“ an die Front an der Marne gesandt, um sich ein Bild über die Situation zu verschaffen.  

Da er die Gefahr einer Einkesselung erkennt, empfiehlt er den Rückzug der Truppen gerade in einem Moment, in dem die Militärs vor Ort zum entscheidenden Schlag ausholen wollen. 

8. September 1914

München * Auf Druck der betroffenen Wirtschaftskreise, insbesondere des Baugewerbes, verlässt die bayerische Staatsregierung ihren Sparkurs und ordnet eine Fortführung der Staatsbaumaßnahmen an.  

Mit Kriegsbeginn hatte der Staat - zur Schonung des von kriegsbedingten Einnahmeausfällen Betroffenen Haushalts - seine Aufträge weitestgehend storniert. 

9. September 1914

Marne * Die deutschen Truppen werden an der Marne gestoppt und müssen sich in die Stellungen an der Aisne zurückziehen. 

Ab dem 11. September 1914

Westfront * Am 11. und 12. September werden die deutschen Truppen bis hinter die Grenze zurückgedrängt. 

11. September 1914

Marne * Die „Marne-Schlacht“ ist beendet.  

250.000 Tote, Verwundete und Gefangene hat die Schlacht auf deutscher Seite gekostet, rund 300.000 auf alliierter Seite.  

„Generalstabschef“ Helmuth von Moltke erleidet einen Nervenzusammenbruch und sieht den Krieg verloren.  
Mit dieser Meinung steht er nicht alleine, doch Kaiser Wilhelm II. will einen „Siegfrieden“ und keinen „Kompromissfrieden“

11. September 1914

Lemberg * Die österreichischen Truppen müssen sich nach der verlorenen „Schlacht von Lemberg“ aus Galizien zurückziehen. 

13. September 1914

Nancy * Die Schlacht um Nancy ist beendet - und zugleich der Plan des Kaiser Wilhelms II. gescheitert.  

Die Bedeutung der „Schlacht um Nancy“ wurde und wird häufig unterschätzt.  
Wenn die Stadt gefallen wäre, hätten die Deutschen einen freien Weg nach Paris gehabt.  

Für manche Analytiker ging die „Große Schlacht im Westen“ nicht an der Marne, sondern bereits in Lothringen verloren. 

13. September 1914

Nancy - Marne * Der Ausgang der Schlachten an der Marne und bei Nancy wird in Deutschland geheimgehalten.

In den Zeitungen heißt es lediglich, die Deutschen haben sich aus strategischen Gründen zurückgezogen, einige tausend französische Gefangene gemacht und viele Geschütze erbeutet.  

Aber es gibt natürlich auch anderslautende Gerüchte. 

Bis zum 14. September 1914

Westfront * Die bayerischen Einheiten erleiden z.B. im „Angriffsgefecht bei Badonviller“, in der „Schlacht in Lothringen“ und den „Kämpfen bei Nancy“ große Verluste.

14. September 1914

Berlin * Kaiser Wilhelm II. entlässt Helmuth von Moltke als „Generalstabschef“ und ersetzt ihn durch „Generalleutnant“ Erich von Falkenhayn, einen kühlen Karrieristen und skrupellosen Strategen. 

15. September 1914

Masurische Seen * Der russische Vormarsch wird mit der „Schlacht an den Masurischen Seen“ in Ostpreußen endgültig gestoppt. 

Um den 15. September 1914

Königreich Bayern * Seit Kriegsbeginn sind bereits 17.000 bayerische Soldaten im Kampf an der „Westfront“ gestorben. 

21. September 1914

Holland * Ein deutsches U-Boot versenkt vor der niederländischen Küste drei britische Panzerkreuzer. 

26. September 1914

München-Theresienwiese * Eigentlich müsste das „Oktoberfest“ beginnen.

Es fällt aber kriegsbedingt aus. 

Oktober 1914

München-Haidhausen * Der Rohbau für den neuen „Atelierbau“ an der „Villa Stuck“ ist vollendet. 

Danach beginnen die Innenarbeiten. 

10. Oktober 1914

München * Das „Bayerische Innenministerium“ verbietet wegen der Nahrungsmittelknappheit die Abgabe von Weißbrot in Gaststätten.

11. Oktober 1914

München * Der geschäftstüchtige Karl Valentin veröffentlicht in den „Münchner Neuesten Nachrichten“ ein Inserat: 

„Bevor Sie ins Feld ziehen, sollten Sie Ihre Stimme verewigen.
Eine Aufnahme Mark 10.-. Schönstes Andenken!“
 

16. Oktober 1914

Berlin * In der „Erklärung der Hochschullehrer des Deutschen Reiches“ heißt es:  

„Unser Glaube ist, dass für die ganze Kultur Europas das Heil an dem Siege hängt, den der deutsche ‚Militarismus‘ erkämpfen wird“

20. Oktober 1914

Ypern * Die erste „Flandern-Schlacht“ beginnt bei Ypern. 

23. Oktober 1914

München * Der Konsum von Weizenprodukten wird reduziert. 

25. Oktober 1914

Konstantinopel - Berlin - Wien * Das „Osmanische Reich“ tritt an der Seite der „Mittelmächte“ in den Krieg ein. 

28. Oktober 1914

Sarajevo * In Sarajevo wird der „Attentäter“ Gavrilo Princip zu 20 Jahren „Festungshaft“ verurteilt. 

Seit November 1914

Königreich Bayern * In den kleineren Städten Bayerns entstehen erste Lebensmittel-Versorgungsschwierigkeiten.

2. November 1914

London - Berlin * England verhängt eine „Seeblockade“ gegen das Deutsche Reich. 

2. November 1914

Petersburg - Konstantinopel * Russland erklärt der Türkei den Krieg. 

4. November 1914

Tanga * In der „Schlacht bei Tanga“ [Deutsch-Ostafrika, heute: Tansania] erleidet die aus über 4.000 Inder bestehende Armee Großbritanniens eine Niederlage. 

5. November 1914

London - Konstantinopel * Großbritannien erklärt dem „Osmanischen Reich“ den Krieg. 

6. November 1914

Paris - Konstantinopel * Frankreich erklärt dem „Osmanischen Reich“ den Krieg. 

7. November 1914

Brüssel - Belgrad - Konstantinopel * Belgien und Serbien erklären der Türkei den Krieg. 

7. November 1914

Tsingtau * Die deutsche „Kolonie“ Tsingtau in China muss vor den Japanern kapitulieren. 

10. November 1914

Ypern * In der Nähe der belgischen Stadt Ypern liegen die neu aufgestellten deutschen Reservekorps, darunter viele unerfahrene junge „Kriegsfreiwillige“.  

Um halb sieben Uhr verlassen die Soldaten auf ein Signal hin ihre Gräben und bahnen sich mit aufgepflanzten Bajonetten mühsam einen Weg durch die aufgeweichten Rübenäcker, um die nächste Hügelkette zu erstürmen.  

Der Angriff ist ein „Himmelfahrtskommando“.  
Eine dilettantisch agierende Führung lässt die jungen, unerfahrenen Soldaten ohne Drahtscheren und mit zu wenig Munition gegen den Feind anstürmen.  
Dort werden sie von erfahrenen britischen Truppen mit Maschinengewehren niedergemäht. 

10. November 1914

Berlin - Langemarck - Ypern * Die „Oberste Heeresleitung - OHL“ macht aus einem verunglückten Angriff einen Mythos: „Westlich Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesange ‚Deutschland, Deutschland über alles’ gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen vor und nahmen sie“.

Dabei stimmt nicht einmal der Name der Ortschaft, denn das Dorf Langemarck liegt weiter weg, klingt aber markant und teutonisch, und auf jeden Fall besser als Bixschote oder Ypern.

Gesungen haben die Soldaten bestimmt nicht. 
Sie mussten mit ihrer 30 Kilo schweren Ausrüstung über den nassen schweren Lehmboden rennen und fühlten sich zu Recht als „Kanonenfutter“

2. Dezember 1914

Berlin * Der Sozialdemokrat Karl Liebknecht verweigert als erster und einziger Abgeordneter seine Zustimmung zu weiteren „Kriegskrediten“.

13. Dezember 1914

München * Der Münchner Magistrat wird gewählt. 

Die 20 bürgerlichen „Magistratsräte“ gehören folgenden Parteien an: „Liberale Partei“ 8, „Sozialdemokratische Partei“ 7, „Zentrum“ 5. 

Die 60 „Gemeindebevollmächtigten“ setzen sich zusammen aus: „Sozialdemokratische Partei“ 22, „Liberale Partei“ 18, „Zentrum“ 17, „Haus- und Grundbesitzer“ 3. 

„Oberbürgermeister“ bleibt Dr. Wilhelm von Borscht. „II. rechtskundiger Bürgermeister“ wird Dr. Otto Merkt. Die Wahlperiode dauert drei Jahre.

13. Dezember 1914

München * Einen Tag nach Elisabeth Wellanos 22. Geburtstag stirbt ihr Vater.

24. Dezember 1914

Westfront * Deutsche und britische Soldaten verbrüdern sich - für wenige Stunden - beim sogenannten „Weihnachtsfrieden“

31. Dezember 1914

München * Bereits mehr als 1.800 Münchner sind in dem bisher fünf Monate dauernden Krieg „gefallen“


Verwendet in Führung:

35. Revolution, Räterepublik & Weißer Terror



Erster Weltkrieg, Mobilmachung, Reservist, Besatzungsheer, Feldheer, Ersatztruppe, Soldaten, Reichsheer, Garnison