10. Juni 1849

Der „Kriegszustand“ über die Pfalz wird verhängt

München * Bevor das Militär in die Pfalz einmarschiert, macht der Bayernmonarch am 10. Juni 1849 erstmals vom Instrument der „Auflösung des Landtags“ Gebrauch und veranlasst die nötigen Neuwahlen, die eine für die Regierung günstigere Zusammensetzung der „Abgeordnetenkammer“ bewirken soll.  

Gleichzeitig wird der „Kriegszustand“ über die Pfalz verhängt. 


1849

Suchbegriffe

Landtag, Pfalz, Kriegszustand, Auflösung des Landtags, Regierung, Abgeordnetenkammer, Neuwahlen,

Personen

Max II. König

Weitere Ereignisse im Jahr 1849

1849

München * Eine „Turner-Feuerwehr“ wird gegründet.

Es ist der erste Versuch, in München ein organisiertes Löschwesen mit eingeübter Mannschaft ins Leben zu rufen.

1849

Frankfurt am Main * Im Paragraph 139 der „Paulskirchen-Verfassung“ ist die „Abschaffung der Todesstrafe“ vorgesehen.

Die anschließende „Reaktion“ führt sie jedoch wieder ein.

1849

Lehel * Die Zahl der „Seelen“ in der „Anna-Pfarrei“ liegt bei 6.897.

1849

Zwischen 1849 und 1851 entstehen viele musiktheoretischen Schriften von Richard Wagner, darunter das antisemitische Pamphlet „Das Judenthum in der Musik“.

15. Januar 1849

Kreuzviertel * Der neugewählte „Landtag“, es war der 13., tagt vom 15. Januar bis 7. März sowie vom 15. Mai bis 11. Juni 1849.  

Es war der erste und bislang letzte „Bayerische Landtag“ mit einer „linken“ Mehrheit.  
Diese Mehrheit vertritt eine andere Auffassung als die „Königliche Regierung“.  

69 Abgeordnete leisteten ihren „Verfassungseid“ nur mit dem Vorbehalt, dass sie durch diesen „an der Anerkennung der Gültigkeit der Reichsgesetze insbesondere der die Grundrechte betreffenden hiedurch nicht gehindert“ sein sollen.  

Bei der ersten öffentlichen Sitzung der „Abgeordnetenkammer“ erklärt sich „Innenminister“ Hermann von Beisler bereit, „die Gesetzgebung Bayerns mit der des deutschen Reiches in Einklang zu setzen.  
In diesem Sinne werden Ihnen bezüglich der Grundrechte die entsprechenden Vorlagen gemacht werden“

22. Januar 1849

Kreuzviertel * König Max II. eröffnet den „Landtag“ im „Landtagsgebäude“ in der Prannerstraße und kündigt eine ganze Serie von Gesetzesvorlagen an.  

Doch diese Zusammenkunft der „Abgeordneten“ steht unter einem einzigen Thema: der „Reichsverfassung“, die die „Frankfurter Nationalversammlung“ ausgearbeitet hat.  
Es entsteht ein heftiger Meinungsstreit, weil das „Frankfurter Staatsgrundgesetz“ von den konservativen Kräften als Eingriff in die Souveränität der Bundesstaaten betrachtet wird. 

4. März 1849

Wien * Die „Großmacht Österreich“ erhält eine „Verfassung“.  

Das war über vierzig Jahre nach Bayern. 

8. März 1849

Kreuzviertel * Der „Abgeordnetenkammer“ wird die Vorlage einer im Sinne der „Frankfurter Grundlage“ geänderten „Bayerischen Verfassung“ versprochen.  

Doch noch am gleichen Tag vertagt König Max II. den „Landtag“ und bildet die „Regierung“ um. 

28. März 1849

Frankfurt am Main * Die „Frankfurter Nationalversammlung“ verabschiedet ihre „Verfassung“

23. April 1849

München * Das „Königreich Bayern“ lehnt die „Reichsverfassung“ ab.  
Der „Landtag“ tagt zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.  

In der Folge kommt es zu einer breiten „Protestbewegung“, die sich in der Pfalz sogar zum „Aufstand“ auswächst.  
„Es verstand sich bei den Pfälzern von selbst, wenn der König von Bayern nicht deutsch sein wollte, die Pfalz aufhören müsse, bayerisch zu sein“

2. Mai 1849

Kaiserslautern * Die Vertreter der „demokratischen Vereine“ in der Pfalz wählen in Kaiserslautern einen „provisorischen Landesverteidigungsausschuss“, der von der bayerischen „Regierung“ die „Anerkennung der Reichsverfassung“ fordert und zur „Volksbewaffnung“ aufruft. 

3. Mai 1849

Dresden * Die Ausrufung der „Sächsischen Republik“ scheitert im „Dresdner Maiaufstand“, der vom 3. bis 9. Mai 1849 andauert und von preußischen Truppen niedergeschlagen wird. 

9. Mai 1849

Dresden * Richard Wagner wird wegen seiner Beteiligung am Dresdner „Mai-Aufstand“ in Deutschland steckbrieflich gesucht. 

Er ist beim „Aufstand“ in Dresden als „Schriftführer der Revolutionsregierung“ und als Beschaffer von [Semper'scher] „Barrikadenarchitektur“ aufgefallen.
Der „Aufstand“ wird jedoch niedergeschlagen.

Zuvor sprach Richard Wagner in einem anonymen Artikel von der „Zerstörung der bestehenden Ordnung der Dinge“ durch die „erhabene Göttin Revolution“.
Unterstützt von Franz Liszt flieht er über Weimar nach Zürich, wo er als Komponist und Musikschriftsteller arbeitet.

11. Mai 1849

Baden * Der beginnende „Badische Maiaufstand“ führt zur Flucht des Großherzogs Leopold von Baden am 13. Mai und zur Ausrufung der „Republik Baden“.  

Doch preußische Truppen rückten gegen Baden vor. 

16. Mai 1849

Kreuzviertel * Der „Landtag“ tritt wieder zusammen. 

21. Mai 1849

Kreuzviertel * Die „Kammer der Abgeordneten“ fordert mit 72 gegen 62 Stimmen die Anerkennung der „Reichsverfassung, die insbesondere von der fränkischen, schwäbischen und rheinpfälzischen Bevölkerung laut und freudig begrüßt“ wird. 

22. Mai 1849

Kreuzviertel * Die „Regierung“ verweigert den pfälzischen „Abgeordneten“ die Teilnahme am „Landtag“, woraufhin die „Linke“ geschlossen das „Parlament“ verlässt. 

26. Mai 1849

Waal bei Landsberg * Hubert Herkomer kommt in Waal bei Landsberg zur Welt.

1. Juni 1849

Kreuzviertel * Die „Regierung“ beschließt die Entsendung von Truppen in die Pfalz.  

König Max II. setzt sich mit seinem Onkel Friedrich Wilhelm IV. von Preußen in Verbindung. 

6. Juni 1849

Stuttgart * Der verbliebene Rest der „Frankfurter Nationalversammlung“ tagt in Stuttgart, wird dann aber von württembergischen Truppen aufgelöst. 

Ab dem 13. Juni 1849

Pfalz * Der „Aufstand in der Pfalz“ wird ab dem 13. Juni mit preußischer Unterstützung niedergeschlagen.  

Nach den Unruhen in Schwaben und Franken, welche die Bürger aufgeschreckt und verunsichert haben, gewinnen die gemäßigten und konservativen Kräfte wieder die Oberhand. 

24. Juni 1849

Allach * Hans Steyrer wird in Allach als Sohn der Metzger- und Wirtsleute Josef und Mathilde Steyrer geboren.

Im Gegensatz zum gallischen „Obelix“ ist der Bub aber nie in einen „Zaubertrank“ gefallen, sondern besitzt seine außergewöhnliche Kraft bereits von Kindesbeinen an.

2. Juli 1849

Brünn * Marie Therese, Erzherzogin von Österreich-Este und Prinzessin von Modena, die spätere Ehefrau von Prinzregent und König Ludwig III., wird in Brünn geboren.

14. Juli 1849

Bayern * Die für diesen Tag angesetzten „Landtagswahlen“ werden von der „Staatsregierung“ sorgfältig vorbereitet.  

Sie setzt dabei vor allem auf den Einfluss der kirchlichen Oberhirten und Pfarrer sowie auf das Engagement der(höheren) Beamtenschaft.  
Der Regierung genehme Vereine werden gefördert; nach den Wahlen jedoch alle politischen Vereine wieder verboten.  

Die „Wahlkreise“ werden erstmals von der Regierung nach wahltaktischen Gesichtspunkten gebildet.  
Eine Praxis, die die Regierung von nun an bis zur „Wahlrechtsreform“ von 1906 beibehalten wird.  

Mit den so gewonnenen neuen Mehrheitsverhältnissen kann König Max II. eine Politik der „Reaktion“ verfolgen und versuchen, die Änderungen der „Bayerischen Verfassung“ wieder rückgängig zu machen. 

15. Juli 1849

Haidhausen * Die „Gemeinde Haidhausen“ beschließt den Neubau der „Sankt-Johann-Baptist-Kirche“ am heutigen „Johannisplatz“.

19. Juli 1849

London * Lola Montez heiratet den 21-jährigen George Trafford Heald.  

Der reiche Erbe war eine der besten Partien in London.  
Die Braut Lola Montez unterschreibt die Heiratsurkunde mit „Maria de los Dolores de Landsfeld“.  
Die Ehe hält nicht lange und wird annulliert.  

Während der Ehezeit tauschen Lola und Ludwig I. weiterhin Briefe aus.  
Außerdem erhält sie finanzielle Unterstützungen aus Bayern. 

23. Juli 1849

Rastatt * Preußischen Truppen nehmen Rastatt ein.  

Damit endete zumindest symbolisch die „Deutsche Revolution 1848/49“

16. September 1849

Au * Der 77-jährige Franz Xaver Zacherl erhängt sich.

Ludwig und Heinrich Schmederer erben die „Zacherlbrauerei“.

1. Oktober 1849

Ludwigsvorstadt * Nach einer Bauzeit von 26 Monaten kann Friedrich Bürkleins „Centralbahnhof“ der Öffentlichkeit übergeben werden.

Der Architekt Friedrich Bürklein hat ein Zweckgebäude im so genannten „Rundbogenstil“ konzipiert, das Elemente der Romanik und der italienischen Renaissance verbindet.
Das der Stadt zugewandte „Empfangsgebäude“ erinnert mit seiner „Fensterrosette“ und der vorgelagerten „Arkadenhalle“ fast an die „Bonifazkirche“.
Die den Mittelbau flankierenden, zweigeschossigen Seitenbauten dienen dem Billettverkauf, der Post und als Wohnungen für Beamte.

Die „Einsteighalle“ gilt als erstes großes Bauwerk der technisch-industriellen Ära in München, deren „Kühnheit und Originalität“ weithin gerühmt wird.
Halbrundförmig, rund 110 Meter lang, 29 Meter breit und bis zu 20 Meter hoch, überspannte sie fünf Gleise. 

Doch es ist noch eine hölzerne Konstruktion, die kurz vor der dann aus Eisen erbauten „Schrannenhalle“ ausgeführt worden ist.  Eine Fußbodenheizung erwärmt die „Warte- und Restaurationsräume“ auf 17,5 bis 20 Grad Celsius.

3. Oktober 1849

Wien * Die letzten ungarischen „Revolutionäre“ kapitulieren gegenüber den Österreichern. 

30. Oktober 1849

Graggenau * Beide Münchner Gemeindekollegien stimmen der Vereinigung mit den drei östlichen Vororten zu.

1. November 1849

Graggenau * Der „königliche Postbeamte“ am Münchner „Hauptpostamt“ gibt die erste deutsche Briefmarke, den „Schwarzen Einser“, heraus.

Erst einen Tag nach der Ausgabe der ersten „Bayern-Marke“ werden die Münchner über die Neuerung im „Intelligenzblatt“ informiert.
„Die Marken“, so kann man lesen, „sind jedesmal von dem Absender auf der Adreßseite des Briefes etc. im oberen Eck links durch Befeuchten des auf denselben befindlichen Klebstoffes gut zu befestigen“.
Geregelt werden in dem „königlichen Erlaß“ auch die Gebühren, „Taxen“ genannt.

Ein Brief innerhalb Münchens kostet einen Kreuzer [„Schwarzer Einser“].
Für Briefe, die nicht weiter als zwölf Meilen [knappe 20 Kilometer] verschickt werden, muss man drei Kreuzer berappen, sonst das Doppelte.
Ein kleiner Preisvergleich: Für einen Kreuzer erhält man im Jahr 1849 ein Pfund Roggenbrot.
Ein Pfund Schweinefleisch kostete zehn Mal soviel.

Die Herstellung des Spezialpapiers bereitet solche Probleme, dass die ersten bayerischen „Briefmarken“ vier Wochen später als ursprünglich vorgesehen in die „Postämter“ kommen.
Peter Hasenay, der im Hauptberuf Geldscheine zeichnet, muss nur drei Werte entwerfen: „1 Kreuzer schwarz“, „3 Kreuzer blau“ und „6 Kreuzer braunrot“; erst im darauffolgenden Jahr kommt noch eine weitere Marke hinzu: die „9 Kreuzer grün“.

Zu dieser Zeit ist die erste Marke, der „Schwarze Einser“, schon wieder aus dem Handel gezogen.
Der Schwärze wegen, denn sie macht die Stempel unleserlich.
Die „General-Verwaltung der königl. Posten und Eisenbahnen“ gibt eine neue, weniger schwarze Einser heraus.
Von der ursprünglichen Marke werden rund 725.000 Stück verkauft.

9. November 1849

München * In einem Schreiben an seinen „Innenminister“ Theodor von Zwehl kündigt König Max II. an: „Es ist von großer Wichtigkeit, auch in Bayern das Nationalgefühl des Volkes zu heben und zu kräftigen“.

Mit diesem Programm will er die Monarchie in Bayern sichern. 
Ihm ist klar, dass fast die Hälfte seines Staatsgebiets und seiner Bevölkerung nicht das Geringste mit Bayern zu tun hatte. 
Die revolutionären Ereignisse haben gezeigt, dass besonders von Franken, das keinerlei geschichtlichen Bezug zu Bayern hatte, der stärkste Widerstand gegen die Monarchie ausging. 

Durch die Förderung von Tracht, Brauchtum und Geschichte, durch Geschichtszyklen und dynastische Feste, durch Denkmäler, Nationalhymne und den Ausgleich der Religionen sowie durch gezielte Unterstützung aller konservativen, monarchiefreundlichen Institutionen und Vereinigungen, soll die gesamtbayerische Identitätsstiftung gesteuert werden.

All diese Maßnahmen schlagen sich nicht zuletzt auch in Fragen der Architektur nieder.
Denn zum Ziel zur Förderung einer bayerisch-monarchischen Gesinnung zählen auch die Bemühungen des Bayernregenten um einen neuen Baustil, bei dem programmatisch gotische und bäuerliche Architekturformen, also letztlich „deutsche“ und „bayerische“ Elemente verschmolzen werden sollen.

Darüber hinaus verfolgt Max II. mit einem neuen, in Bayern erfundenen Baustil außenpolitische Ziele.

  • Er will damit für Bayern eine Vorrangstellung unter den deutschen Mittelstaaten erreichen und so das Land als dritte Kraft zwischen Preußen und Österreich etablieren und zumindest in der „Architektur“ und im „Städtebau“ eine führende Rolle einnehmen.
  • Daneben hätte er mit der Erfindung eines neuen Baustils auch seinen Vater, den dominierenden „Kunstkönig“, in dessen ureigenstem Gebiet übertroffen.

Verwendet in Führung:

28. Kreuzviertel



Landtag, Pfalz, Kriegszustand, Auflösung des Landtags, Regierung, Abgeordnetenkammer, Neuwahlen
Max II. König