Fakten - November-Gschichten

1171

1171

Jerusalem * Nach der im Jahr 1171 vom Patriarchen Albert zu Jerusalem gegeben Ordensregel müssen die „Karmeliter“

  • in abgewandten Zellen leben,
  • sich abwechselnd bei Tag und in der Nacht mit Handarbeiten und Gebet beschäftigen,
  • dürfen nichts Eigenes besitzen,
  • niemals Fleisch essen
  • und haben zu bestimmten Stunden gänzlich zu schweigen.

Der „Orden der Brüder der Seligen Jungfrau Maria vom Berge Karmel“ ist - neben den „Franziskanern“, „Dominikanern“ und den „Augustiner-Eremiten“ - einer der vier großen Bettelorden der katholischen Kirche.

Die Bezeichnung „Karmelit“ leitet sich von „Karmel“, einer rund fünfzig Kilometer langen, aus dem Meer auf eine Höhe von bis zu 552 Metern aufragende Gebirgskette in Palästina, ab.

„Karmel“ bedeutet „Baumgarten“ und bezieht sich auf den vorhandenen Wasserreichtum, der einen fruchtbaren Bergwald entstehen ließ.
In den zahlreichen Klüften und Höhlen des Bergmassivs siedelten sich bereits im Altertum „Propheten“ an.

Nach der Eroberung Palästinas durch die Kreuzritter ließen sich auf den „heiligen Bergen“ Einsiedler und Mönche nieder, um hier - nach dem Ideal weltabgewandter Askese und in strengster Armut - zu leben.


1178

11. November 1178

Speyer * Herzog Heinrich XII. der Löwe erhebt auf dem „Hoftag zu Speyer“ Klage gegen den „Fürstbischof“ Philipp von Köln und andere Fürsten, weil diese ihm „Unrecht“ zugefügt haben.

Der ebenfalls anwesende Kölner Bischof hat zwar mit seiner „Gegenklage“ einen schwachen Stand, doch Kaiser Friedrich Barbarossa greift nicht Herzog Heinrichs, sondern die Klage seiner Gegner auf und setzt zur Behandlung dieser Angelegenheit einen „Hoftag in Worms“ an. 


1226

1226

Rom-Lateran * Die Ordensgemeinschaft der „Einsiedlerbrüder vom Berge Karmel“ erhält ihre päpstliche Bestätigung.

Mit dem Vordringen der Muslime gehen viele Eremitenmönche im 13. Jahrhundert nach Zypern, Sizilien, Südfrankreich und England.
Dort wenden sie sich einer mehr weltzugewandten Richtung zu, sodass Papst Innozenz IV. die „Karmeliter“ unter die Bettelorden eingereiht und ihnen so die Möglichkeit der Niederlassung in den Städten gibt.


1582

12. Februar 1582

Rom-Vatikan * Papst Gregor XIII. ordnet in der „Bulle Inter gravissima“ eine grundlegende „Kalenderreform“ an.

Er will damit den auf die Antike zurückgehenden „Julianischen Kalender“ reformieren, um die „Nachtgleichen“ wieder mit dem Kalender in Übereinstimmung zu bringen und so eine gesicherte „Osterberechnung“ zu ermöglichen.
Mit dem neuen Kalender sollte auf den 4. Oktober 1582 der 15. Oktober folgen. 


1593

1593

Rom * Reformbewegungen führen zur Spaltung und zur inneren Reform des „Karmeliter-Ordens“.

Die Hauptträger der Erneuerung des „Karmels“ - Theresia von Avila und Johannes vom Kreuz - greifen auf die alten Regeln, ohne die späteren Milderungen, zurück.

Im Volk nennt man die Mitglieder dieser Reformklöster die „Unbeschuhten Karmeliter“.
Nach langen Konflikten losen sich die „Unbeschuhten Karmeliter“ vom „Beschuhten“ Stammorden los.

Der Papst will die „Unbeschuhten“, ähnlich wie die anderen Reformorden, vordringlich zur Erneuerung des kirchlichen Lebens in den Städten, zur Abwehr der „Häretiker“ und zur Ausbreitung des Glaubens in den Missionsgebieten einsetzen.


1600

13. November 1600

Vatikan * Papst Clemens VIII. teilt den „Karmeliter-Orden“ in zwei selbstständige „Kongregationen“ auf.

  • In eine Spanische, die für die Länder der spanischen Krone, also Spanien, Portugal und Mexiko, zuständig ist.
  • Und in eine Italienische, die sich in der übrigen Welt ausbreiten soll.

1603

1603

Rom * Der „Karmeliter-Pater“ Dominicus a Jesu Maria ist in Rom tätig.


1618

1618

München * München verfügt über 1.771 „bürgerliche Gerechtigkeiten“, einschließlich des „Handels“.


1620

Mai 1620

Schärding * Der bereits 60-jährige „Karmelitengeneral“ Dominicus a Jesu Maria geht auf päpstliche Weisung nach Baiern.

Noch in Rom hat er den Sieg von Prag vorausgesagt:
„Wenn die Schlacht anfangen wird, werde ich auf einem mutigen Pferd sitzen, durch die Glieder des Kriegsheeres reiten, die Soldaten anfrischen: Die mich erblickenden Feinde werden aufschreien: Was für ein Teufel aus der Hölle kommt zu dem katholischen Kriegsheer?“

In Schärding am Inn, wo die „Liga“ ihre Truppen gesammelt hat, trifft der „Karmeliter-Pater“ Dominicus a Jesu Maria erstmals auf Herzog Maximilian I. und dessen Ehefrau Elisabeth Renata von Lothringen.

Gemeinsam begeben sich die zur „Strafaktion“ versammelten Regimenter und Maximilians Hofstaat nach Böhmen.
Der „Karmeliter-Pater“ reist in einer Sänfte.

In einem von den böhmischen Aufständischen zerstörten Dorf findet der Ordensmann ein kleines Bild, das die Geburt Jesu darstellt.

Calvinistische Bilderstürmer haben Maria und Josef die Augen ausgekratzt.
Sofort hängt sich der „Karmelit“ dieses „Gnadenbild“ um den Hals.

Am Abend des 7. November 1620

Prag * Die katholisch- kaiserliche Armee steht westlich vor Prag.

Am Morgen des 8. November 1620

Prag * Der „Karmeliten-Pater“ Dominicus a Jesu Maria tritt mit einem von kalvinistichen Bilderstürmern geschändeten Marienbild um den Hals und dem Kreuz in der Hand vor die Söldnertruppen und ruft im mitreißenden Glaubenseifer zum Kampf auf. 

Engel würden die katholische Sache zum Sieg führen.
Der Schlachtruf lautet: „Maria!“

Auf dem „Weißen Berg“ entbrennt der Kampf gegen das böhmische Ständeheer.

Eine Übermacht von 32.400 kaiserlichen Infanteristen und 7.550 Reitern tritt gegen 8.000 böhmische Fußsoldaten und 5.000 Kavalleristen an.
In nur einer einzigen Stunde erringen die Kaiserlichen einen triumphalen Sieg über die böhmischen Rebellen.

Domenicus a Jesus Maria stilisiert anschließend den Kampf zu einer „Schlacht des Katholizismus gegen den Unglauben“ hoch. 

Die vernichtende Niederlage des protestantischen Heeres wird dementsprechend als „Sieg des Katholizismus“ und schließlich als „göttliches Wunder“ umgedeutet.

Im Morgengrauen des 9. November 1620

Prag * Der „Winterkönig“ Friedrich V. flieht Hals über Kopf von der Burg.

Der Prager Hradschin ist wieder fest in der Hand des katholischen Kaisers.

Friedrich V. wird zum „Rädelsführer“ einer „im Reich teutscher Nation niemalen erhört, gesehenen noch gelesenen Rebellion“ erklärt und unter „des Heiligen Reichs Acht“ gestellt.
„Seine Liebden“ Maximilian habe über das Heer der Rebellen „durch Verleyhung Göttlicher Gnaden und Beistand obgesiegt“.


1629

1. November 1629

München-Kreuzviertel * Die ersten vier Mönche des „Ordens der Brüder der Seligen Jungfrau Maria vom Berge Karmel“ treffen aus Prag kommend in München ein.

4. November 1629

Freising * Bischof Veit Adam von Freising bewilligt die erste Niederlassung der „Karmeliter“ und weist ihnen die „Nikolauskapelle“ in unmittelbarer Nähe der „Wilhelminischen Veste“ [„Herzog-Max-Burg“] als vorläufige Unterkunft zu.

20. November 1629

München-Kreuzviertel * Die „Karmeliter“ übernehmen die „Nikolauskapelle“, die Herzog Wilhelm V. als Ersatz der älteren, durch den Bau der „Michaelskirche“ abgebrochenen Kirche errichten hat lassen.


1638

7. November 1638

München-Graggenau * Am ersten Sonntag nach „Allerheiligen“ weiht der Freisinger Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh das „Marien-Monument“ auf dem „Schrannenplatz“ feierlich ein.

Das ist jener Tag, an dem alljährlich in einer großen „Gedächtnis-Prozession“ der Sieg Maximilians I. in der „Schlacht am Weißen Berg“ bei Prag, im Jahr 1620, gegen die aufständischen Böhmen, gefeiert wurde.  
Auf den Tag genau ist das jetzt 18 Jahre her.  

Die Münchner „Mariensäule“ ist die erste „Madonnen-Säule“ nördlich der Alpen.  

Der baierische Kurfürst hat die „Madonnen-Säule“ als Symbol des durch den „Dreißigjährigen Krieg“ wieder erstarkten katholischen Glaubens und als Ausdruck seiner eigenen tiefen „Marienverehrung“ errichten lassen.  
Er legt damit ein öffentliches Bekenntnis für seine Religion und seine politische Überzeugung ab.  

Die Münchner „Mariensäule“ wird zum Vorbild vieler ähnlicher Monumente in Baiern und Österreich.  


1700

18. Februar 1700

Deutschland * Auf den „protestantischen Gebieten“ folgt auf den 18. Februar der 1. März 1700.

Damit ist die einheitliche Tageszählung im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ endgültig wieder erreicht.
Bis zur Kalenderumstellung in den „protestantischen Ländern“ werden alle Dokumente mit zwei Daten versehen.


1766

9. November 1766

München * Auf der Rückreise von der großen „Konzertreise“ geben die Mozartkinder ihr erstes „Hofkonzert“ in München.

21. November 1766

München * Wolfgang und Nannerl Mozart geben ihr zweites „Hofkonzert“ in München.


1780

6. November 1780

München-Graggenau * Wolfgang Amadeus Mozart trifft in München ein.  

In einem Hotel an der Burgstraße, dem späteren „Gasthaus zum Mozart“, steigt er ab, um im Eckzimmer des zweiten Stockwerks an der Vollendung seiner Oper „Idomeneo“ zu arbeiten.  

Er bleibt bis zum 12. März 1781.  
Die Oper kommt am 29. Januar 1781 - unter der Stabführung von Mozart selbst - im neuen Opernhaus von François Cuvilliés zur Uraufführung.  


1781

29. Januar 1781

München-Graggenau * Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Idomeneo“ kommt im „Cuvilliès-Theater“ unter der Leitung des Komponisten zur Uraufführung. 

Sie wird zwei Mal wiederholt.


1800

10. November 1800

Amberg * In der „Amberger Verordnung“ schreibt Kurfürst Max IV. Joseph, dass die Meinung,

  • wonach die katholische Religionszugehörigkeit eine wesentliche Bedingung der Ansässigmachung in Baiern sei, sich als nachteilig für die Industrie und Kultur im Land erwiesen habe und
  • sich diese weder aus der Reichs- noch in der Landesverfassung begründen lasse.

Allerdings veröffentlicht er die Verordnung nicht in der üblichen Art, sodass der Magistrat der Haupt- und Residenzstadt dem Pfälzer Weinwirt Johann Balthasar Michel aus Mannheim das „Münchner Bürgerrecht“ verweigert und so die Übernahme der „Weingastwirtsgerechtsame“ der Eheleute Rasp verhindert.


1801

29. Juli 1801

München - Mannheim * Verärgert und sehr deutlich im Ton schreibt Kurfürst Max IV. Joseph nach der Ablehnung des Münchner Bürgerrechts an den Pfälzer Weinwirt Johann Balthasar Michel aus Mannheim dem Stadtrat:

„Nach reifer Überlegung und mit der Gewißheit, daß das Recht auf meiner Seite ist, befehle ich hiermit dem meinen Stadtmagistrat, spätestens morgen Abends 6 Uhr, dem Handelsmann Michel von Mannheim, das Bürgerrecht zu ertheilen, widrigenfalls ich mich genöthigt sehen würde, die strengsten Mittel zu ergreifen.
Für den geringsten Exceß haftet jedes Magistratsglied persönlich“
.

30. Juli 1801

München - Mannheim * Zähneknirschend wird der Kaufmann Michel in die Münchner Bürgerschaft „gnädigst großgünstig an- und aufgenommen“.

Gleichzeitig gibt der Magistrat der Stadt seine Zustimmung zum geplanten Kauf der „Rasp’schen Gastwirtsgerechtsame“ an Johann B. Michel. 
Die zu entrichtende Aufnahmegebühr ist mit 470 Gulden allerdings deutlich überhöht.


1802

17. Februar 1802

München-Graggenau * Graf Philipp von Arco wird zum „lokalen Aufhebungskommissar“ für die „Franziskaner“ bestimmt.


1803

10. Januar 1803

München-Kreuzviertel * Das „Religionsedikt“ bringt die Gleichberechtigung von „Katholiken“, „Lutheraner“ und „Reformierten“

Aus Anlass der Aufnahme fränkischer und schwäbischer Gebiete in den immer größer werdenden baierischen Staat kommt es zu nachstehenden Bestimmungen: 
Bei künftiger Besetzung der Staatsämter werden Wir nur auf die Würdigsten, ohne Unterschied der im deutschen Reiche eingeführten drei christlichen Religionen [gemeint sind die „Katholiken“, „Lutheraner“ und „Reformierten“] den landesväterlichen Bedacht nehmen. 

Keinem unserer Untertanen, von welcher Konfession er sei, soll je etwas zugemutet werden dürfen, welches seiner Religions- oder Gewissensfreiheit engtgegen wäre"

Doch der Mann, der die positive Entwicklung der evangelischen Kirche in Bayern bremsen wird, steht in der Person des Kronprinzen Ludwig I. schon bereit.


1809

1809

Tirol * In Tirol kommt es zu Aufständen gegen die Besatzungsmacht

Dreimal wird Tirol „befreit“, ebenso oft von baierischen und französischen Truppen wieder eingenommen.

2. November 1809

München * Freiherr Max Joseph von Montgelas wird in den „Grafenstand“ erhoben.


1853

28. November 1853

München * An seinem 43. Geburtstag stiftet König Max II. den „Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst“.

Der Bayernregent beruft bedeutende Gelehrte nach München, die von der Bevölkerung als „Nordlichter“ tituliert werden. Er will so die Hofgesellschaft mit den geistigen Koryphäen beleben.

Da diese Elite aber häufig „nicht-adelig“ ist, erhalten sie keinen Zutritt zum „Königlichen Hof“. Mit der Verleihung des „Maximiliansordens“ erwirbt man die „dritte Rangklasse“ und damit den „Hofzutritt“.


1858

1858

München-Kreuzviertel * Der „Kenotaph“ für Kaiser Ludwig dem Baiern wird aus der Mitte des „Chores“ der „Frauenkirche“ in das Kirchenschiff versetzt.


1863

23. Februar 1863

Tettenweis * Franz Stuck wird in Tettenweis in Niederbayern geboren. 

Sein Vater ist der Müller Franz Stuck, seine Mutter Anna ist eine geborene Schuhwerk. 


1865

7. November 1865

München * Ein Wettbewerb für den Bau des „Neuen Rathauses“ wird ausgeschrieben.

27 Architekten beteiligen sich.


1894

1894

München-Kreuzviertel * Der Bildhauer Matthias Gasteiger schenkt seiner Heimatstadt die „Brunnengruppe Satyrherme & Knabe“, die im Volksmund als „Brunnenbuberl“ bezeichnet wird.

Es ist sein  berühmtestes Werk, für das er 1892 im „Glaspalast“ eine Goldmedaille erhalten hatte und für das er weitere Auszeichnungen in Berlin und Wien bekam, wo er sogar das „besondere Wohlgefallen“ des „Österreichischen Erzherzogs“ fand. 

Das Kunstwerk zeigt einen Knaben und eine Satyrherme. Während das „Buberl“ spielerisch das Rohr an der Herme zuhält, spritzt aus dem Mund des „Satyrn“ ein Wasserstrahl auf den Kopf des Jungen.

Und obwohl die Münchner Kunstkritiker Matthias Gasteigs Werk als „prächtige Bereicherung“ Münchens bezeichnen, haben die Münchner Stadtväter große Probleme mit dem nackten Buberl.


1895

1895

München-Ludwigsvorstadt * Nach Auffassung des Münchner Magistrats kann man so etwas „Unanständiges“ wie die „Brunnengruppe Satyrherme & Knabe“ des Bildhauers Matthias Gasteiger unmöglich an einem viel besuchten Platz aufstellen, weshalb der Brunnen in die Nähe des „Toilettenhäuschens“ in der „Stachusgrünanlage“ zur Aufstellung kommt.

Aber so gut kann man das „Brunnenbuberl“ gar nicht verstecken, dass sich nicht doch „Moralapostel“ und „Sittlichkeitsvereine“ über diese „Sauerei“ ereifern.

Es kommt zum Skandal, in deren Folge der Münchner Polizeipräsident bei Matthias Gasteiger vorspricht, um ihm „allen Ernstes zu erklären, daß das Bildwerk höchst anstößig sei und daß das Interesse der Aufrechterhaltung der Moral und guten Sitten unbedingt erfordere, daß 'etwas' geschehen“.

Matthias Gasteiger unternimmt nichts. Er will keinesfalls ein Feigenblatt an seinem „Buberl“ akzeptieren.


1913

30. Oktober 1913

München-Kreuzviertel * Die „Abgeordnetenkammer“ beschließt ein verfassungsänderndes Gesetz mit 122 gegen 27 Stimmen der „Sozialdemokraten“

Mit diesem Gesetz kann der „Regent die Regentschaft für beendet und den Thron für erledigt erklären“, wenn „wegen eines körperlichen oder geistigen Gebrechens des Königs“ auch „nach Ablauf von zehn Jahren keine Aussicht auf Regierungsfähigkeit“ besteht. Damit hat der „Prinzregent“ die Möglichkeit, seinen noch lebenden geisteskranken Cousin, den legitimen König Otto I., zu „entthronen“.

„Prinzregent“ Ludwig III. wollte politisch eine Veränderung herbeiführen und konnte mit dem „Zentrum“ und den „Liberalen“ auf eine breite parlamentarische Mehrheit bauen. Doch eine schlichte „Proklamation“ Ludwigs III. zum König wurde von den Abgeordneten als „nicht ratsam“ erachtet, da auch der „Prinzregent“ eine Übertragung der Krone durch den „Landtag“ ablehnte. Schließlich wollte Ludwig III. kein „König von Volkes Gnaden“, sondern ein „König von Gottes Gnaden“ sein.

4. November 1913

München-Kreuzviertel * Auch die „Kammer der Reichsräte“ billigt die Verfassungsänderung. 

Damit kann Prinzregent Ludwig III. die „Regentschaft für beendet und den Thron für erledigt“ erklären.

5. November 1913

München * „Prinzregent“ Ludwig III. proklamiert sich selbst zum „König“

Otto I. wird damit durch seinen Vetter Prinzregent Ludwig III. „entthront“. Eine 27-jährige „Regentschaft“ geht dadurch zu Ende.

Nachdem diese unumstößlichen Fakten geschaffen sind, erkennt der „Landtag“ an, „daß am 4. November 1913 die verfassungsmäßigen Voraussetzungen für die Beendigung der Regentschaft bestanden haben“. Die Abgeordneten stimmen dem Antrag brav zu. Daraufhin erklärte „König“ Ludwig III., dass durch seine Thronbesteigung der Titel und die Ehrenrechte König Ottos I. nicht berührt werden.

Bayern hat damit - bis zum Tod König Ottos I. am 11. Oktober 1916 - zwei Könige und damit eine „Doppelmonarchie“.

Doch die Vorgänge um die „Inthronisation“ schaden dem Ansehen König Ludwigs III. und der Monarchie schwer. Deshalb rührte sich auch keine Hand, als exakt fünf Jahre später Bayern als erster deutscher Einzelstaat sang- und klanglos zusammenbrach.

8. November 1913

München * Der neu ernannte König Ludwig III. leistet seinen „Treueeid“ auf die Verfassung.

Der „Sozialist“ Kurt Eisner bemerkt dazu nur kurz: „Soeben hat Prinzregent Ludwig der Monarchie das Grab geschaufelt“.

Auf den Tag genau, fünf Jahre später, fällt Ludwig in die Grube, die er sich selbst und der „Monarchie“ geschaufelt hat.


1914

26. September 1914

München-Theresienwiese * Eigentlich müsste das Oktoberfest beginnen. Es fällt aber kriegsbedingt aus. 


1916

11. Oktober 1916

Schloss Fürstenried * König Otto I. stirbt 68-jährig in „Schloss Fürstenried“ an einer Darmverschlingung aufgrund seiner ungesunden Ernährungsweise.

Er war 30 Jahre König, so lange wie kein anderer Wittelsbacher, hat aber keinen Tag regiert.


1918

4. Februar 1918

München * Die „Streiks“ sind beendet.
In den Fabriken wird wieder gearbeitet, doch der Anlass der „Streiks“ ist geblieben.

Die „Christlichen Gewerkschaften“ lehnen in einer Stellungnahme grundsätzlich jeden „politischen Streik“ ab.

8. November 1918

München-Kreuzviertel * Kurz nach Mitternacht  hält der neu gebildete Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat im Sitzungssaal der Abgeordnetenkammer im Landtagsgebäude an der Prannerstraße - unter der Leitung Kurt Eisners - seine erste Sitzung ab.  

Kurt Eisner proklamiert die demokratische und soziale Republik Bayern, den Freistaat Bayern. Die Monarchie ist damit gestürzt, die Republik geboren. In seiner Rede bemerkt Eisner: „Die bayerische Revolution hat gesiegt. Sie hat den alten Plunder der Wittelsbacher Könige hinweggefegt“.  

„Bayern ist fortan ein Freistaat“ lautet der dritte Satz eines Aufrufs, der am Morgen des 8. November 1918 auf der ersten Seite der Münchener Neuesten Nachrichten veröffentlicht wird.  

Mit dem Begriff Freistaat nimmt Kurt Eisner eine Definition auf, die schon 150 Jahre zuvor für Republik gebraucht wurde.  
Mit dieser Wortwahl will er aber nicht nur den Unterschied zur Monarchie, sondern auch die Eigenständigkeit Bayerns innerhalb eines deutschen Staatenbundes, der „Vereinigten Staaten von Deutschland“, herausstellen.  
„Der Rat der Arbeiter, Soldaten und Bauern“ hat diesen Aufruf „An die Bevölkerung Münchens“ gerichtet.  

Noch deutlicher ist ein knallrotes Plakat, das bereits in den Straßen Münchens hängt. Ihm können die interessierten Bürger entnehmen: „Die Dynastie Wittelsbach ist abgesetzt. Hoch die Republik!“


1919

19. Januar 1919

Deutsches Reich * Die Wahlen zur „Verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung“ [= „Reichstag“] findet statt.  

Das deutschlandweite Ergebnis lautet:  

  • „Sozialdemokratische Partei Deutschlands - SPD“: 37,9 Prozent = 163 Abgeordnete
  • „Christliche Volkspartei - Zentrum“: 18,8 Prozent = 91 Abgeordnete
  • „Deutsche Demokratische Partei - DDP“: 18,1 Prozent = 75 Abgeordnete
  • „Deutschnationale Volkspartei - DNVP“: 8,6 Prozent = 44 Abgeordnete
  • „Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands - USPD“: 7,6 Prozent = 22 Abgeordnete
  • „Deutsche Volkspartei - DVP“: 4,4 Prozent = 19 Abgeordnete
  • Übrige Parteien: 1,6 Prozent = 7 Abgeordnete

Der „Wahlkreis Oberbayern und Schwaben“ erhält 15 Abgeordnetensitze.
Davon fallen 6 Sitze auf die BVP, 6 Sitze auf die SPD, 2 Sitze auf den BBB und ein Sitz auf die „Deutsche Volkspartei in Bayern - DVP“.  

Von den 15 Abgeordneten, die der „Wahlkreis Oberbayern-Schwaben“ stellt, gehört keiner der USPD an.  

Die Frauen sind erstmals wahlberechtigt.  
82,3 Prozent der Frauen beteiligen sich an der Wahl, 37 Frauen ziehen in die „Nationalversammlung“ ein.  

Rechnet man die Nachrückerinnen dazu, erreicht die Frauenquote 9,6 Prozent.
Ein Wert, der erst 1983 wieder erreicht werden sollte. 

26. Februar 1919

München-Obergiesing * Zeugten schon die Geschehnisse am Ort des Attentats von breiter Betroffenheit über Kurt Eisners Tod, so wird sein Begräbnis zu einer außergewöhnlichen Trauerbekundung der Bevölkerung.

Der „Zentralrat“ ordnet für ganz Bayern „Landestrauer“ an.
Die öffentlichen Gebäude sind auf Halbmast schwarz und rot beflaggt.
Die Arbeit ruht.  

Annähernd 100.000 Menschen nehmen an den Bestattungsfeierlichkeiten teil.

Ab 9 Uhr bewegt sich der Trauerzug - begleitet von 20 Musikkapellen - von der „Theresienwiese“ zum „Ostfriedhof“.
Matrosen tragen den mit schwarzen Tüchern verhüllten Sarg.

Um 10 Uhr beginnt ein halbstündiges Glockengeläut.

Die „Trauerfeier“ mit der „Einäscherung“ in der Halle des „Krematoriums“ beginnt um 10:30 Uhr.
Sie dauert bis 11:40 Uhr.
Gustav Landauer hält die „Gedächtnisrede“.

Selbst die bürgerliche Presse ist beeindruckt und schreibt:
„In ihrer reichen Geschichte hat die bayerische Hauptstadt wohl viele prunkvolle Leichenzüge zu verzeichnen, aber keinen, der, was Massenentfaltung anlangt, denjenigen übertrifft, der am Vorfrühlingstage des 26. Februar halb München in Bewegung setzte“.


1920

7. November 1920

München-Isarvorstadt * Im Lichthof des „Gewerkschaftshauses“ an der Pestalozzistraße wird eine „Gedenktafel für Kurt Eisner“ enthüllt.


1921

5. November 1921

München * Von der „Ludwigskirche“ aus führt der Weg des Trauerzugs für das tote Königspaar - über den Karolinenplatz und Königsplatz - zur „Frauenkirche“.  

Am „Trauerzug“ beteiligen sich 40.000 Personen, darunter eine große Anzahl staatlicher Beamte und Angestellte, die eigens aus den acht „Regierungsbezirken“ herangekarrt worden sind.
Der „Trauerzug“ vermittelt den Eindruck, als wären die alten Zeiten wieder zurückgekehrt und als hätte sich seit der Thronbesteigung Ludwigs III. im Jahr 1912 nichts entscheidendes geändert. 

Der „Prunk-Leichenwagen“ des Königs und der Wagen mit dem Sarg der Königin werden jeweils von sechs Pferden gezogen, die mit schwarzen, mit Kronen geschmückten Schabracken bedeckt sind. Zehntausende Zuschauer säumen den Weg. 

Da Münchens SPD-Bürgermeister Eduard Schmid verfügt hat, dass „die städtischen Ämter und Betriebe am Tag der Beisetzung grundsätzlich in vollem Umfange arbeiten“ müssen, müssen städtische Beamte für die „Teilnahme am Trauerzug“ eigens einen Urlaubstag opfern. 

Bei seiner „Traueransprache“ erneuert der erstgeborene Sohn Ludwigs III., „Kronprinz“ Rupprecht von Bayern, den Anspruch der Wittelsbacher auf die bayerische Krone. 

Doch die Befürchtungen der konservativen bayerischen Staatsregierung, dass die Trauerzeremonie mit der Proklamation Rupprechts zum neuen König von Bayern enden würde, erfüllen sich nicht, da sowohl der „Kronprinz“ als auch der „Regierungspräsident“ Gustav von Kahr den Zeitpunkt für noch nicht geeignet halten.

Anders die Kirche - und allen voran Kardinal Michael von Faulhaber.
Er fühlt sich aufgefordert mit der Revolution abzurechnen.  

Der hohe katholische Kleriker steht als Garant für das „Gottesgnadentum“ der angestammten Herrscher und für eine auf das christliche Herrschaftsverständnis gegründete Regierung. 

In seiner Trauerrede sagt „Kardinal“ Faulhaber in Anspielung auf die Hunger- und Friedensdemonstrationen vor und die revolutionären Veranstaltungen nach Kriegsende, besonders aber auf die Beisetzungsfeierlichkeiten für den ermordeten ersten demokratischen bayerischen „Ministerpräsidenten“ Kurt Eisner:  
„Die heutige Trauerfeier hebt sich durch die kirchliche Weihe himmelhoch hinauf über alles Trauertheater, das auf dem Straßenpflaster von München jemals gewesen ist“

Ausführlich hebt Faulhaber hervor, dass Ludwig III. „kein König von Volkes Gnaden“, sondern ein „König von Gottes Gnaden“ gewesen sei. 

Der monarchistische und antidemokratische Kirchenvertreter verurteilt die Revolution, indem er sagt: „Könige von Volkes Gnaden sind keine Gnade für das Volk, und wo das Volk sein eigener König ist, wird es über kurz oder lang sein eigener Totengräber“.  

Dieser Satz lässt den Kardinal am Ende des Zweiten Weltkrieges prophetisch erscheinen.
Ein größerer zeitlicher Abstand zeigt aber die Untauglichkeit solcher Ängste erzeugender Geschichtsverklärungen. 


1923

8. November 1923

München-Haidhausen * Adolf Hitler stürmt mit einem bewaffneten Stoßtrupp den „Bürgerbräukeller“, in dem die „Freie Vereinigung von Erwerbsständen“ zu einer Veranstaltung eingeladen hatte, und erklärte die „Nationale Revolution“ für „ausgebrochen“.

Am nächsten Tag machen sich die „Putschisten“ auf den Weg in die Innenstadt.

An der „Feldherrnhalle“ kommt es zu einer Schießerei mit der „Landespolizei“.
Sechzehn „Putschisten“ und vier Polizisten kommen dabei ums Leben.


1930

18. November 1930

München * Die „Bischöfe“ beschäftigen sich in einer „Diözesansynode“ auch mit dem „Nationalsozialismus“

„Domdekan“ Prälat Dr. Anton Scharnagl referiert über dieses Thema. Seine Ausführungen beginnen mit den Worten:
„Der Nationalsozialismus ist politische Partei und Weltanschauung zugleich“ und kommt zum Ergebnis, dass der „Nationalsozialismus“ mit den Aussagen der „katholischen Glaubenslehre“ unvereinbar sei.

Dr. Scharnagl begründet danach seine Thesen mit den

  • von den Nationalsozialisten propagierten „germanischen Christentums“,
  • der „Ablehnung des Alten Testaments“,
  • der „Forderung nach einer deutschen Volkskirche“,
  • die „Ablehnung der Bekenntnisschule“ und
  • einer „rassisch definierten Sittlichkeit“, die die „kinderlose Frau“ als „minderwertiges Mitglied der Volksgemeinschaft“ betrachtet. 

In den angefügten Feststellungen wird der Sachverhalt in nie mehr wiederholter Deutlichkeit schließlich auf den Punkt gebracht: „Der Nationalsozialismus ist eine Häresie und mit der christlichen Weltanschauung nicht in Einklang zu bringen“.  

Das im Februar 1931 veröffentlichte „Amtsblatt Nr. 4“ schwächt allerdings entscheidende Passagen bereits wieder ab. 


1933

30. Januar 1933

Berlin * Der Tag der sogenannten „Machtübernahme“.

Adolf Hitler wird vom „Reichspräsidenten“ Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg zum „Reichskanzler“ ernannt.
Er leitet eine Koalitionsregierung bestehend aus NSDAP, DNVP und „Stahlhelm“.

Nach dem 9. März 1933

München-Isarvorstadt * Die „Gedenktafel für Kurt Eisner“ im „Gewerkschaftshaus“ an der Pestalozzistraße wird von den Nazis entfernt. 

Sie gilt seither als verschollen.

1. April 1933

Berlin * Die NSDAP ruft zum reichsweiten „Judenboykott“ auf.

Über 600 jüdische Firmen in München werden boykottiert, „zum Schutz der Inhaber und zur Belehrung des Publikums durch Posten gesichert und durch Plakatierung gekennzeichnet“

Der reichsweite „Boykott jüdischer Geschäfte“ dauert bis zum 3. April an.


1934

15. November 1934

Vorstadt Pasing * Während der Predigt in der Pasinger Kirche „Maria Schutz“ wird auf Pater Rupert Mayer ein Attentat verübt, das jedoch sein Ziel verfehlt.


1935

9. November 1935

München-Maxvorstadt * Die Särge der Toten des „Hitlerputsches“ von 1923 werden in der Nacht mit einem Fackelzug durch das „Siegestor“ getragen und am Tag in den neu erbauten „Ehrentempeln am Königsplatz“ aufgestellt.


1936

8. Mai 1936

München * Pater Rupert Mayer wird wegen seiner Predigten vom Staatsanwalt verwarnt.


1937

Ab Januar 1937

München * Pater Rupert Mayer predigt

  • gegen den „Schulkampf“ der Nazis,
  • gegen die „Ausschlachtung“ der Sittlichkeits- und Devisenprozesse gegen Ordensleute,
  • gegen die nationalsozialistischen Presseerzeugnisse und vor allem
  • gegen die „Entkonfessionalisierung“.
8. November 1937

München-Isarvorstadt * Im „Bibliotheksbau des Deutschen Museums“ wird die Ausstellung „Der ewige Jude“ eröffnet.

Sie hilft die folgenden „antisemitischen Pogrome“ vorzubereiten.


1938

8. Juli 1938

München * Martin Bormann, „Stabsleiter im Braunen Haus“, verlangt die genaue

  • „Erfassung jüdischer Hauseigentümer,
  • an Nicht-Juden vermietete Wohnungen von jüdischen Hauseigentümern,
  • an Juden vermietete Wohnungen,
  • eigenen Wohnraum und leerstehende Wohnungen,
     
  • um so eine planmäßige Lösung von Mietverhältnissen mit Juden möglich zu machen,
  • eine Einengung zu erreichen,
  • mehrere Familien in größere jüdische Wohnungen zusammenzulegen,
  • Juden von Nicht-Juden zu trennen und
  • dabei möglichst keine Ghettobildung zuzulassen“.
27. Oktober 1938

Deutschland - Polen * Das „Deutsche Reich“ lässt 17.000 Juden polnischer Staatsangehörigkeit verhaften und an die polnische Grenze transportieren.

Da der polnische Staat zunächst die Einreise seiner Staatsbürger verweigert, vegetieren die Menschen im Grenzgebiet in der Zwischenzeit dahin.

Unter den 17.000 befinden sich auch die Eltern des Herschel Gryspan, der wenige Tage später - wegen homosexueller Beziehungen - den „Legationssekretär“ Ernst vom Rath an der „Deutschen Botschaft“ in Paris schwer verletzen wird.

7. November 1938

Paris * In den Morgenstunden dieses Tages verletzt der 17-jährige Herschel Grynspan in Paris den an der „Deutschen Botschaft“ beschäftigten Ernst vom Rath mit fünf Kugeln schwer.

8. November 1938

München * Die nationalsozialistische Propaganda stilisiert Herschel Gryspans Bluttat zum politisch motivierten Mordanschlag aus Hass an den Deutschen hoch.

Die „Münchner Neuesten Nachrichten“ schreiben:
„Wenn die internationale Judenschaft glaubt, mit Meuchelmorden das Judenproblem in Deutschland lösen zu können, dann nimmt Deutschland diese Herausforderung an und wird nicht zögern, sie so zu beantworten, wie sie Elementen gegenüber notwendig ist, die den Mord aus dem Hinterhalt als politische Waffe betrachten“.

9. November 1938

München-Graggenau * Im „Alten Rathaus“ treffen sich Hitler, Goebbels, Göring, Himmler und der Rest der NSDAP-Führungselite zu einem „geselligen Beisammensein“, als die Nachricht vom Tode des deutschen „Legationssekretärs“ Ernst vom Rath eintrifft.

Da der Täter jüdischer Abstammung ist, liefert Raths Tod den Vorwand für eine groß angelegte jüdische Kampagne, die als „Reichskristallnacht“ in die Geschichte eingehen wird.

9. November 1938

München-Graggenau * Nach Bekanntwerden des Todes von Ernst vom Rath hält „Reichspropagandaminister“ Joseph Goebbels umgehend eine „antisemitische Hasstirade“ in der er zur Rache und zur „Vergeltung am Weltjudentum“ aufruft.

Die Nationalsozialisten sind bestens vorbereitet, denn noch kurz vor Mitternacht ergeht ein Fernschreiben an alle deutschen Polizeistellen.

Darin heißt es:

  • „Es werden in kürzester Frist in ganz Deutschland Aktionen gegen Juden, insbesondere gegen deren Synagogen stattfinden.
  • Sofern sich in Synagogen wichtiges Archivmaterial befindet, ist dieses durch eine sofortige Maßnahme sicherzustellen.
  • Es ist vorzubereiten die Festnahme von etwa 20.000 bis 30.000 Juden im Reiche. Es sind auszuwählen vor allem vermögende Juden“.

Der „SS-Gruppenführer“ und Chef der „Sicherheitspolizei“, Reinhard Heydrich, präzisiert die Befehle in einem weiteren Fernschreiben.

  • Dort ist zu lesen, dass die Polizei und die Dienststellen der NSDAP gemeinsam die „Demonstrationen“ leiten sollen.
  • Und: „Es dürfen nur solche Maßnahmen getroffen werden, die eine Gefährdung deutschen Lebens oder Eigentums nicht mit sich bringen. Zum Beispiel Synagogenbrände nur, wenn keine Brandgefahr für die Umgebung ist“.

Durch ein im Jahr 1937 angefertigtes Verzeichnis der „Münchner jüdischen Gewerbebetriebe“ wissen die NS-Parteiorgane und Schlägertrupps genau wo sie zuschlagen und so die „verbrecherische Tat des jüdischen Mordbuben“ rächen müssen.

9. November 1938

München * Noch in der Nacht finden - unter passiver Anteilnahme sehr vieler Schaulustiger - die seit längerer Zeit geplanten Ausschreitungen gegen die Juden statt.

  • In München werden ein Jude ermordet sowie 900 Menschen verhaftet und in das „Konzentrationslager Dachau“ gebracht.
  • Rund 700 Geschäfte und Betriebe werden demoliert und die „Synagogen“ in der Herzog-Rudolf-Straße und in der Reichenbachstraße zerstört.
  • Die Münchner „Hauptsynagoge“ war bereits im Juni 1938 abgerissen worden.

Die Bilanz dieser später auch noch beschönigend „Reichskristallnacht“ genannten „Juden-Pogrome“ bedeutet für Deutschland:

  • 91 Ermordete, zahllose Verletzte, Misshandelte und Vergewaltigte,
  • 191 zerstörte Synagogen,
  • 7.500 zerstörte und ausgeraubte Geschäfte,
  • Verwüstung unzähliger Wohnungen und
  • fast aller jüdischer Friedhöfe,
  • rund 30.000 Einlieferungen in „Konzentrationslager“.

Die reichsweit organisierten antijüdischen Ausschreitungen dauern auch noch am 10. November an.

10. November 1938

Berlin * „Propagandaminister“ Joseph Goebbels erlässt einen „Aufruf an Alle!“.

Er lautet:

  • „Die berechtigte und verständliche Empörung des deutschen Volkes über den feigen jüdischen Meuchelmord an einem deutschen Diplomaten in Paris hat sich in der vergangenen Nacht in umfangreichem Maße Luft verschafft.
  • In zahlreichen Städten und Orten wurden Vergeltungsaktionen gegen jüdische Gebäude und Geschäfte vorgenommen.
  • Es ergeht nunmehr an die gesamte Bevölkerung die strenge Aufforderung, von allen weiteren Demonstrationen und Aktionen gegen das Judentum, gleichgültig welcher Art, sofort abzusehen.
  • Die endgültige Antwort auf das jüdische Attentat in Paris wird auf dem Wege der Gesetzgebung beziehungsweise der Verordnung dem Judentum erteilt werden“.
12. November 1938

Berlin * Hermann Göring, der „Beauftragte für den Vierjahresplan“ zur Kriegsvorbereitung, erlässt eine „Sühneverordnung“, die zur Finanzierung der Aufrüstung gedacht ist.

  • Die Juden deutscher Staatsangehörigkeit müssen zusammen eine Milliarde Reichsmark wegen „ihrer feindlichen Haltung gegenüber dem deutschen Volk und Reich“ zahlen.
  • Weiterhin werden alle Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben ausgeschaltet.
  • Und schließlich gibt es die „Verordnung zur Wiederherstellung des Straßenbildes“.
  • Sie besagt: „Alle Schäden, welche durch die Empörung des Volkes über die Hetze des internationalen Judentums gegen das nationalsozialistische Deutschland an jüdischen Gewerbebetrieben und Wohnungen entstanden sind, sind von dem jüdischen Inhaber oder jüdischen Gewerbetreibenden sofort zu beseitigen.
  • Die Kosten der Wiederherstellung trägt der Inhaber der betroffenen jüdischen Gewerbebetriebe und Wohnungen. Versicherungsansprüche von Juden deutscher Staatsangehörigkeit werden zugunsten des Reiches beschlagnahmt“.

In München wird eine eigene „Arisierungsstelle“ in der Widenmayerstraße 27 eingerichtet, die die Enteignung und Gettoisierung der jüdischen Bevölkerung durchführen soll.

18. November 1938

München * Innerhalb des isolierten jüdischen Lebensbereiches wird die „Israelitische Kultusgemeinde“ gezwungen, die staatlichen Terror-Maßnahmen durchzusetzen und zu organisieren. 

So kündigt der „Völkische Beobachter“ an: „Die Israelitische Kultusgemeinde richtet im Einvernehmen mit den zuständigen Stellen ab sofort eigene Verkaufsstellen ein, in denen die in München ansässigen Juden ihren notwendigen Bedarf decken können.

Zutritt zu diesen Verkaufsstellen haben nur Juden“.

22. November 1938

München * Der „Völkische Beobachter“ begründet die Vertreibung der Juden aus „arischen“ Wohnhäusern so:

„Es besteht ein dringender Bedarf an Wohnraum, und es ist nicht einzusehen, dass arbeitende deutsche Menschen ohne Unterkunft sind oder sich auf primitivste Weise behelfen müssen.
Deshalb müssen die ausgewiesenen Juden ihre Wohnungen vorher auf eigene Kosten renovieren und ihren Hausrat und ihre Möbel zurücklassen“
.

Die auf diese Weise freigewordenen, voll eingerichteten Wohnungen werden in der Regel von verdienten Parteigenossen bezogen.

28. November 1938

München * Eine Berliner „Anweisung zur Erfassung der jüdischen Wohnungen“ wird in München unverzüglich umgesetzt.

Man ordnet an, eine Namens- und Adressenliste der noch ansässigen jüdischen Mieter zu erstellen und verpflichtet Hausbesitzer, keine Neuvermietungen an jüdische Personen ohne städtische Genehmigung abzuschließen.


1939

3. November 1939

München-Maxvorstadt * Pater Rupert Mayer wird wegen „Wahrung des Beichtgeheimnisses“ und dem Verdacht konspirativer Kontakte zur Widerstandsgruppe der „Monarchistischen Bewegung“ verhaftet.

Er wird zwei Monate im „Wittelsbacher-Palais“ gefangen gehalten.


1944

22. November 1944

München-Kreuzviertel * Erste Bomben treffen die „Frauenkirche“.


1945

8. Mai 1945

Deutschland * Der „Tag der bedingungslosen Kapitulation“.

Der Zweite Weltkrieg ist für Deutschland verloren.

1. November 1945

München-Kreuzviertel * Pater Rupert Mayer erleidet während der Messe in der nicht zerstörten „Kreuzkapelle“ in der „Sankt-Michaels-Kirche“ einen Schlaganfall, dem er wenige Stunden später im Krankenhaus „Josephinum“ erliegt.

Da ihn seine Beinprothese aufrecht hält, prägen die Münchner daraufhin das Wort:
„Selbst im Tod ist Pater Mayer nicht umgefallen“.

8. November 1945

München-Graggenau * „Kardinal“ Michael von Faulhaber weiht die „Mariensäule“ am Marienplatz neu ein. 

20. November 1945

Nürnberg * Der „Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess“ beginnt.

24 Mitglieder der NS-Führung werden von den Alliierten für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen.
Es ist ein Medienspektakel ersten Ranges, aber kein Tribunal.


1950

26. November 1950

Freistaat Bayern * Bei der Landtagswahl am 26. November 1950 muss die CSU eine verheerende Niederlage hinnehmen:

  • Nur 27,4 Prozent der Stimmen entfallen auf sie, während die Bayernpartei 17,9 Prozent erhält.
  • Die SPD wird mit 28 Prozent der Stimmen zur stärksten Partei.
  • Obwohl sie 60.000 Stimmen mehr als die CSU erhält, bleiben die Christsozialen aufgrund von Überhangmandaten trotzdem die stärkste Fraktion.

Hans Ehard bildet eine Koalitionsregierung aus CSU, SPD und dem rechts stehenden Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten - BHE.


1954

28. November 1954

Freistaat Bayern * Bei der „Landtagswahl“ Wahl bleibt die CSU zwar stärkste „Fraktion“.

Doch der SPD-Vorsitzende Waldemar von Knoeringen verständigt sich mit dem „Bayernpartei-Vorsitzenden“ Joseph Baumgartner. Nach dem Motto „Es geht auch ohne CSU“ kommen noch die FDP und der BHE dazu, womit die „Viererkoalition“ perfekt ist.

Wilhelm Hoegner, SPD, wird „Ministerpräsident“, Joseph Baumgartner, BP, sein Stellvertreter. 


1958

23. November 1958

Freistaat Bayern * Bei der Wahl zum „Bayerischen Landtag“ ist die CSU die eindeutige Wahlgewinnerin.

  • Die CSU kann ihren Stimmenanteil von 38,4 auf 45,6 Prozent erhöhen.
  • Die SPD verbessert ihr Ergebnis um 2,7 Prozent auf 30,8 Prozent.
  • Die „Bayernpartei - BP“, der „Gesamtdeutsche Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten - GB/BHE“ sowie die FDP fallen nach zum Teil massiven Verlusten unter die Zehnprozent-Marke. 

Der Trend zum Zweiparteien-System schält sich schon bei dieser Wahl deutlich heraus.

Obwohl die CSU mit 101 Sitzen fast die „absolute Mehrheit“ erreicht hat, bleibt es bei der „Dreierkoalition“ aus CSU, GB/BHE und FDP.

Zum „Ministerpräsidenten“ wird Hanns Seidel gewählt.
Sein Stellvertreter, Rudolf Eberhard, gehört aber aufgrund der Mehrheitsverhältnisse nun auch der „Christlich Sozialen Union“ an.


1962

25. November 1962

Freistaat Bayern * Mit der Wahl vom 25. November 1962 werden endgültig die Weichen für die späteren Regierungsverhältnisse in Bayern gestellt. Seither führen die der CSU angehörenden Bayerischen Ministerpräsidenten - Alfons Goppel, Franz Josef Strauß und Max Streibl - von der Staatskanzlei an der Prinzregentenstraße 9 aus nur noch reine CSU-Kabinette.

Mit satten 47,5 Prozent der Stimmen kann die CSU ihren Stimmenanteil erneut um fast zwei Prozent erhöhen. Das Ergebnis reicht für die absolute Mehrheit der Landtags-Mandate aus.

30. November 1962

Bonn * Franz Joseph Strauß muss aufgrund der „Spiegel-Affäre“ sein Amt als „Bundesverteidigungsminister“ niederlegen.


1966

9. November 1966

München-Schwabing * Vom 8. bis 11. November spielt Jimi Hendrix und seine Band „Experience“ im „Big Apple Club“ in der Leopoldstraße als Vorgruppe zu einer „Soul-Revue“

Am 9. November wird Jimi von übermütigen Fans in die Menge gezogen.
Beim Zurückspringen auf die Bühne zerbricht seine Gitarre.
Der Musiker flippt aus und schlägt die Gitarre zu Kleinholz.

Jetzt tobt das Publikum vor Begeisterung, weshalb Jimi Hendrix künftig immer eine Gitarre auf der Bühne zerdeppern muss.

20. November 1966

München * Das „Kabinett“ unter Alfons Goppel setzt sich nur noch aus CSU-Mitgliedern zusammen. 

Während Goppels Amtszeit kann die CSU ihren Stimmenanteil beständig steigern.
So erreicht sie am 20. November 1966 48,1 Prozent.


1969

14. Januar 1969

München * Im Stadtrat geht es um die Benennung von zwei Straßen in Neu-Perlach nach Karl Marx und Kurt Eisner.

Während Marx der CSU-Fraktion „nicht problematisch“ erscheint, entzündet sich die Diskussion an Kurt Eisner. 

Denn: „München hat keine Veranlassung Eisner zu ehren.
Sein Name ist in der Bevölkerung mit viel Unheil verbunden, auch wegen der Ereignisse nach
[!] seinem Tod“.


1970

22. November 1970

Freistaat Bayern * Die CSU erreicht bei der „Landtagswahl“ 56,4 Prozent der Stimmen.


1974

27. Oktober 1974

Freistaat Bayern * Die CSU kann sich bei der „Landtagswahl“ erneut um 5,7 Prozent steigern und sich so auf phantastische 62,1 Prozent verbessern.


1985

20. August 1985

München-Graggenau * Der „SPD-Stadtrat“ Alfred Lottmann stellt - aus Anlass des drei Jahre später bevorstehenden „70. Jahrestage der Revolution und der Ermordung Kurt Eisners“ - an Oberbürgermeister Georg Kronawitter den Antrag für eine „Würdige Gestaltung eines Denkmals für Kurt Eisner“ und kritisiert dabei entschieden die im Jahr 1976 gefundene Lösung.  

Lottmann regt eine Veränderung der Straßenführung in der heutigen Kardinal-Faulhaber-Straße an, um dort den Platz für eine „Säule oder ähnliches“ zu schaffen. 

16. September 1985

München-Kreuzviertel * Der Bezirksausschuss des 1. Münchner Stadtbezirks spricht sich - unter dem eigenwillig betitelten Tagesordnungspunkt „Denkmal für einen Bürgerschreck“ - gegen die Errichtung eines Kurt-Eisner-Denkmals aus.


1986

21. Februar 1986

München-Kreuzviertel * Um 10 Uhr Ortszeit, ziehen die Aktivisten des Vereins „Das andere Bayern“ ein 2,50 Meter hohes, grell gelb-grünes Gemälde Kurt Eisners auf Plastikfolie auf, das der Kunstmaler Eckart Zylla geschaffen hatte.

Zylla malt eine rote Zielscheibe auf das Bild und signiert es.
Danach wird eine Gehsteigplatte zerschlagen, das Bild zusammengefaltet und anschließend das Plastikbild in dem „Denkloch“ vergraben.

Mit der „Kunst-Aktion Kurt Eisner“ will der Verein auf die Lächerlichkeit dieser bis ins Unerträgliche verzögerten „Denkmal-Diskussion“ aufmerksam machen. 


1988

21. Februar 1988

München-Kreuzviertel * Um das sich hinziehende Verfahren zu beschleunigen, greifen die Aktivisten des Vereins „Das andere Bayern“ erneut ein und führen wiederholt eine „Kunst-Aktion Kurt Eisner“ durch. 

Sie setzen einen eigens gestalteten „Gedenkstein“ in die Mitte des Gehwegs an der Kardinal-Faulhaber-Straße.
Wieder an der Ermordungsstelle Kurt Eisner, also am authentischen Ort.

Der „Gedenkstein“ wird von der Polizei als Beweismittel beschlagnahmt.
Daraufhin schenken ihn die Aktivisten der „Stadt München“.
Er befindet sich seither in der städtischen „Asservatenkammer“.

Anfang Oktober 1988

München-Kreuzviertel * Der „Bauausschuss“ empfiehlt die Annahme des Entwurfs der Münchner Künstlerin Erika Maria Lankes für ein „Kurt-Eisner-Boden-Denkmal“ in der Kardinal-Faulhaber-Straße.


2009

8. November 2009

München-Graggenau * Nach Protesten aus der Bevölkerung wird eine Kopie der „Gedenktafel an die Reichskristallnacht“ neben dem Eingang des „Alten Rathauses“ angebracht und enthüllt.


2013

September 2013

München-Graggenau * Die Stadt München kauft nach 18 Jahren das von dem Künstler Bruno Wank geschaffene Werk „Argumente“ zu einem „aus Datenschutzgründen“ nicht genannten Preis. 

Die Kunstinstallation aus Bronzesteinen erinnert in der Viscardigasse an jene Münchner, die zwischen 1933 und 1945 den „Hitlergruß“ vor der „Feldherrnhalle“ nicht leisten wollten und deshalb über die Viscardigasse ausgewichen sind.