Fakten - Münchner Zeitensprünge

1140

3. Mai 1140

Freising * Der „Stauferkönig“ Konrad III. verleiht dem Freisinger Bischof in einer Urkunde das Privileg, wonach  

  • im gesamten Bistum die „Münzstätten“ bischöflich sein müssen,  
  • der Stadt Freising ein „vollberechtigter Fernhandelsmarkt“ für Salz und andere Großgüter gewährt wird und  
  • gleichzeitig die Errichtung weiterer „Fernhandelsmärkte“ im Bistum ohne königliche Legitimation ausdrücklich verboten wird.  

Bischof Otto I. von Freising, aus dem Geschlecht der Babenberger, will den Raum seines „Bistums“ alleine seinen Interessen unterordnen.  
Die monopolistische Politik des „Kirchenfürsten“ richtet sich zunächst gegen den amtierenden Herzog, das war Ottos eigener Bruder Leopold IV., aber auch gegen alle künftig regierenden Herzöge.  

In der Folge verlegt der Kirchenfürst das „Freisinger Marktrecht“ kurzerhand an das wesentlich verkehrsgünstiger gelegene Föhring.  
Damit maßt er sich ein ihm nicht zustehendes „königliches Privileg“ an.  

Dieser Flussübergang stellt jedoch für den geschäftstüchtigen „Freisinger Bischof“ eine sichere, lukrative, aber auch kostengünstige Einnahmequelle dar, da die zum Salz- und Warentransport benutzten „Saumpferde“ zuvor lange Zeit auf den herzoglichen Straßen unterwegs sind, um nur kurz vor der Isarbrücke auf „Freisinger Gebiet“ zu wechseln und es danach ebenso schnell wieder zu verlassen.  
Dazwischen kassieren die „bischöflichen Zöllner“.  

Außerdem lässt Bischof Otto I. hier eine „Salzniederlage“ und „Zollstätte“ errichten, mit der er sich den ganzen „Handel mit Salz“ zinsbar macht, und das, obwohl es für Föhring gar keine „Marktverleihungsurkunde“ gibt.  

Der Markt in Föhring beruht nur auf dem „Herkommen“, also auf einem „Gewohnheitsrecht“


1156

8. September 1156

Konstanz * Der 26-jährige „Welfenherzog“ Herzog Heinrich XII. „der Löwe“ erhält von seinem Cousin Kaiser Friedrich I. Barbarossa das „Herzogtum Baiern“ übertragen.  

Der Herzog verfügt damit aber nicht über ein in sich geschlossenes Areal, sondern muss auf seinem „Herrschaftsgebiet“ unter anderem eine „bischöfliche Enklave“ tolerieren, zu der neben dem „Freisinger Dombezirk“ auch die „Brücke in Föhring“ gehört.  

Zwei wichtige ehemalige „Römerstraßen“ durchziehen das „Herzogtum Baiern“ von Ost nach West, um sich bei Augsburg zu vereinen:  

  • Die von Salzburg kommende Straße überschreitet die Isar bei Grünwald, wobei der beschwerliche Übergang bereits gegen Ende des ersten Jahrtausends aufgegeben worden ist.  
  • Der andere, der von Wien über Wels kommende Verkehrsweg, überquert die Isar bei Föhring und zieht dadurch den gesamten „Fernhandelsverkehr“ auf sich.  
    Dieser Isarübergang liegt also auf dem Gebiet des „Freisinger Bischofs“ Otto I., dem Onkel Kaiser Friedrich Barbarossas. 

1157

Um 1157

München - Haidhausen * Im Jahr 1157 - zuvor und danach war Herzog Heinrich XII. „der Löwe“ nicht in Baiern - wird die „Salzstraße“ nach „Munichen“ umgeleitet.  

Die „Salzstraße“ muss man sich als „Trampelpfad“ vorstellen, denn der Lastentransport erfolgt noch nicht mit Fuhrwerken oder Karren, sondern mit „Saumpferden“.  

Sie führt noch nicht über den „Gasteig“ (= gacher Steig = steiler Weg) hinunter zur Isar, sondern nutzt eine „Fuhrt“ etwa auf der Höhe der heutigen „Maximiliansbrücke“.  

Dass der Welfenherzog ein elementares Interesse an der Aufhebung des unrechtmäßig in Föhring eingerichteten bischöflichen „Fernhandelsmarktes“ hat, ist naheliegend, da er der größte Nutznießer dieser Entscheidung ist.  
Und der Freisinger Bischof will nach den Erfahrungen von Worms retten, was noch zu retten ist.  
Schon deshalb ziehen die beiden Kontrahenten gemeinsam mit dieser Angelegenheit vor den Kaiser. 


1158

14. Juni 1158

Augsburg - München * Ein vergilbtes Stück Pergament im Format 34 mal 44 Zentimeter gilt als Geburtsschein der bayerischen Landeshauptstadt. Die von Kaiser Friedrich Barbarossa auf dem Reichstag in Augsburg unterzeichnete Urkunde geht als „Augsburger Schied“ in die Geschichte ein. Dieses Kaiserdiplom wird als „conventio“, also Übereinkunft, bezeichnet.  

  • „Mit Zustimmung und Willen der beiden streitenden Parteien“ wird darin vereinbart:  
  • Der Markt, der bisher zu Föhring abgehalten wurde, die Zollbrücke und die Münze, werden dort künftig nicht mehr bestehen.  
  • Als Ersatz hat unser Vetter Herzog Heinrich der Kirche von Freising ein Drittel des Gesamteinkommens aus seinem Marktzoll zu München übertragen, sei es aus Abgaben für Salz, sei es für andere dort ein- und ausgehende Groß- und Kleinstückwaren.  
  • Was den Zöllner betrifft, so soll nach Gutdünken jeder von Euch seinen eigenen haben oder, wenn das für gut erscheint, beide zusammen einen, der jedem von Euch verantwortlich sein soll.  
  • Mit der Münze soll es ähnlich gehalten werden, indem ein Drittel der Einkünfte der Bischof erhält, zwei Drittel aber für den Gebrauch des Herzogs bestimmt sind.  
  • Eine Münzstätte soll nach Gutdünken des Herzogs errichtet werden.  
  • Endlich soll eine Freisinger Münzstätte auch der Bischof errichten dürfen, wenn er will. Von deren Einkünften soll der Herzog nur ein Drittel erhalten und er soll diesen Anteil, er sei groß oder klein, nach dem Wunsch des Bischofs als Lehen weitergeben, wie er es auch bereits getan hat.  

Von einem „Unrecht“ oder gar einer „Freveltat“ des Welfenherzogs findet sich in dieser kaiserlichen Urkunde kein Wort. Als Zeugen für die Richtigkeit des Rechtsspruchs werden vier hohe geistliche Würdenträger und vier weltliche Herrscher benannt. 

Doch auch wenn die Kaiserurkunde den Charakter einer gütlichen Einigung in sich trägt, so ist sie in ihrem Kern doch ein regalienrechtlicher Spruch des Kaisers. Mit diesem Kompromiss kann Kaiser Friedrich I. Barbarossa einen Interessenausgleich zwischen dem Bischof von Freising und dem baierischen Herzog erzielen und damit beide zufrieden stellen. 

22. September 1158

Freising - Citeaux * Der Freisinger Fürstbischof Otto I. stirbt - im Alter von 46 Jahren - auf einer Reise zum Generalkapitel in Citeaux im Zisterzienserkloster Morimund.  

Sein Nachfolger auf dem Bischofsstuhl wird Albert I. von Harthausen. 

Nach dem 11. November 1158

Roncaglia * Zwischen dem 11. und 26. November 1158 findet in Roncaglia ein „Reichstag“ statt.

Dabei erlässt Kaiser Friedrich Barbarossa ein Gesetz, das jede nicht genehmigte Erhebung von Abgaben untersagt.  

Darunter fällt freilich auch die unrechtmäßige „Verlegung des Marktrechts“ von Freising nach Föhring durch - den inzwischen verstorbenen - Bischof Otto I..  

Auffällig ist dabei die Nähe dieses Gesetzes und der Wormser Urkunde vom 6. April 1156 zum „Föhringer Konflikt“


1176

Um den 1. Februar 1176

Chiavenna * Es kommt zum Bruch zwischen Friedrich Barbarossa und Heinrich „dem Löwen“, nachdem der Herzog in Chiavenna am Comer See dem Kaiser die militärische Unterstützung für dessen kriegerischen Auseinandersetzungen in der Lombardei versagt.  

Denn als Gegenleistung verlangt Herzog Heinrich „der Löwe“ die Kaiserpfalz Goslar und deren reichen Silberminen.
Eine Forderung, die der Kaiser strikt ablehnt.  

Es kommt angeblich zum Kniefall des Kaisers vor dem mächtigen und uneinsichtigen Herzog - und damit kommt es unausweichlich zum Konflikt.  

Nun beginnt der Stern des „Löwen“ zu sinken, denn ein kaiserlicher Kniefall gehört zum Zeremoniell der „staatlichen Ordnung“ und gilt zugleich als ein Verfassungselement.   

Da sich aber der Welfenherzog auch durch diese kaiserliche Geste nicht erweichen lässt, verletzt er die „Regeln“, was ihm als Überheblichkeit, Hochmut und Verachtung gegenüber dem Reich und dem Kaiser ausgelegt wird. 

Um den März 1176

München * Im Februar und März 1176 hält sich Herzog Heinrich „der Löwe“ zum letzten Mal seinem baierischen Herzogtum auf.  

Denn je rasanter es mit Münchens Wirtschaft aufwärts geht, desto steiler vollzieht sich der Abstieg des „Welfenherzogs“.  
Der Grund liegt in der Verweigerung Heinrichs des Löwen an, den Kaiser in seinen kriegerischen Auseinandersetzungen in der Lombardei zu unterstützen. 

29. Mai 1176

Legano * In der Schlacht bei Legano nordwestlich von Mailand werden die kaiserlichen Truppen Friedrich Barbarossas vom lombardischen Fußvolk besiegt. Damit ist Kaiser Friedrich Barbarossas Italienpolitik gescheitert, weshalb er stattliche Besitzungen abgeben muss. 


1177

24. Juli 1177

Venedig * In Venedig kommt es zu einem Verständigungsfrieden zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa mit Papst Alexander III.. 


1178

Um April 1178

Sachsen * Der „Kölner Fürstbischof“ Philipp überfällt mit einem gewaltigen Heer die Stammlande Herzog Heinrichs „des Löwen“.  

Da der Herzog zu dieser Zeit gerade einen Kriegszug gegen die „Slawenfürsten“ unternimmt, kommen für ihn und seine Untertanen die Überfälle und Plünderungszüge des „Kölner Fürstbischofs“ völlig überraschend.

11. November 1178

Speyer * Herzog Heinrich XII. der Löwe erhebt auf dem „Hoftag zu Speyer“ Klage gegen den „Fürstbischof“ Philipp von Köln und andere Fürsten, weil diese ihm „Unrecht“ zugefügt haben.

Der ebenfalls anwesende Kölner Bischof hat zwar mit seiner „Gegenklage“ einen schwachen Stand, doch Kaiser Friedrich Barbarossa greift nicht Herzog Heinrichs, sondern die Klage seiner Gegner auf und setzt zur Behandlung dieser Angelegenheit einen „Hoftag in Worms“ an. 


1179

13. Januar 1179

Worms * Auf dem Hoftag zu Worms wird der eigentliche Ankläger Herzog Heinrich als Angeklagter vorgeladen. Er ist sich über die gegen ihn eingeleitete Aktion im Klaren und glaubt nicht mehr daran, sein Recht zu erlangen. Die Verweigerung von Chiavenna hat ihn in die Isolierung geführt. Aus den verschiedensten und zum Teil weit zurückliegenden Gründen haben sich der Kaiser, der Kölner Erzbischof sowie viele sächsische Bischöfe und Adelige gegen den Löwen verbündet.

Der Gerichtstag bringt ihnen den ersten Erfolg: Da sich Heinrich weigert zu erscheinen, macht er sich, da er „die Majestät verachtete“, der Rechtsverweigerung, der contumancia, schuldig.

Kaiser Friedrich I. Barbarossa kommt das Nichterscheinen des Herzogs gerade recht, da er sich auf diesem Wormser Hoftag die schwäbischen Welfenbesitzungen, die er nur wenige Wochen zuvor trotz des Erbvertrags zwischen Welf VI. und Heinrich dem Löwen gekauft hatte, formell übertragen lässt. 

24. Juni 1179

Magdeburg * Da der Welfenherzog Heinrich der Löwe auf dem Hoftag in Magdeburg - trotz Ladung - wieder nicht erscheint, verfällt er der Ächtung, die nach Ablauf von einem Jahr das Verfahren mit der Oberacht abschließt.

Mit dem Aussprechen der Oberacht würde der Herzog alle Besitzungen und Lehen verlieren. Würde er sich aber „unterwerfen“, dann wäre der Kaiser berechtigt, ihn wieder in seine Gnade aufzunehmen und teilweise oder vollständig von Neuem in seine Güter und Rechte einzusetzen. Herzog Heinrich hat also ein Jahr Zeit, sein „Unrecht“ wieder gutzumachen. 

Juli 1179

Köln * Unter der Führung des „Fürstbischofs“ Philipp von Köln überlagert die Mehrzahl der Fürsten und Bischöfe das kaiserliche „volksrechtliche Verfahren“ mit einem Zweiten nach der strengen „lehnsrechtlichen Prozessordnung“.

Es geht ihnen dabei nicht um die Beschleunigung der Angelegenheit, sondern darum, dass der Kaiser das Urteil nicht mehr abmildern und die dem Löwen entzogenen Lehen und Ämter am Ende doch wieder an ihn zurückgeben kann.  

Gerade Erzbischof Philipp von Köln geht es um diese Rechtssicherheit.  
Der von der Kölner Kirche beherrschte westfälische Teil des „Herzogtums Sachsen“ soll nicht wieder gefährdet sein und vor allem vor einer etwaigen Rückgabe an den Herzog geschützt werden.  
Deshalb verwundert es nicht, dass es erneut der „Kölner Fürstbischof“ war, der das Verfahren nicht nur konsequent fordert, sondern es auch in Gang bringt.

17. August 1179

Kayna * Nach der strengen „lehnrechtlichen Prozessordnung“ wird Herzog Heinrich „der Löwe“ im Abstand von jeweils sechs Wochen dreimal geladen. 

Erstmals am 17. August 1179 auf den „Hoftag in Kayna“, letztmals zum 13. Januar 1180 auf den „Hoftag in Würzburg“.  

Herzog Heinrich der Löwe erscheint auf keinem „Hoftag“


1180

Um 1180

München * Die erste Isarbrücke entsteht.  

Der Verlauf der „Salzstraße“ findet sich heute in der „Einstein-“ und in der Fortsetzung in der „Inneren-Wiener-Straße“ wieder.  
Beim später entstandenen „Leprosenhaus“ führt sie über den Streckenabschnitt „Am Gasteig“ (= gacher Steig = steiler Weg) mit einem starken Gefälle hinunter zur Isar, die durch mehrere Inseln in viele Flussläufe geteilt ist. 

13. Januar 1180

Würzburg * Auf dem Hoftag zu Würzburg fällen die Fürsten wegen „Nichterscheinen des Beklagten“ ihr Urteil: Herzog Heinrich werden - noch vor dem Aussprechen der Oberacht - alle Reichslehen abgesprochen und Kaiser Friedrich Barbarossa zur Neuverteilung übertragen. Dieses Urteil kann der Kaiser weder abmildern noch darauf in anderer Form einwirken.   

Verfahrenstechnisch entscheidend für den Kölner Erzbischof Philipp ist die Vollstreckung des lehnrechtlichen Urteils noch vor der Verkündigung der volksrechtlichen Oberacht

13. April 1180

Köln * „Fürstbischof“ Philipp von Köln hat sein Ziel erreicht:
Er erhält den gewünschten westlichen Teil des „Herzogtums Sachsen“ übertragen.  

Sein Verbündeter, „Bernhard aus dem Haus der Askanier“, erhält den östlichen Teil.

Um den 28. Juni 1180

Regensburg * Kaiser Friedrich Barbarossa verhängt auf dem Reichstag zu Regensburg über den Welfenherzog Heinrich XII. dem Löwen die „Oberacht“. Erstmals wird auch über die Neuvergabe des Herzogtums Baiern beraten.

13. Juli 1180

Regensburg * Auf dem Reichstag zu Regensburg widerruft Kaiser Friedrich Barbarossa die Belehnung des Herzogtums Baiern an Herzog Heinrich dem Löwen. Das Regensburger Urteil, der zweiten für die Gründung Münchens wichtigen Kaiserurkunde, wird vom selben Fürstengremium getroffen, das den Herzog zuvor abgesetzt hat und steht damit natürlich in einem engen Zusammenhang mit der Entmachtung Heinrichs des Löwen.  

Erstmals ist darin von der Zerstörung der Brücke und der gewaltsamen Verlegung des Marktes von Föhring die Rede. Die Regensburger Kaiserurkunde bezieht sich allerdings mit keinem Wort auf den Augsburger Schied vom 14. Juni 1158. Dafür heißt es:  „Es mögen daher in Gegenwart und Zukunft alle Getreuen des Reiches wissen, dass unser geliebter Albert, Bischof von Freising, vor unserer Majestät erschienen ist und untertänig vor uns Klage geführt hat, dass der Edelmann Heinrich von Braunschweig, vormals Herzog von Baiern und Sachsen, den Markt mit der Brücke in Föhring, den seine Kirche seit uralten Zeiten ungestört in Besitz gehabt hatte, zerstört und ihn gewaltsam in den Ort München verlegt habe“.  

Die Darstellung ist knapp und sehr ungenau. Welchen Markt und welche Brücke sollte denn der Löwe zerstört haben? Lautete der erste Punkt des „Augsburger Schieds“ vom 14. Juni 1158 doch: „Der Markt, der bisher zu Föhring abgehalten wurde, die Zollbrücke und die Münze, werden dort künftig nicht mehr bestehen“.  

Für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Stadt enthält der vierte Absatz des Kaiserdiploms eine regalrechtliche Regelung. Demnach wird dem Freisinger Bischof der Markt und die Zollbrücke übertragen. Wie künftig die Einkünfte der Münze aufgeteilt werden, darüber trifft die Urkunde jedoch keine Aussage.  

Um diesen Sachverhalt und die Berechtigung der Klage zu untermauern und eine spätere eventuelle Zurücknahme der Entscheidung zu verhindern, bietet der Freisinger Bischof eine Reihe von hochrangigen Würdenträgern als Zeugen auf.

Damit ist die Rechnung des Klage führenden Bischofs von Freising aufgegangen, indem er sich an das knapp einen Monat zuvor abgeschlossene landrechtliche Verfahren angehängt und gewonnen hat. Er hat in dieser Verfahrensweise die Gelegenheit gesehen, über eine Verurteilung des Welfenherzogs als Friedens- und Rechtsbrecher einen Gewinn für die eigene Kirche herauszuholen. Die Münchner Stadtherrschaft der Freisinger Bischöfe wird bis zum Jahr 1240 andauern. 

16. September 1180

Altenburg * Auf dem Hoftag zu Altenburg wird die Steiermark vom Herrschaftsgebiet Baiern abgetrennt.  

Das restliche Kern-Baiern erhält der Wittelsbacher Herzog Otto I. zum Lehen.

Ab 16. September 1180

München * Die Wittelsbacher führen den Adler als Symbol des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation in ihrer Funktion als baierische Pfalzgrafen und als Münchner Gerichtsherren in ihrem Wappen. 


1181

11. November 1181

Erfurt * Herzog Heinrich der Löwe muss sich auf dem „Hoftag zu Erfurt“ den Kaiser zu Füßen werfen und um Gnade bitten.  

Mit dieser Geste ist die Entmachtung des einst einflussreichen Herzogs vollstreckt.  

Der Kaiser ist durch das „lehnsrechtliche Urteil“ ohne jede Handlungsmöglichkeit.  
Nur noch die Rückgabe des Eigenbesitzes gesteht man dem Ex-Herzog Heinrich „dem Löwen“ unter der Voraussetzung zu, dass dieser sich zu einem Exil am Königshof in London - bei seinem Schwiegervater - bereit erklärt.  

Die deutschen Fürsten meinen, er soll künftig nicht mehr ihrem „Stand“ angehören. 


1207

1207

München * Das „Cartular“ des „Klosters Ebersberg“ bezeichnet München als „civitas“.  

Das ist die erste Nennung Münchens als „Bürgergemeinde“ = Stadt. 


1221

1221

Kloster Schäftlarn - München * In den „Annalen des Klosters Schäftlarn“ wird München erneut als „civitas“ (= Stadt) bezeichnet.


1240

1240

München * Die Wittelsbacher verdrängen den Freisinger Bischof aus München.  

Die Zeit, in der die Freisinger Bischöfe in München regieren, liegt ebenso im Düsteren wie die Zeit vor Herzog Heinrich dem Löwen.  
Das liegt daran, dass es schon bald zu Streitigkeiten mit dem neuen baierischen Herzogshaus der Wittelsbacher kommt, die sogar in kriegerische Auseinandersetzungen münden.  

Am Ende des weit über fünfzig Jahre andauernden Konflikts, einigen sich die Kontrahenten auf die Vernichtung aller streitbezogenen Dokumente.  
Dieser Maßnahme fallen viele wichtige Informationen zum Opfer.

Der Bischof muss seine „Münchner Rechte“ gegen eine jährliche Entschädigung an den Herzog abtreten.  
Diese Gebühr wird bis 1802 bezahlt. 


1271

24. November 1271

München * Auf Bitten der Bürgerschaft Münchens teilt Bischof Konrad II. die „Peterspfarrei“. 

Der Grund: Weil 

  • „durch die Gnade Gottes so ins Unermessliche gewachsen ist, dass sie ohne Gefahr für das Heil der Seelen von einem einzigen Hirten nur noch schwer geleistet werden kann,
  • da überdies der Friedhof der Kirche in seiner beengten Lage auch nicht mehr ausreicht für die Gräber der Toten“.

1273

29. April 1273

München * Papst Gregor X. bestätigt die Gründung

  • der Frauen-Pfarrei gleichzeitig mit
  • Münchens dritter Pfarrei, der Heiliggeist-Pfarrei, die allerdings nur das Heilig-Geist-Spital umfasst.

1315

1315

München-Graggenau - Mümchen-Angerviertel * Die „Freiung“ des Münchner Marktplatzes wird von König Ludwig „dem Baiern“ verbrieft. 

Damit kann nicht nur die zunehmende Verengung des Areals gestoppt werden.
Die „Freiung“ stellt vielmehr die Übertragung des Nutzeigentums der Immobilie Marktplatz auf die Kommune dar.


1343

1343

München-Graggenau * Der „Bürgerbrunnen“, der spätere „Fischbrunnen“, wird erstmals genannt.

In dieser Bezeichnung kommt seine zentrale Bedeutung für die ganze Bürgerschaft zum Ausdruck.


1378

1378

München-Graggenau * Der „Bürgerbrunnen“ heißt jetzt „Marktbrunnen“

Er steht vor dem Haus des Hans Impler, an der Stelle des heutigen „Fischbrunnens“.


1415

1415

München-Graggenau * Der „Weinschenk“ und „Salzsender“ Jakob Klewber besitzt in der Wein- und Landschaftsstraße ein Haus.

An seiner Stelle befindet sich heute am „Neuen Rathaus“ das „Kloiber-Eck“ mit der plastischen Darstellung eines Holzhackers („kloiben“ = Holz hacken).


1422

1422

Au * Eine „Wasserstube am Gasteigberg“ wird erstmals genannt.


1429

25. Juni 1429

Haidhausen * Im Interesse seiner eigenen Bauvorhaben, aber auch, um für den privaten Hausbau die Kosten zu senken, betreibt die Stadt München ihren ersten städtischen Ziegelofen in Haidhausen.


1445

6. März 1445

München * Baiernherzog Albrecht III. gibt den Befehl, wonach den Münchner Bürgern zwei Jahre lang Arbeiter aus dem Umland zur Hilfeleistung für die „Schanzarbeiten“ geschickt werden sollen. 

Die „armen Leute aus Oberbaiern“ erhalten „genügend Brot und einen Zehrpfennig“. 

In Haidhausen und in der Au finden sie eine neue Heimat.


1460

1460

München-Graggenau * Nach einem Blitzschlag in den Rathausturm und dem anschließenden Brand ist der Gebäudekomplex des Rathauses stark in Mitleidenschaft gezogen, weshalb man über einen Neubau nachdenkt. 


1467

1467

Au * Der städtische „Brunnenmeister“ und seine Knechte arbeiten an der am „Gasteigberg“ gelegenen „Wasserstube“ und am Rohrleitungssystem.


1468

9. Februar 1468

München-Kreuzviertel * Bischof Johann Tulbeck und Herzog Sigismund legen den Grundstein für die „Frauenkirche“.
Als Baumeister ist Jörg von Halspach bestimmt worden.


1470

1470

München-Graggenau * Jörg von Halspach, der als „Obrist-Maurer“ auch die „Frauenkirche“ erbaut, beginnt mit dem Neubau des [Alten] „Rathauses“.

Sein Vorhaben konzentriert sich auf den nördlich des „Rathausturmes“ anschließenden Trakt, in dem in der Erdgeschosszone ein neues „Stadtgefängnis“ und ein von allen städtischen Bäckern bedientes „Brothaus“ entsteht.

Über der Sockelzone des Neubaus wird ein großer „Fest- und Tanzsaal“ geschaffen, der dem Repräsentationsbedürfnis der Bürgerschaft und der Stadtherrschaft dient. 

Dazu muss zuvor der „Saalbau“ des ersten Münchner „Rathauses“ abgerissen werden.


1476

1476

München-Graggenau * Die Ausschmückung des „Fest- und Tanzsaales“ im „Alten Rathaus“ beginnt. 

Hier werden Erasmus Grassers „Moriskentanzfiguren“ aufgestellt. 


1477

Um Oktober 1477

München-Kreuzviertel * Die Umfassungsmauern der 109 Meter langen, 41,5 Meter breiten und 35 Meter hohen „Frauenkirche“ sind fertig gestellt.

Der Nordturm ist 98,57 Meter hoch, der Südturm 98,45 Meter. Die Differenz beträgt 12 Zentimeter.


1480

1480

München * Erasmus Grasser rechnet mit der „Stadtkammer“ die Herstellung von 16 „Moriskentänzern“ für das „Alte Rathaus“ ab.


1488

1488

München-Kreuzviertel * Der Bau der „Frauenkirche“ ist vollendet.


1490

Um 1490

München-Kreuzviertel * Im Auftrag Herzog Albrechts IV. entsteht in der Frauenkirche ein Hochgrab für Kaiser Ludwig den Baiern aus Rotmarmor.


1492

1492

München-Kreuzviertel * Die „Salvatorkirche“ wird als „Friedhofskirche“ für die „Frauenkirche“ von Lukas Rottaler erbaut.

1492

München * Andrea de Franceschi, der spätere „Großkanzler von Venedig“, beschreibt München als eine vornehme Stadt, „citta noblissima“, mit prächtigen, mit Kieslsteinen gepflasterten Straßen und mit breiten Plätzen, in deren Mitte sich Brunnen befinden.


1511

1511

Au * Münchens ältestes „Brunnhaus“, das „Wasserhaus am Isarberg“, wird gebaut und in der Folgezeit mehrmals umgebaut und auf den technisch neuesten Stand gebracht.

Die aus dem Isarhochufer austretenden Quellen werden gefasst und danach in Bleirohren dem „Brunnhaus“ zugeführt. Mit einem „Wasserhebewerk“ aus Holz wird dann das Quellwasser in einen kupfernen Kessel im obersten Stockwerk des „Wasserturms“ gedrückt.

Vom Kessel wird das Wasser mit Druck „in hölzerne Deichen über die Isar in die Stadt geleitet, und durch unzählige äste vertheilt. Es läßt sich leicht denken, daß bey diesem großen Wasserreichtume, in den vielen Privatgärten an herrlichen Springwässern, kein Mangel sey“.


1517

1517

München * Weder die vorhandenen „Ratsprotokolle“ noch die „Kammerrechnungen“ enthalten den geringsten Hinweis auf das Herrschen einer Pest in München. 

Auf dieses „Pestjahr" geht - angeblich - der im „Glockenspiel des Neuen Rathauses“ dargestellte „Schäfflertanz“ und der „Metzgersprung“ zurück.
Der „Schäfflertanz“ entwickelt sich auch erst im 18. Jahrhundert.


1518

1518

München * Mit der „Landes- und Polizeiordnung“ von 1518 und der „Gerichtsordnung“ von 1520 wird die Grundlage für eine einheitliche „Gerichtsverfassung“ und ein einheitliches „Gerichtsverfahren“ geschaffen.


1523

1523

München-Graggenau * Am „Marktbrunnen“ wird eine Glocke angebracht.

Mit ihr wird die „Marktzeit“ ein- und ausgeläutet.

1523

Rom-Vatikan * Die Heiligsprechung Bischof Bennos von Meißen löst einen konfessionellen Streit aus.

Martin Luther verfasst eine Schrift mit dem Titel: „Wider dem neuwen Abgott und alltem Teuffel der zu Meyssen soll erhoben werden“.


1525

Etwa 1525

München-Graggenau * Der „Marktbrunnen“ trägt die Bezeichnung „Fischbrunnen“, weil bei ihm der „Fischmarkt“ stattfindet.

Bis 1525

München-Kreuzviertel * Die „welschen Hauben“ werden auf die Türme der „Frauenkirche“ gesetzt.


1554

1554

München-Kreuzviertel * Die Stadt lässt nördlich des „Neuhauser Tores“ ein zweites „Brunnwerk“ errichten, das sogenannte „Gasteiger Brunnhaus“ am heutigen „Künstlerhaus“.


1555

1555

München * Die ältesten Münchner „Wasserbriefe“ beurkunden die Wasserabgabe aus den städtischen „Brunnhäusern“ an Privatpersonen.


1556

1556

Au * Das „Wasserhaus auf dem Isarberg“ wird auf den neuesten Stand der Technik gebracht.


1563

1563

München * Petrus Canisius, der wortgewaltige „jesuitische Ordensprovinzial für Oberdeutschland“, schreibt:

„Überall bestraft man die Hexen, welche merkwürdig sich mehren.
Ihre Freveltaten sind entsetzlich. [...]  

Man sah früher in Deutschland niemals die Leute so sehr dem Teufel ergeben und verschrieben. [...] 
Sie schaffen viele durch ihre Teufelskünste aus der Welt und erregen Stürme und bringen furchtbares Unheil über Landleute und andere Christen.
Nichts scheint gesichert zu sein gegen ihre entsetzlichen Künste und Kräfte“
.

Ohne jeden Zweifel an der Existenz der „Hexenverbrechen“ oder Kritik an den angewandten ungesetzlichen „Inquistitionsverfahren“, das gegen alle strafprozessrechtlichen Bestimmungen der „Carolina“ verstößt, predigt er im „Augsburger Dom“ über die in Wiesensteig und im schwäbischen Raum stattfindenden „Hexenverfolgungen“.

Die juristischen und medizinischen Einwände interessieren den „Jesuiten“ nicht.  
Für ihn steht die „Theologie“ weit über der „Jurisprudenz“


1568

24. Februar 1568

München-Graggenau * Herzog Wilhelm V. und Renata von Lothringen feiern auf dem „Schrannenmarkt“ mit einem festlichen Turnier (24. Februar) und anderen öffentlichen Unterhaltungen ihre Vermählung.

Es findet sich im „Glockenspiel“ am Neuen Rathaus wieder.


1580

Um 1580

München-Kreuzviertel * Der in München ansässige „Jesuitenpater“ und „Hofprediger“ Jeremias Drexel predigt in der „Michaelskirche“:

„Oh ihr Feinde der göttlichen Ehre!
Befiehlt denn nicht das göttliche Gesetz ausdrücklich:
Die Zauberer sollst du nicht leben lassen?

Hier rufe ich so laut ich kann und auf göttliches Geheiß zu den Bischöfen, Herren, Fürsten, Königen:
Lasset die Zauberer nicht am Leben!
Mit Feuer und Schwert muss diese entsetzliche Pest ausgerottet werden.

Ausgerissen muss dieses Unkraut werden, dass es nicht in übergroßer Fruchtbarkeit emporschieße, wie wir es leider sehen und beklagen.
Ausgeräumt soll werden mit den Gottlosen, dass die Pest nicht weiter greift, brennen sollen die Aufrührer Gottes. [...]“
.

Insgesamt haben die „Verfolgungsbefürworter“ am „herzoglich-baierischen Hof“ ein größeres Gewicht als die kritischen Stimmen. 


1582

1582

Salzburg * Der „Augsburger Schied“ vom 14. Juni 1158, Münchens 34 x 44 Zentimeter große Geburtsurkunde aus Pergament, wird erstmals in Wiguläus Hunds „Metropolos Salzburgensis“ veröffentlicht.

Die Urkunde fällt in dem umfangreichen Werk aber kaum auf.


1587

1587

Au - Haidhausen * Die „herzoglichen Brunnwerke“ am „Lilienberg“ und im „Brunnthal“ gehen in Betrieb.


1590

10. März 1590

München * Dr. Johann Georg Herwarth von Hohenburg wird zum „Geheimen Rat“ und „Obristkanzler“ ernannt.

Mit seiner Berufung ändert sich die Einstellung gegenüber den „Hexenverfolgungen“.
Denn der Jurist versucht diese mit den Mitteln des geltenden „Strafprozessrechts“ einzudämmen und bestreitet jedes „Ausnahmerecht“.

Der Grund dafür ist, dass hier Ermittlungen, Verfolgungen und Verurteilungen wegen „Hexerei und Zauberei“ ohne entsprechende landesherrliche Gesetze und Vorgaben eingeleitet und vollstreckt werden.
Zu zahlreich sind die Übergriffe und Unregelmäßigkeiten geworden.

Um den gesetzlosen Zustand zu beenden, leitet Dr. Johann Georg Herwarth von Hohenburg - noch während im baierischen Herzogtum die „Hexenprozesse“ in Schongau, Ingolstadt und München laufen - eine „Gesetzgebung gegen das Hexenverbrechen“ und damit die „Eindämmung der Hexenverfolgung“ im Herzogtum Baiern ein. 

2. April 1590

München * Herzog Wilhelm V. fordert zur Unterstützung des Verfahrens zur „Gesetzgebung gegen das Hexenverbrechen“ vom Hofrat und von der juristischen und theologischen Fakultät der Universität Ingolstadt ein „Gutachten über die zu ergreifenden Maßnahmen gegen die überhand nehmende Hexerei“ an.

Darin führt der Herzog aus, Gott selbst habe wegen der schrecklichen Sünden der Menschen diese mit der „neuen Pest der Hexerei“ gestraft. Und weil die Hexerei die größte aller Sünden wäre, würde Gott wiederum beleidigt werden. Er, Wilhelm V., sei als Fürst Gott verantwortlich und müsse durch „Bestrafung und Ausrottung der Hexen“ die „Ehre Gottes“ retten und wiederherstellen.

Die Argumentation, dass sich nach dieser Logik Gott eigentlich selbst beleidige, wird ignoriert.

Es ging auch nicht so sehr um die „Ehre Gottes“, sondern um die Angst vor weiteren „göttlichen Strafen“

6. April 1590

München - Ingolstadt * In dem „Gutachten des Hofrates“ werden zunächst ausdrücklich die Meinungen derjenigen protestantischen „Hexenverfolger“ zurückgewiesen, die gemäßigt auftreten.

Dazu gehören Johannes Brenz aus Stuttgart und seine Anhänger, die jede Möglichkeit eines tatsächlichen „Wetterzaubers“ abstreiten.
Wetter sind eine Angelegenheit der Natur oder Gottes, nicht aber Sache „alter Weiber“ oder gar des „Teufels“.

Nach dem „Hofratsgutachten“ ist den „Katholiken“ künftig jeder Zweifel an der „Existenz der Hexen“, des „Teufelspakts“, des „Hexenflugs“ und des „Schadenszaubers“ ebenso verboten wie jede inhaltliche Kritik.

Auch das von vier „Theologieprofessoren“ ausgearbeitete „Ingolstädter Gutachten“ kommt zum Ergebnis, dass „die Obrigkeit mit Eifer und Strenge gegen die Hexen“ vorgehen und es den Untertanen zur Pflicht machen soll, „Verdächtige zu denunzieren“.  

Die „Gutachten“ folgen alleine den „katholischen Autoren“ und unter diesen wiederum nur denjenigen, die die härtesten Ansichten zur „Hexenverfolgung“ vertreten, die jemals in der „europäischen dämonologischen und juristischen Literatur“ zum „Hexenprozess“ geäußert worden sind. 

Mai 1590

München * Der „Hofrat“ erlässt die „Gemeine General Instruction. Wie sich alle und jede Pfleger, Richter und Beamte [...] mit den Unholden und Hexenwerckhs verleumbden Personen in Erkennung, Einziehung und Besprachung [...] zu verhalten haben“.  

Damit ist die „Strafbarkeit des Hexereidelikts“ im baierischen Herzogtum landesherrlich gebilligt.
Die „Verrechtlichung des Hexerei-Tatbestands“ führt zunächst aber zum Rückgang der Verfolgungen.

Den zuständigen „Unterbeamten“ erscheint die Einleitung eines Verfahrens juristisch offensichtlich zu kompliziert und risikoreich.  
Und nicht jeder „Landrichter“ ist „Jesuitenschüler“ und versteht die dahinter stehende theologische Logik.
Hinzu kommen die Widersprüchlichkeiten der „Hexenprozess-Ordnung“ und die ständig eintreffenden einschränkenden Vorgaben. 

Oktober 1590

Ingolstadt * In einem Gutachten der „Universität Ingolstadt“ gegenüber der „Hochstiftlichen Regierung in Freising“ wird festgestellt, dass den von den „Scharfrichtern“ ermittelten „Hexenmalen“ keine Beweiskraft mehr zukommt, weil sich ein „so gewöhnlicher und verworfener Mensch“ wie ein „Nachrichter“ bei der „Erkennung der Hexenzeichen“ durchaus täuschen könne.

Damit ist die sogenannte „Nadelprobe“, die zum hoch geschätzten Gutachterwissen der „Scharfrichter“ gehört, für das Verfahren wertlos geworden. 


1591

1591

Kelheim * Anna Pämb [50] lebt mit ihrem Mann Paulus [48] und den Söhnen Gumpprecht [13], Michael [11] und Hansel [ein Jahr alt] im „Kelheimer Armenhaus“.

Vater Paulus bietet seine Arbeitskraft als „Kesselflicker“ an.
Mit seinen älteren Söhnen verdingt er sich auch als „Abortgrubenräumer“, als sogenannter „Pappenheimer“.

Im „Armenhaus“ von Kelheim lernt Anna Pämb eine gewisse Zieglerin kennen.
Die Frauen verstehen sich auf Anhieb. 


1598

1598

München * Eine aus 18 Personen bestehende „Zaubergesellschaft“ sitzt in der „Schergenstube“ in Haft, deren Mitglieder  

  • „Zauberbücher“ und glückbringende „Alraunenwurzeln“ besaßen, 
  • sich unter dem „Galgen“ oder
  • in der oberen Stube des Alexander Freisinger in der Au trafen und  dort „Beschwörungen“ zur Wiedergewinnung gestohlener oder verlorener Sachen und „Ansegnungen gegen den bösen Feind“ betrieben.

Eine eigene „Ratskommission“ wird gebildet, die sich aus Mitgliedern des „Inneren“ und „Äußeren Rats“ zusammensetzt.

Die Urteile sind glimpflich.

  • Die meisten werden auf die „Schragen“ gestellt, zum Teil mit umgehängten „Zauberbüchern“.
    Diese Strafe ist - im Gegensatz zum „Pranger“ - nicht „ehrlos“.
  • Einige werden zusätzlich zu den Jesuiten zur „Beichte und Kommunion“ geschickt,
  • zwei erhalten eine Geldstrafe und
  • einer wurde zu vier Jahren „gegen den Erbfeind der Christenheit“, die Türken, verurteilt. 

1600

Ab 1600

Au * Die durchgeführte vollständige Erneuerung des „Isarberg-Brunnhauses“ verschlingt über 5.000 Gulden.

Februar 1600

Altmannstein * Die Familie Pämb lebt beim Kleinbauern Ulrich Schölz bei Riedenburg.

Da taucht der Amtmann von Altmannstein auf und verhaftet die komplette Familie bis auf den inzwischen zehnjährigen Hansel, der bei den Bauersleuten zurückbleibt.
Ein verurteilter, inzwischen in Wörth an der Isar hingerichteter Dieb namens Geindl hat die beiden Pämb-Brüder Michael und Gumpprecht als angebliche Komplizen angeschwärzt.

Schnell kann der wahre Hintergrund aufgeklärt werden.
Geindl und Michael Pämb haben sich einmal geschlägert, wobei Geindl unterlegen ist.
Wutentbrannt hat der Dieb danach geschworen, er werde es den Pämbs schon noch heimzahlen.

Der Amtmann sieht ein, dass die Denunziation wohl nur ein Racheakt gewesen war, schickte das Protokoll nach München und wartet auf die Nachricht, dass die Familie freizulassen sei. 

März 1600

Altmannstein * Die aus München kommende Antwort ordnet die „hochnotpeinliche Befragung“ der Familie Pämb an.

Unter der „Tortur“ der „Folterknechte“ gestehen die 59-jährige Anna, der 57-jährige Paulus und die Söhne Michael [20] sowie Gumpprecht [22] jede Menge Diebstähle, Brandstiftungen und Raubüberfälle.
Michael und Gumpprecht bekennen sich zudem, „Hexer“ zu sein.

So wirr, unlogisch und widersprüchlich die unter der „Folter“ erpressten „Geständnisse“ auch sind, der Altmannsteiner Amtmann verständigt daraufhin umgehend den „Hofrat“ in München. 

16. April 1600

Altmannstein - München * Die Familie Pämb nach München überführt und im „Falkenturm“ eingekerkert.

Die Männer kommen in einzelne, „Keuchen“ genannte Zellen.
Nur Hansel durfte bei seiner Mutter bleiben.

Nun beginnt der sogenannte „Pappenheimer-Prozess“

17. April 1600

München-Graggenau * Eine vierköpfige Kommission untersucht die „Landfahrerfamilie“ Pämb.

Auf Wunsch von Herzog Maximilian I. soll zunächst geprüft werden, ob sich die Familie tatsächlich für ein öffentlichkeitswirksames Exempel eignet.

Die Kommission scheint zufrieden.
Denn vor ihnen stehen zwei alte, ausgezehrte Menschen und zwei Burschen, die alle vier bereits durch die „Folter“ gezeichnet sind, dazu ein zehnjähriges Kind.

Sie sind davon überzeugt: diesen Delinquenten kann man alles mögliche andichten, auch eine „Teufelsanbetung“.
Begeistert erstattet man dem Herzog davon Bericht.

Den „Hexen-Prozess“ leitet der „Hofratskommissar“ Dr. Johann Simon Wagnereckh.
Zunächst befragt er den kleinen Hansel.  

Mit anwesend sind dabei die „Hofräte“ Jacob Hainmüller und Ernst von Roming, ein „Schreiber“ sowie der „Eisenmeister“ Sebastian Georg, der zugleich der Verwalter des „Falkenturms“ und oberster „Folterknecht“ ist.

Zunächst soll Hansel nur sagen, ob seine Brüder jemals „abgeschnittene Kinderhände“ mit sich geführt hätten.
Schockiert schüttelt Hansel den Kopf und gab damit das Zeichen für die „Folterknechte“.

Nach der „Tortur“ gesteht der Zehnjährige alles, was man ihm an Unterstellungen über seine Brüder eingeredet hat.
Ja, sie haben Kindern die Hände abgeschnitten,
ja, sie haben Schwangere ermordet, um an die Hände der Ungeborenen zu kommen.
„Ja“, immer wieder „ja“

19. April 1600

München-Graggenau * Die „Inquisitoren“ nehmen sich den Vater Paulus Pämb vor.

Er kommt an den „Wippgalgen“, bei dem man an nach hinten gestreckten Armen und einem Gewicht an den Füßen hochgezogen wird.
Auch sein Widerstand bricht schnell und er bestätigt jede nur mögliche Grausamkeit, die man ihm und seinen erwachsenen Söhnen unterstellt.

Die „Verhandlungsführer“ gehen immer nach dem gleichen Muster vor.
Die gewünschten Antworten werden quasi vorformuliert und müssen von dem Opfer nur noch bestätigt werden.

Was dann im „Geständnis“ steht, ist also in der Regel der „Phantasie der Befrager“ entsprungen.

Um den 24. April 1600

München-Graggenau * Nach dem Vater muss Michael in den „Wippgalgen“.

Doch der Bursche hält länger durch als sein Vater.
Erst als man ihn zusätzlich mit einer brennenden Fackel unter den Achseln foltert, ist auch sein Wille gebrochen.

Er bestätigt, dass er „Kinderhände“ zum Zaubern genutzt hat, gesteht Morde, Brandstiftungen, Einbrüche, Raubzüge und alle sonstigen Verbrechen, die man ihm suggeriert.
Die Mutter habe ihm das „Hexen“ beigebracht.

Bei seinem älteren Bruder Gumpprecht erzwingen die „Folterknechte“ die Bestätigung für alles sowie weitere Gräueltaten. 

28. April 1600

München-Graggenau * Zuletzt widmen sich „Hofkommissar“ Dr. Johann Simon Wagnereckh und die „Hofräte“ Hainmüller und Roming der betagten Mutter Anna.

Bei ihr fragt man nicht erst nach Morden oder anderen Verbrechen, sondern widmet sich gleich dem schlimmsten aller Verbrechen: der „Hexerei und Teufelsanbetung“.

Dabei steht gar nicht zur Frage, ob sie eine „Hexe“ sei.
Das wird als Tatsache vorausgesetzt.

Die gemarterte Frau erfindet äußerst wilde Geschichten von der alten „Zieglerin“ und dem Knecht, der der „Satan“ gewesen sei, um den Qualen endlich ein Ende zu bereiten.

Insgesamt gibt Anna Pämb zu, dass sie 100 Kinder und 19 alte Menschen mit ihren „Zauberkünsten“ brutal ermordet habe.  
Ferner nennt sie rund 400 weitere Personen, die ebenfalls „Hexerei“ betreiben. 

Um den 30. April 1600

München-Graggenau * Einige Tage nach ihrem „Folterverhör“, nachdem sich die alte „Pämbin“ wieder ein wenig erholt hat, widerruft sie ihre Aussage.

Der Widerruf führt sie jedoch direkt zurück in die „Folterkammer“, wo sie erneut alles zugibt, was ihr die „Inquisitoren“ des Herzogs Maximilian I. unterstellen. 

Mai 1600

München-Graggenau * Unter der „Tortur“ bezichtigen die Pämbs auch die Familie des Klostermüllers aus dem niederbaierischen Tettenwang der „Hexerei“.

Der Klostermüller, seine Frau Anna und beider Tochter Agnes, später auch Ursula genannt, sowie weitere Bekannte der Pämbs werden umgehend verhaftet, nach München gebracht und dort so lange gefoltert, bis auch sie grauenhafte, hexerische Untaten gestehen.

Dabei hatte der Klostermüller von Tettenwang den Pämbs lediglich geholfen und den fahrenden Bettlern Unterkunft und Essen gewährt. 

Mai 1600

München-Graggenau * Zur Erpressung von „Geständnissen“ unter der Anwendung der „Folter“ gehört auch das Denunzieren von Mitmenschen als „Hexen, Zauberer“ und „Teufelsbündler“.

Es war deshalb nicht verwunderlich, dass bei Erreichen des Höhepunkts der „Hexenverfolgung“ im Herzogtum Baiern der „Falkenturm“ bald überfüllt ist und aus diesem Grund ein „Stadtmauerturm“, unmittelbar neben der „Alten Münze“, als zusätzlicher „Hexenturm“ eingerichtet werden muss. 

Mai 1600

München-Graggenau * Paulus, Michael und Gumpprecht bestätigen im Lauf der nächsten Wochen, selbst „Hexer“ zu sein, den Teufel anzubeten und grässliche Verbrechen, die sie durch „Zauberei“ begangen haben.

Paulus Pämb hat im „Dienst des Teufels“ 44 Morde begangen.
Gumpprecht hat sogar 54 Menschen auf seinem jungen Gewissen und als ganz besonders blutrünstig erweist sich Michael mit 103 Morden.

Dass die über 300-fachen Mörder außerdem unzählige „Schadenzauber“, Diebstähle und Brandstiftungen begangen haben, spielt da kaum noch eine Rolle.

Aufgrund der „Denunziation“ werden zwei ihrer skrupellosen Gefährten verhaftet und mit den Pämbs vor Gericht gestellt: der Bauer Ulrich Schölz sowie ein Schneider namens Georg Schmälzl, die ebenfalls „gefoltert“ und zu „Geständnissen“ gezwungen werden.

Einzig den kleinen Hansel verschont man mit weiteren „Folterungen“

26. Juli 1600

München * Die „Hofkommissare“ unter der Leitung von Dr. Johann Simon Wagnereckh fällen ihr Urteil.

Nachdem sie es ausformuliert haben, begeben sie sich in den „Falkenturm“, wo sie den „Malifikanten“ die „Geständnisse“ vorlesen.

Es ist üblich, den Delinquenten drei Tage vor der „Hinrichtung“ diese sogenannten „Urgichten“ noch einmal zur Kenntnis zu geben, damit sie die Gelegenheit zur Korrektur haben und eventuell „Denunziationen“ zu widerrufen.

Aus panischer Angst vor weiteren „Folterungen“ verzichten die Pämbs und ihre Mitangeklagten darauf, den „Urgichten“ zu widersprechen.

Danach gewährt man ihnen eine „Henkersmahlzeit“, die auch gebratenes Fleisch und Wein umfasst. 

29. Juli 1600

München-Graggenau * Am Morgen führt eine Delegation von berittenen Amtmännern, zwei Priestern und bewaffneten Soldaten die Delinquenten in Ketten vom Falkenturm zum Schrannenplatz, dem heutigen Marienplatz, zum „Malefizrechtstag“. Der gerade elf Jahre alt gewordene Hansel muss beim Bußamtmann der Stadt München auf dem Pferd mitreiten und alles mit ansehen.

Eine geifernde Menschenmenge wartet vor dem Rathaus und hofft auf eine spektakuläre Hinrichtung der Pämbs und ihrer Leidensgenossen. Obwohl der Herzog den Prozess führt, muss die Stadt München den Schauprozess und die Hinrichtung ausrichten. Als der Bannrichter Christoph Neuchinger schließlich die Todesurteile verkündet, wollen die Jubelschreie der Münchner kein Ende nehmen. 

29. Juli 1600

München * Nun demonstriert die herzogliche Justiz ihre unvorstellbare Bestialität. Noch auf der Freitreppe des Rathauses reißen der Henker und seine Helfer den Männern mit glühenden Zangen jeweils sechs Fleischstücke aus den Armen und dem Oberkörper. Danach schneidet man Anna Pämb die Brüste ab und schmiert sie ihr und den beiden Söhnen dreimal „umb das Maul“, mit dem Hinweis, dass aus diesen Brüsten solche abscheuliche Bubenstücke „gesogen“ wurden.

Schließlich verfrachtet man die Schwerstverwundeten auf zwei Schandkarren, um sie zum Galgenberg zu bringen, der vor den Toren der Stadt liegt, etwa an der Stelle, an der heute die Hackerbrücke auf die Landsberger Straße trifft. Tausende Schaulustige begleiten die Wagen, Hansel Pämb reitet auf dem Pferd des Bußamtmanns mit. 

29. Juli 1600

München-Maxvorstadt * Am Galgenberg werden die fünf Männer gerädert. Dazu bindet  man die Malefikanten auf ein scharfkantiges Balkengerüst und zerschmettert ihnen mit einem eisenbeschlagenen Richtrad die Gliedmaßen. Für gewöhnlich beginnt diese Bestialität bei den Unterschenkeln. Die Zahl und der Rhythmus der Schläge sowie die Reihenfolge der Gliedmaßen sind genau vorgeschrieben. Paulus Pämb wird nun zusätzlich „gespießt“. Der Henker rammt ihm einen kurzen Jagdspieß durch den After in den Unterleib.

Der letzte Akt der Justizwillkür im Namen des Herzogs Maximilian I. ist der Feuertod. Man zerrt die Pämbs und ihre Bekannten zu ihren Scheiterhaufen, bindet sie an - Anna setzt man dabei auf einen Stuhl- und verbrennt die „Teufelsbrut“ lebendig und „unter jämmerlichem Geschrei“

29. Juli 1600

München-Maxvorstadt * Das wohl mit weitem Abstand Verabscheuungswürdigste der Hinrichtung aber ist, dass der inzwischen elfjährige Hansel Pämb, auf dem Pferd des Bußamtmanns sitzend, der qualvollen Hinrichtung seiner Eltern und Brüder beiwohnen muss.

Doch auch dem Kind bleibt der spätere Feuertod nicht erspart, da Hansel ja schon „im Mutterleibe dem Teufel geweiht und an seiner Stelle ein anderes gestohlenes Kind getauft worden sei“

11. August 1600

München-Graggenau * Die zwanzigjährige Agnes Klostermüller wird elfmal „aufgezogen“, davon zehnmal belastet mit einem fünfzig Pfund schweren Stein. Das Mädchen bleibt standhaft, obwohl ihm alle Glieder zerrissen werden. Nichts, außer der Beteuerung ihrer Unschuld, ist aus ihr herauszubringen.

Vor dem Beginn der Folter spricht Hofrat Dr. Johann Simon Wagnereckh lateinische Verse und Psalme über sie, um sie zu „entzaubern“. Da hier der Name Jesus vorkommt, sagt Agnes Klostermüller: „sie wolle diesen Jesus nit [in dessen Namen man Unschuldige martert] sondern wolle den haben, der sie erschaffen und für sie am Stamme des Kreuzes gelitten“.

Nach der Folter lässt man Agnes für etwa zehn Wochen in Ruhe. 

20. Oktober 1600

München-Graggenau * Agnes Klostermüller wird erneut zur „Tortur“ geschleppt.

Dann, nach viermaligen „Aufziehen“ ist ihre Kraft endgültig gebrochen.

24. Oktober 1600

München-Graggenau * Ein „Selbstmordversuch“ der eingesperrten und gefolterten Agnes Klostermüller scheitert.

Gebrochen und verzweifelt erzählt sie nun alles, was man von ihr hören will: 

  • „Sie habe eine Menge Kinder umgebracht,
  • habe an dreißig Herzlein [von Kindern] gegessen,
  • habe acht alte Leute durch Bestreichen mit der Salbe getötet,
  • sei ausgefahren, besonders zu Brunn im Schloss in den Keller, wo sie guten Wein getrunken.
  • Des Edelmanns Weib dort habe sie‚erkrümbt‘. 
  • Sie habe an 20 Rinder gefällt, vielen Kühen die Milch benommen, fünf Wetter [...] gemacht“
26. November 1600

München-Maxvorstadt * Die Scheiterhaufen auf dem Münchner Galgenberg lodern erneut.

Diesmal befindet sich neben der Agnes Klostermüller und ihrer Mutter Anna, der Weber Hans Stumpf, Glashansl genannt, und der Brotträger Augustin Baumann. Auch der elfjährige Hansel Pämb wird dem Feuer übergeben.

Der alte Klostermüller stirbt noch im Falkenturm. Es ist ungewiss, ob an den Qualen der Folter oder durch einen Selbstmord


1604

1604

München-Kreuzviertel * Der heilige Benno wird von Herzog Maximilian I. zum „Stadtpatron Münchens“ erklärt.

Der triumphbogenartige „Bennobogen“ wird in der „Frauenkirche“ erstellt.


1606

1606

München-Kreuzviertel * Herzog Maximilian I. lässt das Hochgrab des Kaisers Ludwig des Baiern abbauen. Die Deckenplatte wird jetzt nur knapp über dem Boden verlegt.

1606

München-Kreuzviertel * Die vergoldete Madonnenfigur, die später die „Mariensäule“ schmücken soll, kommt auf den provisorischen Hochaltar der „Frauenkirche“.


1608

1608

München * Die „schwarze Christlin“ mit etlichen „Ansegenweibern, die sich des Ansegnens und Zauberwerks gebrauchen“ kommen in Haft. 

12. April 1608

München * Dr. Johann Simon Wagnereckh präsentiert einen ersten Entwurf des von ihm ausgearbeiteten baierischen „Aberglaubens- und Hexenmandat“

Mehrere „Räte“ kritisierten seine „übergroße Schärfe“.

Zu einer Verabschiedung des „Mandats“ kommt es nicht mehr, weil dadurch ein Machtkampf zwischen den „Zelanten“ [= „Eiferer“] und den „Politikern“ ausgebrochen ist und sich die beiden Gruppen gegenseitig blockieren. 

Mai 1608

Markt Schwaben * Der „Beyerin von Winden“, einer Bäuerin aus der Gegend um Markt Schwaben, wird der Prozess gemacht. 

„Ankläger“ ist erneut der „Hofrat“ Dr. Johann Simon Wagnereckh.

Es kommt wiederholt zur Auseinandersetzung mit dem „Hofoberrichter“ Dr. Bernhard Barth von Hermatingen, sodass sich der Prozess monatelang hinzieht und die Frau im Mai 1608 einen Selbstmord verübt. 

26. Mai 1608

Donauwörth * Während der „Fronleichnams-Prozession“ geht ein schweres Gewitter über der Stadt Donauwörth nieder, das man sich nur mit „Schadenszauber und Hexerei“ erklären kann.

Birgit Schuster und Paul Ritter werden als „Verursacher des Unwetters“ verhaftet.

Birgit Schuster gesteht unter der „Tortur“, nennt über hundert weitere „Hexen“ und wird „verbrannt“.
Paul Ritter wird „verbannt“.

Durch die Denunziation werden weitere 17 „Unholdinnen“ angeklagt. 


1609

März 1609

Wemding * Der „Donauwörther Hexenprozess“ greift durch Denunziation auf Wemding über.

Auch der dortige „Pfleger“ Konrad Bemelberg d. J., der Sohn des Donauwörther „Statthalters“, erhält vom Münchner „Hofrat“ Dr. Johann Simon Wagnereckh eine „Blankovollmacht“ zur „Folteranwendung“.
Das Amt des „Richters“ übt Dr. Gottfried Sattler aus.

Neun Frauen und ein Mann werden daraufhin der „Hexerei“ bezichtigt und später hingerichtet. 


1610

30. März 1610

Bamberg * Friedrich Förner hat in Bamberg ein „Aberglaubens- und Hexenmandat“ erlassen. 

Um Mai 1610

München * Noch während die „Wemdinger Hexenprozesse“ laufen, nutzt der „Hofratskanzler“ Dr. Johann Simon Wagnereckh die Gunst der Stunde und bringt seinen abgeschmetterten Vorschlag für ein „Aberglaubens- und Hexenmandat“ wieder aufs Tablett. 

Oktober 1610

Augsburg * Bischof Heinrich V. von Knöringen erlässt ein entsprechendes „Aberglaubens- und Hexenmandat“ für das „Hochstift Augsburg“.

Sie alle stehen damit in einer Linie mit den fränkischen Bischöfen und den Fürsten in München sowie Köln und zählten zu den von Papst Urban VIII. so bezeichneten „Zelanten“


1611

24. Januar 1611

München * Der „Jurist“ Dr. Cosmas Vagh, der wegen seinen Positionen und seiner Härte in der „Hexenverfolgung“ berüchtigt ist, hat ein „Landgebott wider die Aberglauben, Zauberey, Hexerey und andere sträffliche Teuffelskünste“ verfasst, das er nun persönlich dem Gremium des „Hofrats“ in aller Ausführlichkeit vorträgt.

Zuvor war es inhaltlich mit den „Jesuiten“ abgestimmt worden.

Die „Hofräte“ verabschieden das „Hexen-Mandat“ noch in der gleichen Sitzung. 

Februar 1611

München * Abschließend wird das baierische „Aberglaubens- und Hexenmandat“ dem „Hofratskanzler“ Dr. Johann Simon Wagnereckh zur abschließenden Kontrolle vorgelegt, bevor es in der Druckerei der „Anna Bergin wittib“ im Februar 1611 auf Papier gebracht wird.

Wie so oft, handelt „Hofratskanzler“ Wagnereckh auch hier wieder eigenmächtig.

Das Werk geht in Druck, bevor es Herzog Maximilian I. unterzeichnet hat - und damit nicht rechtskräftig ist. 

12. Februar 1611

München * Das „Herzogliche Baierische Mandat gegen Aberglauben, Zauberei, Hexerei und andere sträfliche Teufelskünste“ liegt in gedruckter Form vor. 

28. März 1611

München * Der „Geheime Rat“ kann sich erst jetzt mit dem „Hexen-Mandat“ befassen.

Er nimmt - besonders an den Paragraphen, in denen es um die „Konfiszierung von Eigentum“ geht - umfangreiche Korrekturen vor und erklärt, dass er das „Mandat“ in der vorliegenden gedruckten Form nicht veröffentlichen will. 

Um Juli 1611

München * Der aus Ingolstadt stammenden Dr. Schober mit der Untersuchung der „Prozess-Umstände“ von Wemding beauftragt.  

Schobers Urteil ist für den „Hexenrichter“ Dr. Gottfried Sattler niederschmetternd, woraufhin alle in München und Wemding Angeklagten auf Befehl des „Hofrats“ freigelassen werden müssen.

Dafür wird Dr. Sattler verhaftet und in den „Falkenturm“ nach München gebracht.
Die Kosten der Untersuchung durch Dr. Schober und die Unterbringung der vier Verdächtigen im „Falkenturm“ werden dem „Hexenrichter“ Sattler und dem „Gerichtsschreiber“ aufgebrummt.

Bei den Vernehmungen kommen nicht nur die „Unterschlagungen und Veruntreuungen“ in Höhe von 3.000 Gulden ans Tageslicht, sondern auch ein „adulterium“, eine unzüchtige sexuelle Handlung.

Damit ist die Geduld des „Hofes“ erschöpft und das Todesurteil über den „Hexenrichter“ schnell gefällt.
Und das, obwohl er aus dem Kreis der „Hofräte“, die sich zur „Partei der Hexenprozess-Befürworter“ zählen, massive Unterstützung erhält. 


1612

1612

München * Das Kräfteverhältnis im „Hofrat“, dem zentralen kurfürstlichen Entscheidungsträger in der „Justiz“, hat sich zu Gunsten der verfolgungskritischen „Politiker“ verändert. 

Ab 1612

Bamberg * In den fränkischen „Hochstiften“ erreichen die „Hexenverfolgungen“ einen neuen Höhepunkt.

Vor allem der Bamberger „Weihbischof“ Friedrich Förner tut sich als Antreiber hervor.
In der Zeit von 1610 bis 1630, in der er sein einflussreiches Kirchenamt ausübt, fordert er fanatisch die „Ausrottung der Trudner“, wie man hier die „Hexen“ bezeichnet.

Noch während der ersten „Verfolgungswelle“ der Jahre 1612/13 kommt es zur „Hinrichtung“ von 15 „Hexen“

21. Januar 1612

München * Der Geheime Rat schickt das „Herzogliche Baierische Mandat gegen Aberglauben, Zauberei, Hexerei und andere sträfliche Teufelskünste“ wieder zurück, weshalb es den Beamten erst im März 1612 zugänglich gemacht werden kann.

Die für den voreiligen Druck verantwortlichen Hofräte Dr. Cosmas Vagh und Dr. Hieronymus Faber mussten die Korrekturen als Strafarbeit persönlich in die anderen Exemplare übertragen.

Das Verhalten des Hofrats gegenüber dem Geheimen Rat löst auch die Untersuchung der Vorgänge in Wemding aus. 

März 1612

München * Erst jetzt ist das „Herzogliche Baierische Mandat gegen Aberglauben, Zauberei, Hexerei und andere sträfliche Teufelskünste“ den Beamten zugänglich gemacht.

Das „Landgebott wider die Aberglauben Zauberey Hexerey und andere sträffliche Teufelskünste“ umfasst 40 Seiten und ist das umfangreichste „Gesetz gegen die Hexerei, Zauberei und Aberglauben“, das jemals in Mitteleuropa publiziert worden ist.

Es listet 52 strafbare Formen von „Aberglauben“ auf.
Darunter beispielsweise Wahrsagen, Astrologie, Geisterbeschwörung, Ausgraben von Leichen und Alraunen, abergläubisches Schatzsuchen, Ungezieferbeschwörung, Wetter- und Bildzauber, Bannung von Geistern und Krankheiten durch Ansegnen, Missbrauch von Scharfrichterutensilien und so weiter.

Ausdrücklich wird „guter“ und „schlechter Zauber“ gleichgesetzt.
Auch harmloser „Aberglaube“ gilt als „Vorstufe zum Hexenverbrechen“.

Jede Form von „Zauberei“ muss ausgerottet werden, weil sonst „Gott der Allmechtig zu billichem Zorn gegen uns Menschen bewegt und unser Landt und Leuth mit thewrung Krieg und Pestilentz auch andern mannigfaltigen Plagen straffen und angreiffen möchte“.  
Schließlich ist es Aufgabe der Obrigkeit, die „Ehre Gottes“ zu retten.

Als besonders tatverdächtig werden im Bereich des „Aberglaubens“ die „Schmiede auf dem Lande“, die „alten Weiber“ und die „Nachrichter“ genannt.

Erstmals wird für den Bereich des Herzogtums Baiern nun auch der „Teufelspakt“ als Straftat ausformuliert. 

21. Juli 1612

München * Zur Veröffentlichung des Hexenmandats muss dieses von der Kanzel verlesen werden. Doch der Landrichter von Friedberg berichtet, dass sich die Priesterschaft im Bezirk der Verlesung des Hexenmandats verweigern würde und führt dies auf den Einfluss der zuständigen Bischöfe zurück.

Außerdem untersagt der Geheime Rat dem Hofrat die Veröffentlichung des Mandats in den Hofmarken. Damit zeigt das Mandat keine allzu große Wirkung. 


1613

1613

München * Der Münchner „Henker“ Hans Stadler wird angeklagt, weil er gestohlene Sachen durch „Zaubern“ wieder zurückholen kann und diese „Kunst“ für 12 Gulden einem Mitglied aus der Adelsfamilie der Taufkirchner zur Verfügung stellte. 

23. Mai 1613

München - Markt Schwaben * Herzog Maximilian I. macht der Vorschlag, das Urteil gegen Dr. Gottfried Sattler außerhalb von München zu vollstrecken, um so ein größeres Aufsehen zu vermeiden. Dr. Gottfried Sattler wird wenig später in Markt Schwaben hingerichtet. Es ist aber nicht die willkürliche Art seiner Prozessführung, die zu seiner Verurteilung führt, sondern

  • die „Unterschlagung und Veruntreuung“ und damit
  • die „Schmälerung der landesherrlichen Einnahmen“

Erst nach dem Wemdinger Fiasko setzt sich beim Hofrat eine vorsichtigere Verfolgungspraxis durch. Die Außenbeamten werden jetzt sorgfältiger überwacht und voreilige Maßnahmen frühzeitiger gerügt. In der Folgezeit endeten die meisten Untersuchungen wegen Zauberei mit strengen Verweisen


1614

1614

München * Der zwölfjährige Onophrius Mießl kommt in den Verdacht der „Hexerei“, nachdem er dreimal hintereinander eine geronnene Milch heimbrachte.

Mit vorformulierten Fragen stimuliert das „Kürschnerehepaar“, bei dem er angestellt ist, ihn zu „Hexereigeständnissen“.

Auf Anraten eines Paters wird der „Stadtrichter“ vom Verdacht informiert und der Junge unter Einsatz der „Folter“ verhört.

Der Rat der Stadt stellt abschließend fest, dass das Geständnis ein „erdichtetes Lügen- und Fabelwerk“ sei und sperrt statt des Knaben das „Kürschnerehepaar“ acht Tage bei „Wasser und Brot“ ins Gefängnis. 


1615

12. September 1615

München-Graggenau * Ohne eigenes Zutun kommt das „Münchner Stadtgericht“ zu einem „Hexenprozess“.

Eine „Bettlerin“ wird nach einem Selbstmordversuch festgenommen und diese erklärt dazu völlig unerwartet, dass sie, Barbara „Bärbl“ Schwerzin, „vom Teufel besessen“ und sie, ihre Schwester Elisabeth „Elsl“ und besonders ihre Mutter Katharina „Hexen“ seien.

An diesem 12. September beginnt der „Hexenprozess“

4. Dezember 1615

München-Graggenau * Der „Stadtrat“ beschließt die Hinrichtung der drei „Hexen“: Barbara „Bärbl“, Elisabeth „Elsl“ und Katharina Schwerzin.

Auch der „Hofrat“ schließt sich dem Vorschlag an.

Doch nun stellt sich Herzog Maximilian I. gegen die Auffassung des „Stadtrats“ und seiner eigenen „Justizbehörde“.  

Auf Drängen Herzog Maximilians I. nimmt dieser städtische „Hexenprozess“ beinahe wieder ausufernde Formen an.
Getreu der Doktrin: „Wo eine Hexe ist, da sind noch mehr zu finden“


1616

Ab 1616

Bamberg * In der zweiten „Verfolgungswelle“ des Bamberger „Weihbischofs“ Friedrich Förner zwischen 1616 und 1622 müssen erneut 159 Menschen als „Hexen“ sterben. 

Ab 1616

Würzburg - Tübingen * In Würzburg kommt es unter „Fürstbischof“ Julius Echter von Mespelbrunn zu ersten Verfolgungen.

In einem Tübinger Bericht berichtet ein anonymer Verfasser über den aufkeimenden „Hexenwahn“ im Hochstift:

„Auß dem Bißthum Würzburg: Gründliche Erzehlung der Bischof zu Würzburg das Hexenbrennenim Frankenland angefangen, wie er dasselbeforttreiben, und das Ungeziffer gentzlich außrotten wil, und allbereit zu Geroltzhoffen starke Brände gethan, hinführe alle Dienstag thun will“

21. Januar 1616

München * Der Hexenprozess gegen Barbara, Elisabeth und Katharina Schwerzin wird wieder aufgenommen.

Nach den Geständnissen der Elsl Schwerzin unter der Folter werden vier weitere Frauen verhaftet, jedoch im Mai wieder entlassen.

Am letzten Gerichtstag widerrufen die Mutter Katharina und ihre Tochter Bärbl alles vorher gesagte; nur Elsl bleibt bei ihren früheren Aussagen.

Das Stadtgericht nimmt nun den Prozess mit verstärkter Anwendung der Folter wieder auf, prüft aber die erzwungenen Aussagen besser nach und muss feststellen, dass die Aussagen frei erfunden und erlogen sind. 

Um August 1616

Au * Nach einer lang anhaltenden Dürre reicht das Wasser zum Antrieb des „Wasserrades“ im „Brunnhaus am Isarberg“ nicht mehr aus.

Angeheuerte Tagelöhner müssen das Rad sechs Wochen lang mit ihrer Körperkraft antreiben.

29. September 1616

München * Mit dem „Landrecht“ Herzog Maximilians I. wird die endgültige „Rechtseinheit“ in Baiern hergestellt, die alle Rechtsgebiete umfasst.

Damit ist Baiern eines der wenigen deutschsprachigen Territorien, das über eine systematisch erfasste und in allen Rechtsangelegenheiten abgestimmte „Landesgesetzgebung“ verfügt.  

Die „Landes- und Polizeiordnung“ enthält:  

  1. Eine „Polizeiordnung“.  
  2. Das „Landrecht“, das einheitlich für Ober- und Niederbaiern gültige „Zivilrecht“, das bis 1756 in Kraft bleibt.  
  3. Eine „Gerichtsordnung“, die den ordentlichen Prozess auf der Grundlage der „Gerichtsordnung“ von 1520 regelt.  
  4. Die „summarische Prozessordnung“, die bis 1753 Gültigkeit hat.  
  • Sie schreibt unter anderem das „Wandern der Handwerksgesellen“ als Grundlage für den „Erwerb der Meisterschaft“ vor.  
  • Sie enthält eine „allgemeine Fischordnung“ für Donau, Salzach, Isar und den Inn usw..  
  • Sie schafft in der „Malefizordnung“ die „Strafe des Ertränkens“ ab.
8. November 1616

München * „Elsl“ Schwerzin wird als „Hexe“ hingerichtet, die „Alte“ Schwerzin freigelassen und von der Stadt versorgt.

„Bärbl“ gibt in ihrer Verwirrung immer neue Geständnisse ab, denen der Stadtrat aber keinen Glauben mehr schenkt. 


1617

1617

Eichstätt * Im „Bistum Eichstätt“ beginnen die Hexen-Verfolgungen.

Dort ist es Johann Christoph von Westerstetten, der sich bereits im „Bistum Ellwangen“ als fanatischer „Hexenbischof“ hervortat und an seiner neuen Wirkungsstätte die „Hexen-Verfolgungen“ forciert.

In seiner Amtszeit zwischen 1617 und 1630 lassen sich mindestens 155 Hinrichtungen [133 Frauen und 22 Männer] nachweisen. 

Mit seinem Tod enden auch die Verfolgungen.
Auch in Eichstätt gehen die Verfolgungen durch alle sozialen Schichten, Opfer werden Bürgermeister, Ratsherren und deren Frauen ebenso wie der „Klosterrichter“ und andere. 


1618

1618

München * München verfügt über 1.771 „bürgerliche Gerechtigkeiten“, einschließlich des „Handels“.

1618

Augsburg * Besonders unverständlich erscheint uns die nicht zu unterschätzende Anzahl von „Hexenprozessen gegen Kinder“

In der „Reichsstadt Augsburg“ finden in den Jahren zwischen 1618 und 1730 acht derartige Verfahren statt, in denen 45 Kinder und Jugendliche betroffen sind.

Ein Drittel davon sind Mädchen, der Rest sind Knaben, die alle dem „Unterschichtenmilieu“ entstammten. 

Um Januar 1618

München-Angerviertel * „Bärbl“ Schwerzin wird dem „Heiliggeist-Spital“ übergeben.

„Das Costgelt trag die Stadtchammer“


1619

Ab 1619

München-Kreuzviertel * Zwischen 1619 und 1622 entsteht in der Frauenkirche über der Deckenplatte für Kaiser Ludwig dem Baiern der bronzene Kenotaph. Das Ludwigsmonument befindet sich nahe dem Bennobogen.


1624

Ab 1624

München-Graggenau * Das „Alte Rathaus“ verliert sein gotisches Gesicht.

Es wird im Stil der Spätrenaissance umgestaltet.


1625

Etwa 1625

München-Graggenau * Der „Marktbrunnen“ trägt die Bezeichnung „Fischbrunnen“.

Bei ihm findet der „Fischmarkt“ statt.

Ab 1625

Bamberg * Unter „Fürstbischof“ Johann Georg II. Fuchs von Dornheim sollen alleine zwischen 1625 und 1630 nicht weniger als 236 Menschen verbrannt worden sein.

Insgesamt werden im „Fürstbistum Bamberg“ zwischen 1616 und 1630 mindestens 630 Menschen als vermeintliche „Hexen“ hingerichtet. 


1626

Ab 1626

Bamberg * Der Neffe des Bamberger „Fürstbischofs“ Johann Georg II. Fuchs von Dornheim, Philipp Adolf von Ehrenberg, ein „Eiferer“, weitet in den Jahren 1626 bis 1630 die „Hexenverfolgungen“ massiv aus.

Dabei geraten - im Gegensatz zum üblichen Verlauf der Verfolgungen - zahlreiche Adelige und Bürger, aber auch „Ordensleute“ und sogar das „Verfolgungspersonal“ selbst in den Sog der „Trudenjagd“.

Nach der Beendigung der „Hexenverfolgung“ durch eine Entscheidung des „Reichskammergerichts“ und dem Einmarsch der schwedischen Truppen sind in der Stadt Würzburg 220 Personen und im „Hochstift Würzburg“ über 900 Menschen als „Hexen“ erst geköpft und dann verbrannt worden. 

1626

München * Selbst unter den „Jesuiten“ gibt es erste Stimmen, die sich entschieden gegen die „Verfolgung der Hexen“ aussprechen.

Dazu gehört der „Jesuitenpater“ Adam Tanner, der sich im dritten Band seines Werkes „Theologiae Scholasticae“ vehement gegen die Ansicht wehrt, dass Gott es zulassen würde, dass neben vielen „Schädlichen“ auch viele „Unschuldige“ sterben müssten.

Tanner bejaht zwar die Existenz der „Hexen“, glaubt grundsätzlich an den „Teufelspakt“ und sieht in der „Hexerei“ ein „todeswürdiges Verbrechen“, dem der Prozess zu machen sei.

Er verlangt aber auch, dass bis zum Beweis des Gegenteils von der „Unschuld der Angeklagten“ auszugehen sei.
„Geständnisse unter der Folter“ dürfen keine Begründung für einen „Urteilsspruch“ sein. 

Seine Forderungen bringen dem „Jesuiten“ Adam Tanner mannigfache Anfeindungen ein.
Erboste „Inquisitoren“ drohen ihm sogar die „Folter“ an. 


1627

1. März 1627

Eichstätt * Ursula Bonschab wird der „Hexerei“ beschuldigt. 

Sie wurde aufgrund von 16 „Denunziationen“ gefangen genommen und „gütlich und peinlich vernommen“.

20 Tage hält sie den Qualen einer extrem grausamen und sich immer steigernden „Folterprozedur“ stand, erst dann ist die selbstbewusste Frau gebrochen.

Sie gesteht schließlich alles, was man ihr vorsagt: „Wetterzauber, Kinderausgraben, Coitus mit dem ‚bösen Feind‘, Schadzauber mit Pulver und Salben an Menschen und Tieren“.
Außerdem nennt sie noch 34 „Gespielinnen“, an denen sich die „fürstbischöflichen Commissare“ im Anschluss ebenfalls vergehen. 

8. Mai 1627

Eichstätt * Ursula Bonschab wird „von Rechts wegen“ als Hexe mit dem Schwert der Kopf abgeschlagen und ihr Körper anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Das nicht unbeträchtliche Vermögen der Bürgermeisterin wird vom Fürstbischof Johann Christoph von Westerstetten, seinen „Terrorkommissaren, Foltermeistern und Henkerknechten“ geraubt. 


1628

1628

Oberpfalz * „Bücherverbrennungen“ in der rekatholisierten Oberpfalz.

Ab 1628

Neuburg * Das Jahr ist von einer extrem kalten Witterung geprägt, die zu Ernteausfällen und „Pestepidemien“ führt.

Im „Fürstentum Pfalz-Neuburg“ sterben zwischen 1628 und 1630 etwa achtzig der „Hexerei“ bezichtigte Personen, in Neuburg sind es 22. 


1629

Ab 1629

Wemding * Im „Kurfürstentum Baiern“ ist Wemding von 1629 bis 1630 erneut das Zentrum einer „Hexenverfolgung“.

Die baierische Enklave liegt auf fränkischem Gebiet und ist umgeben von den Auswirkungen der dortigen „Hexenverfolgungen“.

„Denunziation“ aus dem „Herzogtum Pfalz-Neuburg“ und der „Grafschaft Oettingen“ führen auch hier zu einer neuen Verfolgungswelle - trotz der gemachten schlechten Erfahrungen.

Vierzig Personen werden Opfer des „Hexenwahns“

1629

Ingolstadt * Auch Ingolstadt bekommt noch einen „Hexenprozess“.

Das „Strafurteil“ fällt die „Juristenfakultät der Universität Ingolstadt“.
Es ist ihr einziges bekanntes Urteil in einem „Hexenprozess“.

Verurteilt wird die „Hofschneiderin“ Catharina Nickhlin wegen „Teufelsbündnis, Teufelsvermischung, Absagung Gottes, Schädigung von Mensch und Vieh“ und wegen „Verunehrung der Hostien“.

Catharina Nickhlin stammt aus Eichstätt und wird aus dem Kreis der dort wegen „Hexerei“ verbrannten Frauen und Männer denunziert.
Sie flieht nach Ingolstadt, wird aber dort auf Ersuchen der Eichstätter Behörden am 13. Februar 1629 verhaftet.

Nachdem sich die Stadt Ingolstadt gegen den „Hexen-Prozess“ wehrt, muss ein Dr. Wolfgang Kolb auf Befehl des Münchner „Hofrats“ die „Tortur“ durchführen.

Dr. Kolb hat vorher schon als „Hexen-Kommissar“ in Eichstätt gedient. 

6. Juli 1629

Ingolstadt * Die Juristenfakultät der Universität Ingolstadt stellt das Todesurteil gegen Catharina Nickhlin aus, nachdem der Hofrat zuvor die Hinrichtung durch Verbrennen befohlen hat.

Dr. Kolb exekutiert in Wallerstein zwischen 1628 und 1630 zwanzig Hexen, in Wemding ist er im Jahr 1629 für die Hinrichtung der ersten neun Delinquenten verantwortlich. Den „Erfolg“ von Dr. Wolfgang Kolb führt man auf die Einführung einer neuen Foltermethode zurück: auf den „Bock“, den er erstmals im Kurfürstentum Baiern anwendet. 


1631

12. Januar 1631

München * Durch ein weiteres Hexen-Mandat wird den Hexen Begnadigung zugesagt, wenn sie sich freiwillig stellen. 

Mai 1631

München * Die Schrift „Cautio Criminalis“ des „Jesuitenpaters“ Friedrich Spee erscheint, in der er sich - erstmals im katholischen Bereich - kritisch mit der Anwendung der „Folter“ und den „Hexen-Verfolgungen“ auseinander setzt.

Die Schrift muss „anonym“ erscheinen.
Auch ein aussagekräftigerer Titel - wie etwa „Wider den Hexenwahn“ - wäre ein eindeutiger Verstoß gegen die allgemein herrschende Überzeugungen gewesen und geeignet, neben dem Verfasser auch noch den Drucker und den Verleger in Verdacht zu bringen, dass sie „Hexen“ in Schutz zu nehmen und somit die „Partei des Satans“ stärken würden.

Der „Jesuitenpater“ Friedrich Spee hatte während seiner Aufenthalte in den Zentren der „Hexenverfolgung“ in Köln, Trier, Würzburg, Mainz, Speyer und Paderborn „Hexenprozesse“ verfolgt und kam dabei zur Überzeugung, dass die „Folter“ nicht zur „Wahrheitsfindung“ geeignet sei.

Das verstößt freilich gegen die damalige „Rechtsauffassung“, denn daraus lässt sich ableiten, dass die verdächtigten Frauen - trotz ihrer Geständnisse unter der „Tortur“ - unschuldig sind.

Innerhalb der „Gesellschaft Jesu“ bleibt die Autorenschaft des „Paters“ Friedrich Spee nicht verborgen.
Zeitweise droht ihm sogar die Entlassung aus dem „Jesuitenorden“


1632

17. Mai 1632

München - Haidhausen * Unterwürfig überreichen die Münchner Stadtväter dem anrückenden „Kriegsherrn“ Gustav II. Adolf am „Gasteig“ die Stadtschlüssel.

Der „Schwedenkönig“ zieht in München ein, um in der Residenz Quartier zu nehmen.
Sein Weg führt ihn über die Isarbrücke zum „Roten Turm“ und dem „Isartor“.

In seiner Begleitung befindet sich der „Winterkönig“ Friedrich V., der Pfalzgraf August von Sulzbach und die Herzöge Bernhard und Wilhelm von Weimar sowie Johann von Holstein.
Diesen folgen noch drei Regimenter.

Gustav Adolf ist von München angeblich so begeistert, dass er am liebsten die „Residenz“ mit nach Schweden genommen hätte - sagt man.
Es stimmt wohl, dass er München - angesichts des eher kargen Umlandes - mit einem „goldenen Sattel auf einem mageren Pferde“ verglichen hat.
Seine Schwärmerei für die „Residenz“ ist jedoch eine Ausschmückung späterer Jahre.
Denn eigentlich war es nur ein Ofen, der ihm so gut gefiel, dass er „gewinschet, daß dieser ofen zu Stockholm wehre“.

Die Schweden besetzen die baierische Haupt- und Residenzstadt.
Siegmund Riezler schrieb dazu: „Im Übrigen aber wurde weder Eigentum noch Person angetastet“.

Das stimmt so nicht!
Denn die Hauptleidtragenden der Kriege sind immer die Vorstädter.

Sie bieten den Belagerern der Stadt Ersatz fürs Morden, Plündern, Brandschatzen, Foltern und Vergewaltigen. 

Die Hauptarmee lagert nicht in der Stadt, sondern ist auf die Dörfer vor den Stadttoren verteilt worden.
Und diese „Soldateska“ raubt und stiehlt alles, was nicht niet- und nagelfest ist und verkauft es in der Stadt, sodass die Münchner Waren zu billigsten Preisen kaufen können.

Nach dem 20. Mai 1632

München * Nachdem die Schweden im Dreißigjährigen Krieg die baierische Haupt- und Residenzstadt München besetzt haben, gelobt Kurfürst Maximilian I. „ein gottgefälliges Werk anzustellen, wenn die hiesige Haupstadt und auch die Stadt Landshut vor des Feinds endlichem Ruin und Zerstörung erhalten würde“


1637

12. Dezember 1637

München * Kurfürst Maximilian I. teilt dem Münchner Rat - ohne Rücksicht auf dessen Bestimmungsrecht über den Marktplatz - selbstherrlich mit, er werde „der Heiligen Himlkönigin zu Ehrn, und ewiger gedechtnus, ein offentliches Monumentum, von einer Seulen, und darauf stehenden unnser lieben Frauen Bildtnus, mitten deß Plazs, aufrichten“.  
Die Arbeiten beginnen zwei Tage später.  

Er begründet dies mit der „unbezweifelbaren Fürbitte der Himmelskönigin und Muttergottes“, die als Patronin und Beschützerin das Land und die Stadt „von Brand und anderm feindlichen Verderben behütet und errettet“.  

Der „Rat der Stadt“, der zu dieser Entscheidung nicht herangezogen worden ist, muss dies unwidersprochen hinnehmen, obwohl die Stadt seit dem Jahr 1315 das „Privileg“ Kaiser Ludwigs des Baiern besitzt, alleine über die Bebauung des Platzes bestimmen zu dürfen.  

Auf dem zentralen Platz der Bürgergemeinde München ist künftig der „Landesherr“ mit einer „persönlichen Votivgabe“ präsent.  


1638

7. November 1638

München-Graggenau * Am ersten Sonntag nach „Allerheiligen“ weiht der Freisinger Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh das „Marien-Monument“ auf dem „Schrannenplatz“ feierlich ein.

Das ist jener Tag, an dem alljährlich in einer großen „Gedächtnis-Prozession“ der Sieg Maximilians I. in der „Schlacht am Weißen Berg“ bei Prag, im Jahr 1620, gegen die aufständischen Böhmen, gefeiert wurde.  
Auf den Tag genau ist das jetzt 18 Jahre her.  

Die Münchner „Mariensäule“ ist die erste „Madonnen-Säule“ nördlich der Alpen.  

Der baierische Kurfürst hat die „Madonnen-Säule“ als Symbol des durch den „Dreißigjährigen Krieg“ wieder erstarkten katholischen Glaubens und als Ausdruck seiner eigenen tiefen „Marienverehrung“ errichten lassen.  
Er legt damit ein öffentliches Bekenntnis für seine Religion und seine politische Überzeugung ab.  

Die Münchner „Mariensäule“ wird zum Vorbild vieler ähnlicher Monumente in Baiern und Österreich.  


1641

1641

Straubing * Im „Rentamt Straubing“ gibt es Ermittlungen wegen des Auftauchens von „Werwölfen“ im „Baierischen Wald“.

Dort hat sich in der Zeit des Krieges „allerhandt zauberische abergläubische Khünstten und sonderlich zwar das Paizen (wodurch Vich und Leithen an Leib und Leben khan Schaden zuegefüegt werden) so starkh eingerissen und überhandt genommen, das der gemaine ainfeltige Burger und Baursmann in die Gedankhen gleichsamb gerathen, er sich beregter abergläubischer Khünsten ohne Sindt und befahrende Bestraffung gebrauchen und bedienen khönne“.

Um die Verdächtigten verhaften zu können, wird ein eigenes „Gefängnis“ erbaut. 

10. Mai 1641

München-Graggenau * Durch einen Erlass will Kurfürst Maximilian I. sicherstellen, dass die Mariensäule „in gebierender veneration, und respect erhalten, Insonderheit alle unsauberkheiten und verunehrungen verhietet und abgestelt werden“.  

Die „Mariensäule“ wird deshalb mit einem Marmorgeländer mit den vier Bronze-Laternen umgeben.  

Auf dem Sockel der „Mariensäule“ kommen im gleichen Jahr vier bronzene „Heldenputti“ zur Aufstellung, die für Maria als „ecclesia militans“ [„die in der Welt kämpfenden Kirche“] oder als „Apokalyptisches Weib“ für die im „Kampf der Konfessionen“ siegreiche katholische Kirche instrumentalisiert werden.  

Sie stellen eine Umsetzung des Psalm 91, Vers 13 dar: „Über die Schlange und den Basilisken wirst du schreiten, und den Löwen und den Drachen wirst du zertreten“.  

In nahezu allen Veröffentlichungen über die „Mariensäule“ verkörpert der „Drache“ den „Hunger“, der „Löwe“ den „Krieg“, der „Basilisk“ die „Pest“ und die „Schlange“ den „Unglauben“.  
Sie sollen, so die populäre Auffassung, die großen Plagen der Zeit veranschaulichen.  

Nach einer anderen Definition, die dem Programm des - im Jahr 1674 ausgebrannten - „Zimmers der Religion“ in der „Residenz“ entspricht, steht der „Drache“ für die „Häretiker“ [= „Ketzer“], der „Löwe“ für die „Heiden“, die „Schlange“ für die „Juden“ und der „Basilisk“ für die „Schismatiker“ [= „Protestanten, Kirchenspalter“].  

Aus einem Monument der persönlichen Frömmigkeit des Kurfürsten ist durch die Hinzufügung der „Heldenputti“ zugleich ein „Denkmal des Triumphes des katholischen Glaubens über die Übel der damaligen Zeit“ geworden.  

Da Maximilian I. sowohl den Tag der „Denkmalsweihe“ als auch das Datum für die alljährliche „Dankprozession“ auf den Jahrestag der „Schlacht am Weißen Berg“ orientiert, macht er die „Mariensäule“ auch zu einem unübersehbaren Symbol für den bisher größten Triumph baierischer Waffen über die protestantischen Feinde.  

Und damit macht er aus der „Mariensäule“ eine „Siegessäule“


1642

8. September 1642

Würzburg * Johann Philipp von Schönborn untersagt nach seinem Amtsantritt die „Hexenverfolgungen“ gänzlich. 


1643

Ab 1643

Rain am Lech * Im Kurfürstentum Baiern kam es unter der Regierung Maximilians I. in den Jahren 1643/44 zum letzten größeren „Hexenprozess“ in Rain am Lech, der die ungeheuerliche Summe von 3.141 Gulden verschlingt.

Die immensen Kosten, die auch aus den Hinterlassenschaften der „Hexen“ nicht finanziert werden können, lassen den „Hofrat“ von weiteren „Hexen-Verfolgungen“ Abstand nehmen.
Auch die weitgehend beachteten Beschränkungen der „Folter“ und die „Strategie des Widerrufs“ steuern ihren Teil dazu bei.

Der Tatbestand der „Hexerei“ reicht alleine nicht mehr zur Rechtfertigung eines „Todesurteils“ aus.
Hingerichtet werden „Zauberer“ und „Hexen“ im Kurfürstentum Baiern nur noch dann, wenn zudem andere Delikte wie „Giftmord, Kindsmord“ oder „Diebstahl“ nachgewiesen werden können. 


1672

1672

München-Graggenau * Der „Alte Rathausturm“ wird renoviert und mit einem Zwiebelturm abgeschlossen.


1675

Ab 1675

Salzburg * Im „Fürstbistum Salzburg“ wird in den Jahren von 1675 bis 1690 der „Zauberer-Jackl-Prozess“ durchgeführt.

Er betrifft vor allem umherziehende „Bettler- und Vagantenkinder“ aus der Bande des nie gefassten „Zauberer-Jackls“.

90 Prozent der hingerichteten Kinder und Jugendlichen, die überwiegend unter 21 Jahre alt sind - das jüngste ist 11Jahre - sind männlich und stammen fast durchweg aus den „unteren sozialen Schichten“.

Auf Unterstützung aus der bäuerlichen Bevölkerung können sie nicht hoffen, im Gegenteil:
Die „vagierenden Bettlergruppen“ sind verhasst, weil man ihnen unterstellt, sie würden „schlechtes Wetter, Missernten und Hungersnöte“ herbeizaubern können. 


1701

Bis zum Jahr 1701

München * In München geraten bis zum Jahr 1701 noch mindestens einhundert Personen in den Verdacht der „Hexerei“.

Mindestens 55 von ihnen erhalten Strafen, die unterhalb der „Todesstrafe“ lagen, hingerichtet werden etwas mehr als zehn. 

17. September 1701

München * Die 17-jährige Wachtmeisterstocher Maria Theresia Käser aus Pfaffenhofen als Hexe auf der Richtstatt enthauptet und ihr geschundener Körper anschließend verbrannt.

Maria Käser wird früh elternlos und ist auf Betteln und Stehlen angewiesen. Das armselige und heruntergekommene Mädchen ist aufgrund ihrer niedrigen sozialen Stellung zur Hexe geradezu geboren.

Die junge Frau wird von einem verschmähten Liebhaber der Hexerei bezichtigt. Unter der Folter gesteht sie, am Hexensabbat teilgenommen, sich dem Teufel mit „Leib und Seele“ ergeben sowie ihr Amulett und einen geweihten Gürtel mit Füßen getreten zu haben. 


1715

1715

Freising * Der große baierischen „Kinderhexenprozess“ geht in Freising, in zwei Teilen vonstatten.

Die „Bettelkinder“ Andre, genannt der „Drudenfanger“, und Lorenz werden unter der Beschuldigung, „Ferkel und Mäuse“ hergezaubert zu haben, verhaftet.
Die Verhöre ergeben weitere Beschuldigungen. 


1717

1717

Freising * Der der „Hexerei“ beschuldigte Andre erhängt sich in seiner Zelle.

Ein weiterer Junge stirbt in der Zelle. 

12. November 1717

Freising * Drei Jungen, die in der Bischofsstadt der „Hexerei“ beschuldigt werden, werden mit „Schwert und Feuer“ hingerichtet, zwei andere Buben müssen dabei zusehen. 


1721

1721

Freising * Der Jugendliche Veit Adlwart kommt unter „Diebstahlsverdacht“ in Gewahrsam. 

Kurzfristig wandelt man die Anklage von „Diebstahl“ in „Hexerei“ um.

Im weiteren Verlauf verhaften die Freisinger Behörden über 100 Personen, von denen die meisten jedoch wieder frei kommen. 

1721

München * In München lodert das letzte „Hexenfeuer“.

Die Tochter des „Hofstallknechts“ Dellinger wird erwürgt, bevor man ihren leblosen Körper dem Feuer übergibt. 

Der „Geschichtsschreiber“ Andreas Felix Oefele bezeichnet sie als „ein elendes Mädchen, schwach und seiner Sinne nicht mächtig“


1723

Bis zum Jahr 1723

Freising * Zwischen 1721 und 1723 werden acht Burschen und junge Männer im Alter zwischen 14 und 23 Jahren und drei „Bettlerinnen“ mittleren Alters in Freising hingerichtet.

Zu diesem Zeitpunkt ist der Zenit der „Hexen-Verfolgungen“ allerdings längst überschritten.
Der „Freisinger Prozess“ ist ein Auslaufmodell, was aber den „Hingerichteten“ allerdings nicht hilft. 


1750

Um 1750

München * Der Rat der Stadt lässt 19 Ketten-, Zieh- und Galgenbrunnen „nach französischer Art“ umbauen.

Die neue Form der „Pumpbrunnen“ bezeichnet man als „Leyrerbrunnen“ oder „Leyrergumpter“.


1770

1770

München * Die „Hausnummern“ werden in München eingeführt.


1773

1773

München-Kreuzviertel - München * Der „Frauenfriedhof“ wird - wie alle anderen „innerstädtischen Gottesäcker“ - offiziell aufgelöst.


1776

1776

München * München bekommt seinen ersten „Blitzableiter“.

Die Zeit des „Wettersegens“ ist vorbei.


1778

Ab 1778

München-Graggenau * Die Fassade des „Alten Rathauses“ wird erneut umgestaltet und bemalt.


1780

6. November 1780

München-Graggenau * Wolfgang Amadeus Mozart trifft in München ein.  

In einem Hotel an der Burgstraße, dem späteren „Gasthaus zum Mozart“, steigt er ab, um im Eckzimmer des zweiten Stockwerks an der Vollendung seiner Oper „Idomeneo“ zu arbeiten.  

Er bleibt bis zum 12. März 1781.  
Die Oper kommt am 29. Januar 1781 - unter der Stabführung von Mozart selbst - im neuen Opernhaus von François Cuvilliés zur Uraufführung.  


1785

20. Juli 1785

München-Graggenau * Der Zierbrunnen im Alten Hof geht erstmals in Betrieb.


1789

1789

München-Kreuzviertel * Die letzte Beerdigung findet - aufgrund der Beschießung Münchens durch die Österreicher - auf dem „Frauenfriedhof“ statt.


1793

Um 1793

München-Graggenau * Der „Metzgersprung“ findet nachweislich im „Fischbrunnen“ statt.

Die „Metzgerlehrlinge“ werden mit dem Sprung ins kalte Wasser „getauft“ und freigesprochen.


1796

1796

Au - München * Nach einer Stadtbeschreibung hat es an den Abenden den Anschein, „die ganze Au sei in der Stadt gewesen“.


1802

November 1802

Freising * Nach der „Säkularisierung Freisings“ erhält  der „Baierische Staat“ die jährliche Pauschalsumme als „Rekognition für die Verlegung der Brücke“.


1803

5. September 1803

Au * Das „Landgericht München“ bezieht die Räume im ehemaligen „Kloster Lilienberg“.

Es umfasst neben den Orten des „Gerichts ob der Au“ das „Amt Perlach“ vom „Landgericht Wolfratshausen“, das „Gebiet Neuhausen“ vom „Landgericht Dachau“, die „Gebiete Gauting und Germering“ aus dem „Landgericht Starnberg“ sowie Fröttmaning und Garching aus dem „Landgericht Kranzberg“.

Dazu die Orte Ismaning, Ober- und Unterföhring, Daglfing und Englschalking aus dem kurz zuvor staatlich eigenständigen „Fürstbistum Freising“.


1809

2. November 1809

München * Freiherr Max Joseph von Montgelas wird in den „Grafenstand“ erhoben.


1819

19. Dezember 1819

München * 8.255 Schäffel (1 Scheffel = circa 222 Liter) Getreide kommen auf die Münchner „Schranne“

Rechnet man auf einen Wagen acht Scheffel, dann waren an diesem Tag 1.034 Bauernwagen mit 2.068 Pferden in der Stadt.


1825

15. Oktober 1825

Berlin * Prinzessin Marie Friederike von Preußen, die spätere Königin und Mutter Ludwigs II. wird in Berlin geboren.


1831

1831

München-Graggenau - München-Angerviertel * Der „Fischmarkt“, der bisher am „Fischbrunnen“ auf dem „Schrannenmarkt“ abgehalten wurde, findet auf dem heutigen „Viktualienmarkt“ statt.


1846

31. Dezember 1846

München * München hat 85.555 Einwohner, Bayern 4.504.876.


1848

27. April 1848

München * Prinz Otto Wilhelm Luitpold Adalbert Waldemar, der jüngere Bruder des „Kronprinzen“ Ludwig II., der spätere König Otto I. von Bayern, wird geboren. 


1852

1852

München - Freising * Die Stadt München löst mit einer Einmalzahlung von 987 Gulden jährliche Zahlung für die „Rekognition für die Verlegung der Brücke“.


1853

10. September 1853

München-Graggenau - München-Angerviertel * Die letzte „Schranne“ auf dem „Schrannenplatz“.

Sie wird seither in der neu errichteten „Schrannenhalle“ an der Blumenstraße abgehalten.


1858

Ab 1858

München-Kreuzviertel * In der Zeit der „Purifizierung der Frauenkirche“ wird alles entfernt, verkauft oder zerschlagen, was nicht gotisch ist.

Sogar die „welschen Hauben“ sollen durch „gotische Spitzhelme“ ausgetauscht werden.

Von diesem Plan wird jedoch Abstand genommen.

1858

München-Kreuzviertel * Der „Kenotaph“ für Kaiser Ludwig dem Baiern wird aus der Mitte des „Chores“ der „Frauenkirche“ in das Kirchenschiff versetzt.


1861

Ab 1861

München-Graggenau * Bis 1864 wird das „Alte Rathaus“ vom „Städtischen Baurat“ Arnold Zenetti regotisiert.


1862

Ab 1862

München-Graggenau * Der Bildhauer Konrad Knoll beginnt mit der Erneuerung des „Fischbrunnens“.

Die Arbeiten dauern bis 1865 an.


1864

11. März 1864

München * Nach dem Tod seines Vaters, König Max II., wird Kronprinz Ludwig II. zum König der Bayern.  

Um 10 Uhr vormittags leistet er seinen Eid auf die Verfassung.


1865

1865

München-Graggenau * Die Stadt München kauft das ehemalige „Landschaftsgebäude“, um an seiner Stelle den ersten Bauabschnitt des „Neuen Rathauses“ zu errichten.

7. November 1865

München * Ein Wettbewerb für den Bau des „Neuen Rathauses“ wird ausgeschrieben.

27 Architekten beteiligen sich.


1866

Anfang Dezember 1866

München-Graggenau * Der erst 26-jährige, aus Graz stammende Architekt Georg Hauberrisser erhält den Auftrag für den Bau des „Neuen Rathauses“.


1867

1867

München-Angerviertel * Die letzten Holzwasserrohre werden am Oberanger gegen Metallrohre ausgetauscht.

1. Juni 1867

München-Graggenau * Die Arbeiten am Neuen Rathaus beginnen. Der erste Bauabschnitt ist bis 1874 fertig gestellt.

25. August 1867

München-Graggenau * In Vertretung König Ludwigs II. wird im Beisein von Prinz Adalbert der Grundstein für das „Neue Rathaus“ gelegt.


1870

1870

München-Graggenau * Der Mittelbereich des „Neuen Rathauses“ wird von Bildhauern gestaltet.

Er zeigt in Standbildern die „bürgerlichen Tugenden“: Gewerbefleiß, Häuslichkeit, Wehrhaftigkeit und Mildtätigkeit.

1870

München-Graggenau * Die von der „Münchner Garnison“ gestellte „Hauptwache“ bezieht ihr neues „Wachlokal“ in der Erdgeschosszone des „Neuen Rathauses“.


1871

18. Januar 1871

Versailles * In der „Spiegelgalerie von Versailles“ wird das „2. Deutsche Kaiserreich“ gegründet.  

König Wilhelm von Preußen, wird an gleicher Stelle zum „Deutschen Kaiser“ ausgerufen.

10. Mai 1871

München * Prinz Otto, König Ludwigs II. Bruder, steht unter ärztlicher Überwachung. 

Sein Krankheitsbild wird bald darauf von „Syphilis“ in „Paranoia“ abgeändert.


1873

Ab 1873

München * Dritte „Cholera-Epidemie“ bricht in München aus.

Sie führt zur Umsetzung der von Professor Max von Pettenkofer vorgeschlagenen hygienischen Maßnahmen der Stadtsanierung:

  • den Bau der „Schwemmkanalisation“,
  • einer „zentralen Wasserversorgung“ und
  • dem zentralen „Schlacht- und Viehhof“.

Damit wird München, als eine der schmutzigsten Städte die „sauberste Stadt Europas“.


1874

1874

München-Graggenau * Die „Stadtverwaltung“ bezieht das „Neue Rathaus“.

7. September 1874

München-Graggenau * Erstmals tagt der Münchner Stadtmagistrat in einem provisorisch ausgestatteten Saal im 3. Stock des Neuen Rathauses. 


1875

1875

München * Die „städtischen Brunnwerke“ speisen 60 öffentliche Brunnen und 2.203 Häuser.

Auf die „Hofbrunnwerke“ fallen neun öffentliche Brunnen und 960 Häuser.

Das Rohrsystem ist 120 Kilometer lang. Davon entfallen 80 Kilometer auf die Stadt und 40 Kilometer auf den „Hof“

Von den 7.382 Anwesen der Stadt sind 4,219, also 57 Prozent, ohne laufendes Wasser.

1875

München-Graggenau * Aufgrund des enormen Wachstums der Stadt und ihrer Aufgaben ist das „Neue Rathaus“ absehbar bald zu klein, weshalb man sich zur Vergrößerung des Gebäudes entschließt.


1877

1877

München-Graggenau * Der „Metzgersprung“ lässt sich regelmäßig nachweisen.

1877

München-Graggenau * Um eine Durchfahrt durch das „Alte Rathaus“ für die Trambahn zu schaffen, wird die breite Treppe und der „Pranger des Stadtgerichts“ beseitigt.


1878

1878

München-Kreuzviertel * Das „Gasteiger-Brunnhaus“ nördlich des „Neuhauser Tores“ wird aufgelassen.

An seiner Stelle entsteht ab 1896 das „Künstlerhaus“.


1880

1880

München-Graggenau * Der große „Sitzungssaal“ für die „Gemeindebevollmächtigten“ im „Neuen Rathaus“ wird mit einem 15 x 4 Meter großen Monumentalgemälde des Malers Karl von Piloty geschmückt.


1883

1. August 1883

Mangfalltal - München * Die Wasserleitung aus dem „Mangfallgebiet“ wird - mit den üblichen Gottesdiensten in der katholischen „Frauenkirche“, der evangelischen „Matthäuskirche“ und in der „Synagoge“ - offiziell eingeweiht.


1884

Um April 1884

München * Die Schulden König Ludwigs II. belaufen sich auf 7,5 Millionen Mark, obwohl er seit dem Jahr 1873 insgesamt 5 Millionen Mark aus dem von Otto von Bismarck verwalteten „Welfenfond“ erhalten hat.

Juni 1884

München * Ein Bankenkonsortium bestehend aus der „Bayerischen Bank“, der „Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank“ und der „Süddeutschen Bodenkreditbank“ übernimmt ein Darlehen in Höhe von 8 Millionen Mark, und Bismarck legt noch eine Million Mark aus seinem „Reptilienfond“ oben drauf, zur Tilgung der Schulden König Ludwigs II.

29. Juli 1884

Graggenau * Der umgestaltete Fischbrunnen wird wieder in Betrieb genommen.


1886

23. Mai 1886

München - Berlin - Wien * Am 23./24. Mai wird mit Preußen und Österreich Einvernehmen über das Entmündigungsverfahren König Ludwigs II. hergestellt, um mögliche Interventionen und Missbilligungen zu vermeiden.

13. Juni 1886

Schloss Berg * Am Pfingstsonntag gegen 18.30 Uhr treten der abgesetzte und entmündigte König Ludwig II. und der Leiter der Kreisirrenanstalt von München und Oberbayern, Professor Dr. Bernhard von Gudden, einen Spaziergang an. Nachdem sie um 20 Uhr noch immer nicht zum Abendessen erschienen sind, beginnt man mit der Suche.

Gegen 23 Uhr findet man die Leiche des Ex-Königs auf dem See schwimmen, das Gesicht nach unten. Nur ein paar Meter entfernt treibt der tote Dr. Gudden. Bei der Leichenschau finden sich an Ludwig II. keine Verletzungen, jedoch im Gesicht des 61-jährigen Psychologen Kratzwunden über dem rechten Auge. An der Stirn wird eine Beule festgestellt. Ein Fingernagel ist abgerissen und am Hals finden sich Würgemale. 

Das Volk gibt die Schuld an der Königstragödie dem Prinzregenten.  


1887

16. September 1887

München-Angerviertel - München-Kreuzviertel * In den Morgenstunden begehen die jüdischen Gläubigen Münchens in der alten Münchner Synagoge an der Westenriederstraße den letzten Gottesdienst und überführen anschließend die Thora-Rollen in das neue israelitische Gebetshaus.

Dort angekommen legen sie den Schlussstein der Kirche, der eine Kapsel mit einer Urkunde über den feierlichen Akt sowie sämtliche Tageszeitungen und die in Umlauf befindlichen Münzen enthält.

Um 17 Uhr erfolgt dann - unter interessierter Beteiligung der Münchner Öffentlichkeit und der offiziellen Repräsentanten von Stadt und Staat - die feierliche Einweihung der neuen, nach dreijähriger Bauzeit fertiggestellten Münchner Haupt-Synagoge an der Herzog-Max-Straße 7.

Ausgestattet mit 1.000 Männer- und 800 Frauen-Betstühlen ist sie - nach der Berliner und der Breslauer Synagoge - das drittgrößte deutsche jüdische Gotteshaus und Zentrum der liberal ausgerichteten Mehrheitsgemeinde.

Die zeitgenössischen Kritiker würdigen den Bau als „ein völlig selbständiges Werk von ausgeprägter Eigenart, ein Denkmal, nicht nur des Meisters, der es geschaffen hat, sondern auch der Zeit, in der es entstand“. Und das Münchner Tagblatt vermerkt überschwänglich, dass das „architektonische Schmuckkästchen“ München nun wieder „um eine köstliche Perle reicher geworden“ ist.


1888

1888

München-Graggenau * Der kleinere „Sitzungssaal“ für den „Magistrat“ im „Neuen Rathaus“ wird von Wilhelm von Lindenschmitt mit einem Fresko ausgeschmückt.

Es zeigt eine „Monachia“, die von König Ludwig I. gekrönt wird. Man wollte damit „pflichtschuldig“ daran erinnern, dass München „seinen Aufstieg zu einer erstrangigen Kunststadt Europas alleine dem Bauwillen und dem Sammlungseifer dieses Regenten zu verdanken hatte“.


1889

1889

München-Graggenau * Erweiterungsarbeiten am „Neuen Rathaus“ beginnen im Bereich Diener- und Landschaftsstraße.


1891

1891

München-Kreuzviertel * Der „Kenotaph“ für Kaiser Ludwig dem Baiern wird in das Eingangsjoch der „Frauenkirche“ verlegt.


1894

20. Februar 1894

München-Haidhausen * Die Stromerzeugungsanlage im ehemaligen Muffatwerk auf der Kalkofeninsel liefert erstmals Strom für die Straßenbeleuchtung

278 Bogenlampen erhellen nun die Stadt.


1897

1897

München-Graggenau * Die Planungen für den westlichen Erweiterungstrakt des „Neuen Rathaues“ werden in Angriff genommen.


1899

1899

München-Graggenau * Die Arbeiten für den zweiten Bauabschnitt des „Neuen Rathauses“ beginnen.

Sie dauern bis 1909 an. Insgesamt 43 baierische Herrscher, davon eine Frau, sind am „Neuen Rathaus“ angebracht worden.

Es ist der größte „Herrscherzyklus“ an einen deutschen Rathaus und ist als Antwort auf die Verherrlichung der Hohenzollern in der Berliner „Sieger Allee“ zu verstehen. Insgesamt 102 Figuren und Figurengruppen schmücken das „Neue Rathaus“.


1905

1905

München-Graggenau * Das „Münchner Kindl“ kommt auf die Spitze des zwölfstöckigen, 85 Meter hohen Turm des „Neuen Rathauses“.


1908

12. März 1908

München-Graggenau * Das „Glockenspiel“ am Turm des „Neuen Rathauses“ wird der Öffentlichkeit vorgeführt. 

Die 37 Glocken sind eine „Stiftung“ des Münchner Geschäftsmannes Karl Rosipal.


1913

30. Oktober 1913

München-Kreuzviertel * Die „Abgeordnetenkammer“ beschließt ein verfassungsänderndes Gesetz mit 122 gegen 27 Stimmen der „Sozialdemokraten“

Mit diesem Gesetz kann der „Regent die Regentschaft für beendet und den Thron für erledigt erklären“, wenn „wegen eines körperlichen oder geistigen Gebrechens des Königs“ auch „nach Ablauf von zehn Jahren keine Aussicht auf Regierungsfähigkeit“ besteht. Damit hat der „Prinzregent“ die Möglichkeit, seinen noch lebenden geisteskranken Cousin, den legitimen König Otto I., zu „entthronen“.

„Prinzregent“ Ludwig III. wollte politisch eine Veränderung herbeiführen und konnte mit dem „Zentrum“ und den „Liberalen“ auf eine breite parlamentarische Mehrheit bauen. Doch eine schlichte „Proklamation“ Ludwigs III. zum König wurde von den Abgeordneten als „nicht ratsam“ erachtet, da auch der „Prinzregent“ eine Übertragung der Krone durch den „Landtag“ ablehnte. Schließlich wollte Ludwig III. kein „König von Volkes Gnaden“, sondern ein „König von Gottes Gnaden“ sein.

4. November 1913

München-Kreuzviertel * Auch die Kammer der Reichsräte billigt die Verfassungsänderung. Damit kann Prinzregent Ludwig III. die „Regentschaft für beendet und den Thron für erledigt“ erklären.

5. November 1913

München * Prinzregent Ludwig III. proklamiert sich selbst zum KönigKönig Otto I. wird damit durch seinen Vetter Prinzregent Ludwig III. „entthront“. Eine 27-jährige Regentschaft geht dadurch zu Ende.

Nachdem diese unumstößlichen Fakten geschaffen sind, erkennt der „Landtag“ an, „daß am 4. November 1913 die verfassungsmäßigen Voraussetzungen für die Beendigung der Regentschaft bestanden haben“. Die Abgeordneten stimmen dem Antrag brav zu. Daraufhin erklärt König Ludwig III., dass durch seine Thronbesteigung der Titel und die Ehrenrechte König Ottos I. nicht berührt werden.

Bayern hat damit - bis zum Tod König Ottos I. am 11. Oktober 1916 - zwei Könige und damit eine Doppelmonarchie.

Doch die Vorgänge um die „Inthronisation“ schaden dem Ansehen König Ludwigs III. und der Monarchie schwer. Deshalb rührte sich auch keine Hand, als exakt fünf Jahre später Bayern als erster deutscher Einzelstaat sang- und klanglos zusammenbrach.


1916

26. April 1916

München - Rom-Vatikan * Papst Benedikt XV. genehmigt dies durch ein Dekret der „Ritenkongregation“, dass die „Muttergottes“ zur „Patronin des Königreichs Bayern“ wird.  

Das Königreich wird jedoch bald darauf in den revolutionären Wirren untergehen. 


1918

4. Februar 1918

München * Die „Streiks“ sind beendet.
In den Fabriken wird wieder gearbeitet, doch der Anlass der „Streiks“ ist geblieben.

Die „Christlichen Gewerkschaften“ lehnen in einer Stellungnahme grundsätzlich jeden „politischen Streik“ ab.

14. Oktober 1918

München-Obergiesing * Abends, um 20:30 Uhr, kann Kurt Eisner die Haftanstalt Stadelheim verlassen.

Er wird auf Entscheidung des 1. Senats des Reichsgerichts Leipzig entlassen, damit er an der am 17. November stattfindenden Reichstagswahl teilnehmen kann. Und das, obwohl sich der Oberreichsanwalt gegen die Entlassung ausgesprochen hatte. In der Begründung zu diesem Gerichtsbeschluss wird aufgeführt, dass eine Fluchtgefahr ausgeschlossen sei und eine Verdunkelungsgefahr nicht besteht. 

23. Oktober 1918

München-Schwabing * Kurt Eisner hält im Schwabinger Bräu seine erste Wahlkampfrede seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis. Nur neun Tage nach seiner Haftentlassung lockt er bereits 2.000 Zuhörer in seine Versammlung. 

Er referiert über das Thema „Regierungssozialisten oder Sozialistenregierung“ und wirft darin dem Flügel um Erhard Auer vor, nicht das Interesse des Volkes, sondern nur das der Regierung im Auge zu haben.

In der weiteren Rede fordert Kurt Eisner 

  • die Abdankung des Kaisers und
  • einen Frieden ohne Annexion
  • Kurt Eisner verspricht sich nicht viel vom jetzigen demokratischen System und tritt ein
  • für die Beseitigung aller bestehender Gewalten durch Umsturz und Revolution ein. 

Am Schluss verlangt er

  • „eine große deutsche Republik mit Einschluss Deutsch-Österreichs“ und
  • die „Rückkehr zu den Idealen der Revolution von 1848“

„Bissig, heiser und mit einem fanatischen Elan rechnete er mit seinen Gegnern ab.  
Alles um ihn war dicht besetzt. Kopf an Kopf. Er stand auf dem Podium inmitten der hockenden Leute und gestikulierte mitunter wild. Langes Haar, das fast bis auf seine Schultern herabwallte, einen noch zerzausteren Bart hatte er jetzt. Wie ein Apostel sah er aus, nur dass er einen Kneifer trug“
, schreibt Oskar Maria Graf über Kurt Eisner. 

8. November 1918

München-Kreuzviertel * Kurz nach Mitternacht  hält der neu gebildete Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat im Sitzungssaal der Abgeordnetenkammer im Landtagsgebäude an der Prannerstraße - unter der Leitung Kurt Eisners - seine erste Sitzung ab.  

Kurt Eisner proklamiert die demokratische und soziale Republik Bayern, den Freistaat Bayern. Die Monarchie ist damit gestürzt, die Republik geboren. In seiner Rede bemerkt Eisner: „Die bayerische Revolution hat gesiegt. Sie hat den alten Plunder der Wittelsbacher Könige hinweggefegt“.  

„Bayern ist fortan ein Freistaat“ lautet der dritte Satz eines Aufrufs, der am Morgen des 8. November 1918 auf der ersten Seite der Münchener Neuesten Nachrichten veröffentlicht wird.  

Mit dem Begriff Freistaat nimmt Kurt Eisner eine Definition auf, die schon 150 Jahre zuvor für Republik gebraucht wurde.  
Mit dieser Wortwahl will er aber nicht nur den Unterschied zur Monarchie, sondern auch die Eigenständigkeit Bayerns innerhalb eines deutschen Staatenbundes, der „Vereinigten Staaten von Deutschland“, herausstellen.  
„Der Rat der Arbeiter, Soldaten und Bauern“ hat diesen Aufruf „An die Bevölkerung Münchens“ gerichtet.  

Noch deutlicher ist ein knallrotes Plakat, das bereits in den Straßen Münchens hängt. Ihm können die interessierten Bürger entnehmen: „Die Dynastie Wittelsbach ist abgesetzt. Hoch die Republik!“


1919

26. Februar 1919

München-Giesing * Zeugten schon die Geschehnisse am Ort des Attentats von breiter Betroffenheit über Kurt Eisners Tod, so wird sein Begräbnis zu einer außergewöhnlichen Trauerbekundung der Bevölkerung.

Der Zentralrat ordnet für ganz Bayern Landestrauer an. Die öffentlichen Gebäude sind auf Halbmast schwarz und rot beflaggt. Die Arbeit ruht. Annähernd 100.000 Menschen nehmen an den Bestattungsfeierlichkeiten teil.

Ab 9 Uhr bewegt sich der Trauerzug - begleitet von 20 Musikkapellen - von der Theresienwiese zum Ostfriedhof. Matrosen tragen den mit schwarzen Tüchern verhüllten Sarg. Um 10 Uhr beginnt ein halbstündiges Glockengeläut. Die Trauerfeier mit der Einäscherung in der Halle des Krematoriums beginnt um 10:30 Uhr. Sie dauert bis 11:40 Uhr.

Gustav Landauer hält eine Gedächtnisrede, in der er ausführt: „Kurt Eisner, der Jude, war ein Prophet, der unbarmherzig mit den kleinmütigen, erbärmlichen Menschen gerungen hat, weil er die Menschheit liebte und an sie glaubte und sie wollte. Er war ein Prophet, weil er mit den Armen und getretenen fühlte und die Möglichkeit, die Notwendigkeit schaute, der Not und Knechtung ein Ende zu machen. Er war ein Prophet, weil er ein Erkennender war, dieser Dichter, der zugleich von der Schönheit, die kommen sollte, träumte und den harten, bösen Tatsachen unerschrocken ins Gesicht sah.

Er war ein Prophet, und er wurde so zum Satiriker und zum Geißler der Verlogenheit und Verkleisterung, wie er sie zumal bei seinen Kollegen von der Presse fand, er war ein unermüdlicher, trockener Erforscher der Wirklichkeit. So war er, der Schauend-Gestaltend-Erkennende, auch ein Prophet in dem Sinne, dass er die Zukunft voraus sah. Er wollte mit den Menschen gehen, er wollte auf die Menschen wirken, aber nichts lag ihm ferner als Herrschaft oder unterdrückende Überlegenheit“.

Selbst die bürgerliche Presse ist beeindruckt und schreibt: „In ihrer reichen Geschichte hat die bayerische Hauptstadt wohl viele prunkvolle Leichenzüge zu verzeichnen, aber keinen, der, was Massenentfaltung anlangt, denjenigen übertrifft, der am Vorfrühlingstage des 26. Februar halb München in Bewegung setzte“


1920

7. November 1920

München-Isarvorstadt * Im Lichthof des „Gewerkschaftshauses“ an der Pestalozzistraße wird eine „Gedenktafel für Kurt Eisner“ enthüllt.


1927

1927

München-Graggenau - München-Angerviertel * Die „Moriskentänzer“ von Erasmus Grasser aus dem „Alten Rathaus“ kommen in das „Stadtmuseum“.


1932

1932

München-Kreuzviertel * Der „Kenotaph“ für Kaiser Ludwig dem Baiern wird unter den Südturm der „Frauenkirche“ verschoben.


1933

30. Januar 1933

Berlin * Der Tag der sogenannten „Machtübernahme“.

Adolf Hitler wird vom „Reichspräsidenten“ Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg zum „Reichskanzler“ ernannt.
Er leitet eine Koalitionsregierung bestehend aus NSDAP, DNVP und „Stahlhelm“.

Nach dem 9. März 1933

München-Isarvorstadt * Die „Gedenktafel für Kurt Eisner“ im „Gewerkschaftshaus“ an der Pestalozzistraße wird von den Nazis entfernt. 

Sie gilt seither als verschollen.

9. März 1933

München-Graggenau * Die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten in Bayern.

Max Amann hisst die „Hakenkreuzfahne“ am Münchner Rathaus.
Nun beginnt die systematische Ausschaltung ihrer politischen Gegner.

20. Juli 1933

Rom-Vatikan - Berlin * Das Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich wird vom - katholischen - Vizekanzler Franz von Papen und vom Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli im Vatikan unterzeichnet.

  • Das Vertragswerk bestätigt die bestehenden Länderkonkordate mit Bayern, Preußen und Baden und
  • den Fortbestand der katholischen theologischen Fakultäten an den Universitäten,
  • sichert den katholischen Religionsunterricht an allen Schularten und
  • die Beibehaltung und Neueinrichtung von Bekenntnisschulen,
  • die Freiheit des Bekenntnisses und
  • der öffentlichen Ausübung der Religion,
  • den staatlichen Schutz für Geistliche, 
  • den Schutz des Beichtgeheimnisses und
  • den Schutz der katholischen Organisationen
  • Außerdem wird die Militärseelsorge und
  • das eigene kirchliche Steuerrecht garantiert.


Die Kirche gesteht hingegen den neuen Machthabern nur wenig zu:

  • Entpolitisierung des Klerus,
  • Treueeid der Bischöfe gegenüber dem Deutschen Reich und seinen verfassungsmäßig gebildeten Regierungen.

Die Reichsregierung macht der Kirche sehr große Zugeständnisse mit dem Ziel, internationale Anerkennung zu erhalten und die deutschen Katholiken für die Bewegung zu gewinnen, solange deren Macht noch nicht gefestigt ist.   

Keine der anderen neunzehn Weimarer Regierungen, auch nicht die Koalitionen mit Zentrumsbeteiligung, war der katholischen Kirche so weit entgegengekommen. 


1934

1934

München-Graggenau * Der „Metzgersprung“ wird zugunsten des „Winterhilfswerkes“ noch einmal aufgeführt und ein dreijähriger Turnus beschlossen. 

Der Brauch schläft aber systembedingt bald darauf ein.


1938

9. November 1938

München-Graggenau * Im „Alten Rathaus“ treffen sich Hitler, Goebbels, Göring, Himmler und der Rest der NSDAP-Führungselite zu einem „geselligen Beisammensein“, als die Nachricht vom Tode des deutschen „Legationssekretärs“ Ernst vom Rath eintrifft.

Da der Täter jüdischer Abstammung ist, liefert Raths Tod den Vorwand für eine groß angelegte jüdische Kampagne, die als „Reichskristallnacht“ in die Geschichte eingehen wird.


1939

1939

München-Graggenau * Nachdem bekannt wurde, dass der verstorbene Geschäftsmann Karl Rosipal, der „Stifter des Glockenspiels“ am Neuen Rathaus, „nicht ganz arischer Herkunft“ war, schreckt der antisemitische Oberbürgermeister Fiehler nicht davor zurück, die „Stiftung“ rückgängig zu machen und die gestiftete Summe den Erben zurückzuzahlen.


1944

7. Januar 1944

München-Graggenau * Der „Fischbrunnen“ auf dem „Marienplatz“ wird in der Bombennacht weitgehend zerstört.

22. November 1944

München-Kreuzviertel * Erste Bomben treffen die „Frauenkirche“.


1945

Mai 1945

München-Graggenau * Das „Neue Rathaus“ ist ein „Hauptsitz der amerikanischen Militärregierung“.

8. Mai 1945

Deutschland * Der Tag der bedingungslosen Kapitulation. Der Zweite Weltkrieg ist für Deutschland verloren.

8. November 1945

München-Graggenau * „Kardinal“ Michael von Faulhaber weiht die „Mariensäule“ am Marienplatz neu ein. 


1946

1946

München * Paul von Hindenburg, Franz Ritter von Epp, Franz Xaver Schwarz, Adolf Hitler und Hermann Göring werden die „Münchner Ehrenbürgerwürde“ aberkannt.

6. Juni 1946

München-Graggenau * Der erste frei gewählte Münchner Stadtrat der Nachkriegszeit kommt im provisorisch eingerichteten Großen Sitzungssaal zusammen.


1952

1952

München-Graggenau * Karl Pilotys Monumentalgemälde „Monachia“ im „Großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses“ wird wegen technischer Umbauarbeiten abgehängt und durch einen historischen Gobelin ersetzt.


1954

11. Juli 1954

München-Graggenau * Der im Krieg schwer zerstörte Fischbrunnen wird unter Verwendung erhaltener Figuren neu gestaltet und wieder zum Fließen gebracht.


1964

1964

München-Kreuzviertel * Das „Kaiser-Ludwig-der-Baier-Monument“ in der „Frauenkirche“ kommt an seinen heutigen Platz.


1966

Ab 1966

München-Graggenau * Wegen des U-Bahn-Baus wird der „Fischbrunnen“ am Marienplatz abgetragen.


1967

15. September 1967

München-Graggenau * Der Zierbrunnen im Alten Hof wird wieder in Betrieb gesetzt.


1969

14. Januar 1969

München * Im Stadtrat geht es um die Benennung von zwei Straßen in Neu-Perlach nach Karl Marx und Kurt Eisner. Während Marx der CSU-Fraktion „nicht problematisch“ erscheint, entzündet sich die Diskussion an Kurt Eisner. 

Denn: „München hat keine Veranlassung Eisner zu ehren. Sein Name ist in der Bevölkerung mit viel Unheil verbunden, auch wegen der Ereignisse nach [!] seinem Tod“.


1971

2. September 1971

München-Graggenau * Der Fischbrunnen am Marienplatz wird wieder als ganzjährig laufender Brunnen in Betrieb genommen.


1972

30. Juni 1972

München-Kreuzviertel * Ein Brunnen mit der technokratischen Bezeichnung „Schwerer Granit und zarte Wasserglocken“ wird im Schatten der Türme der Frauenkirche in Betrieb genommen. Die Wasserglocken werden 1980 durch Bronzepilze ersetzt. 

Gleichzeitig wird auch der Bennobrunnen aufgestellt und angeschlossen.


1980

1980

München-Kreuzviertel * Die „Wasserglocken“ des Brunnens mit der technokratischen Bezeichnung „Schwerer Granit und zarte Wasserglocken“ werden durch „Bronzepilze“ ersetzt. 


1985

20. August 1985

München-Graggenau * Der „SPD-Stadtrat“ Alfred Lottmann stellt - aus Anlass des drei Jahre später bevorstehenden „70. Jahrestage der Revolution und der Ermordung Kurt Eisners“ - an Oberbürgermeister Georg Kronawitter den Antrag für eine „Würdige Gestaltung eines Denkmals für Kurt Eisner“ und kritisiert dabei entschieden die im Jahr 1976 gefundene Lösung.  

Lottmann regt eine Veränderung der Straßenführung in der heutigen Kardinal-Faulhaber-Straße an, um dort den Platz für eine „Säule oder ähnliches“ zu schaffen. 

16. September 1985

München-Kreuzviertel * Der Bezirksausschuss des 1. Münchner Stadtbezirks spricht sich - unter dem eigenwillig betitelten Tagesordnungspunkt „Denkmal für einen Bürgerschreck“ - gegen die Errichtung eines Kurt-Eisner-Denkmals aus.


1986

21. Februar 1986

München-Kreuzviertel * Um 10 Uhr Ortszeit, ziehen die Aktivisten des Vereins „Das andere Bayern“ ein 2,50 Meter hohes, grell gelb-grünes Gemälde Kurt Eisners auf Plastikfolie auf, das der Kunstmaler Eckart Zylla geschaffen hatte.

Zylla malt eine rote Zielscheibe auf das Bild und signiert es.
Danach wird eine Gehsteigplatte zerschlagen, das Bild zusammengefaltet und anschließend das Plastikbild in dem „Denkloch“ vergraben.

Mit der „Kunst-Aktion Kurt Eisner“ will der Verein auf die Lächerlichkeit dieser bis ins Unerträgliche verzögerten „Denkmal-Diskussion“ aufmerksam machen. 


1988

21. Februar 1988

München-Kreuzviertel * Um das sich hinziehende Verfahren zu beschleunigen, greifen die Aktivisten des Vereins „Das andere Bayern“ erneut ein und führen wiederholt eine „Kunst-Aktion Kurt Eisner“ durch. 

Sie setzen einen eigens gestalteten „Gedenkstein“ in die Mitte des Gehwegs an der Kardinal-Faulhaber-Straße.
Wieder an der Ermordungsstelle Kurt Eisner, also am authentischen Ort.

Der „Gedenkstein“ wird von der Polizei als Beweismittel beschlagnahmt.
Daraufhin schenken ihn die Aktivisten der „Stadt München“.
Er befindet sich seither in der städtischen „Asservatenkammer“.

Anfang Oktober 1988

München-Kreuzviertel * Der „Bauausschuss“ empfiehlt die Annahme des Entwurfs der Münchner Künstlerin Erika Maria Lankes für ein „Kurt-Eisner-Boden-Denkmal“ in der Kardinal-Faulhaber-Straße.


2009

Juni 2009

München-Kreuzviertel * Das „Orlando-di-Lasso-Denkmal“ auf dem „Promenadeplatz“ dient den trauernden „Michael-Jackson-Fans“ als „Memorial“.

8. November 2009

München-Graggenau * Nach Protesten aus der Bevölkerung wird eine Kopie der „Gedenktafel an die Reichskristallnacht“ neben dem Eingang des „Alten Rathauses“ angebracht und enthüllt.