3. Dezember 1870

Prinz Luitpold von Bayern übergibt den „Kaiserbrief“

Versailles * Prinz Luitpold von Bayern übergibt den „Kaiserbrief“ im „Hauptquartier von Versailles“ an den preußischen König Wilhelm I..  

  • Der bayerische „Märchenkönig“ Ludwig II. verhält sich also gegenüber Preußen sehr loyal, muss aber - statt belohnt zu werden - bayerische Rechte an das von Preußen geführte Reich abtreten.  
  • Nichts ist es mit der erhofften Vergrößerung des Bayernlandes,  
  • nichts mit der gewünschten „alternierenden Kaiserkrone“, derzufolge dem preußischen Kaiser einer aus dem bayerischen Herrscherhaus folgen soll.  

Ein paar „Reservatrechte“, das „Heer“, die „Post“ und die „Eisenbahn“ betreffend, bleiben den süddeutschen Verbündeten.  Ansonsten hat sie sich Bismarcks großpreußischem Staatengebilde unterzuordnen. 


1870

Suchbegriffe

Versailles, Kaiserbrief, alternierende Kaiserkrone, Heer, Post, Eisenbahn, Reservatrechte,

Personen

Ludwig II. König Wilhelm I. König von Preußen Luitpold Prinzregent

Weitere Ereignisse im Jahr 1870

1870

München * „Stadtbaurat“ Arnold Zenetti wird „Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr München“.

Ab dem Jahr 1870

Deutschland - Österreich - Schweiz * In den deutschsprachigen Ländern verzeichnet man einen enormen Anstieg des Bierkonsums, sodass sich der Pro-Kopf-Verbrauch bis zum Ersten Weltkrieg verdreifacht.

1870

Graggenau * Der Mittelbereich des „Neuen Rathauses“ wird von Bildhauern gestaltet.

Er zeigt in Standbildern die „bürgerlichen Tugenden“: Gewerbefleiß, Häuslichkeit, Wehrhaftigkeit und Mildtätigkeit.

1870

Graggenau * Die von der „Münchner Garnison“ gestellte „Hauptwache“ bezieht ihr neues „Wachlokal“ in der Erdgeschosszone des „Neuen Rathauses“.

1870

Isarvorstadt - Museumsinsel * Zusätzliche Baracken neben der „Alten Isarkaserne“ werden zur Unterbringung von französischen Kriegsgefangenen genutzt.

1870

München * Der Export Münchner Bieres liegt bei 150.903 Hektoliter.

Um 1870

Au * Mit dem Bau der Eisenbahnlinie muss sich der Magistrat gegenüber der „Eisenbahn-Gesellschaft“ verpflichten, das Gebäude des neuen „St.-Nicolai-Spitals der Unheilbaren“ am heutigen Kolumbusplatz abzubrechen.

1870

München * Der Malzverbrauch aller Münchner Brauereien liegt bei 592.618 Hektoliter.

1870

Vatican - München * Das „Erste Vatikanische Konzil“ beschäftigt sich mit der „Lehrgewalt des Papstes“, bei der die Mehrzahl der Bischöfe die „Unfehlbarkeit des Papstes“ in Glaubensfragen bejaht.

Daraufhin spalten sich - unter Führung von Ignaz Döllinger - die „Altkatholiken“ von der „römisch-katholischen Kirche“ ab, da sie die Konzilsentscheidung nicht anerkennen wollen.

1870

Vatican * Der Papst verliert seine weltlichen Machtbefugnisse über den „Vatican“.

Um 1870

Bayern * Die bayerischen „Ziegeleibarone“ holen jährlich etwa 15.000 „Saisonarbeiter“ aus der Gegend von Udine und dem Friaul ins Land, da sie - so die offizielle Begründung - als „streng katholisch“ sowie „genügsam und anspruchsvoll“ gelten.

Auch würden sie „am Montag früh stets vollständig zur Arbeit erscheinen, eine Eigenschaft, auf die man bei den einheimischen Arbeitern nicht bestimmt rechnen kann“.

Wesentlich interessanter war für die „Loambarone“ allerdings, dass die italienischen Arbeitskräfte gegenüber ihren deutschen Kollegen erheblich billiger waren und dass sie das in Italien traditionelle „Akkordanten-System“ von jeglicher sozialer Verantwortung gegenüber den „Ziegeleiarbeitern“ entband.

Die Anwerbung der „Ziegelarbeiter“, den „Fornaciai“, übernahmen die „Akkordanten“ oder „Capuzats“. Das waren Friulaner, die mit den hiesigen Verhältnissen bestens vertraut und sprachkundig waren und so als Bindeglied zwischen den „Ziegeleibesitzern“ und den „Arbeitern“ fungierten.

1870

Maxvorstadt * Der „Bildhauer“ Anton Heß, Sohn des „Historienmalers“ Heinrich Maria, baut neben seinem Vaterhaus in der Luisenstraße 17 (heute HsNr. 37) ein „Atelier“.

1870

München * Die „klassische Strecke“ des „Stadtomnibusnetzes“ geht jetzt vom „Centralbahnhof“ zur „Ludwigsbrücke“.  
Sie wird in der Zeit von 8.00 Uhr bis 20.30 Uhr im „20-Minuten-Takt“ befahren.  

Auf Drängen der Polizei müssen die Linien beschildert und nummeriert werden, bei Dunkelheit farbige Lampen die Richtung anzeigen.  

Der „Tarif“ beträgt nur mehr drei Kreuzer.  
Es gibt bunte Fahrscheine, die sogar schon mit einem Reklameaufdruck versehen sind.  

Da die Nachfrage inzwischen angestiegen ist, kann das Unternehmen auch auf einen wirtschaftlichen Erfolg hoffen.  

Das Zechmeister‘sche Streckennetz wird in der Folgezeit ständig erweitert.  
Bei „Unrentabilität“ werden Streckenabschnitte aber auch wieder eingestellt oder nur mehr zu besonderen Anlässen angefahren.  
So verkehren bestimmte „Sonderwagen“ nur während des „Oktoberfestes“ oder fahren nach „Nymphenburg“

Um 1870

München * In München entstehen - als Ableger der „Varietés“ - die ersten „Singspielhallen“.

Um 1870

München * Die „Sonntags- und Feiertagsarbeit“ nimmt ständig zu.

1870

München * 20 Jahre nach der Erfindung der großflächigen Glasscheiben beginnt das Zeitalter der „Schaufenster“

31. März 1870

Haidhausen * Der Plan für die „Straßenzüge zum Braunauer Bahnhof in der Vorstadt Haidhausen“ wird vom „Stadtbaurat“ Arnold Zenetti fertiggestellt und den zuständigen Gremien zur Genehmigung zugeleitet.

7. April 1870

Karlsruhe * Gustav Landauer wird in Karlsruhe geboren.

11. April 1870

Au * Scheinbar haben die Eheleute Johann Valentin und Johanna Maria Fey ihre in Sachsen vollzogene Eheschließung nicht bei der „Königl. Polizeidirektion München“ gemeldet, weshalb die Behörde Nachforschungen anstellt. 

11. Juni 1870

Berlin * Das erste deutsche „Reichsgesetz betreffend das Urheberrecht an Schriftwerken, Abbildungen und musikalischen Kompositionen“ wird verabschiedet.

Es hat aber bis zur Gründung der „Anstalt für musikalisches Aufteilungsrecht“ im Jahr 1902 nur wenig Bedeutung.

26. Juni 1870

Graggenau * Die „Walküre“ von Richard Wagner wird im „Hof- und Nationaltheater“ uraufgeführt.

13. Juli 1870

Berlin * Der „Preußische Kanzler“ Otto von Bismarck weis, dass die „Deutsche Einigung“ nur durch den „Druck von Außen“ vollendet werden kann.  

Diesen „Druck von Außen“ liefert ihm der französische Kaiser Napoleon III., nachdem das spanische Parlament den vakanten Thron einem Mitglied des Haus „Hohenzollern-Sigmaringen“ anbietet. 

In Frankreich kommen daraufhin „Einkreisungsängste“ hoch, die sich in der scharfen Ablehnung des spanischen Vorhabens durch Kaiser Napoleon III. niederschlagen.
Preußens König Wilhelm I. erklärt sich daraufhin öffentlich bereit, den französischen Wünschen nachzukommen und den Thron einem nichtdeutschen Kandidaten zu überlassen.

Doch das ist für die französische Öffentlichkeit zu wenig.
Sie fordert die Garantie, dass auch zukünftig die Kandidatur hohenzollerischer Prinzen ausgeschlossen wird.

Mit dieser Forderung reist der französische Botschafter Benedetti nach Bad Ems, wo sich der Preußenkönig zur Kur aufhält.

Wilhelm I. und Bismarck erkennen die isolierte Position der Franzosen, da weder England noch Russland Interesse an dem Vorgang zeigen.
Schon deshalb lehnt König Wilhelm I. die Forderung ab und informiert darüber seinen Kanzler in einer sachlich gehaltenen Depesche.

Bismarck überarbeitet den Inhalt der „Emser Depesche“ in scharfer Form und gibt den veränderten Text noch am selben Tag an die Presse weiter.

Durch den brüsken Ton der Depesche fühle sich Frankreich tief gedemütigt.
Damit geht Otto von Bismarcks Rechnung auf. 

16. Juli 1870

München - Berlin * König Ludwig II. befiehlt die „Mobilmachung“ und telegraphiert seinem Vetter, dem Preußenkönig Wilhelm I.:

„Mit Begeisterung werden Meine Truppen an der Seite ihres ruhmreichen Bundesgenossen für deutsches Recht und deutsche Ehre den Kampf aufnehmen“

18. Juli 1870

Luzern ? * Cosima von Bülow wird von ihrem Mann Hans von Bülow geschieden.

18. Juli 1870

Vatican * Die Konzilsmehrheit beschließt auf dem „Ersten Vatikanischen Konzil“ die „Unfehlbarkeit des Papstes“ in Fragen des Glaubens und des Lebens der Christen sowie seine oberste und alleinige Rechtsgewalt in der Kirche.

Ignaz von Döllinger sieht durch das „Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit“ die apostolische Tradition verraten.

Doch die Reaktion der römischen „Kurie“ folgt umgehend.
Alle Katholiken, die aus Gewissensgründen die neuen Glaubenssätze nicht annehmen und ihnen öffentlich widersprechen, werden „exkommuniziert“, also aus der „sakramentalen Gemeinschaft der Kirche“ ausgeschlossen.

19. Juli 1870

Paris * Kaiser Napoleon III. tritt die Flucht nach vorne an und erklärt - überstürzt und ohne außenpolitische Rückendeckung - Deutschland den Krieg.

„Nach Berlin!“ heißt der Schlachtruf und Marschall Leboeuf erklärt:
„Frankreich ist bereit. Die preußische Armee existiert nicht. Ich kenne sie nicht!“

Da aber Preußen der angegriffene Staat ist, ziehen - für Frankreich völlig unerwartet - die süddeutschen Länder Bayern, Baden und Württemberg als Verbündete Preußens mit in den Krieg. 

20. Juli 1870

München - Berlin * König Ludwig II. telegrafiert seinem Vetter, dem Preußenkönig Wilhelm I.:  

„Mit Begeisterung werden Meine Truppen an der Seite ihres ruhmreichen Bundesgenossen für deutsches Recht und deutsche Ehre den Kampf aufnehmen“

August 1870

Bogenhausen * Die „Gemeindeverwaltung Bogenhausen“ wendet sich an die „Lokalschulinspektion“ mit der Bitte: „Keinen ledigen Schullehrer hierher zu versetzen, der Verlockungen durch die nahe Stadt wegen“.

1. August 1870

Deutschland - Frankreich * Die Deutschen können den etwa 265.000 französischen Soldaten etwa 500.000 Mann gegenüberstellen.

Zielstrebig setzen die Deutschen die Eisenbahn zum Transport der Truppen und der Geschütze ein. 

4. August 1870

Weißenburg * Die ersten Kampfhandlungen zwischen deutschen und französischen Truppen beginnen in „Weißenburg“

6. August 1870

Spicheren - Wörth * Die „Spicheren Höhen“ bei Saarbrücken sind umkämpft.

Auch in „Wörth“ prallen die deutschen und die französischen Soldaten aufeinander. 

14. August 1870

Courcelles * Gekämpft wird im „Deutsch-französischen Krieg“ auch bei Courcelles. 

15. August 1870

Au * Durch den Tod seiner Mutter kommt Franz Xaver Schmederer gemeinsam mit seinem Onkel Ludwig in den Besitz des „Nockhergartens“ und des dort befindlichen Angers.

16. August 1870

Mars-la-Tour * Weitere kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Deutschen und den Franzosen finden in Mars-la-Tour statt. 

18. August 1870

Gravelotte * Der deutsch-französische Krieg hat „Gravelotte“ erreicht.

Die Einschließung der Festungsstadt „Metz“ steht bevor, die mit dem Kampf bei „Saint-Privat“ abgeschlossen wird. 

Ab dem 23. August 1870

Straßburg * Straßburg wird 21 Tage lang belagert und beschossen, bis sich die Stadt ergibt. 

Nach deutschen Angaben feuern 241 Geschütze 193.722 Geschosse in die Stadt.
„Leider gingen hiebei gegen 400 Häuser, darunter die berühmte Bibliothek mit wertvollen Büchern, zugrunde und wurden aus der Bürgerschaft Straßburgs 1.700 Personen teils getötet, teils verwundet“

25. August 1870

Luzern * Richard Wagner und Cosima von Bülow heiraten in Luzern.

1. September 1870

München * Joseph Anton Ritter von Maffei stirbt im Alter von 80 Jahren.

Sein Neffe Hugo Alois von Maffei führt die Firma weiter.

1. September 1870

Bazeilles * Die Kämpfe toben bei „Balan“, „Bazeilles“ und „Sedan“

Aus „Bazeilles“ meldeten französische Chronisten Übergriffe bayerischer Soldaten gegen die Zivilbevölkerung.
Ein Teil der Einwohner war bereits am Vorabend der Kämpfe geflohen.
Dem in „Bazeilles“ gebliebenen Teil der Bevölkerung wird die Beteiligung an Schießereien gegen die Bayern vorgeworfen.

Es wird zwar keiner der Zivilisten mit Waffen angetroffen, dennoch ermorden bayerische Soldaten noch am 1. September 40 Frauen und Männer aus dem Ort, weitere 150 in den folgenden Tagen.
Zudem werden 363 Häuser in „Bazeilles“ niedergebrannt. 

2. September 1870

Sedan * Nach der verlorenen „Schlacht von Sedan“ begibt sich der französische Kaiser Napoleon III. in preußische Gefangenschaft. 

4. September 1870

Paris * Die „Französische Republik“ wird ausgerufen, die den Krieg gegen die Deutschen fortsetzt.

Die französischen „Volksheere“ können zunächst die deutschen Angriffe zurückdrängen, zu keiner Zeit aber den deutschen Sieg ernsthaft gefährden. 

15. September 1870

Au * Karl Valentins älteste Schwester Elisabeth wird geboren.

Sie stirbt kurz nach der Geburt.

ab 19. September 1870

Paris * Paris wird bis zum 28. Januar 1871 belagert. 

30. September 1870

Schloss Linderhof * König Ludwig II. beauftragt einen Anbau an das „Königshäuschen“ im Graswangtal. 

Das ist der Beginn der Planungen für „Schloss Linderhof“

Oktober 1870

Theresienwiese * Der „Deutsch-Französische Krieg“ zwingt zur Absage des „Oktoberfestes“.

Um Oktober 1870

Frankreich * Als „Rekrut“ zieht der Steyrer Hans in den „deutsch-französischen Krieg“.

Dort findet er neue Übungsgegenstände, wie ausrangierte Zugräder und Kanonenrohre. Angesichts des kargen Solds entschließt er sich, alle Kraft aufs Geldverdienen zu verwenden.

Der „bayerische Herkules“ ist fest entschlossen, seine „Kunst“ jetzt auch öffentlich zu zeigen.

11. Oktober 1870

Orleans * „Orleans“ wird von deutschen Truppenverbänden eingenommen und später wieder aufgegeben. 

Ab dem 3. November 1870

Belfort * „Belfort“ ist eingeschlossen und erhält während der Belagerung mehr als 500.000 Artillerietreffer. 

19. November 1870

München * Der Bismarck‘sche Presseagent Moritz Busch schreibt nach Berlin:  

„Aus München meldet man, dass sich Prinz Ottos Gesundheitszustand fortwährend verschlimmert, dass man infolgedessen an seiner Sukzessionsfähigkeit zweifelt, und dass deshalb der König Ludwig sich der Familie Luitpold wieder nähert und ihr schon zweimal abends Besuche gemacht hat, was sonst nicht seine Gewohnheit ist“

19. November 1870

München * Der „Preußische Gesandte“ Georg Freiherr von Werthern informiert den preußischen „Kanzler“ Otto von Bismarck über die Geldprobleme Ludwigs II.:  

„Der König von Bayern ist durch Bauten und Theater in große Geldverlegenheiten geraten.  
Sechs Millionen würden ihm sehr angenehm sein, vorausgesetzt, dass die Minister es nicht erfahren.  
Für diese Summe würde er sich auch zur Kaiser-Proclamation und Reise nach Versailles entschließen.  
Zweck der Reise des Grafen Holnstein ist mit Ew. Excellenz hierüber zu sprechen, doch bitte ich gehorsamst, dem Grafen diese Mitteilung zu verschweigen“

23. November 1870

München - Berlin * In den sogenannten „Novemberverträgen“ kann sich das Königreich Bayern mehrere „Reservatrechte“ sichern.  

Sie betreffen vor allem

  • das „Militär“,
  • die „Eisenbahn“,
  • das „Post- und Telegrafenwesen“,
  • die „Branntwein- und Biersteuer“ sowie
  • die „allgemeine Staatsverwaltung“.  

Die „Reservatrechte“ sind von der Aufsicht und Gesetzgebung des „Deutschen Reichs“ befreit.  
Eisenbahn, Post und Biersteuer stellen wichtige Einnahmequellen dar.  

Das „Bayerische Heer“ bildet - in Friedenszeiten - einen geschlossenen Bestandteil innerhalb der Streitkräfte des Deutschen Reichs.  
Es steht mit eigener Verwaltung unter der Hoheit des bayerischen Königs.  

Doch mit dem Beginn der „Mobilmachung“ - und damit dem Eintritt des Kriegsfalles - untersteht das bayerische Militär direkt dem Kaiser. 

28. November 1870

München * Als König Ludwig II. als Regent des zweitgrößten Königreichs dem preußischen König Wilhelm I. die „Kaiserkrone“ antragen soll, fleht ihn Prinz Otto an:  

„Höre noch einmal meine Stimme; ich beschwöre Dich, das Schreckliche nicht zu tun!  
Wie kann es denn für einen Herrn und König eine zwingende Gewalt geben, seine Selbstständigkeit dahinzugeben und außer Gott noch einen Höheren über sich anerkennen zu müssen! [...]  
Mögen wir auch für den jetzigen Augenblick Vorteile und Zugeständnisse erlangen, die vielleicht von großem Umfang sind, so wiegen Sie doch gewiss nicht den hundertsten Teil von jenem Nachteil auf, den wir durch Dahingebung der Selbstständigkeit erleiden“
.  

Ganz schön weitblickend! 

30. November 1870

München * Bayernkönig Ludwig II. schreibt den sogenannten „Kaiserbrief“ an König Wilhelm I. von Preußen.

Darin regt er die „Wiederherstellung der deutschen Kaiserwürde“ und eines „Deutschen Reiches“ an.
Im Namen aller Bundesfürsten trägt er dem Preußenkönig die „Kaiserkrone“, die höchste deutsche Würde, an.  

„Oberststallmeister“ Max Graf von Holnstein hat gemeinsam mit Bismarck den Brief entworfen, den der mit Zahnschmerzen im Bett liegende Bayernkönig nur ab- und unterschreiben muss.  
Noch am selben Tag reist Graf Holnstein nach Frankreich und überreicht dort den entscheidenden Brief an Prinz Luitpold.  

Für diesen bayerischen „Ausverkauf“ wird König Ludwig II. allerdings persönlich mit rund fünf Millionen Mark aus Bismarcks „Welfenfond“ entschädigt. Jedenfalls wird dem König lange Zeit unterstellt, dass der „Kaiserbrief“ der noble Preis für diese „Rentenzahlung“ gewesen ist.  

Max Graf von Holnstein, der Überbringer des Geldes und Mitbegründer der „Bayerischen Vereinsbank“, ist mit zehn Prozent an diesem Deal beteiligt. 

Um Dezember 1870

Maxvorstadt * Franz Lenbach bezieht drei Räume im ersten Stock des neuen „Ateliergebäudes“, das sich der „Bildhauer“ Anton Heß in der Luisenstraße 17 (heute HsNr. 37) hat erbauen lassen.

4. Dezember 1870

Orleans * Die Stadt „Orleans“ gelangt erneut in deutsche Hand.

In den belagerten und beschossenen Städten leiden die Menschen nicht nur unter den direkten Kriegseinwirkungen, sondern auch unter Hunger und Krankheiten. 

5. Dezember 1870

Tivoli * Weil im Gebäude der „Ludwigs-Walzmühle am Tivoli“ inzwischen weder Tische noch Stühle vorhanden sind, findet die „Generalversammlung der Königlich bayerischen Ludwigs-Walzmühl-Gesellschaft“ im Nebenzimmer des Gasthauses „Zum Tivoli“ statt.

Diese beschließt die Auflösung der Gesellschaft.

8. Dezember 1870

Vatican * Josef, der „Nährvater Jesu“, wird von Papst Pius IX. zum Patron der katholischen Kirche ernannt.

19. Dezember 1870

Berlin * Nach König Ludwigs II. „Kaiserbrief“ vom 30. November 1870 reagiert „Kanzler“ Otto von Bismarck und leitet eine „Verfassungsänderung“ in die Wege, durch welche die Bezeichnung „Deutscher Bund“ in „Deutsches Reich“ und „Deutscher Kaiser“ eingeführt wird. 

Dies geschieht auch im Einvernehmen mit der bayerischen Regierung.
Spätestens jetzt ist es mit der „Souveränität Bayerns“ vorbei. 

Ab 27. Dezember 1870

Paris * Paris wird mit Granaten beschossen. 

30. Dezember 1870

München * Zur Annahme der „Versailler Verträge“ vom 23. November 1870 und dem damit verbundenen „Reichsbeitritt“ ist im „Bayerischen Landtag“ eine verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit notwendig.  

Diese Verträge regeln die Modalitäten, unter denen die süddeutschen Staaten dem „Deutschen Kaiserreich“ beitreten sollen.  
Dabei ist zu entscheiden, ob das „Königreich Bayern“ selbstständig bleiben oder ein Teil des „Deutschen Reiches“ werden soll.  

Die „Kammer der Reichsräte“, der Vertretung des Hochadels, der Hochfinanz und der hohen Geistlichkeit, hat den Verträgen, die am 1. Januar 1871 in Kraft treten sollen, bereits am 30. Dezember 1870 mit großer Mehrheit zugestimmt.  

Um die „Souveränität des bayerischen Volkes“ preiszugeben, haben die erklärten „Sachwalter bayerischer Interessen“ genau einen Vormittag gebraucht. 


Verwendet in Führung:




Versailles, Kaiserbrief, alternierende Kaiserkrone, Heer, Post, Eisenbahn, Reservatrechte
Ludwig II. König, Wilhelm I. König von Preußen, Luitpold Prinzregent