7. Dezember 1846

Eine Schmähschrift gegen den Fürsten

München * Eine „Schmähschrift“ schlägt vor:  

„Wenn Landeswappen [mit] ihren Emblemen immer den sittlichen Karakter des jeweiligen Fürsten darzustellen hätten, so müsste der bayerische Löwe bald einem gemeinen Schwein Platz machen“


1846

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Schmähschrift,

Weitere Ereignisse im Jahr 1846

1846

München-Englischer Garten - Hirschau * Das „Eisenwerk Hirschau“ von Joseph Anton von Maffei fertigt eine „200-PS-Dampfmaschine“ für die „Mechanische Fabrik Augsburg“.

1846

Rom-Vatikan * Giovanni Maria Mastai Ferreti wird zum Papst gewählt.

Er nimmt den namen Pius IX. an. Seine Regentschaft wird bis 1878 dauern und ist geprägt vom Kampf der römisch-katholischen Kirche um Macht und Einfluss im Verhältnis zu den Staaten und zur eigenen Anhängerschaft.

1846

Haidhausen - Vorstadt Au * Aus einer Beschwerde geht hervor, dass auf den Bierkellern „Feuerwerk, großartige Beleuchtung, Harmonie-Musik, Dienées u. dergl.“ stattfinden.

1846

München * Der bayerische Staat rettet die privatrechtlich organisierte „Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft“ durch die Übernahme vor dem Konkurs.

1846

Haidhausen * Den „Tafernwirtsleuten“ Johann und Maria Welsch gehört der „Lenzbauernhof“ in Haidhausen.

Er wird zum Übernachtungsbetrieb umgebaut.

Die Witwe Welsch heiratet Joseph Ellwanger. Seither heißt das Anwesen und die Wirtschaft „Zum Ellwanger“.

1846

Bogenhausen * Nachdem die Schülerzahl in Bogenhausen stark angestiegen war, kommt es zur Erweiterung der Schule.

1846

München-Maxvorstadt * Leo von Klenze erhält den endgültigen Auftrag für den Bau der „Propyläen“ am „Königsplatz“.

1846

München-Maxvorstadt * Der „Historienmaler“ Heinrich Maria Heß erwirbt das heutige Anwesen Luisenstraße 33 und baut darauf ein Wohnhaus.

1846

München-Englischer Garten - Hirschau * Die „Maffei'sche Maschinenbauanstalt“ in der „Hirschau“ beschäftigt 372 Arbeiter.  

Das ist eine für das damalige München „gewaltige“ Zahl.

26. Februar 1846

Iowa * William Frederick Cody, besser bekannt unter seinem Pseudonym „Buffalo Bill“, wird in Iowa als Sohn eines Kutschers geboren.

26. März 1846

Obergiesing * Theres Feldmüller verkauft ihr letztes Grundstück in Obergiesing und verlässt danach den Ort. 

Sie hat innerhalb von sechs Jahren in der Entwicklung des Dorfes bleibende Spuren hinterlassen.

26. März 1846

Großkarlowitz * Eduard Theodor Grützner kommt als siebtes Kind einer wenig begüterten Bauernfamilie im schlesischen Großkarlowitz zur Welt.

Schon als Hüterbub zeichnet er auf alles, was ihm in die Hände fällt.

23. Juni 1846

München * Theres Feldmüller meldet sich in München ab.

5. Oktober 1846

München * Die „Spanische Tänzerin” Lola Montez trifft im biedermeierlichen München ein.  

Die 25-jährige Künstlerin, die in ganz Europa für ihre zahlreichen Skandale und stürmischen Affären berühmt ist, steigt in Münchens „erster Adresse“ - dem Hotel „Bayerischer Hof” am Promenadeplatz - ab und bemüht sich umgehend um ein Engagement.  

Vom „Intendanten des Theaters“ wird ihr mitgeteilt, dass für ihre Tanzaufführungen das „Hof- und Nationaltheater” nicht infrage kommt, weil dafür ihr Können nicht ausreichend gut sei. 

6. Oktober 1846

Haidhausen * Robert von Langer stirbt zutiefst verbittert - im Alter von 63 Jahren - in seinem Besitztum in Haidhausen an Lungenlähmung.

Der Künstler sah sich als Maler als gescheitert an.
Robert von Langer wurde von seinen Zeitgenossen als „konservativer Zopfmaler“ verspottet und diffamiert.

Kein Wunder, dass nach seinem Tod übersehen wurde, dass das Haus eine kunsthistorische Attraktion ersten Ranges darstellte.

8. Oktober 1846

München * Die spanische Tänzerin Lola Montez hat einen Termin bei König Ludwig I.. 

Dieser fordert zur Audienz einen Bericht über das Vorleben der Tänzerin an, in dem er lesen kann: 

„Dem allerhöchste Befehle vom 6. d.M. pflichtschuldige Folge leistend berichtet der treugehorsamst Unterzeichnete Euer Koeniglichen Majestät allerdevotest, wie die spanische Tänzerin Lola Montez dadurch öffentlich Anstoß erregte, dass sie, den Mitheilungen mehrerer Zeitungen zufolge, in einem Gasthofe zu Berlin einem ihr gegenüber sitzenden Offizier, der ihr mit übergroßer Freundlichkeit zu begegnen bemüht war, ein Champagnerglas an den Kopf warf, dass sie ferner, ebenfalls Nachrichten zufolge, einem bei der Revue in Berlin sie zurechtweisenden Polizeicommisär mit der Reitgerte übers Gesicht hieb, worauf sie mit 14-tägigem Arrest bestraft wurde, und dass sie endlich in Warschau dem Publikum, das ihren Kunstleistungen den gewünschten Beifall nicht zollte, von der Bühne herab mit begleitendem Gestikulieren den hinteren Theil ihres Körpers zuwandt".

Der König will sich von der „Skandalnudel“ ein eigenes Bild machen. 

Bei dieser Audienz soll sich Lola Montez, „als der König einigen Zweifel über die Realität der ersichtlichen Wölbung ihres Busens andeutet", eine Schere genommen und sich damit „das Kleid vor der Brust aufgeschnitten“ haben. 

Der 60-jährige Bayernkönig ist augenblicklich Feuer und Flamme für die exotische Schönheit.

  • Er engagiert die als erotisches Feuerwerk bekannte Tänzerin unverzüglich und
  • erlässt eine Anweisung, dass die Tänzerin in den Zwischenaufzügen des Lustspiels „Der verschwundene Prinz" spanische Tänze in spanischer Tracht darbieten soll.
10. Oktober 1846

Neuötting * Theres Feldmüller erwirbt in Neuötting ein Gastwirtsanwesen.

10. Oktober 1846

München-Graggenau * Am 36. Hochzeitstag von König Ludwig I. und Königin Therese findet Lola Montez' erster Auftritt im „Hof- und Nationaltheater" statt.

Die angebliche Spanierin tanzt einen „Cachucca" und in der zweiten Pause - zusammen mit einem Ensemble-Tänzer - einen „Fandango" genannten Tanz.

13. Oktober 1846

München-Kreuzviertel * Die „Spanische Tänzerin“ Lola Montez zieht vom Hotel „Zum Bayerischen Hof” in den näher an der „Residenz“ gelegenen Gasthof „Zum Goldenen Hirschen“ an der Theatinergasse um. 

14. Oktober 1846

München-Graggenau * Die Solotänzerin Lola Montez tritt zum zweiten und gleichzeitig letzten Mal im Münchner „Hof- und Nationaltheater“ auf. 

Luise von Kobell schrieb über den Auftritt:
„Lola Montez stellte sich inmitten der Bühne, nicht im Trikot, mit dem üblich kurzen Ballettröckchen, sondern in spanischer Tracht, mit Seide und Spitzen angetan, da und dort schimmerte ein Diamant. 

Sie blitzte mit ihren wunderbaren Augen und verbeugte sich wie eine Grazie vor dem König, der in seiner Loge saß.
Dann tanzte sie Nationaltänze, wobei sie sich in den Hüften wiegte und bald diese, bald jene Haltung einnahm, voll unerreichter Schönheit. Solange sie tanzte, fesselte sie alle Zuschauer“.

Um den 25. Oktober 1846

München-Maxvorstadt * Schon bald nach ihren Auftritten im „Hof- und Nationaltheater“ lässt der verliebte König Ludwig I. Lola Montez für den „Saal der Schönheiten“ in der „Residenz“ malen.  

Dazu beauftragt er den „Hofmaler“ Joseph Stieler.  
Stieler malte zwei Bilder der Lola Montez.  

Die Señora Lola Montez ist eine international agierende, extravagante Persönlichkeit, die man ohne Zweifel mit heutigen Pop-Stars gleichsetzen kann.  

Wie die Film-, Sport- und Pop-Idole unseres Jahrhunderts versucht auch die Señora durch den „bewusst herbeigeführten Skandal“ im Gespräch - und damit interessant - zu bleiben.  
Und genau wie in heutigen Tagen werden die Skandale und Skandälchen interessiert vom Volk beobachtet und in allen Details besprochen. 

22. November 1846

München-Maxvorstadt * Auf einem Plakatanschlag an der Schönfeldstraße 25 ist zu Lesen:  

„Ich bin nicht irgendein gnädiges Fräulein, ich bin die Mätresse des Königs.  
Lola Montez“

Seit Dezember 1846

München-Kreuzviertel * Der bayerische „Finanzminister“ Karl Graf von Seinsheim lässt die „Tänzerin“ Lola Montez im „Gasthof zum Goldenen Hirschen“ ausspionieren.  

Er schleust dazu die Creszentia Ganser als „Haushälterin“ in den „Goldenen Hirschen“ ein.  
Ihr Auftrag ist, ein minutiöses Tagebuch über das „ausschweifende Nachtleben“ ihrer Arbeitgeberin zuführen.  

Mit ihren „schlüpfrigen Informationen“ soll genügend Beweismaterial gesammelt werden, um die „Tänzerin“ vor das Münchner „Stadtgericht“ zu zerren, um sie letztlich des Landes zu verweisen.  

Geleitet wird die gesamte Aktion vom „Polizeidirektor“ Johann Nepomuk Freiherr von Pechmann.  
Doch der Plan wandelt sich ins Gegenteil. 

1. Dezember 1846

München-Maxvorstadt * „Maria de los Dolores Miontes, genannt Lola Montes“, kauft um 16.000 Gulden vom „Steinbruchbesitzer“ Friedrich Adam Schwarz aus Solnhofen das „Palais an der Barer Straße“.  

Die „Kaufurkunde“ weist aus, dass Lola Montez von Anfang an als Eigentümerin des „Anwesens samt Hofraum, Hintergebäuden und Garten“ eingetragen ist.  

Damit scheinen die Voraussetzungen für ihre „Einbürgerung“ der „Spanischen Tänzerin“ gegeben. 

2. Dezember 1846

München * August Manostetter, der „Anwalt“ der Lola Montez, stellt beim „Magistrat der Stadt München“ den Antrag auf „Erwerbung des bayerischen Indigenates durch Naturalisation“.  

Im Bewusstsein um die Brisanz des Antrags, verschleppt der Magistrat die Angelegenheit.  

Die „Regierung von Oberbayern“ lehnt die „Einbürgerung“ ab und begründet dies unter Berufung auf das Gesetz vom 1. Juli 1834 damit, dass „Frauenspersonen [...] nicht ansässig im Sinne des Gesetzes werden, wenn sie sich nicht gleichzeitig verehelichen oder wieder verehelichen“.  
Gleichzeitig stellt man klar, dass Lola Montez weder einen Pass hat, noch sonst imstande ist, sich auszuweisen. 

6. Dezember 1846

München-Maxvorstadt * Der Kauf des „Palais an der Barer Straße“ durch Lola Montez wird ins „Grundbuchverzeichnis“ eingetragen.  

Kauf, Umbau und Ausstattung verschlingen etwa 40.000 Gulden.  
Man kann sagen, dass König Ludwig I., oder besser gesagt seinen bayerischen Untertanen, Lola Montez unterm Strich so viel gekostet hat wie die „Feldherrnhalle“

24. Dezember 1846

München * Als der König zu Weihnachten 1846 von dem „Komplott“ gegen Lola Montez erfährt [Auspioniererei durch die Creszentia Ganser], nimmt er Lola in Schutz und wendet sich gegen die selbsternannten „Sonderermittler“.  

An Freiherr von Pechmann wird daraufhin ein Exempel statuiert und dieser umgehend als „Landrichter“ nach Landshut versetzt.  

31. Dezember 1846

München * München hat 85.555 Einwohner, Bayern 4.504.876.


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